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E_1935_Zeitung_Nr.010

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Jlapieme Schätze im Man

Jlapieme Schätze im Man erzählt sich in Hollywood, dass eine Filmgesellschaft jüngst einen Schaden von annähernd 1000 Dollars erlitt — weil ein schweizerischer Eisenbahnfahrplan nicht zur Stelle war. Ein Reauisitenmeister war beauftragt worden, einen solchen Fahrplan zugleich mit anderen Kleinigkeiten zu beschaffen, die für eine Szene in einem neuen Film benötigt wurden, und hatte das vergessen. Darsteller, Statisten und technisches Personal waren im Filmatelier versammelt und die Verfilmung war bis zu jenem kritischen Punkt vorgeschritten, da die Heldin auf dem Eisenbahnfahrplan — es musste ein schweizerischer sein, da ein anderer das Lokalkolorit verdorben hätte — nachzusehen hatte, wann der nächste Schnellzug nach Paris abginge. Der Fahrplan fehlte. Ein Hilfsregisseur musste sein Auto besteigen und in allen Reisebureaus von Los Angeles nach dem unerlässlichen Requisit suchen. Als er mit dem Fahrplan zurückkehrte, waren zwei Stunden wertvoller Zeit mit einem Gagen- und Lohnaufwand von etwa 1000 Dollars nutzlos vertan. Auf Grund solcher unliebsamer Erfahrungen haben sich die meisten Filmateliers Hollywoods entschlossen, eigene Abteilungen für «papierene Requisiten» anzulegen und deren Bestand in sorgfältig geführten Kartotheken zu verzeichnen. Alle erdenklichen Arten bedruckten Papieres sind hier auf Lager und können innerhalb von zwei Minuten herausgesucht werden. Der Abgesandte einer der grössten amerikanischen Filmgesellschaften verbrachte den grössten Teil einer viermonatigen Europareise mit der Beschaffung von Menü- und Eisenbahnfahrkarten, Gepäckscheinen, Depeschenformularen, Briefköpfen, polizeilichen Steckbriefen und ähnlichen Schlag getroffen. Herr « Vorgebrauch », der eine der Zwillinge, Ist plötzlich gestorben. Kennen Sie Herrn Vorgebrauch? Es waren Brüder, der eine klein, dick, kahlköpfig, kränklich, der andere gross, schlank, gut und gesund aussehend, den Kopf voller kastanienbrauner Haare. Dies war Herr Nach- AUTOMOBIL-REVUE 1935 — N° 10 Erstes Erfordernis: Echtheit im Film. Drucksorten; das Archiv seiner Gesellschaft umfasst heute mehr als dreissigtausend « papapierener Requisiten ». Speisekarten der bekanntesten Restaurants der ganzen Welt ruhen dort Seite an Seite mit den Programmen der Rennbahnen Europas, Indiens und Chinas. Die meisten dieser papierenen Schätze des Filmateliers werden wohl niemals Verwendung finden. Aber nur zu oft hat ein Regisseur alle Ursache, dem Archivar für seine Voraussicht dankbar zu sein. So kömmt in dem Film « Eskimo i eine Szene vor, wo kanadische Polizisten, mit amtlichen Haftbefehlen ausgerüstet, einen Mörder verfolgen. Der Regisseur van Dyke musste bloss das « Requisiten-Archiv » anrufen und war wenige Minuten später Im Besitz der authentischen Formulare. Dieselbe Abteilung konnte auch die Nachfrage nach österreichischen Zeitungen, Telegrammformularen und Theaterprogrammen befriedigen, die in letzter Minute für einen in Wien spielenden Film angefordert wurden. Die Echtheit der im Film vorkommenden Plakate, Zeitungen, Programme und amtlichen Schriftstücke ist um so unerlässlicher, Je