Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.028

E_1935_Zeitung_Nr.028

BERN, Montag, 1. April 1935 Nummer 20 Rp. AUTOMOBIL-REVUE 31. Jahrgang - N° 28 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die autofreundliche Schweiz Betrachtung zum 1. April. Alle Kantonsregierungen haben einmütig beschlossen, das neue Automobilgesetz auf der ganzen Linie anzuwenden. Verkehrsverbrecher jeder Kategorie sollen in Zukunft mit der gleichen Schärfe angefasst werden wie die Automobilisten. Velofahrer ohne richtig angebrachtes Katzenauge werden mit 10.— bis 50.— Fr. gebüsst (wie Automobilisten). Velofahrer, die zu dritt nebeneinander auf der Strasse herumfahren, werden gleich gebüsst. Velofahrer, die mit Leitern, turmhohen Aufbauten auf dem Rücken, mit Körben in den Armen, fahrend betroffen werden, erhalten die gleiche Busse. Ferner wird das verkehrsgefähfdende Objekt zugunsten Arbeitsloser beschlagnahmt. Arbeitgeber, die ihre Lehrlinge oder Angestellten solchermassen in der Welt herumsenden, werden ebenfalls gebüsst. Velofahrer, die sich im Stadtverkehr beidseitig, je nach Laune, um die Autos herumschlängeln, werden mit Beschlagnahme des Rades bestraft. Velöfahrer, die unbekümmert um die Zeichengebung der Verkehrspolizisten vor den Autos vorbeiflitzen, werden gleich bestraft. Der berriische Stadtrat hat beschlossen, dass auf dem Bahnhofplatz in Zuknuft höchstens 10 Polizisten gleichzeitig mit der Verkehrsregelung beschäftigt werden dürfen. Bei guter Witterung sollen sich die Ueberzähligen unterdessen im sogenannten Blasermätteli aufhalten, damit der Verkehr nicht mehr als nötig behindert wird. Für schlechtes Wetter ist die Einrichtung einer Kantine im Tramhaus im Studium. * Von mehreren grossen Städten wurde das Beispiel Berns nachgeahmt, wonach Fussgänger, die sich anders als senkrecht zur Strasse auf dieser bewegen, ähnlich wie fehlbare Velofahrer zur Rechenschaft gezogen werden sollen. * Auf das Beispiel Italiens hinweisend, wurde in allen Kantonen das sofortige Studium der Frage angeordnet, ob es für die Sicherheit aller Strassenbenützer nicht besser wäre, wenn Fussgänger auf trottoirlosen Strassen, also besonders auf dem Lande, zum Linksverkehr gezwungen würden. Allerdings ist in Bern ein Gegenantrag eingebracht worden, wonach Fussgänger in der Höhe des letzten Rückenwirbels ein Katzenauge anzubringen hätten. Ebenso wurde die Frage des Rückspiegels zur Sprache gebracht. Es ist immerhin zu hoffen, dass der erste Vorschlag durchgeht. F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst. (15. Fortsetzung.) Sie war geradezu begierig nach dem Kontakt mit Martins jugendlichem Verstand. Es erhielt sie lebhaft. Manchmal schämte sie sich, wenn sie ihm zuhörte, dass so vieles, das ihm deutlich Gemeinplatz war, ihr eine Enthüllung bedeutete. Sie hätte ihm auch nie eingestanden, dass er etwas enthüllte, weil sie es irgendwie als jämmerlich empfand, alle die Dinge nicht schon früher gewusst zu haben. Manche der Wörter, die er so zufällig gebrauchte, dass es ihm kaum zum Bewusstsein kam, Hessen Orchid aufgeregt zum Konversationslexikon in der Bücherabteilung des Titanic stürzen oder in das Nachschlagezimmer der Bibliothek, an Abenden, an denen sie nicht mit ihm das Dinner nahm. Zum Beispiel: Erscheint, jeden Dienstag und Freitag ^INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage ..Autler-Feierabend". 