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E_1935_Zeitung_Nr.020

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N° 20 erhalten wird und das sich durch seine hohe Härte, Streckgrenze und Dauerwechselfestigkeit auszeichnet. Aus* Siluminguss werden hergestellt Getriebebremsen, das Getriebegehäuse, Kupplungsgehäuse, die Oelwanne, das Kurbelgehäuse, der Vergaser, das Ansaugrohr, die Räder des Automobils, das Differentialgehäuse, die Bremstrommeln und -backen, das Steuerkreuz, das Schnellganggetriebe, das Lenkgehäuse u. a. m. Eine weitere Nichteisenmetall-Legierung ist das Elektron, eine Magnesiumlegierung. Elektron ist das leichteste Nutzmetall und besitzt ein spezifisches Gewicht von nur 1,8 (Gusseisen 7,2, Messing 8,6, Kupfer 9, Aluminumguss 2,7 bis 3). Bei verschiedenen Wagen sind eine Reihe von Elektronmetallteilen anzutreffen, wie Hinterachsgehäuse, Schwungradgehäuse, Kurbelgehäuse, Kettenkasten, Getriebegehäuse, Lagerdeckel, Lagerbüchsen, Lagerflanschen. Aus dem Elektron wurde eine andere Magnesiumlegierung entwickelt, das Hydronalium, mit hochwertigen Festigkeitseigenschaften. Ebenso gibt es gerade auf dem Gebiet der Leichtlegierungen eine grössere Anzahl von Werkstoffen der verschiedensten Zusammensetzungen, die unter verschiedenen Bezeichnungen auf den Markt gebracht werden. Tech Noti Ein neuer Sicherheitspneu. Die Firma Goodyear hat einen Luftschlauch entwickelt, der beim Auftreten von Undichtigkeit seine Luft nur ganz langsam verliert und deshalb die bisher mit den Reifenpannen verbundenen Gefahren beträchtlich herabsetzt. Der Luftsehlauch weist dazu in sich selbst eine zweite, als «Lunge» bezeichnete Luftkammer auf, die durch gummierte Leinwand gebildet wird. Normalerweise stehen der gewöhnliche Luftschlauch und die Lunge unter gleichem Luftdruck, da eine kleine Verbindungsöffnung den Ausgleich ermöglicht. Wenn jedoch aus irgend einem Grund, z.B. beim Platzen des Mantels, die Luft aus dem äussern Raum plötzlich entweicht, so übernimmt die Lunge die Rolle des Trägers. Da durch die kleine Ausgleichsöffnung die Luft aus ihr nur ganz langsam entweichen kann, bleibt dem Fahrer jedenfalls genügend Zeit übrig, um den Wagen gefahrlos zum Stehen zu bringen. -y- Praktische W.nLe Gegen Vereisen und Anlaufen der Windschutzscheibe. Ein Leser meldet uns die interessante Beobachtung, dass man der Bildung eines Feuchtigkeitsniederschlages auf der Innenseite der Windschutzscheibe und der Bildung von Rauhreif auf möglichst einfache Art entgegenwirken kann, indem man die Innenseite der Scheibe über dem erforderlichen Bereich mit einer Cellophah- Folie belegt. Normalerweise gehört zur Winterausrüstung des Wagens allerdings eine Frostschutzscheibe. Trotzdem können sich Fälle einstellen, in denen die Kenntnis der Möglichkeit, die Niederschlagsbildung auf die oben angegebene Art zu vermeiden, wertvoll ist. -at- Schwierigkeiten beim Anlassen des Motors sind vielfach nur die Folge einer Missachtung der Vorschriften im Instruktionenbuch Bei Arbeiten an der elektrischen Anlage: Batterie abhängen ! Wenn sich irgendwelche Arbeiten an der Lichtmaschine oder sonstwo,, an der elektrischen Anlage des Wagens notwendig machen, ist es ratsam* die Batterie abzuschalten, und zwar den 4-Pol. Während gewöhnlich 