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E_1935_Zeitung_Nr.014

E_1935_Zeitung_Nr.014

abgesprengte Teil des

abgesprengte Teil des Gebirges hat die Form eines Fisches, er ist rund wie ein Karpfen, nein, er hat den Umfang eines tibergrossen, riesigen Schiffs mit südwärts gerichtetem Bug. Das breite Verdeck liegt ein wenig schief. Wie eine Schanze steht dieser Bergstock in dem Durcheinander der Topographie. Sein Anstieg sind graue Pfeiler. Von senkrechten Felswänden fluten schwarze Wälder nieder. Aber plötzlich ist wieder Ebene da mit Wiesen, Ackerstreifen und Teichen. Ein weisses Schloss wird sichtbar, es steht in seinem Garten wie auf dem Präsentierbrett, umzirkelt von Wegen und Rondellen. Einer der beiden Flügel ist nicht vollendet. Das Gelände verliert sich nun ins Bäuerliche. Blühende Bäume stehen um Häuser mit silbernen Dächern. Weisse Landstrassen führen von Dorf zu Dorf. Und schon taucht vor dem Grau der Alpen, vor dem Blaugrün des Sees eine Stadt auf. Dieses weissliche Gebäude muss der Völkerbundspalast sein. Genf. Der Blumenstrauss. ... Wir fliegen schon über das Mittelland der Schweiz. Helen wird in Stuttgart aussteigen. Wir sassen vorhin ein paar Minuten an einem der kleinen Tische neben dem Genfer Flugplatz. Auf dem Rasen stand eine bunte Schar kleiner Flugzeuge, zu irgendeiner Veranstaltung aus allen Ländern zusammengekommen. Einige stielten hoch in der Luft. Ich weiss Helens N- -i nicht, frage nicht nach ihren Angelegenhp Irgend etwas Herzliches, eine kleine flüchtige Sorge spielt in unsere Begegnung, und wir werden uns trennen ohne ein Versprechen für später. Mit geschlossenen Augen sitzt Helen am Fenster im Donnern des Motors. Unberührt von Menschengedanken ist das Hirn der Maschine, das immerwährend getroffen wird von den lichtschnellen Pfeilen des Funks, die von irgendeinem Turmgerüst aus der Ferne zu ihr hinfliegen. Die Seen da unten reihen sich wie dunkle Spiegel im glanzlosen Mittag. Kanäle durchziehen das Moor und verbinden die Wasser von Neuchätel, Biel und Murten zu einer Kette. In den Bielersee leitet ein Kanal die Aare, die dann doch den Weg zum Rhein noch findet. Bald wird der Rhein aufglänzen. Kein Fluss reiht sichtbarer Städte aneinander. Städte hängen an ihm wie Früchte. Er ist ihr gemeinsames Band. Nichts ist städtebildender als ein Fluss. Die Rhone hat es einfacher als der Rhein. Sie durchfliesst Savoyen, die Dauphine, die Provence, die längst zu Landschaften des einigen Frankreichs geworden sind. Die Länder, die der Rh«in durchfliesst, waren einmal eine Einheit. Sie sind es längst nicht mehr. Aus den schwarzen Schluchten des Jura steigen Nebel. Eine kleine, kahle Industrielandschaft tut sich auf. Diesseits der Alpen ist graues Wetter, Regen und Kühle lagern über dem Schwarzwald. Erst im grünen Tiefland von Schwaben lächelt auf roten Dächern die Sonne. Fern hinter uns blieb der blaue Edelsteinglanz des Meeres. Ich möchte nicht aufhören zu fliegen; gern flog ich den Rhein entlang bis zu den blanken Wasserwüsten, bis zu den Eisbergen von Thule. Jetzt wird der Spanier mit seinen Gästen auf der Insel sein. Sie gehen durch die grünen, mit Mandelbäumen bepflanzten Felder. Braune Schafe weiden unter grau schimmernden Oelbäumen. Den Horizont umkreisen die Segel vieler Windmühlen, deren grosse, pfeilartig gefiederte Steuer auf die See gerichtet Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Stelger-Qurtner. die wirksamen materiellen Schutz vor mancherlei Schicksalsschlägen gewähren. sind. Dort ist eine Bucht, das Gelände schon abgesteckt. Eine Gartenstadt wird gebaut für Menschen, die das Asyl eines inselhaften Friedens suchen, weitab von den Unruhen