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E_1935_Zeitung_Nr.053

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"wachsener Menschen) in die Kleider. Selbst Agnes kam kurz vor der Abfahrt zurück. Sie hatte einen roten Kopf und winkte einem Jüngling, der ein paar hundert Meter entfernt stand. Schnell finden junge Mädchen Max-Ersatz! Die Heimfahrt wurde singend absolviert. Babys Krähen übertönte zeitweise selbst die herausfordernden männlichen Bässe. Das schöne Lied vom Mädchen am Bodensee gefiel allen Beteiligten besonders. Der kleine Wortwechsel zwischen Agnes und Kurt über das Thema «Ich werde Max alles erzählen!» schlichtete der geistesgegenwärtige Vater mit einer saftigen nach rückwärts gegebenen Ohrfeige. Tränen gab's nicht. Zuhause kritisierte jede Familie die andere als Unterhaltung. Worauf man sich vereinzelt in die Badezimmer zurückzog, denn nie ist man so schmutzig, wie nach einem Bad im Freien. Während Baby schon längst schlief, gelang es Agnes ihren Max am Telephon zu erreichen und ihn vor verlogenen Aussagen ihres Bruders zu warnen. Kurt nahm die französische Grammatik vorsichtshalber mit ins Bett und Vater und Mutter beschlossen, solche Ausflüge zu wiederholen und beratschlagten, wer, mit Auto behaftet, am nächsten Sonntag angefragt werden könne. Lieber Leser! Es ist keine wahre Geschichte, die ich Dir hier servierte. Es ist aber auch keine erfundene Geschichte. Nein, sie wurde aus verschiedenen Tatsachen-Berichten zusammengestellt und bildet daher ausgezeichnet das Durchschnittserlebnis einer Familie, die am Sonntag baden geht. Ich wollte, ich wäre dabei gewesen! Jst Sotuw&aden gesund? Die Frage, ob es richtig ist, sich von der Sonne braun brennen zu lassen, ist heute besonders aktuell. Zweifellos — so schreibt die Koralle — sehnen sich heute viele Menschen nach der braunen Farbe, die ein gesundes, kräftiges Aussehen verleiht, und manche riskieren ihr zuliebe sogar einen Sonnenbrand. Erst kürzlich wurde von medizinischer Seite betont, dass die stärksten Heilkräfte, die es überhaupt gibt, in der Sonne ruhen, was schon der Sonnenkult alter Völker vermuten lässt, die ebenfalls in der Sonne die stärkste Heilkraft für Körper und Seele verehrten. Es gibt wohl kaum einen Lebensvorgang, in den das Sonnenlicht nicht physiologisch eingriffe. Man hat durch Versuche festgestellt, dass sich die roten Blutkörperchen und ebenfalls die Gesamtblutmenge durch Besonnung vermehren, wobei die Sonnenkraft gleichzeitig bis auf das Knochensystem wirkt. Hierbei spielt die Haut stets die vermittelnde Rolle. Es hat sich sogar herausgestellt, dass selbst Teilbestrahlungen der Haut dem ganzen Körper zugute kommen. Das wird manchen freuen, dem die Umstände nur eine gelegentliche Bestrahlung von Gesicht oder Oberkörper erlauben. Unter den Krankheiten, die man mit Sonnenlicht behandelt, fällt die den meisten Heilmitteln trotzende Tuberkulose auf. Prof. Dr. A. Rollier, Leysin. liess bei der Sonnenbestrahlung der sogenannten chirurgischen Freien lebt. Sogar der Tierzfichter weiss, Tuberkulose die Sonnenstrahlen auf die dass seine dunkleren Tiere widerstandsfähi- sind. Das Pigment wird eben durch den ganze Körperoberfläche einwirken, um denger ganzen Organismus zu kräftigen. Er ist der ständigen Kontakt mit der Natur erworben. Ansicht, dass das Sonnenlicht, wenn es den Man braucht nur eine Blutprobe zu machen, Körper auch nicht wie die Röntgenstrahlen um festzustellen, dass der Hautfarbstoff an durchdringt, doch in der Haut Wirkungen den Kreislauf zur Stärkung der inneren Drüsensekretion abgegeben wird. Damit wird be- erzielt, die sich auf alle Organe ausdehnen. So werden z. B. unter der Wirkung der wiesen, dass es für den Körper kein stärkeres Erlebnis geben kann, als sich mit der Sonnenstrahlen die Lipoidsubstanzen der Haut so umgeformt, dass das für den Knochenaufbau unentbehrliche Vitamin D ent-viel von ihren Kräften Sonne auseinanderzusetzen, d. h. möglichst aufzunehmen. steht. Rollier glaubt, dass das von der Sonne auf der Haut hervorgerufene Pigment, also die Hautbräunung direkt an der Umformung von Lichtenergie in Lebensenergie teilnimmt. Er verweist dabei auf seine 30jährige Arbeit im Höhenklima (wo also die Sonnenkur das ganze Jahr hindurch angewandt werden konnte), die bewies, dass Tuberkulose der Knochen, Gelenke, Drüsen, Haut, des Brustund Bauchfells usw. durch Sonnenbehandlung heilt. Er wandte die Heilkraft der Sonne auch bei chronischen Knochenmarksentzündungen, schwer heilenden Wunden, Schwächezuständen nach Operationen und michttuberkulösen Hauterkrankungen an. Sonnenbehandlung verwendet man heute auch bei Fettsucht, Rheumatismus, Gicht, Ischias, Neuralgie, Zuckerkrankheit, Magen-, Darmgeschwüren, Arteriosklerose und dort, sich bewegen und leichte Arbeit verrichten. wo alle anderen Mittel versagen. Bei man-Nichen Krankheiten, wie z. B. der Skrofulöse, ins Wasser gehen, und bei heisser, hochste- soll man mit einem sonnenheissen Körper spricht man direkt von einer Schattenkrankheit. Herz-, Lungenkranke und Nervöse müssen hender Sonne bedeckt man Kopf und Nacken. Beim gesunden Menschen ist die Braunfärbung der Haut beim Besonnen immer sich ausserdem stets von ihrem Arzt die Art ihrer Sonnenbäder anweisen lassen. mit stärkerer Blutfülle verbunden, während Auch Menschen, die eine schlecht arbeitende Haut haben, die schlaff, welk und trok- die Haut von Kranken trotz brauner Färbung dennoch welk und spröde bleibt. Natürlich begünstigt die Blutfülle auch die Hei-zeitig durch Luft- und Wasserbäder ken ist, tun gut, sich auf Sonnenbäder früh- (Du- lungsaussichten bei Sonnenbehandlung. Braunwerden der Haut und Eintritt stärkerer Blutfülle sind also auf alle Fälle günstige Zeichen dafür, dass der Körper mit Sonnenenergie geladen wird. In der Oberhaut liegen die Pigment- (Farbstoff-) Körnchen, welche die dunklere Farbe mancher Rassen (aber auch die Farbflecke hellhäutiger Menschen, Sommersprossen, Leberflecke usw.) bedingen. Neugeborene Kinder sind bei allen Rassen fast pigmentlos und daher rot (durchscheinendes Blut). Durch die Menge des in der Epidermis vorhandenen Pigments entstehen die Farbenunterschiede» die vom hellsten Gelb bis zum dunkelsten Braun wechseln. Man nimmt an, dass bei besonders hellfarbigen Menschen und Tieren ein gewisser Pigmentverlust vorliegt (durch Domestikation-Zähmung). Man weiss zwar nicht genau, wie das Pigment sich bildet, aber zweifellos steht es unter dem Einfluss des Sonnenlichts in den tiefsten Zellen der Epidermis und schützt die Haut gegen zu starken Lichteinfluss, so dass also das Braunwerden selbst zugleich der beste Selbstschutz des Körpers gegen alle Gefahren des Sonnenlichts darstellt. Es ist selbstverständlich, dass' alle Menschen, die ständig in der Natur leben, eine schöne dunkelbraune und schützende Pigmenthülle tragen, die sich so mancher Städter gern erwerben möchte. Es ist klar, dass auch der nordische Mensch lichtbraun wird, wenn er ständig im ÄUTOMÖBIL-REVÜE 1935 - N° 53 Wie steht es nun mit dem Sonnenbrand, vor dem alle Hellhäutigen begreiflicherweise Angst haben, da sie am wenigsten dagegen geschützt sind? Sie müssen sich langsam an die Sonne gewöhnen, dann bleiben ihnen alle unliebsamen Erscheinungen erspart, wie: Hautentzündungen, Kopfschmerzen, fieberhafte Zustände oder sogar Sonnenstiche. Schon das ganze Jahr über sollten die Hellfarbigen bei jeder Gelegenheit ihre Haut durch Luftbäder' abhärten. Und wenn sie sich zuerst im Freien sonnen, sollen sie sich nicht in die pralle Sonne legen. Vor allem aber müssen sie sich dauernd zwischen Licht und Schatten bewegen. Bei der Behandlung von Hauttuberkulose hat sich z. B. gezeigt, wieviel besser die Sonnenbestrahlung wirkt, wenn die Kranken schen, Bürstenbäder, Trockenabreibungen) und poröse Kleidung vorzubereiten. Hier spielt auch die richtige Ernährung eine grosse Rolle. Der Gebrauch von reinen, besten Oelen schützt vor dem Sonnenbrand und begünstigt ausserdem das Braunwerden, zumal, wenn sich mit dem Einölen eine gute Hautund Knetmassage verbindet, damit das Oel auch richtig in die Haut hineingearbeitet wird. Man muss einmal die Zeitlupenaufnahmen von Pflanzen gesehen haben, die schwere Steine und Erdmassen hochheben, um ans Licht zu gelangen, um den Heliotropismus aller Wesen zu begreifen. Es gibt in gemässigten Zonen nichts Schöneres als das Licht der Sonne, und gerade, wer es scheinbar nicht verträgt und nicht braun werden will, sollte die Sonne immer wieder suchen, bis sie ihn erhört. Und jeder braucht sich vor ihr nur so viel zu holen, wie er verträgt. Der Europäer z. B. kann nur ein bestimmtes Mass vertragen, er wird, da er an wechselndes Wetter gewöhnt ist, unter der tropischen Sonne leicht blutarm, während ihn dieselbe Sonne in seiner Heimat gerade von der Blutarmut heilt. Man muss also auf das Klima und die eigene Konstitution achten, um Fehler zu vermeiden. Jedenfalls ist die weisse Haut immer ein Zeichen dafür, dass sich der Mensch von der Natur entfernt hat, während die braune Farbe anzeigt, dass die Sonnenkräfte in ihm wirksam sind. SoHUttecfciedeu. meitt als hotdee Qast Von Josef Robert Harrer. Sommerfrieden weüt als holder Gast In das tiefe Blau Schauen wie verzaubert Blatt und 'Ast. Und es rollt den steilen Himmelspfad, Bannend ferne Nacht, . Langsam hoch das goldne Sonnenrad, Auf dem See erglänzt der Himmel weit. Wellen kommen, gehen. ~. Auf den Wellen schaukelt Einsamkeit, Silberstimmen wandern an dem Strand. Menschen ruhen dort, Menschen träumen in das Sommerland. Harte Kalte in der Menschenbrust, Angehäuft im Jahr, Sieh, wie vor der Glut da schwinden masstt Strömte aber allzu heiss das Blut, Wie ein heller Traum Kühlt mit linder Hand die helle Flut. Horch, die sommerliche Wunderuhr, Mensch, in dieser Zeit Schlägt nur Segensstunden der Natur l Das Bankett eines Maharadschas. Unter den zahlreichen Persönlichkeiten, die anlässlich der Jubiläumswochen nach England gekommen sind, ist der Maharadscha von Kapurthala eine der am meisten beachteten, da er allgemein für den reichsten Mann der Erde gehalten wird. Man sieht den kleinen, freundlichen Herrn oft in den Strassen Londons, in einen eleganten Pelz gehüllt, Spazierengehen und in den vornehmen Geschäften Einkäufe machen. Als ihm sein Sohn, der Kronprinz, kurz vor Beginn der offiziellen Feierlichkeiten nachgekommen war, veranstaltete er in einem Luxusrestaurant Westends ein Bankett, dem er aber die Form eines einfachen Lunchs gab. Zu diesem merkwürdigen Mahl hatte der exotische Fürst eine Anzahl von Mitgliedern des britischen Hochadels geladen, die aber alle im voraus gebeten wurden, sich den vom Maharadscha aufgestellten Speiseregeln unterzuordnen. Der Fürst ersuchte die Gäste, pünktlich um 13.10 Uhr im Saale zu erscheinen, da er es nicht liebe, nach 13.15 Uhr zu speisen. Um 13.12 Uhr liess er auch tatsächlich alle Türen des Saales schliessen, so dass der einzige zu spät kommende Gast, die Trägerin eines bekannten aristokratischen Namens, umkehren musste, ohne den Maharadscha überhaupt, zu Gesicht bekommen zu haben. Pünktlich um 13.16 Uhr begannen die Kellner Platten mit Cocktails zu servieren. Sofort verbot der Maharadscha, einen Cocktail zu sich zu nehmen, eich halte die englische Gewohnheit, vor dem Essen einen Cocktail zu trinken, für dumm und ungesund», erklärte er laut, «man verdirbt sich durch diese zweifelhaften Getränke nur den Appetit und den Geschmack, und überdies wird der Beginn des Mahles dadurch so lange hinausgeschoben, dass einem der Hunger wieder vergeht.» ' Die Kellner schafften daher die Cocktails wieder fort. MADAME, tragen Sie im Auto Leinen-Bezets ä Fr. 4.S0 Aparte Leinenhüte ä Fr. 9.7S JUCKER-PETITPIERRE Paradeplatz 4 Zürich 1 das billige schöne Reiseland Eine Woche Dalmatlen Schiff 1. Klasse ab Venedig, jeden Sonntag Fr. 105.— Dalmatien-Korfu-Athen (11 Tage). Schiff 1. Kl. ab Venedig, 14.Juli,28.Juli,ll.Aug. FT.180.— Mittelmeerfahrten mit 17500 T-Dampfer „Kralfica Marija" (Einheitsklasseschiff) ab Fr. 210.— Zuverl. Auskünfte Ober Jugoelavlen Jugoslawisches Verkehrsbüro lBleloherweg6

53 — 1935 AUTOMOBIL-REVUE 15 ohne dass ein einziger der Gäste gewagt hätte, von ihnen zu kosten. Der Adjutant des Herrscher®, zum erstenmal in Europa, hatte das Menü zusammengestellt, das zur Ueberraschung der Anwesenden aus nichts anderm bestand als aus einer Tomatensuppe, einem Suppenhuhn und gekochten Eiern. Der Maharadscha griff herzhaft zu, ass ausschliesslich mit den Fingern und wusch sie nur gelegentlich in warmem Wasser, das in einer Silberschale neben ihm stand. Laut lobte er die Güte der Mahlzeit und ermahnte die Gäste und namentlich seinen Sohn, einen stillen, hochfewachsenen, mageren Mann mit bereits grauen Schläfen, doch nur ungeniert zuzugreifen. Wenn die Schüsseln leer waren, wurden neue hereingebracht, in denen nichts anderes enthalten war als wiederum Tomatensuppe, Suppenhuhn und weiche Eier. Der Maharadscha, der sichtlich bei guter Laune war, erzählte, dass er seinem Sohn vor kurzem einen Palast schenkte, dessen Erbauung ihn anderthalb Millionen englische Pfund gekostet hatte. «Gefällt er dir?» fragte er ihn. «0 ja», antwortete der Kronprinz bescheiden, sprach aber dann sogleich von anderen Dingen. Den stärksten Eindruck hatte auf ihn das Schneegestöber gemacht das er Mitte Mai in London erlebte. Jedem, der mit ihm sprach, erzählte er darüber. «Uebrigens scheint wirklich jeder Mensch denzeit in London zu sein», sagte er. «Ich habe, settdem ich hier bin, Bekannte aus der ganzen Welt getroffen. Von den Theatern und Kinos bin ich ganz begeistert. Wenn ich in einer Vorstellung bin, habe ich erst das Gefühl, dass es sich für mich gelohnt hat, die weite Reise zu machen. Ich liebe vor allem Tragödien, aber von Zeit zu Zeit sehe ich auch gern Operetten.» Als ihm ein Gast eine Liste von sehenswerten Londoner Aufführungen entwarf, bedankte er sich viele Male dafür. König Georgs Küchenchef. Die Leitung der königlichen Küche am Hofe von St. James liegt in der Hand von Monsieur Cedard, der seit 40 Jahren in kgl. Diensten steht. Monsieur Cedard ist für Journalisten im allgemeinen schwer zugänglich; aber auch an ihm ging die Hochstimmung des silbernen Regierungsjubiläums seines Herrn nicht spurlos vorüber, und er fand sich eher bereit als sonst, etwas aus seinem Tageslauf zu erzählen. Auf die Frage, ob sich die Königin um den täglichen Speisezettel kümmere, erwiderte Monsieur Cedard, dass er Ihrer Majestät jeden Morgen einen Menüvorschlag unterbreitet Früher hat er sich persönlich gemeldet, im Laufe der Jahre ist ihm jedoch der Geschmack des Königs und der Königin so vertraut geworden, dass es solcher Umstände nicht mehr bedarf. Man kann sich getrost auf ihn verlassen. Die Königin legt mehr Wert auf Qualität als auf Quantität der Speisen. Der Prinz von Wales ist kein grosser Esser; ob er an der Tafel teilnimmt oder nicht, ist für die Dispositionen des Küchenchefs ganz unerheblich. Natürlich wollten die Journalisten wissen, ob Monsieur Cedard auch den Galaempfang am Jubiläumstag gastronomisch vorbereitet habe. «Nein», lautete die Antwort,