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E_1935_Zeitung_Nr.017

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BERN, Freitag, 1.März 1935 Nummer 20 Rp; 31. Jahrgang - N° 17 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil' und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Untallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Nutzfahrzeuge auf der Berliner Ausstellung Ein technischer Ueberblick. Es wurde bereits kurz darauf hingewiesen dass die den Nutzfahrzeugen gewidmeten Hallen der im Februar dieses Jahres zu Berlin abgehaltenen internationalen Automobil- und Motorradausstellung für den technisch interessierten Besucher weitaus die interessantesten Schauobjekte enthielten. Während hinsichtlich der Personenwagen und der Motorräder im grossen ganzen eine solide, ruhige Fortentwicklung in den durch die konstruktiven Neuerungen der letzten zwei Jahre bedingten Bahnen in Erscheinung trat, ergibt sich hinsichtlich der Nutzfahrzeuge teilweise eine geradezu revolutionäre Entwicklung und Sie Schaffung zahlreicher neuer Konstruktionen. Vor allem sind es die künftigen Reichsautobahnen, die mit ihren vollkommen neuen Verkehrsmöglichkeiten ihre Schatten vorauswerfen. Noch haben manche der in Berlin gezeigten Fahrzeuge nur theoretischen Wert; aber heuer sollen bereits 600 Kilometer der neuen Reichsautobahnen dem Verkehr übergeben werden, und in den folgenden Jahren werden es einige tausend Kilometer sein. Es ist erstaunlich, mit welcher Energie sich die deutschen Konstrukteure schon jetzt der Lösung der künftigen Aufgaben zugewendet haben, nicht minder verwunderlich aber ist es auch,, dass die deutschen Fabriken die grosse wirtschaftliche Kapazität aufzubringen vermochten, die grundlegende Umstellung auf eine neuartige, Konstruktionsrichtung ohne Störungen anzubahnen. Diese Bemerkung gilt auch für die Personenwagenindustrie, und sie ist um so berechtigter, wenn man bedenkt, dass die grösste Fabrik eines andern Staates an der Umstellung auf die neue Konstruktionsrichtung finanziell gescheitert ist. Vor allem sind es die Fernreiseomnibusse, die sich im Hinblick auf die kommenden Reichsautobahnen eine weitgehende Umgestaltung gefallen lassen müssen. Die ungeheuren Investitionen, die das gigantische Autobahnprojekt erheischt, haben natürlich nur dann wirklich einen Sinn, wenn sie gegenüber dem jetzigen Zustand einen wesentlich verbesserten Strassenverkehr im Gefolge haben. Dazu sind vor allem rasche Fahrzeuge erforderlich. Strassenbau und Fahrzeugbau stehen hier in besonders inniger Wechselbeziehung. F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst Copyright bei Paul Zsolnay-Verlag. Berlin-Wien- Züricb, (5. Fortsetzung.) Selene. die alles hatte, sass an der Seite Ihres Gatten auf dem Boden des Wohnzimmers und Spielte mit ihrem Kinde. Annie, die nichts hatte, sass da und schaute auf die leere Wiege ihrer Arme mit der Begierde — der schrecklichen, ununterdrückbaren, sie verzehrenden Begierde — und wehklagte vor einem leeren Paar von Armen. Manchmal konnte Annie, die auf einem eisernen Feldbett schlief, das breiter als die Hälfte des von ihr bewohnten Raumes war, in der Stille der Nacht, im Gefühl ihrer leeren Arme ins Finstere emporschrecken. Als sie einmal unter dem Alpdruck ihrer schmerzenden Begierde aufgeschrien hatte, fragte Selene, die es gehört, am nächsten Tag, was diese Schreie, die sie manchmal im Schlaf ausstiess, bedeuteten. Die Schreie, die Annie zuweilen im Schlaf äusstiess, waren die der Begierde nach Joan. Aufschluchzende Schreie nach Gefühl. Nach Befriedigung. Und so lag, Nacht für Nacht, Annie Pogany, deren Schlummer von der Begierde nach dem unschätzbarsten Besitz des Herrickschen Haushaltes erfüllt war, in Erscheint jeden Dienstag und FrMtäe INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Autier-Felerabend". 