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E_1935_Zeitung_Nr.047

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N° 47 Praktische Wink« Eine praktische Trichterverbesserung. Welcher Fahrer hat sich nicht schon darüber geärgert, dass beim Auffüllen eines Behälters mit Hilfe eines Trichters der Behälter unversehens voll war, worauf dann die noch im Trichter enthaltene Flüssigkeit verloren ging? Um dem zu begegnen, hat sich, ein pfiffiger Autler den unten abgebildeten «Ventiltrichter» angefertigt Als Ventilorgan vor der unteren Trichtermündung dient eine !Wi« sich ein Praktikus seinen Trichter verbessert hat. Bleikugel, die mit einer Kette von oben festgehalten oder fallen gelassen werden kann. Durch Anlöten eines engen Trichterausflussrohres wurde auch die Möglichkeit geschaffen, den Füllungsgrad des Behälters ständig zu beobachten. Ist der Behälter voll, so wird ein weiterer Ausfluss aus dem Trichter durch Fallenlassen der Bleikugel verhindert und der noch im Trichter enthaltene Flüssigkeitsrest kann zurückgeschüttet oder anderweitig verwendet werden. Verkleinerung der Düsenöffnung. Einen ganz originellen Ausweg fand ein Motorradfahrer als er gezwungen war, einen andern Brennstoff zu verwenden als gewöhnlich und die Vergaserdüse sich als zu gross ,erwies. Da er die Oeffnung nicht verändern wollte, so steckte er einen ganz feinen Draht durch die Düse, den er an den beiden Düsenenden umbog und so auf einfachste Weise die Bohrung verkleinerte, ohne die Düse zu.beschädigen, -ro- Stanniol als Dichtungsmaterial. Es ist noch wenig bekannt, dass Stanniol sich sehr gut zum Abdichten konischer Rohrverbindungen eignet. Auch bei Verbindungen mit sphärischem Sitz stellt es vielfach das bei weitem wirksamste Dichtungsmaterial dar. Bringt man ein Stanniolblatt auf die eine Seite einer Kupferasbestdichtung, so lässt sich diese später ohne weiteres wieder abnehmen und nochmals verwenden, während sie sonst oft festklebt und dann beim Abnehmen verdorben wird. ' + T«»«lan. S|»*e«l»jc£BciI Frage 9436. Erfahrungen mit Ermetox. tJnter diesem Namen wird in jüngster Zeit ein Präparat angeboten, welches alte Motoren gewissermassen regenerieren und leistungsfähiger machen soll. lob besitze einen alten Motor, der noch recht gut läuft, indessen, gewisse Ermüdungserscheinungen zeigt, die duTch das genannte Präparat vielleicht beseitigt werden könnten. Ich möchte aber nicht einen nutzlosen Versuch machen, den ich möglicherweise 6päter bereuen müsste. Ist vielleicht einer meiner Sportkollegen in der Lage, mir diesbezüglich Erfahrungen freundlichst mitzuteilen? A. G. in E. Frage 9437. Unrund laufende Kardanwelle. Wir haben ein 2-Tonnen-Chassis um 45 cm verlängert Die Welle wurde verlängert, indem dieselbe entzwei geschnitten, ein passendes Stück Rohr von 60 cm Länge beidseitig hineingeschoben und ein gleiches Bohr wie die Welle von 45 cm beidseitig elektrisch zwischen hinein geschweisst wurde. Die ganze Welle wurde nun- wegen ungleichen Laufes rund abgedreht. Bis zu zirka 35 Vm Geschwindigkeit läuft nun diese Welle ruhig. Bei grösserer Geschwindigkeit fängt sie jedoch so zu schwingen an, dass das Wechselgetriebe und der .ganze Wagen mitschwingt. Man hat uns empfohlen, ein Zwischengelenk einbauen zu lassen. Ist es nicht möglich, event. eine Welle mit groeserem Durchmesser einzubauen? Die jetzige Welle hat einen Durchmesser von 6,5 cm und ist 2,20'tn lang, beidseitig ist sie mit rHardygelenken