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E_1935_Zeitung_Nr.048

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m AUTOMOBIL-REVUE

m AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N°28 Rund um den Säntis Der Säntis ist der ungekrönte Regent der sieht dem Berg in seine Geheimnisse hinein, Ostschweiz. Man mag kommen woher man die er gen Norden durch die schroffe Wand will, immer grüsst der formschöne Berg hartnäckig zu verdecken sucht Je näher man übers Hügelland. Am schönsten präsentiert den Felsen rückt, desto deutlicher tritt die er sich vom oberen Thurgau und vom benachbarten St. Gallischen aus. Breitschultrig Säntes ist wohl der stolze Gebieter, nicht Struktur des ganzen Massivs zutage: der reckt er sich über das wellige Appenzeller aber der alleinige Herr weit und breit. Da Hinterland, und wenn im Tal der Tag in stehen noch ein paar währschafte Figuren die Dämmerung übergeht, dann liegen noch um ihn herum: der Altmann, der Schäfler die letzten Strahlen der scheidenden Sonne und der Hohe Kasten und zwischendrin ein an der langen Wand am Säntis. ganzes Heer von Vasallen von den dolomitenhaften Kreuzbergen überm Rheintal bis zum Um diesen herrlichen Gipfel ein bisschen kennenzulernen, was man im Auto schlecht kecken Oehrli, das, nur so angeklebt, den und recht besorgen kann, fahre man nördlichen Eckpfeiler des Alpsteingebietes zuerst einmal seiner Nordflanke entlang, am bildet. Um dem Säntis aber regelrecht die besten von Wattwil über Hemberg nach Reverenz zu erweisen fahre man nicht nur Urnäsch. Immer und immer wieder taucht um ihn herum. Es gibt ein paar Wege, die der Säntis zwischen den Krümmen der Hügel forsch auf ihn losgehen. Da ist einmal die hervor. Wie ein mächtiges Bollwerk steht Strasse von Appenzell übers Weissbad nach er da, trotzig, als ginge es darum, sich zur Wasserauen, wo die tramartige Säntisbahn Wehr zu setzen. Wieder ganz anders ist der ihr vorläufiges und wahrscheinlich endgültiges Ende hat. Man ist hier schon ganz or- Anblick, wenn man vom Bodensee, von St. Gallen oder von Heiden herkommt. Man dentlich im Gebirge drin. Die Felswände erheben sich links und rechts, da der Alpsiegel und die Marwies, dort die Ebenalp, die in ihren Felsen das Wildkirchli birgt: Weiter geht's mit dem Wagen allerdings nicht mehr. Halten muss hier Ross und Rad. In einer guten Stunde erreicht man aber auf gutem Weg den Seealpsee, regelrecht im Innern des Säntisgebietes. Man erspät im Westen die links und rechts vom ewigen Schnee gezierte Spitze unseres Berges, und wenn man's nicht wüsste, es würde einem sicher schwer fallen, zu glauben, dass dieser zarte Gipfel der leibhaftige Säntis ist, der sonst so trutzig und massiv in die Lande hinausschaut. Nicht viel anders ergeht's einem, wenn man dem Herrn von Westen her näher rückt, vom obern Toggenburg aus. Der mächtige Stock, der sich aus dem grünen Boden der Vegetation herausschwingt, hat nichts an seiner Wucht eingebusst. Sein Haupt aber, das für uns der Inbegriff einer stolzen Berggestalt geworden ist, verteilt den Ruhm geziemend auf seine Trabanten; er nimmt für sich nur einen bescheidenen Anteil in Anspruch. Wenn dereinsi das jetzt träge über die Nordwand baumelnde Drahtseil seinen Zweck erfüllt, die prächtige Hochstrasse von Urnäsch über den Rossfall und vom Toggenburg beim Rietbad vorbei zur Schwägalp hinaufführt, die kecke Bahn in einem Viertelstündchen den herrlichen Gipfel * bezwingt», dann steht auch dem nicht bergsteigenden Freund des Automobils das letzte Geheimnis des Regenten der Ostschweiz offen: der unvergleichliche Guck in das Schmuckkästchen dieses schönen Berglandes und die nicht minder schöne weite Sicht in das grüne Hügelland, das sich wie ein Teppich weit und breit, sonnig und traut zu unseren Füssen ausbreitet und dem ungekrönten König ehrerbietig Tribut zollt Seh. Notieren Sie sich für die nächste Weekendtour eine Autofahrt in den Alpen. Unser Automobilführer durch die Alpen enthält viele zuverlässige und ausführliche Tourenvorschläge. Zu beziehen durch alle grösseren BUCH« handlungen und beim Verlag Hallwag, Bern. Blick auf den Säntis von der Strasse Hemberg-Urnäsch aus. Oberalpsee -und Oberalpstrasse. Jeder Kilometer ein Erlebnis! 