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E_1935_Zeitung_Nr.037

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — NO 37 Tedhin. fpt^disji Sf»vedax. al II. Antwort 9372. Undichtes Caliriolet-Verdeck. Anfrage 504. Die zu breite Ladebrücke. Im Zuschrift weitergeleitet Red. Jahre 1934 erwarb ich ein Camionnette von 800 ig Tragkraft mit einer 2 m breiten und 3,4 m langen Frag« 9401. Lehren zum Ausrichten von Achsen. Wo sind im Handel' Lehren zum Ausrichten nalen Experten geprüft und zum Verkehr zugelas- Ladebrücke. Der Wagen wurde durch einen kanto- Beispiele einiger aus Stahlspeichen hergestellter' von Vorderachsen, >deren "Sturz in Graden bekannt Ien. Ich passierte seither ohne irgendwelche Beanstandung 4—5 Kontrollen. Ende Februar kam Schaber. ist. erhältlieh? E. B. in Z. Wird der zureehtgeschmiedete Schaber zum Frage 9402. Schalthemmung. Mein Wagen hat ich wiederum in eine Kontrolle, wobei die Ladebrücke beanstandet wurde, mit der Begründung, sie 4 Gänge. Zum Anfahren benutze ich natürlich den Schluss durch nochmaliges Glühen und ersten, um naeh wenigen "Metern. Fahrt bereits den rage ca. 10 cm zu weit über die Räder hinaus. Die darauffolgendes rasches Abkühlen in Wasser zweiten einzuschalten. Wenn ich nun nach kurzer Folge war, dass ich eine Vorladung zwecks Nachkontrolle des Wagens erhielt. Diese Nachkontrolle gehärtet und vielleicht noch scharf zugeschliffen, so ist seine Wirksamkeit noch ent- den eingeschalteten zweiten Gang gar nicht heraus, wurde wiederum durch den gleichen Experten vor- Zeit den dritten Gang einschalten will, bringe ich bis der Motor genügend warm und auf hoher Tourenzahl ist. Ist der Wagen länger gefahren, d. h. denn bei der ersten Wagenabnahme nichts beangenommen. Auf meine Vorhaltungen, warum' er sprechend erhöht. Das zähe Material der Drahtspeichen ergibt auch sonst schon ein ist der Motor ziemlich warm, so gelingt die Schaltung etwas früher. Beim Schalten vom dritten zum Brücke koste heute genau gleich viel wie damals. standet habe, antwortete er, die Umänderung der recht gutes Instrument -atvierten Gang habe ich jedoch nie die geringsten Dies trifft nun allerdings nicht ganz zu, denn wäre Hindernisse. Was ist nun Schuld daran und was die Ladebrücke damals in der Ausführung, wie sie Leichteres Einschleifen der Ventile. Das kann man dagegen machen? Der Wagen ist erst noch heute ist, beanstandet worden, so hätte- ich Einschleifen der Ventile überlässt man heute etwa 5500 km gefahren. L. H. in A. auf den Lieferanten der Ladebrücke Regress nehmen am werkzeugen besten den ausgerüsteten mit den modernen Werkstätten. Spezial- neuzeitlichen Einschleifgeräte verrichten Die harmlose Antwort: Störung Die hängt beobachtete, vermutlich an damit sich wohl können. Heute, nachdem ich den Wagen fast eineinhalb Jahre gefahren habe, ist dies natürlich zusam- a« Fah c>wx nicht mehr möglich. .' die Arbeit gewöhnlich in nicht mehr Sekunden, als sonst Minuten Handarbeit erforderlich sind. Für den Fall, dass einer das Basteln nicht lassen kann, kann jedoch der nachste- Klein-Zwergzündkerzen. In den letzten Jahren wurden Rennmotoren immer häufiger mit sogenannten Zwergzündkerzen ausgerüstet, die statt des normalen Gewindedurchmessers von 18 mm nur einen Durchmesser von 14 mm aufweisen. Neuerdings zeigt sich nun eine Tendenz, auch diese Zwergziindkerzen nochmals zu verkleinern. Von einem englischen Konstrukteur wurde bereits eine 12-mm-Zündkerze herausgebracht, die wiederum Vorteile gegenüber der normalen Zwergzündkerze haben soll. Als solche Vorteile werden vor allem die