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E_1935_Zeitung_Nr.053

E_1935_Zeitung_Nr.053

BERN, Dienstag, 2. Juli 1935 ÖIC Ädiidl Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 53 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlieh Fr. li.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Ff. 7J5O Strasse und Fremdenverkehr in der Schweiz Vortrag von Dr. Max Senger an der Generalversammlung der Schweiz. Strassenfachmänner. Strasse und Fremdenverkehr verhalten der Helvetik, das Urteil eines Ausländers sich in gewissem Sinne zusammen wie Urgrossmutter und Enkelin. Die Strasse hat «Wer die Schweiz durchreist, findet oft Änlass aus jener Zeit anführen, der sagte: , eine Geschichte, die zurückführt auf den Urpfad, den Jägersteig, die Militärstrassen der Kenntnissen zu leisten imstande ist.» sich zu überzeugen, was Vaterlandsliebe in Verbindung mit wissenschaftlichen und praktischen Römer. Mit dem Fremdenverkehr ist die ganze Sache wesentlich einfacher. Der hat gar keine so weit zurückgehende und komplizierte Geschichte. Fremdenverkehr im Sinne der massenhaften Ortsveränderung von Personen zu Erholungs-, Vergnügungsund Bildungszwecken ist eine ziemlich neue Erfindung. Kaum 100 Jahre alt. Zugegeben, wir wollen die empfindsamen Reisen der Herren Goethe, Byron, Chateaubriand, Eichendorff usw. gelten lassen und unter Fremdenverkehr einreihen. Aber hier ist nun wichtig zu betonen, dass der Fremdenverkehr im vorhin angedeuteten Sinn nicht eine Funktion der Strasse, sondern eine Funktion der Eisenbahn ist. Wir wollen einmal den ganz und gar möglichen Fall annehmen, die Eisenbahn wäre nicht erfunden worden. Dann wäre der Massenverkehr auf der Strasse erst mit dem Auftauchen des neuen Strassenverkehrsmittels, dem Auto, möglich geworden und wir; würden vermutlich noch in den Anfangszeiten des Fremdenverkehrs stecken. Es genügt, wenn wir in unserer Betrachtung über Strasse und Fremdenverkehr diese verwandten Beziehungen im letzten Jahrhundert ins Auge fassen. Auch da machen wir eine ganz interessante Feststellung. Der oberste Hüter des Strassenwesens zur Zeit der Helvetik, Ingenieur Guison, weiss die Strassen der Schweiz in seinem 1799 erschienenen Büchlein nicht gerade zu loben, wenn er feststellen musste : J'ai vue avec peine, que vos chemins etaient plus negliges que dans tous les autres pays. Zugegeben, die erste moderne Alpenstrasse haben wir Napoleon zu verdanken, der den Simplon erbauen Hess. Wie sehr man sich aber das missbilligehde Urteil Guisons und das vorbildliche Beispiel am Simplon zu Herzen genommen hatte, beweisen die Baudaten einiger wichtiger Alpenstrassen : St. Bernhardin Splügen Julier Maloja Gotthard 1818—21 1818—23 1820—26 1827—28 1820—30 Unt. und ob. Hauenstein 1830 Mit Recht dürfen wir also jetzt, im Gegensatz zur Einstellung des Strasseninspektors F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (5. Fortsetzung.) Ganz klein und fortgeschoben fühlte sich da das Fräulein Lissy Erler im ersten Augenblick — beinahe gekränkt. Aber dann konnte sie es doch verstehen, und es war ja auch sicher richtig so. Von draussen aus den anderen Zimmern kam der Klang von Schritten — da gingen sie jetzt wohl hinüber zu der Toten — Laut und über Herrn Schwieger weg fragte Joos Utenhoven dann durch die Stille, die wieder über ihnen allen war, den Sanitätsrat: «Sie haben meine — sie haben die Tote gleich untersucht?» Belegt, gedrosselt kam die