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E_1935_Zeitung_Nr.040

E_1935_Zeitung_Nr.040

BERN, Freitag, 17. Mai 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N« 40 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohjie Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Weltstatistik des Motorfahrzeugverkehrs Kraft ist Macht und eine starke Macht verkörpert sich im heutigen Strassenverkehr, darf doch zur Zeit die gesamte Leistungsfähigkeit des Weltbestandes an Automobilen auf über 500 Mill. PS geschätzt werden. Diese Ziffer lässt sich in ihrer Bedeutung erst dann richtig einschätzen, wenn man die 200 Mill. 'PS damit vergleicht, die im Jahre 1911 ge- «amthaft in Urproduktion, Industrie, Handel und Verkehr in Primärkraftmaschinen installiert waren. Von der totalen, dem Verkehr dienenden Kraft entfielen um das Jahr 1930 herum rund 40 Mill. PS auf Schiffe, 220 Mill. PS auf Lokomotiven und 540 Mill. PS auf Automobile und Motorräder, so dass im Transportwesen zusammen nicht weniger als 800 Mill. PS installiert waren. Im Verlauf von kaum zwei Jahrzehnten hat die verkehrsgewerblich verwendete Kraft eine Zunahme um den 5,4fachen Betrag, d. h. von 125 Mill. PS im Jahre 1911 auf 800 Mill. PS "Ende 1930 zu verzeichnen. Obschon auch die industrielle und landwirtschaftliche Kraft- Verwendung grosse Fortschritte zu verzeichnen hat, so ist in der nämlichen Vergleichs- 'periode die Grundkraft in Landwirtschaft •und Industrie nur von 75 auf 200 Mill. PS gestiegen, oder um 167%. Welche- Entwicklung der Weltbestand an Automobilen während den letzten 8 Jahren durchlaufen hat, geht aus nachstehender Zusammenstellung hervor: Jahr Weltbestand Amerika 1927 27.534.288 23.430.660 1928 29.640.535 24.814.323 1929 34.532.604 28.664.929 1930 35.750.776 28.754.361 1931 35.303.713 27.007.873 1932 33.333.028 26.238.202 1933 33.399.452 25.677.686 1934 34.927.121 26.615.262 Noch klarer kommt die Motorisierung des StrassenVerkehrs in einem Vergleich der Bevölkerungszahl eines bestimmten Landes zur Anzahl der Motorfahrzeuge zum Ausdruck, wie dies aus folgender Aufstellung ersichtlich ist: 1 Motorfahrzeug entfällt 1934 auf je ... Einwohner: Vereinigten Staaten von Amerika. 5 Neuseeland Kanada Australien 9 10 F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst (27. Fortsetzung.) Nach einer Weile, gerade als er im Begriffe war, seinen nervösen und hartnäckigen Finger wieder auf den Knopf zu setzen, wurde die Tür durch Mrs. Snuggs selbst geöffnet, die, mit ihren Lockenpapieren, in dem blauwollenen Ueberwurf mit den drei Seidenschleifen erschien. «Mrs. Snuggs, es tut mir leid. Tut mir furchtbar leid. Aber ich habe gerade telephonisch mit Miss Sargossa gesprochen und plötzlich war die Verbindung auf sehr sonderbare Art gestört. Die Zentrale behauptete, dass wir noch verbunden wären. Sie muss beim Apparat niedergefallen sein. Da dachte ich mir, ich springe in ein Taxi und komme herüber. Es kann doch sein, dass sie ohnmächtig geworden ist oder krank oder , sonst was. Sie hat bestimmt nicht abgehängt. Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn ich klopfe, nicht wahr, und ihr diese Zeitung mit meinen Grüssen übergebe?» Mrs. Snuggs machte es etwas aus. «Sie fühlt sich bestimmt wohl. Es scheint mir, dass ich Bewegung genug heute abend gehört habe. Treten Sie auf eine Minute ein und ich werde klopfen. Ich hasse so ein Benehmen.» Mrs Snuggs stand dort in der Erscheint Jeden Dienstag und Freitag INS ER TIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage ..Autler-Feiernbend". 