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E_1935_Zeitung_Nr.057

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ÄTJTOMOBIL-REVUE

ÄTJTOMOBIL-REVUE 1935 - N* 57 Die neueste Hoffnung Italiens: der neue Maserati-Rennwagen, Typ V8RI. Die Maschine, welche ihr Debüt, das aber offenbar verfrüht war, mit dem Start am Grossen Preis der Marne bereits hinter sich hat, stellt einen weiteren Versuch der italienischen Industrie dar, um das jetzige unbestrittene Primat der beiden deutschen Marken ins Wanken zu bringen. Es handelt sich bei der Neukonstruktion um einen Achtzylinder-Motor in V-Form mit einem Inhalt von 4,244 Ldter und vier Vorwärtsgängen. Die Abfederung ist vorn und hinten unabhängig. Sie erfolgt durch Torsionsstäbe nach dem Prinzip von Dr. Porsche. Die Maschine bleibt knapp unter dem durch die jetzige Formel vorgeschriebenen Maximalgewicht von 750 kg. Sie hat eine Spurweite von 135 cm und einen Radstand von 256 cm. Die aerodynamische Karosserie erinnert stark an die Formgebung bei Mercedes-Benz. Neue Weltrekorde! Schon die ersten. Versuche der drei vor wenigen Wochen nach Amerika gereisten englischen Piloten waren von Erfolg begleitet. John Cobb hat bereits eine ganze Reihe neuer Weltbestzeiten in Utah aufgestellt (siehe Sportberichte). Im Bilde sehen wir von links nach rechts: T. E. Ro*e- Richards, John Cobb (am Steuer-des gewaltigen Napier-Railton-Wagens) und G. Dodson. Die Rekordversuche werden dieser Tage fortgesetzt, und es ist mit einer weiteren Serie von Bestzeiten zu rechnen. Etancelin, der Spitzenfahrer der Scuderia Subalpina, welche die Farben von Maserati an den inteiv nationalen Ilennenjndirekt Mitritt,,» amSteuer der neuen Maschine.. -:; .,-• •& Das Rundrennen von Turin. ;Stärt zum .Schlusslauf. Zweiter von links (Nr. 8) Brivio, nei)en ihm (NK Nuvolari, welche beiden die ersten Plätze belegten. Das Rennen um die Trophäe des Britischen Reiches. Zur Erschwerung der Konkurrenz wurden auf der Brooklandsbahn eine Reihe künstlicher Hindernisse erstellt, welche das Rennen zu einer wahren Geschicklichkeitsprüfung gestalteten. Hier sehen wir eine Passage der kleinen Klasse, die mit Zeitvorgahe gestartet wurde. Der moderne Verkehrsknotenpunkt. New York wird im Sommer 1936 den modernsten Knotenpunkt des Straßenverkehrs in Betrieb nehmen, der zugleich auch den dichtesten Verkehr aufweisen wird, der je an einer Stelle zusammenkam. Es handelt sich um die Kreuzung auf Randalis Island, wo vier Brücken den Verkehr aus Manhattan, Queens und Bronx, bedeutende Stadtteile von New York zusammenführen. Der Verkehr wird hier in drei Ebenen aufgeteilt und in 12 verschiedene Richtungen kreuzungslos weitergeführt. Da durch dieses grandiose Bauwerk zahlreiche Kreuzungen vermieden werden, wird sich der Verkehr wesentlich flüssiger- und rascher gestalten, indem dann erstmals viele Meilen Weg gefahren werden können, ohne dass die Motorfahrzeuglenker ständig durch Verkehrsampeln und -Signale wegen des Verkehre aus anderen Richtungen anzuhalten krauchen. Der Pohzeioffizier als Schulpädagoge. Polizeihauptmann Grüninger (St. Gallen) beim theoretischen {Verkehrsunterricht in der Schule in Wil, wo er während fünf Nachmittagen zwei Klassen mit den ^richtigsten Problemen des fitrassen verkehre vertraut Tna einfach, nicht abkommen will, benützen die übrigen Passanten korrekterweise den besonderen Fussgän-

N° 57 57 BERN, 16. Juli 1935 Sportnachrichten Der Grosse Preis von Belgien. Mercedes-Benz setzt ihre Siegesserie fort. Caracciola gewinnt vor Brauchltsch und Chiron (Alfa Romeo). Heiss brannte die Sonne auf die Piste von Spa, fast zu heiss für Maschinen und Fahrer. Aber auch die Zuschauer, die zu Tausenden herbeigeströmt kamen, litten unter der Hitze. Immerhin hatten diese wenigstens Gelegenheiti sich einem kühlen Trunke zu ergeben und ; sich in aller Ruhe den Schweiss von der Stirne zu wischen. Schon in aller Frühe waren die ersten Neugierigen erschienen, teilweise schwer bepackt mit Proviant, Decken, Flaschen, Hängema.tten usw. Gegen Mittag