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E_1935_Zeitung_Nr.029

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BERN, Freitag, 5. April 1935 Gelbe Liste Nummer 20 Rp. 31.Jahrgang - N° 29 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Zur Botschaft des Bundesrates betreffend Alpenstrasseninitiative von A. Satter, Oberingenieur des Kantons Graubünden. Nachdem in der Presse Näheres über die Botschaft des Bundesrates zur Alpenstrasseninitiative bekannt geworden ist und daraus die Stellungnahme des Bundesrates zu dieser Frage näher umschrieben wird, dürfte es für einen weiteren Kreis von Interesse sein, wie sich die Auswirkung dieses Antrages des Bundesrates an die eidg. Räte praktisch gestalten kann. Es soll besonders darauf hingewiesen werden, dass m. E. die Aktion noch viel weitgehender zur Arbeitslosenbeschäftigung beitragen kann, als aus der Botschaft des Bundesrates vielleicht angenommen werden wird. Voraussetzung hierfür ist aber eine gute Organisation dieser Arbeiten, angefangen bei den ersten Vorbereitungen zur Projektierung des Alpenstrassenbaues und dann insbesondere durchgeführt in bezug auf Arbeitslosenvermittlung, Arbeitslosenbeschäftigung und Arbeitslosenauswechslung, wobei ein gutes Zusammenarbeiten aller in Frage kommenden Organe Bedingung ist. Dass auf diese Haupterfordernisse schon, bei der, Aufstellung des Programms in weitestgehendem Sinne Rücksicht genommen werden muss, ist die Voraussetzung für ein gutes Gelingen der gesamten Aktion, und zwar nicht nur vom technischen, sondern in gleicher Weise auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus (produktive* Arbeitslosenbeschäftigung). Dadurch, dass wir in Graubünden bereits in den letzten Jahren während den Sommermonaten das Tempo der Strassenarbeiten mit Rücksicht auf die geringere Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit bremsten, also in vermindertem Masse gebaut haben, in der übrigen Zeit aber während der grossen Arbeitslosigkeit vom Spätherbst bis zum Frühjahr diejenigen Arbeiten für Strassenkorrektionen, Umbauten usw. vorgenommen haben, die in dieser für das Bauen ungünstigen Jahreszeit überhaupt noch möglich waren, sind wir in der Lage, auf Grund von Erfahrungen entsprechende Arbeitsprogramme aufzustellen, in denen eine Verteilung der bei Strassenbauten vorkommenden Gesamtarbeiten auf Winter- und Sommermonate berücksichtigt werden kann. Wenn auch gewisse Arbeiten im Sommer zum Teil billiger ausgeführt werden könnten, so darf das nicht bestimmend sein für den Hauptzweck eines solchen Unternehmens : die Arbeitslosenbeschäftigung. Wie wir weiter unten näher sehen werden, Und Kretonvorhänge. Orchid hatte das Geheimnis, wie man diese hellen freundlichen Stoffe am besten verwenden könnte, schon im Hinterzimmer im dritten Stock erkannt, als sie kleine Streifen von Kreton über den Ankleidetisch einem Blatt- und Blumendessin würden die Umrisse des verschnörkelten imitierten Mahagoni und den schäbigen alten Plüsch verdecken und den alten Raum in seiner dumpfigen Ohnmacht erhellen. Zum erstenmal in ihrem Leben besass Orchid, nachdem sie der Hausfrau an diesem grauen Sonntagnachmittag eine Angabe von fünf Dollar gegeben hatte, eine Ecke, die sie buchstäblich ihr eigen nennen konnte. Auf dem Rückweg in ihr altes Zimmer stöberte sie einen Tischler in der Third Avenue auf, indem sie an einer Glocke, bezeichnet mit «Nachts und an den Feiertagen», läutete und bestellte die Fensterbeete. Grüne, mit gerundeten Vorderseiten, damit sie mit den Formen des Balkons übereinstimmten. Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Aufler-Feierabend". 