6—8 mal jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u.ADMIXISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Geschwindigkeiten von 120- Stundenkilometern sind daher selbst für schwere Omnibusse nicht nur zulässig, sondern unbedingt nötig, damit die heuen Reichsautobahnen ihren richtigen Sinn erhalten. Dass solche Geschwindigkeiten nicht mit den bisherigen Bau arten erreicht und bewältigt werden können, ist selbstverständlich. Neben diesen Tendenzen, die vielen der ausgestellten Fahrzeuge ihren Stempel aufgedrückt haben, sind es die Anforderungen der deutschen Heeresverwaltung, die eine' für deutsche Verhältnisse neue Fahrzeuggattung geschaffen haben: das Geländefahrzeug. Dass die besonderen Heeresfahrzeuge nicht zur Schau gestellt wurden, ist eine Selbstverständlichkeit; dass dadurch dem Besucher viele technisch interessante Konstruktionen verloren gingen, kann man nur ahnen. Aber auch hinsichtlich der gewöhnlichen Nutzfahrzeuge tritt das Bestreben stark in den Vordergrund, sie geländegängig zu machen. Auch dies hängt teilweise mit den Wehrverhältnissen zusammen; teilweise wird aber die Geländegängigkeit auch durch die gewöhnlichen Zweckbestimmungen der Fahrzeuge erfordert. Dies, gilt beispielsweise von Fahrzeugen für die Feuerwehr und für- die Sanitätskolonnen, weiter für die zum- Einsatz bei Elementarkatastrophen bestimmten Fahrzeuge, dann für Fahrzeuge des Elektrizitäts-, Wasserbau- und Kanalisierungsdienstes> und selbstverständlich für die Fahrzeuge der Landwirtschaft, die sich immer mehr der motorisierten Vehikel bedient. Schliesslich ist es das Streben nach grösserer WlrtschaftHchkeft, das bei vielen Neukonstruktionen deutlich hervortritt." In diesem Zusammenhang sind die Bestrebungen, die Betriebsstoffe innerhalb der eigenen Grenzen aufzubringen, besonders massgebend. Diese Frage kann übrigens nicht gestreift werden, ohne die diesbezüglich in der Eröffnungsansprache bekanntgegebenen Grundsätze der deutschen Betriebsstoffwirtschaft hervorzuheben. Geheimrat Allmers,, der Vorsitzende des ~Reichsverbandes der deutschen Automobilindustrie, stellte ausdrücklich fest, dass es nicht das Bestreben der deutschen Wirtschaft sei, den bisherigen Bezug von Betriebsstoffen (vor der Sicherheit des kleinen Heimes, unter dessen Dach sie schlief. T Und am ehesten trat diese Erkenntnis in dem leisen Ahnen der unmittelbar Betroffenen zutage, wenn John Lester gelegentlich zu seiner Frau Bemerkungen machte, wie zum Beispiel: «Bitte, sag' dem Mädchen, dass sie das Kind nicht mehr küssen soll, ich hab' es nicht gern.» Oder: «Na ja, sie mag das Kind anbeten, aber dafür leg' ich meine Hand ins Feuer, ganz richtig ist es bei ihr da oben nicht.» Oder: «Wenn du weniger Zeit zu deinen Einkäufen verwenden wolltest und mehr für dein Kind, statt es mit diesem Halbtrottel leben zu lassen, würde der ganze Haushalt besser dran sein.» Diese Ermahnungen kamen immer viel zu gelegentlich, um eine dauernde Wirkung zu erzielen. Aber Selene (so sagte sie von sich) erkannte eine gute Sache, wenn sie sie hatte. Annie war in den meisten Dingen vollkommen unzulänglich. Konnte nicht einmal ein Kotelett ordentlich braten. Oder ein Bett richten, dass die Decken glatt lagen. Auch konnte sie nicht bei Tisch bedienen. — Aber man kann nicht alles haben; denn trotz und vor allem, Annie liebte Joan. Vergötterte sie und wurde von ihr vergöttert. Ausserdem hatte Selene die Nachmittage für ihre Abenteuer frei, Läden in abgelegenen Seitengassen und Auktionshäuser abzugrasen, über den schliesslichen Preis und Besitz von allem Benzin und Schmieröle) aus dem Auslande zu drosseln, da sich Deutschland bewusst sei, dass eine Autarkie im Aussenhandel letzten