Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.036

E_1935_Zeitung_Nr.036

BERN, Freitag, 3. Mai 1935 Ceiibe Liste Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 36 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postanrtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Steuerfreiheit der Automobile... in Österreich Ueber das Motorfahrzeugwesen Oesterreichs war in den letzten Jahren wenig Erfreuliches zu berichten. Erwies sich einerseits die Wirtschaftskrise als ein bedenklicher Hemmschuh für eine gedeihliche Weiterentwicklung der inländischen Automobilindustrie und der Motorisierung des Landes, so tat eine unvernünftige staatliche Fiskalpolitik noch das übrige, um die Strassenverkehrswirtschaft vollends dem Ruin entgegenzutreiben. Während in den Jahren 1932/33, für welche die Zahlen vorliegen, die Motorisierung in den meisten europäischen Staaten einen konstanten Fortschritt zu verzeichnen hatte und in Deutschland beispielsweise eine Zunahme von fast 100 Prozent erreichte, wies Oesterreich einen Rekordrückgang von 39% auf. Die in so krasser Weise zum "Ausdruck kommende gegensätzliche Entwicklung in diesen beiden Ländern Hess mit aller Deutlichkeit die Ursachen hiefür erkennen. In Deutschland, mit seiner rasch aufblühenden Automobilindustrie und einer nie vorausgesehenen Zunahme der Motorfahrzeuge, hatte der Staat zahlreiche Massnahmen zur Förderung des Motorfahrzeugwesens ergriffen, worunter die vollständige Steuerfreiheit für fabrikneue Wagen wohl die radikalste und revolutionärste war. In Oesterreich dagegen glaubte man, dem Automobil nur immer neue Steuern und Auflagen zumuten zu können und überschätzte bei weitem die fiskalische Tragfähigkeit des Motorfahrzeuges. Angesichts der kritischen Lage der einschlägigen Industrie und des ständigen Rückganges im Fahrzeugbestand des ganzen Landes hat sich eine Arbeitsgemeinschaft und Abwehrfront gebildet, der die beiden massgebenden Verkehrsverbände, der Oesterreichische Automobil-Club und der österreichische Touring-Club, sowie der «Blaue Adler», ein Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, angehörten. Nach einer mit grosser Zähigkeit und Ausdauer geführten Aufklärungskampagne ist es dieser Arbeitsgemeinschaft endlich gelungen, die Behörden von der Notwendigkeit eines vollständigen Kurswechsels in der staatlichen Einstellung gegenüber dem Kraftfahrzeug zu überzeugen. Die .Regierung hat, nachdem sie einmal die Mannequin. Roman von Fannie Hurst (23. Fortsetzung.) «Hm ja, wahrscheinlich, aber es gab auch für mich eine Zeit, da mich Dinge solcher Art entzückten. Meine Liebe, Sie sehen ja entzückend aus, wie Sie hier im untergehenden Sonnenlicht stehen. Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn ich das sage, nicht wahr?» «Aber wie können Sie das annehmen? Ich finde auch, dass Sie entzückend aussehen.» «Wie schön Sie diese zarten Sachen tragen.» «Sie gehören nicht mir, wie Sie wissen. Ich bin Mannequin.» «Ich weiss. Ich sollte meinen, dass Sie ein gxosser Erfolg sind. Dieser Zierat! Wie geschickt! Es hat den Anschein, als ob er durch Ihre Schulter ginge.» «Nach einem Tag des An- und Ausziehens solcher Kleider ist es zur Zeit des Nach- Hause-Gehens auch wirklich, als ob einem alles durch und durch ginge.* Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Autler-Feferabend". 