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E_1935_Zeitung_Nr.016

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BERN, Dienstag, 26. Februar 1935 Nummer 20 Rp,, 31. Jahrgang - N» 16 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Verkehrsunterricht in der Schule Ein beachtenswertes Beispiel. F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Horst Copyright bei Paul Zsolnay-Verlae. Berlin-Wieo- Zürich. '(4. Fortsetzung.) »Häschen, du liebes Häschen, hast du sie 3enn nicht bemerkt? Diese prachtvollen Eierschalenporzellanteller mit dem Wein- und Traubendessin. Am Sonntag werde ich dir, wenn du schön brav sein wirst, dein Dinner auf ihnen servieren. Also jetzt, wo wir die haben und die venezianischen Becher, werden wir — also rate?» »Gut, schön. Was soll ich raten?* »Nein, wirklich, du musst raten.» *Wir werden auf ihnen gebratene Aepfel tarn Dinner bekommen.» «Sei nicht so dumm. Rate doch.» «Kann nicht> «Wir werden ein Dinner geben.» «Was werden wir?» «Wir werden ein regelrechtes Dinner ge- Sen um halb acht, mit einem Blumenmittelstück und Austern in Muscheln. Extra dry in den Bernsteinbechern, Salzmandeln, Suppenhuhn in meinen geliebten kleinen Steängutkasserollen, und ein Pudding unter rosa Schlagobers, der so aussehen wird wie von Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS -PREIS: Wöchentliche Beilage „Autler-Feierabend". 6—8 mal jährlich „Gelbe List«" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Berti Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postchecjs III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Iuseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Der Verkehrserziehung der Schuljugend wird in zahlreichen Ländern mit fortschreitender Motorisierung des Strassenverkehrs vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt. Vielfach ist die Verkehrsstunde zu einem dauernden Bestandteil des Unterrichtsprogramtnes geworden, wobei Schule und Verkehrspolizei sich in die Aufgabe teilen und neben der theoretischen Anleitung auch praktischer Anschauungsunterricht gegeben wird. Vor einiger Zeit hat sich an dieser Stelle («A.-R.» Nr. 90 vom 6. November 1934) ein Schulfachmann zu diesem Thema geäussert und dabei die systematische Verkehrsschulung der Kinder gefordert. Bei der Entwicklung eines Unterrichtsprogramtnes empfahl dieser Pädagoge u. a. praktische Uebungen in Verbindung mit der Turnstunde und Verkehrsbelehrung bei Schulwanderungen. Es scheint uns auch, dass dieser Anschauungsunterricht in hervorragendem Masse den Film, die Verkehrsfibel und ähnliche Lehrmittel ergänzt und schon deshalb gute Früchte zeitigen dürfte, weil diese Art der Unterweisung als persönliches Erlebnis wohl eindrücklicher haften bleibt und das Kind mehr beschäftigt als das gedruckte Wort. Gerade auch die Zahl der Verkehrsunfälle Um, abgelaufenen Jahre verlangt gebieterisch, dass alle Massnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit auf der Strasse zu fördern. Wohl kein Mittel hat dabei soviel Aussicht auf Erfolg, als die richtige Verkehrserziehung der noch schulpflichtigen Jugend. Ganz abgesehen von der so zu erhoffenden Abnahme der Beteiligung Jugendlicher an Unfällen, liegt der besondere Wert der frühzeitigen Gewöhnung des Menschen an die heute notwendige Verkehrsdisziplin darin, dass die in den ersten Schuljahren übernommenen Verihaltungsregeln zu einer Selbstverständlichkeit werden, die er später nicht mehr als Zwang oder Einschränkung der persönlichen Freiheit empfindet. Es