6—8 mal jährlich „Gelb* Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse:. Autorevue, Bern Inseratensehlu9S 4 Tage vor Erseheinen der Nummern sind bei der Summe der Aufwendungen für die produktive Arbeitslosenbeschäftigung auch Gegenposten als Minderaufwendungen an Arbeitslosenunterstützung zu berücksichtigen. Es kommt ferner in Betracht, dass namentlich im" Gebirge sehr viele Felssprengungen für Strassenverbreiterungen, Ausbau von Tunnels, Galerien usw. vorkommen, die auch im Winter sehr gut ausgeführt werden können. Wir möchten auch darauf hinweisen, dass, wie die Längenprofile der Alpenstrassen zeigen, grosse auszubauende Strecken derselben unterhalb 1500 Meter Meereshöhe liegen, in Regionen, in denen der Winter nicht sechs Monate dauert, so dass Erd- und Entwässerungsarbeiten, Trockenmauerwerk und dergleichen auch in der sonst allgemein als Winter bezeichneten Zeit ausgeführt werden können. Wie die Erfahrung zeigt, sind für die Vorbereitungsarbeiten zum Strassenbau, wie Materialbeschaffung, Steinsprengen für Mauerwerk und Steinbett, Herrichten von Pflastersteinen und Wehrsteinen, Aufbreiten von Schotter und Splitt für die Beläge, sehr hohe Löhne aufzuwenden, die zum grossen Teil in den sechs Wintermonaten verausgabt werden körinen. In den Sommermonaten hingegen werden in erster Linie in Frage kommen: Mörtelmauerwerk, Strassenplanie und Beläge, für deren Herstellung gute Witterung von besonderer Bedeutung ist. Dass zur Ausführung der Arbeiten für den Ausbau der Alpenstrassen nicht nur die ortsansässige Bevölkerung der Gebirgskantone in Frage kommen kann, darf wohl als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Einmal bieten ja die Arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft der Gebirgsbevölkerung eine gewisse Beschäftigungsmöglichkeit. Dann sind eine grössere Anzahl Strassenkorrektionen, die voraussichtlich nicht unter den eidgenössischen Alpenstrassenausbau fallen, von den Kantonen bzw. Gemeinden auszuführen, wofür hauptsächlich die ortsansässige Bevölkerung in Frage kommen kann. Als massgebender Grund aber für die Als Martin das erstemal kam, um sie in ihrer neuen Behausung zu besuchen, blieb er im Eingang stehen und pfiff .durch die Mannequin. Zähne. Einen langen, langsamen, tiefen, erstaunten Pfiff. Hauptsächlich um ein seltsa- Roman von Fannie Hurst. mes Gefühl zu verdecken, das ihm in der (16. Fortsetzung.) Brust emporstieg und ihn angesichts der Tatsache beschlich, dass Orchid das alles mit ihr erreichbaren, eher armseligen Ueberbleibseln und Resten geschaffen hatte. Es war ein freundliches Zimmer geworden, mit Kreton, glühenden Geranien, Messing- und einem Teewägelchen, in dem sich legte. Ein paar Yards mitdingen das Kaminfeuer spiegelte. Der Teetisch F E U I L L E T O N stammte aus einem Trödelladen in der Third Avenue. Kostete bloss zwei Dollar fünfundsiebzig Cent, weil die oberste Glasplatte gesprungen war. Auch der Kreton, das würde man ihm nicht angesehen haben, stammte aus einem Partiewarengeschäft und die Rahmen der matten Drucke des Colosseums, der «Hoffnung» von Watts und Michelangelos «Hand Gottes» waren aus Pappe, die sie mit Sandpapier matt gemacht hatte. In unmittelbarer Nähe des Kaminsimses stand ein starker Holzstuhl, den sie in der Küchenmöbelabteilung des Titanic gekauft hatte, und dessen natürliche Kiefernfarbe auf die Nussfärbung des Teetisches umgefärbt worden war. Eine spanische Wand vor Beschäftigung von Arbeitslosen aus Nicht- Gebirgskantonen muss beim Ausbau der Alpenstrassen hervorgehoben werden, dass der Bund diese Arbeiten mit zwei Dritteln der Kosten subventioniert. Um nun nicht lediglich auf Grund grauer Theorien das Problem