Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.019

E_1935_Zeitung_Nr.019

BERN, Freitag, 8. März 1935 Gelbe Liste Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 19 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Internationale Verkehrsregelung Die Beförderung von Personen und Gütern ist nicht an Landesgrenzen gebunden. Eisenbahn und Schiffsverkehr verbinden Völker und Erdteile; neben ihnen hat mit der Entwicklung des Kraftverkehrs die Landstrasse ihre Bedeutung wiedergewonnen. Internationale Abmachungen bemühen sich, diesem Verkehr nach Möglichkeit die Wege zu ebnen und ihn insbesondere von Hemmungen, wie sie das Ueberschreiten von Landesgrenzen nur gar zu leicht mit sich bringt, zu befreien. Zoll- und Passrevisionen im Landund Seeverkehr sind Massnahmen, die überall nach den gleichen.Grundsätzen durchgeführt werden; das reisende Gut geniesst, wo es sich auch befinden mag, gesetzlichen F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Autler-Felerabend".' 6—8 mal jährlich „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Schutz; die Sicherungsvorschriften des Eisenbahnverkehrs wie die Regelung des Verkehrs auf dem Wasser, beruhen auf Vereinbarungen, die ihre Einheitlichkeit gewährleistet. Auch im Verkehr mit Motorfahrzeugen fehlt- es nicht an internationalen Abmachungen, die dessen Durchführung erleichtern sollen, insbesondere eine einheitliche Gestaltung aller diese Verkehrsart betreffenden Vorschriften erstreben. Vergleicht man aber das bisher erreichte mit den Verhältnissen im See-.-und „Eisenbahnwesen, so ergibt sich, dass die angedeutete Entwicklung auf dem Gebiete des Motorfahrverkehrs sich erst im Anfangsstadium befindet. Freilich stehen für die älteren Verkehrszweige Erfahrungen zur Verfügung, wie sie das verhältnismässig junge Kraftfahrwesen nicht aufzuweisen vermag. Auch haben Umfang und Ausdehnung des von ihnen bewältigten Verkehrs die Notwendigkeit internationaler Ausgleichung von jeher besonders stark hervortreten lassen. Auf der anderen Seite aber macht sich der Mangel an einheitlichen Verkehrsgrundsätzen um so empfindlicher bemerkbar, als die Führung von Motorfahrzeugen nicht, wie diejenige der Schiffe und Eisenbahnzüge, in den Händen berufsmässig damit befasster und entsprechend geschulter Fachleute liegt» sondern unzähligen Personen möglich ist, deren Eignung ebenso verschiedenartig ist wie ihre praktische Erfahrung. Nicht zuletzt die sich hieraus, ergebenden Schwierigkeiten sind es, die dem Motorfahrzeug für den internationalen Verkehr noch immer nicht die Bedeutung verschafft haben, die man nach seiner Verbreitung von ihm erwarten müsste. Wer in seinem Heimatland mit den Verkehrsverhältnissen noch so vertraut ist, wird ein gleiches Gefühl der Beruhigung bei Fahrten ins Ausland kaum verspüren. Vielleicht ist dem einen oder anderen noch eine Bestimmung des Internationalen Abkommens über den Kraftfahrzeugverkehr in dunkler Erinnerung, wonach «der Führer eines Motorfahrzeuges bei dem Verkehr in einem Lande gehalten ist, sich nach den in diesem Lande für den Verkehr geltenden Gesetzen und Bestimmungen zu richten» *). Befolgung von Vorschriften setzt aber deren fragen auseinandergehen. Noch immer wird Kenntnis voraus; und diese Kenntnis zu er-werben, ist nicht ganz einfach. Das erwähnsem Lande links, in jenem rechts gefahren; um nur einiges herauszugreifen — in diete Abkommen beschränkt sich auf die Zusammenstellung von Bedingungen, denen die bestimmte Strassenarten, bald die von einer die Regelung der Vorfahrt begünstigt bald Fahrzeuge genügen müssen. Im übrigen sucht bestimmten Seite kommenden Fahreuge, man