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E_1935_Zeitung_Nr.032

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BERN, Mittwoch, 17. April 1935 Mit Autler-Ostern Nummer 20 Rp. 31.Jahrgang - N° 32 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unrallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Haltet ein! Die finanziellen Rückwirkungen einer weiteren Benzinzollerhöhung. Die schweizerische Verkehrsliga richtete dieser Tage an den Bundesrat eine Eingabe, in welcher auf die schwerwiegenden und weitreichenden finanziellen Konsequenzen hingewiesen wird, welche eine höhere fiskalische Belastung des Motorfahrzeugbetriebss unweigerlich mit sich bringen müsste. Wir lassen nachstehend die Ausführungen wörtlich folgen, da gerade die darin angeführten zahlenmässigen Berechnungen verdienen, einer möglichst breiten Oeffentlichkeit bekannt gemacht zu werden. Trotzdem in letzter Zeit über die Alpenstrasseninitiative und den Bundesbeschluss über den Ausbau der Strassen und des Strassennetzes im Alpengebiet überaus viel geschrieben wurde, gestatten wir uns, Ihnen nachstehend einige Erwägungen wiederzugeben, die unseres Erachtens nicht genügend gewürdigt wurden. Das Problem des Ausbaues der Alpenstrassen wurde bis dahin mehr aus dem Gesichtspunkt unserer gesamten Volkswirtschaft beleuchtet. Die dringende Notwendigkeit des Ausbaues unseres Strassennetzes wurde vor allem für unsere Hotellerie und die Fremdenindustrie im allgemeinen geltend gemacht. Insbesondere wurde der Ausbau zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung und der Förderung des für unsere Gesamtwirtschaft so äusserst wichtigen Autotourismus befürwortet. Dagegen wurden die finanziellen Auswirkungen einer eventuellen Benzinpreiserhöhung, die zwecks Finanzierung dieses Ausbaues vorgenommen werden soll, für die durch eine solche Massnahme am meisten betroffenen Kreise, nämlich die Motorfahrzeugbesitzer, bis jetzt nur ungenügend berücksichtigt. Von diesen Erwägungen ausgehend, geben wir Ihnen nachstehend die Ausführungen wieder, die un» vom Automobil-Club der Schweiz zugekommen sind. In erster Linie wird dort die gegenwärtige fiskalische Belastung des Automobilisten dargestellt und darauf hingewiesen, welche Auswirkungen eine Erhöhung des Benzinpreises mit sich bringen würde: Nur zu gut ist uns bekannt, dass der eidgenössische Finanzhaushalt äusserst stark beansprucht wird, und dass neue Ausgaben lur getätigt werden, wenn Deckung vorhanden ist. Auf jedem Gebiet wird versucht, die Ausgaben herabzusetzen und die Einnahmen zu erhöhen. Sogar das Benzin, dessen gegenwärtiger Zollansatz schon heute beinahe 200 % des Warenwertes franko Schweizergrenze ausmacht, soll eine neue Zollerhöhung erfahren, um überhaupt den Ausbau der Alpenstrassen zu ermöglichen. Dabei steht das Benzin unter den Einnahmen des Bundes in den Einzelpositionen mit 42,7 Millionen im Jahr 1933 an erster Stelle. Der Benzinzoll ist zu der wichtigsten Einnahmenquelle des Bundes geworden und wird somit auf eine einzige Bevölkerungsschicht, die Motorfahrzeugibesitzer, F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst (19. Fortsetzung.) «Aber letzten Endes, Martin, liegt es nicht so sehr an den Frauen als an den Männern selbst. An der sentimentalen falschen Ritterlichkeit der männlichen Geschworenen. Haben Sie denn nicht gelesen, dass gerade bei diesem Fall Scott der Richter