versehen. Welche Firma würde event. eine solche schwingungsfreie Welle herstellen? M. S. in S. Antwort: Verlängerungen oder Veränderungen an den modernen rasch laufenden Kardanwellen sind immer eine heikle Angelegenheit In Ihrem Fall wurde der* Fehler begangen, dass der nach dem Verlängern beobachtete unrunde Lauf nicht durch sorgfältiges Zurechtbiegen, sondern durch Abdrehen erfolgte. Da das Rohr nun ungleich dicke, Wandungen aufweisen wird, ist der Massenausgleich erst recht gestört. Ein ausbalancierter Lauf der Welle bei hohen Tourenzahlen kann jetzt nur noch durch Anbringung von Gegengewichten erreicht werden, was jedoch eventuell langwierige Versuche notwendig macht. Eine Komplikation entsteht, in- Ihrem Fall womöglich noch durch die Hardygelenke, die, wenn eie nicht besondere Zentrierungen aufweisen, leicht radial etwas nachgeben und dann den unrunden Lauf noch verstärken. -Ein Zwischengelenk sollte nicht erforderlich sein, es würde deshalb tiur eine vermeidbare Komplikation bedeuten. Wird eine neue Welle hergestellt, so dürfte es sich jedoch empfehlen, den Durchmesser etwas grösser zu wählen. Ihre Frage nach Firmen, die sich für den Fall interessieren, lassen wir zur allgemeinen Beantwortung offen. Frage 9438. Batterielmifladezelt nach Anlassergebrauch. Wie lange geht es, bis nach der Be- ; nützung, des Anlassers die Wagenbatterie wieder vollständig aufgeladen ist? Besteht nicht die Gefahr,' dass im Sommer, wenn der Anlasser nur • verhält- ; nismässie leichte Arbeit hat und die Beleu£htnng a seltener gebraucht wird, die Batterie ständig überladen wird? Der Umstand, dass manche englische Wagen einen besonderen Schalter aufweisen, mit dem die Ladestromstärke auf Sommer- oder Winterbetrieb eingestellt werden kann, scheint das doch zu bestätigen. W. W. in K. Antwort: Das Wiederaufläden der Batterie nach erfolgter Stromentnahme durch den Anlasser erfordert gewöhnlich nur wenige Minuten. Selbst wenn man annimmt, dass der Anlasser 5 Minuten lang 300 Ampere verbraucht, so sind nachher nur 300x5 „ „ , . , , , , , •—gg— =- 25 Ampörestnnden nachzuladen, was bei 10 Ampere Ladestromstärke theoretisch 2K Std. erfordern würde. Selbstverständlich kommt aber auch dem schlimmsten Autoschinder eine öminutige ununterbrochene Anlasserbetätigung nicht in den Sinn. Mehrere hundert Ampere nimmt der Anlasser gewöhnlich auch nur in den ersten Momenten auf, während die Stromstärke nachher, wenn der Motor einmal im Schwung ist, nur noch etwa 70—-150 Ampere, je nach der Spannung der Anlage, konsumiert. Durchschnittlich kann man annehmen, dass der Stromverbrauch durch den Anlasser nach 1—2 Minuten Fahrt wieder ausgeglichen ist. Die Gefahr der Batterieüberladung ist nur bei stromregulierenden Dynamos im Sommer tatsächlich vorhanden. Sie macht sich vor allem dadurch geltend, das* das Säureniveau in den Zellen rasch sinkt, da eben die Batterie mehr oder weniger immer «kocht». Bei Spannungsregulierenden Systemen nimmt die Ladestromstärke jedoch sehr stark ab, sobald einmal eine gewisse Batteriespannunjc erreicht ist. Spannungsregler lassen sich übrigens nachträglich noch in den meisten nur spannüngsregulierenden Systemen einbauen. Der bei manchen englischen Wagen anzutreffende speziell« Schalter ermöglicht im Sommer das Einschalten eines Widerstandes in die Erregerwicklung der Lichtmaschine, so dass deren Ladestrom geringer ausfällt. -at-. Puvas«. Spvechs Anfrage 517. Indirektes Verschulden. Ich fuhr kürzlich