bessere Wärmeableitfähigkeit und der geringe Raumbedarf bezeichnet. Die Raumersparnis ist deshalb von Bedeutung, weil man bei Rennmotoren, die ohnehin oft sehr kleine Zylinder haben, gerne möglichst grosse Ventile verwendet, die für die Kerzen sehr wenig Platz übrig lassen. Auch mit Rücksicht auf die Anbringung der starken Ventilfedern von Rennmotoren ist eine möglichst kleine Ausführung der Kerzen erwünscht, -s. Beleuchtung unter der Motorhaube. Moderne Wagen sind oft mit Leuchtkörpern an allen möglichen Stellen ausgerüstet. Merkwürdigerweise fehlt aber fast immer eine Beleuchtung unter der Motorhaube, obschon eine solche im Fall von Pannen bei Nacht ausserordentlich gute Dienste leisten kann. Mit wenig Kosten Iässt sich aber natürlich eine derartige Beleuchtung auch nachträglich einrichten. Es genügt, wenn dazu beidseitig des Motorblockes eine der kleinen Lampen, wie sie für die Instrumentenbeleuchtung angewandt werden, befestigt wird. Die Lampen sind so anzuschliessen, dass beim Herausziehen des Zündungsschlüssels ihre Stromzufuhr selbsttätig unterbrochen wird, damit es nicht vorkommen kann, dass man versehentlich die Beleuchtung vielleicht Wochen- oder wenigstens tagelang eingeschaltet lässt. -thy- Verwendung alter Drahtspeichen als Schaber. Aus alten Stahlspeichen lassen sich, indem man das vorher glühend gemachte Ende mit dem Hammer auf einem Amboss breitschlägt und eventuell noch umbiegt, handr liehe kleine Schaber herstellen, die z. B. beim Entrussen des Motors gute Dienste leisten. Die beistehenden Skizzen zeigen einige der in Frage kommenden Ausführungsformen. hend beschriebene Trick sehr sein. erwünscht Durch Einfügen einer Feder kann man sich das Einschlagen der Ventile erleichtern. Schraubenzieher wird dann genfigen, um das Ventil jeweils von seiner Sitzfläche zu heben. -at men, dass entweder das kalte, in diesem Zustand dickflüssige Getriebeöl die Schaltbewegung hemmt, oder dass sich die Kupplung in kaltem Zustand nicht vollständig ausrücken lässt. Da die Schaltschwierigkeit nur in einem Gang auftritt, ist ihre Ursache eher im Getriebe zu suchen. In erster Linie würden wir Ihnen empfehlen, den Arretierungsmechanismus des zweiten Ganges nachsehen zu lassen. Vielleicht lässt sich hier eine schwächere Arretierfeder verwenden, ohne dass der Gang nachher Neigung zum Herausfallen zeigt. -at- Frage 9403. Blockieren der Bremsen. Wie kommt es, dass bei meinem Wagen nach langem Regen und nach Waschen desselben die Bremsen blockieren, und zwar so etark, dass bei einem leichten Druck auf das Bremspedal der Wagen plötzlich bockstill steht? Was lässt eich event. dagegen tun? W. S. in Z. Antwort: Das störende Verhalten Ihrer Bremsen kann entweder durch eine falsche Bremseinstßllung oder durch einen, ungeeigneten Bremsbelag oder durch beide Ursachen zugleich veranlagst sein. Bei Bremsen, bei denen eine Servowirkung zufolge einer besonderen Bremsbacken- Anordnung zustande kommt, ist im allgemeinen ein harter, öl- und wasserundurchlässiger Bremsbelag zu verwenden. Andernfalls wird die Bremswirkung stark ungleich. Sie ist sehr schwach bei verölten Belägen, mangelhaft bei ganz trockenen Belägen und häufig übermässig stark bei leicht angefeuchteten Belägen, während aber gewöhnlich Wer hat in diesem Fall für die Umänderungt-* kosten aufzukommen, der Experte, welcher den Wa-* gen in dem vorgeführten Zustand zum Verkehr raliess, oder ich? Welche Schritte habe ich zu unternehmen, denn der Experte drohte mit dem Entzug der Vcrkehrsbewilligung, falls die Ladebrücke, bis Ende April nicht nach den gesetzlichen