der Arbeitslosenbeschäftigung beim Alpenstrassenausbau studieren zu können, haben wir, wie wir weiter unten im einzelnen anführen werden, an Hand eines bestimmten Beispiels einen Versuch unternommen, diese Fragen insbesondere mit Berücksichtigung von Arbeitslosen industriereicher Gegenden zu lösen. Die hierfür erforderlichen Unterlagen mussten auf Grund folgender Ueberlegungen beschafft werden: Die Ausführung der einzelnen zu leistenden Arbeiten musste je nach ihrer Eigenart auf Sommer- und Wintermonate verteilt und die auf die einzelnen Monate entfallenden Tagewerke bestimmt werden. Für die hieraus sich ergebende Arbeiterzahl kann angenommen werden, dass dabei 80 % Arbeitslose in Frage kommen. Die Unterkunftsmöglichkeiten für diese wurden geprüft und planmässig aufgeteilt. Wo mangels genügend grosser Ortschaften Barackenlager nötig werden, sind diese in bezug auf Ausdehnung und Einrichtung in den Bedingungen für die Vergebung der Arbeiten vorzusehen. Sache der Bauleitung wird es nun sein, bestimmte Kontingente von Arbeitslosen, beispielsweise 50, 100 für Wanderwege. Für diesen kleineren Kan- oder 150 Mann, für eine bestimmte Zeit, beispielsweise zwei oder drei Monate, nach einem bestimmten Arbeitsabschnitt zu dirigieren. Damit nun möglichst viele Arbeitslose beschäftigt werden können, soll nach zwei oder drei Monaten ein Austausch der Arbeitslosen erfolgen. Die Anforderung der Arbeitslosen •erfolgt durch die oberste. Bauleitung bei der "bereits hierfür geschaffenen Zentralstelle: dem eidg. Arbeitsamt. Auf Grund der Angaben der kant. Arbeitsämter ist das eidg. Arbeitsamt in der Lage, eine allgemeine Uebersicht über die mögliche Verteilung der gemeldeten und angeforderten Arbeitslosen vorzunehmen. In unserem Falle könnte, um nur ein Beispiel herauszugreifen, es sich darum handeln, 100 oder 150 arbeitslose Uhrmacher von Biel nach der Baustelle zu Strassenarbeiten zu dirigieren. Nach zwei bis drei Monaten würde ein Austausch dieser Arbeitslosen erfolgen, und hierfür könnten 150 arbeitslose Bandarbeiter aus Basel wiederum für zwei bis drei Monate Beschäftigung auf derselben Baustelle finden. Nach weiteren zwei bis drei Monaten kämen 100 bis 150 Arbeitslose aus der Stickereiindustrie im selben Sinne in Frage usw. Damit die Kosten der Dislozierung dieser Arbeitslosen möglichst gering werden, wären entsprechende Transportorganisationen zu schaffen. Im Interesse der Arbeitslosen selbst würden voraussichtlich in erster Linie ledige Arbeitslose für entferntere Arbeitsstellen in Frage kommen. Dadurch aber, dass diese das Angebot an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt verringern, hätten die Verheirateten mehr Aussicht, Beschäftigung zu finden. Fortsetzung Seile 2. dem kleinen elektrischen Ofen und dem Eiskühler war aus grünem Rohleinen in gelben Eichenrahmen und überraschend gut mit alten Bildern geschmückt, die sie aus einem Damenalmanach herausgeschnitten und auf das grüne Leinen geklebt hatte. Die schrecklichen Spitzenvorhänge mit hineingewobenen Falten waren durch Kreton mit farbigen Perlfransen ersetzt. Ein geflochtener Stuhl mit einer Fussbank, die man herausziehen konnte, und einem kleinen Seitengestell für Magazine und Bücher war unter eine Lampe gezogen, die, aus einer leicht beschädigten Cloisonnevase hergestellt, einen mit farbigen Perlen eingefassten Kretonschirm trug. Martin hatte wiederholt von dem kleinen Raum in der Prince Street, die Orchids angestammtes Landgut dargestellt hatte, gehört und auch von der Sage von ihrem Bootsvater und der frühen Umgebung des Kindes, dessen Mutter zwischen Affekten aufflammender Zuneigung so unsagbar fremd zu