der Zeit. Hier aber, auf dem Festland, werden Städte umgebaut und geändert. Ueber die Strassen jagen wie schwarze Käfer die Autos, Menschen sitzen am Rand der Strasse und beträchten den Strom der Fussgänger. Eine kleine Zeitversetzung, kaum der Rede wert, und ich lebe in vielen Städten Europas gleichzeitig. Mit geschlossenen Augen sehe ich die Potsdamer Strasse in Berlin, die See-Strasse in Genf, die von Blumen und Vogelkäfigen, von Schaufenstern und Hotelinschriften gesäumte Rambla von Barcelona. Gärten werden gepflanzt, Arbeiten begonnen, alte Pläne fortgelegt und neue ausgeführt. Sorgen werden getragen und vergessen in dem weiten Menschenreich, das immer neue Kräfte aus dem Unendlichen an sich zieht.' Der Stuttgarter Flugplatz ist näh. Das Flugzeug schreibt seinen weiten Bogen über die Dächer von Böblirigen. Gleich muss ich in ein anderes Flugzeug und weiter. Ich raffe meine Sachen zusammen, wir landen. Helen schreitet vor uns allen zur Halle. Ein wenig bleich und verblüht sah sie in ihrem Schweigen aus. Jetzt setzt sie rasch den Fuss auf die Erde. Sie winkt noch einmal, fest, Ein Hase hüpft durch Europa. Unweit der ungarischen Staatsdomäne Babolna (Komitat Komorn) wurde kürzlich ein Hase erlegt, der im rechten Ohrlöffel, eine kleine Kupferplatte mit Markierung trug. Ihr zufolge gehörte er zu einer Anzahl von Hasen, die im Jahre 1931 aus Süd-Ungarn nach Deutschland geschickt und 5 in der Nähe von Berlin ausgesetzt worden waren. Das Tier hat also im Verlauf von drei Jahren die Heimat wieder erreicht, wobei es seinen Weg quer durch die Karpathen genommen und die (vielleicht zugefrorene) Donau übersetzt haben muss. Ganz gewlss ist es nicht, wie Unkundige gerne glauben möchten, Sehnsucht nach der Heimat gewesen, die den aus Ungarn stammenden Hasen zu seiner merkwürdigen Wanderung veranlasste. Nahrungssuche wird ihn geleitet, Neid und Eifersucht der andern, fremden Hasen, und schliesslich jagendes Raubwild werden ihn getrieben haben. Öass der Weg stellenweise' durch waldiges Gebirge ging, wird dem.Tier gleichgültig, gfe wesen sein. Hasen sind sehr aftpassüngs-' fähig; sie kommen im offenen Felde wie im geschlossenen Walde, Tiefland wie in Höhenlagen fort. Eberiso können sie: ganz gjjt schwimmen, obgleich sie diese Kunst selten freiwillig' ausüben. Anderseits gehen sie, wenn es sein muss, auch über schneeber deckte Eisflächen. Haben Sie eine «gute Nase»? Man soll durch die Nase, nicht durch den Mund atmen, damit die Staubteilchen, der. eingeatmeten Luft zurückgehalten werden. Genaue Untersuchungen haben jetzt ergeben* dass die Nasen mancher Menschen so gute Filter sind, dass sie mehr als 70 %. selbst sehr fein verteilten Staubes festhalten. Die Nasen anderer Menschen erfüllen diese Aufgabe dagegen nur höchst unvollkommen, ja bisweilen so schlecht, dass sie sämtliche Verunreinigungen der Atemluft hindurchlassen. Viele Bergleute erkranken im Laufe der iwiRKTn.nl ZiiBirM inFWFNWtf JlUllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Für den Automobilisten sind nicht nur Haftpflicht-Versicherungen notwendig, sondern auch Unfall- und Lebensversicherungen, Winterthur" Verlangen Sie unsere Prospekt« una Offarte. 