internationaler das Verbreitungsgebiet des Films ist. Türkische Sparkassenbücher, Exefcutionsaufträge aus der Zeit Napoleons, Londoner Bridgeblocks, tschechoslowakische Versicherungspolicen, persische Trauscheine und chinesische Visitenkarten, die so gross sind wie unsere Zeitungen — das sind nur einige wenige Beispiele für die Mannigfaltigkeit der papierenen Requisiten des Films, die eine Echtheit aller Details in Stücken mit noch so abgelegenen Schauplätzen ermöglichen. «Sündenbock», für weibliche Kunden einen jungen Mann, für männliche Kunden eine junge Dame. Beschwert sich ein Kunde über die Bedienung oder sonst einen Mangel, so wird der Sündenbock gerufen. Der Direktor macht dem Sündenbock die heftigsten Vorwürfe in Gegenwart des Kunden und droht, wenn die Sache schlimm ist, sogar mit Entlassung. Der Sündenbock entschuldigt sich nun bei dem Kunden auf die liebenswürdigste „Weise, und da der Sündenbock entweder ein sagt haben!» Natürlich hat der Direktor X. weder mit P.P. noch mit einem Minister etwas zu tun, er wird jedoch von nun an zehnmal so sorgsam behandelt wie jeder andere Gast und es spricht sich bald allerlei über ihn herum — und er sonnt sich in seinem guten Rufe. Der Gute-Ruf-Macher führt aber auch bei wichtigen Konferenzen dringende Telephongespräche: Während der Direktor X. mit Kunden oder Bankiers verhandelt, klingelt das Telephon. «Kann ich Herrn Direktor X. sprechen? Hier ist der Regierungsrat Y. Herr Direktor möchte sofort ins Verkehrsdepartement kommen, der Vertrag wegen der Lieferung soll gleich unterschrieben werden, der Minister wartet!» Der gute Eindruck ist da — mit einem Schlage ist Herr X. nicht mehr ein xbeliebiger Geschäftspartner, sondern ein grosser Geschäftsmann mit dicken Beziehungen und ausgezeichneten Verbindungen. Das spricht sich schnell herum, und dass sich so etwas herumspricht, das ist die Aufgabe des Guten-Ruf-Machers. Ein Arbeitsloser kam auf den Einfall, als «Gratalant» sein Brot zu verdienen. Er suchte in allen möglichen Registern, wer den 50., 60. oder 75. Geburtstag feierte. Zu dem kam er des Vormittags mit einem Blumenstrauss. In seinem dunklen Anzug sah er durchaus vertrauenerweckend aus. Im Namen irgendeines Vereins, einer Gesellschaft oder dergleichen, die der Jubilar nicht einmal dem Namen nach kannte, überbrachte er Glückwünsche. So etwas erfreut immer, zumal wenn Ehrungen von unbekannter Seite kommen. Eine kleine Rede pries die «Verdienste» des Jubilars. Oft wurde er zu einem Imbiss eingeladen, stets bekam er ein paar Franken Trinkgeld, Einladungen zu einem Essen und anderes mehr. Auf diese Weise ernährt sich der Mann mit Frau und Kind seit — 5 Jahren! In Amerika — natürlich — verfiel ein junger, stellenloser Reklamefachmann auf folgende Idee: Er inserierte (gegen Kredit natürlich) wochenlang in verschiedenen Blättern stets den gleichen Text, z. B.: «Welches ist die beste Schuhcreme der Welt? Antwort demnächst.» Nach einiger Zeit begab er sich zu einer grossen Schuhwichsefabrik, verlangte den Direktor vertraulich zu sprechen und erklärte ihm: «Ich habe die Reklame für eine Schuhcremefabrik gemacht, die jetzt in Zahlungsschwierigkeiten ist, Sehen Sie hier, bereits eine Bomben-Reklame, alle Welt ist neugierig — wollen Sie das Ende der Re- gebrauch. Trotz der körperlichen Unterschiede sah man sofort, dass es Zwillinge klame nicht übernehmen und Ihren Namen waren. Aber die wenigsten wussten davon, einsetzen lassen? Sie müssten natürlich ei- ; nur einige Firmen. „Ein .Unternehmen^Ms nen Teil der Inserate bezahlen!» Dieser! Haarwasserfherstellte, zeigte die Pfi

