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E_1935_Zeitung_Nr.037

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BERN, Dienstag, 7. Mai 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 37 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 750 Kürzlich erschien die zweite Auflage der unter dem Protektorat der Schweiz. Verkehrsliga von Dr. Th. Gubler, einem versierten schweizerischen Verkehrsfachmann und Mitarbeiter unseres Blattes, verfassten und reich illustrierten Broschüre «Baut Radfahrwege» *) Sie soll und wird auch einmal mehr die Aufmerksamkeit der Oeffentliehkeit sowie der Behörden auf dieses besondere Verkehrsproblem lenken, dessen Bedeutung für die moderne Verkehrsregelung und als Garant für eine erhöhte Verkehrssicherheit, leider noch nicht durchwegs erkannt wird. Der Verfasser hat die Neuauflage benützt, um das reichhaltige Text- und Bildermaterial auf den heutigen Stand der Entwicklung im In- und Auslande nachzuführen. Man wird den Ausführungen, die bei Behörden und Verbänden weitgehende Beachtung verdienen, mit Ueberraschung entnehmen, dass den Radfahrwegen in verschiedenen Ländern seit langem schon die grösste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dabei darf erwähnt werden, dass auch in einzelnen Kantonen der Schweiz recht vielversprechende Anfänge gemacht worden sind. Bevor hierüber kurz anhand der vielseitigen Unterlagen, die mit Sorgfalt in der vorerwähnten Publikation verarbeitet worden sind, berichtet wird, sei noch auf , die prinzipielle Seite des Problems hingewiesen. Das Recht aller Strassenbenützer auf die Strasse ist und bleibt unbestritten. Es gilt nur, den Strassenraum so aufzuteilen, dass jede Gruppe je nach der Natur ihrer Fortbewegungsmittel nicht nur den rationellsten Gebrauch von der Strasse machen kann, 'sondern auch den übrigen Verkehr dabei am wenigsten stört oder behindert und vor allem auch am wenigsten gefährdet. In der Einleitung charakterisiert Dr. Gubler die Situation sehr zutreffend, wenn er schreibt : «Der Motorfahrzeugführer schimpft über den ihn gefährdenden Radfahrer, der Radfahrer über den ihn gefährdenden Motorfahrzeugführer, der Fussgänger über alle beide, und alle drei haben recht!» Viele unserer Strassen sind so stark bombiert, dass der Radfahrer, hauptsächlich bei nasser oder verschneiter Fahrbahn, sich schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb nicht auf dieser schie- *) Baut Radfahrwege! Die Bedeutung des Radfahrweges in Strassenbau und Verkehr. Von Dr. Th. Gubler. Herausgegeben von der Schweiz. Strassenverkehrsliga. ! Baut Radfahrwege! Mannequin. Roman von Fannie Hurst (24. Fortsetzung.) «Trollen Sie sich in die Stadt, wenn Sie müssen, Sie junger Landstreicher, Sie. Wir werden danach sehen, dass die kleine Dame gut nach Hause kommt.» «Orchid, willst du bleiben?» Wollte sie bleiben? Die rosenfarbige Perle in der Dämmerung. < «Oh, Martin, nicht wenn du...» «Nun, haben Sie schon jemals von jemandem gehört, dass er so anmassend wie Ihr Neffe ist, Mrs. Innesbrook? Natürlich will sie bleiben.» «Ja, aber Sie müssen wissen, dass ich doch mit Martin kam.» «loh nehme es ^n. Er fährt doch in die Stadt, um zu arbeiten, wie ich höre.» «Martin,» sagte Orchid mit leiser Stimme, zog ihn ein wenig beiseite und sah ihn mit ganz ernsten Augen an, «ich würde nicht daran denken zu bleiben, wenn du...» «Aber, Ork, natürlich will ich, dass du bleibst und es ist ja tatsächlich besser für Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Antler-Felernbond". 