19 Schweizerische Lebensversicherung*- Unfallversicherungs-Gesellschaft Gesellschaft 2)e* AUTÖMOBII>REVUE 1935 - fröhlich und fremd. Dann ist sie verschwunden. Wie eine Postkutsche fährt mich das kleine Flugzeug nach Hause. Der Pilot mit der Lederhaube auf dem Kopf ist von oben in den Führersitz hineingeklettert wie auf einen Kutschbock. Die Maschine hat nur einen Motor. Die Hebel und Tabellen hinter der Scheibe kommen mir schon fast altertümlich vor. Der Flug hat etwas Behagliches wie ein Ueberlandfahrt mit dem Postillon, der noch mit Peitsche und Posthorn durch die Wälder fuhr. Wir fliegen niedrig über das wohlbestellte, saubere Land. Eine Hagelwolke streift unsern Weg, sie prasselt minutenlang auf uns herab. Dann hängt ein Regenbogen wie eine dunkle Seifenblase in der Luft. Die Sonne lodert in tiefen feurigen Wolken über Frankreich. Es sind noch mehr Leute in der kleinen Luftkutsche, ich vergass es beinahe. Geschäftsleute mit Aktenmappen, und ein Knabe, der zum erstenmal fliegen darf. Begeistert, mit glänzenden Augen, schaut das Kind aus dem Fenster. Diese Nacht werde ich unter dem eigenen Dache schlafen. Der Blumenstrauss «teht mitten im Zimmer auf dem Tisch, er wird noch leuchten, wenn ich längst wieder fort bin. Haqe&fUm Jahre an « Lungensilikose », da sich in ihren Lungen allmählich grosse Mengen kieselsäurehältigen Staubes anhäufen. Eine.Untersuchung erkrankter Bergarbeiter zeigte nun, dass sie fast alle solche « schlechte Nasen > hatten. Rekord der Schönheitsmittel. Keineswegs Amerika, sondern England hält nach der Statistik den Rekord der Schönheitsmittel. Die Engländerinnen geben dafür das meiste Geld aus, besonders für die teueren Artikel dieser Art. Es gibt in London allein 3000 Schönheitssalons, die gut florieren sollen. Nach den Berichten der einschlägigen Industrie wurden im Jahre 1934 in England 500 Meilen Lippenstifte und 5000 Tonnen Puder verkauft. Ein amerikanisches Gelehrtenschicksal. i Professor William Murphy, einer von den i drei. Nobelpreisträgern für Medizin 1934, die mit' Erfolg den Kampf gegen die vorgeschrittene Blutarmut geführt haben, wurde vor , seiner Abreise aus Schweden von einer Stockholmer Tageszeitung über sein Leben und seine Arbeiten ausgefragt. Dabei erzählte Professor Murphy, dass er von armen Eltern abstamme und während seiner Studien mit den grössten materiellen Schwierigkeiten gekämpft habe. Er nahm damals jede Arbeit an, die sich ihm darbot, und war abwechselnd als Journalist, Saxophonist, bezahlter Chorsänger und Land- ' arbeiter tätig. Darauf studierte Professor Murphy auf Grund eines Stipendiums, das er auf eine sehr merkwürdige Weise erhielt. Das betreffende Stipendium berechtigte zu einem Studium an der Harvard-Universität, konnte aber nur einer Person zuerteilt werden, die denselben Namen trug, wie der Stifter. Dieser hiess William Murphy. Dank dieser glucklichen Uebereinstimmung des Namens fanden die Schwierigkeiten für den jungen Studenten ein Ende, der allen an der ZINNKANNEN Becher, Platten, Teller, Katfee*, Teekannen, 8er?ieei Verlangen Sie Katalog Zürlth Zlnnrlessorel u. Reparafurwerkstätte, Spezialgeschäft I. Xinngtschlrr ZUR Hypothekariind Baukredite Zins 2 1 Ablösung von Hypotheken und Bürgschaften Verl. Sie Prospekt DI Wenige Tropfen MAGNESIUM SIEGFRIED morgens eingenommen, erhält Sie auch bei anstrengendster Tagesarbeit frisch und unermüdlich. 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Du hast keine Ahnung von dem, was ich gesagt habe.» «Doch, du hast von Bindungen gesprochen.» «Ja, aber nicht von Skibindungen.» «Von was für Bindungen denn?» fragte sie erstaunt und trat zu ihm. «Ich habe bemerkt», entgegnete Konstantin mit verhaltener Wut, «dass mein Vetter Adalbert recht hat, wenn er sagt, dass man keine zu engen Bindungen eingehen soll.