N» 10 - 1935 AUTOMOBIL-REVUB 15 Jedes Land hat seine gastronomischen Spezialitäten, seine Geheimnisse der Küche, die zu seinem ganzen Charakter gehören. Oft werden sie nachgeahmt, meist mit kläglichem negativem Ergebnis. Nicht zuletzt mangelt es dazu an der richtigen Unterweisung in die Kochkünste eines andern Landes, oder sogar fremder Erdteile. Heute sei einmal versucht, im Fluge eine kleine gastronomische Weltreise zu unternehmen — und zwar an Hand eines ausgezeichneten, einem wirklichen Bedürfnis entsprechenden kulinarischen Baedekers. Wir meinen das überaus empfehlenswerte, soeben erschienene Rezeptbuch «373 Kochrezepte aus 26 Ländern» (Verlag Hallwag, Bern), das die Spezialitäten der verschiedensten Länder vereinigt, gut geordnet aufzählt und detaillierte Angaben über die Zubereitung macht. Die Rezepte sind unter einheitlichen Gesichtspunkten zusammengefasst und allgemein verständlich gehalten. Wir entnehmen diesem von Lilla Deeley zusammengestellten Buch, dessen Preis von Fr. 3i}0 ihm Eingang in jede Haushaltung verschaffen dürfte, einige charakteristische Proben. Die Auswahl berücksichtigt sowohl Vorspeisen wie Fleischspeisen, Gemüse und Köstlichkeiten des Nachtisches, und kann von der Reichhaltigkeit des Buches nur einen schwachen Begriff vermitteln. (Die Speisen sind immer für 6 Personen berechnet, die Menge kann selbstverständlich ohne weiteres verändert werden.) Russland. Bartsch (russische Fleisch- und Gemüsesuppe). Je 1 Stück Weisskohl, rote Rübe, Lauch, Sellerie; Zwiebel werden dünn-nudli? geschnitten (Julienne) und zusammen mit 1 kg Rindsschenkel, f A kg Schweinsschultern, einer kleinen, zerteilten Knte, 250 g Champignons und 3 Liter Wasser zwei Stunden lang gekocht. Etwas Petersilie, Majoran und Thymian verbessern den, Geschmack. Man seiht nun die Suppe durch ein feines Haarsieb und klärt sie auch mit Eiweiss Fleisch und Entenfleisch •werden in kleine Würfel geschnitten und mit den Suppengemüsen vor dem Anrichten der Suppe beigegeben. Im letzten Moment werden einige Löffel voll dicke, saure Sahne hineingemischt. Frankreich. Boiillle-ä-baisse (Marseiller Fischsuppe). In einer dicken Kasserolle wird ein Weinglas roll Olivenöl gewärmt; sobald es zu sieden anfängt, röstet man darin 1 feingehackte spanische Zwiebel, A.Raoofd. gastwnomisdke Tüdtoeise Küchengeheimnisse aus aller Herren Länder. ZINNKANNEN Becher, Platten, Teller, Kaffee-, Teekannen, Services Verlangen Sie Katalog Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Auto» nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Stelger-Gurtner. schlank werden, können Sie nur, wenn Sie du richtige Mittel nehmen. Die Filmstars von Holly. wood verwenden es: Dr. Weinreichs Schlankheit!. tee LEOBAL. Kurpackung Fr. 8.-, Vi Kurpackung Fr. «.25: WoApo~ theke. Base), wo auch Gradipreb« beiEinsendungdei^ Inierac. erhältlich. Zürich Hnngluitr«! u. Ripiraturw«rk>t«ti, lptil»l»Khatt I. Zinnmrtlrr WiRKTn.l ?iiairMinFUrWK