Bestimmungen umgeändert worden sei? A. H. in A. Antwort: Gemäss Art. 12, AI. 3, letzter Sato der Vollziehungsverordnung vom 25. November 1932 zum Bundesgesetz vom 15. März -1932 über den Motorfahrzeug- und den Fahrradverkehr darf die Ladebrücke seitlich nicht mehr als 10 cm über däa äussere Reifenende, auf keinen Fall über die Kotflügel hinausragen. Zum Sammeln von Erfahrungen konnte aber das eidg. Justiz- und Polizeidepartement nach Inkrafttreten des M. F. G. und der zndienenden V. V. 0. nach Abhörung von Fachleute» für eine beschränkte Zeit solche Vorrichtungen zulassen, die von den Vorschriften der Verordnung abweichen. (Vgl. V. V. 0. Art. 12, AI. 5.) Um einen solchen Fall muss es sich u. E. bei Ihnen handeln. Die zu breite Ladebrücke war offenbar bei der ersten Abnahme Ihres Wagens und den verschiedenen Kontrollen noch zugelassen. Der Ablauf der in Art. 82 der zitierten V. V. 0. festgelegten Uebergangszeit einerseits und der Umstand, dass das eidg. Justizund Polizeidepartement nach den schlimmen Erfahrungen mit den zu weit über das äussere Reifenende hinausragenden Ladebrücken die strikte Befolgung der in Art. 12, AI. 3, letzter Satz, enthaltenen Bestimmung verlangen musste, andererseits, führten wohl zu der Ihnen unverständlich erscheinenden Stellungnahme des kantonalen Experten anlässlich der Nachkontrolle. Sie würden unter diesen Umständen u. E. gegen den Experten nichts ausrichten können, und wir raten Ihnen deshalb in Ihrem Interesse, die Umänderung der Ladebrück vornehmen zu lassen. • OCCASIONS-WAGEN zu jedem Preis abzugeben Chrysler Limousine Mod. 72 Chrysler Roadster Mod. 75 Stutz-Torpedo, 8 Zyl. 7 Pl. Fiat Limousine, Type 502 Willys Knight 15 PS, Limous. sowie einige zurückgenommene MINERVA 10 u. 27 PS zu sehr günstigen Preisen. Auskünfte u. Probefahrten durch die MINERVA Fabrikniederlage Utoquai 29 ZÜRICH Tel. 27.083 Verlangen Sie unseren neuen Tarif mit herabgesetzten Preisen der neuen Modelle. 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Eine solche Falecheinstel- auf den Ventilschaft vor dem Einsetzen des Ventils eine leichte Schraubenfeder.- Ein lung. kann sich auch aus e^ner übermässigen Abriützung der Beläge* oder durch Abnützung der leichtes Vermindern des Druckes "auf Ge- HUP- CABRIOLET SMplätzig, 1929, 17 PS, 46 000 km 67362 Fr. 2000.— in tadellosem Zustande. Tel. 920.924, Zürich. Händler kauft gegen bar rassigen Sportwagen nicht über 13 PS. Bevorzugt werden Bugatti, M. G. oder Alfa Romeo. Es kommt nur neueres Modell, wirklich gute Occasion, in Frage. Nähere Angaben event. Photo senden unt. Chiffre 67370 an die Automobil-Revue. Bern. GRAND GARAGE PLACE ED. CLAPAREDE S. A. Qeneve, place Claparede 1 Charles NIGG, Administr. Tel. 41.244 Garage mit Platz für 200 Wagen. Boxen. Vertretungen: Hupmobile, Morris Ersatzteillager Sehr günstige Gelegenheit! 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Bern, Dienstag, 7. Mai 1935 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 37 Sxhicksal im Stoäen Peter und Franz arbeiten im Stollen 15. Ein schmaler Schienenstrang, der im Ungewissen Schein der Karbidlampen aus der Schwärze des Bodens aufblinkt, verliert sich im Schatten des Stollens. Aus der Fern©, wo der Schimmer elektrischer Lampen winkt, kommt das Geklingel der Kettenbahn und das Rollen der schwerbeladenen Wagen herfiber. Stumm und ruhelos arbeiten dte Männer. Sie schwingen ihre Spitzhacken gegen die .schwarzen Wände und schaufeln die herabstürzenden zackigen Kohlebrocken auf den Wagen. Kein Wort fällt dabei. Wenn die gefüllten Schaufeln sich über dem Wagen