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E_1935_Zeitung_Nr.023

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BERN, Montag, 18. März 1935 Vierte Salon-Nummer Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 23 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) •vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Von 43 Fahrern erreichen 40 das Ziel — Prachtvolles Wetter begünstigt die Veranstaltung. — Sehr hochgestellte Anforderungen an Wagen und Fahrer. — Ein grosser sportlicher Erfolg. Genf, den 16. März 1935. Diesmal hat es nun endlich zum guten Wetter gereicht! Wer sich der unzähligen Sternfahrten nach Genf erinnert, denen allen nur Regen, Schnee und Kälte beschieden waren, kann ermessen, mit welcher Freude und Genugtuung sowohl Organisatoren, wie Konkurrenten heute morgen den blauen Himmel begrüssten, der für den ganzen Tag gutes Wetter verhiess, sogar trotz den besorgniserregenden Prognosen der meteorologischen Zentralanstalt. Bis auf zwei Ausnahmen waren alle Routen schneefrei, die Strassen trocken und sauber und darum sehr einladend dazu, gehörig aufzudrehen; das musste man denn auch. Das gute Wetter kam der Veranstaltung sehr zustatten. Hätte sich die Misere des letzten Jahres wiederholt, dann wären die Teilnehmer vor fast unlöslichen Aufgaben gestanden. Denn wenn man dem letztjährigen Reglement vorwerfen konnte, es hätte die Hauptbetonung auf die touristische Seite gelegt, die sportliche vernachlässigt und die ganze Fahrt zu einer simplen Bummelei durch die Schweiz degradiert, so gilt dieses Jahr eher das Gegenteil. Das war nun Sport in Reinkultur, der von allen Fahrern verlangt wurde, und es haben im Grunde genommen alle das Recht, sich als eine Art kleiner Hans Stuck vorzukommen. Denn auch ein Stuck hätte nicht verzweifelter auf die Punktjagd ausgehen können als die 43 tüchtigen Sternfahrer von heute! Nun: Hat sich das neue Reglement bewährt, das so grosses Interesse weckte und es vermochte, eine Nennliste zusammenzubringen, die seit Jahren nicht mehr so gross war? Das ist eine recht heikle Frage, und sowohl die Organisatoren wie die Fahrer müssen gute und schlechte Ergebnisse nennen, die diese Bestimmungen zeitigten. Eines steht sicher, sportlich war die Veranstaltung in einem idealen Masse, ja sie hatte vielleicht am meisten «Rasse» — wenn man so sagen darf — seit langer Zeit. Man musste wirklich fahren und kämpfen um den Sieg — oder die Niederlage. Auch das Geschick, gut kombinieren zu können und die Kenntnisse der Route spielten keine geringe Rolle. Pas sind Faktoren, die die diesjährige Sternfahrt zum ausserordentlichen Sportereignis stempelten, und deren Beibehaltung nur gewünscht werden kann. Doch die Formel zeitigte leider auch Nachteile, die wir nicht glauben verschweigen zu dürfen. Denn die initiativen Organisatoren, die Sektion Erscheint jeden Dienstag und Frtjtag INS ERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Autler-Felerabend". 6—8 mal jährlich „Gelbe List«" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 • Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Genf im Zeichen des Autosportes Die Sternfahrt nach Genf am Samstag I Das Kilometerrennen vom Sonntag Genf des A.C.S., hat sich noch jedes Jahr die Erfahrungen des letzten Jahres, zu Nutzen gemacht, und jedesmal eine neue interessante Formel auszuschreiben gewusst. Obwohl scheinbar der Charakter einer auch das Touristische berücksichtigenden Fahrt äusserlich gewahrt wurde, blieb den Konkurrenten nichts anderes übrig, als in ihrem Bestreben möglichst viele