6—8 mal jährlich „Gelbe liste« Die achtgesp«ttene 2 mm hohe Grundzeüe oder deren Baum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brcitenralnstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Richtigkeit der vorgebrachten Argumente erkannte, ihrerseits nicht gezögert, auch die Folgerungen aus dieser Erkenntnis zu ziehen. Als unerwartetes und grosszügiges Ostergeschenk an die Verkehrswirtschaft erschien kurz vor den Feiertagen die Botschaft des Bundeskanzlers, welche die vollständige Abschaffung der Kraftwagenabgabe mit Wirkung ab 1. Mai verkündete. Dabei hat es nicht etwa die Meinung, die dadurch in Wegfall kommende Steuer in irgendeiner anderen Form, z. B. als Brennstoffsteuer, wieder aufleben zu lassen. Die Regierung ist gewillt, den Abstrich bedingungslos zu machen, in der Meinung, dass sich dieser konsequente Verzicht indirekt für den Staat doch lohnen werde. Man erwartet von der Massnahme ein rasches Aufblühen des nationalen Kraftfahrwesens und rechnet, dass die Belebung der Automobilindustrie, des einschlägigen Handels und Gewerbes einerseits die Arbeitslosigkeit reduziere und anderseits all die Tausende von Unternehmen, die an der Motorfahrzeugwirtschaft interessiert sind, durch besseren Geschäftsgang auch wieder zu leistungsfähigeren Steuerzahlern mache: Dazu kommt eine wesentliche Mehreinnahme des Staates aus der Benzinsteuer, indem mit gesteigertem Konsum auch die Abgaben an den Staat entsprechend ansteigen. Dass dem so sein wird und es sich hier nicht etwa nur um ein theoretisches Rechenexempel handelt, dafür hat Deutschland in den letzten beiden Jahren ein überzeugendes und unumstössliches Beispiel geliefert. Die Massnahme der Steuerbefreiung ist vorläufig auf die Dauer eines Jahres befristet. Die behördlichen Instanzen wollen sich damit das Recht wahren, den Erfolg - der' Steuerrevision abzuwarten, um erst darnach eine endgültige oder doch eine Regelung auf lange Sicht zu treffen. Die Frist von zwölf Monaten mag etwas kurz bemessen sein, um ein entscheidendes Urteil über die Zweckmässigkeit der Neuordnung zu fällen, aber sie wird gewiss genügen, um zu zeigen, dass sich der Staat damit auf dem richtigen Weg befindet. Die beabsichtigte Verbilligung des Motorfahrzeugbetriebes wird nämlich noch durch eine ergänzende Verfügung vervollständigt, durch welche die Versicherungsgesellschaften verpflichtet sind, die Haftpflichtprämien generell zu ermässigen. Die Gesellschaften glauben einer Reduktion von rund 15 Prozent zustimmen zu können. Im weiteren sollen bei unfallfreiem Fahren im ersten Jahr zehn, im zweiten Jahre 15 und im dritten Jahre 20 Prozent der Prämie rückvergütet werden. Oesterreich ist, wie erinnerlich, nicht das einzige Land, das dem deutschen Beispiel so weitgehend gefolgt ist. Erst kürzlich hat Jugoslawien die vollständige Beseitigung der Motorfahrzeugsteuern beschlossen, die auf 1. April in Kraft trat. Hören wir, was ein gründlicher Kenner der dortigen Verhältnisse «Wollen Sie nicht mein Gewächshaus sehen? Mein kleines eigenes mit Orchideen.» «Mein Name ist Orchid.» «Wie nett. Jetzt, da Sie es erwähnen, scheinen Sie wirklich wie eine Orchidee. Ihre Mutter muss. diese Blüten geliebt und etwas von ihrer Schönheit in Ihnen gesehen ^iaben.» «Ich — eh — ja —» «Da wären wir. Jones, rollen Sie diese Decke zurück. Ich möchte die gesprenkelten zeigen. Sie sind äusserst selten. Mein Mann hat sogar nach Tanger um die Schösslinge geschickt. Aber die lavendel- und malvenfarbenen habe ich am liebsten. Jonas, schneiden Sie einige von den lavendel- und rosafarbenen ab, als Ansteckblume für Miss Sargossa.» «Mrs. Herrick, Sie sollen nicht so viel Ihrer Zeit für mich allein verwenden. Ihre Gäste werden sich wundern.» «Ich möchte gar nicht erst anfangen, Ihnen zu sagen, wie wunderschön es war, Ihnen, Sie liebes Kind, meine Liebhabereien zu zeigen. Irgendwie ist es fast so, als wären Sie selbst eine meiner