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E_1935_Zeitung_Nr.035

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10 AUTOMOBIL-REVUE Eine

10 AUTOMOBIL-REVUE Eine weitere Sonderheit stellt die Lenkung dar. Das Segment, das durch die Schnecke bewegt wird, ist nicht in sich starr, sondern hat zwei eine Rolle bildende Zähne, wobei diese Zahnrolle auf Kugeln gelagert ist. Die gleitende Reibung wird dadurch fast vollständig aufgehoben. Sowohl hierdurch, wie auch durch die ziemlich starke Selbstzentrierung der Lenkung bleibt der Fahrer, trotz des hohen Lenkungsübersetzungsverhältnisses (2K Lenkradumdrehungen für vollen Eiri- . schlag nach der einen Seite), ständig in gutem, gefühlsmässigen Kontakt mit der Strasse. Das Beschleunigungs- und Bremsvermögen des Wagens gehen aus den beistehenden Diagrammen hervor. Wie man sieht, erreicht der Wagen beim Durchschalten eine Geschwindigkeit von 60 km/St, nach nicht ganz 9 Sekunden und 88 Meter Fahrstrecke oder eine Geschwindigkeit von 90 km/St, nach rund 18 Sekunden und 304 Meter Fahrstrecke. Noch erstaunlicher ist sein Beschleunigungsvermögen im direkten Gang. So wurde dabei eine Geschwindigkeit von 60 km/St, immer noch nach 13 Sekunden oder 114 Meter Fahrstrecke und eine Geschwindigkeit von 90 km/St, in 24 Sekunden und 362 Meter Fahrstrecke erreicht. Zu Vergleichszwecken wurde im Diagramm auch die Geschwindigkeitszunahme unteT Benützung des Schnellganges eingezeichnet. Mit Rücksicht auf die hier nötige Schaltpause schliesst sich die betreffende Kurve in Wirklichkeit der Kurve des dritten Ganges mit einer kleinen Anfangsstufe an. Der erste Gang reicht praktisch am besten bis ungefähr 40 km/St., der zweite Gang bis ungefähr 75 km/St., der zweite Gang mit Schnellgang bis ungefähr 110 km/St., der dritte bis ungefähr 130 km/St,, während im dritten Gang mit Schnellgang Geschwindigkeiten bis 140 km/St, möglich sein sollen. Die im Diagramm 2 wiedergegebene Bremskurve zeugt von einem hervorragenden Bremsvermögen, obschon der Wagen während der Versuche noch nicht in bestmöglicher Verfassung schien. Die Messungen wurden mit einem unabhängigen, durch fünftes Rad angetriebenem, registrierenden Tel-Geschwindigkeitsmesser auf stellenweise feuchter, ein Gleiten der Räder begünstigender Walzschotterstrasse mit Oberflächen-Teerung mit einem mit einer Person besetztem Wagen vorgenommen. Die Angaben des im Wagen eingebauten Geschwindigkeitsmessers wichen von denjenigen unseres Registrierapparates bei 60 km/St. mir um 1» km und bei 100 km/St, um 2n km nach oben ab, was einen Rekord für sich bedeutet. Besonders hervorgehoben m werden verdient im übrigen noch die ausgezeichnete, durch, die starke Schräglage der Windschutzscheibe ermöglichte Sicht vom Führersitz aus sowie die eindrucksvolle Ruhe und Geräuschlosigkeit, mit welcher der Wagen bei jeder Fahrgeschwindigkeit und Strassenibeschafferaheit buchstäblich dahinzuschweben scheint. m. l>ral*ttjs«ke Als Abhilfe gegen das Kreischen der Bremsen empfiehlt sich das Umspannen der Bremstrommel mit einem Stahlband oder einer Stahlfeder, das Anziehen der Bremsbacken-Fixpunkte, das Einspannen der Bremsbacken zwischen federbelastete Unterlagscheiben, das Reinigen der Bremsbeläge oder das Abschrägen der Bremsbeläge an ihren Enden. Jede dieser Massnahmen kann unter Umständen schon einzeln zum Ziel führen. Dagegen