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E_1935_Zeitung_Nr.044

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BERN, Freitag, 31. Mai 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» "4t" ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insa senversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Das Befahren der Alpenstrassen Mit Rücksicht auf die prächtigen Landschaftsbilder, die dem Automobilisten durch Alpenfahrten sich erschliessen, werden in den meisten Fällen Ferienfahrten und kürzere Wochenendfahrten so projektiert, dass sie wenigstens zum Teil durch die Alpen führen. Die Schweiz ist in der glücklichen Lage, eine grosse Anzahl hervorragendster Alpenstrassen zu besitzen, ja, man kann sogar sagen, die Schweiz ist das klassische Land der Alpenstrassen. Von den 25 Passstrassen der Schweiz erreichen 14 eine Höhe von mehr als 2000 m. Die Schweiz hat demnach den verhältnismässig grössten Anteil an ausgesprochenen Hochgebirgsstrassen unter allen fünf Staaten, die über Alpenstrassen verfügen. Es ist selbstverständlich, dass Fahrten über die Alpenstrassen auf verschiedenen Gebieten besondere Kenntnisse erfordern. Vor allem äst eine besondere Fahrkunst nötig, da vom Motor ungleich mehr verlangt wird, als bei Fahrten auf ebener Strecke. Ausserdem muss sich der Lenker eines Motorfahrzeuges bei Befahren von Alpenstrassen der besonderen Schwierigkeiten bewusst sein, die durch die geringe Breite der Strassen, durch die Bildung sandiger Oberflächen In den "Kurven und durch die unzähligen, engen und zum grossen Teil unübersichtlichen Kuryen gegeben sind. Zu all dem kommen noch die besondern Vorschriften für die Bergpoststrassen, die der Automobilist kennen muss, um nicht in gefährliche Situationen zu geraten. Im folgenden sollen dem Automobilist in Kürze einige Fingerzeige gegeben werden, die sich auf eine langjährige Fahrpraxis stützen und die vor allem für den Anfänger von Wert sein dürften. Motortechnisches. Man trifft auf Alpenstrassen nicht selten Motorfahrzeuge an, die die Weiterfahrt wegen Ueberhitzung des Motors unterbrechen müssen, um den Motor abkühlen lassen zu können. In fast sämtlichen Fällen ist dies auf eine schlechte Handhabung der Maschine zurückzuführen. Die Zahl jener Motorfahrzeuge, die Paßstrassen nicht in einem Zuge befahren können, weil sie infolge konstruktiver Fehler unter allen Umständen zu heiss werden, ist so gering, dass hier von ihnen nicht gesprochen werden muss. Hingegen kann man, wenn man eine gehörige Portion von Ungeschicklichkeit einsetzt, auch den Motor des besten Automobils auf der Bergstrasse so überhitzen, dass die Weiterfahrt nicht möglich ist. Das Geheimnis für die Vermeidung solcher Zwischenfälle besteht darin, dass man nie zuviel Gas gibt. Es ist eine Grundregel des Alpenfahrens, höchstens nur Dreiviertel F E U I L L E T O N Mannequin. Roman von Fannie Hurst (31. Fortsetzung.) «Sehen Sie doch, Euer Ehren, dass mein ganzes Leben ein, wie man sagen würde, nun, ich meine, die Mutter, wie Sie wissen, meine Mutter war, wenn sie auch gut zu mir war, doch, irgendwie nicht — nun wie soll ich das sagen?» tatsächlich keine Schwierigkeit besteht, dass das nachfolgende Fahrzeug vorfährt. Die Verantwortung .für das Vorfahren trifft zwar stets in erster Linie den überholenden Fahrer. Es kann jedoch kein Zweifel bestehen, dass dann, wenn der überholte Fahrer zur unrichtigen Zeit — beispielsweise, wenn er ein entgegenkommendes Fahrzeug sieht — ein Zeichen zum Vorfahren gibt, eine gewisse Mitverantw.ortüchkeit an einem etwa entstehenden Unfall trägt. Eine weitere wichtige Regel für das Ueberholen liegt darin, dass das überholte Fahrzeug während des Vorganges einer Ueberholung die Geschwindigkeit herabsetzt, zum mindestens nicht weiter steigert. Dadurch wird eine unnötige Verlängerung des Vorfahren« verhindert. Es besteht zwar keine gesetzliche Vorschrift, dass das überholte Fährzeug die Geschwindigkeit vermindern müsse, aber es gilt als eine Regel der Sicherheit des Strassenverkehrs und es liegt auch im Interesse des überholten Fahrers, wenn er nicht zu lange auf gleicher Höhe mit dem vorfahrenden Fahrzeug fährt. Die Bergpoststrassen. Von grösster Bedeutung für die Verkehrssicherheit ist auch die genaue Kenntnis der besonderen Bestimmungen hinsichtlich des Befahrens der Alpenstrassen durch Postautomobile. Da es sich bei diesen Fahrzeugen um öffentliche Verkehrsmittel handelt, geniessen dieselben verschiedene Vorrechte. Vor allem weichen die Postautomobile einem vorfahrenden Motorfahrzeug sowie einem schweren Fuhrwerk immer bergwärts aus — ohne Rücksicht darauf, ob es sich um die dass eine spanische Wand vor die Beine einer schönen Angeklagten gestellt werde. Ihr Männer, ihr Bürger, ihr Familienväter, könnt ihr hier sitzen und zusehen, wie nicht nur ihr lächerlich gemacht werdet, sondern auch eure Regierung verhöhnt und das Wohl dieser Demokratie am Felsen der Geschlechtssentimentalität in Gefahr gebracht wird? Zwei Aerzte haben Ihnen gesagt und dargestellt, wie diese Frau einen Dolch in ein lebendes, schlagendes Herz stiess — in das Herz eines Mannes. Ist die Gleichheit der Geschlechter bloss ein Witz ? Oh Martin, das sind doch deine eigenen Worte. Worte, die wir zusammen ausgedacht haben in jenen lieben, alten unglaublich fernen Tagen. Martin, ist das der Scheiterhaufen, den du, wie du sagtest, unter uns errichtet hast? Aber ist es nicht schön, dass der Staatsanwalt und jeder Mensch dich zitieren! Martin, ich bin stolz auf dich. Peng. Peng. Peng. Man muss zuhören. Der schreckliche Staatsanwalt schreit zu den Geschworenen. Die Geschworenen runzeln die Stirn. «Männer, das ist ein Fall der Justiz, nicht