6-8 mal jährlich „CMbe Lls*" Die achtgespcltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern InMnttensehluss 4 Tage vor Enehelnen der Nummern fen Ebene halten kann und daher vorschriftswidrig, aber durch die Umstände gezwungen, mehr gegen die Mitte des Fahrdammes zuhält und damit in die Fahrzonen des Schnellverkehrs gelangt. Will sich der Radfahrer durch ein ihn überholendes Motorfahrzeug nicht auf den äussersten Rand der Strasse, die aus den eben erwähnten Gründen für ihn fast unbefahrbar ist, abdrängen lassen, so kommt es dann oftmals zu dem im letzten Augenblick vorgenommenen Seitenwechsel, der schon manchen schweren Unfall verursacht hat. Ebenso unheilbringend ist die Situation, wenn durch zwei sich kreuzende Schnellfahrzeuge der Radfahrer als dritter Benutzer des ungeteilten Fahrdammes auf den stärkst abfallenden Teil des Strassenrandes verwiesen wird, wo er leicht zu Fall kommen kann. Es gibt daher, wie der Verfasser wohl im Einverständnis mit allen Motorfahrzeugführern richtig feststellt, nur eine radikale Lösung: den Radfahrer von der eigentlichen Fahrbahn weg auf besondere Radfahrwege zu verweisen, wodurch das Verkehrsproblem der Strasse zwar nicht restlos, aber doch zu einem wesentlichen Teil gelöst sein werde. Das Idealste ist bei Neu- und Umbauten die Verbreiterung der Strasse um die Fläche, welche für den anzufügenden Radfahrstreifen benötigt wird. Ist dies aber in bebauten Ge-" bieten wegen den Häuserfluchten usw.fticht möglich, so kann entweder das Trottoir unterteilt oder gar die Fahrbahn für die Schnellfahrzeuge etwas verschmälert werden. Die Radfahrer sind ja auf alle Fälle auf der Strasse, so dass der Automobilist oder Motorradfahrer doch nicht mit der ganzen Breite des Fahrstreifens rechnen darf. Es ist aber dann bestimmt für beide Teile besser, wenn der Velozipedist auf einem deutlich unterteilten und von der Hauptfahrbahn abgetrennten Streifen verkehren kann, als wenn er nach freiem Ermessen auf dem Fahrdamm herumgondelt. Das Ausland hat schon vor mehreren Jahrzehnten damit begonnen, dem Radfahrer seinen eigenen Verkehrsstreifen zuzuweisen. In Oesterreich erleichtert das «Bankett», in Italien die « banchina» dem Radfahrer auf Tausenden von Kilometern den Verkehr. Seit mehr als dreissig Jahren, so lesen wir in der Broschüre, führen in Paris vom Are de Triomphe zwei «avenues cyclables» nach der Porte I Maillot. Unzählige französische Landstrassen mich. Ich komme dann früher zu meiner Arbeit.» «Martin, du sagst das nur, weil du glaubst, dass ich bleiben will. Auf Ehrenwort, Lieber, wenn...» «Du Gänschen, ich sage es, weil ich will, dass du bleibst. Wenn ich darüber nachdenke, will ich nicht nur, dass du bleibst, sondern ich bestehe darauf, dass du bleibst. Je früher du sie alle kennenlernst, um so besser. Komm nun und keine weitere Privatunterhaltung. Meine Damen und Herren, Miss Sargossa hat sich über Rat ihres Anwaltes entschlossen, zu bleiben. Aber wie kommt sie nach Hause? Ein Mann hat gewisse Verpflichtungen gegenüber dem Mädchen, das er ausführt, wie Sie wissen.» «Zerbrechen Sie sich darüber nicht den Kopf. Es werden sehr viele sorgsame Fahrer da sein.» «Gib acht, dass dich niemand beisst.» «Du dummer Martin. Ich werde nicht lange bleiben. Ich will noch vor elf in der Stadt sein.» «Soll