begegnen, wenn Peter dem andern hilft, den vollen Wagen über die Steigung hinwegzuschieben, blicken sie einander nicht an. Vor drei Tagen war noch alles anders gewesen. Da ermunterten sie sich mit Scherzworten tmd kameradschaftlichen Gesprächen. Vor drei Tagen waren sie noch Freunde. Aber dann hat Peter erfahren, dass Franz und Gertrud sich am Sonntag in einem Vorstadtgarten trafen, während er zur Schicht hinunter musste in den Schacht. Und Gertrud ist das Mädchen, das Peter liebt. Doch nun ist alles offenbar geworden, und Ungewissheit, Misstrauen und Hass stehen zwischen den Freunden wie unübersteigbare Mauern. Um 10 Uhr heult die Sirene : Frühstückspause ! Auf Brettern lassen sich die Männer nieder, die Breite des Stollens zwischen sich, die Augen gegen die dunkle Decke gerichtet. In Gedanken versunken essen sie ihr Brot. In die tiefe Stille dröhnen jetzt die Sprengschüsse aus dem Stollen 13. Da bahnen sie sich einen Weg durch die Granitwand, die sich zwischen den weichen Kohleflössen aufgetürmt hat. Dumpf rollt der Donner durch die Gewölbe und Gänge der Grube. Plötzlich, bei einer neuen Detonation, erbebt der Boden, dass die Ruhenden von ihren Brettern geschleudert werden. Ein furchtbarer Erdstoss folgt, die Balken, auf denen die Stollendecke ruht, splittern wie Streichhölzer auseinander, die Lampen werden herabgeschleudert und verlöschen, und jetzt... jetzt bricht auch das Deckengerüst, und eine Masse von Kohlegestein, Schutt und Erde stürzt hernieder, alles unter sich zermalmend und verschüttend. Im gleichen Augenblick, als die Lampen verloschen, ist Peter blitzschnell unter den eisernen Wagen gekrochen und liegt nun nnter ihm zwischen den Schienen. Ringsum sind Geröll und Erde aufgetürmt, wohin er fühlt. Er horcht einen Augenblick in die Stille hinein. Tödliches Schweigen. «Franz» ruft er. Aber alles bleibt still, und seine Stimme klingt dumpf und leise. Mühsam arbeitet er sich unter dem Wagen hervor. Er findet die Spitzhacke. Hier, in der Mitte des Stollens, ist nur etwas lockerer Schutt niedergegan-. gen, da haben die Stützbalken doch gehalten. Aber an beiden Wänden und 10 Meter hinter ihm, nach dem Hauptstollen zu, ist alles zugeschüttet. Wo vorhin das Licht der Grubenbahn glänzte, steht jetzt eine schwarze Wand. Der Stollen ist abgeschnitten, vom Leben und von den Kameraden. Und Franz ? Peter hat allen Groll vergessen. Und als ein wilder Gedanke aus verborgenem Dunkel seine Seele berührt, schämt er sich fast und weiss nur: ein Kamerad, ein Kumpel liegt irgendwo unter dem Schutt oder hinter zerknickten Balken ! Er ruft von neuem, tastet alle Wände und Winkel ab und durchwühlt Geröll und Erde. Nichts.- Da... was war das ? Hinter einer Schuttmauer klopft er unaufhörlich, heftig und schnell wie in höchster Not. Franz ist hinter der Mauer und hat keine Spitzhacke, um sich hindurchzuarbeiten ! Da beginnt Peter, in fliegender Hast seine Hacke zu schwingen. Herabstürzende Steinbrocken schlagen ihm Gesicht und Arme blutig. Immer wilder und verbissener schlägt Peter in das Gestein. Schon wird drüben das Klopfen schwächer, unregelmässiger. Nur nicht zu spät kommen, denkt Peter. Horch! Auch am Stolleneingang sind nun Schläge zu hören. Die Kameraden sind da. Aber Peter antwortet nicht. Nur erst den Franz retten, die andern können warten! Jetzt durchstösst die Spitzhacke das letzte GeröH und dringt knirschend in einen Ihalbzerbrochenen Balken. Mit den Fäusten wühlt Peter das Loch noch grösser und ruft den Namen des Kumpels. Aber es bleibt still drüben. Und als Peters ausgestreckte Hand durch