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E_1935_Zeitung_Nr.014

E_1935_Zeitung_Nr.014

BERN, Dienstag, 19. Februar 1935 Nummer 20 Rp. 31.Jahrgang - N» 14 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Richtlinien des deutschen Autobaues Ein Querschnitt durch den Berlin-Salon. Berlin, den 16. Februar 1935. .*-- Am letzten Donnerstag wurde die Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung nach einer tiefschürfenden Ansprache des Präsidenten des Reichsverbandes der Automobilindustrie, Geheimrat Allmers, und nach einer Rede des Reichskanzlers Hitler, in welcher dieser die programmatische Erklärung abgab, gewillt zu sein, auch weiterhin alles zu tun, um den Motorverkehr zu fördern und um die Voraussetzungen für eine umfassende Motorisierung des Verkehrs zu schaffen, feierlich eröffnet. Die Ausstellung erstreckt sich auf neun riesige Hallen und ist bis auf das letzte Plätzchen ausgenützt. Man muss dem Veranstalter dankbar sein, dass er durch eine ausserordentlich übersichtliche Anordnung der Ausstellungsobjekte und durch eine wohldurchdachte Gliederung des Stoffes die Besichtigung der Ausstellung sehr erleichtert. Trotzdem ist es im Hinblick auf die Fülle des zur Schau gestellten selbst bei Ausnützung aller zehn Ausstellungstage kaum möglich, auf allen Einzelgebieten wirklich zu gründlichen Kenntnissen zu gelangen. Innerhalb einer zweitägigen Besichtigungszeit gelangt man knapp zu einem grossen Ueberbljck; zum eingehenderen Studium der Ausstellungsobjekte muss man sich auf einzelne Teilgebiete beschränken. Im folgenden soll ein Ueberblick über die konstruktive Entwicklung der deutschen Personenwagen gegeben werden, während bei späterer Gelegenheit auf die neuen Lastwagen zurückgekommen wird. Hier sei jedoch schon vorweggenommen, dass die Lastwagenschau in diesem Jahr vielleicht der interessanteste Teil der ganzen Ausstellung ist. Unter der grossen Zahl von schweren und schwersten Lastwagen, die über hundert Stundenkilometer zu fahren vermögen, unter den riesigen, stromlinienförmigen Schnellreisebussen der künftigen Reichsautobahnen, unter den gigantischen Schleppern, Dreiachsern und Raupenfahrzeugen, gibt es so ungeheuer viel Interessantes, dass es nicht leicht ist, sich in diesem Teil wirklich gründlich durchzuarbeiten. Allgemeines über die neuen Personenwagen. Man kann vor allem von einer noch stärkeren Ausprägung der deutschen Konstruktionsrichtung sprechen. Dies gilt insbesondere Vom Fahrgestell. Die Entwicklung zum schnellen Gebrauchsfahrzeug ist allenthalben Mannequin. Roman von Fannie Hurst ' Copyright bei Paul Zsolnay-Verlag, Berlin-Wien- Zürich. (2. Fortsetzung.) Und Selene war mit der Entscheidung ihres Gatten einverstanden. Wie grosszügig von ihr, dachte sie. Aber schliesslich würde John Lester früher oder später lernen müssen, Kompromisse zu schliessen, wie es doch in der Karriere eines Mannes unvermeidlich wird, dessen Angelegenheiten mit grossen Dingen und grossen Entscheidungen, grossen politischen und gesetzlichen Auseinandersetzungen verbunden sind. «Nein!» donnerte John. «Na, hoffentlich behältst du recht, Liebster^ Eine merkwürdige Eigenschaft an Selene, dass sie trotz der kleinen irdischen Sinnesrichtung, die Möglichkeit der ersten Versöhnung mit dem Kompromiss von John Lester abhalten wollte. Sie machte diese Möglichkeit in schlauer, kaum erkennbarer Weise wett, dass sogar John Lester in seiner schwerfälligen Art zu lachen begann. Eine merkwürdige schlaue Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Autler-Felerahend". 