6—8 mal jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III 414- Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Der Verwaltungsrat der SBB hat eine radikale Aenderung der Bundesbahnpolitik angekündigt. In jahrelangem Studium sei man nun zur Ueberzeugung gekommen, dass das Automobil an den schlechten Finanzen der SBB sozusagen unschuldig sei. Ja, wenn man alle Für und Wider berücksichtige, so müsse man eigentlich sagen, dass das Automobil den Bahnen eher genützt habe. Denn wenn alljährlich Hunderttausende von fremden Wagen in die Schweiz kämen, so sei in erster Linie zu bedenken, dass die Inhaber zum grössten Teil nicht gekommen wären, wenn sie eben nicht das Auto hätten benützen können. Von diesen Fremden aber käme zweifellos ein erheblicher Prozentsatz zum Wintersport wieder in die Schweiz, weil er im Sommer Gelegenheit gehabt habe, unser schönes Land zu bewundern. Im Winter aber fahren die Leute lieber mit der Bahn. Herr Bratschi erklärte das Argument: «entweder mit dem Auto vorwärts, oder gegen das Auto rückwärts», könne ihm gleichgültig sein, da er nicht die schweizerischen Interessen, sondern 1 die der Eisenbahner wahrzunehmen habe. Aus dem gleichen Grunde, sei es für ihn belanglos, dass das Auto der schweizerischen Wirtschaft mehr Millionen zuführe, als die Bahnen ihr entzögen. Summa summarum werden die SBB in Zukunft das Auto nach Kräften fördern. Ebenso hat sich die BLS mit bemerkenswerter Geschwindigkeit der Argumentation des Verwaltungsrates angeschlossen. Als erste Auswirkung wird nun das Berner Oberland autofähige Strassen erhalten. Allerdings soll oberhalb Thun eine Barriere errichtet werden, an welcher jeder Autofahrer eine eidesstattliche Erklärung abgeben muss, wonach ei ohne Auto nicht hinaufgefahren wäre. Verweigert er diese Erklärung, so muss er aussteigen und die Bahn zur Weiterfahrt benützen. Eine ähnliche Lösung ist für das bekannte Strassenstück zwischen Bern und Neuenburg vorgesehen. * Interessant ist ein Bundesrats-Beschluss, wonach an allen Wagen eine automatische Vorrichtung anzubringen ist, die den Wagen von selbst auf die rechte Strassenseite führt und weiteres Gasgeben verhindert, sobald ein anderer Wagen zum Vorfahren Signal gibt. Es ist zu hoffen, dass ein gegen diesen Beschluss ergriffenes Referendum zu spät kommt. Es wirbt unter dem klaren Wort: «Einem freien Schweizer wird nicht vorgefahren». (Fortsetzung Seite 2.) Keimplasma. Minderwertigkeitskomplex. Soziale Revolution. Pistazien. Die Darwinsche Theorie. Konzis. Sinn Fein. Gravitationsgesetz. Thomas Hardy. Strawinsky. Hedda Gabler. Lenin. Anatole France. Manchester Guardian. Michelangelo. Ipso facto. Artischocken. Ozeanien. Pediküre. Louvre. Robert Browning. Elizabeth Browning. Psychologie. Ethische Kultur. Freie Rhythmen. Renaissance. Ritter. Cloisonne. Jonisch. Epiktet. Die Schöne Helena. Protoplasma. Saute. Niedergang und Verfall des Römischen Reiches. Kabale. Im Haag. Heiliger Stuhl. Laokoon. Elektron. Beowulf. Chaiselongue. Konfutse. Anthropologie. Havelock Ellis. Lapislazuli. Martinique. Tagore. Paderewski. Seine. Monographie. Kein Wunder, dass sie eine gute Zuhörerin war. Martin war in seinen zufälligen Launen wie efin geistiges Panorama. «Zum Teufel, selbst wenn ich zum Präsidenten des Klubs der Leidenschaftslosen gewählt werde, will ich es immer und immer wiederholen, dass sie wundervoll sind, Orchid. Sie verstehen mich.» Gegenwärtige und mögliche künftige Entwicklung der motorischen Verbrennung Von Oberingenieur Walter Ostwald. II.