ich dich aufrufen, wenn ich meinen Artikel fertig habe?» «Wage nicht, es zu unterlassen.» «Also auf Wiedersehen allseits. Es ist das erstemal, dass ich ein Mädchen zu einer Unterhaltung gebracht und sie dort.gelassen habe.» besitzen neben dem Fährdamm eine < piste cyclable, interdite aux pietons ». Durch fast ganz Holland zieht sich den Landstrassen entlang, ein etwa meterbreiter «Rijwielpad», in fast ganz Belgien verläuft neben der Fahrstrasse oder gar auf beiden Seiten das « accotement reserve aux cyclistes >. Die belgischen Radfahrwege führen zudem nicht bloss über Land und machen vor den Ortschaften Halt, sondern gehen durch diese hindurch, teils auf eigenem Raum, teils auf dem Trottoir, das mit dem Fussgänger geteilt wird. In Deutschland ist, wie dies in der «Automobil-Revue» bereits früher mitgeteilt wurde, in neuester Zeit eine Reichsgemeinschaft für Radfahrwegebau geschaffen worden. Sie gilt als alleinige und zentrale Instanz für alle den Bau von Radfahrwegen betreffenden Fragen. Die Behörden der Länder und Gemeinden haben ihren unteren Organen Weisung erteilt, sich beim Wegebau der Mitarbeit dieser Reichsgemeinschaft zu bedienen und ihr anderseits tatkräftig an die Hand zu gehen. Und die Schweiz ? Durch die schweizerische Verkehrsliga wurde allen Kantonen ein Fragebogen zugestellt,, in welchem darüber Auskunft verlangt wurde, ob im betreffenden Kantonsgebiet bereits Radfahrwege bestehen oder ob solche geplant seien. Den in der Broschüre verarbeiteten Antworten ist zu entnehmen, dass die Kantone Appenzell Ausser- und Inner- Rhoden, Freiburg, Glarus, Graubünden, Luzern, Neuenburg, Obwalden, Nidwaiden, Schaffhausen, Schwyz, Tessin, Waadt und Wallis keine Radfahrwege aufweisen und vorläufig auch nicht die Erstellung von solchen planen. Die Kantone Aargau, St. Gallen, Solothurn, Thurgau, Uri und Zug verfügen noch nicht über Radfahrwege, wollen aber im Verlaufe ihrer kommenden Bauprogramme solche berücksichtigen. Dagegen sind Radfahrwege bereits in den Kantonen Genf, Bern, Zürich, Baselland und Baselstadt in Gebrauch und weitere werden von Fall zu Fall dort neu eingerichtet. Das ausgedehnteste Netz hat bis jetzt Zürich mit 14,6 km ausgebauten Radfahrwegen. Sie sollen vorab um Industriezentren herum noch erweitert werden. Dies mit Rücksicht' auf die vielen Arbeitnehmer, welchen den oft nicht unbeträchtlichen Weg von und zur Arbeit auf dem Velo zurücklegen und besonders in Stosszeiten zu einem eigentlichen Verkehrsproblem werden. Generell ist die Berechtigung der Radfahrwege anerkannt und unbestritten. Ganz abgesehen «Lieber Martin, lieber, lieber Martin.» Sogar bei einer so formlosen Gelegenheit wie einem Nachtmahl in einem Garten, bei Sternenlicht und Lampionbeleuchtung und hawaiischer Musik mit kaltem Schinken und aufgetürmten Platten belegter Brote und Bergen von Salat, bedeutete es eine Auszeichnung, nur zwei Sitze weit von der Wirtin zu sitzen, um so mehr, als diese Wirtin eifrigst um das Wohlergehen Orchids besorgt war. «Richter Rhincoop, das ist ein süsses Mädchen, sehen Sie doch zu, dass Miss Sargossa auch etwas von diesen frischen Feigen bekommt. Zeigen Sie ihr, wie man sie zu schälen hat. Ich fürchte, sie begreift nicht ganz, wie wenig förmlich unsere Picknicks sind.» Und der alte Rhincoop, hoch an Jahren, beinahe ein Greis, aber mit einem Kopf wieein Löwe und einer gesellschaftlichen Stellung so unerreichbar