4er —Pol der Batterie mit der Masse des Fahrzeugs verbunden ist, nehmen am +Pol die verschiedenen Kabel ihren Ausgang, die den?Strom den einzelnen Anschlußstellen zuführen. Um nun beim Arbeiten keinen Strom abzuleiten bezw. einen Kurzschluss zu vermeiden, muss man den Kabelstrang aus der Klemme des -fPols herausziehen. Welches ist aber der *-fPol ? Nicht jeder Autohalter hat seine Batterie in so tadelloser Ordnung, dass das meist in der Klemme vorhandene +Zeichen zu erkennen ist. Manche Fabriken färben deshalb diese Klemme rot, so dass man den -f Pol leicht findet. Ist aber kein Unterscheidungszeichen angebracht, so gibt es ein einfaches Mittel, den richtigen Pol zu finden; Man befestigt ein Stück blanken Kupferdraht an jedem Pol und steckt die feinen Enden in ein Glas Wasser, in dem man etwas Kochsalz gelöst hat: An dem Draht des —'Pols werden alsbald Glasbläschen emporperlen. Auch eine rohe Kartoffel gibt Auskunft: derjenige ist der -j-Pol, der, an die rohe Kartoffel angelegt, eine grünliche Färbung hervorruft, während am —Pol keine Veränderung eintritt. Tech Frage 9343. Wasser Im Kurbeigehause. Beim Anlassen des Oels zum Oelwechsel stellte ich im Kurbelgehäuse meines Motors etwa zwei Glas voll Wasser fest. Wie kommt das Wasser in den Motor? Kann es der Sohmierung irgendwie schaden? K. N. in G. Antwort: Wenn Sie mit genügend Wasser im Kurbelgehäuse genügend lange fahren, so entsteht aus dem Schmieröl die schönste Mayonnaise, d. h., technisch gesprochen, eine Emulsion. Nach anfänglicher Verdünnung kann dann das Oel so breiartig-dickflüssig •werden, dass es nicht mehr durch die Schmierleitungen geht und dass vor allem die OeJpumpe es nicht mehr anzusaugen vermag. Nach kurzer Zeit hört dann jede Schmierung der Lager und Reibstellen auf und schwere Störungen sind unvermeidlich. Sie haben also alle Ursache, der Herkunft des Wassers nachzuforschen. An sich hätten Spuren von Wasser im Kurbelgehäuse des Wagens. Ein schematisches Vorgehen ist oft das direkte Gegenteil von dem, was der betreffende Motor verlangt. Speziell die modernen Motor- und Vergaserkonstruktionen verlangen oft ein ganz anderes Vorgehen als es früher üblich war. Ist der Vergaser, wie jetzt fast immer, mit einer Beschleunigungspumpe versehen, so hüte man sich, gleichzeitig mit der Betätigung des Anlassers zuviel mit dem Gaspedal hin- und her zu wedeln. Bei jedem Niedertreten des Pedals spritzt die Beschleunigungspumpe Ja eine Ladung Benzin in das Saugrohr ein. Bei häufigem Durchtreten des Pedals wird deshalb das Gemisch leicht zu benzinreich, um noch entzündbar zu sein. Um den Motor nicht zu «ersäufen », darf bei modernen Wa-, gen der Vergaser meist auch nicht überflutet werden. Schliesslich ist es meistens auch unangebracht, beim Anlassen das Handgas zu viel zu öffnen oder das Gaspedal zu stark durchzutreten. Andere Vergaser verlangen, allerdings wieder ein Vollständiges Durchtreten des Gaspedals. Aber hierüber, wie: über die geeignetste Einstellung aller Bedienungsorgane überhaupt, wird man im In-nichtstruktionsbuch meist alle gewünschten Aus- kleine Undichtigkeiten der Kolben auch ins Kurbel- zu bedeuten. Bei den Verbrennimgvorgängen im Motor entsteht ja Wasserdampf, der durch künfte finden. -at- gehäuse gerät und sich hier aus Wasser niederschlägt. Diese Wasserspuren im Oel werden durch die Wärme beim Betrieb des Motors grösstenteils «f» ecli :«•«•! wieder verdampft WennSie jedoch zwei Glas voll Wasser-festgestellt haben, so kann es sich nur um Wasser handeln,