6—8 mal jährlich „Gelbe List«'* Die achtgespaltene 2 mm hohe.Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenschluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Prankreich 22 Grossbritannien 27 Dänemark 29 Schweiz 41 Belgien 43 Schweden 44 Argentinien 44 Norwegen 52 Niederland 58 Deutschland 75 Italien 119 Spanien 134 Techechoslowakei 137 Oesterreich 171 Polen 1202 Russland 1578 Britisch Indien 2874 Jeder Verkehrsfortschritt bedeutet Leistungssteigerung der gesamten Wirtschaft. Noch nie wie in der Gegenwart ist diese in allen ihren Zweigen auf Verbesserung, Beschleunigung und Verbilligung der Verkehrsbedienung angewiesen, so dass, je stärker ein Land fortschrittliche Verkehrsformen zu entwickeln versteht, um so wirksamer auch zur Steigerung von Produktivkraft und Wohlstand beigetragen wird. Der beispiellose Aufstieg der amerikanischen Wirtschaft in der Nachkriegszeit stützt sich" zum grossten Teil auf die Motorisierung des Landes. Diese Entwicklung hat nicht zuletzt den eigentlichen Motorfahrzeugbau in- seiner Bedeutung weit über diejenige der Elektrotechnik, der chemisch-pharmazfeutlsdhen oder der Montan-, industrie hinausgehoben, sondern hat da- Europa Australien Asien Afrika 3.102.769 517.856 " 295.477 187.476 3.615.377 433.i49 348.496 229.190 4.218.986 802.774 522.419 323.496 5.287.472 805.545 551.467 351.931 5.586.320 772.287 . 566.353 ' 370.880 5.498.704 740.016 486.292 369.814 6 052.758 778.856 ' 506.925 383.227 6:559.751 800.693 543.035 408.380 schwarzen Halle mit dem Punkt roten Gaslichts, klopfte mit ihren knochigen Fingern an die Tür und streckte den von Lockenpapierspitzen starrenden Kopf vor. «Es scheint jetzt niemand da zu sein.» «Aber sie ist da, Mrs. Snuggs; ich habe gerade mit ihr gesprochen.» «Merkwürdig. Sehr merkwürdig.» «Bitte, erlauben Sie. Ich werde an die Klinke drücken. Sie., muss eingeschlafen sein. Oder das Wasser muss rinnen. Orchid, he. Hör' doch, ich bin's. Martin. Martin und Mrs. Snuggs. Oeffne die Türe, auch wenn du nicht angezogen bist öder sonst etwas. Ich habe dir die Morgenausgabe mitgebracht. Dachte mir, du wolltest ein bisschen hineinschauen. Ich werde sie ganz in der Nähe der Türe herlegen und weiterlaufen. Wir müssen unterbrochen worden sein. Orchid! Orchid?» Plötzlich wandte sich Martin zu Mrs. Snuggs und seine horngefassten Gläser leuchteten im Dunkeln. «Wir müssen ; mit Gewalt hinein, Mrs. Snuggs», sagte er. «Es ist etwas nicht in Ordnung.» Sogar nachdem der Lärm begonnen hatte, das Telephonieren und Hinundherlaufen und die nervenzerreissenden hysterischen Anfälle von Mrs. Snuggs und das verstohlene Hereinstarren der Nachbarn und Mitbewohner, als Orchid dort neben der Telephonpuppe ;n Ihrer langen Ohnmacht lag und Allen mit seinem aufwärtsgekehrten Gesicht und dem Atlascape, das an Sein Herz geheftet war, neben in seiner vielgestaltigen und weittragenden Ausstrahlung Millionen von Menschen Arbeit und Brot und Millionen von Unternehmungen neue Beschäftigungsmöglichkeiten gebracht. So wie die Verhältnisse in der Bauwirtschaft seit jeher als typische