7JIU detit Auta itöec den Qoühacd in unsecn Hessin Klausenstrasse von Linthal aus Jeder Kilometer, den Sie auf der Klausenstrasse zurücklegen, lohnt es Ihnen durch eine Fülle von Schönem und Eigenartigem: Der schimmernde Walensee mit seinen fallenden Hängen, die breiten, einladenden Strassen durch das Glarnerland, die Felsgalerien in der Klus, die weitausschweifenden Betonkurven in der Vorfrutt, die Paßhöhe mit dem überragenden Märcherstöckli, die Strassentunnels in der Balmwand, die wettergebräunten Urigen und Spirigen, die altehrwürdigen Bürglen und Altorf und der lachende Urnersee. — Benützen Sie einen schönen Sommertag zur Fahrt über den Klausen; die Erinnerung daran wird unauslöschlich im Gedächtnis eingeprägt bleiben. Die Klausenstrasse„Pro KUuMa" Der Gotthardpass ist offen! Jetzt auf nach dem sonrugenSüden. Unbeschreiblich schön ist eine Fahrt über den St. Gotthard nach Bellinzona, Lugano Locarno u. Ascona Die Hotels sind hier billiger als anderswo. - Strandbäder - Golf \- Tennis - Kasinos uswbieten dem Gast schöne Ferientage. Verlangen Sie den neuen, interessanten « Tessin - Autoprospekt »kostenlos direkt von den Vorteil rsViiirns nhirror lfnrrvrto Druck, Cliob.es und Verlas: HALLWAG A.-G., Häuerseae Buchdruckerei und Wagnersche Verlagsanstalt, Bern.

N° 48 — 1935 AUTOMOBIL-REVUE 23 Die Alpenstrassen, ein Hauptfaktor des internationalen Autotourismus Wer heute am Steuer eines grossen Autotouristikbureaus eines schweizerischen Automobilistenverbandes sitzt, muss das lange Jahr hindurch auf alle möglichen Anfragen Auskunft geben, muss in allen Belangen beschlagen sein und über die unmöglichsten Dinge zu berichten wissen. Nimmt man aber all die hunderte und tausende mündlich, telephonisch und schriftlich eingehenden Anfragen aus dem Ausland etwas näher unter die Lupe und sucht die verschiedenen Fragenkomplexe zu gruppieren, so zieht sich wie Dr. H. Schmidlin. nen Dimensionen sich dieser Verkehr vor knappen 15 Jahren gehalten hat. noch Es ist daher auch verständlich, wenn die schweizerischen Stellen für die Fremdenverkehrswerbung im Ausland diese herrlichen Fahrten durch unsere Alpengegenden als besonders anziehendes Schaustück verwenden, wobei es sich aber zeigt, dass ein roter Faden die stete und kontinuierlich wiederkommende Frage nach dem Prunkstück der automobilistischen Schweiz, den herrlichen Alpenstrassen, durch die Haufen von Postkarten und Briefen. Verteilt sich das autotouristische Interesse z. B. bei Frankreich auf die Riviera, die Alpenrouten, die Bretagne, Pyrenäen und Loireschlösser, so zieht bei uns vor allem die prächtige Alpenlandschaft die ausländischen Autoreisenden in ihren Bann. Eine Schweizerxeise ohne die wichtigeren Alpenstrassen ist .heute undenkbar. Namen wie Gotthard, Furka, Grimsel, Simplon, Julier, Grosser St. Bernhard, Klausen sind heute Begriffe von weltbekanntem Klang. Und machte sich dieses Interesse bis vor zwei Jahren nur vom Frühjahr bis Spätherbst geltend, so ist auch diese Beschränkung mit der Offenhaltung der Len-: zerheide-, Maloja- und Julierstrasse, der frühzeitigeren Oeffnung anderer Alpenstrassen, der Einführung billigerer Eisenbahntransporttaxen auf den Alpentunnellinien, den Winterpostautokursen und der starken Verwendung des Automobils für Fahrten nach den schweizerischen Wintersportzentren ganz beträchtlich reduziert worden. Die