die Oefmuiig hindurchtastet, ergreift, sie einen reglos herabhängenden Arm., An dem leblosen Körper fährt Peters Hatid entlang, reisst dem Kameraden das Hemd auf und legt sich auf die Brust des Stummen : das Herz schlägt noch! Peter holt ein Rumfläschchen aus der Tasche und flösst Franz ein paar Tropfen ein. Franz ist bald wieder bei vollem Bewusstsein. < Wir wollen den verdammten Balken umbrechen», sagt Peter, «eher kommst du aus dem Loch nicht heraus. » Mit vereinten Kräften rütteln sie an dem angeknickten Balken — da geschieht das Unglück. Ein riesiger Stein stürzt, haltlos geworden, von der Decke und reisst Peter zu Boden ! Mit einem dumpfen Schmerzlaut bricht er zusammen und liegt reglos zwischen Schutt und Steinen. Franz klettert über den Balken in den Stollen hinein. «Peter!» ruft er, < Peter ! Was ist denn geschehen ? » Aber Peter ächzt nur, und ein seltsam rasselndes Atmen dringt aus seinem blutenden Mund. Der Stein hat ihm Rippen und Lunge zerquetscht Als Franz sich nun über den Kameraden beugt, packt ihn Peters Hand mit einem eisern festen Griff und zieht ihn zu sich herab. Franz legt sein Ohr an Peters Lippen, um sein Flüstern zu verstehen. < Franz», röchelt der Kamerad, «die Gertrud, ich weiss, du hast sie lieb...» Peter wehrt mit einer Handbewegung alles ab, was Franz sagen möchte. «Die Gertrud, Franz ! » flüstert er und umpresst fester den Arm, « du darfst sie nicht verlassen, Franz ! Versprich es mir!» Und Franz drückt dem Sterbenden fest und innig die Hand zum Gelöbnis. Da geht Ach, Auguste, als ich Deinen Brief bekam, musste ich lachen und war auch stolz. Ich soll dir sagen, wie ich es mache, dass meine Ehe so glücklich ist. Ich will Dir ganz einfach die Geschichte meiner Ehe erzählen, vielleicht lernst du etwas daraus: Du weisst, ich habe Peter aus. Liebe geheiratet. Aber bald nach der Hochzeit zeigte es sich, dass eine Ehe viel heikler und empfindlicher ist, wie man sich vorher vorstellt. Nichts ist so unbedeutend, um nicht eine Ehe zerstören zu können. Es handelt sich um tägliche Gleichheiten, die schwer auszuhalten sind, Nichtigkeiten, deren Schluß summe zu unwahrscheinlicher Grosse anschwillt. Zu Beginn geht alles wunderbar. Man ist immer beisammen und freut sich darüber. Wenn man traurig ist, von jener grundlosen Melancholie befallen, tröstet der andere liebevoll. Erst ganz, ganz langsam fangen die Kleinigkeiten an, die Nerven zu reizen. 5Es gibt Berufseignungsprüfungen für alle 'Berufe, nur nicht für die Ehe, das ist schade. "Wenn- 1 'Macchiavelli sägt: Zum Kriegführen gehört Geld, Geld und nochmals Gold, dann säge ich: Zürn Heiraten gehört Geduld, Geduld und nochmals Geduld, obwohl der Ratschlag mit dem Geld auch nicht schlecht ist. Peter und ich wären bei der Ehe-Eignungsprüfung wahrscheinlich durchgefallen, nach einem Jahr war unsere beiderseitige Geduld zu Ende. Eines Tages beschlossen wir, eine Mittelmeerreise zu machen. Aber noch nie waren wir so eng aufeinander angewiesen, wie auf dem hübschen, aber nicht grossen Passagierdampfer. Das Meer war wundervoll blau, die Sonne strahlte immer goldener über uns hin und unsere Laune wurde täglich matter, unsere Verstimmung stündlich grösser. Das Schiff hatte in Athen angelegt. Mit den anderen Passagieren zusammen durchwanderten wir die alte berühmte Stadt. Peter holte Briefe, die ihn hier postlagernd erwarteten. Als wir am Abend an Bord zurückkehrten, war er noch schweigsamer und missgestimmter wie sonst ein letztes und beinahe glückhaftes Lächeln über Peters Gesicht, und mit diesem Lächeln, das sein kohlegeschwärztes, blutiges