Kontrollorte zur Sammlung von Punkten anzufahren,, das letzte aus der Maschine herauszuholen. Aus der Sternfahrt wurde eine Punktjagd sondergleichen, und des Kalauers Weisheit, dass der Schnellere eben der Geschwindere ist, bewährte sich mit aller Deutlichkeit. Dadurch fielen auch Grosse und Stärke des Wagens mehr als je ins Gewicht, und wenn früher zwischen grossen und kleinen Maschinen wohl theoretisch, doch nicht praktisch ein Unterschied bestand, so wurde diesmal die Situation grundlegend anders. Denn ein Teilnehmer, der: in. seinen fänden einen flotten Sportwagen hatte, mit dem nach Belieben losgelegt werden konnte, verfugte so natürlich über ganz andere Möglichkeiten, als ein Kleinwagenfahrer, mochte sein Wagen noch so überzeugend laufen. Die zum Schlüsse der Konkurrenz von den Fahrern ausgesprochene Forderung, dass in Zukunft zwischen- schwachen und starken Wagen, also auch•.•• zwischen Touren- und Sportwagen, ein Unterschied gemacht werden muss, besteht ganz' zu Recht. Entweder sollte ein Handicap zugunsten der schwächeren Wagen eingeschaltet werden, das diesen zum Voraus Punkte gutschreibt, oder es wäre die völlige Trennung in zwei Gruppen vorzusehen. Die hauptsächlichste Aenderung hätte allerdings in der notwendigen Einschaltung eines Regelmässigkeitsfaktors zu bestehen, damit nicht die Schnelligkeit allein, sondern auch die Ausdauer und Regelmässigkeit zu Ehren kommen. Es wird Sache der Veranstalter sein, für nächstes Jahr hier die notwendigen Korrekturen vorzunehmen. Sie haben sich auf alle Fälle mit der Ausschreibung der neuen Formel Verdienste erworben, und nun, da die Erfahrung gemacht ist, wird es auch nicht am Willen zur Verbesserung fehlen. Wir sagen dies ausdrücklich deshalb, um zu verhindern, dass aus der Fahrt eine «Hatz» wird, wodurch dann Wesentliches vom Charakter dieser Veranstaltung wieder verloren ginge. Die Organisation des Rallye klappte mit wünschenswerter Promptheit Die Veranstal- Ein Gesamtüberblick.über den, diesjährigen, Genfer Salon. Der erstmals angewandte fliegende Start bringt eine neue sportliche Note in die Veranstaltung, die von H. Ruesch auf Maserati mit 147,541 km/St. Durchschnitt gewonnen wird. Gent, 17. März. Von den verschiedenen Kilometer-Rennen, die früher auch in der Schweiz im Schwung waren, hat sich nurmehr dasjenige behaupten können, welches jeweilen in Verbindung mit dem Genfer Salon ausgetragen wird und mit dem gleichzeitig unsere nationale Auto- Rennsaison ihren Auftakt nimmt. Dessen ständige Wiederkehr im Sportkalender rechtfertigt sich aus zwei Gründen: einmal im Interesse der Abwechslung und Vielgestaltigkeit des Jahresprogrammes, dessen Schwergewicht bis zur Einführung des Grossen Preises allzu einseitig auf den Bergrennen lag. Im weiteren ist es für die Fährer durchaus zweckmässig, wenn die an sie gestellten Anforderungen nur mit fortschreitender Saison gesteigert werden. Nach der langen Winterpause gilt es auch für den routinierten Sportsmann erst wieder einmal in Form zu komjtnen jund die Maschine nach der üblichen 'Winterrevision wieder einzufahren, sofern man nicht in der Zwischenzeit glücklicher Besitzer eines neuen Modells geworden ist Die Schnellsten des Taues: Ruesch und Braillard tauschen nach dem Rennen ihre Meinungen und Erfahrungen aus. Braillard fuhr das Rennen übrigens im Wehrkleid. Hierzu eignet sich das Kilometerrennen weit besser als eine Bergprüfung. Dennoch verlor die bisherige Veranstaltung sowohl für die Beteiligten als auch für die Zuschauer mit zielten Durchschnitte auf der ganzen Linie eintrat, wobei