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E_1935_Zeitung_Nr.046

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16 AUTOftföBTL-REVUE

16 AUTOftföBTL-REVUE 1935 W> 46 DKW-Bulletin in anerkannt vorzüglicher Qualität. Wir übernehmen auch Reparaturen von Blattfedern. Cine'nleine "fluioniobil-Re Erhältlich be grünen "BP'Tankstene Für Ihr Auto liefern wir Ihnen Federn aller Art, speziell Ventilfedern u. Blattfedern Baumann & Cie. Aktiengesellschaft Federnfabrik Rüti-Zürich Daratur Wütsisi Best eingerichtete Auto-Reparatur-Werkstätte Beste Referenzen Diesmal: Eme Liegenschaft! Hans Kessler-Maag reldeggstrasse 8 8 ZUR I CH Tetephon 28.122 Privat 25.492 Eine^Leserin unseres Glattes woHle nach dem ffinschied ihres Mannes das Geschäft v^räussern. Sie schrieb dasselbe ixaliegenächaüs-Markt der «Automobil- Revue i auk und berichtet ufs nun: - • • »Ich kamt Ifaxicii das Geschäft'durch Inserate N* Ihrer Automobil-Revue verkauft vrarae und spreche Ihnen Dank ans." lohnt sich > Es herrscht immer noch in weiten Kreisen die irrtümliche Auffassung, dass ein 2-Takt- Motor eine gewisse Minderwertigkeit gegenüber einem 4-Takt-Motor aufweise. Man hört manchmal die abschätzende Bemerkung: «Es ist ja nur ein 2-Takt-Motor.» Eine solche Bemerkung zeugt davon, dass derjenige, der sie macht, sich noch nicht in das Problem des Explosionsmotors vertieft hat. Es ist ungefähr so, wie wenn man den Auto-Union-Rennwagen von Stuck mit einem durchschnittlichen Tourenwagen vergliche und sagen würde: «Der Auto-Union-Wagen wiegt ja nur 750 kg, da ist mir der andere doch lieber, er wiegt das Doppelte.» Einer solchen Bemerkung würde man mit Recht entgegenhalten, dass eben ein Rennwagen mit einem Tourenwagen nicht zu vergleichen sei. Ebensowenig ist ein 2-Takt-Motor mit einem 4-Takt-Motor direkt vergleichbar. Der 2-Takt-Motor braucht eben nur zwei Zylinder, wo der 4-Takt-Motor vier Zylinder nötig hat. Er braucht für jeden Zylinder nur drei bewegte Teile, wo der 4-Takt-Motor deren fünfundzwanzig benötigt. Man kann also auch den DKW-Zweizylinder-2-Takt- Motor mit Irgend einem Vierzylinder-4-Täkt- Motbr vergleichen und sagen: «DerDKWhat ja nur sechs bewegte Teile im Motor, der 4-Takter aber hat deren hundert.» Sehen Sie die Logik, meine lieben Leser? Sie sind doch sicher mit mir der Ansicht, dass ein Motor mit sechs bewegten Teilen sicher weniger zu Störungen Anlass gibt als ein solcher mit hundert. Ausserdem garantiere ich Ihnen dann noch, dass Sie für diesen so einfachen Motor der Steuerbehörde den gleichen Betrag abliefern müssen wie für den gleich grossen,: halb so starken, aber dafür viel komplizierteren. Ich kann es mit leider nicht leisten, mit amerikanischer Qrosszügigkeit eine Reklame zu - entfalten^, die °das .Publikum über die immensea Yorfeile ; des 2-Takters aufklärt, loh kann nur langsam aber sicher durch die immer weiter um sich greifende Verbreitung des DKW-Wagens dem 2-Takt neue Anhänger gewinnen und die5 alten Anhänger bitteny ihre Erfahrungen mit, dem 2-Takt allen ihren Freunden mitzuteilen. Mit den besten Wünschen für fröhliche Pfingsten und gute Fahrt im 2-Takt AUTROPA AG ZÜRICH Der Kluge Willy. Jenatschstrasse 3/5 Telephon 58.886 Bollschweiler fitCo. Oietikon (Zürich! T T Autoabbruch Bern-Ostermundigen, Hans Zysset Putzfäden-Fabrik Putzlappen- Wäscherei liefert Ihnen sofort gebrauchte Bestandteile, wie: Motoren, Getriebe, Achsen, elektrische Apparate für alle Arten und Marken, Standmotoren für Landwirte, fertig mit Gestell und Rädern. 