Gesicht wundersam verklärt, geht er still hinüber in das ferne Land des Schweigens. Nach einer Stunde dringen die Kameraden in den verschütteten Stollen ein. Sie finden Franz, der im Schutt neben seinem toten Kumpei sitzt und noch immer seine Hand umschlossen hält. Da verklingt aller Jubel und alle Wiedersehensfreude, und der flakkernde Schein der Lampen geht schwankend über die ernsten und ergriffenen Gesichter. O.G. F. SJ& SO jw>tftefoatet, xds JO& Unsere Tischnachbarn fehlten zufällig an diesem Abend. Der erste Schiffsoffizier neben mir war abberufen worden, die Dame neben Peter vom Ausflug ermüdet. Dadurch Würde unsere Mahlzeit sehr still, denn Peter und ich hatten uns nichts zu sagen. Während des Essens fühlte ich, dass ich beobachtet wurde. Ich sah mich um und erkannte unter den in Athen neu an Bord Gekommenen eine einstige Schulkollegin und deren Mutter. Es war Tilla Schmidt. Du wirst Dich an sie erinnern, Auguste, sie kam oft zu uns und ich hatte ihr das Glück meiner Ehe stets in den glühendsten Farben gemalt — und da sass jetzt diese Tilla ausgerechnet an demselben langen Tisch, an dem Peter und ich stumm und missgestimmt unser Essen hinunterschluckten. Nun, gar so glücklich siehst du ja nicht aus, schienen ihre Augen zu sagen. Die Mutter lächelte geradezu aufreizend. Ich musste schleunigst eine Unterhaltung mit Peter beginnen. «Der Zander ist delikat», sagte ich, «schmeckt er dir, Peter?» Ich werde niemals die erstaunten Augen vergessen, mit denen Peter mich ansah. Sind wir denn schon so fremd, dachte ich erschrocken, dass mein Mann sich wundert, wenn ich ihn frage, ob ihm etwas schmeckt? Aus der Unterhaltung wurde nichts. Peter verschwand auf Deck, um zu rauchen, und ich ging und begrüsste Tilla und die alte Frau Schmidt. «Was für ein glücklicher Zufall führt uns auf diesem Schiff zusammen», flöteten beide, «du musst uns sofort deinem Mann vorstellen, wir kennen ihn ja leider noch nicht!» Peter in dieser Stimmung vorzustellen war einfach unmöglich. «Er ist heute zu müde», sagte ich, «wir haben den anstrengenden Tag in Athen hinter uns.» Am nächsten Morgen war ich so freundlich zu Peter, dass er aus dem Staunen gar nicht herauskam. Ich brachte ihn in eine halbwegs Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit fliess. Wasser o. Bad u.Tel. Zimmer v. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Lelmoruber, Bes. F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) Im letzten Augenblick musste ein herrlicher Tag wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen. Und Terry, der junge Terry war schuld daran. «Ich glaube, Sie waren grausam, Mr. Terry. Geradezu grausam.» «Was meinen Sie mit .grausam'?» «Oh, Sie verstehen, was ich meine. In •dieser Art anzudeuten, dass an Stelle dieser einen schrecklichen Abendgesellschaft, über die ich keine Gewalt hatte, mehrere stattgefunden haben konnten. Es lag eine gewisse Ueberlegung in Ihrer Absicht, mich bei Mrs. -Herrick in diesem Lichte erscheinen zu lassen.» «Zeigen Sie mir den Mann, wenn er ein Mann ist, der nicht damit prahlen wollte, Sie früher schon gekannt zu haben», knurrte Allen und zündete eine Zigarette an, so dass sein Gesicht beim Flackern aufleuchtete. Allen war betrunken. Es war schwer zu beurteilen, wie sehr betrunken. Ausser beim Aufflammen des Zündholzes. Wieder hatte er aufgeschwollene rote Ränder unter den Augen wie damals, in der Nacht der Gesellschaft. Schwere, feucht aussehende rote Ränder. «Was beabsichtigen Sie, dass Sie in der Ecke sitzen? Wollen Sie mich einladen, hinzukommen?» Oh, er verlor