Endes zu einer Drosselung der einzelnen nationalen Wirtschaften führen müsse Das Streben Deutschlands sei es vielmehr lediglich, die sich aus der sprunghaft ansteigenden Motorisierung des deutschen Verkehr ergebende Steigerung des Betriebsstoffverbrauches aus* eigenem Lande zu decken. Darüber hinaus könne allerdings Deutschland nur dann und nur in jenen Ländern selbst als Käufer auftreten, welche mindestens im gleichen Ausmasse Waren aus Deutschland zu beziehen bereit sind, da nur in diesem Falle die erforderlichen Devisen zur Bezahlung der Warenbezüge vorhanden seien. In der « A.-R. » wurde oft darauf hingewiesen, welchen ausserordentlichen Mehrverbrauch an Betriebsmitteln die Steigerung der Höchstgeschwindigkeit mit sich bringt. Es droht also die Gefahr, dass die neuen, schnellen Fährzeuge, besonders die Omnibusse, eine verminderte Rentabilität besitzen und dadurch im Konkurrenzkämpfe mit den Bahnen schwerer bestehen können. Gerade für den modernen Schnellverkehr wird daher die Frage des verbilligten Betriebes besonders aktuell. In dieser Hinsicht war in Berlin viel zu sehen. Einerseits beherrschte der Dieselmotor, selbst eine ureigene deutsche Schöpfung, souverän das Feld der Nutzfahrzeuge, anderseits konnte man verschiedene Wagen mit Gasbetrieb sehen. Diese letzteren erzeugen zum Teil das erforderliche Gas selbst (Holzgasgeneratoren), zun>"Teil wird Gas in Flaschen mitgeführt (Ruhrgasol, Methangas, Butangas). So ganz einfach ist allerdings das Problem des betriebsbilligen Motors nicht. Der Dieselmotor, der an sich ausserordentlich wirtschaftlich ist und bei einzelnen Ständen, beispielsweise bei Mercedes- Benz, welche Marke nicht weniger als 16 grosse Nutzfahrzeuge ausstellte, in sämtlichen Fahrzeugen eingebaut war, ist ungleich grösser und ungleich schwerer als der gewöhnliche Benzinmotor (Vergasermotor). Darauf muss hinsichtlich seiner Unterbringung Rücksicht genommen werden. Teilweise werden diese riesigen Motoren von der Karosserie überbaut, so dass der Lenker und der Wagenbegleiter seitlich des Motors sitzen können, teilweise sucht man auch andere Lösungen. So konnte man ein hochinteressantes Fahrgestell sehen, bei welchem ein Motor im Bug, ein gleich starker Motor im Heck des Wagens untergebracht ist. (Fortsetzung Seite 2.) Kunstgegenständen, die zum Verkauf standen, sich ihre Gedanken zu machen, was sicherlich ein -angenehmerer und billigerer Zeitvertreib war als die Nachmittagsvorstellungen. Und doch sollte dieser angeblich harmlose Zeitvertreib schliesslich eine Krise im Herrickschen Haushalt hervorrufen. Eine Krise, die eine Narbe auf dem Herzen Selenes für ewige Zeiten zurücklassen sollte. Lange nachdem dieses Geschehnis unter Jahren begraben und beider Haar weiss geworden war, blieb diese Wunde in Selenes Herz. Eine ausgeheilte Narbe, aber nichtsdestoweniger eine Narbe. Selene konnte sich nicht mehr helfen. Sie musste diesen Ueberwurf besitzen. Diesen Ueberwurf, der die Krise hervorrief. Sie sah ihn im Ausstellungsraum einer Kunstauktionshalle in der East Fiftyfourth Street. Ein Ueberwurf, ungefähr ein Qüadratyard, mit Fransen, die länger als die halbe Breite waren. Ein chinesischer Ueberwurf, der sie zum Stehenbleiben veranlasste, in einem Rot von Beeren, wie sie wahrscheinlich zu seiner Färbung verwendet worden waren: Aber was ihn wirklich so auffallend machte, war, dass hinter Trauben die Flügel von Reihervögeln eingestickt waren, die man mit den Spitzen der Schnäbel, den gebogenen Krallen eher durch das. Aufleuchten der Farben, als durch Bundesrat und Alpenstrasseninitiatlve. In der Dienstagsitzung genehmigte der Bundesrat den vom Departement des Innern ausgearbeiteten Bericht über das Völks^ begehren betr. dem Ausbau der Alpensträssen. Die Alpenstrasseninitiative, die