11377 Teleph. Aufruf Nr. 41.172 und Sie werden bedient Packard 8-Zylinder-CabrioIet prima Zustand, Motor bereits wie neu, Fr. 7500.—. 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Bern, Freitag, 7. Juni 1935 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 46 eut &dd In dem stillen Kuppelsaal der alten angesehenen Kunsthandlung steht Monsieur Laroche lässig an einem mit rotem verschlissenem Samt bekleideten venezianischen Sessel gelehnt. Die schweren Vorhänge sind halb zurückgezogen und geben den Ausblick in die Galerie frei. Monsieur Laroche spricht selbst mit dem Kunden, während die Diener mit diskreten Bewegungen lautlos hin- und hereilen, um die von dem Chef bezeichneten Gemälde auf die Staffelei zu stellen. Man merkt ihnen keine Ungeduld an, obwohl sie heute schon zahllose Bilder hervorgehoben und wieder fortgetragen haben. 'Monsieur Laroche ist in seinem Beruf an Seltsame Besucher gewöhnt. Der Erwerb von Kunstgegenständen hat nichts mit einem üblichen Einkauf gemein. Es handelt sich um Liebhabereien, mehr noch um tief verwurzelte Passionen, die in mannigfachen Quellen ihren Ursprung haben. Monsieur Laroche weiss das. Er versucht — meist mit Erfolg — die Gedankengänge seiner Klienten zu ertasten, aber heute will es ihm nicht gelingen. Der Käufer sucht ein Bild aus dem achtzehnten Jahrhundert, nicht eines der üblichen Porträts ohne tieferen Ausdruck, nein, das Gesicht soll eindringlich sein, eine Geschichte erzählen, muss fesseln, die Phan" tasie anregen, ein lebendes Wesen ersetzen. Monsieur Laroche wird trotz Routine und Beherschung ein wenig nervös. Jedes Bild hat zweifellos eine Entstehungsgeschichte, jeder Mensch, den der Pinsel des Malers vor Jahrhunderten festhielt, hatte Erlebnisse, — aber es gehört nicht zum Beruf eines Kunsthändlers, diesen Dingen nachzugehen, es kommt auf die Qualität des Bildes an. Er spürt allmählich seine Energien erlahmen, bis er merkt, dass das'Porträt' der Marquise de la Froumiere Interesse zu erregen scheint. Es ist das etwas matte Werk eines unbekannten Malers Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Mit der lässigen, aber entgegenkommenden Miene des gewandten Verkäufers beginnt er auf die Vorzüge dieses Bildes hinzuweisen. «Weich und unklar, verträumt und voll unausgesprochener Gedanken blickt diese Frau. Wie wunderbar ist die Feuchte ungeweinter Tränen in diesen Augen, die stille Resignation um den feinen Mund, die verblühte Blässe auf den Wangen. Sehen Sie, wie demütig der Kopf geneigt ist und wie die Hand auf der Brust ruht, als ob sie den Busen verhüllen wolle, den die damalige Sitte zu zeigen verschreibt.» Monsieur Laroche macht eine kurze Pause. Die Versunkenheit seines Gegenüber treibt ihn an, weiter zu sprechen. «Die Marquise de la Froumiere wurde mit knapp achtzehn Jahren dem Conte de Verbun vermählt. Er war fast sechzig und Hess der jungen, schönen Frau nicht die geringste Freiheit. Sie lebte abgeschlossen von der Welt, fast wie in einem Kerker, müde, sehnsüchtig, hungrig nach dem Leben. Eines Tages besuchte sie bei einer leichten Erkrankung ein junger Arzt, vielmehr ein Strandpartie am Bodensee. Inseli-Romanshorn. (Photo Kielinger.) Gaukler jener Zeit, der Mixturen mischte. Dieser junge Mann, wurde ihr Verhängnis. Sie verliebte sich in ihn, und diese Passion würde noch dadurch gesteigert, dass sie niemals Gelegenheit hatte, ihn zu sehen, denn er gehörte nicht in den eng begrenzten Kreis ihrer gesellschaftlichen Sphäre. Sie verschaffte sich Gift, nicht, um aus dem Leben zu gehen, o, nein, sie wollte nur den Besuch des Arztes erzwingen, immer wieder. Er besuchte