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E_1935_Zeitung_Nr.046

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«Verzeihen Sie, gehört

«Verzeihen Sie, gehört der reizende Schlüssel Ihnen?» «Wieso?» «Sie haben vergessen, den Zündungsschlüssel abzuziehen.» «Oh — vielen Dank.» Marianne war rot geworden wie einSchulmädchen, das man bei einer nicht gemachten Schularbeit überrascht. «Wollen Sie heute noch zurück?» «Natürlich. Es sind doch nur zwei Stunden bis Zürich.» «Qewiss», nickte der Fremde, «nur sehen Sie sehr abgespannt aus — Sie scheinen noch nicht oft gefahren zu sein — nein, bitte, bestellen Sie keinen Wein, ein Fahrer darf unterwegs nicht trinken — auch sollten Sie nicht rauchen, bei ihren schwachen Nerven, wenn Sie ein Unglück haben sollten, müssten Sie nachweisen, dass Sie im Vollbesitz Ihrer Kräfte waren, sonst haben Sie sich strafbar gemacht.» «Sind Sie gekommen, mir Predigten zu halten?» Der Herr lächelte: «Ich möchte Ihnen viel lieber den Hof machen. Aber chauffierende Frauen sind dazu wenig geeignet.» «Wieso nicht?» «Sind es wirklich Sportsfrauen, so interessieren sie sich nicht für Männer. Und sind sie es nicht, dann lassen sie sich leicht den Kopf verdrehen und dürfen sie nach juristischer Auffassung nicht ans Steuer, da sie dann verliebt nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Darum fragte ich vorhin zuerst, ob Sie weiterfahren wollen.» Marianne sagte nichts mehr. Sie verzehrte wütend ihr Essen, erhob sich und lief wieder hinaus zu ihrem Wagen. Sie drückte auf den Starter. Der Motor sprang an. Aber bevor sie noch die Kupplung gelöst hatte, starb er wieder ab. Beim zweitenmal versagte der Anlasser. Marianne stieg aus, holte dieFrau soll nicht chauffieren. Handkurbel und versuchte mit aller Kraft die «Wenigstens meine Frau nicht», lächelte Kurbelwelle zu drehen. Es gelang, der Mo-Petertor sprang an. Die Dorf Jugend und einige Er- «und jetzt habe ich noch eine kleine wachsene, die sich versammelt hatten, machten enttäuschte Gesichter. Aber bevor noch chen sie gerne, wenn sie wissen, dass eine Frau am Steuer sitzt.» Der Kreis um den Wagen war bedeutend grösser geworden. Man unterhielt sich gut. Am liebsten hätte ihnen Marianne beim Wegfahren ein Schimpfwort zugerufen, aber sie hatte genügend am Steuer zu tun. Die Rückfahrt verlief ohne Zwischenfall. Kurz nach Schwyz hielt plötzlich ein Wagen mitten auf der Strasse. Marianne stoppte. «Verzeihen Sie», trat ein Herr zu ihr, «wo geht es nach Zürich?» «Die Strasse geradeaus.» Der andere schüttelte den Kopf. «Von dort komme ich doch gerade. Diese Strasse fährt nach Luzern.» «Ausgeschlossen. Sie führt nach Zürich.» «Aber ich komme doch diese Strasse entlang direkt aus Luzern. Haben Sie keine Karte?» Marianne hatte eine Karte. Aber sie verstand sie nicht. Der Herr verstand sie dagegen um so besser. «Gut, dass Sie mich getroffen haben, gnädige Frau», sagte er, «Sie sind vollkommen falsch. Sie müssen hier genau nach links-abbiegen, dann kommen Sie nach Zürich.» Marianne atmete auf. Da hatte sie noch einmal der Himmel vor einem bösen Geschick bewahrt. Sie bedankte sich herzlich und fuhr in der angegebenen Richtung wei- Marianne das Werkzeug wieder verstaut hatte, stand der Motor von neuem still. Marianne öffnete .die Motorhaube. Da sie nichts von technischen Dingen verstand, nützte das ratlose Ansehen auch nichts. Gelegentlich •klopfte sie mit ihrem Finger an den Zylinderblock, sicher erhoffte sie sich etwas davon. Als es auch nichts half, dass sie kräftig gegen die Zündkerzen pustete, klappte Marianne die Motorhaube wieder zu und holte einen Mechaniker. «Hat Ihnen einer das Benzin ausgelassen», meinte der Chauffeur schadenfroh, «das madir jeden Tag geschehen. Verzeih uns, wir taten es in guter Absicht, es ist ja auch nichts Schlimmes geschehen.» 'Marianne betrachtete die drei Freunde ein wenig spöttisch. «Und wenn etwas geschehen wäre?» Die drei Freunde lachten sorglos. «Wären wir natürlich dafür aufgekommen», sagten sie. «Und wo ist der Vierte von euch?» fragte Marianne. «Welcher Vierte?» «Der Führer der Luxuslimousine, die ich in Stücke fuhr?» Da erstarb das Lächeln auf allen Gesichtern. «Der Vierte scheint echt zu sein», stammelte Peter erbleichend. Und damit hatte er recht. Florian ist ein Mann, der die schwierigsten Sachen mit lächelnder Miene erledigt. Wenn Florian angerempelt wird, rempelt er nicht zurück, sondern bietet dem anderen eine Zigarre an. Und erst, wenn der andere sich die Zigarre ansteckt, schlägt Florian ihn