Bern, Dienstag, 12. März 1935 III. Blatt der „Automobil-Revue" No.20 £aus(k& Spatz ~ mein tfaeund Selten frech ist er und selten struppig. Und wenn er bei mir nicht jeweils gedeckten Tisch fände, dann würde er überhaupt nicht kommen und sich gar nicht weiter um mich bemühen. Unsere Bekanntschaft dauert seit einem unerwarteten fürchterlichen Regenguss. Da drückte er sich in mein offenes Fenster, und weil ich just beim Abendessen war, lud ich ihn ein, mitzuhalten. Er zierte sich nicht lange und pickte tapfer drauflos. Dann flog er davon, ohne ein «Piep» zum Abschied zu sagen — wie das eben so Spatzenart ist. Aus ihrem Instinkt vermied sie irgendwie die Berührung mit dieser Schmierigkeit, Ännie, die die kleinen ungeschickt angefertigten Kleider zu waschen und auszuwinden pflegte, tat es nachlässig und schien den Schmutz beinahe noch mehr in sie hineinzureiben. Und während der langen Tage, da Nana, zu ihrer Scheuerarbeit ausgegangen, -sie in der Wohnung allein gelassen hatte, stieg Joan auf einen Sessel neben der Wasserleitung und wusch sie alle wieder aus. Und manchmal auch den ungeschlachten Flanellkitte 1 ! Annies, um sie zu überraschen, wenn sie nach Hause kam. Erst fünf Jahre alt, verstand sie es bereits, für ihren winzigen Körper zu sorgen. Wenn die Sirenen in den Werften Mittag bliesen, war es an der Zeit, einen Sessel zu dem Koffer zu ziehen, der auch als Tisch diente, und mit einem Zündholz, das sie sorgfältig von ihren Augen weghielt, wie sie es von Nana gesehen hatte, eine Flamme unter dem Fleischtopf zu entzünden, den Annie auf: dem Gasbrenner zurückgelassen hatte. Manchmal ging sie hinunter in den Hof, um dann, wenn ich einmal nicht da bin und er vergebens kommt. Da hat sie ihn einmal überrascht und mit dem Teppichklopfer ins bessere Jenseits hinüberbeiördern wollen. Aber er konnte sich in Sicherheit bringen. «Da sitzt das Vogelvieh ja schon wieder!» knurrt sie, wenig freundlich. Das Vogelvieh macht «Piep» — dieses Piep klingt gehässig. Na, ich kann es Herrn Lausbub nicht verdenken, wenn er gehässig ist. Wer mir den Garaus machen will, dem gegenüber bin ich auch gehässig. Aber sobald sich die Tür geschlossen hat, ist Herr Lausbub wieder frohgemut und fliegt auf die Tischdecke. Und nun werden seine Aeuglein, wenn sie auch sonst so Am nächsten Morgen sass er, überraschenderweise, wieder am Fenster, am darauffolgenden auch. Seitdem wiederholt er seinen Besuch regelmässig, und seit einigen Tagen kommt er auch mittags; er muss fest- n. n gestellt haben, dass es auch zu diesem Zeit- Vltt JiCtegsiahce ift Si&ieien: punkt etwas zu essen gibt. Ich sitze an der Schreibmaschine und bemühe mich, Gedanken zu formen und zu Papier zu bringen. Da macht es energisch «Piep!» «Ah, schönen guten Tag, Herr Lausbub! Sie sind etwas zu früh eingetrudelt; wir werden noch zehn Minuten auf unser Essen warten müssen.» Herr Lausbub sitzt auf seinem Lieblingsplatz, dem Bügel des Schreibmaschinenkastens, der auf einem Tischchen in der Ecke des Zimmers steht. Sein «Frack» ist heute sehr struppig