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E_1935_Zeitung_Nr.020

E_1935_Zeitung_Nr.020

BERN, Dienstag, 12. März 1935 Erste Salon-Nummer Nummer 20 Rp. 31.Jahrgang - N° 20 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Revolution im Automobilbau Technische Betrachtungen zum Genfer Salon 1935 Man kann blasiert und spöttisch lächelnd jedes Ansinnen eines Genfer Salonbesuches weit von sich weisen. Was sollte es auch Neues zu sehen geben, wo doch die Automobilfabriken sich seit Jahren auf blosse Karosserieabwandlungen beschränken, abgesehen von so einigen kleinen Abänderungen in der Federung und abgesehen von der Mehrleistung, die man den Wagen ja doch nicht ansieht Und was sollte man Neues erwarten können, nachdem die Ausstellungen von Paris, London, Neuyork und gar die Monsterschau von Berlin doch schon lange den Rahm abgeschöpft haben. Schliesslich ist man ja auch durch sein Fachblatt gründlich orientiert. Und was man noch nicht weiss, kann man sich leicht vorstellen, wenn es einen überr haupt interessiert. Automobilisten mit dieser Einstellung dürfen natürlich ruhig zu Hause bleiben. Sie sind unbelehrbar und würden selbst Sensationen nicht bemerken. Wer aber noch nicht so weit ist, dass er vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, der wird die Genfer Fahrt nicht zu bereuen haben. Gewiss lässt sich der Genfer Salon an Grosse nicht mit ausländischen Schauen vergleichen. An Vielfalt des Gebotenen hält er aber den Vergleich ruhig aus. Und gerade der Umstand, dass er den Reigen der grossen Ausstellungen abschliesst, lässt zusammen mit dieser seiner Vielfältigkeit und Internationalität einen besonders guten Ueberblick über den jeweiligen Stand der Technik zu. Wer zudem noch etwas hinter die Kulissen zu sehen vermag und für technische Entwicklungsvorgänge einiges Gefühl besitzt, der wird am Salon unendlich viel Neues entdecken und mit einem Schatz von neuem Wissen heimkehren. Das Zeitalter der faustdicken Sensationen ist allerdings endgültig vorbei. Es gibt wenig Ausstellungsobjekte mehr, die man unbedingt gesehen haben muss, weil man sie vielleicht eben nur einmal zu sehen bekommt. Um die Raketenautos ist es still geworden. Die meterlangen Motorhauben imponieren nicht mehr, und die feudalen Limousinen, deren Preis auf Maharadschas, überaus mehrfache Millionäre oder gar Filmgrössen abgestimmt ist, werden von Jahr zu Jahr spärlicher. Das Auto wird immer populärer, und umgekehrt proportional dazu sinkt sein Gehalt an populären Wundern. Die technische Entwicklung ist aber gerade heute stürmischer denn je. Wer ein Auge dafür hat, kommt aus der Begeisterung nicht mehr heraus und möchte am liebsten in allen Fabriken zugleich den Chefkonstrukteur und lieben Gott spielen — oder doch wenigstens F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst (8. Fortsetzung.) Zweites Buch. Im steinernen Dschungel. So schien es Joan, als sie alt genug war, in Gleichnissen zu denken. Die Lower East Side von New York, wo sie die nächsten dreizehn Jahre ihres Lebens verbrachte. Das steinerne Dschungel, das alles verschlang, was mit ihm in Berührung kam, durch eine Angleichung an die gleiche graue * Blässe, wie sie seine Trottoire, Höfe und Ziegelwände zeigten. An die Farbe der Armut. Die Farbe der Gesichter von Frauen und der Körper von Säuglingen und der Haare kleiner Mädchen und der magern Flanken der Hunde und das Gelb der Chinesen und das Rötlichbraun der Slawen und das Blond der Mitteleuropäer^ alles wurde an die gleiche Blässe des Asphaltdschungels angeglichen. An die Farbe der Armut. An das Grau der Zinskaserne. Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Antler-Felerabend". 