seine Zuflucht zu einer spanischen Wand nahm, die er um Mrs. Scott stellen liess, während sie im Zeugenstuhl sass, so dass die Geschworenen ihre hübschen Beine nicht sehen konnten?» «Das ist der Innesbrooksche Gesichtswinkel!» «Es ist ein Hohn und gleichzeitig ein schreiender Frevel an der Gesellschaft, Martin.» «Die Chance eines Lebens, das öffentliche Empfinden gegen die Sentimentalität zu wecken.» «Wenn eine Mörderin und eine Uebeltäterdn nach der anderen freigesprochen wird, dann, Martin, ist ja das ganze System sozialer Gleichstellung der Geschlechter ein Witz, ip-so fac-to!» Plötzlich sprang Martin auf. «Ich gehe jetzt nach Hause und arbeite, um morgen, wenn ich nach. Innesbrook fahre, Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIQNS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Autler-Felerabend". 6-8 mal jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril. Inseratenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern abgewälzt. Es kann nicht genug vor einer Ueberschätzuhg der Finanzkraft der Automobilisten gewarnt werden, denn die Grenze des Tragbaren ist erreicht. Die nachstehende Tabelle gibt über die finanzielle Belastung des schweizerischen.Automobilisten Aufschluss. Fis&ilische Belastung des Automobils in der Schweiz. Einnahmen von Bund und Kantonen aus dem Motorfahrzeugverkehr: 1932 Bund 52405 080 Die fiskalische Belastung des Automobils betrug im Jahre 1933 total Fr. 92,659,460. Bei einem Motorfahrzeugbestand von 119,449 Wagen ergibt sich im Jahre 1933 eine Durchschnittsbelastung von Fr. 775 pro Motorfahrzeug. Rechnet man dazu noch die obligatorische Haftpflichtversicherung von durchschnittlich Fr. 3?5, so kommt man auf eine durchschnittliche Totalbelastung von "Fr: 1100 pro Motorfahrzeug in der Schweiz, ohne dass dabei ein Rappeh für die Betriebskosten berechnet wäre. Auch die nachtstehende Tabelle, die über die Betriebskosten eines kleinen Volkswagens in der Schweiz und in den sie umliegenden Ländern Aufschluss gibt, zeigt, wie ungünstig der Schweizer Automobilist im Verhältnis zu seinen ausländischen Kollegen wegkommt. Fiat Balilla, 4 Zyl., 8 PS, Benzinverbrauch 9 Liter, pro 100 km, Fahrleistung 10000.km. Oelkosten: 10 1 pro 10,000 km a Fr. 2.20 Obligat. Haftpflichtversicherung . . . . Verkehrssteuer Verkehrsbewilügung, Führerschein . . Total 36 Rp. 324.— 22.— 250.— 110.— (Bern) genug Material zu haben. Es liegt ein lebenskräftiger Keim in der Idee mit dem Richter und der spanischen Wand. Mein Onkel ist ein zu guter Zeitungsmann, um das nicht zu erkennen.» «Martin.» «Orchid», schrie Martin und zog sie an sich. «Ich kann nicht mehr warten. Wenn ich mich nur auf meine Füsse stellen kann, und diese Aufsätze sind wie irgend etwas in meinem Leben vorher dazu angetan, mich dahin zu bringen, können wir heiraten. Ich liebe dich, Orchid. Es hat keinen Sinn zu suchen, es länger zu verbergen. Ich liebe dich. Ich möchte dich heiraten. Ich bin nicht sehr geschickt als Romeo, aber, Orchid — ich — oh — ich habe dich lieb.» «Martin — was du über mich weisst — die Dinge — Nana — alles — Nana — ich — nach all dem, was du weisst...» «Nach all dem, was ich weiss! Du meinst, weil ich alles von dir weiss. Deine Anmut, deine Innigkeit, deine liebe Unberührtheit. Orchid, ich liebe dich.» Und dann machte sich Martin, weil sie eine Art Eigentumsrecht an diesen Aufsatzreihen festgestellt hatte, einer nicht