und nass und auf dem Kopfe stehen ihm die Federn zu Berge. «Sie scheinen sich ja wieder in netter Gesellschaft herumgetrieben zu haben, Herr Lausbub. Sie sehen sehr zerzaust aus. Wohl schwere Keilerei mit ihresgleichen gehabt, wie?» Herr Lausbub sieht mich gleichmütig an und macht «Piep!» — was wohl heissensoll: «Ist mir piepe, wie ich aussehe!» Dann hüpft er auf dem Bügel her und hin und macht dreimal «Piep!». Und diesmal will er damit sagen: «Zum Donnerwetter, wo bleibt denn heute das Essen?!» «Noch fünf Minuten, alter Freund. Machen Sie noch einen kleinen Spazierflug!» Ich schreibe weiter. Zeile um Zeile. Mache eine Pause und überlege. «Piep!» «Nanu, Herr Lausbub, was machen Sie denn da auf der Schreibmaschinenwalze ? Sie werden ja sehr frech!» «Piep — piep — piep!» «Ach so — gewiss... es muss Jeden Augenblick ...» Es klopft. Meine Wirtin bringt das Essen. Herr Lausbub flüchtet ins offene Fenster. Meine Wirtin kann er nicht leiden. Und- sie kann ihn nicht leiden; es beruht auf Gegenseitigkeit Sie, nennt ihn «Vogelvleh» und «Schmierfink» — weil er mitunter Spuren seiner Anwesenheit hinterlässt, vor allem F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Von Hermann Ottfried. Dem bereits vor einiger Zeit besprochenen Erlebnisbuch « Das vergessene Dorf. — Vier Jahre Sibirien » (Propyläen-Verlag, Berlin) entnehmen wir die folgende Schilderung einer wilden Wolfsjagd. ... Etwa acht Tage vor der Hochzeit kommt Iwan Iwanowitsch abends mit Lopatin zusammen hereingestürzt. c Willst du auf die Jagd gehen, Doktor? Wölfe haben heute nacht zwei Pferde, eine Kuh und drei Hunde gerissen, man kann sich der verdammten Bestien nicht mehr erwehren. Ich bringe dir Lopatin mit, er versteht sich darauf, ist « Lukasch », habe mit ihm schon öfters gejagt. Ausserdem will er gern vor der Hochzeit noch einige Rubel verdienen, das ist ja schliesslich das Wichtigste; man heiratet ja nicht jeden Tag, manchmal nur einmal im ganzen Leben. Also sprich, willst du zur Jagd? > « Sicher, Iwan, 'sehr gern, ich freue mich' sehr darauf!» ' ~~.''.^ZLZ- «Ich meine, Fedja, du kannst doch schiessen, was? Du hast doch schon mal eine Büchse in der Hand gehalten, ich nehme es an, oder? > « Aber sicher! » erwiderte ich. « Na, es könnte doch möglich sein, warum auch nicht? Also, die Sache ist ganz einfach, Fedja. Lopatin wird die verdammten Wölfe einkreisen, und du fährst ganz gemütlich hin, stellst dich so, sagen wir hierher, die Wölfe wechseln dann hier vorbei, und du hast nur zu schiessen, ganz einfach, nicht wahr? Brauchst dich gar nicht anzustrengen. Ganz ungefährlich ist diese Jagd, natürlich wenn der Wolf dich nicht annimmt, aber... Du musst eben* genau zielen und im richtigen Moment abdrücken, dann hast du's. Uebrigens, dein Wirt hat eine vorzügliche deutsche Büchse; wo der Schweinehund das Ding her hat, weiss kein Satan, sicherlich von einem ermordeten Gast seiner früheren Herberge, und vielleicht war es gar ein Deutscher, der in Sibirien jagen wollte. Sag ihm, er soll dir diese Büchse geben, sonst lass ich ihn hängen, auch Patronen, so zehn bis zwanzig Stück; iah weiss ja nicht, wie du schiessest, hoffentlich ist wenigstens ein Treffer dabei! » Lopatin war ein ganz vorzüglicher « Lukasch ». Diese Bezeichnung stammt von dem