vergeblich nach irgendwelchen Mindestgrundsätzen für das Verhalten im internatio- hinsichtlich der Bevorzugung des motori- wobei sich hie und da noch Unterschiede nalen Verkehr. schen Verkehrs finden; ja sogar die für die Tatsächlich sind derartige .Grundsätze Unfallverhütung so wichtigen Verkehrszeichen weichen voneinander ab. Hinzu kommt, nicht vorhanden. In den nunmehr etwa vier Jahrzenten, auf die der Motorfahrverkehr dass die vielfach unklare Fassung der Verkehrsvorschriften eine widerspruchsvolle zurückblicken kann, ist es nicht möglich gewesen, durch Vereinbarungen eine Verkehrsregelung herbeizuführen, die für alle Länder sich kaum der einheimische Jurist zurecht- Rechtsprechung hervorgerufen hat, in der einheitlich ist. Man ist im Gegenteil von diesem Ziel mehr denn je entfernt: ein Blick Fahrer. findet, geschweige denn der ausländische in die Verkehrsgesetzgebungen, die Deutschland; England, Frankreich und die Schweiz internationale Strassenverkehrsordnung zu GJeichwohl müssen die Bestrebungen, eine in den letzten Jahren erlassen haben, genügt, schaffen, in verstärktem .Masse fortgesetzt um die Verschiedenartigkeit der Vorschrif-r werden. Dass sie keineswegs aussichtslos ten für den Strassenverkehr zu erkennen. sind, beweist die Entwicklung auf einem verwandten Rechtsgebiet, dem der Verkehrs- An gutem Willen, ein allgemein gültiges Verkehrsrecht zu schaffen, hat es sicherlich nicht haftpflicht. Obwohl hier ganz wesentliche gefehlt, zumal die Rechtszersplitterung gerade auf diesem Verkehrsgebiete die schwerder auch auf Verkehrsunfälle die allgemeinen Gegensätze bestanden, indem einzelne Länsten Nachteile, insbesondere Erhöhung des Haftungsgrundsätze des bürgerlichen Rechts Unfallfaktors, mit sich bringt. Aber die anwandten, während andere zu einer verschärften, vom Verschulden unabhängigen Schwierigkeiten, die einer Lösung des Problems entgegenstehen, dürfen nicht gering Haftung übergingen, hat sich hier unter der eingeschätzt werden. Sie sind vor allem darin zu suchen, dass die Umgestaltung des Strassenverkehrs, wie sie seit Beginn der Motorisierung zu verzeichnen ist, noch nicht so völlig abgeschlossen ist, als dass sich endgültige, auf Jahre hinaus verwertbare Richtlinien festlegen Hessen. Wenn irgend ein Gebiet menschlicher Betätigung sich ständig in Fluss befindet, so der Verkehr. Die immer neuen Erfahrungen, die sich aus der täglichen Praxis des Strassenverkehrs ergeben und die von der in allen Ländern verschiedenen Verkehrsdichte und Fahrdisziplin beeiriflusst werden, bedingen schon in ) Die internationale Uebereintunft betr. den Automobilverkehr vom 24. April 1926. Art. 8. (7. Fortsetzung.) Wie fasste man nur den Mut ? Im Licht der untergehenden Sonne sass Annie Pogany da und schloss ihre Augen. Mut fasste man — auf keine besondere Weise — man fasste ihn — durch Zufall — — wenn — oh, wenn, sagen wir, das nächste vorbeifahrende Automobil zufällig rot wäre, das würde einem doch Mut geben. Aussichten. Nur zum Spass angenommen, dass das nächste vorbeifahrende Automobil rot sei. Das könnte einem Mut geben. Das würde beweisen, dass es richtig ist. sich Joan zu nehmen. Mrs. Herrick, die so viel hatte. Annie, die nichts hatte. Mrs. Herrick war weg. Jetzt, wenn irgend jemals ! Jetzt oder niemals ! Wenn das nächste Auto, das vorbeifährt, rot ist. Wenn Gott will, dass ich es tue, dann wird das nächste Auto rot sein ! Das würde mir den Mut geben, mit Ihr nicht nach Hause zu gehen. Annie Pogany sass da, hatte die Augen zusammengepresst und fürchtete, sie zu öffnen. Wenn das nächste Auto rot ist... Und da sie tuten hörte, öffnete sie die Augen, und