kamen auch schon die ersten Tribünenbesucher; die Zufahrtsstrassen zu Francorchamps, Malmedy und Stave- Iot wurden stark belebt und die Polizisten hatten bald alle Hände voll zu tun, den immer dichter werdenden Verkehr so gut wie möglich zu regeln. Wagen aus allen Herrenländern rollten heran und gaben der ganzen Veranstaltung ein internationales Gepräge. Bereits zwei Stunden vor Rennbeginn war alles bereit und mit zunehmender Ungeduld erwartete man den Start der Rennboliden, Ueberall wurden Prognosen aufgestellt,- jeder glaubte es besser zu wissen, wer wohl siegen würde. Fagioli und Caracciola waren die am meist gehörten Namen; den kleinsten Schuljungen waren sie geläufig und sie kannten auch den Namen dieser so erfolgreichen Firma aus Untertürkheim. In letzter Stunde war Nuvolari (Alfa Romeo) durch Dreyfus ersetzt worden. Diese Veränderung in der Besetzung wurde allgemein bedauert, denn in dem Mantuaner erblickte das belgische Publikum den einzigen Fahrer, der durch seine überragende Fahrkunst vielleicht die Ueberlegenheit der Mercedes-Benz-Maschinen hätte wettmachen können. Etancelin und Zehender hatten beide forfait erklärt, so dass die Anzahl der Konkurrenten auf zehn zusammenschrumpfte. Immerhin war auch so noch die Grundlage für einen abwechslungsreichen und spannenden Kampf -gegeben. Allerdings hatte man mit | einer durchgehenden Führung von Caracciola von Anfang bis Ende des Laufes nicht gerechnet. Aber da" war nun mal nichts zu ändern. Der Deutsche hielt sich glänzend und seine Maschine arbeitete mit der Regelmässigkeit einer Uhr. .' Im Training kam bereits die Ueberlegenheit von Mercedes-Benz zur Geltung. Caracciola, Fagioli und Brauchitseb waren ausseroredntlich schnell und hatten bald den bestehenden Runfdenrekord von Brivio (155,102 km/ St.) nicht unerheblich verbessert. Einzig Wimille (Bugatti) mochte in die von der deutschen Equipe aufgestellten Zeiten vorzudringen und sogar Fagioli und Brauchitseb. um 3 bzw. 6 Sekunden zu distanzieren. Am Samstag war die Rundstreeke von Spa sehr belebt, und «ämtliche Konkurrenten des Grossen Preises zögen mehrere Runden. Caraceiola brauchte für die- 14,864 knv lange Strecke 5 Min. 29 Sek.; dann folgten Wimille (Bugatti) mit 5:37, Brauchitsch mit 5:40, Fagioli mit 5:43, Chiron (Alfa Romeo) mit 5:44, Dreyfus (Alfa Romeo) mit 5:48, Taruffi (Bugatti) mit 5:57, Benöist (Bugatti) mit 5:58* Sommer (Alfa Romeo) mit 6:02 und Lehoux (Maserati) mit 6:41. Aus diesen Ergebnissen konnte man sich ein ungefähres Bild über die LeistungsmSglichkeiten der verschiedenen Maschinen machen, und, in französischen Sportkreisen erhoffte man bereits einen der ersten Plätze für Wimille. Doch hatte der ausgezeichnete Bugatti-Fahrer viel Pech und musste vorzeitig aufgeben. Immerhin war unter normalen Umständen Mercedes-Benz der Sieg nicht zu nehmen. Darüber war man sich einig. Der Rennverlauf. Die Aufstellung der Fahrzeuge für den Start geschah nicht nach den im Training erreichten Zeiten, sondern wurde ausgelost, so dass sich folgen de. Reihenfolge ergab: Dreyfus Lehoux . (Alfa Romeo) (Maserati) Ghircm Wimille Caracciola (Alfa Romeo) (Bugatti) (Meicedes-Benz) Brauchitsdh • Taruffi (Mercedes-Benz) - (Bugatti) Fagioli Benoist Sommer (Mercedes-Benz) (Bugatti) (Alfa Romeo) Kurz vor 13 Uhr, bei tropischer Hitze, steigen die Fahrer in ihre Maschinen. Die Motoren heulen auf; die heisse Luft über dejj Motorhauben zittert. Jetzt erhebt der Starter seine Flagge, noch einige Sekunden. Halt,- da i Nur in geschulten Händen stiebt ja schon einer davon, es ist Caraceiola; zwei Sekunden später folgen die übrigen und dicht hintereinander verschwinden sie bald in der ersten Kurve. Warum startete Caracciola zu früh? In einer andern Sportart hätte der Start wiederholt werden müssen, doch bei einem Automobilrennen kann man die davoneilenden Maschinen nicht wieder zurückrufen. Qewiss, zwei Sekunden bedeuten über eine Strecke von 506 Kilometer (34 Runden) nicht viel und hätten das Endergebnis von Caracciola nicht zu beeinflussen vermocht, doch