* Man könnte sich nun zwischen Otto- und Dieselverbrennung den für beide Motorenarten so deutlich sichtbar gewordenen Einfluss der Oberflächenentwicklung noch weiter fortgesetzt denken und sich schliesslich zunächst auf dem Papier einen Motor vorstellen, der weder nach Diesel noch nach Otto, sondern in erster Linie nach Oberflächenverbrennung arbeitet. Ein solcher Motor wäre ähnlich wie ein Heissluftmotdr. Er würde in einen übermässig oberflächenentwickelten, sagen wir mit poröser Masse angefüllten Verbrennungsraum seine Luftoder Gemischladung hineindrücken, um von dort als Folge der Oberflächenverbrennung höheren Druck und höhere Temperatur zum Zwecke der Arbeitsleistung zu empfangen. Einen solchen Motor gibt es noch nicht. Ueber seine Ausführbarkeit braucht man sich ja nicht unbedingt den Kopf zu zerbrechen. Sicher ist aber, dass sowohl Otto-, wie Dieselmotor sich umso stärker in der Richtung einer Oberflächenverbrennung entwikkeln, je neuzeitlicher sie sind. Hiernach erscheint es möglich und richtig, die. Eigenschaften der motorischen Verbrennung nicht nur nach Diesel- oder Gleichdruckverbrennung und Otto- oder Gleichraumverbrennung, sondern auch nach einem dritten Gesichtspunkt der Zerklüftung oder Oberflächenverbrennung zu unterstellen. Es sind eben nicht 2, sondern 3 entscheidende Gesichtspunkte, welche den Charakter der motorischen Verbrennung bestimmen. Brennstoff-Luftgemisch verbrennt räumlich und zeitlich nach seiner phys.-chem. Eigenart (Otto- Verbrennung). >-«Zündermotor>. II Brennstoff verbrennt beim Zerklüftung (als Wirbelung und ak Oberflä- Einspritzen in Luftüberschuss nach Massgabe chenwirkung einflussreich) verändert räum- der Brennstoffpumpenförderung. Mindestwerte lich und zeitlich den Verbrennungsverlauf unab- von Zündfähigkeit und Zündverzug nötig (Dieeel-Verbrennung), «Bren- Eigenschaften und Einhängig von phys.-chem. nermotor». spritzverlauf (gesteuerte Verbrennung). Das Dreieck der motorischen Verbrennung. * Vergl. «A.-R.» No. 25. III «Warum sollte ich nicht verstehen? Alles, was Sie so leidenschaftlich für sich verlangen, ist doch dasselbe, was auch ich mir wünsche.» «Ja, nur glaube ich nicht, dass Sie viel Gelegenheit haben werden, sich damit zu beschäftigen. Manchmal, Orchid, möchte ich alle Ihre Wünsche kennenlernen. Ihr Leben ist so ungewöhnlich gewesen. Wie ein Roman.» Und dann, weil ihr Gesicht einen eifrig zuhörenden Ausdruck zeigte, war er, wie Männer überhaupt, wieder bei den Wünschen, die sich in sein jugendliches Gesichtsfeld drängten. «Eigentlich, wissen Sie, Orchid, liegt ein gewisser Vorteil darin, dass mein Onkel in bezug auf meine Anstellung bei einer seiner Zeitungen so hartköpfig ist. Es bringt einem das Kämpferblut in Wallung.» «Natürlich, Martin, das wollte ich Ihnen schon die ganze Zeit sagen. Er will Sie durch und durch kennenlernen und sich vergewissern, dass Sie begabt sind.» «Oh, ich glaube bestimmt, dass er mir sofort eine