kann meist nicht vorausgesagt werden, welche von ihnen die gewünschte Wirkung hat. -y- Stationleren lernen ! Fast ebenso wichtig wie das Fahrenlernen ist für den Automobilisten das Stationierenlernen. Immer wieder kann man aber beobachten, dass diese Seite der Fahrschulung ganz vernachlässigt wird. Selbst Fahrer mit mehrjähriger Praxis wissen oft noch nicht, dass man auch beim Stationieren Sünden und Fehler begehen kann, di© für den übrigen Verkehr mindestens so gefährlich werden können wie der gröbste Fahrfehler. Unzählige Male haben wir schon das Stationieren in einer unübersichtlichen Kurve als eine unverzeihbare Rücksichtslosigkeit hingestellt. Aber es kommt immer wieder vor. Wenn wir in irgend einem Fall dafür zu haben sind, dass sich die Polizei um das korrekte Verhalten der Automobilisten bekümmert, so ist es hier. Aber auch durch Stationieren des Wagens auf geraden Strekken kann man den übrigen Verkehr unter Umständen hemmen und gefährden, wenn die Strasse nicht so breit ist, dass Kreuzungen neben dem haltenden Fahrzeug noch bequem möglich sind. Es bedeutet auch einen ! schweren Mangel an Verkehrsgefühl, wenn ein Automobilist seinen Wagen am Rand© 1 stehen lässti obscho'n auf der gegenüberliegt Renault Nerva Stella 8 Zylinder, Luxus-Limousine, 5pl., 4türig, Modell 1935, sehr preiswert abzugeben aus Privathand infolge Nichtgebräuch, nur 3500 km gefahren. Ausk. unt. Chiffre 14850 an die Automobil-Revue, Bern. nke genden Strassenseite bereits ein anderes Fahrzeug parkiert ist Ist eine Strasse nicht sehr breit, so wird für den übrigen Verkehr ein Kreuzen zwischen den beiden (Fahrzeugen nur noch unter Q*falir oder gar nicht mehr möglich sein, j», es ist möglich, dass sogar einzelne Fahrzeuge Mühe haben, zwischen dem Eogpass durchzulavieren. -s. Tethn. S|»B>

Bern, Dienstag, 30. April 19$5 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 35 £)e* Hon Im Jtiim Lx. — Die Technik hat uns verwöhnt Tatsachen, die noch unsere Grossväter als Hexerei in Schrecken versetzt hätten, nehmen wir heute kühl und unbefangen als Selbstverständlichkeit hin. Schallplatte, Radio, Tonfilm, Fernsehen — in steter Steigerung vollzieht sich eine Entwicklung, deren Phantastik uns heute gar nicht mehr spürbar ist. Wie aber funktioniert diese Technik? Nun, über den Film ist nicht viel zu sagen. Photographieren kann heutzutage jeder von uns. Der Film nimmt 24 Bildchen in der Sekunde auf, winzige Bildchen, nur 18 mm hoch und 22 mm breit. Jedes Bildchen zeigt eine bestimmte Phase des Bewegungsvorganges, und wenn man den Film auf die Leinwand projiziert und wiederum mit 24 Bildchen pro Sekunde abspielt, erhält man die genaue Projektion (Reproduktion) der Bewegung. Dabei bemerken wir gar nicht, dass es 24 verschiedene Bildchen sind, die wir sehen, weil unser Auge höchstens sieben Eindrücke in der Sekunde einzeln aufnehmen kann. So erhalten wir die Illusion eines ununterbrochenen Vorganges. Technisch komplizierter ist die andere Hälfte der Unsterblichkeit, der Prozess der Tonfilmaufnahme. Bisher hat man drei Methoden gefunden, um Töne zwecks späterer Reproduktion festzuhalten: das photographische oder Lichttonverfahren, das Schallplatten- oder Nadeltonverfahren und als drittes das Stahlband- oder Magnettonverfahren. Alle drei werden heute elektrisch betrieben, und bei allen beginnt der Tonaufzeichnungsprozess in