Liebhabereien, die gerade .in der lieblichen Umhüllung dieses orchideenfarbenen Kleides angekommen ist. Ich über die ersten Auswirkungen der Steuerreform zu berichten weiss: «Tausende von Wagen verrosteten bisher in Garagen, weil sie infolge der drückenden Lasten nicht mehr in Verkehr gebracht •werden konnten. Bereits in den ersten Tagen seit Aufhebung der Steuern sind mehrere hundert gebrauchte Fahrzeuge wieder in Betrieb genommen worden. In Zagreb wurden 40, in Beograd sogar 170 neue Fahrzeuge in wenigen Tagen gekauft. In allen mechanischen Werkstätten, bei den Ersatzteillager- Firmen, bei den Benzin- und Service-Stationen, kurz über das ganze Land herrscht Andrang und Eile. Schon sieht man all die neuen Wagen auf der Strasse und in kurzem werden wenigstens Tausende von stillgelegten Fahrzeugen wieder in den Verkehr eingesetzt sein. Die übrigen werden folgen, sobald sie vom Rost gereinigt und technisch wiederum instand gestellt sind. Die Ausbesserung der Fahrzeuge, Erneuerung von Ersatzteilen usw. gehört zwar zum normalen Frühjahrs-Service. Allein dieses Jahr wird es zu einem ausserordenlichen Ansturm auf die Werkstätten und einschlägigen Geschäfte kommen. Es besteht kein Zweifel darüber, dass die Aufhebung der Steuern zu einer gewaltigen Hebung des Motorfabrzeugwesens in Jugoslawien führen wird.» Soweit die Vorgänge im Ausland. Die schweizerischen Motorfahrzeugbesitzer sind sich an das Steuerjoch bereits so gewöhnt, dass ihnen der Gedanke an eine solch radikale Reform im Ernste bis jetzt kaum gekommen ist. Was sie erwarten, ist vor allem keine weitere Verteuerung des Betriebes durch zusätzliche Abgaben und höchstens einige Erleichterungen in der Entrichtung der Steuern durch Entgegennahme fraktions- •weiser Zahlungen, korrekte Anrechnung der »Monate, während welchen das Fahrzeug unbenutzt bleibt, Verwendung einer einzigen Nummer für zwei gleichartige Motorfahrzeuge und was derlei Postulate noch mehr sind, die im Ausland fast durchwegs bereits verwirklicht sind und schon als Selbstverständlichkeiten gelten. Im Zeitalter der staatlichen Förderung des motorisierten Strassenverkehrs müssen wir aber noch gegen weitere Steuerzuschläge ankämpfen und es als einen Erfolg ansehen, wenn wir die Behörden nur wenigstens von derartigen verteuernden Massnahmen abbringen können. Dafür befindet sich das schweizerische Motorfahrzeugwesen im Zeichen der Stagnation oder gar des Rückschrittes, wie dies auf alle Fälle für die Motorräder zutrifft. Es sind bei uns alle jene Anzeichen vorhanden, welche die Krise der Verkehrswirtschaft in Deutschland und später auch in Österreich anzeigten und einleiteten. Ihre Regierungen haben, gleich wie unsere Staatsweisen, nicht darauf geachtet und mussten dann zum Schaden des Fiskus und zum noch grösseren Nachteil eines beträchtlichen Teiles der Volkswirtschaft und der Privatindustrie die Folgen des katastrophalen Rückganges, ja Zusammenbruches der Kraftfahrt miterleben. Heute greifen sich Behörden und Volk in diesen Staaten an den Kopf und fra- I fürchte, ich bin hoffnungslos Mädchen verfallen. Ich habe sie gern. Kommen Sie, wir gehen jetzt zurück, aber ich möchte Sie nicht verlieren.» Als Orchid wieder auf der Terrasse stand und den leisen Trubel des Festes, Lachen, das Rauschen der Springbrunnen und das Klirren von Punschgläsern wieder hörte, schien ihr diese Umgebung als etwas, das gerade so natürlich zu ihr passte, wie die Toilette, die nach ihren Massen angefertigt worden war; als irgend etwas, das ihr nicht einmal neu war; als irgend etwas, das zu ihr gehörte und immer gehört hatte. Der Richter und der Forscher unterhielten sich