ihr sein konnte. Und als er jetzt das Zimmer betrat, schnürte ihm etwas beim Anblick dieser Tapferkeit die Kehle zu. «Guter Gott. Arme Kleine. Und dazu wohl aus nichts, nicht wahr?» «Gefällt es Ihnen, Martin?» Die schweizerische Wanderwege-Bewegung. Schon von Anfang an war sich der Vorstand der Zürcherischen Vereinigung für Wanderwege darüber klar, dass nur ein Zusammenschluss aller schweizerischen Interessenten und die Ausdehnung der Bewegung über die Grenzen des Kantons hinaus ihre Bestimmung wirklich zu erfüllen vermochte. Wenn wir an kleine Kantone wie Zug oder an die verzwickten Grenzverhältnisse von Solothurn denken, so ergibt sich ohne weiteres die Notwendigkeit gegenseitigen Einverständnisses. Die ersten Pressemitteilungen von der Gründung der Z.A.W. schon riefen in den benachbarten Gebieten Schaffhausen, Aargau, St. Gallen und Luzern ein zustimmendes Echo wach. Am lebhaftesten gestalteten sich die Beziehungen zu der ungefähr gleichzeitig entstandenen Schafihauser Arbeitsgemeinschaft ton mit geographisch einfachen Verhältnissen haben sich die Sektion Randen des S.A.C., der Verkehrs- und Verschönerungsverein der Stadt Schaffhausen und Neuhausen und die Naturfreunde zusammengeschlossen. Die grossen Wälder riefen einer besonderen Art der Wegmarkierung und unter allen Umständen der auch im Dämmerlicht des Waldes gut sichtbaren gelben Farbe.' In gemeinsamer Sitzung einigten sich die Vertreter beider Vorstände über die Gestaltung des Wegweisers nach dem Zürcher Muster, mit Ausnahme der Farbe, die einem interkantonalen Entscheid anheimgestellt wurde. Schaffhausen hat ein lebhaftes Interesse an der gemeinsamen Markierung des Zürcher Gebietes am Rhein und Kohlfirst; anderseits ist es an das bereits bestehende Wanderwegnetz des Schwarzwaldes angeschlossen. Auf besonders fruchtbaren Boden fiel die Anregung zur Markierung der Wanderwege auch im Aargau. Entsprechend der lebhaften Tätigkeit der dortigen Verkehrsvereine gestaltete sich die Organisation und Werbetätigkeit viel einfacher als im Kanton Zürich, wo ein Zusammenschluss der V.V. nur auf regionaler Basis besteht. Am 19. Januar 1935 fand in Brugg eine Zusammenkunft statt, die von über 30 Vereinigungen beschickt war. Sie beschloss, für Leitung und Ueberwachung dieser kantonalen Angelegenheit ein Komitee zu bestellen, zu dem jeder Bezirk einen Vertreter abordnet und in dem auch die kantonale Baudirektion und das kantonale Oberforstamt vertreten sind. Der Regierungsrat hat die Baudirektion ermächtigt, die Bestrebungen für die Bezeichnung «Aber natürlich. Das Zimmer ist ja ebenso zart wie Sie!» «Ich habe alles allein gemacht, mit meinem kleinen Beil.» «Mit Ihrem Feuer, meinen Sie doch. Es ist ein .herrliches Zimmer. Es ist ein grossartiges Zimmer. Es ist das Zimmer der Zimmer, absolut. Ich verstehe nicht, wie Sie das aus dem Abschaum von einem schrecklichen Salon erreichen konnten!» «Nach einem Weekend bei Ihrem Onkel muss Ihnen das doch wie eine Oede vorkommen.» «Wie der Himmel.» «O, Martin, hinter diesem Schirm habe ich einen elektrischen Ofen und die entzückendste Aluminiumpfanne für Koteletten. Und Salat. Ein ganzes feuchtes Handtuch voll davon in meinem funkelnagelneuen Eiskasten, und die himmlischesten Erdbeeren. Mm! Bleiben wir doch zu Hause und bereiten wir 'unser Nachtmahl hier. Das wird unserer. Börse und Verdauung nur nützen.» Das war das erste der deliziösen Nachtmähler, die nun drei-, manchmal viermal die Woche zu Hause bereitet wurden. Gewöhnlich las Martin, nachdem die letzte Schüssel von beiden gereinigt worden war^ laut vor, während Orchid in der schmeichelnden Gelassenheit der Häuslichkeit auf einem Stuhl