zu seltenen Tat schuldig, die er jedoch vor keinem lebenden Zeitungsmann zugegeben hätte. Es war die Schwäche seines ganzen Lebens, dass er gerne laut dachte. Und mit Orchid sprechen, hiess den Motor seiner Maschine ankurbeln. Der Maschine seines Gelirns. Aus dieser Tabelle geht hervor, dass Automobilfahren in der Schweiz erheblich teurer zu stehen kommt als in den umliegenden Ländern. So beträgt die Verteuerung gegenüber Deutschland 71 %, gegenüber Frankreich 64 %, gegenüber Italien 18 %, und sogar gegenüber Oesterreich, das als automobilfeindliches Land bekannt ist, beträgt die Mehrbelastung noch 17 %. In obiger Tabelle sind keine Beiträge für Amortisation, Pneuverbrauch und Reparaturen eingesetzt. Da in den umliegenden Ländern Personenautomobile hergestellt werden, so brauchen die dortigen Automobilibesitzer keine exorbitanten Einfuhrzölle auf Automobilen zu bezahlen. (In der Schweiz Fr. 110 1933 Abnahme 31 763 910 (Benzinzoll) 18 916 700 (Zoll auf Chassis und Karrosserie) 1 724 470 Kantone 42 117 070 28 009 390 (Verkehrssteuer) 3 048 160 (Gebühren) 10 921 300 (Anteil Benzinzoll) 138 220 Total 94 522150 92 659 460 1862 690 Benzinkosten. REDAKTION U.ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Schweiz bis 170 pro 100 kg). Dies bewirkt, dass die Amortisationsquote in den übrigen Ländern bedeutend kleiner ausfällt als in der Schweiz. Aber auch die Reparaturen sind in der Schweiz bedeutend kostspieliger auszuführen als in unsern Nachbarländern. Dabei ist auch hier zu berücksichtigen, dass wiederum die Einfuhrzölle auf den Ersatzteilen von den Automobilisten bezahlt werden. So berechnet., man in der Schweiz für eine Arbeitsstunde eines Mechanikers Fr. 3.50 bis F. 5, währenddem in Deutschland nur Fr. 3.10, und in Italien ca. Fr. 2. Bei Berücksichtigung aller dieser Faktoren kann das prozentuale Verhältnis zu Ungunsten der Schweizer Automobilisten noch gut um 10—15 % verschoben worden. In vielen Betrieben stellt das Benzin einen nennenswerten Posten des Unkostenkontos Deutschland Kurs 123.70 34—40 Pfg. 414.— 22.— neu zugelassene Fahrzeuge nach 31. März 33 steuerfrei einmalige Gebühr 3.75 Italien Kurs 26.30 2 L 472.— 22.— 134.— Oesterreich Kurs 58.— 56—60 Gr. 297.— 22.— ca. 200.— 116.— Frankreich Kurs 20.245 2.50 frs. 454.— 22.— —.— einmalige 40.— 4.70 65.— 746.— 436.— 633.— 635.— 476.— Manchmal erklang, noch um elf Uhr nachts, das Telephon, dessen Luxus sich Orchid gestattete, um den langen Weg, der zu der Sprechstelle vor Mrs. Snuggs Schlafraum führte, zu ersparen. Immer war es Martin, der sie entweder in ein kleines von Journalisten besuchtes Kaffeehaus nächst dem Times Square locken, oder über den Draht die Wirksamkeit eines Satzes oder einer Seite ausprobieren wollte. Manchmal kam der Anruf sogar nach elf und weckte sie auf. Und Martin pflegte ihr gerade genug Zeit zu lassen, ein Tuch über ihre Schultern zu werfen, in die Pantoffeln zu schlüpfen und sich mit der Muschel am Ohr in einen Sessel zu kauern, während er durch das Telephon mit seinem unveränderlichen ununterdrückbaren Enthusiasmus ein gerade vollendetes Stück seiner Arbeit vorlas. «Gut" gelungen, nicht?» «Martin, es ist eine deiner besten Sachen!» «Du Liebling! Gewiss gefällt dir die Bezugnahme auf den alten Richter V. Cleary. Glaubst du nicht, dass es ein bisschen zu scharf ist?» «Wenn es etwas ist, dann ist es nicht scharf genug.» «Nun geh wieder zu