Vornamen « Luka > (Lukas), denn so hiess ein bekannter Bauer, der im Gouvernement Pskow wegen seiner ausserordentlichen Fähigkeiten, Füchse und insbesondere Wölfe einzukreisen, in Jägerkreisen be- mit den andern Kindern im Schmutz herumzulärmen, oder lief an regnerischen Tagen hinunter in die lange enge Halle, die das Haus wie ein Tunnel kreuzte. Aber einmal, als Orchid sechs war, sagte ihr ein Junge in dieser Halle furchtbare erschreckende Dinge; Dinge, die sie zwar nicht verstand, die aber nichtsdestoweniger furchtbar und erschreckend waren. Und so blieb das Kind meistens während der ganzen Tage, da Nana aus war, oben im Zimmer oder spielte in den Wohnungen der Nachbarhäuser mit kleinen Mädchen ihres Alters. Schreckliche Zimmer, die vom Zank müder hässlicher Weiber erfüllt waren, allzu vielen Kindern und Männern, die oft auf den unsicheren Beinen Betrunkener hereinstolperten. Eines Abends jedoch kam ein Polizist in Zivil vom Magistrat und forderte Nana auf, ihr Kind, während Jener Stunden, da sie ausser Haus beschäftigt wäre, in den Kindergarten zu schicken. Zuerst zögerte Annie angstvoll. Aber als ein Beamter des Stadthauses kam und frech und unbekümmert in die Welt schauen, bittend. Immerhin, völlig kann er seinen Charakter nicht verleugnen: sollte es mir einfallen, einen Bissen zum Munde zu führen, bevor er seine Krumen hat, lässt er ein entrüstetes Gezwitscher hören. Herr Lausbub speist mit gutem Appetit. Ich auch. Nach zehn Minuten ist er satt und empfiehlt sich. Er fliegt noch eine Kurve um die Lampe und verschwindet durchs Fenster. Ich schaue ihm nach, lächle und denke: «Lieber Herr Lausbub, kommen Sie morgen mittag wieder! Passen Sie aber auf, dass Ihnen ja nichts passiert! Sie sind zwar nur ein Spatz — und ein dreckiger, struppiger und frecher dazu. Aber Sie bringen doch in mein Zimmer, inmitten dieses Häusermeeres, so etwas, das mit Natur zu tun hat. Also vergessen Sie nicht den Hof und das zweite Fenster von rechts im dritten Stock!» &ie Wotlsjagd Von Theodor Kroger. kannt wurde. Seine Kunst des Einkreisens zeigte er seinen Söhnen, diese verkauften sie für teures Geld an andere. Aber nicht ein jeder konnte ein guter «Lukasch» sein, es gehörten eine ausserordentliehe Begabung und eine fast unfehlbare Beurteilung des Geländes dazu. Mit Petroleum getränkte bunte Stofflappen mussten in weitem Kreis rings um das Lager der Wölfe auf der Erde, auf Büschen, unter kleinen Bäumen und Aesten ausgelegt werden. Der Wolf kann den Geruch des Petroleums nicht vertragen, scheut davor zurück, besonders wenn die Lappen sich im Winde bewegen. Genau so schwierig wie die Kunst des « Einlappens > war aber auch das Aufstellen der Schützen, denn das eingekreiste Tier kam nicht an einer beliebigen Stelle, sondern meist an gut gedeckten Stellen oder Senkungen heraus. . ; Lppatin .meldete mir das erfolgte Einkreisen mit der._allergrösstenJ?reude. Kaum wurde es. hell,, als ,,wir losfuhrenWEr'hatte seiffen Vetter Kusmitscheff und noch einen. Bauern mitgenommen. Etwa eine knappe Stunde Fahrt, und wir müssen aussteigen. Das- Pferd wird angebunden, und wir waten auf Waldskiern durch recht hohen Schnee. «Hier, Barin, stellen Sie sich hin,» sagt mir Lopatin, « sehen Sie zu, dass Sie die Wölfe nicht von vorn treffen, denn