gleicher Weise, nämlich im Prinzip genau wie bei einem gewöhnlichen Fernsprecher: die Membrane des Mikrophons übernimmt die Schallschwingungen der Luft und schickt sie als elektrische Stromstösse weiter. Hier jedoch trennen sich die Wege der drei Verfahren. Beim Nadelton bringen die zum Aufnahmeapparat weitergeleiteten Stromimpulse wiederum eine Membrane in Schwingungen, die natürlich genau im gleichen Rhythmus erfolgen wie bei der von den Schallwellen unmittelbar beeinflussten Membrane des Aufnahmemikrophons. Die Vibrationen der Membrane übertragen sich — daher der Name Nadelton — auf eine Nadel, die eine rotierende Wachsplatte oder andere entsprechende Unterlage entlang läuft und in sie die Tonzeichnung einritzt. Bei der Wiedergabe lässt man eine Nadel dte eingravierte Rille entlang laufen,, die Nadel kommt dann in Schwingungen, die sich der Membrane im Tonarm mitteilen. Beim gewöhnlichen Schallplattenapparat, werden nun die von der vibrierenden Membrane hervorgerufenen Schwingungen der Luft, d.h. die Töne, unmittelbar verstärkt, dagegen z. B. beim Tonfilm werden die Membraneschwingungen erst wieder in elektrische F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Stromimpulse umgewandelt und nach Verstärkung dem Lautsprecher zugeführt. Beim Magneten erfolgt die Tonaufzeichnung, ebenso wie die Zurückwandlung der Aufzeichnung in Töne, auf elektromagnetischem Wege. Die vom Mikrophon ausgehenden Stromimpulse werden einem Elektromagneten zugeleitet, zwischen dessen Polen ein polarisiertes Stahlband entlang läuft, das damit im Rhythmus der Schallschwingungen magnetisiert wird. Lässt man danach das Stahlband mit der gleichen Geschwindigkeit wiederum am Elektromagnet vorbeilaufen, werden in seinen Windungen durch die wechselnde Stärke der Magnetisierung des Stahlbandes Indukationsimpulse geweckt, die am Telephon oder Lautsprecher als Töne abgehört werden können. Das Stahlbandverfahren findet hauptsächlich in Diktierapparaten Verwendung, seine Ausnützung für den Tonfilm ist bisher über Laboratoriumsversuche nicht hinausgekommen. Dagegen hat das Nadeltonverfahren dem Tonfilm grosse Dienste geleistet; die amerikanische Tonfilmproduktion hat in den ersten Jahren sogar fast ausschliesslich mit Schallplatten gearbeitet. Die zeitliche Uebereinstimmung zwischen Bild und Ton wird durch eine Gleichung zwischen der Zahl der ablaufenden Filmbildchen (24 je Sekunde) und der Plattendrehzahl (33 y* je Minute) erreicht. Eine Tonfilmplatte unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Schallplatte nur durch ihre bedeutende Grosse, eine geringere Umlaufgeschwindigkeit (eine gewöhnliche Schallplatte macht 78 Umdrehungen pro Minute) sowie durch den Umstand, dass sie von innen nach aussen abgespielt wird. Beim Lichtton werden die vom Aufnahmemikrophon ausgehenden Stromstösse in Lichtschwankungen umgewandelt und mittels eines besonderen Filmnegativs, das im Tonaufnahmeapparat mit der gleichen Geschwindigkeit abläuft wie der Film in der Bildkamera, photographiert. Man unterscheidet beim Lichtton zwei Aufzeichnungsmethoden: das Transversalverfahren und das Intensi- «Miss Sargossa ist Liebhaberin von Dingen wie die Ihren, Mrs. Herrick. Sie selbst ist zwar nur in einem gewöhnlichen, alltäglichen Kleidergeschäft, aber sie ist erpicht auf spanische und italienische Einrichtungsgegenstände und Architektur. Auf