mit meinem Wagen in Chaux-de-Fonds bei einer Kreuzung in eine der beiden dort zusammenlaufenden Strassen ein und hielt in kurzem Abstand nach der Kreuzung meinen Wagen an. Dabei hielt ich die rechte Fahrbahn inne, doch mag der Wagen nicht scharf am Trottoirrand angestanden haben. In einem Abstand von etwa 12 m hielt nun hinter mir ein Neuenburgerwagen, da dieser der irrtümlichen Meinung war, dass ich nur angehalten hätte, um unmittelbar darauf rückwärtsfahrend in die andere Strasse einfahren zu können. Ein französisches Automobil, das dicht hinter dem Neuenburger herfuhr, übersah offenbar das Anhalten des vor ihm zirkulierenden Fahrzeuges, fuhr in dieses hin- 1 ein, was zu einem kleineren Sachschaden führte. Da sich die Parteien nicht einigen konnten, kam der Fall zur Aburteilung vor Polizeigericht. Ich wurde nun ebenfalls als Mitbeteiligter zitiert, jedoch von einem direkten Verschulden freigesprochen. Dagegen wurde ich zur Uebernahme eines ansehnlichen Teils der Gerichtskosten verurteilt; mit der Begründung, ich sei dadurch strafbar geworden, dass ich nicht auf «der äussersten rechten Strassenseite gemäss Art. 49 der Vollziehüngsverordnung angehalten habe. Da ich nun nach meiner Auffassung aberan dem Zusammenstoss der beiden übrigen Wagen durchaus unbeteiligt bin, scheint mir diese Kosten-' Überbindung als ungerechtfertigt. E. S.. in O. Antwort: Wir halten das vorliegende Urteil für ein Fehlurteil. Es ist uns nicht klar, wieso Sia zum grössten Teile der Verfahrenskosten verurteilt worden sind, nachdem Sie als Angeschuldigter freigesprochen worden sind. An sich ist es möglich, da'ss einem freigesprochenen Angeschuldigten unter gewissen Voraussetzungen die Kosten ganz oder zum Teil auferlegt werden können. Dies darf aber nur dann geschehen, wenn der Angeschuldigte die Verdachtsgründe, die das Strafverfahren veranlasst haben, durch sein eigenes, ihm zum Verschulden anzurechnendes Verhalten erregt hat. Dies war nun sicherlich vorliegend nicht der Fall. Sodann darf die Verurteilung zu Kosten unter keinen Umständen einem Verdachtsurteil gleichkommen. Wir sind der Ansicht dass das in Frage stehende Gerichtsverfahren in mehrfacher Hinsicht eigenartig verlaufen ist, obwohl es immerhin für den nicht in allen Einzelheiten Orientierten schwer ist ein absolut sicheres Urteil zu fällen. Nichtsdestoweniger sind wir der Auffassung, dass, nachdem noch ein anderer Angeschuldigter vorhanden war und dieser verurteilt worden ist diesem alle oder zum mindesten der Hauptteil an den ergangenen Kosten hätte auferlegt werden müssen. So wie das Urteil heute lautet, sieht es einem unzulässigen Verdachtsurteil gleich. Eine Korrektur wäre allenfalls auf dem Wege der Appellation möglich gewesen, sofern das Strafprozessgesetz des Kantons Neuenburg für diese Fälle eine solche vorsieht * Handel u. Ind Ein neuer Brennstoffzusatz. Neue Brennstoffzusätze empfängt man heute meist kritisch, ja so-*' gar mit einem gewissen Unbehagen, der von den mit solchen Stoffen gemachten Erfahrungen herrührt Was hat man dem Fahrer nicht schon alles versprochen! Trotzdem soll man «Neues > nicht ohne weiteres von der Hand weisen, denn schliesslich kann auch wieder einmal etwas Gutes gefunden werden. Besonders auf dem Gebiete der Katalysatoren, d. h« derjenigen Verbindungen, welche die chemischen Umsetzungen zu beeinflussen vermögen, ist sicher noch Neuland zu entdecken. Katalysatoren haben die merkwürdige Eigenschaft, schon in