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E_1935_Zeitung_Nr.048

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20 AUTOMOBIL-REVUE

20 AUTOMOBIL-REVUE 1935 - No 48 deutung von lokalen Strassen-hinauskommen. Es sind die vielen Strassen und Strässchen, die vom Rhonetal aus nach links und rechts die Hänge bezwingen und in die Seitentäler vordringen. In den letzten Jahren ist dank einem grosszügigen Dekret eine ganze Reihe neuer Strassen entstanden. Es sind ein gutes halbes Dutzend, darunter ein paar, die bald zu den begehrtesten Bergstrassen des Rhonekantons gehören: Binn, Blatten, Säas, Grächen, Salvan. Der alpinistisch veranlagte Automobilist kann nirgends besser als im Wallis seine Fahrkunst auf die Probe stellen. Wir nähern uns ja mehr und mehr jener Zeit, wo man sein automobilistisches Tourenpensum anders gestaltet, als in Tagesetappen von 400 oder 500 Kilometern durch halb Europa zu reisen. Es gibt schon jetzt eine Gilde von Leuten, die daran ihre Freude hat, den Wagen auf einer der Walliser Bergstrassen der Höhe zuzusteuern, hoch hinauf, 1500 m über Meer oder 1000 m über dem Rhonetal, um sich dann so recht dem Genuss der Bergruhe zu ergeben und des Ausblickes zu erfreuen. Was für eine herrliche Sache, um die uns die halbe Welt beneiden könnte, wäre eine ungezwungene Zickzackfahrt ungefähr dieser Art: Beginn in Gletsch. Mit dem Einstellen des Wagens in die Garage aber dürfte es nicht getan sein. In einer halben Stunde lässt's sich leicht und bequem zum Rhonegletscher hinüber bummeln. Man stelle sich dabei vor, dass der mächtige Eisstrom noch vor 80 Jahren fast den ganzen Talboden beherrscht hat. Am zweiten Tag gemütliche Fahrt das Goms hinunter. Bei Lax Abstecher auf pikantem Strässchen auf die andere Talseite hinüber nach Ernen, in dessen Nähe die drei Säulen des Galgens an die Justiz der guten alten Zeit erinnern. Und der Dorfplatz von Ernen! Malerisch wie kaum ein zweiter Dorfplatz im Oberwallis. Dann hinefn ins Binntal auf der neuen Strasse und im Hotel Ofenhorn Quartier nehmen, nachdem man zuvor einen Bummel ins Talinnere unternommen hat. Tags darauf wieder zur Rhone hinaus, hinunter nach Brig und hinauf an den Simplon, nach Berisal oder zur Passhöhe. Und so weiter, bis man seine freien Tage erlebt hat. Die Karte genügt, um einen solchen Jferienplan auf die Beine zu stellen. Nur ein paar Namen noch, die dabei wertvoll sein könnten: Visperterminen ob Stalden, St. Luc im Val d'Anniviers, Crans auf der Sonnenterrasse von Montana, Fionney zuhinterst im Val de Bagnes, die Passhöhe des Grossen St. Bernhard und Salvan, wohin seit einem Jahr eine kühne, imposante Strasse führt. Und wer einmal so recht einen Begriff von einer zünftigen Walliser Bergstrasse haben will, der fahre von Sitten über Vex nach Thyon hinauf, wobei ich raten möchte, dem Fendant nach der Fahrt zuzusprechen. Es ist schon so: das Wallis ist ein Bergstrassenland par excellence. id. Das Julier-Hospiz. (Photo Gabereil.) Eine schön ausgebaute Kurve am Klausen, die zweite unterhalb der Passhöhe, die einen Beton- Belag erhielt. (Photo Schönwetter, Glarus.) Mit dem Automobil zu den Bergbahnen Von A. Graber. Die Zeit bricht heran, da man wiederum schwebend erreichen wir unser Ziel in einer daran denkt, in die Ferne oder in die Höhe zu staublosen Höhe. streifen. Die Strassen verlocken mit ihren unendlichen Bändern, sie tragen die Wünsche, Bergbahnen. Es gibt, fast möchte man sagen Man weiss, die Schweiz ist das Land der die schnee- und regennasse Tage in uns aufspeicherten, befreit zur Verwirklichung. Aber Berghängen emporkraxeln, unscheinbar am Legionen von solchen Dingern, die an den nicht nur unsere schönen Schweizer Strassen gewaltigen Berge und doch sicher und mutig. Und mit Recht hat es bei uns Bergbah- führen zu den ersehnten Weitblicken und zur Ruhe einer harmonischen Landschaft, ebensosehr tun dies unsre Bergbahnen, an deren Fuss lohnende Vorwände dazu auf, soviele durch nen. Kein anderes Land weist wohl soviele wir so leicht und mühelos mit dem Automobil gelangen. Bei den Talstationen bleibt ausser einem touristischen Interesse auch die Natur begründete Unternehmungen, die unser Wagen in guter Obhut zurück, und den Anwohnern und der Volkswirtschaft ohne Sorgen wenden wir uns den schmucken dienlich sind. farbigen Wagenkistchen zu, die uns hoch Der Endzweck all dieser Bahnen ist es über die Abgründe und Tiefen hinausheben aber, uns nicht ins Weite zu locken, sondern hinein in die Welt unserer Berge. Mit Zahnradbetrieb, Drahtseil oder gar durch die Luft uns unserer uralten Sehnsucht nahe, empor in die Höhe. Und damit bringen sie aus- Berisal Grand-Saint-Bernard Hotel Altitude 2472 metres du Gd. St-Bernard T. C. 