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E_1935_Zeitung_Nr.034

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BERN, Freitag, 26. April 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Was kostet das Autofahren? Mehr als je verlangt die heutige Lebenshaltung genaues Rechnen und Einteilen. Ganz besonders gilt das auch für den Fall, wo man sich ein Auto anschaffen oder einen schon vorhandenen Wagen rationell betreiben will. Es soll zwar auch heute noch Leute geben, die ein Automobil nur nach Rennerfolgen oder sogenannten Siegen bei Schönheitskonkurrenzen beurteilen, wenn für sie nicht gar bei der Wahl der Umstand, dass hier zum gleichen Preis noch eine Blumenvase, dort ein Aschenbecher oder ein Zigarrenanzünder mitgeliefert wird, ausschlaggebend ist. Die überwiegende Zahl der Fahrer jedoch entscheidet sich nach den Betriebskosten. Was kostet die Wagenhaltung im Jahr ? Was kostet mich der Kilometer Fahrt? Das*sind die beiden Hauptfragen, die zu immer grösserer Bedeutung gelangen. Freilich herrschen in der Beurteilung dieser Fragen vielfach noch die grössten Unklarheiten. Gerade der Neuling läuft Gefahr, grössere Posten im Betriebskostenbudget zu übersehen oder viel zu optimistisch zu beurteilen. Anderseits lassen sich nicht wenige, Interessenten nur deshalb von einem Autokauf abhalten, weil sie nicht zwischen den sehr verschiedenen Betriebsausgaben schwerer und leichter, luxuriöser und auf Wirtschaftlichkeit hin gebauter, schlecht und gut ausgenützter Wägen zu unterscheiden ver- 'fiiögen und. vielleicht nur einige wenige Beispiel© kennen, die ein ausgesprochen ungünstiges Bild ergeben müssen. Auch ein und derselbe Wagen kann übrigens sehr verschiedene Betriebskosten ergeben, je nachdem, ob er gut oder schlecht ausgenützt wird. Für den Grad der Ausnützung spielt dabei wieder die Eignung der betreffenden Wagentype eine grosse Rolle. Es ist deshalb bejm Kauf nicht nur zu berücksichtigen, wie man den Wagen betreiben und ausnützen könnte, sondern wie man ihn ausnützen wird. Dient das Fahrzeug hauptsächlich zu Geschäftsfahrten, so kommen fast nur geschlossene Typen in Frage, soll es vorwiegend zum Vergnügen dienen, so kommen auch offene oder umwandelbare Karosserien in Betracht. Steht ein sehr intensiver Betrieb in Aussicht, so ist gewöhnlich ein schwererer, mittelstarker Wagen am Platz, ist doch ein strapazierfähiger Wagen auf die Dauer bedeutend wirtschaftlicher als ein ausgesprochener Kleinwagen, der sich mehr zu gelegentlicher Benützung oder zu Fahrten im engeren Umkreis eignet. F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst (21. Fortsetzung.) Es war notwendig geworden, die alten Träume beiseite zu schieben. Die matten Schimmer alten Holzes. Gewebe, die durch die Zauberei der Zeit glänzten. Oft an Samstagnachmittagen wanderte sie in Antiquitätenläden, Trödelgeschäften und manchmal in Auktionshallen herum, damit sie stöbern und für Stunden spanische und venezianische Brokate und Spitzen betasten könne, nur um sie befühlt zu haben. Und nun kam der liebe Martin mit seinem anbetungswürdigen jugendlichen Unsinn von einem Haus, das eine Schleife unter dem Kinn hat. Das Kompromiss wurde zum Vergnügen. «Aber Herrgott! Orchid, was mich erschreckt, ist, dass du im Herzen solch eine Verfechterin alles Krimkams bist. Es ist schön' recht, dass du das bist, aber dann hättest du dir einen Mann finden müssen, der Erscheint jeden Dienstag und Freitag INS ERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage .^Autler-Felerabend". 