6-8 mal jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern festzustellen. Nach wie vor ist der Gebrauchswert entscheidend. Die in manchen Berichten enthaltenen Hinweise auf eine Entwicklung in der Richtung auf das Sportfahrzeug sind nicht zutreffend. Nach wie. vor gibt es auf dem deutschen Markt nur sehr wenige wirkliche Sportwagen. Meist handelt es sich um Serienfahrgestelle mit aufgesetzter Sportkarosserie. Der Motor. Die deutschen Konstrukteure sind sich sehr wohl bewusst, dass sie zwar mit ihren Schöpfungen auf dem Gebiete der Federung und Radführung — damit also der Bodenhaftung und Kurvenlage — an der Spitze der Weltproduktion stehen, dass aber hinsichtlich der Motoren noch immer eine Ueberlegenheit anderer Länder, vor allem Amerikas, vorhanden ist. Diesen merkwürdigen Sachverhalt kann man nur dann verstehen, wenn man bedenkt, dass bis vor kurzem in Deutschland der Motorenbau unter dem fiskalischen Zwang der Hubraumsteuer in ganz falsche Bahnen gelenkt war, während in Amerika seit jeher Motoren mit grösserem Hubraum entwickelt worden waren. Auch erforderte der dichte;Verkehr Amerikas schon frühzeU tig eine ganz besondere Forcierung der Beschleunigung. In Kenntnis dieses Sachverhaltes und mit Rücksicht auf den Umstand, dass hinsichtlich der Radführung und Federung an den deutschen Wagen des Jahres 1934 kaum etwas zu verbessern war, galt die Arbeit der Konstrukteure in besonderem Masse der Verbesserung der Motorleistung. Die Literleistung der Motoren wurde fast durchwegs erheblich verbessert. Dem oberflächlichen Betrachter tritt dies nicht besonders in Erscheinung, in der Fahrpraxis ergeben sich aber doch wesentliche Vorzüge. Es ist bemerkenswert, dass die Verbesserung der Literleistung fast ausnahmslos nicht mehr durch eine Steigerung des Verdichtungsverhältnisses erreicht wurde, sondern durch eine bessere Ausgestaltung des Verbrennungsraumes, durch gründliche Bearbeitung der Fragen der Anordnung der Zündkerze, der Führung der Ein- und Auslasskanäle und der Bemessung der Ventile und deren Betätigungsart. Durch diese Verbesserungen sind nicht nur die Endgeschwindigkeiten der Wagen fast durchwegs etwas verbessert worden, sondern auch die Beschleunigung der Motoren ist ungleich günstiger als bisher. Verbindung von Kind und Besserwisser» seine Selene. Lange nach dem Entschluss, den Fall Garfinkle zurückzuweisen, bestand Selene darauf, dass John Leute aufsuche, wie den Richter Rhincoop, der einmal den jungen Herrick so wohlwollend beobachtet hatte, und Herbert Wing, wahrscheinlich den bedeutendsten Rechtsanwalt seiner Zeit, der John Lester eingeladen hatte, bei dem Bankett der Advokatenkammer an seiner Seite zu sitzen. . Selene wollte, dass diese Leute zumindest von dem Leckerbissen wissen sollten, der in John Lesters Schoss hätte fallen können, und dass er ihn zurückgewiesen hatte. Selene wollte, dass John Lester in den unmittelbaren Gedankenkreis dieser Leute gezogen werde. Das könnte der Härte des momentanen Verzichts die Bitternis nehmen. Ihr Anteil an diesem Verzicht, mit dem sie so grosszügig einverstanden gewesen war, war das Kindermädchen. Die Herricks hätten sich eine Nurse leisten können, wenn der Fall Garfinkle... Und Selene hätte gerne ein Kindermädchen gehabt. Ihre Fähigkeit zu wünschen, war erstaunlich. Mit ihrem ganzen Sein lechzte sie förmlich nach einer Nurse. Aber nach einer in «Tracht». Neben der Erhöhung der Literleistung ist eine Erhöhung des Hubraumes bei vielen Wagen feststellbar., So herrscht bei Adler sowohl beim Trumpf wie auch beim Primus der Motor zu 1,7 Liter Inhalt gegenüber dem früheren 1,5-Liter-Motor