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E_1935_Zeitung_Nr.013

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BERN, Freitag, 15. Februar 1935 Beilage: Motor-Revision Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» I* ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Zum Berliner Automobil-Salon 1935 Berlin, Februar 1935. Nachdem die kurze Winterpause, die auf die internationalen Salons der westeuropäischen Industrieländer folgte, verstrichen ist, eröffnet Deutschland bereits Mitte Februar den Reigen der diesjährigen internationalen Automobilausstellungen. Angesichts der Vorbereitungen zum Genfer Salon hat dieses Ereignis für die Schweiz deshalb besonders Interesse, weil es die ersten Anzeichen dafür liefert, ob und was das kommende Jahr Neues in der Motorfahrtechnik bringt Bei der stürmischen Fortentwicklung derselben in der letzten Zeit wäre es nicht zu verwundern, wenn in diesem Jahre die Industrie gewissermassen auf ihren Lorbeeren ausruhen und sich auf Angebote der bewährten Typen beschränken würde. Soweit die grundlegenden Fragen des Chassisbaues und der Motoranordnung in Frage kommen, trifft das für die meisten Personenwagentypen auch zu, dagegen sind viel Zubehörteile verfeinert worden. Diese Verbesserungen sind zum Teil von so grosser Bedeutung für den technischen Fortschritt, dass im ganzen doch wieder eine höhere Stufe der Sicherheit, Bequemlichkeit und Leistungsfähigkeit im Motorverkehr erreicht scheint Auf dem Gebiet der Nutzfahrzeuge sind sogar grundlegend neue Wege insofern ausgebaut worden, als Motoren und Krafterzeugung für neuartige Betriebsstoffe entwickelt wurden. Diese Entwicklung, welche von dem Bedürfnis der deutschen Wirtschaft zur Um- werden wenigstens einige Sonderkarosserien gezeigt, die soweit gehen, als es heute stellung auf einheimische Kraftquellen ihren der Publikumsgeschmack gestattet. Sicherlich Ausgang nimmt, dürfte wohl auch für manches andere Land beachtenswerte Fingerzeige muss dieser erst noch zu einer aerodynamisch optimalen Form erzogen werden. liefern, wie ja auch in früheren Fällen die An den Fahrgestellen scheint man mit der deutschen Konstruktionen, z. B. hinsichtlich Konstruktion der Rahmen und Räder zufrieden zu sein, jedoch wird an der der Schwingachsen und des Vorderradantrie- Federung bes, richtunggebend gewesen sind. Auf der Berliner Ausstellung ist noch nicht klar ersichtlich, inwieweit diesmal die Welt den von Deutschland aufgestellten Richtlinien folgen wird. Bekanntlich überwiegt auch auf ausländischen Ausstellungen stets das Heimatland. In Berlin finden wir diesmal unter den Nutzfahrzeugen nur die im Inland gefertigten Erzeugnisse einiger französischer und amerikanischer Marken. Bei den Personenwagen haben Italien, Frankreich und England sich durch je eine Auslandsfirma vertreten lassen, die Tschechoslowakei erscheint diesmal sogar mit zwei Firmen. Der grosse Umfang der Ausstellung macht es dem Besucher schwer, schnell eine Uebersicht zu gewinnen. Um so anerkennenswerter F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst •wo»yri*ht bei Paul Zsolnav-Verlag, Berlin-Wien- Zürich. (1. Fortsetzung-) Aber die Belohnung für die Anstrengungen der Augen und die Schmerzen im Rücken lag ta den Spazierfahrten Joans in dem bälleteschmückten Kinderwagen inmitten ihrer zarten Handarbeiten, und darin, dass ein Vorübergehender nach dem anderen sich in entzückter Bewunderung umdrehte. Was für ein schönes Babyl /"Oh du süsses herziges Kind! Ein Mädel natürlich, nicht wahr? Schau dir dieses ungewöhnlich schöne Baby an! Welch sonderbare liebliche Hautfarbe. Oh, hast du dieses schöne Baby gesehen, fcn dem wir eben vorbeigingen? Selene empfand ihre Genugtuung, wenn sie Joan spazieren führte, wie Besitzerstolz und Erfolg. Eine Genugtuung, die auf sie zurückstrahlte, (wie auch ihr Stolz auf ihre kleine Wohnung. 