bittere Frage aus seiner Kehle. Der Sanitätsrat war sogleich bei ihm: «Ja — Gott — nicht wahr? — nur Puls und Atem, Herz, aber es war vorbei. Und ich habe nichts weiter angerührt, weil doch der Portier sagte, dass er gleich nach dem Revier telephonieren wollte. Da soll man doch nicht vorgreifen^ Erseheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Autler-Felerabend". Monatlich 1 mal »Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrninstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwensträsse 51, Telephon 39.743 Es ist bei dieser Aufzählung auf fällend,-wie sehr die Zahl der bündnerischen Alpenstrassen überwiegt. Das beweist das energische Vorgehen der Bündner in Verkehrsdingen, das sie von jeher gezeigt haben und sich auch heute noch äussert. Wir verweisen auf die Oeffnung des Juliers im Winter. Die Berner hatten zwar schon damals Pläne. 1811 spukte die Sustenstrasse zum erstenmal, und 1833 bestand ein Plan zur Untertunnelung der Gemmi für den Strassenverkehr. Die Berner haben dann allerdings ihren Uebergang ins Wallis als moderne Strasse erst 1895 mit der Grimsel erreicht und die Walliser haben die zweite Ueberquerung neben dem Simplon, nämlich den Grossen St. Bernhard, mit einer modernen Strasse gar in unser Jahrhundert verlegt, 1905. Interessant ist die Feststellung, dass die in den' dreissiger Jahren im Schweizerland mit vielen Kosten erbauten Strassen, besonders die Alpenstrassen, durchaus nicht aus Gründen des Fremdenverkehrs errichtet wurden. Das treibende Element, - der Kern der damaligen Strassenbaupolitik war nämlich der Güterverkehr, der Transithändel. Der Personenverkehr spielte noch eine durchaus untergeordnete Rolle. Der Bernhardin z.B. wurde auf Grund von Korneinfuhrverhandlungen zwischen Graubünden und Sardinien erbaut. Maloja und Julier sollten dem Warenverkehr über den Splügen eine Entlastung bringen. Die Brünigstrasse wurde deshalb erst so spät gebaut (1857-62), weil die bernische Spezialkommission im Jahre 1824 zum Ergebnis gekommen war, «der Bau der Brünigstrasse verspreche keine Hebung des Transitverkehrs». Der Kanton Uri berechnete seinen jährlichen Gewinn am Gotthard-Transitgüterverkehr auf rund 250,000 Fr. Das war übrigens neben der Viehzucht die zweitwichtigste Einnahmequelle des Kantons. Damit kommen wir auf die weniger erbauliche Gegenseite zu sprechen. Die Einstellung zum Strassenverkehr war vor 1850 in der Schweiz eine rein fiskalische. Die Weggelder waren oftmals höher als es der Unterhalt der Strasse gerechtfertigt hätte. Ob sie wohl noch gelitten hat —-?> Das war wieder die in verdrängter 'Qual zerpresste Stimme. «Ich glaube kaum —. Wie es auch war: sie muss gleich auf der Stelle hingesunken sein —» Joos Utenhoven rührte nur in einem abwesenden Nicken den Kopf. Die Lider über den blicklosen Augen schlugen, die grossen gleichmässigen Schneidezähne gruben sich tief in die farblos gewordene Lippe. Er hörte Worte — Worte: — wie es auch war — sie muss gleich auf der Stelle hingesunken sein. Und schloss dann jäh die Augen — dachte, überspült von einer andringenden Welle wilden Schmerzes und ohnmächtiger Sehnsucht: —nie mehr — nie mehr! — werde ich ihre weiche Stimme hören — ihr leises Lachen, das wie Rieseln von verborgenen Quellen war — nie mehr werde ich ihren zarten Leib in meinen Armen halten und niedersehen in das feine helle Gesichtlein in seiner hingegebenen gelösten Schönheit —! Elke-Maria — warum — warum bist du nicht bei mir geblieben—? Warum habe ich dich so verlieren müssen —?! Er horchte, losgelöst von aller Umwelt, tief in die aufbrandende Welle seines Schmerzes. Erst mit dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung von 1848 ergab sich hier eine Besserung. Die Bundesverfassung brachte sodann eine für den Strassenbau in der Schweiz ganz wichtige Bestimmung in Art. 23, wonach die Beitragspflicht des Bundes festgelegt wurde. Nach den dreissiger Jahren, also der ersten Bauzeit moderner Strassen in der Schweiz,, wandte sich das öffentliche Interesse mehr der Eisenbahn zu. Es bestand kein -Fremdenverkehr, es gab, keine Interessenten, die aus Gründen des Fremdenverkehrs auf Fortsetzung des grosszügig angefangenen Strassenbauprogramms gedrungen hätten. Die erste rein schweizerische Eisenbahn entstand 1849 mit der Verbindung Zürich- Baden. Die Zeit von 1848-52 war mit hefti-, gen Diskussionen über die Frage Privatoder Staatsbetrieb erfüllt. 1852-64 war die erste fruchtbare Bauperiode, an deren Schluss man 1300 km Normalspur, eine Finanzkrise, aber auch die Auffassung besass, dass es so etwas wie einen « Fremdenverkehr » in grossem Stil gebe, dessen Förderung und planmässige Ausgestaltung notwendig sein könnte. Auf diese Erwägung möchte ich es z. T. zurückführen; dass in den sechziger Jahren wieder eine ganze Reihe von wichtigen npuen Strassenbauten in Angriff genommen wurden; 1861—64 Axenstrassre ,1857—62 Brümgstraese 1864—66 Furkastrasse 1864 Bernina, Fertigstellung 1867 Flüela 1871—77 Lukmanier. Bei diesen und andern, durchaus im Interesse des Fremdenverkehrs stehenden Strassenbauten, spielte der bereits erwähnte Art. 23 der Bundesverfassung eine wichtige Rolle. Der Bund hat in den Jahren 1861-1932 an Beiträgen für die Alpenstrassen rund 12 Millionen Franken geleistet. Ich stütze mich hier auf die verdienstvolle Zusammenstellung von Kantonsingenieur Blumer, Glarus, in der « Automobil-Revue » Nr. 31, 1933. Im Vergleich zu der bescheidenen Höhe der Durchschnittskosten pro km (sie betrugen für die Flüela 17,000, für die Oberalp 21,000 Fr.) eine ganz stattliche Summe. Heute ist mit andern Summen zu rechnen. Wir legen Wert darauf, diese fördernde Einstellung des Bundes in Sachen Strassenbau festzuhalten. Es ist doch ein wesentlicher Unterschied gegenüber dem Staatsvertrag Oesterreich-Tessin, der den Kanton Tessin vertraglich verpflichtet, die Ausbesserung der mangelhaften Strasse Lumino-Moesabrücke zu verhindern ! Wie hat sich nun der Strassenverkehr, insbesondere der Fremdenverkehr auf der Ihm war, es müsse irgendwo aus dieser Qual sich eine Insel heben — Nein — keine Antwort Nur ein Bild stieg wieder vor ihm auf — wie lange war das her? unsagbar lange schon! — nein: kaum erst eine Stunde! —da stand vor ihm im Rahmen dieser Tür, die dort, in der Bellevuestrasse, von seinem Arbeitszimmer in den grossen Saal hinüberführte, die dünnen Spinnenarme an das Holz gedrängt, armselig, zitternd und verstört, der kleine Doktor —. Und hing an ihm mit Augen, die aus einer ungekannten Weite kamen und wissend schienen, so als ob vor ihnen nichts mehr verborgen wäre. Simon Marane. Hatte er etwas gesprochen? Worte? Nein — er hatte nur still genickt —. War aber doch gewesen so, als ob er sagte: Schuld? Wer ist schuldig? Sie — du — irgendeiner? Das Leben spielt mit uns — Plötzlich sprang mitten in dieses Suchen und Versinken sprengend von irgendwo ein weicher, dumpfer Knall — Vorbei — zerrissen alles das. Was war es nur —? Warum schlug ihm das Herz mit einem Male wie ein Hammer —? Erschreckt und aufgestöbert trafen Blicke ineinander — klang vom Kamin her, von INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Kaum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute über: Die verfehlte Benzinzollpolitik. Das sportliche Wochenende in aller Welt. Elektrolytische Härtung von Kolben. Dornier-Fracht-FIugzeug Do-F. Abgabe von Touristenbenzin. Eröffnung der Grossglockner- Hochalpenstrasse. Bilder: Seite 6. Strandbad-Sonderbeilage. Strasse in der Zeit der Bahn- und Strassenbauten entwickelt ? Mit dem Bauen der Neben- und Schmalspurbahnen wurde in der Schweiz in Jahre 1875 begonnen. Das Eisenbahnnetz ist erwiesenermassen bei uns sehr dicht. Trotzdem hat der Reiseverkehr mit der Achse andauernd zugenommen. Es folgt daraus, dass wohl die Hauptstrassen bis zum Aufkommen des Autos ihre Bedeutung verloren hatten, die Nebenstrassen und die Gebirgsstrassen im Sinne eines Zubringerdienstes ihre Bedeutung nie eingebüsst haben. Wir dürfen aber, grosso modo, den Fremdenverkehr auf der Strasse zur Zeit des Pferdezugs gewissermassen als den Fremdenverkehr der Wohlsituierten ansprechen, während die Bahnen den Massenverkehr geschaffen haben. Das Automobil, als neues Strassenverkehrsmittel, hat erstens den Pferdezug ersetzt, dem Bahnverkehr gewisse Teile entzogen, es darf aber für sich beanspruchen, neuen Verkehr geschaffen zu haben. Schon aus diesem Grunde kann auf dem Gebiete des Personenverkehrs, nach Ueberwindung der für jede neue Erfindung nötigen Uebergangs- und Kampfperiode, nur die Gleichung Bahn und Auto in Frage kommen, niemals aber die Gegenüberstellung Bahn oder Auto. Vom Standpunkt des Fremdenverkehrs aus muss sogar der Ausgleich Bahn und Auto als unbedingte Notwendigkeit betrachtet werden. Die Bahn hat den Begriff des Massenverkehrs geschaffen, das Auto überträgt diesen Verkehr auf die Strasse, und dem Strassenbauer erwachsen dabei ganz neue Aufgaben in Bezug auf die Gestaltung der Strasse. Die Forderungen, die der moderne Fremdenverkehr an die Strasse zu stellen hat, möchten wir trennen in rein strassentechnische und anderseits in verkehrstechnische. Fräulein Erler, ein kleiner heller Schrei — Gelassen nur Herr Schwieger — rührte jetzt langsam, gutmütig beruhigend den runden Kopf, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und sagte: «Blitzlicht — sie machen doch die Aufnahmen da drüben —» Und da kam auch schon dieser Schwaden von beizend nebelgrauem Dunst herüber. Im Esszimmer wurde ein Fenster aufgeklinkt, ganz deutlich hörte man das Anschlagen der Scheiben — den lauter andringenden Strassenhall — Der Sanitätsrat Fränkel hatte sich einem der Bücherborde zugekehrt, starrte da auf. die Rückentitel der schönen grossen Bände — wusste mit diesen Namen, die ihm fremd' und ohne Sinnverbundenheit vor Augen standen, nichts anzufangen. Mühte sich dann, die Darstellung und die barocke Unterschrift eines alten Kupferstiches zu erkennen und zu entziffern, der da unter Glas und gerahmt an der Seitenwand eines Bordes hing. Einen Admiral der niederländischen Generalstaaten stellte das Porträt dar, einen hoch aufgerichteten derbschönen Mann, der im Prunkkleide seines Standes, in breitem Spitzenkragen, die reich durchwirkte Feldbinde über der Brust, vor einem gerafften Vorhang stand und kühn befehlend auf die offene See hinaus wies, auf