eindeutig vor; Wanderer 'hat neben seinen bisherigen Typen zu 1,7 Liter und zu 2 Liter einen neuen Typ zu 2255 ccm geschaffen und holt aus diesem obengesteuerten 2,3-Liter-Motor nicht weniger als 50 PS heraus. Dieser Motor ist mit einem Fallstromvergaser ausgestattet. Dieser gleiche Motor wird nun auch für den Audi- Wageh, bekanntlich einem Fronttriebler, benützt, so dass sich auch bei dieser Marke eine Vergrösserung der Motorkraft ergibt. Die Bayrischen Motorenwerke haben in systematischer Fortentwicklung ihres bisherigen Anderthalbliter-Sechszylindermotors einen neuen Motor von 1920 ccm geschaffen, der vor allem für Sportzwecke verwendet werden soll. Bei Daimler-Benz (Mercedes) ist aus dem Heckmotorwagen mit 1,3-Liter- Motor ein Sportwagen mit 1,5 Liter Hubraum entwickelt worden; dieser Typ lief bekanntlich im Vorjahr schon bei der 2000-km- Fahrt und einigen anderen Konkurrenzen und ist nunmehr reihenmässig erhältlich. Der Motor liegt vor der Hinterachse. Bei Hansa wurde der 500-ccm-Heckmotorwagen aufgegeben, während die beiden anderen Motoren zu 1088 und 1634 ccm wesentlich verbessert wurden. So leistet der 1,6-Liter-Motor nun 40 PS, was eine wirklich erstaunliche Leistung ist; er besitzt nun Hängeventile, während der Motor des Vorjahres stehende Ventile besass. Bei Maybach wurde ein neuer Motor entwickelt, der bei nur 3435 ccm Hubraum die phantastische Leistung von 140 PS ergibt. Dieser Motor soll noch kurz besonders besprochen werden. Auch Stoewer hat die Motorleistung erhöht, und zwar durch die Verwendung eines Siluminkopfes, durch grössere Ventilquerschnitte und durch Veränderung des Ansaugrohrquerschnittes. Schliesslich hat auch Steyr, welche Marke — abgesehen von den augenblicklichen politischen Verhältnissen — in Deutschland im allgemeinen nicht als «ausländisch» angesehen wird, seinen bekannten Typ 100, der einen 1,3-Liter-Motor besitzt, zum Typ «Super 120» fortentwickelt und ihn unter Beibehaltung des leichten Fahrzeuggewichtes und der Vollschwingachskonstruktion mit einem Motor von 1976 ccm Hubraum, aufgeteilt auf 6 Zylinder, ausgerüstet. Daneben wird der schwere Zweilitermotor im Typ 430 weitergeliefert. Der neue Maybach-Motor weicht von den bisherigen Konstruktionstendenzen des Friedrichshafener Werkes vollkommen aö. Bisher , Nicht das Kindermädchen, das wirkliche Kindermädchen aus Fleisch und Blut, hätte dem Hause so viel bedeutet; wenn auch Selenes Ausdauer, trotz ihrem starken jungen Lebenswillen, unter der ständigen Vorstellung gelitten hätte, dass diese vier kleinen' anspruchsvollen Räume und die Arbeit um ein Baby den ganzen Tag ausmachten. Abgesehen davon, dass es unmöglich wäre, auch nur einen freien Nachmittag aus diesem INSERTIONS-rREIS: baute Maybach Motoren mit kolossalem Zylinderinhalt, so vor allem den 8-Liter-Motor des Typs Zeppelin mit einer Leistung von 200 PS. Während andere Fabriken Hochleistungsmotore schufen, bei welchen das Allerletzte herausgeholt wurde, baute Maybach langsamlaufende Motoren grossen Zylinderinhaltes, die durch die stete Kraftreserve und die geringe Beanspruchung des Materials fast nicht umzubringen waren. Und nun kommt Maybach mit einem Hochleistungsmotor von 140 PS Leistung bei dreieinhalb Liter Hubraum heraus. Natürlich weicht dieser Motor konstruktiv vom bisherigen Aufbau der Maybach-Motoren vollkommen ab. "Vor allem wurde die Maybach-Ventilanordnung aufgegeben. Während bisher die Ventile horizontal angeordnet waren und durch lange Hebelarme von untenliegenden Nockenwellen betätigt wurden, besitzt der neue Motor schräg hängende Ventile, die über