Könjunkturbarometer, besonders im Gebiet von Handwerk und Gewerbe, betrachtet werden konnten, so hat sich der. Beschäftigungsgrad in der Automobilindustrie in vielen Ländern zum industriellen Pulsfühler entwickelt. Obschon die Vereinigten Staaten von Amerika, trotz allen Kunstgriffen, noch weit davon entfernt sind, wiederum eine neue Prosperitätsaera auslösen zu können, weil stets noch drohend über dem gesamten geschäftlichen Leben das ungelöste Währungsproblem schwebt, so hat doch die Motorisierung auch im letzten Jahr und speziell im laufenden Berichtsabschnitt neue Fortschritte zu verzeichnen. Wenn schon in der 3. Aprilwoche J935 die gesamte 1932er-Jahresproduktion an Personen- und Lastwagen überschritten worden ist, so sind die Hoffnungen wohl verständlich, die man in Amerika auf eine von der Automobilindustrie ausgehenden industriellen Erholungswelle setzt. Zahlreiche Länder des alten Kontinents verzichten ebenfalls keineswegs auf die Vorteile der Motorisierung einer noch so hohen Entwicklung des Eisenbahnwesens gegenüber, sondern erkannten,, dass die vom Automobil in die Wirtschaft hineingetragenen Kräfte wichtiger sind als die vorübergehenden Schwierigkeiten einer Verkehrsumschichtung. Im Kampf zwischen Schiene und Strasse werden allzugern die Verkehrsverhältnisse negiert, die seinerzeit beim Anbruch des Eisenbahnzeitalters bestanden haben und welche Wirkungen die damalige Umstellung im gesamten Landverkehr auslöste. Aehnlich wie heute, zwei Jahrzehnte nach dem Völkerringen, lag damals im -Anschluss an die naipoleonischen Kriege dicganze - Weltwirtschaftam Boden. Es war. die Erfindung Stephansons und die dadufbli ausgelöste Investionswelle für die eisernen Schienenstrassen und ihre Bedürfnisse, welche eine grundlegende Strukturänderung in der gesamten Weltwirtschaft herbeiführte und das Gesicht der Wirtschaftsstaaten veränderte, ähnlich wie Ende des letzten und anfangs dieses Jahrhunderts die Elektrotechnik eine strukturelle Umwälzung nach sich zog. Stehen wir heute nicht vor einer ähnlichen konjunkturellen Umstellung, wo mit Hilfe des Explosionsmotors auf der Erde, zu Wasser und in der Luft eine neue Wirtschaftsstruktur sich anzubahnen beginnt? Verfolgen wir die langwelligen Krisenzyklen der letzten 100 Jahre, so waren es naturwissenschaftliche Erkenntnisse und technische Erfindungen, die das Antlitz der Weltwirtschaft grundlegend veränderten, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, so hat in naher Zukunft der Explosionsmotor eine ähnliche Aufgabe zu erfüllen. (Fortsetzung Seite 2.) raste in der Verwirrung und dem Schmerz ein Gedanke in Martins Kopf, wie eine Ratte in ihrem Käfig. Das war doch nicht wirklich Orchid, die dort halb nackt lag. Auch Terry, der betrunken war, würde sofort aufstehen und sich abbürsten. Terry war doch nicht erstochen worden. Wozu zum Teufel Hess diese heulende Hyäne von einer Hausfrau die vielen Leute in das Zimmer? Und schlimmer als alles war der eine Gedanke, der fortwährend raste und ihn glauben machte, er hätte zwei Köpfe und beide schmerzten ihn. Die Sonntag-Morgenausgabe da zu seinen Füssen, offen, wie sie jemand im Vorbeigehen, wie zum Hohn, vor seine Füsse geschleudert hatte, mit dem ersten aus der Reihe seiner Leitartikel. Es war teuflisch, dass der erste von ihnen im Druck