der Herfahrt habe ich ihr gesagt, dass meiner Ansicht nach die Zeit der vollkommensten Inneneinrichtung die der Giebelhäuser ist.» «Martin!» «Wenn das* was Martin über Sie sagt, wahr ist, dann müssen Sie sich darauf gefasst machen, ein hilfloses Opfer meiner Leidenschaft zu sein. Ich möchte Ihnen gern mein Haus zeigen.» «Oh — wenn Sie wollten!» «Martin, Sie bleiben hier und sehen zu, dass der Richter seinen Pflichten als Hausherr gerecht werde. Miss Sargossa und ich gehen stöbern. Wehe dem, der meiner Liebe zu Dingen sympathisch gegenübersteht. Ich erinnere mich, dass mein Gatte, als ich eine jung verheiratete Frau war und wir gerade begonnen hatten, immer zu mir zu sagen pflegte: ,Hüte dich, dass dich die Liebe zu Dingen nicht zerquetsche, wie die fallenden Armreifen und Schilde in der altgriechischen Geschichte.' Aber wirklich, ich glaube nicht dass es ihnen gelungen ist, mich zu begraben, Miss Sargossa. Sie haben höchstens erreicht, dass mir die Welt noch liebenswerter erschien.» Arme Orchid. Sie hätte gern ihre Hand auf den Unterarm Selene Herricks gelegt, weil er nackt war und sie ihn mit einer Leidenschaft, grösser als jede, die sie bisher gefühlt hatte, zu berühren wünschte. «loh — oh, bitte, haben Sie gewiss Zeit mich — mich jetzt herumzuführen? Alle ihre Gäste...» «Warten Sie nur, bis Sie mich besser kennen,, meine Liebe, und Sie werden verstehen, dass ich für jeden, der meine Dinge liebt, wie ich sie liebe, immer Zeit habe. Kommen Sie, wir wollen hier beginnen. Das ist die Loggia. Das Haus ist eine genaue Nachbildung der Villa d'Este. Haben Sie sie schon gesehen? Nun, es wird schon kommen. Mein Mann nahm mich mit, als ich mich von einem langen und schweren Nervenzusammenbruch erholen musste, und ich schwor mir zu, dass ich erst dann zufrieden sein würde, wenn ich auch eine Villa d'Est mein eigen würde nennen können. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf diese kannelierten Bogen lenken. Und wenn jemand das Interesse am Leben so sehr verloren hat wie ich, meine Liebe, durch sieben lange Jahre, nun, dann glaube ich, dass jeder Durchschnittsgatte, und auch einer, der bei weitem nicht der beste ist, so wie meiner, glücklich sein Wie gewöhnlich blieb mein Abteil hinter Rickmannsworth fast leer. Ich nahm an, dass mein einziger Mitreisender höchstwahrscheinlich auf der nächsten Station aussteigen und mich den Rest der langweiligen Fahrt über allein lassen werde. Ich versprach mir sowieso nicht allzuviel Unterhaltung von seiner Gesellschaft. Er hatte eine niedrige Stirn und machte einen in sich gekehrten, fast verstörten Eindruck. Es schoss mir durch den Sinn, dass er bei einem Unglück vielleicht verschüttet geweisen sein könne. Der Blick in seinen Augen — zugleich furchtsam, abweisend und argwöhnisch — erinnerte mich an den Fall eines Verschütteten, den ich kannte. Ich war höchst überrascht, als er seinen Platz im Abteil verliess, sich mir gegenüber hinsetzte und mich ansprach. Wir eröffneten unser Gespräch in der altgewohnten Weise, indem wir unisono den Verkehr auf dieser Strecke verwünschten. Aber mittendrein brach er ab und machte eine Bemerkung über das Buch, das ich gerade in Händen hielt: Dostojewskis «Idiot». «Gute Literatur, das da!» meinte er, indem er mich einen Augenblick lang misstrauisch anschaute. Dann fuhr er fort: «Wie heisst das andere Buch von