und heilte sie — heilte sie aber nicht von ihrer Besessenheit. Sie trieb ein gewagtes Spiel, "nahm immer ein wenig mehr von ihrem Gift... Die Marquise verwelkte schliesslich trotz aller Künste in den Armen des Gauklers, 'denn das Gift zerstörte mit der Zeit ihren Organismus und a/erzehrte ihre Kräfte. Sie starb, um immer wieder den Gelieb'tehzu sehen, an «Du verstehst mich falsch, Marianne», sagte Peter am Schluss der täglichen Autodebatte, «ich missgönne dir kein Vergnügen. Ich erfülle dir gern jeden Wunsch. Nur eins werde ich dir nie erlauben: dass du selbst deinen Wagen steuerst.» «Du bist altmodisch, Peter.» «Vielleicht besteht meine.. altmodische Ansicht darin, dass ich dich nicht nur liebhabe, sondern irtich Um dich auch "sorge. Ich hätte keine ruhige* Minute, wenn ich dich mit dem Wagen unterwegs wüsste. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn dir etwas geschähe.» «Andere Frauen fahren doch auch?» Peter seufzte: «Mit anderen Frauen bin ich auch- nicht verheiratet. Andere Frauen sind selbständig, stark, vernünftig, fast wie Männer.» «Sind Männer vernünftig, Peter?» «Aber stark sind sie.» einer seltsamen Art des Freitodes. Dieses Bild wurde während der letzten Monate ihrer Liebe gemalt, und kennt man die Geschichte dieser Frau, dann gewinnt das Bild eigenartig an Leben. » Monsieur Laroche tritt von dem Gemälde zurück und schweigt. Jedes Veitere Wortwürde den Eindruck seines Berichtes verwischen. Ein kleines Lächeln liegt auf dem Gesicht, des Kunden. «Sehr nett, sehr nett, Monsieur Laroche,» meint er, «ich suche ja Gemälde, die meine Phantasie anregen und mir Stoff zu meiner Tätigkeit geben — ich bin Schriftsteller — aber die Geschichte der kleinen Marquise de la Froumiere, wie Sie sie,nannten, ist nicht neu. Sfe stand im letzten Heft d£r «Wochenschau» und ich selbst,habe sie "'geschrieben.» ' \ . \ H.. friste* Auszug. Von Hans Rösler. «Sind Männer stark, Peter?> Peter war nicht stark. Peter gab nach. Nach einer langen Besprechung mit seinen drei Freunden Herbert, Robert und Hubert, den ersten Abend, den er in seiner jungen Ehe ausser Haus verbrachte, gab Peter, seiner Frau die Erlaubnis, zunächst einmal probeweise einen Tag am Steuer zu sitzen., Ohne jede Begleitung, ganz allein in ihrem Wagen. Und wenn sie nach der» Fahrt am Abend heimkäme und immer noch auf ihrem Wqnsch bestünde, würde Peter nichts mehr dagegen haben. Der erste Ausflug sollte nach Weggis erfolgen. Durch die Strassen der Stadt brachte Marianne ein Autolotse. Hier zu fahren getraute sie sich, trotz ihrer vor fünf Jahren erfolgten Fahrprüfung, doch nicht. Zuviel hatte sich seitdem geändert,, die Verkehrsregeln waren andere geworden und in dichter Folge der Wagen behinderte die ungewohnte Links- Steuerung. Als die breite Landstrasse vor ihr, lag, verabschiedete sich der Lotse. «Oute Fahrt!»' ^iDainke schön.» Der .Anfang der Fahrt verlief Harmonisch. Nur wenige Wagen begegneten ihr; dieDör- , fer schienen wie ausgestorben und wenn nicht die kleine Angst im Herzen» gewesen 'wäre, würde Marianne mit-Vollgas durch die Gegend^ gebraust sein. So aber zögerte sie doch'ein wenig, den Gashebel ganz herunterzutreten und wenn sie es in einer mutigen Minute tat, erschrak sie vor sich selbst und zog den rechten Fuss schnell wieder weg.. Plötzlich hupte es hinter .ihr. Marianne sah' durch den Spiegel einen roten Sportwagen in ihrer Spur. Mit einem ängstlichen- Blick auf den sandigen Sommerweg steuerte sie ihren Wagen ganz, rechts. Vielleicht schien dies dem andern nicht schnell genug zu erfolgen, jedenfalls hupte