10.- Erscheint Jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage ..Autler-Felerabend". 6—8 mal Jährlich „Gelk* Linie" Die achtgesptltene 2 rom hohe Grundieüe oder deren Raum 45 Rp. nEDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Posteheek III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tan« vor Erscheinen der Nummern che der beiden genannten konstruktiven Möglichkeiten vorzuziehen ist. Die bessere Steuerfähigkeit spricht für den Vorderantrieb, während die Möglichkeit zu aerodynamisch günstiger Formgebung von dem Heckmotor- ist es, dass sich drei führende Werke, nämlich Daimler-Benz, Auto-Union und Stoewer, wagen zur Zeit noch nicht recht ausgenutzt der Mühe unterzogen haben, schon vor derwird. Ausstellung die Fachwelt in Vorträgen über Die Kühlung der letzteren ist allerdings ihr Programm zu orientieren. Dieses umfasst nicht von der Fahrgeschwindigkeit, wohl neben stärkeren Sport- und Luxusfahrzeugen aber von der Motordrehzahl abhängig und vor allem Kleinwagen, die bei geringem wohl überhaupt nur mit besonderen Mitteln Brennstoffverbrauch gleichwohl hohe Anforderungen an Reisegeschwindigkeit und Komteressant ist, dass man jetzt auch für die für alle Fälle ausreichend zu gestalten. Infort erfüllen. Daneben treten einige Firmen Belüftung von Wasserkühlern Turbinengebläse anwendet, ferner werden solche auch auch mit billigen Dreiradwagen auf, die insofern noch Existenzberechtigung haben, als für die direkte Luftkühlung eingebaut Ueberhaupt gehört die Kühlung zu denjenigen Auf- mit dem Einheitsvolkswagen auf längere Zeit hinaus noch nicht zu rechnen ist. gaben, die die Konstrukteure noch stark beschäftigen. In diesem Jahre betätigt sich die Ingenieurkunst in Einzelheiten, die die bekannten Marken als neue Modelle kennzeichnen. Vielfach keit der Motoren durch aufs äusserste ver- Weiterhin sucht man die Betriebstüchtig- sind die Karosserien geräumiger geworden feinerte Reinhaltung zu verbessern. Dazu und mit mehr Komfort ausgestattet Ferner benutzt man in steigendem Masse Oelfilter kommen die Werke dem individuellen Geschmack durch Bereitstellung mehrerer serienmässig gebauter Variationen entgegen, die sich durch die Farben unterscheiden. Ein Zug zu lebhafterer Färbung ist erkennbar, offenbar in dem Bestreben, dem Auge etwas ohne Sonderkosten zu bieten. Auf die Ausgestaltung der Kofferräume wird in richtiger Erkenntnis eines ausschlaggebenden Bedürfnisses grösserer Wert gelegt Dagegen sind in der frage der Stromlinienform neue Fortschritte nicht zu verzeichnen. Es gab in Deutschland bereits Fahrzeuge, die in dieser Beziehung vollkommener waren. Immerhin Wenn man sich Selene in ihrer eigenen Schicht, die sie Heim nannte, vorstellte, gerade in diesem grossen Haufen von einhundertundzehn, wunderte man sich, warum just ihres verschieden war von den anderen in den' zwölf Stockwerken mit Axminsterteppichen, Maschinenspitzenvorhängen, funkelnagelneuen Speisezimmertischen aus rotem Mahagoni mit einer Glasplatte, die wenigstens zehn von den elf Speisezimmern, ober und unter ihr, schmückten. Selenes Speisezimmertisch war aus italienischer Wallnuss und trotz einem Aste in der Tischplatte ein aussergewöhnliches Stück. Und dieser Ast machte tatsächlich, wie sich eben Dinge in der Vorstellung von Antiquitätenhändlern darstellen, den Tisch besonders begehrenswert. Selene hatte ihn in einem Trödelladen in der Fourth Avenue ausgegraben. Und eine knappe Woche nachher bot ihr ein Händler, der ein paar