kurze Zwischenhebel von der über dem Zylinderkopf angeordneten Nockenwelle betätigt werden. Dieser neue Motor, der nicht die grossen Massen des Riesenmotors mitschleppen und mitbewegen muss, ist ausserordentlich wirtschaftlich; der Brennstoffverbrauch wird mit 17 bis 20 Liter pro 100 km angegeben. Die Ventile werden nicht durch die üblichen Schraubenfedern, sondern schwingungsfreie Blattfedern gegen die Sitze gedrückt. Die sechs Zylinderlaufbüchsen aus Spezialgrauguss sind in das Gehäuse eingepresst und werden direkt vom Kühlwasser umspült. Die Kurbelwelle ist achtfach gelagert und mit Gegengewichten und einem Schwingungsdämp-' fer versehen. Noch ein zweiter neuer Motor verdient besondere Beachtung. Die Imperia-Werke in Godesberg haben unter der Bezeichnung' «LG.» (Imperia-Godesberg) einen kleinen Sportwagen geschaffen, der als einsitziger Rennwagen bis 200 Stundenkilometer, als zweisitziger Sportwagen immerhin noch bis 160 Stundenkilometer läuft. Verwendet wird ein Zweitakt-Dreizylinder-Motor in Sternform. Dieser von Dr. Ing. Schrödter, dem technischen Leiter von Imperia, gebaute neuartige 750 ccm-Motor weist einen Doppelkompressor auf, der einerseits reine Spülluft in die Zylinder bläst, um die verbrannten Gase auszustossen und an der Mischung mit den Frischgasen zu verhindern, während der andere Kompressor die Frischgase den Zylindern zuführt. Der Motor ist luftgekühlt,' unter Zuhilfenahme eines Turbogebläses. Kühlung. Da Röhr auf der Ausstellung nicht vertreten ist, ist auch der bekannte Röhr-Junior, eine Tatra-Lizenz, nicht zu sehen. Es fehlt daher der wichtigste Repräsentant der Luft- Trott für einen Einkauf herauszuschinden, wenn nicht ihre Mutter, eine äusserst liebenswürdige, aber ungeheuer geschwätzige Dame, mit erlesen gepflegt aussehender Haut, den weiten Weg von Peekskill hereinkäme, um während ihrer Abwesenheit die kleine Joan zu betreuen. Was Selene eigentlich wollte, mit einer Leidenschaft, die auch ihre unterhaltende Seite hatte, war nicht so sehr ein Kindermädchen, das ihr bei der rückenschmerzenden Hausarbeit und bei der Wartung ihrer kleinen Tochter Joan helfen sollte, das Baby zum gepflegtesten der hundertundzehn Wohnungen zu machen, als vielmehr und hauptsächlich, man merke wohl, eine Nurse in Tracht. In einer Tracht, die Joans Lieblichkeit erhöhen sollte. Sie stellte sich eine Nurse nie ohne diese Tracht vor. Aus schwarzem Satin und weissen gekräuselten Organdyschleifen, die aussahen wie wachsame Hundeohren. Selene konnte solche Schleifen drehen, sorgfältig, 'mit der Hand. Man machte sie mit einer kleinen eingedrehten Ahle. Es war ein Vergnügen, Selenes verwöhnte Finger bei einer solchen Handarbeit zu beobachten. Und Selene wünschte mit einer Leidenschaft, die zugleich belustigend war, dass Joan von einer Nurse spazieren geführt werde, die wie ein Automat aussehen solle,' ganz wie jene, die ihre Kinder in eisengrauen Kinderwagen spazieren führten, aus den stolzen Renaissancepalästen, die auf der anderen Seite des Central-Parks lagen. Den Kinderwagen hatte sie bereits bei einem Trödler gekauft und mit eisengrauer Farbe frisch lackiert. Und Joan in ein Nest gebettet, aus Polstern, die sie selbst ange- 'fertigt hatte. Wundervoll. Unter zahllosen anderen Genugtuungen für Leib und Seele, die der Fall Garfinkle mit sich gebracht hätte, wäre die Nurse die Krone gewesen. Und deshalb glaubte Selene auch besonders grosszügig gewesen zu sein, als sie beigestimmt hatte. Es gibt ein Zitat von Emerson, das Selene einmal in einem Schulaufsatz gebraucht hatte. Sie hatte zwar den Text, aus dem es