er dreimal kräftig hintereinander. Marianne gab ein Zeichen, dass die Strasse frei sei. Dann fuhr sie mit halber Geschwindigkeit, ein wenig nervös geworden, vor sich hin. Aber der fremde Wägen kam nicht. Er blieb' immer nur wenige Meter hinter ihr, hupte mehr oder weniger kräftig, aber so sehr Marianne ihre Fahrt verlangsamte, der Verfolger überholte nicht. Da entschloss sich Marianne zu einer Tat. Sie steuerte in die Strassenmitte rund gab Vollgas. Zehn Minuten läiig. Immer den Gashebel durchgetreten. Mit zusammengebissenen Zähnen und fest das Steuerrad umklammernd raste sie davon. So, jetzt musste der andere Wagen verschwunden sein, der vorhin nicht die Kraft fand, zu überholen. Aber schon hupte es wieder hinter ihr und als jetzt Marianne resigniert anhielt, bremste der Verfolger ebenfalls. «Fahren Sie einen Kinderwagen, Fräulein», rief ein unhöflicher Herr vom Steuer, ,«das ist geradezu eine Unanständigkeit, wie Sie anständige Fahrer am Vorwärtskommen hindern! Mitten auf der Landstrasse-fiin und her und kreuz- und quer — Frauen gehören nicht ans Steuer — ich werde Sie zur Anzeige bringen, damit Ihnen der Führerschein entzogen wird. Ihre Nummer habe ich mir notiert; das fehlte noch, dass solche überspannte Weibsbilder die Landstrassen unsicher machen!» Und. ehe noch Marianne den Mund aufmachen konnte, war der frepide .Wagen in schneller Fahrt davongebraust. Marianne dachte über den Vorfall nach. Sie sah nicht die herrlichen Wiesen zur Rechten, nicht den träumerischen See zur Linken. Sie sass zornig am Steuer und ärgerte sich. Dabei schadete Aerger ihrtim Teint, das wusste sie, aber sie ärgerte sich trotzdem. Endlich kam sie in Weggis an, parkte den Wagen, ging über den Platz in ein Hotel und bestellte sofort ein Mittagessen. - Plötzlich trat ein Herr zu ihr. Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit fliess. Wasser o. Bad u.Tel. Zimmer v. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Lelmgruber, Bes. Mannequin. Roman von Fannie Hurst. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) «Oh, Nana, meine arme Nana. Man brachte mir deinen Hut. Er sah aus wie der Hut eines Ertrunkenen. Das ist meine Nana, Mrs. Herrick — meine arme alte verschollene Nana.» Die Augen Selenes. Die erregten, merkwürdig rollenden Augen Selenes. «Nana, wo warst du die ganze Zeit, wo haben sie dich so zugerichtet?» Die unordentlichen Haare in grauen Zotten. Die Ruine eines Hutes. Der verschossene Mantel war buchstäblich durch Schmutzwasser gezerrt. Dieser verblasste Fetzen von einem Shawl. Und Orchid, die schmutzige Dinge hasste, hielt ihre Wange an diesen Shawl. Und plötzlich riss Selene mit rascher Handbewegung den Shawl von den Schultern Annie r Poganys. «Sie!» schrie sie, als spräche sie zu jemandem auf dem gegenüberliegenden Ufer eines rauschenden Flusses. «Sie! Wo haben Sie diesen Shawl her? John Lester, dieser Shawl! Rote Beeren — Flamingos — da — schau, unter dem Schmutz. Wo haben Sie diesen Shawl her? Sie! Sie! Annie Pogany!» Alle Ströme der Welt standen still. Alle Ströme des Blutes. Das fühlte Orchid bei diesem Schrei «Annie Pogany». Nicht wegen des Schreies, sondern wegen Selenes Gesicht, als sie den schmutzigen Fetzen von einem Shawl erblickte. Arme alte Krähe. Sie begann zu Selene zu krächzen, die beiden standen im Mittelpunkt eines Kreises von Zuhörern. Das Krächzen und das Krächzen Annies und der starre Blick des Richters, der neben Selene stand, und der starre, betäubte Blick Martins. Lieber Martin, gib mir deine Hand .