knockout. Mit freundlichem Lächeln. So ist Florian. Neulich war er auf der Bank. Er löst einen ter. Doch bald bemerkte sie, dass der an-Schecdere sie falsch beraten hatte. Sie musste ken. Da es gerade so ein schönes, sauberes ein und bekommt fünftausend Fran- denselben Weg wieder zurück. Bündel ist, steckt er es nicht in die Ledermappe, sondern in die linke Brusttasche. Beim Wenden rammte sie eine Luxuslimousine und riss ihr beide Kotflügel, das Als er durch die Drehtür die Bank ver- Trittbrett, einen Scheinwerfer und die beiden Iässt, ist da ein grosses Gedränge. Ein älterer Mann mit blassem Gesicht schiebt sich Koffern weg. Der Chauffeur blieb höflich, denn er sagte gar nichts. Er notierte nur die an ihm vorbei. Florian kriegt einen merkwürdigen Stoss gegen die Brust. Ein Nummer ihres Autos und ihre Adresse. Griff Marianne fiel Peter weinend um den Hals. «Nie wieder, Peter! Ich schwöre es! Eine Ueberraschung für dich. Darf ich dir meine Freunde Herbert, Robert und Hubert vorstellen?» Die drei Herren traten ins Zimmer. Marianne erstarrte. «Aber das ist — doch — und Sie sind doch — und Sie haben mir den Weg nach Luzern gezeigt?» Peter hatte ein schlechtes Gewissen. Sei ihnen nicht böse, Marianne. Ich'bat sie darum. Sie sollten dir zeigen, was alles auf' einer Fahrt geschehen kann. Herbert war der Mann, der dich nicht überholen konnte, Robert trafst du in Weggis, er war es auch, der dir das Benzin ausliess. Und Hubert hast du ja gleich erkannt. Was dir hier zustiess, kann AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N° 46 5ioHiau. hdi 5000 Stanken ab und er fühlt: das Banknotenbündel ist weg! Florian erschrickt nicht sonderlich. Florian schlägt auch keinen Lärm. Denn vor ihm, mit betonter Gleichgültigkeit, schlendert der ältere Mann mit dem blassen Gesicht. Florian schlendert ihm nach, holt ihn ein. «Guten Morgen», schlägt er ihm auf die Schulter, «es war eben sehr voll in derBank^ nicht wahr?» Der ältere Mann guckt ihn an. «Jawohl», sagt er, «es war sehr voll.» «Da wird fnan leicht ein wenig konfus», fährt Florian fort, «man greift in seine Tasche, uni Geld herauszuziehen und merkt gar nicht, dass man in eine fremde Tasche gefasst hat.» Der ältere Mann bleibt stehen. «Was wollen Sie damit sagen?» flüstert er. «Damit sagen will ich», lächelt Florian und zieht einen winzig kleinen, blanken Revolver aus der Tasche, «dass ich gern das Geld haben möchte, das Sie da irgendwo haben.» Von Hans Seilfert. Zwei Autos sah man jetzt in diesen Tagen auf einem Parkplatz beieinander steh'n Das eine war ein grosser Luxuswagen, das andere war klein und nicht sehr schön. Als nun die beiden eine halbe Stunde sich scharfen Auges prüfend angeblickt, hat sich das grosse mit gespitztem Munde hochmütig zum Reden angeschickt: «Du kleiner Wicht bist wohl von mir geblendet? Ich glaub' es gern. Denn ich bin «dernier cri». Ich bin in allem absolut vollendet, Produkt der Luxusauto-Industrie. Ich leiste spielend hundert Kilometer. Du fährst mit Ach und Krach kaum halb so schnell. Wo ich auch sein mag: mich bewundert jeder! Dich höhnt man als veraltetes Modell. Ich' gleite fast geräuschlos durch die Strassen, ich bin geräumig, vornehm, luxuriös. Du hast kaum Platz für zwei Insassen, und dein Motor macht schreckliches Getös.» «Gewiss! Hast recht!» erwiderte der Kleine, als nun der Grosse endlich ausgeprahlt. «Doch habe ich vor dir voraus dies eine: Du bist auf Stottern, ich bin bar bezahlt!» Und er greift, während sein Gesicht vor Freundlichkeit strahlt, dem anderen in die Tasche und zieht die Banknoten, sauber gebündelt, heraus. Der ältere Mann ist noch, blasser geworden. Er taumelt, lehnt sich gegen die Wand, und man sieht: der Schreck ist ihm gewaltig in die Glieder gefahren. Florian aber grüsst höflich und geht. «Komische Verbrechertypen gibt es heute», denkt er unterwegs, «wer könnte diesem angstschlotternden, grauhaarigen Menschen ansehen, dass er ein gewiegter Taschendieb ist?» Erst zu Hause, als er am Schreibtisch sitzt, macht er eine merkwürdige Entdeckung. Aus der linken Brusttasche zieht er, sauber gebündelt, fünftausend Franken in Hundertfrankenscheinen. Aus der rechten Brusttasche aber zieht er, ebenso sauber gebündelt, sechstausend Franken! H. R. BALL1 „Kitzbühel" er Ausflugsziele aus derMiflelschweiz Jj Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O. R.Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. Besuchen Sie Schloß Brestenberg Der ideale Ferien- und Wanderschuh. 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