mit ihr und überboten sie an schlagfertigen Antworten, was den Richter veranlasste, sie in die Wange zu kneifen, als sie errötete, und ihren Kopf zurückzubiegen,, um zu sehen, ob er sie bis zu Tränen gehänselt hätte. Wenn die jungen Mädchen auch zurückhaltend waren und eine kleine Grausamkeit in ihrer Art, sie gönnerhaft zu behandeln, lag, so schlug doch dieses Gönnertum nicht nur eine Wunde, sondern es träufelte auch Balsam hinein. Das Gönnertum verletzter Eitelkeit. «Martin hat einen Mannequin mitgebracht. Ein bisschen kühn von ihm, muss ich sagen. Wir berichten heute über: Schiene und Strasse. Der Grosse Preis von Tunis. Die Sternfahrt nach Marokko. Die Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege. Blitzschlag ins Flugzeug. Aus der Theorie der Autofederung. Zum Verkehrsteilungsgesetz. gen sich, wie es möglich war, einmal so verblendet und so borniert gewesen zu sein, um an die unbegrenzte Steuerleistungsfähigkeit des Motorfahrzeuges und seiner Halter geglaubt zu haben. Für sie ist dies ein überwundener Standpunkt und die Entwicklung ihrer eigenen Motorfahrzeugwirtschaft gibt ihnen in jeder Hinsicht recht. Trotzdem ein Grossteil der Steuerauflagen beseitigt worden ist, wird in Deutschland und in Oesterreich Hervorragendes auf dem Gebiete des Strassenbaues geleistet. Also auch hier ist der Gegenbeweis auf die bei uns bis hinauf zum Bundesrat vorhandene irrige Meinung geliefert worden, wonach eine Modernisierung des Strassenwesens nur auf Kosten der Fahrzeughalter möglich sei. Ob bei uns auf Grund der neuesten Besch'üsse in Oesterreich endlich auch eine geistige Umstellung möglich sein wird, kann leider nicht ohne weiteres bejaht werden. Die Vorstellung vom Automobil als « Luxusfahrzeug » und a's Verkehrsmittel der « Reichen » hat sich zu fest in vielen Köpfen festgesetzt und spukt noch allzusehr in Ratsälen und Regierungen. Wenn man in der Schweiz auch nicht ohne weiteres das fremde Beispiel, das ja sehr zu Unrecht vielfach einem verknöcherten Misstrauen begegnet, nachahmen will, so lerne man wenigstens so viel aus ihm, dass es auf dem Weg zusätzlicher fiskalischer Belastungen nicht mehr weitergehen kann. Wenn sich bei uns (auch eine Folge der vielbesungenen Demokratie) niemand zu einer Reform entschliessen und zu einem energischen « Zurück» aufraffen kann, dann gebiete man wenigstens « Halt! », wolfen wir nicht allen ausländischen Erfahrungen zum Trotz die nämlichen bitteren und sehr teueren Lehren durchmachen, welche die vorerwähnten Staaten vor wenigen Jahren selbst erlebten. Meine Liebe, schau dir doch die Männer an. Ich möchte gern wissen, ob sie auch nur ahnen, wie komisch sie sind. Meine Lieben, wir sind bloss Amateure von Rang. Heute ist ein Tag für Fachleute. Die einzige Möglichkeit, in völliger Sicherheit in Westchester einzudringen, ist, in einem geliehenen Longchamps-Modell zu kommen und weisse Pfauen auf der Terrasse zu füttern. Du hättest dir Allen Terry ansehen sollen. Meine Lieben, er wird sich bis über beide Ohren verlieben, wenn er nicht auf der Hut ist. Sie ist absolut sein Typ. Aber ich wusste nicht, dass auch Martin sich für solche Frauen interessiert.» Es war ärgerlich. Allen Terry, der ständig um sie herumschwirrte, musste unausgesetzt wie eine lästige Fliege vertrieben werden. «Kommen Sie, diese Angelegenheit hat die Schlafkrankheit bekommen. Ich führe Sie zu mir nach Hause. Sie müssen ja ganz ausgetrocknet sein.» «Bitte, ich habe nein gesagt.» «Wenn Sie es aushalten können, ich kann es.» Es gab immer einen kleinen Tumult um Orchid. Es war nett, solange der Richter und Mrs. Herrick immer dabei waren. Wirk-