ist nun leider so, dass der erwachsene Mensch nur mehr ein undankbares Objekt für solche erzieherische Bemühungen darstellt, weil die geistige Umstellung für ihn viel schwerer ist. Ja viele Strasisenbenützer in einem gewissen Alter werden geradezu als unbelehrbar betrachtet, eine Auffassung, der man nur allzu oft beizupflichten versucht ist, wenn man täglich beobachten muss, wie ungeschickt oder renitent sich immer noch ein beträchtlicher Teil selbst der städtischen Bevölkeruhg im Strassenverkehr benimmt. Es muss daher überraschen, dass von behördlicher Seite nicht mehr Gewicht auf die Verkehrserziehung in der Schule gelegt wird. In der Sittener Resolution der kantonalen Polizeidirektoren werden zahlreiche Massnahmen genannt, die in Erwägung gezogen werden, um den Motorfahrzeugführer besser zu schujen und kontrollieren zu können, mit keinem Wort aber Mittel und Wege erörtert, die das Verständnis für den modernen Strassenverkehr bei allen übrigen Strassenbenützern fördern könnten. Gerade die Verkehrserziehung der Jugendlichen ist als eine der dankbarsten und aussichtsreichsten Vorkehrungen anzusprechen. Aber weil sie so naheliegend ist, scheint sie am wenigsten beachtet zu werden. Leider ist man in der Schweiz über Ansätze dieser Verkehrsschulung noch nicht hinausgekommen. Es sind allerdings recht erfreuliche Anfänge zu verzeichnen, so die in einzelnen Kantonen bestehende Verpflichtung der Lehrer, einige Pflichtstünden dem Verkehrswesen zu widmen, dann die Vorführung besonderer Verkehrsfilme für Jugendliche, wie ein solcher in Zürich unter Mitarbeit von Lehrern aufgenommen wurde usw. Oftmals gehen die Lehrkräfte, und meistens solche, die selbst ein Motorfahrzeug besitzen, aus eigener Initiative vor und haben in ihren Klassen überaus erfreuliche Resultate zu verzeichnen. Zu bedauern ist dabei nur, dass es sich bei diesem Unterricht eher um Ausnahmen, nicht aber um die Regel handelt. Mit welch verhältnismässig einfachen Mitteln und dennoch sehr beachtlichem pädagogischem Erfolg der Verkehrsunterricht betrieben werden kann, illustriert ausgezeichnet ein Versuch, den ein Primarlehrer in Oberwinterthur in Zusammenarbeit mit dem städtischen Polizeiamt Winterthur unternahm. Ueber das Vorgehen orientiert wohl am besten der Bericht, den der betreffende Lehrer dem Winterthurer Polizeivorstand erstattete und dem wir mit liebenswürdiger Erlaubnis von Stadtrat Büchi und durch Vermittlung der Verkehrskommission des A.C.S. Zürich die folgenden Ausführungen entnehmen : Ich erstatte Ihnen hiermit Bericht über die Durchführung des von mir seinerzeit angeregten Verkehrsunterrichtes, erteilt durch einen Angehörigen des städtischen Polizeikorps in Zusammenarbeit mit dem Klassenlehrer. Diese Verkehrsstunden haben an drei aufeinanderfolgenden Freitagen, je von 10 bis 11 Uhr, stattgefunden. Der von Ihnen beauftragte Polizeikorporal hat nach vorausgegangener Besprechung mit mir an meiner sechsten Klasse im Schulhaus Dorf als c Verkehrsfachmann » zu den-Schülern gesprochen. In der ersten Stunde.gab er einen Ueberblicl Der Polizeibeamte als Lehrer. Aufmerksam und gespannt lauscht die ganze Klasse den Erklärungen des Polizeikorporals, der an Hand einfacher Lagepläne und mit Hilfe der Verkehrssignale in Originalgrösse theoretischen Verkehrsunterricht erteilt. (Weitere Bilder auf Seite 8.) Sherry und in der Herrickschen Küche gebacken wird, um die erkleckliche Summe von fünfundsechzig Cent.» «Wunderbar. Und wen wirst du einladen ?» «Rate.» «Miutter und