Eisenringe für den Gasherd brachte, ein Drittel dessen, was sie dafür bezahlt hatte. Man wunderte sich, wieso sie alles das wusste, dort in den Schichten von Fabrikmöbel-Speisezimmergarnituren. Das Zinngeschirr auf dem Seitensims, wohl eine Antiquität,, machte, einen, vorzüglichen Eindruck. Ihr imitiertes Sheffield sah ausgezeichnet noch viel herumkonstruiert So erscheinen neue Bauarten von Stossdämpfern und verbesserte Schwingachsen. Für eine besondere Art der Einzelradabfederung, die erstmalig gezeigt wird, hat man das neue Schlagwort « Doppelgelenkachse » geprägt. In der Getriebefrage befestigt sich die Vorzugsstellung der geräuschlosen Verzahnung und des Schnellganges, der jetzt auch viel für Nutzwagen angewandt wird. Die direkte Verbindung von Motor und Achsantrieb, die bekanntlich von den einen im Vorderantrieb vorn, von den andern durch Heckmotoren hinten vorgenommen wird, setzt sich weiter durch, zumal sie bedeutende Vorteile für die Ausgestaltung des Personenraums bietet. Dabei ist noch umstritten, wel- und Luftfilter. Die letzteren wirken teils durch ölbenetzte Metallspäne, teils durch Ausschleuderung des kreisenden Ansaugeluftstroms. Man geht neuerdings dazu über, mehrere Stufen der Reinigung hintereinanderzuschalten, um diese zu vervollkommnen. Die Filter haben sich zu einem selbständigen Sortdergebiet : entwickelt , Entgegen der von manchen geäusserten Erwartungen, dass auch für Personenwagen die 'Zeit des Dieselmotors gekommen sei, bleibt es hier noch im ^allgemeinen beim Leichtöl-Vergasermotor. Dagegen tritt dieser im Nutzaütobau schon vollständig zurück. Hier werden für Dieselmotoren zum Teil noch schwerere Treiböle als früher nutzbar gemacht Ferner haben die Vorschläge zur Verwendung anderer Kraftmittel grosse Vielseitigkeit erlangt. Man sieht Maschinen für sogenannte Reichgase, die aus den Kohlenwasserstoffen, welche bei der Kohleverarbeitung anfallen, gewonnen werden, sowie für Braunkohlengas und einfaches Leuchtgas, das in Flaschen mitgeführt wird. Holzgasgeneratoren, Dampfmaschinen mit Oelfeuerung sind weitere aussichtsvolle Versuche, die Betriebsfrage neuartig zu lösen. Die Anwendung der Elektrizität dürfte auch weiterhin auf Sondergebiete beschränkt bleiben. Zu diesen gehören die Elektrokarren für geringe Reichweite, die dieselelektrischen Grossomnibusse, bei denen die eigentliche Kraftquelle ein Dieselmotor und nur die Uebertragung auf die Achse elektrisch ist, und die Oberleitungs-Omnibusse, welche bei gleicher Stromzuführung durch Draht vor den schienengebundenen Fahrzeugen den Vorteil geringer Streckenkosten und grosser Ausweichsmöglichkeit haben. Dr. ing. O.S. Aus den Kanfonen Fesseln für den Motorfahrzeugverkehr. Wie die Glarner Presse zu berichten weiss, hat ein Bürger folgenden Memorialsantrai an die Glarner Landsgemeinde gestellt: c Um die Betriebsverhältnisse der Sernftalbahli zn verbessern, ist es sehr notwendig, den Verkehr wieder mehr auf die Schienen zu leiten und di« Strasse vom Lastwagenverkehr zu entlasten. Es kann dies durch folgende Vorkehrungen getroffem werden: 1. Es ist der Lastwagenverkehr nur bis 2 Tonnen Ladegewicht gestattet. Wagen, die über mehr Ladegewicht verfügen, sind zu verbieten. Lastwagen mit Anhängern sind vom Verkehr auf der Sernftalstrasse ausgeschlossen. 