kleinsten Mengen chemische Reaktionen, beim Benzinmotor z. B. die Umwandlung des Brennstoffluftgemisches in Wässerdampf und Kohlensäure, zu begünstigen, so dass die Ausbeute eine optimale ist und die Bildung von Schlacken, d. h. von Russ und Kohlenoxyd auf ein Minimum reduziert wird. Der neue Brennstoffzusatz Vite vite ist nach den Angaben des Fabrikanten ein solcher Katalysator und die genaue Prüfung hat ergeben, dass der Brennstoff mit 2 % Zusatz tatsächlich wesentlich besser ausgenützt wird, was sich am besseren Zugvermögen und auch schon am ruhigeren Gang des Motores sofort angenehm bemerkbar macht Verzichtet man auf die Mehrleistung des Wagens, so ergibt sich eine ganz hübsche Brennstoffersparnis, bei Fiat und Citroen z. B. etwas über 10 %. Eine genaue Prüfung des Auspuffes und Kerzen bei sehr verschiedenem Wetter hat ergeben, dass tatsächlich keine sichtbaren Russbildungen zu konstatieren waren, auch wenn der Vergaser nicht ganz ideal eingestellt war. Trotzdem dies Präparat auch etwa« kostet, fährt man mit Zusatz billiger als ohne. Schönheitskonkurrenz Montreux 8. Juni 1935 Grosser Ehrenpreis für aerodynamische Spezial-Karosserien mit Bugatti-Wagen Carrosserie Worblaufen F. Rämseier & Cie. * Opel zu verkaufen Limousine 6 Zyl., Modell 1934, 10 PS, 4 Türen, Schwingacheen, Farbe schwarz, wie neu, infolge Konkurs eines Kunden zum Spottpreis von Fr, 3450.—. Versicherung pro 1935 bezahlt. Offerten unter Chiffre 68074 III an die Automobil-Revue. Bern. OCCASION! Gepflegter Essex Super Siz 1929, 2/4-Plätzer, aus Privathand günstig abzugeben. 67966 K. Schraner, Ober-Endingen (Aargau). Lieferwagen FORD 10 PS, 600 kg Tragkraft, Scheibenräder, neu bereift, Garantie. 68058 Garage W. Frick, Winterthur. Tel. 21.300. 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Bern, Dienstag, 11. Juni 1935 III. Blatt der „Automobil-Revue" No.47 Der Zollgewaltige einer kleinen Grenzübergangsstation hält einen anonymen Brief in der Hand. Der Text lautet: «Uebermorgen wird eine Sendung über die Grenze rollen, deren Inhalt als Porzellanfiguren deklariert ist. Lassen Sie sich nicht täuschen: die Sachen sind hohl und enthalten Kokain.» «Donnerwetter!» sagt der Zollgewaltige mit besonderer Betonung der ersten und dritten Silbe. «Donnerwetter!» Nach zwei Tagen rollt wirklich eine Sendung Porzellanfiguren an. Papiere in Ordnung, Ausfuhrgenehmigung dabei. Zoll bereits bezahlt. Der Besitzer der Ware ist mitgekommen. Es ist ein elegant gekleideter Mann mittleren Alters, mit glänzendem, schwarzem Scheitel, gelblicher Hautfarbe, flinken, kohlschwarzen Augen und verschmitztem Gesichtsausdruck: Karl Meyer. Nach Prüfung der Papiere geht der Zollgewaltige auf einen Wagen los, öffnet ihn höchsteigenhändig, holt ein viereckiges Etwas aus Latten und Holzwolle heraus, löst die Verpackung, nimmt eine der zum Vorschein kommenden Porzellanfiguren und — schlägt sie entzwei! Meyer, der dem Beamten gefolgt ist, ruft entsetzt: «Um Gottes Willen, was soll das! Ich verbitte mir das! Ich werde mich beschweren!!» Doch schon ist die zweite Porzellanfigur in Scherben. Und die dritte, die vierte, die ganze Packung. Meyer tanzt um den ruhig lächelnden Beamten herum und protestiert erregt. Drei Grenzpolizisten sind herbeigekommen. Zu ihnen gewendet sagt der Zollgewaltige: «Da ist nämlich Kokain drin,» und zeigt dabei zuerst auf das Porzellan, dann auf Meyer, der sich bereits die Haare rauft. «Da ist kein Kokain drin!» ruft er, «das