die Jungens aus Peekskfll und vielleicht...» «Du Dummer. Willst du es wissen? Gut, dann lehn' dich nahe an mich und — höre auf, mich zu kitzeln!» — Au; du tust mir ja am Ohr weh! — So, jetzt werde ich es dir sagen. — Nun, was sagst du dazu?» «Aber Selene, du redest ja Unsinn!» In John Lesters Auge zeigte sich der starre Blick, als er sein Ohr von den rosigen, warmen flüsternden Lippen Selenes zurückzog. Der starre Blick, mit dem er Entscheidungen traf, von der über Annies Unfähigkeit bis zu jenen, die er später in Streitfragen des Staates zu fällen hatte. «Warum red' ich Unsinn? Richter Rhin* coop interessiert sich offenkundig für dich — will dich für seinen Club vorschlagen, Herbert Wing geht von seiner Gepflogenheit ab, um dich einzuladen, an seinem Tisch zu sitzen. Was ist natürlicher, als die Rhincoops und die Wings mit ihren Frauen zum Dinner zu laden?» «Ich stehe nicht auf derselben sozialen Stufe wie diese Leute. Ich will es auch nicht» «Aber ich will es, John. Ich will es.» «Ich habe nicht die Möglichkeit, kann mir das nicht leisten und habe nicht die Absicht, einen höheren Standard vorzutäuschen.» «Sollst du auch nicht, John. Diese Leute werden mehr von dir halten, wenn sie dich in deiner eigenen, dir natürlichen Umgebung sehen. Eine Umgebung, mein Lieber, der du dich nicht zu schämen brauchst. So einfach sie auch ist. Darauf habe ich geachtet.» «Ich bin kein gesellschaftlicher Streber.» «Aber ich bin was für ein Streber immer — für dich.» Das war der Anfang. Selene brauchte genau vier Monate sorgfältigster zartester Überredungskunst, um gegen Johns Schwerfälligkeit ihr Dinner zu erreichen. Es fand statt in der kleinen Wohnung in Priscilla Court, an einem schneeigen geschäftigen Tag im Februar. Wenn man nur ein Dienstmädchen hat, das gerade zu jener Zeit, wo zur Vorbereitung des Notwendigsten bereits Minuten kostbar werden, bloss halb geistesabwesend ins Leere starrt, und wenn man nur über einen Gasherd mit zwei Brennern verfügt, liegt die grösste Schwierigkeit eines Dinners nicht so sehr im Zusammenstellen des Menüs als viel eher in dem Problem, wie man wohl die verschiedenen Gänge ohne Backröhre warm erhalten könne."' ' über den Verkehr und über Verkehrsmittel von einst und jetzt. Er machte den Kindern begreiflich, dass die Einstellung des Fussgängers zum Verkehr heutzutage eine ganz andere sei oder werden sollte, sprach von der Pflicht des Poilzeimannes, für eine reibungslose Abwicklung des Strassenverkehrs besorgt zu sein, um Unfälle und Aergernis zu verhüten. Er sagte den Kindern, dass der Polizist durchaus nicht der « Bölima» sei und sein wolle, der durch sein Dazwischentreten die Kinder in ihren frohen Spielen stören und ihre Freiheit einengen möchte. Vielmehr wolle er sie vor den Gefahren der Strasse schützen, und er hoffe dabei, auf ihr Verständnis und ihre Mithilfe zählen zu können. Kr forderte sie auf, auf der Strasse zuvorkommend und gefällig zu sein, besonders gegenüber Alten, Gebrechlichen und Unbeholfenen. Die zweite Stunde bot Gelegenheit, an Hand von' Skizzen, die der Lehrer an der Wandtafel vorbereitet hatte, Unglücksfälle, wie sie in Winterthur und Umgebung vorgekommen sind, zu besprechen und in diesem Zusammenhang die Verkehrsregeln und Verkehrstafeln zu erklären. Ein Teil dieser wie übrigens auch der vorhergehenden Stunde war der- Beantwortung von Fragen, die die Schüler in grosser Zahl stellten, gewidmet. Das Hauptgewicht' wurde vor allem auf die Fragen gelegt, die das Velo betreffen, da die