wie nur eine, schälte frische Feigen für Orchid. «Liebes Kind, haben Sie schon diese kandierten Rosenblätter gekostet? Reiche sie herüber, Mark. Sie sind von meinen eigenen Sträuchern und mein Koch machte sie in meiner eigenen Küche. Knabbern Sie doch einige. Sieht sie nicht so aus, als ob sie gerade nur Rosenblätter knabbern dürfte, Ad 7 miral Buchanan?? Wir berichten heute MS7 Das Rennprogramm der Auto- Union. Der Grosse Preis von Tunis. Ein neuer Schweiz. Segelflugrekord. Vom «Polycarburant »-Motor. Das Projekt eines Tödi- Durchstiches. Bilder: Seite 8. von der Zweckmässigkeit einer Unterteilung der Fahrbahn, so muss der Gerechtigkeit halber gesagt sein, dass auch die Radfahrer durch ihre Steuern schon manche Million Franken an den Staat abgeliefert haben und damit auch einen Anspruch auf geeignete Verkehrswege erheben dürfen. Der Verfasser weist in seinem Schlusswort daraufhin, dass natürlich nun nicht die Rede davon sein könne, plötzlich alle Strassen mit Radfahr- und Fussgängerstreifen zu versehen. Dagegen sei es unbedingt mit dem nötigen Verständnis und guten Willen" möglich, bei Umbauten von Strassen dem Radfahrer einen besonderen Fahrstreifen zuzuweisen, vorab bei Neubauten die Strassenbreite so zu bemessen, dass neben genügend dimensionierten Fahrstreifen noch Raum für Radfahr- und Fussgängerwege verbleibt und endlich auch die Stadtstrassen auf die Möglichkeit der Ausscheidung eines Radfahrstreifen hin zu prüfen. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Alpenstrasseninitiative auf diese neuzeitliche Forderung des Strassenbaues Rücksicht nimmt und neben den Radfahrwegen auch den Bau oder die Instandstellung von ausgesprochenen Wanderwegen für Fussgänger in ihrem Programm vorsieht. Diese beiden Postulate werden daher in der Broschüre mit Recht als ein weiterer Grund dafür ins Feld geführt, um an dem jetzigen Wortlaut der Initiative festzuhalten. Dass übrigens das Verkehrsproblem weitgehend durch die Anlage von Radfahrwegen gelöst wird, kam auch beim internationalen Strassenbaukongress 1934 in München zum Ausdruck, der in seinen Schlussfolgerungen, ganz besonders empfahl, auf Radfahrstreifen beidr seitig der Strasse Rücksicht zu nehmen. «Sie beschämt sie. Die Blätter verdienen geknappert zu werden», sagte der, Admiral und trank ihr zu. Es war ein Traum, der kein Erwachen hatte, weil man wach war. Nachher wurde zu den Ukulelen auf einer Plattform auf dem Innesbrookschen Rasen getanzt. Orchid konnte nicht tanzen. Die jungen Mädchen, ein wenig bitter in ihrem Gönnertum, begannen über diese Tatsache kichernd zu lachen. «Das ist eine Feine! Was wettest du, sie ist eine Exkönigin von den Follies. Sie tanzt nicht. Ich glaube, die Schneiderfirma ist gegen die Abnutzung ihrer Kleider. Oh, schau dir doch den Allen an. Was wettest du, sie sind alte Bekannte? Er täte besser daran, sich vor Richter Herrick nicht so betrunken zu zeigen. Wie er mit ihr liebäugelt. Und, hast nicht gesehen, wie man zweifellos im Französischen Saal sagt, sie will nichts von ihm wissen.» Aber es lag doch wirklich nichts an diesem bösartigen Geschnatter der Mädchen. Der sicheren, gesicherten Mädchen, wie des alten Rhincoop Enkelin und der Wing-Zwillinge. Ihr kleiner Triumph. Als ob es diesen Mädchen, die so gesichert in diese Umgebung gepflanzt waren, etwas ausmachen könnte. Eine Umgebung, in die sie sich bloss in ausgeborgtem Staat wagen durfte.