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E_1935_Zeitung_Nr.058

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BERN, Freitag, 19. Juli 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlieh Fr. Ml— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.S» Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Vorbereitungen am Fahrzeug. Zu einem genussreichen Verlauf einer Fahrt — und sei sie noch so klein — gehört, dass das Fahrzeug seinen Dienst störungsfrei tut. Dies hängt hauptsächlich von einer sorgfältigen, laufenden Instandstellung ab. Ueberhaupt wird vielfach übersehen, dass durch eine ständige Pflege des Wagens sehr viel erspart werden kann. Ein erheblicher Teil der Reparaturen ist auf mangelhafte Wartung des Fahrzeuges und auf eine lieblose Behandlung zurückzuführen. Diese Reparaturen können eingespart werden, wenn man das Fahrzeug ständig sorgfältig pflegt uo,d wenn man jedem kleinen Fehler, jedem auftretenden Geräusch sofort nachgeht und Abhilfe schafft. Abgesehen von der Ersparnis an Reparaturen tritt durch eine gute laufende Instandhaltung des Wagens aber auch eine bessere Erhaltung seines Wertes ein. Für einen schlecht gepflegten Wagen kann man schon nach einem Jahr nur mehr einen kleinen Bruchteil seines Anschaffungspreises erhalten, während ein Wagen, der stets bestens instandgehalten wurde, auch nach mehreren Jahren noch einen beträchtlichen Wiederverkaufswert besitzt. Von der Instandhaltung des Wagens hängt also in sehr erheblichem Masse die Amortisationsquote ab, die man jährlich in Rechnung stellen muss. Neben dieser so wichtigen ständigen Pflege des Wagens sind vor jeder Tourenfahrt gewisse Kontrollen und Instandsetzungen unbedingt erforderlich. Meist handelt es sich nur um Kleinigkeiten, die alle zusammen in einer leichten Stunde erledigt sind; aber sie müssen eben gemacht werden. Vor allem die Schmierung. Es genügt nicht, nur dafür zu sorgen, dass das Oel im Motor immer bis zum oberen Strich steht. Die neuen Motoren verbrauchen meist so wenig Oel, dass man 2000 und mehr Kilometer fahren muss, bis ein Nachfüllen von Oel erforderlich ist, das heisst, bis das Oelniveau auf die untere Marke des Oelkontrollstabes gesunken ist. Es ist klar, dass aber inzwischen das Oel seinen Schmierwert erheblich eingebüsst hat. Bei so sparsamen Motoren ist es ungleich besser, bei der Neufülluhg von Oel nur etwas bis über die untere Marke zu füllen, dann etwa 1000 km zu fahren, bis das Oel auf die untere Marke ge- *) Vergleiche Nr. 57. Das Tourenf ahren Einige Winke für Wochen end- und Ferienfahrten. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage ..Autler-Feierabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 sunken ist, dann mit frischem Oel bis zur oberen Marke nachzufüllen, wieder etwa 1000 km zu fahren und dann das Oel zu wechseln. Ueberhaupt empfiehlt es sich, möglichst oft frisches Oel nachzufüllen, damit der Schmierwert des Oeles immer erhalten bleibt. Beste Garantie hierfür bieten natürlich die altbewährten Markenöle, für welche derRaffineur verbindlich zeichnet. Es sei dies besonders hervorgehoben, weil in letzter Zeit der Schweizermarkt mit markenlosen und Quasi Markenölen überschwemmt wird, für deren Qualität niemand eine Garantie übernehmen kann. Es ist ganz falsch, mit dem Oelwechseln zu sparen. Das kostet Kolben und Zylinder und gelegentlich auch Lager. Der häufige Oelwechsel ist jedenfalls billiger. Auch das Wechselgetriebe und das Ausgleichsgetriebe (Differential) erfordern eine ausreichende Schmierung! Ueberzeugen Sie sich oft genug davon, dass genügend Oel in den Qetriebsgehäusen sich befindet? Und sorgen Sie gelegentlich dafür, dass es bei warmem Gehäuse ganz abgelassen und durch frisches Oel ersetzt werde? Und dann die Schmierung des Fahrgestelles! Wie hässlich ist es, wenn der Wagen in allen Fugen kracht und quietscht. Da hilft nur gute Schmierung. Wer über Bine Zentraldruckschmierung verfügt, hat es leicht: er drückt nur täglich einmal, bei längeren Fahrten etwa alle 100 km, auf den Pumpenstössel, und alle zwanzig oder dreissig Schmierstellen sind zuverlässig mit der erforderlichen Schmierstöffmenge versorgt. Aber auch dann, wenn das Fahrgestell mit Schmiernippeln versehen ist, lasse man es sich nicht verdriessen, jede einzelne Stelle, auch die unzulänglichste, zuverlässig mit Fett zu versorgen. Die neuzeitlichen Fettpressen sind ja sehr bequem zu handhaben. Aber man darf keine einzige Schmierstelle übersehen! Auch die Federn erfordern gute Schmierung (wenn nicht Schraubenfedern oder Torsionsstäbe verwendet sind). Federgamaschen muss man von Zeit zu Zeit abnehmen, um die Federblätter einzeln kontrollieren zu können. Natürlich müssen