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E_1935_Zeitung_Nr.026

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BERN, Dienstag, 26. März 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 26 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Strassenbau und Landesverteidigung Von Hans Frey. In seinem Bericht an die Bundesversammlung über das Volksbegehren betr. den Ausbau der Alpensirassen hat der Bundesrat darauf hingewiesen, dass auch Gründe der Landesverteidigung zugunsten einer Verbesserung der Alpenstrassen sprechen, ohne jedoch näher auf diese Seite des Problems einzutreten. Wir haben unsererseits verschiedentlich auf die militärische Bedeutung eines besser ausgebauten Strassennetzes angetönt und trugen uns seit längerer Zeit mit der Absicht, unsere Leser und eine weitere Qeffentlichkeit hierüber von kompetenter Seite orientieren zu lassen. Herr Oberstdivis ionär H. Frey hat es in verdankenswerter Weise übernommen, das schweizerische Strassenproblem vom Standpunkt der Landesverteidigung aus zu behandeln. Die nachstehenden Ausführungen, welche bereits Mitte Februar, also einige Zeit vor dem Bekanntwerden des bundesrätlichen Berichtes, vorlagen, mussten leider wegen der Berichterstattung über den Genfer Salon zurückgestellt werden. Sie haben deswegen aber nicht im geringsten von ihrer Aktualität und Bedeutung eingebüsst und verdienen nach wie vor grössie Beachtung. Die sich aus den Darlegungen ergebenden Schlussfolgerungen lassen deutlich genug die Notwendigkeit eines Ausbaues unserer wichtigsten Strassenverbindungen und die Dringlichkeit von Strassenneubauten erkennen. Sie zeigen aber auch, dass es sich um ein eidgenössisches Problem handelt, dessen Verwirklichung Sache des ganzen Landes und nicht einer einzelnen Gruppe von Steuerzahlern ist. Die Redaktion. Viele den Lesern dieser Zeitschrift wohlbekannte Gründe wirken gebieterisch fordernd oder mit unablässigem Mühen für den Ausbau der Strassen unseres Landes. Als die Strassen unter der anwachsenden Zahl der Kraitwagen zu leiden begannen und diese ihre Leistungsfähigkeit nicht ganz ausnützen konnten, ja sogar des schlechten Zustandes der Fahrbahnen wegen Schaden nahmen, da sind die'Kantone ans Werk gef*gangen, unterstützt vom Bund, und haben, unter schwierigen Umständen zwar, doch mit Erfolg, die bestehenden Strassen verbessert und erneuert. Wenn es aber gilt, neue Strassen zu bauen, um den Kraftwagen die kürzesten Verkehrsstrecken zuzuweisen, solche, die übersichtlich verlaufen, keine Hindernisse für ausgiebiges Fahren bieten, dann ist mancher Bauwunsch bis jetzt wohl bis zum Plan, aber nicht zur Verwirklichung gediehen. Warum? Weil das Geld zum Bauen und für den Unterhalt neuer Strassen fehlt, weil meist nicht nur ein Kanton mithelfen müsste beim Aufbringen und Ausgeben des Geldes, sondern mehrere, und weil die einen Kantone oder Teile von ihnen die Strassen so, die andern sie anders haben wollen, und weil der Bund selbst den Bau F E U I L L E T O N T Mannequin. Roman von Fannie Hurst (13. Fortsetzung.) Aber plötzlich wünschte Orchid diese Dinge nicht mehr, als sie die Muster der Gewebe in der Hand hielt und die Mädchen in den billigen Nachahmungen der herrschenden Mode um sie herumstanden. Sie wollte statt dessen weiche Stoffe nach ihrer eigenen Wahl. Geschmeidige Stoffe, die man sich in den Verkaufsschachteln mit einem Rabatt für Angestellte im Titanic auswählen konnte und die sie selbst drapieren und legen und um ihren Körper werfen wollte, wie es ihre Finger gerade mochten. Wertvolle Stoffe, die das Fleisch streichelten. Nicht steifer Serge, sondern Gewebe zum selben Preis, die sie im Verkaufsraum gesehen hatte. Stoffe, die durch die magnetische Eigenschaft von Seide ein wenig haften zu bleiben schienen, wenn man mit der Hand über sie fuhr. So entdeckte Orchid zum erstenmal, dass sie sich ihre Kleider selbst machen konnte. Röcke aus Ueberresten und beinahe gar nichts, die sie entzückten und verschönerten. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag INS ERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „AufJer-Felerabend". 