jetzt, bei dieser Kälte, sind sie hungrig und deshalb sehr wild und gefährlich. Ausserdem ist das Fell der Tiere sehr dicht, und Sie werden auf jedes Tier zwei- oder gar dreimal schiessen müssen; die Wölfe sind ausserordentlich zäh. Schiessen Sie aber von hinten, so geht der Schuss gegen den Haarstrich, und Sie werden besseren Erfolg haben. » Die Männer verschwinden im dichtverschneiten Wald, ich bleibe allein, inmitten der tief herabhängenden Baumäste. Um mich herum sehe ich frische Wolfsspuren. Die Büchse ist geladen, ich warte auf das Treiben. , Aus weiter, weiter Ferne ertönt die Stimme Lopatins, das Treiben hat begonnen. Ich höre das Klopfen der Stöcke gegen die Baumstämme, ich weiss, sie kommen nur langsam näher, denn jeden verschneiten Busch, jedes Eckchen, jede zweifelhafte, überschneite Stelle untersuchen sie.. In der Mitte geht Lopatin, die beiden andern rechts und links von ihm mit einigen Schritten Abstand. Da kommen die Wölfe! glänzende Farbpapiere zu kleinen Matten flechten und Vögel zeichnen und sie dann mit Wasserfarben rot und blau und grün bemalen. Arme Nana. Manchmal des Abends pflegte sie mit ihren zerrissenen, von der Lauge zerfressenen Fingerstümpfen Kleider zu nähen, damit Orchid sich im Kindergarten sehen lassen könnte. Ungeschlachte hässliche Dinger, die aber, neu und daher rein, das Kind nett kleideten. Für Annie waren das Jahre einer höchst armseligen nebelhaften Erfüllung. Dieses Tagaus Tagein, dieses ewige Scheuern von Korridoren und Waschräumen in Bureauhäusf rn. die manchmal den Hafen und die Freiheitsstatue überblickten, war ein feuchtes, seifiges und schaumiges Geschäft, aber nachher kam sie nach Hause zu dem Besitztum, das mit seiner lieblichen Hand, gegen den Schmerz in ihrer Brust gedrückt, neben ihr schlief. Der Schmerz des Darbenden, der sie weich werden Hess. Während all der Jahre, da das Besitztum noch ein kleines Mädchen war, schliefen sie Von Josef Mühlberger. Der frostige Abend ist klar wie Glas. Krustig vereiste Strassenplätzen Knirschen unter schweren Schritten; Reglos der Fluss, der im Tal sich windet; Starr steht das alte Sommergras. Einer ersten Amsel Singen Glitzert, ausgestreutes Silber Ueber hartem, braunem Land. Auf der Kastanie Leuchterarmen Sind die harzigen Knospen entzündet — Bald ist die Erde festlich erhellt! Im Gänsemarsch schleichen und winden sie sich keine dreissig Schritt weit von mir entfernt. Mein erster Schuss kracht durch den Wald, die Schneemassen auf den Bäumen ersticken fast de» Schall. Ich habe die Ermahnung vergessen, habe zu schnell geschossen und das Leittier von vorn getroffen, denn es kläfft mich an, fast wie ein Hund, fletscht die Zähne, duckt sich, schüttelt den Kopf, und sprunghaft rennt es etwas abseits, von mir weiter, während das Rudel wieder im Wald verschwindet. Ein zweiter Schuss, und das Tier bricht zusammen, zuckt mit der Rute, den Hinterläufen, wälzt sich im Schnee, im dunkelroten Schweiss, dann erstarrt der Grauhund. Schnell ist die Büchse geladen, die Handschuhe liegen achtlos im Schnee; gespannt lauere ich umher, denn das Rudel kann jetzt von einer andern Seite kommen, ich muss scharf aufpassen. Richtig, da sind sie schon wieder. Kaum wahrnehmbar, den Bauch dicht auf der Schneedecke, gleiten die grauen