6—8 mal Jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeüe oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenschluss 4 Tage vor Enchelnen der Nummern den verschiedenen Herren seine höchst persönlichen Ansichten zur Kenntnis geben. Was lässt sich nicht alles gegenwärtig ausprobieren! An allen Ecken und Enden des Autos sind Revolutionen und Revolutiönchen im Gang. Die «seriöse orthodoxe» Bauart ist schon halb tot, zumindest veraltet Trotz Krise und Kapitalmangel allerseits peitscht die Konkurrenz die Fabriken immer wieder zu Neuschöpfungen auf, die man sich früher jahrelang überlegt hätte. Wer seinen Konkurrenten nicht in so und so viel Punkten übertrumpfen kann, gerät unfehlbar unters Eis, wer nicht fortschreitet, fällt in Wirklichkeit zurück. Das Verhältnis des Verkaufspreises zum Gebotenen schlägt immer neue Rekorde, Die Eigenschaften ' des hochqualifizierten Luxuswagens von vorgestern sind die Eigenschaften des Gebrauchswagens von heute geworden. Die Anstrengungen der Fabriken bewegen sich auf einheitlicher Richtlinie, entsprechend den Anforderungen, welche die heutige Menschheit an sie stellt Fortsetzung Seite 11. Die Hauptfassade des Automobil-Salons 1935t. Beinahe über Nacht begann Joans Farbe in dem schwarzen kleinen Raum in dem Häuserblock, wo das italienische Viertel in das chinesische übergeht, sich an die arge Gleichheit der Lower East Side anzupassen. Das heisst, dass Joan, mit einem Wollschlüpfer bekleidet, den gegen die glänzende, von Selenes Hand angefertigte Wäsche einzutauschen Annie sofort Sorge trug, von dem Grau aufgesogen wurde. Wenn man sie in einem von Katzen und Kannen wimmelnden Hof unter einem Haufen von Kindern spielen oder ein Kätzchen von der Gasse liebkosen gesehen hätte, würde man erkannt haben, dass das Grau die zarte leuchtende Hautfärbe Joans, die einst so perlig gewesen war, gedeckt hatte. Man wäre an ihr in diesem Grau vorbeigegangen. Und Annie, unverschämt geworden in dem Gefühl der Sicherheit, wagte es, mit ihr spazieren zu gehen, trotzdem die Zeitungen der alten Männer auf den Stufen, und die alten Zeltungen, in die man manchmal seinen Laib Brot gewickelt bekam, noch voll waren von Beschreibungen und Bildern der kleinen Joan. Motorwagendienst und Neuordnung der Kavallerie Die rasche Beweglichkeit ist eines der. HaupterfoTdernisse einer modernen Armee. Seit dem Weltkrieg wurden deshalb die Heere aller Länder immer .durchgreifender motorisiert. Auch' in unsere'r Armee ist der Motorwagendienst schon seit Jahren zu grosser Bedeutung gelangt Aus ganz kleinem Rahmen heraus hat er sich zu einer Waffengattung entwickelt, die andere Waffengattungen an Mannschaftsbeständ bereits «tark überflügelt. Die neue Trappenordnung sieht wiederum einen verstärkten Einsatz von Motorfahrzeugen vor. Durch die Unterstellung des Motorwagendienstes' unter die Abteilung für Kavallerie sollen vor allem auch neue, äusserst rasch bewegliche Kampf- und Aufklärungsverbände geschaffen werden, die mit Kampf- und Panzerwagen, Infanterie-Kanonen, motorisierten Maschinengewehrformationen und anderem modernsten Kriegsmaterial arbeiten. Versuche mit diesen neuen Formationen werden schon in den kommenden Monaten durchgeführt. Anlässlich des Dienstrapportes der Motorwagen- Offiziere, der am letzten Sonntag in Bern stattfand,, machte Oberstdivisionär Labhart, Wiaffenchef der Kavallerie und Chef der Motorwagentruppe, anschliessend an die Besprechung des Motorwagendienstes im letzten Jahr über die Neuorganisation nähere Angaben. Im folgenden bringen,wir einen Auszug aus diesem Beferat. ;. Red. Das Gesetz über die Verlängerung der Ein Kind mehr in der Farbe dieser Zinskasernen. Eine Ameise mehr im Hügel. Eine Mutter mit Kind mehr, Sandkörner in der Wüste. Die Angleichung hüllte einen vollkommen in Sicherheit Sogar als der Tag kam, an.dem die Ersparnisse in dem alten Seidenstrumpf, den sie im Unterrock getragen hatte, verzehrt waren, und Annie glücklich war, eine Beschäftigung als Scheuerfrau gefunden zu haben, und einen Schützling, zu dem man des Abends nach Hause kommen konnte, fühlte sie die Sicherheit dieser Mimikry. Aber trotz Joans zarter Blässe und der