6—8 mal Jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. HEDAKTION ü. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach SpezialtarxI. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern neuer Strassen wohl unterstützen, aber nicht selbst durchführen kann. Jetzt ist aus der allgemeinen Not und aus der Einsicht, wie ihr zum Teil abzuhelfen und dem weiteren Anwachsen vorzubeugen wäre, die Initiative für den Bau von Alpenstrassen und ein Plan für Arbeitsbeschaffung entstanden. So wird mit dem unablässigen Mühen vielleicht auch Geld «^ gefunden » und der Bau neuer Strassen ermöglicht. Dazu stacheln militärische Forderungen mit an; sie gehören zur Not der Zeit. Die militärischen Forderungen an den Strassenbau werden ab und zu neben den wirtschaftlichen miterwähnt, kaum aber eingehend erörtert. Darum sei hier einiges darüber ausgeführt. Unser Land sei eine Festung, heisst es. Gewiss, die Flüsse und Seen an den Landesgrenzen bilden nasse Gräben, starke Hindernisse. Stünden auch noch abwehrbereite Panzertürme und Bollwerke'.daran, wäre es um so besser. Im Innern der Festung fehlt es nicht an günstigen Abschnitten und Stellungen, in denen die Besatzung sich halten, aus denen heraus sie auch zum Angriff gegen einen Eindringling hervorbrechen kann. Als Kernwerk türmen sich die Alpen auf, und von ihnen aus sei das Vorland an einzelnen Stellen bis zu den Hindernissen zu beherrschen. In der Festung sind die Verkehrswege besonders wichtig. Sie gestatten den Streitkräften, rasch und zur rechten Zeit von einem Abschnitt zum andern zu gelangen, oder aber, wenn sie dazu nicht geeignet sind, ihrem Verlauf und ihrer Leistungsfähigkeit, nach erschweren sie es. So werden auch die Strassen unseres Landes, der Festung, beansprucht werden. Hunderttausende haben sich vielleicht auf ihnen zu bewegen. In die Tausende gehen auch die Tonnengewichte an Munition, die nachgeschoben wird, dazu die Verpflegung sowie Geräte mancher Art und Waffen. Die Kranken und Verwundeten sind auf denselben Wegen zur sicheren Pflege zurückzusenden. Und fliehendes Volk zieht vielleicht mit. Der Gegner soll alle diese Bewegungen nicht allzu leicht zu hindern vermögen, weder dilrch Flieger noch durch weittragende Artillerie, die er als Geschütze mit Reichweiten bis zu 25 Kilometer mit sich führt. Auch Naturkräfte wirken bei uns in einzelnen Abschnitten, in den Alpen, überraschend wie Feinde. Man denke an die 1927 vom Unwetter während Tagen, ja Wochen unter- Als sie siebzehn Jahre alt war, kam Orchid, die sich wegen ihrer Vorliebe, ihres Geschmacks für Batist und Seide während ihrer freien Zeit in dieser Abteilung des Warenhauses schmachtend herumgetrieben hatte, mit zwölf Dollar die Woche in die Wäscheabteilung des Titanic. Den ganzen Tag über rannen glänzende Gewänder durch ihre Finger. Wenn sie ihre Hand unter ein Stück von Seide hielt und ihre Finger spreizte, um auf das zarte Qewebe, das Muster oder den Glanz hinzuweisen, liebte sie diese hauchdünnen Gewebe. Liebte es, diese zarten Stoffe an ihrer Haut zu fühlen. Verkaufte sie mit Erfolg, weil sie die Dinge liebte, die sie über den Tisch hinüberreichte. Ungefähr zur selben Zeit nahmen Orchid und ein Mädchen aus der Spitzen- und Schleierabteilung, namens Idaleen Crow, ein Zimmer in einem Hause in der Seventh Avenue nächst der Twenty-third Street. Es war ein Zimmer im dritten Stock des Hinterhauses, nicht zu gross, aber mit zwei getrennt stehenden Feldbetten und einem Waschraum mit einem Fenster und einem Waschgestell, der gross genug war, um als eine Art Ankleideraum benützt zu werden. Sie mieteten es um fünf Dollar pro Person und Woche. Nach den Jahren Internatlebens brochenen Strassen und Eisenbahnen in Graubünden und an die letztes Jahr in der Innerschweiz und im Berner Oberland so Betroffenen. Nur ein Netz, eine Auswahl von Strassen vermag in solchen Fällen dem Verkehr zu genügen, wie militärische Operationen ihn mit sich bringen. Ohne dies kann er von den zerstörten Strecken nicht umgeleitet, von den Eisenbahnen weg nicht auf Strassen verlegt werden. Wie das Strassennetz zum Abschnitt liegt, in dem drinnen sich die Truppenmacht zu schlagen haben wird, ist