Anstellung gäbe, wenn ich ihm den Vorstehendes Bild zeigt uns im wohlbekannten Gibb'schen Dreieck die Anordnung der 3 Einflüsse auf die motorische Verbrennung. Ecke I zeigt die reine Ottoverbrennung, welche im halbkugelförmigen Verbrennungsraum des langsam laufenden ortsfesten Motors sich verwirklichen lässt. Ecke II zeigt die reine Dieselverbrennung, welche den langsam laufenden ortsfesten Dieselmotor mit Lufteinspritzung und einfachem Verbrennungsraum sich in die Wirklichkeit übersetzen lässt. Ecke III zeigt die reine Oberflächenverbrennung, — also einen Motor, den es noch gar nicht gibt. Und in der Fläche des Dreiecks liegen sinngemäss die heutigen Motoren. Das folgende Bild 2 versucht es, eine' Vorstellung davon zu geben, wie die heutigen Motoren sich in dem gezeigten Dreieck der motorischen Verbrennung verteilen. In der Ecke I haben wir den reinen Ottomotor.; Er entwickelt sich zunehmend in der .Richtung zum Oberflächenmotor, also zur Ecke III hin. Je benzinfester ein Ottomotor, ist, umso mehr Quadratzentimeter Verbrennungsraumoberfläche pro Kubikzentimeter Verdichtungsraum pflegt er zu haben, umso stärker pflegt er sich der Ecke III zu nähern.. Auf der anderen Seite entwickelt sich der Ottomotor auch in der Richtung zum. Dieselprinzip, d. h. zum Einspritzmotor. Ich brau-: ehe in diesem Zusammenhang nur an die wohlbekannten Arbeiten zu erinnern, die an den verschiedensten Stellen der'Welt übrigens nicht nur mit niedrigsiedenden, sondern auch mit mittelsiedenden Brennstoffen vorgenommen werden. Diese Arbeiten scheinen interessanterweise zunächst mit einfachem Verbrennungsraum, also geringer Oberflächenentwicklung zu beginnen, so dass sich das an der linken Kante des Dreiecks der motorischen Verbrennung angezeigte Feld als berechtigt erweist. Sorgfältiger untersucht ist offenbar die Ecke der Dieselverbrennung, welche auf der Kante II—I ohne Verbrennungsraumzerklüftung, aber mit zunehmender Gemischverbrennung durch Voreinspritzung, und auf der Kante II—III in neuzeitlicher Weise durch sich steigernde Verbrennungsraumzerklüftung durch Vorkammer, Luftspeicher usw. begrenzt ist. In der Richtung der Verbrennungsraumzerklüftung darf man wohl als fortgeschrittenste Stadien den Glühkopfmotor und den Kohlenstaubmotor einordnen, eumal diese durch ganz besonders frühe Einlagerung des Brennstoffes sich hervorheben. Gefallen täte, ihn darum zu bitten. Aber ich sage Ihnen, Orchid, ein Self-made-man mit dreissig Millionen, neunzehn Zeitungen, unbeschränkter politischer Macht, der sich mit einer Runde von Ja-Jasagern durch zweiundfünfzig Wochen des Jahres umgeben kann, muss schliesslich an geistiger Schiefsichtigkeit erkranken. Ein Mann, der auf dem Weg zum höchsten Gipfel seines Erfolges ist, braucht eben eine Brille. Eines Tages werde ich diese Brille sein.» Oh ja. Oh ja. Die beiden jungen Naseweise nickten einander über die Kerzen hinweg zu, die zwischen ihnen auf dem Tische standen. «Es ist klar, dass ein Mann kein Krösus und auch kein kleiner Julius Cäsar geworden sein kann, ohne infolge seiner Autorität auch starrköpfig zu werden.» Krösus. Julius Cäsar. — Orchid machte sich im Geiste Notizen. «Mein Vater pflegte bis zu seinem Todestag von ihm zu sagen: ,Dein Onkel Max hat nur einen 'Massstab für die menschliche Na-