sah einen langen niedrigen tiefroten Wagen vorbeigleiten. Dann war es eine einfache Sache, beinahe ruhiger Entscheidung, die schlafende Joan aus ihrem Nest von Polstern herauszuheben, sie enge in die beerenrote Decke einzupacken, und, den kleinen warmen Körper an den Schmerz in der Brust gepresst, den Kinderwagen in ein Gebüsch zu schieben und sich nach der dem Hause Herrick entgegengestzten Richtung zu wenden. Während dreier schmerzvoller Tage, die ihn verwirrt und erschöpft hatten, schritt John Lester, schwankend zwischen dem Gefühl, zur Bahn zu müssen, und dem Beschluss, so lange als möglich auszuharren, in seinem vernachlässigten Bureau auf und ab, wenn er nicht in seiner vernachlässigten Wohnung auf und ab schritt. Zügellose unerwartete Anwandlung von Hartnäckigkeit bei dieser Frau, die er genügend sein Eigen zu nennen glaubte, um sie voll und ganz zu kennen. Manchmal, wenn er in Selbsthass in seinem furchtbar leeren Wohnzimmer auf und ab ging, von Gewissensbissen und Sehnsucht gepeinigt, huschte etwas wie ein Lächeln über John Lesters stumpfes Gesicht. Schliesslich... dieser anbetungswürdige Unverstand und ihre Herzhaftigkeit! den einzelnen Ländern ständige Aenderungen der Verkehrsregelung; um so grösser sind die Hindernisse, die ein internationales Verkehrsgesetz zu überwinden hätte. Man prüfe einmal, wie oft und in welchen bisweilen sehr kurzen Zwischenräumen die Verkehrsvorschriften mancher Länder in der Nachkriegszeit geändert worden sind, wie man gelegentlich — z. B. in der Frage des Vorfahrtrechts — zu einer Regelung zurückgekehrt ist, die man vor nicht allzu langer Zeit aufgegeben hatte; dann wird man mit Verwunderung feststellen, wie weit die Auffassungen in der Beurteilung von Verkehrs- Einwirkung gleichartiger Massstäbe, die die Rechtssprechung anlegte, auch ohne Gesetzesänderung eine allmähliche Annäherung der Auffassungen vollzogen, so dass praktisch heute Uebereinstimmung erzielt ist. Da aber die Entscheidung über die Haftpflicht von der Prüfung der Frage abhängt, inwieweit Verkehrsvorschriften beachtet oder übertreten worden sind, wird auch die Verkehrsregelung auf die Dauer einer internationalen Vereinheitlichung nicht entzogen werden können.' Die Voraussetzungen hierfür sind gerade in jüngster Zeit günstiger geworden, seitdem sich die Erkenntnis durchgerungen hat, dass dem Verkehr mit einer Regelung, die sich Doch bloss für einen Augenblick, John Lester verlangte nach seinem Weib. Und John Lester verlangte nach seinem Kind. Und da flammte sein Aerger wieder auf.Wie konnte Selene das Kind bloss auf die zugige Reise nach Peekskill mitschleppen! Dazu hatte seine Schwiegermutter, wie er wusste, auch die Gewohnheit, das Kind zu überfüttern. Beinahe unabänderlich kam es von einem Besuch bei der Grossmutter krank nach Hause. Schliesslich, wenn Selene noch einen Tag länger ausbliebe, würde er seinen Stolz verkneifen und sie und das Baby holen fahren. Der unverschämte Liebling. Dieses leichtsinnige, verschwenderische, gedankenlose kleine Frauenzimmer. Von einer bewundernswerten Zügellosigkeit. Nun, der Tag würde kommen, an dem er die Möglichkeit haben könnte, ihren Schwächen nachzugeben. Und wieder das flüchtige Lächeln. Dann wieder die restlose Verzweiflung. John Lester Herrick hatte Heimweh und Herzweh. Arme Selene. Sie hasste das Haus in Peekskill. Sie hatte es schon als Kind gehasst. Eine barbarische hölzerne Angelegenheit mit einem Turm, der an einem Ende wie eine Blase hing, und Ornamenten, die wie Spitzenwerk aussahen. Das dumpfe modrige Innere des Hauses war ständig von Lärm INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern auf wenige grosse Richtlinien beschränkt, besser gedient ist als mit unzähligen Einzelvorschriften. Der Weg, den Deutschland beispielsweise mit seiner neuen Reichs-Strassenverkehrs-Ordnung gegangen ist, stellt einen wichtigen Schritt zur Erreichung des gemeinsamen Zieles dar. Zunächst Beseitigung aller überflüssigen, nach der Verkehrssitte selbstverständlichen Bestimmungen — dann Einigung über die wenigen Grundgesetze des Verkehrs! Es sind ihrer wirklich nur wenige, indem z. B. auf Vorschriften über Fahrgeschwindigkeit, Warnungszeichen, Abblenden, verkehrshinderndes Parken usw. verzichtet wurde. Aber über die wenigen —> es handelt sich vor allem um die Benutzung einer bestimmten Strassenseite, um Ueberholen und Ausweichen, um die Vorfahrt — muss so völlige Klarheit herrschen, dass jeder Fahrer sich im Verkehr jeden Landes wie zu Hause fühlt. Dann wird der Verkehr mehr als bisher an seinem Teil zur Verständigung der Völker beitragen. Grau, Staatsanwaltschaftsrat, Berlin. Bäume an der Strasse? Die Bepflanzung der Strassenränder mit Bäumen ist wie Baurat Fauner in der «Autobahn» ausführt, eine alte Streitfrage. Man hat gegen Bäume an der Landstrasse vorgebracht, dass das Wurzelwerk die Strasse beschädigen kann und dass die Benetzung der Strassendecke bei Regen < ungleichmässig erfolgt, das heisst trockene und nasse Stellen abwechseln. Gegen die Bäume an der Strasse spricht ferner, dass die Baumreihe zu erhöhter Unfallgefahr führt. Schon der dauernde Helligkeitswechsel bei Fahrt gegen die sinkende Sonne auf Landstrasserr mit Baumbepflanzungen stört den Fahrzeugführer und kann die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Dass bei Nebel Baumlandungen häufig sind, ist eine erwiesene Tatsache. Von der anderen Seite wird vorgebracht, dass Bäume an der Landstrasse dem Fahrer die Grenzen der Fahrbahn und den Beginn von Kurven besser erkennen lassen, insbesondere wenn die Baumstämme weiss bemalt sind. Dem ist gegenüberzuhalten, dass der gleiche Effekt, ohne annähernd gleiche Gefährdung, durch weisse Steine erreicht werden kann. Der nur locker im Erdreich stehende Stein muss beim Artprall des Motorfahrzeuges zu weniger folgenschweren Unfällen führen als ein durch sein Wurzelwerk fest im Boden verankerter Baum, besonders wenn es ein Laubbaum mit in die Tiefe gehendem Wurzelwerk ist. Die alte Streitfrage, ob die Strassenränder mit Bäumen bepflanzt werden sollen, ge- erfüllt gewesen. Von all den Jahren Mutters nervöser Gewohnheit, unausgesetzt zu reden. Und das dumpfe und modrige Haus war auch von einem gewissen spürbaren Geruch erfüllt, der von ihm untrennbar war, dem Geruch der Pfeifen und Pfeifen, die ihr Vater, bis zu seinem Tode, schweigend in dieses Schnattern geraucht hatte. Diese drei Tage hier mit ihrer Mutter. Das Geschnatter. Geschnatter. Ihre Brüder, die zusammen eine Garage in Peekskill führten, kamen um zwölf zum Dinner und um sechs zum Supper und assen schweigend, wie ihr Vater es vor ihnen getan hatte. Das Geschnatter. Dieses ewige Geschnatter, das von Selenes Tragödie, einem Sturm im Wasserglase, nichts wusste. Selene konnte es nicht über sich bringen, die beschämende Tatsache, dass es sich nicht um eine gewöhnliches Weekend handle, ihrer Mutter anzuvertrauen. Selene, deren Hirn vom Wunsche barst, vom Wunsche, etwas zu erdenken, einen Ausweg zu erdenken, tauchte unter in den drei Tagen von Geschnatter und Geschnatter. Nicht nur nach John Lester, obwohl ihr Herz ihn innigst ersehnte, sondern auch nach ihrem Kinde verlangte Selene, und Stunde um Stunde empfand sie ein fast körperliches Nagen. Aber trotzdem war es natürlich der