> Sie sah ihn verständnislos an. «Wenn da meiner nicht so sicher wärst, so würdest du mir in den wenigen Stunden unseres Beisammenseins mehr Aufmerksamkeit schenken.» «Du weisst doch, dass ich nächste Woche auf die grosse Skitour gehe. Es ist höchste Zeit, dass ich mir eine Liste der Dinge anlege, die ich mitnehmen muss.» «Und ich wage zu behaupten, dass du diese dringende Beschäftigung auf einen anderen Zeitpunkt verlegen könntest. Aber du rechnest eben damit, dass ich mir wie ein gut dressierter Hund alles von dir gefallen lasse!» «Seehundstreifen!» rief sie aus, und lief wieder zum Schreibtisch. «Gut, dass d« mich daran erinnert hast. — Nein, bitte, sei nicht gleich böse», fügte sie rasch hinzu, als sie seine unheilverkündende Miene sah, «ich lege die Liste schon in die Lade. Ich werde mich von jetzt an nur noch dir widmen. Bitte, erzähle mir etwas Nettes!» «Ich habe die Lust zur Unterhaltung verloren. Du hast ja doch nur deine Skitour im Kopf. Ich glaube, wenn ich dir selbst mitteilte, dass ich mit dir brechen will, so würde dich auch das nur an etwas Zerbrechliches, z. B. an deine Schneebrillen, erinnern.» «Ich trage nie Schneebrillen. Sie laufen In der Kälte an. Wie schlecht du mich übrigen» kennst, Stanny», sagte sie schmeichelnd. «Wenn ich erkläre, dass ich jetzt nur noch an dich denken will und gar nicht mehr an die dumme Skitour, so kannst du dich darauf verlassen. Bist du wieder gut ? » «Siehst du, wie nett du auf einmal sein kannst», sagte Konstantin. «Man muss euch Frauen nur zu behandelnwissen! Wenn man nicht manchmal mit der Faust auf den Tisch haut » «Ach», flüsterte Vera, «du könntest mir wirklich ein Paar rote Fäustlinge schenken !> vorgeschrittenen Blutarmut Leidenden Rettung bringen sollte. Bei der feierlichen Nobelpreisverteiluog in Stockholm 1934 hob der schwedische Gelehrte, der die Verdienste Professor William Murphy's und seiner beiden Kollegen darlegte, hervor, dass seit ihrer Entdeckung schon viele Tausend Menschenleben gerettet worden seien. Jeder, der an der vorgeschrittenen Blutarmut leide, wisse heute, dass es ein Mittel gibt, tan ihn am Leben zu erhalten. Gebt der Jugend nur guten Lesestoff! Die erlebnishungrige und von Tatendrang erfüllte Jugend mit passendem Lesestoff zu versorgen, war für die Erziehung nie so wichtig wie heute. Die vor unsern Augen aufwachsende Generation läuft Gefahr, vor lauter Sport und Beschäftigung mit technischen Problemen den Sinn für das stille Walten menschlicher Güte, für Aufopferung und Freundestreue zu verkümmern. Einsichtigen Eltern und Erziehern empfehlen wir daher unsere Sammlung „Schweizer Jugendschriften", sie enthält eine reiche Auswahl von Reiseschilderungen, Darstellungen der Sitten und Gebräuche fremder Gegenden, Erzählungen aus Gegenwart und Vergangenheit. Sie sind alle den Schätzen der Weltliteratur entnommen, erfüllen Herz und Geist der jungen Leser mit guten Bildern und spornen sie an, dem eigenen Leben die Richtung auf ein hohes Ziel zu geben. In allen Buchhandlungen wird man Ihnen gern ein Verzeichnis der einzelnen Schriftchen vorlegen, die mit ihren 32—48 Seiten in 4farbigem Umschlag und mehreren Schwarzzeichnungen nur 20 Rp. kosten. Von Jugendämtern, und Erziehungsdepartemcnten warm empfohlen. A Verlag HALLWAG Bern Abt. Schweiz. Jugeadschxiftea

N» 14 — 1935 Jünd kommt au$ !Besuch Skizze von Agnes Debrit Ja, wie ging das nur zu ? Auf einmal war schon seine Mutter ohne Abschied wieder fortgegangen —denn es sollte ja nichts merken und. nicht zu weinen anfangen — und nun stand es einfach da, mittendrin in der gross^n Stube und guckte herum. Waren die Wände immer so hoch gewesen und die Masse so weit ? Die Patin, die es heute gaumen soll und die seit mehr als zehn Jahren kein solches Stümpli in ihrem Hause gesehen, starrte fast hilflos vor sich her. Ja, was tut man eigentlich mit einem so Meinen Wesen, das knapp seine zwei Jährlein auf dem Buckelchen trägt? Sie kramt in den breiten, alten Schubladen. < Komm, Mili, komm, wir wollen Bücher und Spiele für dich suchen!» Nun