ihm? Anna.,., irgendwas?» «Anna Karenina!» half ich aus. müsste, eine solche Laune zu befriedigen, wenn es in seiner Macht steht. Mein ganzes Leben lang liebte ich nur Dinge, die aus dem Italien oder Spanien des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts stammen.» Mit der beschränkten Kenntnis der Phraseologie von den Dingen, die sie liebte, stand Orchid stumm ihnen gegenüber. Steinerne Hallen waren mit Teppichen belegt, die so hoch waren, dass man glaubte über Felle zu schreiten; und Stiegen mit Kacheln und Mosaiken führten auf eine Estrade. Ein Kreuzgang, in den Sonnenlicht flutete, der mit italienischen Zypressen ernst und streng gehalten war, erinnerte in der Perspektive an Drucke, die in der Kunstabteilung des Titanic hingen, und die Dante auf einem Spaziergang in der italienischen Dämmerung darstellten. Schlafzimmer in asketisch gotischer Grossartigkeit. Schwarzeichen-Bettgestelle von unschätzbarem Adel, über die alte rote Brokate, die das siebzehnte Jahrhundert erglühen Hess, ausgebreitet waren. Fayence-Becher, Holzschnitzereien, die zum Teile schon verfielen. An der Wand des Speisezimmers hing ein Goldbrokat-Messgewand aus der Zeit der Medici. Kirchenfenster, durch deren gefärbtes Glas Licht einströmte. Korridore mit Türen. Gotische Türen, in die Szenen aus dem Alten Testament geschnitzt waren. Türen, die' Stiegen hinunterführten und um die Ecke in pompejanische Baderäume aus schwarzem Marmor mit goldroten Friesen. Sonnenuhren und eine tätsverfahren. Beim ersten bringen die Stromstösse ein an einem dünnen Draht befestigtes Spiegelchen in Schwingungen, welches das Licht einer Lampe durch einen Schlitz auf den vorbeilaufenden Film reflektiert. Die Tonaufzeichnung hat die Form etwa, einer Barometerkurve, bei der man sich vorstellen muss, dass die Fläche auf der einen Seite der Zickzacklinie schwarz ist, während die andere Hälfte weiss, also lichtdurchlässig bleibt. Beim Intensitätsverfahren dagegen, das jetzt fast allgemein bevorzugt wird, wird der konstant brennenden Lichtquelle ein Element vorgeschaltet — bei dem von der Ufa benützten Klangsystem z. B. die sogenannte Kerr-Zelle — das die Eigenschaft hat, je nach der Stärke des durchgeschickten Stromimpulses mehr oder weniger Licht durchzulassen. Auf den hinter einem Schlitz vorbeilaufenden Film fallen also Lichtbündel verschiedener Intensität, entsprechend der Stärke der vom Mikrophon ausgehenden Stromstösse. Die Tonaufzeichnung hat die Form einer Reihe von Querstrichen verschiedener Schwärzung. Bei der Wiedergabe lässt man den Film zwischen einer Lichtquelle und einem schmalen Schlitz vorbeilaufen, durch den das Licht auf die lichtempfindliche Photozelle fällt, welche die Lichtschwankungen in Stromimpulse zurückverwandelt. Die Stromimpulse werden verstärkt und zum Lautsprecher geschickt, wo sie den letzten Umwandlungsprozess durchmachen und als Töne wieder zum Vorschein kommen. Die Tonaufzeichnung, die als 2% Millimeter breiter Streifen an der Seite der Filmbildchen entlangläuft, spielt dabei die Rolle einer Gardine: beim Transversalverfahren ist sie vollkommen schwarz und lichtundurchlässig, aber nur mehr oder weniger zugezogen; beim Intensitätsverfahren ist die Gardine immer ganz zugezogen, ist aber von ungleicher Dichte, so dass in beiden Fällen eine ganz bestimmte Menge Licht durch den Schlitz auf die Photozelle