wesentlich, oft mitentscheidend. Ganz ungünstig muss die Würdigung hierüber lauten, wenn der Abschnitt für die eigenen Kräfte nur von der gegnerischen Seite erreichbar ist. Auch wenn nur von einer Seite her, also in der Flanke vom Gegner bedroht, gegen ihn aufmarschiert werden muss, droht ein Misslingen des Bereitstellens zum Kampfe; die sogenannten bestehende, überissfeit neu zubauende J Brücken: benutzbar. ursUrt. SchiBbriicken. im Settlementhaus und im Clara von Hütten lag etwas wie « zu Hause sein > in diesem kleinen Zimmer im dritten Stock des Hinterhauses. Idaleen war ein ganz merkwürdig aussehendes Mädchen mit hellblauen Augen und glänzend rotem Haar, das sie wie ein Knabe kurz geschnitten trug, lange bevor die Leidenschaft für kurzgeschorene Köpfe die Frauen einer halben Hemisphäre mit sich gerissen hatte. Idaleen, die mit der Absicht, zur Bühne zu gehen, aus Schenectady gekommen war, beklagte sich unausgesetzt über die Dumpfheit und die Küchengrüche, die aus den Rauchfängen der Welt der kleinen Haushalte, die sie umgab, kamen und über die Hitze, die die Sonne auf das gegenüberliegende Zinndach ausstrahlte. Orchid beklagte dies auch. Aber sich verteidigend. Sie hatte keine Möglichkeit, Idaleen zu gestehen, dass dieses Hinterzimmer im dritten Stock für sie an Luxus grenzte, dieses Zimmer, das man nur durch einen dunklen Gang, der eher ein Kanal von Kehrichtkübeln war, stolpernd erreichen konnte. Ein Zimmer, das zur Hälfte ihr Eigen war. Ein Zimmer, das kein Loch in einer Zinskaserne war und auch keine Zelle in einem Hause, das nach Wohltätigkeit roch. rückwärtigen Verbindungen nach dem Landesinnern können dann nur von besonderen, je nachdem recht starken Kräften, geschützt werden. Natürliche Hindernisse, Festungen oder grosse Entfernung vom Feinde dienen solchem Schütze ebenfalls. Heutzutage kann aber ein an Luftstreitmacht überlegener Gegner selbst die in günstigster Richtung verlaufenden Verbindungen, die von rückwärts heranführenden, empfindlich stören, namentlich dann, wenn die eigenen Fliegerabwehrmittel schwach und die Verbindungen auf langen Strecken nahe aneinander geschart liegen und deswegen um so gefährdeter sind. II. Das sei mitbeachtet, wenn im folgenden zunächst ein Abschnitt unseres Landes unter einer bestimmten, angenommenen «Kriegslage » gewürdigt wird. Es könnte ähnlich für andere Landesteile geschehen. Von Norden her über Konstanz und über den Rhein bis zur Aaremündung hinunter sei ein Einbruch starker Truppen zu erwarten, der seine Fortsetzung gegen Westen finden dürfte. Was an schweizerischen Wehrkräften zwischen dem Bodensee und dem Zürichersee ansässig ist, vermag allein den Rhein auf der genannten Strecke und die Landesgrenze nicht zu schützen. Darum ist Zuzug aus dem Westen des. eigenen Landes zu erwarten, durch Eisenbahntransporte über Olten-Zü~ rieh. Während deren Beginn gelingt es dem Gegner, den Rhein zu überschreiten, an einigen Stellen wenigstens, und sich nördlich iSkni'l Front Norden Ischenaiisch daraesltiltj Tagmarsch u.- Tragweite der IS cm.•Kanonen. Sogar der Geruch von Abfallkübeln, die vor der Tür des Hausmeisters standen, war dem billigen Geruch der Wohltätigkeit vorzuziehen. Ein Zimmer, mit einem Tisch und Spiegel, das sie mit buntem Kreton schmückte. Auf das Feldbett legte sie kleine Polster mit einer Spitzenschleife auf rosa Satin. Kleine Polster, wie sie die Frauen im Film hinter ihre Köpfe steckten. Als Orchid siebzehn Jahre alt war und zwölf Dollar die Woche in der Wäscheabteilung verdiente, und mit Idaleen ein Zimmer im dritten Stock des Hinterhauses in der Seventh Avenue mietete, erhielt das Leben einen leisen Glanz. Es war manchmal schwer, wenn sie sich diese eher lumpigen kleinen Spitzenpolster hinter den Nacken schob, um sich in den Schlaf zu räkeln, die Jahre von Nächten, von schwarzem Ungeziefer bedrängten Nächten, die ihre Kindheit unten in der Prince Street waren, zu verstehen. Die Prince Street, die wohl noch nie ein Prinz betreten hatte, und wo die kleinen Mädchen, wenn sie Prinzessin spielten, Prinzessinnen waren von der Farbe des Asphaltdschungels. Die Prinzen, die auf der Seventh Avenue