sie die Dinge der kleinen Kinder sieht und spürt, betritt sie schon die zarte Brücke, die zu dem Menschlein hinführt. «Schau, das ist Bully, ja — Bully ! » wiederholt sie noch deutlicher. « Bälli, Bälli», versteht der einfache Kindersinn, und mit fröhlichem Glucksen wirft MÜi das Stoffhundchen in die Luft und in der. Stube herum. Die Patin atmet auf. Es dankt also der kleine Besuch vorläufig nicht ans Weinen am unbekannten Ort. «So, Mili, jetzt wollen wir ein wenig bauen«» Doch wo soll das Kind sitzen? Das Kindertäschchen steht wohl noch in einer Ecke, aber mit Schachteln und Büchern des grqssen Schülers bedeckt, und das Stühlchen, das dazu gehörte, ja, wo ist das nur hingekommen ? Mili hat längst einen Ausweg gefunden. Hockt seelenvergnügt auf dem Teppich am Boden und packt geschäftig den Baukasten aus. «Auspacken» ist überhaupt wundervoll: nach dem Baukasten kommen die verschiedenen Schachteln daran, alle Quartettspiele — die Mutter denkt: «Wie gut, dass der Bub das nicht sieht! » — und zu jedem Bildchen gibt es Kommentare, die ja noch niemand zu verstehen braucht. Beschaulichkeit liegt Mili weniger: das Bilderbuch, in dem sie beharrlich alle Vierfüsser mit « Koki» bezeichnet, wird bald im Stich gelassen- Sie macht der Qotte begreiflich, dass sie auch am Tisch sitzen will. Kfssen werden aufgetürmt, endlich langt es, dass Mili mit dem Bleistift das vorgelegte Papier erreichen kann. Nun erfindet die Patin „etwas erschrecklich Unvorsichtiges-. Sie will der kleinen Schreiberin möglichst viele Papiere verschaffen, legt die längeren Bogen in Falten und zerteilt sie. Rsch ! was für ein herrliches Geräusch ! Milis braune Augen glänzen. Energisch fassen die winzigen Finger zu. Das erstemal ist es noch ein wenig schwer, dann aber geht es wie aus der Maschine geschossen : ein Bogen nach dem andern wird entzweigerissen, dass die Fetzen nur so fliegen. Der Tisch, der Boden, alles ist bedeckt. Mili kugelt sich vor Lachen, und die Patin denkt voller Sehrekken : «Jetzt habe ich ihr das gezeigt, und wenn sie es zu Hause tut, wird man sie schelten ! » Sie sucht den jungen Gast von der Notwendigkeit eines Papierkorbes zu überzeugen; wohl ergibt das für etliche Minuten ein neues Spiel, aber dann schickt sich Mili mit dem gleichen Eifer an, auch diesen « auszupacken »... Die Gastgeberin schaut unhöflicherweise nach dem Wetter und dann auf die Uhr. Ja, es muss sein, Mili soll noch ein wenig spazieren gehen, damit sie nachher recht müde ist und einschläft! Willig lässt sie sich anziehen — die Mutter findet dieses Geschäft sehr kompliziert und kann gar nicht begreifen, dass sie es jahrelang viele Mal im Tag vollbracht hat ! — und trippelt auf die Strasse. Fest, fest hält sich das kleine Händchen an der grossen Hand, die ganz vergessen hatte, was man dabei fühlt und erlebt. Nachbarinnen eilen herzu, und bald erhebt sich ein « gross Geschrei». Die gewichtigsten Persönlichkeiten könnten zu Gast kommen — niemand würde ihrer achten; aber wenn die Mutter plötzlich mit einem so winzigen Wesen erscheint, dann läuft alles zusammen wie zu einem Ereignis ! Sie reichen den Rehen Futter. Aber Mili fürchtet sich. Um keinen Preis würde sie _ den drängenden Tieren selbst ein Gemüse-' blatt hinhalten. Sie kennt ihren Freund, das Tier, noch nicht, oder wer weiss. man hat ihr vielleicht Angst gemacht. Langsam, langsam bewegen sich die beiden heimzu, rasend schnell für die kleinen Füsse. Beim Mittagessen tauchen neue Gesichter auf: der Vater, die grossen Kinder. Mili staunt und staunt und verstummt gänzlich. Weint aber nicht und isst sich fast ohne Hilfe wacker durch. Legt manchmal das blonde Köpfchen zurück wie ein Kanarienvögelchen