6^-8 mal jährlich „Gell» Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Insernfenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Der Wert einer genauen Kostenberechnung. Je genauer die Betriebskostenberechnung durchgeführt wird, um so grosser ist natürlich ihr Wert. Schon anhand der Berechnung kann man dann vielfach erkennen, welcher Wagentyp für den vorgesehenen Zweck am geeignetsten ist. Fahrzeuge, die schon- in Betrieb stehen, lassen sich anhand der Betriebsbuchführung wirksam überwachen, da sich Mängel meist sehr bald durch Veränderungen der Kosten bemerkbar machen. Die im folgenden aufgestellten Betriebskostenberechnungen können allerdings dazu nur Anhaltspunkte liefern. Die Betriebsverhältnisse sind in den einzelnen Fällen viel zu verschieden, als dass sie durch eine allgemeine Berechnung genau ermittelt werden könnten, und in der Berechnung spielen manche «persönliche » Faktoren mit, wie z. B. Pflege des Wagens und die Art, ihn zu fahren, dann der Faktor, wo der Wagen betrieben wird, ob im Gebirge, in der Ebene usw. Die Kilometer-Betriebskosten lassen sich mit einiger Genauigkeit nur anhand der Jahresbetriebskosten ermitteln. Die reinen Brennstoffausgaben machen nur ca. ein Fünftel bis ein Drittel der Gesamtbetriebskösten aus, würden allein also ein ganz falsches Bild ergeben. Zur Berechnung der Jahresbetriebskosten muss vorerst eine Unterteilung nach stehenden und veränderlichen Unkosten getroffen werden. Zu den stehenden,l|nkpsten zählen alle Ausgaben, die unabhängig* vom Benutzüngsgrad des Fahrzeuges in stets gleicher Höhe anfallen, während die verschiedenen Posten der veränderlichen "Kosten durch die reinen Betriebskosten gebildet werden. Indem man schliesslich die Summe der stehenden Kosten und der veränderlichen Kosten durch die jährlich gefahrene Kilometerzahl dividiert, erhält man die Kosten pro Betriebskilometer. eine Million Dollar zum Ausgeben in der Tasche hat. Niemand könnte in einem solchen Kleid hier sitzen und wie eine .zartfarbige, aus Glas geblasene Treibhaus-Orchid aussehen, der nicht "Wie du, auf solchen Tand Anspruch hätte. Deshalb erschrecken mich diese vierzig Dollar die Woche.» «Martin, du sprichst, als ob Armut etwas Neues für mich wäre; als ob mein ganzes Leben nicht ein ununterbrochener Kampf gegen die drückendste Armut gewesen wäre.» «Das ist es gerade. Ich möchte haben, dass dich der Ehestand für alles entschädigt. Ich kann doch nicht wollen, dass du auch weiterhin ohne jede Freude lebst.» «Aber, lieber Martin, mit dir wird es nur Freuden geben. Wie wenig du mich darin verstehst. Die Uebung hat aus mir einen Meister gemacht, etwas aus nichts zu schaffen. Wenn ich den italienischen Palast nicht haben kann,- wie ich mir ihn dachte, als ich diesen Dummheiten nachging und begann, mir Dinge vorzustellen, dann werde ich unser Haus hübscher machen, als irgend etwas, das du * dir vorstellst. Und das mit deinen vierzig Dollar die Woche. Mit unseren vierzig Dollar die Woche.», Die festen Kosten setzen sich zusammen aus der Abschreibung, der Verzinsung des Kapitals, der Versicherung, dem zu versteuernden Betrag, der Garagemiete und dem eventuellen Chauffeursalär. Schon-hier'können die verschiedenen Posten von Fall zu Fall sehr verschieden sein. De Abschreibung wird unter den gegenwärtigen Marktverhältnissen am besten mit etwa 25 °fo beim Ankauf, mit 15 % im ersten Jahr, und mit je 10 % in den folgenden Jahren angenommen, die Verzinsung des Kapitals mit ca. 6 %. Die Prämienkosten für die geforderten Mindesthaftpflichtversicherungen betragen für Wagen von 4—7 PS 220 Fr., von 7—10 PS 250 Fr., für