ihm entgegenstarrte und dass die am Montag und Dienstag erscheinenden Fortsetzungen bereits gesetzt waren, jenseits aller Möglichkeit, sie zurückzuhalten. Es war noch teuflischer und noch stärkerer Hohn, dass jetzt, als er mit seinem doppelten Kopfschmerz dastand in der Verwirrung, die die kommenden Totenbeschauer angerichtet hatten, dass jetzt die Zeitung offen zu seinen Füssen liegen musste mit seinem Aufsatz: GESCHLECHTLOSE JUSTIZ ! GEBT MÖRDERINNEN GELEGENHEIT, FÜR IHR VERBRECHEN EINZUSTEHEN ! Wir berichten heute über. Tripolis-Nachlese. Die Unterschrift der Rennfahrer. Das Herz des Automobils. Automobil-Anssenhandel im Februar. Aus der Handelsluftfahrt der U.S.A. Bilder: Seite 8. «htf Fahrlässigkeit, Strafe und bedingte Verurteilung beim Verkehrsdelikt. Im Zusammenhang mit den verschiedenen Forderungen, die nach einer grösseren Sicherheit im Strassenverkehr verlangen, wird stets auch die Praxis der Gerichte genannt. Als eine Folge dieses Postulates hört man da und dort von einem Strafurteil, das als ausserordentlich streng bezeichnet werden muss und oftmals schon von der -urteilsfällenden Instanz als solches begründet wird. Demgegenüber stehen eine Grosszahl Von Urteilen, die in ihrer Milde auffallen oder sogar unverständlich sind. Diese letzten Entscheidungen nähren in wesentlichem Ausmasse die Forderung nach einer einheitlichen* und strengen Beurteilung der Verkehrsdelikte, also fahrlässige Körperverletzung oder Tötung. Wie bereits angedeutet, handelt es sich wohl selten oder nie um eine vorsätzliche strafwürdige Handlung. Das Charakteristikum beinahe aller Verkehrsvergehen ist die Fahrlässigkeit. Demnach müsste sich die Untersuchung über eine einheitliche Rechtsprechung vorerst mit diesem Begriff befassen. Trotz der verschiedenen Strafgesetzbücher, die im Gebiete der Schweiz zur Anwendung gelangen, darf angenommen werden, dass hierüber Einheitlichkeit besteht. Die Fahrlässigkeit kann und wird in weiterem Sinne mit den beiden Begriffen der Voraussicht und des pflichtwidrigen Verhaltens definiert. Herrgott, man konnte ja kaum denken. Diese heulende Hyäne von einer Hausfrau! Warum blieb Orchid in ihrer Ohnmacht? Es war zu dumm. Das Leben hatte ihn unter die Räder geraten lassen, das war alles. Warum zum Teufel blieb Orchid ohnmächtig? Sie musste doch zu sich kommen, um zu erklären. Dieser rotgesichtige humpelnde Kerl. Er musste ihn doch schon irgendwo gesehen haben. Ganz sicher. Als Bezirksinspektor in den alten Tagen, als Martin noch Poli- • zeireporter unten im siebzehnten Bezirk war. Inspektor Gallagher. Mein Gott, was soll der ganze Lärm? Warum lässt man diesen Haufen Menschen herein? Was zum Teufel schreiben sie in ihre Notizbücher? Und messen. Just wie in den alten Polizeireportertagen. «Hallo, Inspektor. Was machen Sie da?» «He, Innesbrook? Hab' Sie eine Ewigkeit nicht gesehen. Auf ein höheres Ross als Polizeireportage gestiegen, was? Sieht bös aus, das, nicht wahr?» «Was?» «Sie hat ihn erstochen, so sicher wie nur.» «Wer?» «Martin», schrie Orchid, öffnete die Augen • und streckte die Hand nach ihm aus. «Martin, ich habe geträumt — er — er — ist nach vorne gefallen. Auf den Schmuck —erstochen!» «Natürlich. Tja. So haben wir ihn auch; gefunden. Mit dem Gesicht nach oben und den Dolch in seiner Brust. Sieht genau so aus,