— ich — oh, Martin, oh, Martin, knöpfe deinen Kragen zu, Martin, ich — oh Martin, die Krähe und die Leuchtfeuer sprechen von mir, oder ist es bloss das Klopfen in meinen Ohren? Selene war ganz ruhig, als sie sich umdrehte. Und bloss der Richter und Martin, der neben Orchid stand, hörten wirklich : «Erinnerst du dich des Tages, an dem ich dich durch das Haus führte. Joan? Es war dein Zimmer, das ich nicht aufschloss. Das Südzimmer, in dem der Sonnenschein auf dich wartet.» Ende, Weise aufgegriffen, dass man mit angehaltenem Unser neuer Roman. Atem sich durch das Werk durchliest. Mit einer erstaunlichen Kraft schildert Rosner, wie der Ring Der sehr eigenwillige, formal wie inhaltlich gleich interessante und spannende Boman Fanny der erdrückenden Beweise sich immer enger um Hursts « Mannequin» führte unsere Leser mitten den Beschuldigten zieht, und wie schliesslich im in das moderne amerikanische Leben, zeigte die letzten Augenblick dieser Ring doch zerbricht und Zerrbilder dieser Ueberzivilisation auf und Hess sich das Geheimnis um den « Täter » enthüllt, der Einblicke in die verschiedensten sozialen Schichten in gewöhnlichen Sinne unschuldig, in höherem und Arbeitskreise der neuen Welt zu. Die grosse Sinne aber doch mitverantwortlich für die ganze Gerichtsverhandlung am Ende des Werkes gehört Tat ist. Schon diese Andeutungen werden zeigen, wohl zum Besten, das man in dieser Hinsicht schon dass hier eine neue, bessere Gattung von Kriminalroman geschaffen wurde. gelesen hat, und fand denn auch die ganze Anteilnahme unserer Leser. Vor allem die weibliche Der Schwerpunkt des Werkes liegt denn auch Leserschaft wird beruhigt aufgeatmet haben, als durchaus im Psychologischen: Rosner dringt in die der schwere, scheinbar Unlösliche Knoten sich im Tiefen und Untiefen der menschlichen Seele und letzten Augenblick auf wunderbare Weise doch gestaltet aus ihnen heraus ein erschütterndes noch entwirrte — und die sympathische Hauptgestalt damit einem furchtbaren Verhängnis ent- Hand den Inhalt seines Lebens und wird zuletzt Schicksal. Ein Mensch zerstört bewusst mit eigener ging. von der tragischen Erkenntnis überwältigt, dass seine Tat ihren Sinn verloren hat. So liegt ein Unser neues Werk «Die Versuchung des Joos meisterhaftes Einfühlen in die Psyche des Menschen, ein grosses, gütiges Verstehen, ein tiefer Sinn Utenhoven > führt in die Grosstadt nach dem Kriege zurück, in jene bereits Geschichte gewordene Zeit für seelische Fragen der packenden Handlung zugrunde. Karl Rosner ist ein bekannter deutscher der deutschen Republik, die hier — natürlich ohne jede politische Färbung — aufersteht und bloss den Schriftsteller, der mit zahlreichen Romanen bedeutende literarische Erfolge errungen hat Von äusseren Rahmen zu einem ebenso seltsamen wie ergreifenden Schicksalsdrama bildet. Karl Rosner seinen wichtigsten Werken nennen wir au$ser unserm neuen Roman nur: « Der geschundene Eros », schuf mit diesem Roman eine ganz eigenartige und fesselnde Gattung, die weder mit dem Begriff « Befehl des Kaisers », « Der König », « Die Beichte Kriminalroman allein noch mit dem eines psychologischen Werkes endgültig definiert werden kann. des Herrn Moritz von Cleven» usw. Wir hoffen, Rosner werde sich mit seinem Werk auch bei unserer schweizerischen Lesergemeinde gut einführen. Ein Mord an einer Frau steht im Mittelpunkt der Handlung, die jedoch innerlich ausgeweitet und vertieft wird, so dass die seelischen Grundlagen überall sichtbar werden. Trotzdem reisstdie Spannung Die keinen Augenblick ab, im Gegenteil, auch die subtilsten psychologischen Probleme werden in einer