sehen Sie doch! Ich mache Sie verantwortlich! Was denken Sie von mir?! Mein Grundsatz ist: streng reell!» Aber auf einen Wink des Zollgewaltigen fassen ihn zwei der Grenzbeamten und halten ihn fest. Der dritte holt aus dem Waggon eine neue Kiste mit der Aufschrift' «Vorsicht, sehr zerbrechlich!». Auch diese wird geöffnet und ihr Inhalt, trotz erregten und lauten Protestes seitens des Eigentümers, zertrümmert. Ergebnis: Scherben, aber kein Kokain. Nun, so muss es eben in den anderen Figuren stecken! Meyers Stimme schnappt bald über. Ein Tobsuchtsanfall scheint nicht mehr weit zu sein. Deshalb wird er von den beiden Grenzern abgeführt und eingeschlossen. Auf dem Schauplatz des Geschehens wird mit einem Eifer, der sich von Kiste zu Kiste steigert, die ganze Ladung Porzellanfiguren zertrümmert. Inzwischen zieht der Zollgewaltige immer öfter die anonyme Anzeige aus der Tasche und liest sie genau durch. Er braucht das zur Stärkung, gewissermassen zur innerlichen Stütze, denn die Porzellänfiguren sind wirklich alle leer. Am Rande unserer Hochalpen. Die ruhige Sicherheit des Zollgewaltigen ist längst dahin. Kalter Schweiss steht "ihm in dicken Tropfen auf der Stirn. Ratlos blickt er umher. Sein Zustand bessert sich keineswegs, als der wieder befreite Meyer erscheint. Denn der jamme.. ununterbrochen und so laut er kann: «Ooh! Ich bin ruiniert! Mein ganzes Geld habe ich in dieses Geschäft gesteckt! Warum haben Sie mir das angetan?!» — Er sieht dabei wie ein gänzlich gebrochener Mann aus, der soeben sein schwer erarbeitetes Vermögen verloren hat. Aber bald fasst er sich. Sein Gejammer, Jahrelang stand das Grammophon unbeachtet im Speisezimmer — ein Mahagonischrank, ein Geburtstagsgeschenk aus guten Tagen. Und nun waren schlimme Tage. Es hatte wieder einmal eine Ehe die Probe nicht bestanden. Die Gatten lebten in ihren Zimmern dahin, aber es sind mehr als Wände zwischen ihnen, und schon entschwindet der eine dem andern im Nebel des Abschieds. Da fällt es Frau Loremarie ein, Musik zu machen in der herbstlichen Dämmerstunde. Sie legt die alten Platten auf und mit ihnen die vergangene Zeit; tief eingeritzt ist die Vergangenheit in den Rillen der Platten und im Herzen des Mannes, und es tönt nicht nur die Musik, es beginnt auch die Zeit zu tönen und mit ihr sein Herz. Er lauscht im Interlaken mit Eiger, Mönch und Jungfrau. schlägt in Wut um: «Sie, Sie mache ich verantwortlich! Schadenersatz verlange ich! Das muss die Zollbehörde mir bezahlen! Schadenersatz!!!» — Nach einigen Wochen quittiert er ein paar Tausender für die amtlich zerschlagene Sendung Porzellanfiguren und lächelt zufrieden dabei, denn der Gewinn ist nicht unbeträchtlich. Es waren billige Nippes-Sachen. Und jene anonyme Anzeige hatte er selbst an die Zollbehörde geschickt. Aber geschmuggelt hat er nicht! Denn sein Gescüäftsprinzip lautet: «Streng reell!» 2UK% ai4 Statten Von Hans Egge. Nebenzimmer nicht nur der Musik, sondern auch dem Aufrauschen der Zeit und dem schon fernen Herzen seiner Frau. Verwehte Musik und verwehte Zeit: eines erweckt das andere; wieviel Erinnerung ist in dieser Musik! Es ist, als spräche die Frau im anderen Zimmer durch die Grammophomplatten zu ihm. Dem Mann ist zumute, als entwickle sich zwischen den Klängen und über ihnen ein unhörbarer Zwiegesang von Wand zu Wand. Wand ati Wand, kramt die Frau im Grammophonschrank wie in einer Kassette voll alter Briefe, Photos und Erinnerungen. Welch ein Potpourri der