keine Zeit mit lästigem Geplänkel. «Ich werde Sie nicht beissen.» «Also, Mr. Terry, wir werden uns diese Wagenfahrt so angenehm gestalten, als wir können. Ist Mrs. Herrick nicht entzückend?» «Niemand war auf diesen Wiesen heute abend entzückend, ausser Ihnen. Sie sind wunderbar, und Sie wissen das, und verdammt, Sie sind so kalt wie Eis.» «Oh, Mr. Terry, machen wir etwas wie ein Spiel ab. Behandeln Sie mich auf dieselbe Weise, wie Sie eines dieser Mädchen, die heute dort waren, behandeln würden.» «Glauben Sie, dass irgend eine dort war, die ich mich bemühte, so oder so zu behandeln?» «Wir sind zwei Reisende, die durch Zufall in ein und derselben Richtung fahren. Es war sehr lieb von Ihnen, dass Sie mich mitgenommen haben. Wollen Sie es nicht dabei lassen, so als Mensch zu Mensch? Nicht als Mann zu Mannequin. Ha, ist das nicht ein vielsagender, höchst erfolgreicher Komödienstoff? Nicht! Mr. Terry!» «Was?» «Ich hasse es, berührt zu werden.» «Feuer kann Eis schmelzen.» «Ich muss Sie nochmals bitten. Bitte — nicht!» «Gut, dann setzen Sie mir keine Gedanken in den Kopf, indem Sie sich dort in die Ecke schmiegen, als ob Sie sich fürchteten, dass ich ansteckend sei.» Es mochte etwas daran sein! Es lag Politik darin, Allen Terry so zu behandeln. Plötzlich schien er noch betrunkener als zuvor. In allen ihren traurigen Erfahrungen mit Männern, die so neugierig in ihr Leben geschaut hatten, gab es einen Zustand, mit dem sie sich nicht ruhig messen konnte. Betrunkenheit. Männer mit wackelnden Köpfen. Mit roten Adern und roten Rändern in ihren Augen. Es mag etwas an dem sein, was Allen gerade sagte. Einen Gedanken in seinen Kopf setzen, dadurch, dass sie ihn wissen liess, dass sie ihn fürchtete oder verabscheute. «Es tut mir leid. Es ist bloss, weil es mir scheint, dass es in Ihrer Ecke ein bisschen kühler ist. Nun, ist es so besser?» «Verdammt, Sie glauben, dass ich berauscht bin, nicht wahr?» «Ah, sind Sie berauscht?» «Ich weiss nicht, ich scheine es so beinahe zu werden. Ich war nicht so sehr berauscht, als wir fortfuhren. Es ist das Opalwasser und der geschmuggelte Gin des alten Rhincoop. Ich glaube doch nicht, dass ich davon berauscht bin, wie ich es von Ihnen bin. Verdammt. Ich war von Ihnen berauscht, als ich Sie an diesem Nachmittag das erstemal erblickte. Warum, glauben Sie, bin ich denn bei den Possen dieser alten Damen geblieben? Zehn Minuten ist die Höchstgrenze für mich bei solchen Festen in der Nachbarschaft und ich blieb fünf Stunden heute abend. Sie. Sie. wissen, warum ich heute in die Stadt fahre. Verdammt. Sie. Sie. Sie.» Es schien klug zu sein, sich bloss in den Sitz hineinzudrücken, keine Bewegung zu wagen oder ihn irgendwie den abweisenden Schauder fühlen zu lassen. «Sie reden Unsinn, Mr. Terry.» «Mag sein, aber es ist herrlich, nach Ihnen verrückt zu sein. Ich hätte den jungen Innesbrook für jeden Moment, den er bei Ihnen steckte, ermorden können. Ich hätte diesem, blöd dreinsehenden Forscher den Schädel einschlagen können und dem Delano und dem ganzen Pack. Jedesmal, wenn sie Sie ansahen. Ich hätte auch den Richter und seine Frau ermorden können, die einen solchen Wirbel um Sie herum gemacht haben. Ich bin verrückt nach Ihnen, Orchid. Sie sind aus Eis und ich bin das Feuer, um Sie zu schmelzen.» «Nicht», sagte sie, ohne sich zu bewegen, aber ihre Hände gruben sich tief in die Polsterung. «Nicht!» «Wie soll ich wissen, ob Sie mich nicht bloss reizen wollen.» «Ich könnte Ihre Berührung nicht ertragen.» «Zu anspruchsvoll, wie?» «Sie sind berauscht.» «Ja, von Ihnen.» (Fortsetzung folgt.)