und wirft von unter her dem fremden Vater Blicke zu, die alle zum Lachen bringen. Ueberhaupt ist alles verwandelt, eine ganz andere Familie sitzt heute zu Tisch, und nur weil ein Kind auf Besuch gekommen ist... Wie es satt scheint, ergreift die Mutter das kleine Bündelchen und legt es ganz einfach auf ihr eigenes Bett, Decke drüber, Läden zu ? « Schlaf wohl Mili! > Ein einziger schwerer Augenblick : « Mami so», tönt es weinerlich, und fast verzieht sich das Mäulchen ein wenig, aber dann ist der bewusste Engel schon gnädig da und hat es in seine Arme genommen. Mili schläft, schläft ganz fest, hört nichts mehr vom Leben, das im Hause weiter geht; dennoch glaubt die Mutter jeden Lärm abdämpfen zu müssen, wagt es selbst kaum, aufzutreten : Ein Kindlein schläft im Hause. Schlafen dürfen irgendwo, das ist doch Vertrauen haben, Vertrauen in den Raum, die Menschen, die Dinge — — still, still, ein Kindlein schläft im Hause. Wie ist es so schnell Abend geworden! Es dunkelt, Mili muss aufhören zu «pielen», Mili wird in eine warme Decke gepackt und ins Auto gesetzt, sein Wägelchen hinten auf den Sitz. Ob sie sich wohl etwas fürchtet im Dunkeln ? Ganz und gar nicht, bald plappert sie alles mögliche los, wie eine aufmerksame junge Besuchsfahrerin. Vater und Mutter wiederzusehen löst Jauchzen aus, aber dann sagt sie sehr bestimmt: « Mon Auti goh !» Morgen will die moderne junge Dame wieder ihren Wagen zur Verfügung gestellt haben. Die Patin ist erleichtert und glücklich, dass alles gut vorbeigegangen. Sie will sich zur Ruhe legen, deckt ihr Bett ab : was gibt's dann da ? Mitten im Kissen dehnt sich ein tiefes « Huli», schön rund, gerade so rund wie Milis Köpfchen. Und weiter noch sieht sie, dass das winzige, federleichte Körperchen seine Spur eingegraben hat. So klein und doch so schwer ! Fast zärtlich fährt sie darüber hin. « Ja, so ein Kind — man meint, es sei nichts — und gräbt so .ein tiefes Loch!» Wir glauben, sie freuen sich alle schon auf Milis nächsten Besuch. JUkwul d&c Qattentie&e AUTOMOBIL-REVUE 15 Notschrei einer modernen Frau ! Kürzlich las man in der Tagespresse folgende Notiz: «Gertrud Ederle stellte vor Zeiten einen Rekord im Kanalschwimmen auf. Grosse Ehrungen und finanzieller Gewinn waren das (nichtsportliche) Ergebnis. JDavon träumte in ^ Österreich eine andere Frau, die fleissig trainierte und alles, was sie besaas, in das Unternehmen hineinsteckte, — denn eine Kanalüberquerung ist kostspielig. Es gelingt ihr, nach einmaligem vergeblichen Versuch, dennoch, den Rekord zu unterbieten. Doch der triumphale Erfolg bleibt aus: Keine Film- und Bühnenkontrakte, keine bezahlten Interviews, ja, nicht einmal ein festlicher Empfang oder Photos in den Illustrierten. Sie hat dem Rekord alles geopfert, um Ruhm und Ehre zumindest zu gewinnen. . Vergangene Woche hat sie einen Selbstmordversuch verübt.» Recht geschieht der Rekordwütigen, wollte man schon ausrufen, um durch folgenden Artikel der «Neuen Freien Presse> eines Bessern belehrt zu werden. Ein Mensch griff zum lauten Mittel der Rekord-Reklame, um auf seine Not aufmerksam zu machen. Die österreichische Kanalschwimmerin, die den Aermelkanal bezwang, hat in einem andern Strom untertauchen wollen, im Fluss Lethe, aus dem nach dem altgriechischen Mythus die Seelen der Verstorbenen Vergessen ihres irdischen Leides trinken. Ihr Selbstmord wurde glücklich verhindert; aber erst die Zukunft muss zeigen, ob sie wirklich dem Leben wiedergewonnen ist, ob dieser Frau, deren Name, gestern noch in aller Mund, so schnell in Vergessenheit geraten war, die Möglichkeit geboten wird, im Daseinskampf an der Seite ihres Gatten, eines jetzt arbeitslosen