Schatten, selbst mit einer dünnen Schneeschicht überstäubt Ich lasse sie seitlich vorbeiwinden. Wieder donnert ein Schuss; der letzte Wolf bricht zusammen, die andern huschen wie Schatten fort. Der Getroffene rührt sich nicht mehr, seine letzten Zuckungen erstarren, ich sehe Schweiss auf dem weissen, unberührten Schnee. Und wieder stehe ich mit geladener Büchse auf der Lauer. Das Klopfen nähert sich nur sehr langsam, es verstreicht geraume Zeit, nichts rührt sich mehr unter den verschneiten Aesten. Ich spare jetzt Seine Kälte mehr, obwohl es' eigentlich mörderisch kalt ist. i Zwischen den Bäumen steht der glühende, erstarrte Ball — die Sonne, ich kann mit ungeschützten Augen in sie hineinsehen. An Stellen, an denen sie den Schnee bescheint, glitzert es in allen erdenklichen, kaleidoskopartigen Farben. ; Aus der Ferne kommt wieder das deutliche Klopfen der Treiber. Ich habe kaum geladen, als das Rudel kehrtmacht und diesmal direkt auf mich zukommt. Sprungbereit, doch immer noch sitzend, ducken sie sich zusammen, erstarren für kaum zwei bis drei Sekunden. Ohne genau hinzuzielen, reisse ich die Büchse an die Wange, feuere in den Haufen hinein, der auseinanderspritzt. Nur der eine, Gier und Hass in den Lichtern, fletscht die Zähne und duckt sich, um mich anzuspringen. Aber ich bin schneller, der zweite Schuss wirft ihn nieder. Doch nur für ganz kurze Zeit, er erhebt sich wieder, ich Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte ^und warme Speisen zu ieder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Stelger-Gurtner. Abgesehen von Annies geistiger Schwerfälligkeit und abgesehen von einer Veränderlichkeit ihres Temperaments, das sie manchmal aufbrüllen und, wenn sie böse war, ein wenig schlecht sein Hess, war die Frau in ihrer Gier doch lieb zu Orchid. Und so wandte Orchid, in dem Gefühl, die zarten Ranken der kindlichen Zuneigung fester zu schlingen, ihre Liebe dieser beschränkten Frau zu, die sie Nana nannte, und wandelte durch eine düstere Kindheit, die ihr aber, weil die Vergleichsmöglichkeit fehlte, nicht düster erschien. Selbstverständlicherweise fanden der hässliche Klang dieser Zinskasernen und verschiedene Worte des Jargons den natürlichen Weg in Orchids Mund. Aber wunderbar genug, nicht um dort zu bleiben. Bevor sie noch die öffentliche Schule begonnen, hatte sich bereits die entgegenwirkende Umgebung des Kindergartens gegen eine Ausdrucksweise gestellt, die sie allmählich mit den andern Gewohnheiten der Kinder fallen Hess, wie: Geldstücke unter der Zunge zu saugen und Stücke von Früchten und Ge- drohte, den Fall selbst in die Hand zu nehmen, gelang es dem Polizisten, Annie zu müsen von den Wagen der Strassenhändler, überzeugen und ihre Angst zu beschwichtigen. Und so begann für das Kind, das in tratze, den sie Bett nannten, und das Kind stiebitzen, und in die schwarzen Münder der Seite an Seite auf einem Lumpen von Ma-wenn sie gerade den Rücken kehrten, zu einem gelben Wagen abgeholt wurde, der hatte in unbewusster köstlicher Gewohnheit Toreingänge zu verschwinden. die Kleinen von den Strassenecken mitnahm, die Hand gegen die schmerzende Stelle in ein neus Leben. Annies Busen gestrickt, als ob es den Es war schön im Kindergarten: man durfte Schmerz heilen wollte. (Fortsetzung folgt)