fällt, die einen entsprechend starken Stromimpuls zum Lautsprecher schickt Wie fein und empfindlich die Apparatur sein muss, geht aus einer einfachen Berechnung hervor: das Filmband läuft mit einer Geschwindigkeit von etwa 500 mm pro Sekunde ab, ein verhältnismässig hoher Ton hat aber 10,000 Schwingungen pro Sekunde. Man muss also, soll die Wiedergabe rein und unverzerrt erfolgen, auf 500 mm Filmband 10,000 Schwingungen, aufzeichnen, d. h. auf eine einzelne Schwingung entfallen nur fünf Hundertstel eines Millimeters. Man kann sich demnach vorstellen, welche ungeheure Kleinarbeit in den Ateliers und Laboratorien der führenden Gesellschaften geleistet worden ist um den Film in unverhältnismässig kurzer Zeit auf sein jetziges technisches Niveau zu bringen. Zweifellos wird die Zukunft noch weitere Vervollkommnungen bringen, und die Zeit ist nicht mehr allzu fern, wo der Farbenfilm und der plastische Film das Wunder des Kinematographen ergänzen. «JCikwen Sie mU sagen...»? Von J. D. Beresford. Mein Gegenüber nickte. «Aber das ist doch von Tolstoil» belehrte ich ihn. «Leicht möglich», versetzte er, «für manche Sachen habe ich nun mal kein Gedächtnis. Ueberhaupt kein Gedächtnis. Aber ich habe zu meiner Zeit mehr gelesen, als Sie vielleicht annehmen. Um es ehrlich herauszusagen: als ich jünger war, las ich ein bisschen zuviel!» Nun spitzte ich doch etwas die Ohren, denn es bot sich mir die Aussicht, ihn über sich selbt zum Sprechen zu bringen. Und ich kann immer zuhören, wenn ein Mensch seine Lebensgeschichte erzählt. Nur die Ansichten von Menschen finde ich entsetzlich langweilig. «Sie haben also Ihr Gedächtnis überanstrengt?» fragte ich. Er schüttelte den Kopf und schob die Unterlippe leicht vor. «Nein, das war es nicht, was mir meine Karriere verhunzte.» «Nicht?» machte ich so provozierend, wie ich nur konnte. Mein Nachbar beugte sich ein wenig vor und runzelte die Stirn, wie um sich ein Air angestrengten Nachdenkens zu geben. «Wissen Sie, manches Mal hab& ich ein nur allzu gutes Gedächtnis. Die Schwierigkeit liegt nämlich nur darin, dass ich mich Bibliothek, an deren einem Ende eine Orgel eingebaut war. Eine prachtvolle Nussholztür mit einem schmiedeisernen Schloss. «Diese Tür», sagte Mrs. Herrick, als sie vorhergingen, «führt in das sonnigste Zimmer dieses Hauses. In ein leeres Zimmer. Irr ein wartendes leeres Zimmer.» «Wie, bitte?» «Das .leere sonnerleuchtete wartende Zimmer' pflegte ich es immer zu nennen, bis es meinen Gatten böse machte.» «Was für schöne Türen! Ich kann es nicht genau sagen, aber — wenn ich all dies sehe — ist es gerade so, als wäre ein Schmerz, von dem man nichts wusste, ganz plötzlich geheilt worden.» «Genau so fühle auch ich. Meine schönen Dinge beruhigen mich. Sie entschädigen sogar, auch unbeseelt, für die — die grausamen Geschehnisse, die das Leben manchmal fast unerträglich machen.» «Wenn ich hier leben könnte, ich weiss nicht, ich — ich weiss nicht...» «Sie liebes Kind, ich wollte, Sie könnten es.» «Und Sie haben auch einen offenen Hof! Mein ganzes Leben träumte ich von einem! offenen Hof. Bei Stroheim in der Möbelabteiliing ist auch einer im .Vorbildlichen HausV Brunnen, Gitter und überhaupt alles! Waren Sie schon dort im .Spanischen Haus'? Ich gehe so gern durch. Aber an Ihrem gemessen, würde Ihnen das alles zweitra^gig erscheinen.» (Fortsetzung folgt.)