Bett, liebes Häschen, und hab* Dank, dass du ein so liebes Häschen bist.» Er läutete sie gern aus ihrem Bett heraus, damit sie ihm am anderen Ende des Drahtes zuhöre und natürlich Beifall spende, Betracht, so würde das eine weitere Verteuerung des ohnehin stark belasteten Automobilismus bewirken. ,Bei Annahme der in obenstehender Tabelle berechneten Betriebskosten würde eine Benzinzollerhöhung von 1—5 Rappen folgende Mehrbelastung verursachen : Betriebskosten, ohne Amortisation, Reparaturen und Pneu Fr. 746.— Erhöhung 1 Rp. = Fr. 9.— = 1,20% der Betriebskosten 2 Rp. = Fr. 18.— = 2,40% > » 3 Rp. — Fr. 27.— = 3,60% > » 4 Rp. = Fr. 36.— = 4,80% » » 5 Rp. = Fr. 45.— = 6,00% » » Der nachstehenden Tabelle liegen die Betriebskosten eines mittleren Wagens zugrunde : Chrysler, 4—5 Plätze, 17 PS, 20 000 km gefahren pro Jahr. Benzinverbrauch pro 100 km 17 Liter Fr. —.36 Fr. 1224— Oelverbrauch pro 10000 km 12 Liter ä Fr. 2.20 » 52.80 Haftpflichtversicherung » 290.— Steuern (Bern) » 290.— Verkehrsbewilligung, Führerschein » 40.— Pneuverbrauch ' » 190.— Betriebskosten Reparaturen ohne Amortisation und Fr. 2086.80 Erhöhung 1 Rp. = Fr. 34.— = 1,64% der Betriebskosten 2 Rp. = Fr. 68.— = 3,28% » 3 Rp. = Fr. 102.— = 4,92% » » 4 Rp. = Fr. 136.— = 6,56% » 5 Rp. = Fr. 170.— = 8,20% » Fahrleistung: 40 000 km gefahren pro Jahr. Betriebskosten ohne Amortisation und Reparaturen Fr. 3483.60 Erhöhung 1 Rp. = Fr. 68 — = 1,95% der Betriebskosten 2 Rp. = Fr. 136.— = 3,90% > »- 3 Rp. = Fr. 204.— = 5,85% » 4Rp. = Fr. 272.— = 7,80% » 5 Rp. = Fr. 340.— = 9,75% > Der nachstehenden Tabelle liegen die Betriebskosten eines grossen Wagens zugrunde. Packard. 5—6 Plätze, 27 PS, 20 000 km gefahren pro Jahr. Benzinverbrauch pro 100 km 27 Liter ä Fr. —.36 Fr. 1944.— Oelverbrauch pro 10 000 km 15 Liter ä Fr. 2.20 » 66.— Haftpflichtversicherung » 320.— Steuern ( B e r n ) • 585.— Verkehrsbewilligung, Führerschein •> 40.— Pneuverbrauch > 190.— Fr. 3145.— Erhöhung 1 Rp. = Fr. 54— = 1,75% der Betriebskosten 2 Rp. = Fr. 108.— = 3,50% » > 3 Rp. = Fr. 162.— = 5,25% » 4 Rp. = Fr. 216.— = 7,00% » 5 Rp. = Fr. 270.— == 8,75% » » 40 000 km gefahren pro Jahr. Betriebskosten ohne Amortisation und Reparaturen Fr. 5275 So telephonierte er ihr diese Nacht noch zweimal,, nachdem er von ihr weggegangen VJ3.T. Es war aufregend, die Kretonpuppe aufzuheben, bevor sie die Muschel ans Ohr legte; aufregend zu wissen, dass es wieder Martin war. «Orchid, Schatz, ich kann nicht schlafen.» «Auch ich nicht, Martin.» «Es ist so wundervoll, das gesagt zu haben.» «Es ist so wundervoll, das gehört zu haben.» «Ich liebe dich, Orchid.» «Ich liebe dich, Martin.» «Liebes Dummes.» «Liebes Dummes.» «Orchid, ich habe einen Artikel Schon ganz zurechtgefeilt und einen zweiten soweit entworfen, um ihn schreiben zu können. Es wird eine prachtvolle Serie.» «Martin, wirklich?» «Ja; ich konnte es nicht erwarten, damit anzufangen. Der alte Herr kommt am Freitag nicht mehr in die Stadt. Ich werde zur selben Zeit in Innesbrook sein, wenn du dich morgen in der Früh zur Arbeit meldest. Ich werde ihm beim Turnen den Bart streichen. Ich werde ihn zuhören machen. Der Aufsatz ist voll deiner Sätze. Was sagst du dazu: .Geschlechtslose Justiz'? Und das: ,Ist die Gleichheit der Geschlechter bloss eine Phrase, um es dem männlichen Geschlecht leichter zu machen, sitzen zu bleiben, auch wenn in der Untergrundbahn eine Frau sich