sollten der Ordnung halber in Zukunft solche Vorkommnisse wennmöglich verhindert werden. Caracciola erledigt die erste Runde mit 5 :35 (Mittel 159 km/St.) vor Brauchitsch, Wimille und Fagioli. Die Startweise des Deutschen hat die Gemüter leicht erregt, doch scheinen sich die Organisatoren darüber nicht allzu grossen Sorgen zu machen. In der zweiten Runde liegen nun schon alle drei Mercedes-Benz-Wagen an der Spitze. Taruffis Bugatti demonstriert bereits gegen die hohen Anforderungen mit lautem Knallen; sicher Zündungsdefekt. Bereits nach drei Runden halten die ersten Maschinen vor den Boxen. Es sind dies Wimille und Taruffi. Doch nehmen beide das Rennen nach kurzer Zeit wieder auf, derweil Caracciola die drei ersten Runden mit einem Mittel von 160,531 km/St, gedreht hat. In bestechender Manier ziehen die drei Mercedes-Benz von Caracciola, Fagioli und Brauchitsch davon und distanzieren das Mittelfeld zusehends. Chiron und Dreyfus folgen auf dem vierten, bezw., fünften Platz, und Wimille, die einzige französische Hoffnung, ist nach seinem ersten Halt am Ersatzteillager zurückgefallen. Seine Maschine funktioniert auch jetzt noch nicht einwandfrei ; ein weiterer Zwangsaufenthalt bringt ihn gänzlich ins Hintertreffen. * Klassement in der 5. Rund«: 1. Caracciola, 27:47 (Mittel 160,306 km/St.); 2. Fagioli, 28:02; 3. Brauchitsch, 28:26; 4. Ghircm, 28:54; 5. Dreyfus, 29:02; 6. Benoist, 30:34; 7. Sommer, 30:35; 8. Lehoux, 31:44; 9. Taruffi; 35:13. Wimille, der ganz hoffnungslos zurückgefallen ist,, fährt seine Maschine in der 6. Runde erneut den Boxen zu. Man sieht" ihn in"4cürzeai Gespräch mit Jean Bugatti; bald BERN, 16. Juli 1935 1 darauf wird das Fahrzeug weggeschoben; Wimille hat aufgegeben, und damit sind die Aussichten Bugattjs auf einen guten Platz begraben, denn Taruffi und Benoist vermögen das Tempo der übrigen Fahrer nicht zu halten und fallen immer weiter zurück. * Chjron und Dreyfus liegen dicht hintereinander, ohne sich gegenseitig zu bedrängen. Man bekommt den Eindruck, dass die beiden auf Abwarten fahren; doch sieht man den Qrund dazu nicht recht ein, denn es ist kaum anzunehmen, dass noch vor Ende des Rennens alle drei Mercedes - Benz ausscheiden werden. Benoists Bugatti will auch nicht mehr recht und muss bei den Boxen vorfahren. Sommer ist aus der achten Runde noch '" nicht zurückgekommen, und man hat keine Ahnung, wo er stecken blieb. Lehoux zieht regelniässig seine Runden ohne zu forcieren. "Nun dreht Fagioli, der 34 Sekunden hinter seinem Stallgefährten Caracoiola liegt, gewaltig auf und unterbietet zweimal den bisher von diesem gehaltenen Rundenrekord mit 163,141 und 163,640 km'St. Inzwischen lässt Brauchitsch die Kerzen wechseln und fällt dadurch beträchtlich zurück, denn alle noch im Feld befindlichen Fahrer gehen nun an ihm vorbei. Klassement in der 15. Runde: 1. Caracciola, l::23:20 (Mittel 160,831 km/St.); 2. Fagioli, 1:52:34; 3. Chiron, 1:54:56; 4. Dreyfus, 1:25:42; 5. Lehoux, 1:33:31; 6. Benoist, 1:34:28. In der 16. Runde hält Chiron an und tankt Unter grossem Applaus nimmt er die Fahrt nach 45 Sekunden wieder auf. Eine Runde später fahren alle drei Mercedes-Benz an den Boxen vor. Während Fagioli und Caracciola Brennstoff aufnehmen und nach einer Minute das Rennen wieder fortsetzen, wird der Wagen von Brauchitsch weggeschoben und scheidet aus. Nun liegen Caracciola und Fagioli dicht hintereinander. Der Italiener drückt unheimlich; er will nach vorn, und man fragt sich, warum sich die beiden restlichen Mercedes- Benz^Fahrer eine solche Hetzjagd liefern. Sie werden ja beide ihre Maschinen zu Tode reiten, doch in der folgenden Runde wird Fagioli vom Mercedes-Benz-Stand a^s-zugfewuhken. Fährt verlangsamen! hless der Besind Präzisionsmaschinen wirkungsvoll. Deshalb unser auserlesenes Personal, dessen Fachkenntnis immer wieder überrascht. kF.FFINCERSTRASSE GARAGE Vertrauensgarage des schweizerischen Aerztesyndikates Vertretungen: Wanderer - Horch - Pontiao - Peugeot Tel. 28.111 Dir. E. H. Thommen, Ing. •**m ** ; cV. »el>