meisten Schüler dieses Fahr-' zeug benützen. In der dritten Stunde versuchte der Polizeibeamte den Schülern vor Augen zu führen, welch gewaltige Kräfte in einem Motorfahrzeug drin stecken, welch grosse Geschwindigkeiten erzielt werden können, und wie schwierig es sei, diese Kräfte bei plötzlich auftretender Gefahr in kurzer Zeit wieder zu bändigen. (Reaktionszeit, Bremsstrecke, Bremsdauer im Verhältnis zur Geschwindigkeit.) Daran schloss sich als Abschluss ein praktischer Teil unter Verwendung eines Autos und eines Motorrades' der Stadtpolizei und dreier Fahrräder von Schülern. Zu dieem Zwecke begaben wir uns nach Zinzikon, wo eine Strassenkreuzung und ein freier Platz sich für praktische Vorführungen gut eignen. Die Kinder durften zuerst einen Blick in das Auto werfen. Führersitz, Motor, Wirkung der Bremsen, Schluss-. licht, Richtungsanzeiger, Nummernschild etc. wurden besprochen. Dann entwickelte sich in Zinzikon ein kleiner « Riesen verkehr», welcher Gelegenheit gab, Verkehrsregeln als Velofahrer praktisch zu betätigen oder als Mitfahrer auf Motorrad und im Auto deren Innehaltung zu überwachen. Sehr viel' Interesse boten sodann noch einige Bremsproben, die sowohl mit dem Motorrad als auch mit dem Auto ausgeführt wurden. Die < Verkehrsstunden » waren ein voller Erfolg. Die Schüler zeigten ein aussergewöhnliches Interesse und gingen lebhaft mit. Sie belagerten den Mann in der Uniform mit Fragen, und es zeigte sich, dass Kinder in diesem Alter vielfach sehr gute Beobachter sind und bei geeigneter Aufklärung gute Helfer im Kampfe für bessere Verkehrssitten werden könnten. Ein grosses Verdienst an diesem Erfolge darf dem Polizeikorporal zugesprochen werden. Er hat es ausgezeichnet verstanden, in den Schülern Verständnis für Fragen des Strassenverkehrs zu wecken. Er fand den richtigen Ton, sprach auf leichtverständliche Art und würzte seine Ausführungen mit Humor. Man erhielt den Eindruck, dass die Kinder das Vertrauen, das man ihnen entgegenbrachte, zu schätzen wussten, und ich habe mich in diesen Wochen davon überzeugen können, dass ihr Versprechen, den Behörden und der Polizei behilflich zu sein, kein leeres ist. Das Verkehrsproblem ist gelöst, wenn es gelingt, Schon drei Tage vor dem Dinner für die Rhincoops und die Wings erfüllte Selene Herricks zielbewusste Aktivität das Haus wie mit Bienensummen. Herzen von junger Sellerie, knospenzarte rote und weisse Radieschen, aussergewöhnlich grosse Oliven, mit einem Kern aus Mandeln und Gewürznelken, Kopfsalat, der in der Packung feuchter Tücher mürber werden sollte, Petersilie in einem wassergefüllten Gefäss, süsse Butter, die in kleinen Klümpchen in Form von Tulpenblüten gebracht war, eine kostbare Flasche Champagners, Extra dry, die in einem Kühlkübel stak, der ausserhalb des Küchenfensters am Sims hing. Und ein fester weissfleischiger Truthahn, den Selene selbst unter endlosem Anstechen und Prüfen, ob er nicht zu alt sei, sorgfältigst ausgesucht hatte, lag eingesalzen und gepfeffert, mit nur ein ganz wenig Zwiebel fast fertig für die Röhre, in dem kleinen Eiskasten. Nicht die wirklich wichtigsten Dinge, wie der Truthahn, der doch wohl Hauptsache war, auch nicht der Wein. Auch nicht die Artischoken mit Sauce hollandaise, nein, die Nebensächlichkeiten konnten einen zur Raserei bringen. Man durfte ja nicht vergessen, der Mutter zu schreiben, sie möge das halte Dutzend Grape-fruit-Löffel durch Ed, der doch Donnerstag aus Peekskill in die Stadt käme, herschicken. Man musste darauf ach-