Ingenieurs, den Sieg davonzutragen, dessen Preis in einem Stück trockenen Brotes besteht. Kein halbes Jahr ist es her, da zollte die internationale Sportwelt dieser Oesterreicherin uneingeschränktes Lob und bewundernde Anerkennung; hatte sie doch den Rekord gehalten und durch ihre physische Tüchtigkeit, durch ihren Mut und durch die Zähigkeit, mit der sie trotz missglückter Versuche von ihrem Vorhaben nicht abliess, schliesslich den Erfolg davongetragen. Es ist nicht allzu schwer, am lodernden Kaminfeuer, in behaglicher Sicherheit über den modernen Rekordwahnsinn die Nase zu rümpfen und mit nüchternem. Bleistift auszurechnen, zu wieviel Prozent die Eitelkeit und leichtsinnige Gedankenlosigkeit an diesem und jenem Rekord mit am Werke gewesen sind, der mit zielbewusster Sportausübung nicht mehr allzu viel zu tun hatte. Was freilich nicht ausschliesst, dass die Begeisterungsfähigkeit und die Begeisterungsfreude der Menge sich durch solche Einmal etwas Besonderes Erwägungen nicht irremachen Hess und den Sieger oder die Siegerin triumphierend auf die Schulter hob. Nur muss man wissen, welche Rekorde bleibendes Interesse hervorrufen, Spannung erzeugen und die Phantasie beschäftigen. ; ,Und 4a scheint die arme Kanalschwimmeauf den Tisch bringen, du Ihre Familie noch nie gegessen hat und das für d*n Gaumen «in noch unbekannter Genuas bedeutet, das wollten Sie.doch «chon langat, nicht wahr ? Freilich, man weiss ja ni«, wie solch neue Rezepte ausfallen .. m und dann will man doch auch sein Budget nicht überschreiten« Da haben Sie recht -... aber nun passen Sie auf: Da hat eine Frau — Lilla Deeley heisst sie — eine Forschungsreise nach allen Weltteilen unternommen, um die je weilen richtige Zubereitungsart der bei uns bekannten und unbekannten Spezialitäten und Nationalgerichte aller Länder zu sammeln. Diese Original-Rezepte wurden in dem Buche „373 Kochrezepte aus 26 Ländern" veröffentlicht und dieses einzigartige Werk gibt nun jeder Hausfrau Gelegenheit, am eigenen Herd die Speisen auf genau dieselbe Art zuzubereiten, wie etwa der Mexikaner seinen Schmortopf oder der Inder seinen Fisch. Al>o wohlgemerkt; keine euren und komplizierten Gerichte finden Sie in diesem vielbegehrten neuen Kochbuch, sondern lauter altbewährte, schmackhafte Speisen, die sich ebenso für den täglichen Tisch wie für auserlesene Gesellschaftsessen eignen. Ein Buch, das die Freude am Essen erhöht und in Ihrer Küche eine Lücke ausfüllt. Noieren Sie darum bitte für Ihren nächsten Einkauf: 373 Kochrezepte aus 26 Ländern Tom Uli» Deelay (Preis Fr. 3.80) erhältlich in allen Buchhandlungen oder direkt beim VERLAG HALLWAG BERN rin einigermassen zu spät gekommen zu sein, die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben. Die Kanalschwimmerei war eben längst aus der Mode gekommen. Jedenfalls begnügte man sich mit rein platonischer Anerkennung. Während beispielsweise beide Hemisphären vor kurzer Zeit sich in Huldigungen für jene kühne Fliegerin überboten, die das Todesende ihrer Vorgänger nicht abschreckte, und die mutterseelenallein vort Kalifornien nach Australien geflogen ist. Der Name der erfolgreichen Kanalschwimmerin ging hingegen beim einen Ohr hinein, beim andern heraus. Es war ein äusserst kurzlebiger Ruhm, der ihr zuteil wurde. Und was noch trauriger und verhängnisvoller war, es blieb bei dem durchaus nicht nahrhaften Lorbeer. Die Bedauernswerte konnte mit Offenbachs Kalchas ausrufen: Blumen, nichts als Blumen ! Die junge Oesterreicherin, die es sich in den Kopf gesetzt hatte, den Aermelkanal in der Rekordzeit zu durchschwimmen, hatte nicht einzig und allein, nicht einmal in erster Linie, aus sportlichem Ehrgeiz ihre