Touristikbureaus haben nun tagtäglich Sommer und Winter mit Auskünften und Tourenzusammenstellungne aller Art über Alpenstrassenfahrten zu tun. Das war früher wesentlich anders, und wer heute an einem schönen Sonntag den Rekordverkehr in Gletsch bestaunen kann, der hätte «ich darüber-gew«ndert,-iH-w«kh4dei- Aufklärungen in verschiedener Hinsicht noch dringend nötig sind. Vor allem muss den ausländischen Autotouristen immer und immer wieder anempfohlen werden, ihr tägliches Pensum für solche Alpenstrassenfahrten nicht zu hoch anzusetzen. Tagesdistanzen von 250 bis 300 km ~-— • LatiteTbrnftnerrta}—mTfr-firtfl'Cllü wirken sich auf den bergungewohnten Fahrer sehr ermüdend aus und beeinträchtigen den Genuss der Reise sehr. Dann wird auch stets übersehen, auf eventuelle Schlechtwettertage Rücksicht zu nehmen. Eine Fahrt in Nebel und Regen über die Furka oder den Simplon ist ein Unsinn. Es ist daher den fremden Autotouristen mit Vorteil anzuempfehlen, sich einen gutgelegenen Ausgangspunkt zu wählen und von dort aus an günstigen Tagen die gewünschten Alpenfahrten zu unternehmen. Auch der Zeitpunkt der Reisesaison der Alpen wird oft missachtet. Entweder kommt man zu früh oder zu spät und übersieht dabei, dass beispielsweise die Zeit um Ende Juni, wenn die Alpenflora in voller Blüte steht, solche Alpenfahrten zu einem höchsten Genuss macht. Die Anfragen zeigen aber auch, dass in weiten Kreisen über die Steigungsverhältnisse und Schwierigkeiten unserer Alpenstrassen eine irreführende Meinung herrscht. Man kann den fremden Autotouristen nicht genug sagen, dass die Schweiz ausser vereinzelten Juraübergängen keine Bergstrassen kennt, die Steigungen von 25 und 30 % aufweisen, wie dies z. B. in Oesterreich beim Katschberg -Grosshürn; Grimsel (zwischen Hospiz und Passhöhe). oder Zirlerberg oder der Turracherhöhe noch der Fall ist. Die schweizerischen Alpenstrassen sind so angelegt, dass sie heute mit jedem einigermassen in Ordnung befindlichen Wagen und auch mit Kleinautos ohne Schwierigkeiten befahren werden können. Dass gerade hierüber immer viele Anfragen eingehen, zeigt, dass aufklärende Mitteilungen an die Reisebureaus und in der Auslandspresse sehr am Platze wären. Das soll allerdings nicht hindern, dass man den Fahrern nach wie vor dringend anempfiehlt, beim Befahren der schweizerischen Alpenstrassen besondere Vorsicht walten zu lassen, weil sie eben zu einem Teil noch nicht dem modernen Verkehr angepasst sind. Gerade die schmalen Fahrbahnen verschiedener Bergstrassen bedingen auch die Unzukömmlichkeit des bergseitigen Ausweichens der Alpenautoposten auf diversen Strecken, eine für den ungewohnten Ausländer unangenehme Beigabe. Die schmale Fahrbahn und die oft fehlenden talseitigen Sicherungsbauten führen auch dazu, dass der ausländische Automobilist auf Unseren Bergstrassen aus einem "gewissen Angstgefühl heraus oft nur sehr ungenügend die rechte Strassenseite hält und daher Kollisionen mit kreuzenden Fahrzeugen keine Seltenheiten sind. Wer z. B. die englische Fachpresse aufmerksam durchliest, dem können die verschiedenen Klagen über den ungenügenden Ausbau der schweizerischen Alpenstrassen nicht entgehen. Oder glaubt man, dass eine Bemerkung in einem ausführlichen Fahrtbericht im. vielgelesenen « Autocar », folgendermassen lautend: « The roads of the Engadine region in summer are vilenarrow, dusty and abounding in potholes», eine Propaganda für das herrliche Bündnertead-darstellt? -Bedenkt man, wie prächtig Auf dreieinhalb tausend Meter mit der JUNGFRAUBAHN Garagieren in Lauterbrunnen oder Grindelwald 16. Juni Jungfrau-Stafette, 17. bis 22. und 24. bis 29. Juni Skihochtourenwochen, 13./14. Juli Sommerskirennen,. Schweizer. Skischule im Sommer. Bergschule Jungfrau. Akt.-Ges. R. & E. HUBER, Pfäffikon (Zeh.)