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N» 48 - 1935 AUTOMOBIL-REVUE 21 schauen zu können über Gebirg und Tal und uns zu sammeln für die Fährnisse und Widerwärtigkeiten des alltäglichen Lebens. Da wir in dieser kurzen Rundschau nicht über alle unsere schweizerischen Bergbahnen sprechen können, deren Anzahl nach einer flüchtigen, Schätzung zwischen fünfzig bis hundert liegen muss, so werden wir im nachfolgenden einige herausgreifen, um sie .unseren autofahrenden Lesern wieder einmal in Erinnerung zu rufen. Es ist wohl nicht mehr als recht, wenn wir mit der klassischen Rigibahn beginnen, die von Vitznau (und Goldau) auf diesen altberühmten Berg klettert. In den Garagen von Vitznau haben wir den Wagen zurückgelassen, und bald schon sinkt der Vierwaldstättersee langsam zu unseren Füssen in die Tiefe. Immer weiter blicken wir in die ver^ schiedenen Arme dieses traditionsreichsten all unserer Seen, immermehr wächst der Kranz der Berge, immer vielfältiger wird der Blick. Von ihm noch zu reden, hiesse Eulen nach Athen' tragen, jeder 1 kennt ihn und jeder liebt ihn auch und bewahrt ihm eine Erinnerung, die er immer wieder gerne erneuert. Aber auch die Wanderung auf dem Kamm, vom Kulm über den First bis zur Scheidegg ist etwas Herrliches, ein Gang, der mit unbeschwertem Herzen angetreten werden kann und immer wieder neue Ausblicke schenkt in Tiefen und Höhen. Näher noch dem Alpenkranz liegt schon die Stanserhornbahn, die in Stans ihren Anfang nimmt (grosser Parkplatz und Garage bei der Talstation). Am schönsten von oben wohl der Titlis und die Berge des Engelberger Tals, im Hintergrund die Berner Alpen und im Norden über die Vorberge hinweg das Flachland. Mit der Pilatusbahn (Garage in Alpnachstad) rundet sich der Kranz der drei klassischen Bergbahnen um den Vierwaldstättersee. Die Zahnradschiene führt hier auf einen der sagensreichsten Berge der Schweiz. Einst hauste ja hier oben, wie der Volksmund es wollte, der Geist des unseligen Pilatus in einem Seelein, das längst ausgetrocknet ist. Die Furcht, diese unruhvolle Seele zu stören, Hess sogar die Stadtobrigkeit von Luzern bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu Besteigungsverboten schreiten; während andere Zeitgenossen sogar mit leibhaftigen Augen den berüchtigten Pilatusdrachen vom «Rigiberg in den Pilatiberg» fliegen sahen. Vorbei, sind diese Zeiten des Aberglaubens, geblieben die ewige Schönheit dieses vielgipfligen Berges, der eine Aussicht sondergleichen dem schönheitsdurstigen' Menschen bietet. Neu in den Kreis dieser ehrwürdigen Bergbahnen tritt die Drahtseilbahn von Schwyz nach dem Stoos; in erster Linie für den'Skilauf gedacht, ist sie nichts destoweniger ebenso lohnend auch in den schneefreien Monaten. Eine Einstellgarage für zwanzig Wagen und ein grosser bewachter Parkplatz sorgen, für die ungefährdete Sicherheit, des Wagens. Von der oberen Station aus aber lassen sich eine ganze, Reihe von Wan- sie sicher zur höchsten Spitze der Jungfrau zu führen. Aber auch dem Beschauer bieten derungen ausführen über die begrünten sich genug Wunder und wer nach einem !Bergwerden zu den , Höhenzügen, eine Blick auf die Berge plötzlich sich gegen freundliche Landschaft voller Herdengeläute. Norden wendet und das Tiefland weit unter Von den Kuppen des Frohnälpstöckes, des sich sieht, der weiss, was Kontraste der Hauser-, und des Klingenstocks hat manLandschaft bedeuten können. wiederum die ewigen Zinnen des Hochgebirgs .vor sich; und auch die 1 Tief blicke ins waldbahn einer steigenden Beliebtheit. Ein Im Glarnerland erfreut sich die Braun- iRiemenstaldertal und auf den See werden Strässchen führt von Linthal zum Parkplatz den Wanderer faszinieren. , mit Boxen neben der Talstation. Dann zieht ' Nun, wechseln wir mit dem Wagen,hinüber uns die Seilbahn zum sonnenreichen Plateau über denBrünig ins Berner Oberland. Gleich in von Bräunwald mit seinen lieblichen Wiesen ;Brienz lädt, uns wiederum eine Zahnradbahn und Wäldern. Hier im Angesichte des wuchtigen Tödi und seiner Trabanten ist.gut sein. auf ihren Weg zur Höhe «in. Die Hochwarte des,Brienzer Rothorns ist denn auch berühmt Spaziergänge, Wanderungen und Touren genug und voll imposanter panoramaartiger Blicke von selten umfassender Weite. Vom Appenzellerland bis zu den östlichen Berner Oberländern liegt das Alpenrund vor uns, und man kann, sich wirklich freuen, dass die Bahn den Betrieb nach längerer Unterbrechung wiederum aufgenommen hat. Von ähnlichem Charme, nur noch näher den Eisgipfeln ist der Niesen. Man kennt seine ebenmässige Gestalt, mit der er die Reisenden anlockt. Eine Fahrt auf der Niesenbahn führt vor einen Kranz von Bergen, deren edelstes Juwel die mehrgipfelige, schneeweisse Blümlisalp ist. Die Strasse leitet bis zur Talstation mit Parkplatz. Ganz hinein ins Reich des ewigen Eises führt die Jungiraubahn. Leicht kann der Fahrer bis an die Talstationen gelangen", sei es nun nach Lauterbrunnen oder nach Grindelwald. Beide Orte haben die nötigen Vorkehrungen zur Unterbringung von Automobilen, das ist ja selbstverständlich. Aus den Taltiefen zieht uns die Bahn dann zur Kleinen Scheidegg im Angesichte der drei Grossen des Berner Oberlands: Eiger, Mönch und Jungfrau. Hier beginnt die eigentliche Jungfraubahn, dieses Wunderwerk der Technik, das 1912 bis zur Station Jungfraujoch .auf über 3400 Meter vorgetrieben rwurde., jEigenv gletscherT Eigerwand, Eismeer und Jungfraujoch sind die Stationen, die alle ihren ganz besonderen Reiz haben. Wer hätte nicht schon den Wunsch gehabt auf diesem Joch zu stehen, den Gletscherwind um sich wehen zu lassen und hineinzublicken in diese Eis- Welt, wie es keine zweite mehr gibt. Hier ist auch im Sammer ein Reich ewigen Winters, aber mit einer strahlenden Sonne: Hier, wo der Skiläufer das ganze Jahr über auf seine Rechnung kommt, und hier wo bewährte Führer auf ihre Herren warten, um verlocken noch höher, zu Seelein und Gipfeln, zu leichtem und schwerem, zu einem Aussichtsberg wie dem Ortstock und zu einer Kletternüss, wie es etwa der Hohe Turm ist. Parsennbahn. Ein Begriff für den Winter; Zehntausende von Skiläufern haben ihre Existenz gelobt und gerühmt. Bleibt ihr deshalb keine Existenzberechtigung für den Sommer übrig? Ich glaube ganz im Gegenteil. Von Davos (wo sich dem Unterbringen der Wagen ja wirklich keine Schwierigkeiten entgegensetzen) fährt man auf die besonnte Höhe des Weissfluhjoches, das einen umfassenden Rundblick gewährt und als Ausgangspunkt einer ganzen Reihe herrlicher Höhenwanderungen gewertet werden muss; ich nenne nur den abwechslungsreichen Höhenweg zum Strelapass. Daneben gibt es Abstiege und Besteigungen nach allen Seiten. Nicht: zuletzt sei — wie im Winter — die Weissfluh selbst empfohlen, die eine Aussicht von ungeahnter Ausdehnung besitzt. Alles ! in allem: Parsenn ist auch im Sommer ein Wandergebiet ohnegleichen. Damit wollen wir für heute unsere Rundschau« unter den Schweizer Bergbahnen schliessen.jWir hoffen, ein andermal wiederhol die A Möglichkeit zu haben, weiter über dieses interessante und variationenreiche "Titeraa. zu sprechen.., ..-- Der ToarenoDkel Bei der Alpenpasskontrolle, Fiet der Onkel aus der Rolle. Liess den Wagen Wagen sein. Berannte einen hohen Stein, Und still vergnügt notiert er da, Was er von dieser Höhe sah. Für autotouristische Auskünfte wenden Sie sich jederzeit an das Touristikbureau der Automobil-Kerne Bern Telephon 28.222 Alle Auskünfte kostenlos. Fügen Sie eine 20 Cts.-Marke für Rüc'i orto bei. I*J Wir befitzen Autokarten und Autoführer von allen Ländern Europas. 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