Wagen von 10—15 PS 270 Fr., von 15—20 PS 290, und von 20—25 PS 310 Fr. Die vom Fiskus verlangten Steuerabgaben sind in den einzelnen Kantonen sehr verschieden und liegen für die angegebenen PS-Grenzen etwa zwischen 150 und 625 Fr. Die Garagemiete beläuft sieh je nach Ort und Ansprüchen auf 240—720 Fr. 1 Die veränderlichen Kosten / setzen sich zusammen aus dem Benzinverbrauch pro Jahr, dem Verbrauch an Oel und Fett, den Kosten an Reinigung und Unterhalt, den Kosten der Reifenabnützung und Reifenreparaturen, und Verschiedenem. Der Brennstoffverbrauch wird meist auf Grund der Verbrauchszahl pro 100 km berechnet. .Diese beträgt für Wagen bis 1000 ccm etwa 7—9 Liter, für Wagen bis 2000 ccm etwa 10—12 Liter, für Wagen bis 3000 ccm 14—18 Liter, und für Wagen bis 6000 ccm 22—26 Liter. Als durchschnittlicher Brennstoffpreis nimmt man etwa 40 Rp. pro Liter an..Die Ausgaben für Oel und Fett betragen pro 10,000 Kilometer etwa 100 Fr., diejenigen für Reinigung und Unterhalt jährlich etwa 200 Fr., während der Redfenverbrauoh natürlich wieder stark von der gefahrenen Kilometerzahl und • der Art der Wagenbenützung abhängt. Als Anhaltspunkte kann man annehmen, dass ein Reifensatz bei einem Kleinwagen etwa 15,000 km, und bei einem grösseren Wagen etwa 30,000 km aushält. Wiederum vorsichtig gerechnet setzt man die Kosten für einen Reifensatz des Kleinwagens mit 160 Fr., denjenigen eines mittleren Wagens mit 250 Fr., und den eines schweren Wagens,mit 340 Fr. ein. Zu «Verschiedenem» zählen wir die Kosten der kleinen gelegentlichen Reparaturen und Neuanschaffungen u. dgl. Auch hierfür sind jährlich etwa 200 Fr. vorzusehen. In einer Tabelle zusammengestellt erhält unsere Betriebskostenberechnung für einen 12-Steuer-PS-Wagen im Neuwert von 10,000 Fr., der jährlich 20,000 km gefahren werde, ungefähr folgendes Bild r I. Feste Kosten: Abschreibung bei Ankauf, 25% Fr. 2500 » im 1. Jahr, 15% > 1500 im 2. Jahr, 10% » 1000 > im 3. Jahr, 10% » 1000 Verinsung des Kapitals, 6% > 1110 Versicherung, Steuer, je nach . Kanton und Motorstärke > 1200 Garagemiete . »• 1500 Total feste Kosten für 3 Jahre Fr. 9810 oder pro Jahr Fr. 3270 II. Veränderliche Kosten: Benzinverbrauch pro Jahr Fr. 1000 Oel und Fett » 200 Reinigung und Unterhalt > 200 Reifenäbhützung und Reifenreparaturen » 250 Verschiedenes » 200 Total veränderliche Kosten,,. pro Jahr Fr. 1850 Fr, 1850 Total pro Jahr Fr. 5120 Auf 1 km Fahrstrecke bei jährlich 20 000 km umgerechnet ergibt sich: Kosten per Kilometer Fr. . Bäumen wendeten, überfiel sie das Lampenfieber. Ein grüner Bogengang schien zu einem Ozean von Hortensien zu führen. «Martin, ich — ich komme mir so — wie ausgestopft vor — wie eine Puppe, deren Sägespäne ausrinnen. Martin, bitte, sag' dem Chauffeur, dass er umdrehen soll. Ich bin dem nicht gewachsen. Ich hätte nicht zugeben sollen, dass du mich hieher mitnimmst. Du hast, schon das richtige Gefühl gehabt. Ich hätte es auch haben sollen. Es übersteigt meine Kräfte, Lieber. Bitte!» «Höre, höre!» «Was ist das? Musik? Man tanzt sicher in diesem geschmückten Pavillon. Ich bin mein Lebtag noch auf keinem Tanzparkett gestanden. Schau, Martin, ich habe dich irgendwie gezwungen, mich mitzunehmen, aber es war höchst dumm von mir. Du hast heute nacht noch an deinem Artikel zu arbeiten, Martin, Kehren wir um... «Nichts davon, meine schöne Dame. Ausserdem hat uns Miss Adrienne, die schielende Sekretärin meiner Tante, bereits gesehen. Du wolltest kommen, un jetzt, da ich dich.hier habe, will ich nicht um 1 die Freude betrogen werden, mit dem einzigen Mädchen hier zu