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E_1935_Zeitung_Nr.050

E_1935_Zeitung_Nr.050

BERN, Freitag, 21. Juni 1935 Gelbe Liste Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 50 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Et Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 1«.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtHen abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversicb.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Automobilistische Tagesfragen Unerwünschte Strassenreklame Das Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr bestimmt in Art 4, Abs. 2 : «Das Anbringen von Reklamen auf oder ausserhalb der Strasse ist untersagt, soweit dadurch die Sicherheit des Strassenverkehrs gefährdet wird.» . Diese Vorschrift ist auch in verschiedene kantonale Verkehrsgesetze übernommen worden und gilt selbstverständlich ganz generell für das ganze Gebiet der Schweiz auch ohne ausdrückliche Bestätigung durch kantonale Vorschriften. Sie ist gewiss gut gemeint und war angesichts einer überhandnehmenden Postierung von Strassenreklamen aller Art längs den wichtigsten Ueberlandstrassen und >vor allem an den Hauptausfalls- und -zufahrtsrouten zu den Städten sehr notwendig. Wer aber durch die Gegend fährt, wird mit Befremden feststellen müssen, dass die Affidien und Plakatierwände längs den Hauptverkehrsstrassen seit Inkrafttreten des Gesetzes nicht etwa abgenommen haben, sondern immer wieder neue Empfehlungen aller Art das Strassenumgelände « zieren». Das eidgenössische Verbot der die Verkehrssicherheit gefährdenden Strassenreklame steht zwar auf. dem Papier, gehört aber zu einigen der im Automobilgesetz enthaltenen Paragraphen, für deren Nachachtung keine Behörde besorgt ist. (Würde es sich um eine Vorschrift handeln, die den Motorfahrzeugführer aüsschliesslich beträfe, so wäre sie mit aller Energie gewiss schon längst in die Tat umgesetzt worden !)" Die oftmals geschmacklose und schreiende Reklame dieser Art bedeutet aber nicht nur ' in vielen Fällen eine Gefährdung des Strassenverkehres, in dem die Uebersichtlichkeft an manchen Oertlichkeiten und besonders vor Kurven oder Wegkreuzungen beeinträchtigt wird, sondern vor allem auch eine bedauerliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Deshalb hat sich nun die schweizerische Vereinigung für den Heimatschutz veranlasst gesehen, gegen die «•seuchemartige Ueberhandnahme der wilden Reklame an unseren Landstrassen» energisch aufzutreten. Zu diesem Zwecke wurde die Automobilstrasse Zürich-Winterthur einer genauen Kontrolle unterzogen und festgestellt, dass rund 400 meist grosse Plakate und Plakatwände die Strassenränder, die Dörfer, die Waldwiesen und Aecker verunstalten. Völlig entstellt ist das Dorf Tagelswangen, sowie die reizvolle Umgebung von Kemptthal. An einigen Orten, wie z. B. in Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (3. Fortsetzung.) «Du —?!» stiess er vor. «Was machst du hier?! —» und gleich darauf: «Wo ist Elke- Maria?!» Fred Rave rührte nur den Kopf — die Kehle schluckte wie im Krampf — sein Blick blieb draussen in der Weite. Der Sanitätsrat war inzwischen leise neben Utenhoven hingetreten; er sagte in die Stille, die mit einem Male um sie alle war, gleichsam um sein Hiersein in der Wohnung zu begründen, und während er sich beklommen und sinnlos ein wenig verbeugte: «Fränkel —» Und dann «— ich muss das wohl erklären — nicht wahr? — Man hat mich als den nächsen Arzt geholt— obzwar: ich bin Spezialist für Pädiatrie — aber immerhin —» Der andere nickte — sah die guten mitleidvollen Judenaugen, in die ein Altersflor sich wob — sah ein paar wohlgepflegte Bügelfalten — Lackschuhe —. Ja, ja, gewiss — Erscheint jeden Dienst»» und Freitag. Wöchentliche Beilage ,Antler-Felcrabend". Monatlich! mal „Gelbe Liste" HEDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Brüttisellen, bilden die Plakate geradezu eine Gefahr für die Autofahrer; die Wegweiser verschwinden hinter den aufdringlichen Reklamen. Mit Recht schreibt der Berichterstatter : «Diese Entstellung' unserer Strassen im Interesse einzelner Firmen verdirbt jede Naturschönheit im Umkreis der Stadt, also gerade in jenen Gebieten, die an Feiertagen, die grosse Zahl der Erholung Suchenden aufnehmen sollen.» Der Heimatschutz betrachtet es als seine dringende Pflicht, gegen diesen Unfug öffentlich aufzutreten. Die Gemeindebehörden besitzen die gesetzlichen Handhaben, um die nötige Säuberungsaktion durchzuführen. Demgemäss wurden die Gemeinderäte aller Ortschaften an der Linie Zürich-Winterthur aufgefordert, ihre Pflicht zu tun. Gleichzeitig wendet sich der Heimatschutz auch an alle privaten Besitzer von Liegenschaften und Grundstücken und bittet sie, sie möchten von sich aus zum Rechten sehen, und nicht um kleinen Gewinnes wegen ihre Häuser; ihre Wiesen und Wälder durch solche markti schreierischen Plakate verunstalten lassen. Alle Freunde der Heimat werden ihnen dafür dankbar sein. Das Rundschreiben an die Gemeinderäte der an der Landsträsse Zürich-Winterthur liegenden Ortschaften lautet: