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E_1935_Zeitung_Nr.043

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — N* 43 £.

Bern, Dienstag, 28. Mai 1935 III. Blattder „Automobil-Revue"No. 43 !BCamen Von Hermann Hesse. Euch, schöne Schwestern, liebe ich mit Neid, Denn euer Leben scheint so sanft und selig, Ihr seid der Erde Schleier und Geschmeid, Schmückt sie mit Farben kostbar und unzählig. Das Sonnenlicht strahlt wärmer und beseelt, Darf es in euren Farbenkelchen glühen; Ach, alles, was uns Menschentieren fehlt, Sehn wir in euch rein und vollendet blühen. Aus schönen Kinderaugen strahlet ihr Der Erdenmutter liebevolle Treue: Wir lieben euch, und dennoch brechen wir Und töten euch, und fühlen keine Reue. Wim Der berühmteste aller Monate ist der Mau Sein Ruhm glänzt herauf durch alle Jahrhunderte und erneuert sich jedes Jahr wieder. Man blickt in ihn wie in einen Spiegel, der alles jünger und froher macht und selbst dem Schmerz ein wenig den Stachel nimmt. Sein Name schon jauchzt zuversichtlich wie ein Lied, deshalb wurde er von jeher besungen, als gelte es, nicht nur den strahlenden Mai, sondern die Schönheit und den Triumph des Lebens überhaupt zu besingen. Wer im Mai seines Lebens steht, hat allen Grund, das Dasein und den Mai grenzenlos zu preisen, denn der Mai ist ja die Ueberschwenglichkeit selbst. Das Rauschen der Wasser, das Wehen des Windes und der Gesang der Vögel hören sich an wie ein überirdisches Tedeum. Alles ist frisch, jung und grün, von der Sonne vergoldet, glänzt wie der Himmel selbst weithintragend. Die Tage sind den Nächten gleich, eine Klarheit geht von ihnen aus, die jedes Dunkel anmutig licht macht. Ein geheimnisvoller Reiz durchtränkt die Luft, überspannt alle Wege, leuchtet durch die Wälder, blüht aus den Gärten und aus den Augen der Menschen. Flieder, blau und weiss, nickt dir fröhlich über alle Zäune entgegen, und du fühlst seine süsse Gewalt noch im Weiterschreiten. Alleen von Goldregen und Hagedorn säumen dein Wachen und Träumen und begleiten dich in den Schlaf. Die Kastanienkerzen üben den ganzen Tag eine zauberhafte Herrschaft aus, wie die Sterne über die Nacht, die ganz paradiesisch leuchtet. Die Löwenzahnwiesen werfen sich deinem Fusse mit einer so ungestüm einladenden Gebärde entgegen, dass du vor dem Ansturm deine ganze Kraft der Abwehr zusammennehmen musst. Und erst die Bäume, die Kirschbäume, die Apfelbäume und die vielen anderen! Das ist zu viel, das gibt dir den Rest, und halb ohnmächtig sinkst du unter der Last des trunkenen Gefühles zusammen, das frei im Gesang werden möchte und doch nicht kann, suchst mit der Hand im Taumel, der dich wie in einen verheerenden Wirbel zieht, nach' einem Halt und erwachst erst wieder in erleichterndem Aufatmen, wenn deinen Arm eine Hand stützt, dem der Orkan des Mai zugesetzt hat. Die Lippen schweigen, aber das Zittern der Herzen spricht mehr als alle Macht der Worte. Der Mai redet, der die Liebe ist. Die ungeheure Zärtlichkeit, die dich schwellt, lässt nur Seufzer und Tränen überfliessen, die sich wie heimliche Schreie anhören. Das Schwelgen nimmt kein Ende, es wirkt überwältigend wie ein Atem, der dich aus der Ewigkeit her streift. Ach, wozu Worte, wo alles um dich und in dir auf dich einredent mit einer rasenden Leidenschaft, als stünde alles lichterloh in Brand, als brenne die Welt und der Mai und wollten dich verschlingen. Der Mai ist die Auferstehung der Welt und (der Menschen und Kreatur. E.W. Kaum ist.der Lern• ,zn uns •gekommen**«-»" Mit Veilchenduft und Vogelsang, Und. kaum, dassBlüten rings erglommen.«« Am Waldesrand, an Busch und Hang, : Da bringt auch wieder um- die Kunde Ein holder Feiertag im Mai, Dass einst der Herr mit Gott.im Bunde Zum Himmel aufgefahren sei.. Frühling am Vierwaldstäftersee. Weggis im Blütenzauber. Erkennt: Die Lerche in den Lüften Fliegt jubelnd auf zum Himmelsdom, Und himmelwärts selbst von den Grüften Streu'n Blumen köstliches Arom.,. Excelsior! Die Glocken klingen Bis in den Himmel hoch hinauf, Drum, gläub'ge Andacht, magst du schwingen Dich selber heute himmelauf! Auf dunkelgelbem, jäh abstürzendem Lehmufer steht eine halbe Kirche. Wo einst der Altar ernste Gläubige um sich sammelte, breitet ein Busch wilder Rosen seine tausend Herrlichkeiten aus; wie das Gebetsmurmeln einer unsichtbaren Gemeinde raunt das ewige Geräusch der Wellen zu den leeren Spitzbogerifenstern empor. In schrecklicher Anklage starrt das entseelte Gotteshaus auf die See, die in herrischer Besitzgier sich sogar der armen Toten bemächtigt hatte, von deren zerstörter Ruhestatt kein Kreuz, kein Hügel mehr kündet. — Einen Genossen hat die alte Kirche, mit dem sie oft stumme Zwiesprache hält; das ist das uralte ehemalige Pfarrhaus, noch unverletzt, aber dennoch wie sie dem sicheren Untergang geweiht. Das ausgediente Pfarrhaus hatte man für billiges Geld an Lene Martens vermietet, als Zum JiulfafaUstaq. Von Emil Hüsli. Die atte Jtiiche Von Maria Dehn. Es klingt wie eine heil'ge Sage, ~ Ein frommes Märchen uns ins Ohr.., Und doch, was soll des Zweifels Trage? Noch siegt der Ruf: Excelsior! Excelsior! Wenn unsre Seelen Die Schwingen heben himmelwärts, Dann braucht kein Zweifel uns zu quälen, Und Glaubensglück erfüllt das Herz. sie mit einem sehr kleinen Kinde als blutjunge Witwe in das Heimatdorf zurückkam. Ein sinkender Kreuzer hatte ihr kurzes kleines Glück in die Tiefe gezogen. Nun war ihr stilles Leben in der alten Heimat schon mehrere Jahre hingeronnen, wie die Sandkörnohen am Strande dahinrinnen, gleichmässig, unaufhaltsam, ohne Markstein. — Lene Martens hatte wenig Verbindung mit den Dorfleuten. Nur die Pastorin, eine starke, warmäugige, kinderlose Frau, sprach hin und wieder in dem alten Haus an der See vor. Sie hatte schon, als Lene noch Schulmädchen war, Interesse für das schüchterne, zierliche Kind gehabt, das so merkwürdig von allen andern abstach. " Der Aprilsturm hatte einen neuen jungen Lehrer in das Dorf geweht. Der bezog mit wenig Möbeln und viel Idealen und Plänen den kahlen weissen Schulhauswürfel. Lene Martens, die so nah wohnte und «nichts zu tun» hatte, wurde als geeignete Person befunden, dem Unbeweibten das Hauswesen in Ordnung zu halten. — So ging sie jetzt jeden Morgen, ihre Kleine an der Hand, ins Lehrerhaus. «Annemarie» hatte sie damals vor bald: acht Jahren voll Stolz und Glück ihr Erstes genannt. Doch im Dorf rief man das kleine, derbe, weissblonde Ding nur Mieke. Wenn Mleke hinter der Klassentür verschwunden war, begann Lene ihre stille Arbeit in Fritz Reichardts kahlen Stuben. Kaum dass er einmal in der Pause herüberkam, um in seiner hastigen Weise Frühstück zu essen. Lene hatte bald heraus, dass Geigenkasten und Klavier dem Lehrer das Wichtigste in der Wohnung waren, und so rieb und putzte'sie diese Dinge täglich zu spiegelnder Glätte. Als im Garten an der Südseite ihres Hauses wahre Heerscharen von Tulpen prangten, stellte sie Arme voll davon dem Lehrer in die Stube. Wenn der Beschenkte einmal ein kurzes Wort des Dankes fand, stieg ihr das helle Rot ganz langsam vom Halse bis an die silberigblonden Haare empor. «Sie hat mediale Augen», dachte Fritz Reichardt. — Da der junge Lehrer das Mittagessen im Gasthof einnahm, brauchte Lene Martens erst gegen Abend wiederzukommen, um für das Abendbrot und den nächsten Morgen vorzusorgen. Dazwischen lagen in diesen wundervollen, ganz aus der Rolle fallenden Maitagen viele Nachmittage, an denen sie still mit einer Näherei stundenlang vor ihrem Hause sass. Die See breitete sich in der Tiefe wie ein hellblauseidener Teppich; lustige Uferschwalben hielten Schwatzkränzchen ab vor ihren Wohnungen im senkrecht abfallenden Lehrriufer. — Oft Hess Lene Martens in diesen Frühlingstagen die Handarbeit sinken; Bilder aus ihrer kurzen Ehe stiegen vor ihr auf, fern und unwirklich. Maiäbende" von betörender' ScHönheif zogen heran. Die See hüllte sich in elften Mantel von dunklem Silber; bei ihrem leisen Atmen wogte ihr Saum in purpurenen Falten an den Strand. Wenn noch letzter Sonnen-* abglanz rot auf dem 'Giebel der zerstörten Kirche lag, schaute schon der zarte Mond durch das schwarze Nadelgewirr der beiden alten Kiefern, die einander umschlungen hielten wie ein im Grauen vor Vernichtung erstarrtes Menschenpaar. An einem solchen Abend ging Lene Martens fleissig mit der Giesskanne im Lehrergarten bin und her. Man sagte ihr eine glückliche Hand in der Blumenpflege nach. Fritz Reichardt musizierte, wie immer in freien Stunden, Sehnsucht, Trauer, Verlangen, Ungeduld klangen in seinem Spiel. Er klagte um ein heisses junges Leben, das, an karge Alltäglichkeit angeschmiedet, sich voll Inbrunst nach der Höhe sehnte. Oft sah er sich im Geiste als Dirigenten, einer atemlos lauschenden Menge Welten von Schönheit hinbreitend. In ihm stritt der Wille zur Resignation mit der vagen Hoffnung auf den Glücksfall, auf die unbekannte Macht von draussen, die ihm die Möglichkeit des Aufstiegs bringen sollte. Lene hatte bis jetzt wenig Musik gehört. Als nun der Lehrer mit weicher Stimme von Maienliebe, von Scheiden und Meiden sang, stellte sie sich leise an die Hauswand, neben das offene Fenster. Diese Musik war ihr ganz nah, erregte sie zutiefst. Alles Unerfüllte wachte zu: dumpfem Leben auf. Ganz eng presste sie sich an die Mauer, Tränen zwischen den hellen Wimpern ihrer geschlossenen Augen. — So fand Fritz Reichardt sie, als er in die Haustür trat. Voll Erstaunen, etwas verlegen, bat er sie einzutreten, wenn sie vielleicht gern zuhöre. Sie folgte ihm wortlos ins Zimmer. «Was soll ich spielen, Frau Martens?» «Wieder singen», bat sie Sonnenbräunen, gipfelkraxeln, tennisspielen oder nach altbewährtem Rezept ganz einfach Faulpelz sein? — Ein Rat: Kommen Sie zu uns nach Adelheiden, Sie finden alles nach Lust und Laune: Die schneeigen Dreitausender zum Greifen nah, fünf Tennisplätze und ein grosses Privatschwimmbad im Park, vortreffliches Orchester, Gymnastik- und Tennis- Trainer, Garage und — volle Pension von Fr. 10.- an pro Tag. Berichten Sie uns, damit wir Sie eingehend informieren können. ^^-v**«^^