in einzelnen Fällen die erreichten Zeiten vielleicht etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Da mit der heutigen Veranstaltung vollständig neue rechnerische Grundlagen geschaffen wurden, so sind die besten Resultate in den einzelnen Klassen und Kategorien durchwegs als Rekorde zu werten, und es bleibt dem nächstjährigen Rennen vorbehalten, mit neuen Bestzeiten aufzuwarten, während die Resultate bis 1934 nicht einmal mehr Vergleichs-, sondern höchstens «historischen» Wert beanspruchen können. Was die Beteiligung anbetrifft, so überrascht die Tatsache, dass die Kategorie der Tourenwagen nur mehr durch zwei Fahrer vertreten war, während bisher stets ein gutes Dutzend Konkurrenten hier um .die Palme stritten, viel mehr als der zahlenmässige Rückgang der Anmeldungen. Das rührt vor allem -daher, dass die bekannten Fahrer der Marken Chrysler, Plymouth und Ford, die in den letzten Jahren an allen Rennen mit er- ihrer seit längerer Zeit gleichgebliebenen Formel an Interesse, und so Waren die Organisatoren gut beraten, den stehenden durch einen fliegenden Start zu ersetzen. Der rein rechnerische Nachteil, dass sich die bisherigen Leistungen mit den neu gewonnenen Resultaten nicht mehr vergleichen lassen, wiegt dabei nicht schwer. Allerdings konnte sich die Neuerung nur in verhältnismässig bescheidenem Rahmen auswirken, indem der zugestandene Anlauf von hundert Metern natürlich nicht, genügt, um die Maschine auf ihre volle Tourenzahl und Leistungsfähigkeit zu bringen, so dass nur mit mittleren Geschwindigkeiten in den Kilometer eingefahren wird und noch einige hundert Meter Distanz gewonnen werden müssen, bis der Wagen wirklich voll im Schuss ist. Aber der Anfang mit der getroffenen prinzipiellen Aenderung im Start ist nun einmal gemacht, und es ist nun für kommende Veranstaltungen zu. prüfen, ob man auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen soll, und ob sich die Strecke überhaupt für einen wirklichen fliegenden Kilometer, der von Anfang bis Ende mit Vollgas ausgefahren werden kann, eignet. Die Resultate brachten insofern keine Ueberraschung, als die in Rechnung gestellte Steigerung der erfreulicher Konstanz anzutreffen waren, ihre bereits am Ende der letztjährigen Saison geäusserte Absicht, vorläufig einmal zu pausieren (und offenbar auch auf den bisherigen Lorbeeren etwas auszuruhen), verwirklicht haben. Auf der anderen Seite fehlt es aber scheinbar vorerst noch an jüngeren Kräften, die den Nachwuchs bilden sollten. Hoffentlich wird der Wunsch nach rennsportlicher Betätigung mit fortschreitender Saison doch noch da und dort wach. Es wäre wohl verfrüht,, aus der recht mageren Beteiligung in dieser Kategorie heute schon den Schluss ziehen zu wollen, dass der Tourenwagen aus unseren nationalen Rennveranstaltungen endgültig verschwinde. Üeber raschen könnte diese Entwicklung nicht, denn sie hat sich in den übrigen Ländern bereits vollzogen, indem dort nürmehr die beiden Kategorien der Sport- und Rennwagen bekannt sind und ausgeschrieben werden. Wie weit ein Ausscheiden der Tourenwagen sich nachteilig auf eine notwendige Erneuerung im Bestände an schweizerischen, aktiven Rennfahrern auswirken könnte, werden erst die nächsten Jahre zeigen. Kommt es aber dazu, dann müssen sich die für "den Automobilsport verantwortlichen Instanzen' rechtzeitig mit der Angelegenheit befassen, .um .nach Konkurrenzen Umschau zu halten, welche dem serienmässigen Personenfahrzeug Ersatz für eigentliche Rennen zu bieten vermögen. Ein Anfang in dieser Richtung ist ja mit der erst-