angeborenen Feinfühligkeit, mit der sie Tag für Tag im Schmutze spielte, von dem sie bis jetzt unberührt geblieben war, verschlang die Farbe der Elendsviertel auch die Kleine. Ihre Leinenkleider zeigten die Farbe. Die unfrisierten Strähnen des schweren schwarzen Haares zeigten sie. Die dicken wollenen Strümpfe mit auffallenden Schmutzflecken, voll von Löchern, und das hässliche Graugrün billiger Färbung des billigen Baumwollkleides. Joan war in diesem Grau vollkommen untergegangen. Schon die erste Woche zeigte Unterrichtskurse (Wehrvorlage) ist am 24. Februar 1935 vom Volke angenommen worden. Das Resultat der Abstimmung ist trotz allem ein erfreuliches Zeichen für den gesunden Sinn unseres Volkes. Für den M.W.D. treten durch die Annahme des Gesetzes folgende Aenderumgen in Kraft: Die Rekrutenschule bleibt in der Dauer von 76 Tagen bestehen. Die Unteroffiziersschule wird von 37 Tagen auf 34 herabgesetzt. Die Dauer der Offiziersschule wird von 62 Tagen auf 83 erhöht und jeder Aspirant ist verpflichtet, den Grad als Korporal in einer Rekrutenschule abzuverdienen. An Stelle des technisch-taktischen Kurses von 13 Tagen treten ein techn. takt. Kurs I von 20 Tagen (an Stelle der Zentralschule I) und ein techn. takt. Kurs II ebenfalls in der Dauer von 20 Tagen an Stelle der Zentralschule II. Der Kurs für Dienste hinter der Front von 27 Tagen Dauer wird auf 20 herabgesetzt. Die Dauer und Zahl der Wiederholungskurse bleibt unverändert. In Zukunft haben auch die Motorfahreroffiziere 2 Tage, und die Unteroffiziere 1 Tag Kadervorkurs zu bestehen. Das Gesetz wird auf 1. Januar 1936 in Kraft treten. Auf diesen Zeitpunkt werden die Motorfahrer auch mit Karabiner ausgerüstet und voraussichtlich die Radfahrer der Abteilung für Kavallerie zugeteilt. Tätigkeit der Motorwagentruppe 1935. Die Zahl der Begehren der Truppe um Zuteilung von Motorfahrzeugen in den Wiederholungskursen gegenüber früheren Jahren hat wiederum erheblich zugenommen. Noch kein Jahr wurden derartig hohe Bestände in den Manövern erreicht wie 1934. Z. B. wurden eingesetzt bei der 1. Div.: 72 Pw., 124 Motorräder, 177 Lastwagen, zusammen 373 Motorfahrzeuge. Dazu wurden aufgeboten : 25 Motf.Of., 40 Uof., 433 Motf. und Mot.Rdf. In der 3. Division waren die Verhältnisse ähnlich. Die Manöver-W.K. sind ohne schwereren Unfall abgelaufen. In der 1. und 3. Division wurden Versuche mit motorisierten Maschinengewehr- und motorisierten Leichtmaschinengewehrkompagnien vorgenommen. Bekanntlich haben die Chefs M.W.D. derjenigen Divisionen, die grosse Manöver haben, die Uebernahme und Abgabe des Materials, die Zustellung der Fahrzeuge an die Truppe usw. zu organisieren. Im Jahre 1936 werden diese Vorarbeiten sich erheblich leichter gestalten, da dann die Of. und Uof. zu einem Kadervorkurs einzurücken haben. Neuorganisation der Kavallerie. Wir stehen vor einer neuen Truppenord- das. Die allererste Woche, als ihre Kleider gewechselt und die zarten Dinge über der Farbe eines Einbrennerrechauds verbrannt waren, so dass noch für Tage der schmutzige Raum danach roch. Und seines Schmuckes beraubt, glich sich der zarte Körper sofort irgendwie der Uniform dieser Wohnhäuser an und wurde so Annie noch teurer. Irgendwie noch näher, als ob Joans Fleisch sich enger an die Art von Annies Fleisch angliche, da die Schranken der feinen Gewebe niedergerissen waren. Sie liebte es, das Kind fest an sich zu drücken, dort in dem dunklen Loch ihrer Wohnung. Fest an sich, als ob die schlechten Baumwollkleider Joan plumper und so zu ihrem engeren Besitztum gemacht hätten. Oh, wie ihr Gesicht in dieser Dunkelheit aufglühen konnte! Ein Gesicht, leuchtend in Genugtuung, wie der starke Glanz einer eben gefüllten Lampe. Sie pflegte ihr in den ersten langen Wochen, bevor das Geld ausging, vorzusingen. Jeden Tag, Dummheiten, mit halber Stimme, die sie vor und hinter das einzige Lied setzte, das sie kannte. Fortsetzung Seite 13.