Gesundheit, vielleicht sogar ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Sie hat noch ganz andere, höchst reale Ziele verfolgt. Ihre Leistung sollte auf sie und ihren Gatten aufmerksam machen, ihnen beiden zu der ersehnten Lebensstellung verhelfen, sie aus der grossen Armee der Arbeitslosen herausheben. Darum hatte sie es auf sich genommen, die gar nicht unbeträchtlichen Kosten ihrer Kanalexpedition aus eigenem zu tragen, hatte ihre Wohnungseinrichtung, ihren bescheidenen Schmuck, alles Ueberflüssige, ja sogar das Notwendige verkauft oder verpfändet. Darum hatte sie ihre Gesundheit, ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Rekord der Gattenliebe, der hoffentlich, wenn auch einigermassen verspätet, seinen Lohn finden wird. TleuzeMiche 3isch= wasche • Sollen wir auf der blanken, abwaschbaren Tischplatte essen? In der Regel will uns dies nicht so ohne weiteres einleuchten. Vielleicht machen wir gelegentlich einen Kompromiss und lassen uns kleine, viereckige Decken unter den Teller legen, wozu ein gleichartiges Mittelstück gehört, auf das die Schüsseln zu stehen kommen. Da sehen wir schöne Damastgedecke, bemerken glatte, mit Hohlsäumen und etwas klassischer italienischer Leinenstickerei verzierte Beispiele und freuen uns an den wieder auflebenden Schweizer Filetarbeiten aus dem Appenzell. Aber nur dann geht es mit dieser etwas kapriziösen Sitte, wenn die Deckchen nicht mit grosslöcherigen Spitzen verziert werden, an denen Löffel oder Gabelspitzen hängen bleiben. Allgemeiner bleiben die Tischtücher. Da denken wir an Leinendamast mit Vierecken, Sternen, kleinen Blättchen samt andern klassisch gewordenen Mustern. Welch malerisches Spiel entfaltet sich da auf der Fläche mit den atlasschimmernden Dessins, auf stumpfem Grund oder auch umgekehrt. Dazu sehen wir Diagonalen und Zickzacks, alte, volkstümliche Zeichnungen wie das Gänsauge, und andere, heute weitergebildete, der alten Schaftweberei eigen gewesene Muster. Sie werden uns heute von der Handweberei in klassisch schönen Dessins angeboten, wie auch von der mechanischen Weberei, die sich immer mehr verfeinert und Neues bietet, das sehr geschmackvoll ist. Das natürliche, leichte Gelb oder weiche Hellgrau des Flachses ist immer noch für den Esstisch ein aufheiterndes dankbares Element. Neuerdings werden jedoch auch Farben herangezogen, die also nicht nur dem Frühstücks- oder dem Teetisch vorbehalten bleiben. Dieselben Muster wie in Naturtönen erscheinen in weichem Blau, in Gelb, Grün und Rosa, selbst in Beige und gefärbtem mittleren Grau. Und, je nach dem verwendeten Porzellan oder Glas, werden damit Harmonien erzielt, die von fesselndem Reiz sind. Auch Silber passt sich den farbigen Leinentischtüchern ausgezeichnet an. Nicht so leicht ist es, immer die richtigen Blumen für die schon farbigen Tische herauszufinden. Oft wirkt dann blosser Blätterschmuck oder auch nur ein weisser Strauss am besten. Denn es sind ja schon über die Fläche die schönsten Blütentöne ausgegossen. Für den Frühstückstisch und die Teestunde kommen eine Menge aparter Neuheiten mit Streifen. Karos, mit flammenartigem, mehrfarbigem Garn gemustert, in Betracht. Auch sie werden in der Schweiz hergestellt und, wie bei den sonstigen Tischtüchern, erleben wir hier die Mithilfe künstlerischer Kräfte. Herrliche Blau, Orange, Gelb und Hellgrau, selbst Schwarzweiss in grossen Karos melden sich zum Schmuck dieser Tücher, die im Freien ebenfalls gut aussehen und Frische und Lebendigkeit spenden. Mit ein paar gut geformten Tassen und Tellern, etwas handlichem Besteck, dann und wann auch Gläsern und Krügen, wird so der Tisch zum farbigen Stilleben voll malerischer Reize. Seh.