seinerzeit 147,830 gültige Unterschriften auf sich vereinigte, sieht bekanntlich die Aufnahme eines neuen Art. 23ter der Bundesverfas-. sung folgenden Inhaltes vor: «1. Der Bund sorgt für den Ausbau der •wichtigsten, dem Reise- und Touristenverkehr dienenden Strassenverbindungen im Alpengebiet sowie deren Zufahrtsstrassen. Die Kosten des Baus fallen zu Lasten des Bundes. Die beteiligten Kantone können zu angemessenen Beiträgen herangezogen werden. Der Unterhalt der Strassen ist Sache : der Kantone. Vom Ertrag der Zölle auf den Betriebsstoffen der Strassenfahrzeuge bleiben, vorab 20 Mill. Fr. zur freien Verfügung des Bundes. Von .dem diese Summe übersteigenden Betrag wird die eine Hälfte den Kantonen an ihre Strassenaufwendun-' gen zur Verfügung gestellt, die andere Hälfte für den Ausbau der Alpen- und Zufahrtsstrassen verwendet. 2. Ein Bundesbeschluss stellt die nähern Bestimmungen auf.» In diesem Bericht kommt unsere oberste Landesregierung zum Schluss, es- sei die Initiative dem Volke ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung zu empfehlen. Sollte dieser Fall eintreten oder sollte das Volksbegehren über den Ausbau der Alpenstrassen von denlnitianten zurückgezogen werden, so empfiehlt der Bundesrat dem Parlament folgenden. Bundesbeschluss zur Annahme: Art. 1. bestimmt, dass der Bund zum Zweck der Förderung des Fremdenverkehrs und der Arbeitsbeschaffung vorübergehend die Anpassung unseres Strassenwesens an die Anforderungen des Autonaobilverkehrs unterstütze. Art. 2. Unter die Bestimmungen dieses Beschlusses fallen nur solche Strassen, deren Aus- oder Nettbau für den Durchgangsverkehr oder für die Förderung des Fremdenverkehrs von wesentlicher Bedeutung' ist. Art. 3. Die Kantone, die nach den Bestimmungen dieses Beschlusses Bundesbeiträge beanspruchen, haben die Baupläne und Bauprogramme für das folgende Jahr mit den Kostenvoranschlägen, alljährlich bis spätestens 1. Mai dem Bundesrat einzureichen. , Baupläne und Bauprogramme bedürfen der Genehmigung durch den Bundesrat. ' ' Die Ausführung der Arbeiten ist Sache der Kantone. Dem Schutz und der Erhaltung des Landschaftsbildes ist angemessene Rücksicht zu tragen. Art. 4. Der Beitrag, den der Bund den Kantonen an die nachgewiesenen Auslagen für Bauarbeiten im Sinne von Art. 1 leistet, darf zwei Drittel der Bau- bestimmte Konturen ausnehmen konnte. Es war ungewöhnlich, wie durch blosse Stickerei die Illusion von Perspektive, erzeugt war. Es war ein Stück, das Selene, hätte sie, gewagt, seinen Besitz auch nur zu wünschen, leidenschaftlich gern als Tischdecke gehabt hätte oder lieber noch als Ueberwurf in' Joans Kinderwagen, für die milderen Tage, wenn der Astrachan zu warm würde. Ein seltenes Stück altchinesischer Stikkerei. Zweiunddreissig Zoll im Geviert, stand im Katalog. Ming-Zeit. Maulbeeren und Flamingo. Silhouetten gegen einen Maulbeerhintergrund. Mit moderner doppeltgeknüpfter Seidenfranse. Aber bei der am nächsten Nachmittag stattfindenden Auktion brachte es die Hunderte nicht ein. Sonderbar genug, oder vielleicht gerade aus dem oder jenem glücklichen Zufall, schwang der Hammer des Auktionators schon bei neunzig Dollar, blieb da. Zögerte. Pausierte. Drängte. «Zum ersten — zum zweiten — zu dem lächerlichen Preis von neunzig Dollar...» Selene, die mit dem ruhigen Blute des blossen Zuschauers dasass, presste ihre Fingernägel in die Handballen, als wollte sie sich den Hemmschuh der Selbsteinschränkung anlegen. «Neunzig Dollar zum ersten —neunzig zum zweiten — meine Damen und Herren, verstehen Sie, was vor Ihren Augen vorgeht? Dieses herrliche Stück chinesischer Stickerei — aus derselben Zeit wie das berühmteste chinesische Porzellan — aus der Mingperiode — von unbezahlbarer Schönheit — das einzige seiner Art — aus der Sammlung [