Gefühle, der Geborgenheit, des Glücks, der Liebe, der Wehmut, der unwiederbringlichen Jahre, mit dem sie mein Herz bestürmt. Wie das lockt: Bleib, komm zurück. Oh, es ist nicht schwer, mir das Herz weich zu machen mit diesen süssen, weichen Melodien, die du so liebtest. Es ist Mondschein in diesen Klängen und eine harmlos verlogene Romantik und viel Zärtlichkeit und viel Tränen. Die Serenade «La Paloma» — eine unwirkliche Welt, die Revellers singen, und es tönt aus exotischer Ferne und wie aus einer verlorenen Zeit... Seltsamer Widerspruch deines Wesens: du bist hart und liebst die sentimentale Musik. Bist du eine Solveig, die ihre Sehnsucht auf dem Grammophon spielt? «Wenn der weisse Flieder wieder blüht.» Ja, das war damals, als wir im Auto durch den Harz fuhren, und es war ein Blühen ohne Ende auf den Landstrassen und in den Dörfern. Wie, habe ich einmal so um Liebe gegirrt, wie diese Stimme um «Chigitta» süss bettelt? Welch ein melodiöses Schnellfeuer auf die schwächste Stelle des Herzens. «Es führt kein anderer Weg zur Seligkeit als über deinen Mund» — ist das nun Bitterkeit, Vorwurf oder Liebeswerben? Sie nimmt die Platte weg, sie bricht ab, nein, das Lied gilt nicht mehr. Und was kommt jetzt... Ich erinnere mich, wir machten damals eine Reise und weilten in einer grossen, glänzenden Stadt, es waren heitere Abende, du warst strahlend schön, das rauscht nun auf in einem kleinen Abglanz deines Musikschrankes: «Bist du's, lachendes Glück?» Und nun, als wollte sie den Abstieg andeuten, spielt sie: «Auch du wirst mich einmal betrügen». Selbst der Schlager müss zu Herztönen herhalten. So kann auch eine Leierkastenmelodie aus der Ferne von einer Stimmung erfüllt sein wie eine Beethovensche Sonate. Es ist der subjektive Augenblick, der dem Klang die Sprache der Musik verleiht. — Natürlich, das durfte nicht fehlen: «Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände ». Ich sollte mir die Ohren verstopfen wie Odysseys, als er an der Insel her Sirenen vorbeisegelte. Wie sich das ins Herz hineinspielt! Wie Zigeunermusik, die der braune Primas den Verliebten ins Ohr hineingeigt, wobei ihm die Tränen auf die Saiten tropfen. Diese Musik gibt sich ohne Haltung und Hemmung dem Gefühl hin. Und was ist das? An das Ende setzt sie den Anfang? Das napoleonische Liebeslied unserer Hochzeitsreise in Amalfi: «0 sole mio». Nun ist der Kreis geschlossen. Vorbei, es muss sein, andere Melodien sind in mir. Wenn ich aufspielen würde... Unruhe und Schmerz und des Wanderers Nacht- und Sturmlied, Beethovens Appassionata, dieses brausende Auf und Ab der Lebenswoge, diese Sehnsucht, Frieden zu finden durch Ueberwindung, und «Die Unvollendete» von Schubert, F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Der Roman einer Leidenschaft Von Karl Rosner. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Aber er sah es nicht — raschelte nur mit seinen Briefen und begann zu diktieren: «Duveen Brothers, New York —»' Voll, klar, entschieden reihten sich die Worte. «In reply to your favour of the 10 th enclosed you will find the photo » Das Fräulein schrieb. Auch ohne aufzublikken sah sie ihn ganz genau vor sich, wie er jetzt aussehen musste: den Kopf ein wenig in den Nacken zurückgebogen, die grauen Augen irgendwo im Weiten, die schmalen, glatten Lippen jedes Wort und jede Silbe deutlich formend. «I have the honour to be — yours truly —. Haben Sie?» Das Fräulein Lissy Erler schreckte auf und nickte: «— yours truly —» «Gut. — Die Photo des Romanino lassen Sie sich von Doktor Marane geben, und weiter fügen Sie eine Abschrift der Berensonschen Expertise bei.» Er schob den Brief zur Seite. «So — jetzt an" D. A. Hoogendijk & Co. in Amsterdam —» Mit einem Male stand er auf. Sein Blick glitt unruhig über die Platte des Schreibtisches, über die Borde an den Wänden hin. «Suchen Sie etwas?» «—• meine Mappe —? Haben Sie meine Mappe nicht gesehen? — oder habe ich sie gar nicht mitgebracht? — zu dumm!» Sie suchten jetzt beide. Auch in dem Wandschrank sah Joos Utenhoven nach. Aber die Mappe fand sich nicht. Es war zu ärgerlich, denn sie enthielt das ganze Material des Briefwechsels mit D. A. Hoogendijk, das er noch gestern abend zu Hause durchgesehen hatte — Und jetzt entsann er sich ganz genau: auf seinem Schreibtisch hatte er sie dann noch zurechtgelegt — und heute dann beim Weggehen vergessen — Er stand noch zögernd, wartend, überlegend, als sich das kleine Fräulein, während eben sein Blick zu ihr hinüberstreifte, aufrückte, dass die blauen Perlen der schönen neuen Kette leise aneinanderklapperten. «Soll ich —?» Sie wurde rot, verwirrt über die eigene Kühnheit, die ihm Vorgriff, sie schwieg vor seinen Augen, die jetzt fragend, haltend auf ihr ruhten. «Bitte? > «— ich meine nur — soll ich vielleicht die Mappe holen? Ich könnte doch » Er schwieg für einen Augenblick. «Wie kommen Sie darauf?» «— ich weiss nicht ich dachte so —» Da nickte er ihr abtuend-entlassend zu. «Ja — wenn Sie so freundlich, sein wollen,, Fräulein Erler.» Seltsam bedeckt klang seine Stimme: «Und sagen Sie meiner Frau: auf meinem Schreibtisch rechts muss das Ding liegen — rechts neben der grossen Vase mit dem Flieder. Aber Sie wissen ja auch selbst Bescheid.» Sie ging. Er hörte noch von nebenan her aus dem Schreibzimmer ihre eilig trippelnden, verweilenden Schritte. Und musste dabei denken: so — jetzt setzt sie sich da wohl das Hütchen auf — sieht nochmals in den Spiegel. Durch den Ausstellungssaal draussen hörte er sie noch gehen — machte sich dann los — Die Zigarettendose griff er aus der Rocktasche, wählte eine von den schweren englischen «Cameis», klopfte den Staub aus, zündete an. Wieder streifte sein Blick die Uhr. Zwei, drei Züge nahm er tief in die Lungen, blies dann den blauen Rauch stäubend von sich. Ja, das tat gut. Ob er jetzt etwa an Hertwigs telephonierte? Von dem kleinen Ständer, der in Reichweite von seinem Sessel neben dem Schreibtisch stand, griff er das Telephon. Fernes Summen. So — jetzt endlich. «Westend, siebenundzwanzig —zwölf —» Wieder das unsinnige Warten — Da eine Frauenstimme: «Hier bei Doktor Hertwig.» «Hier Utenhoven. Frau Cläre?» Nein — es war nur das Mädchen. Und der Herr Doktor war schon fort — und die gnädige Frau eben im Bade — «Dann, bitte, sagen Sie der gnädigen Frau, meine Frau und ich Hessen fragen, ob die Herrschaften nicht morgen mit uns zusammen ins Theater gehen wollten. Die gnädige Frau möge anrufen — sagen Sie, ich besorge dann wieder die Billetts wie das letztemal. Verstanden?» Jawohl, sie hatte es verstanden und wollte es der gnädigen Frau bestellen. , Er hing den Hörer in die Gabel. So — auch das war nun geschehen. Noch etwas —? Nein — •; An ihrem Bilde in dem schmalen Lederrahmen fing sich wieder sein Blick — Verneinend rührte er den Kopf, drückte mit aufgestützten Armen sekundenlang die offene Linke beinahe schmerzhaft um die geschlossenen Augen — (Fortsetzung folgtJ !