2. Wagen für Personenbeförderung, die über mehr, als 6 Plätze verfügen, sind vom Verkehr ausgeschlossen. » In seinem Bericht an den Landrat bemerkt mit Recht der Regierungsrat, dass die Begründung zu obiger Eingabe an und für sich unhaltbar sei, weil keine Strasse nur deshalb geschlossen werden dürfe, um die finanzielle Lage einer Bahn zu retten. Die Strassen seien öffentliche Sachen, die im öffentlichen Gebrauch stehen, also jedermann zugänglich sind. Eine Verkehrseinschränkung lasse sich nur aus dessen Gefährlichkeit oder wegen schlechten Zustandes einer Strasse rechtfertigen. Diesbezügliche Beschränkungen seien aber im kantonalen Gesetz über den Motorfahrzeugverkehr vorgesehen, indem der Regierungsrat das Recht eingeräumt erhalten habe, den Verkehr mit Motorfahrzeugen auf bestimmten Strassen ganz zu verbieten oder unter gewissen Bedingungen zu gestatten. Demnach steht dem Regierungsrat bereits die Befugnis zu, den Verkehr auf gewissen Strecken einzuschränken oder ganz zu verbieten, so dass kein Grund vorliege, diese Befugnis aufzuheben oder neu zu regeln. Diese Bestimmungen dürften offenbar dem Antragsteller entgangen sein. Der Regienmgsrat beantragte deshalb, den Memorialsantrae; abzulehnen in dem Sinne, dass über die Frage der Regelung des Verkehrs auf der Sernftalstrasse er selbst zuständig sei, wobei die Frage der Verkehrseinschränkung einer Prüfung unterzogen werde. Prageistrasse. Umarbeitungen und Ergänzungen bestehender Projekte für das schwyzerische Teilstück der Prageistrasse sollen, wie die Lokalpresse berichtet, soweit vorgeschritten sein, dass das schwyzerische Aktionskomitee für den Bau der Pragelstrasse demnächst in den Besitz eines sofort ausführbaren detaillierten Planes für eine 6 m breite, nach den neuesten Normalien der schweizerischen Strassenfachmän- aus. Sie wusste das ganz sicher und genau. Aus ihrem Instinkt heraus. Ebenso wie sie es verstanden hatte, in Peekskill von ihrem Vater, der die meisten seiner Ziegel eigenhändig gelegt hatte, als von einem Bauunternehmer statt von einem Baumeister zu sprechen, und die Serviettenringe der Familie verschVinden zu lassen, als gerade Battenberg-Handarbeiten modern wurden. Selene wusste das aus ihrem Instinkt Aus ihrem Instinkt, wählerisch zu sein. In ihrem kleinen Speisezimmer stand eine Sheraton-Anrichte, ein authentisches Stück von aussergewöhnlich feiner Handarbeit, die sie in beschädigtem Zustand von einem Trödler zu einem lächerlich niedrigen Preis erhandelt und durch ihre gemeinsamen Bemühungen mit einem benachbarten Kunsttischler auf ihren ursprünglichen Glanz gebracht hatte. Ein kleiner Gobelin hing über dieser Anrichte, beinahe so schön gewebt wie ein flämischer, der einen merowingischen König, mit seinen Gefährten über eine Ebene reitend, in köstlicher Perspektive darstellte. Und zu dieser Decke gab es eine Geschichte. Die Geschichte einer der wenigen bösen Szenen während der siebenundzwanzir Monate des Ehelebens mit John Herrick. Diese Szene lag schwer auf Selenes Herzen, lange noch, viele Tage noch, nachdem ihr Gatte ihr nicht nur vergeben, sondern auch vergessen hatte. Eigentlich war es doch nicht so sehr eine Szene. Mehr als wahrscheinlich fanden nachts viele solcher Szenen statt in den zwölf Schichten von hundertundzehn Wohnungen des Upper West Side-Hauses, das als Priscilla Court bekannt war. John Lester, der das leichte lohende Haar Selenes zu küssen liebte, denn seinen Lippen fühlte es sich warm und süss wie Heu, war Sofort bereit, die Szene wegzuküssen. Aber wie ihr John Lester noch voll Aergers sagte, betrug der Preis dieser kleinen Decke zwei Drittel seines monatlichen Einkommens. Und immer, wenn das Haushaltungsbudget zur Diskussion stand, zeigte sich eine tiefe Falte zwischen seinen Augen. Schweiss und Nerven, die John Lester für die primitiv notwendigen Rechnungen brauchte, für Butter und Eier und Schuhe für die kleine Joan und Zins und Gas und Eis, waren aufgesogen worden von diesen Lumpen, den sie einen Gobelin nannte, und der diese Szene zwischen ihiea heraufbeschworen hatte.