besonders auch die Federbolzen bestens geschmiert sein. Schmierstellen, die man sehr gerne übersieht, und die aber doch sehr oft versorgt sein wollen, sind die Schmiernippel an' der Wasserpumpe und am Verteiler. Man verwendet für dieselben Heisslagerfett. Dann die Reifen. Nur bei genauer Einhaltung des vorgeschriebenen Reifendruckes fährt man gut und angenehm. Mit zu geringem Druck schiebt der Wagen in der Kurve, bei zu hohem Druck springt er auf schlechter Strasse. Sind die Reifen ungleich stark aufgepumpt, dann zieht die Steuerung einseitig, was höchst ermüdend ist. Haben die Vorderräder zu wenig Luft, dann geht die Steuerung sehr schwer; ein Nachpumpen der Vorderreifen wirkt in dieser Hinsicht stets wahre Wunder. Man hat dann doppelte Freude am Wagen. Vor jeder Tour muss man den Reifendruck unbedingt genau messen. Man verlasse sich nicht auf das Abschätzen. Der Reifendruck muss auf 0,1 Atmosphäre genau eingehalten werden, wenn man angenehm fahren und die Reifen schonen will. Hand aufs Herz: prüfen Sie wirklich den Reifendruck immer in der hier geschilderten Weise? Wir wollen die Antwort nicht abwarten, sondern Ihnen lieber gleich empfehlen, diese kleine Mühe vor jeder Fahrt auf sich zu nehmen; das Fahren mit dem richtigen Reifendruck ist doppelt so schön! Dass man natürlich auch den Ersatzreifen nachpumpen und prüfen muss, ist selbstverständlich. Meist benützt man — je nach der Konstruktion des Wagens, Standard, Vorderradantrieb oder Heckmotor — vorne oder hinten einen etwas grösseren Reifendruck. Man pumpt dann das Ersatzrad für den höheren Druck auf. Beim Wechseln eines Rades muss man dann den Druck des Ersatzrades genau dem Druck der gleichen Achse anpassen; das ist sehr wichtig, wird aber leider meist nicht gemacht. Kontrolle der wichtigsten Schrauben und Bolzen. Es ist zweckmässig, von Zeit zu Zeit die wichtigsten Schrauben und Bolzen nachzuziehen oder deren ordentlichen Sitz zu kontrollieren. Man sehe vor allem auf folgende Teile: alle Organe der Steuerung, der Federn und der Achsen, der Stossdämpfer, die Befestigung der Räder und der Ersatzräder. Die Bremsen. Gute Bremsen sind eine Lebensnotwendigkeit für jedes Motorfahrzeug. Man prüfe die Wirksamkeit unbedingt vor jeder Ausfahrt. Oftmals kommt beim Wagenwaschen Wasser, Oel oder Fett in die Bremsen und bei der ersten kritischen Situation muss man feststellen, dass das Niedertreten des Bremspedals nichts nützt. Das kommt immer wieder vor. Bremsen, die nach dem Wagenwa- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Wir berichten heute über: Aerztliche Kontrolle der Auto* lenker? Grosser Preis von Dieppe. Rückblick auf den Grossen Preis von Belgien. Zur Benzinzollerhöhung. Das Flugzeug der nächsten Zukunft. Vergleichsmessungen an Standard- u. Stromlinienwagen. Autofahrverbot auf den Uetliberg. sehen nicht wirken, zieht man während langsamer Fahrt im zweiten Gang leicht an; sie werden dann heiss, das Wasser verdunstet und die Bremse wird wieder wirksam. Erst dann darf man wieder normal fahren. Ausserdem müssen alle Bremsen von Zeit zu Zeit nachgestellt werden, damit sie voll wirksam sind. Man fahre niemals mit einer ungenügend wirkenden Bremse! Bei den jetzt meist benützten Oeldruckbremsen, die sich durch einen hervorragenden Bremsausgleich auszeichnen, ist nur gelegentliche Entlüftung der Leitungen sowie Nachstellen der Bremsbacken oder Bremsbänder erforderlich. Dass man den Benzinfilter gelegentlich reinigt, um das nicht auf der Strecke machen zu müssen, dass man Wasser in den Kühler nachfüllt, dass man die Lichtanlage In Ordnung hält und alle vier Wochen in die Batterie destilliertes Wasser nachfüllt, damit die Plattenoberkanten reichlich überdeckt sind, dass man für die Mitnahme eines ausreichenden Werkzeuges sorgt, dass man für grössere Fahrten ausserdem die Betriebsanleitung des Wagens sowie das Ersatzteilverzeichnis mitnimmt, damit sich auch fremde Mechaniker im Bedarfsfalle ohne langes Herumprobieren am Wagen rasch zurechtfinden — das sind zwar alles selbstverständliche Kleinigkeiten, aber sie sind für eine glatte Durchführung einer Tourenfahrt doch so wichtig, dass sie hier aufgezählt werden mussten. Die Mitfahrer! Viele Mitfahrer wollen nur die Schönheiten einer Tourenfahrt mit geniessen, ohne an den Arbeiten und Mühen, die jede Fahrt bereitet, teilzunehmen. Hier wollen wir dem Fahrer zur Seite springen und einmal ganz offen sagen, wie wir uns ideale Mitfahrer vorstellen: Vor allem soll sich der Mitfahrer — nicht minder die Mitfahrerin! — so auf die Fahrt F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (10. Fortsetzung.) Joos Utenhovens Lider schlugen über^den blicklos in die Ferne ausstarrenden Augen: als ob er sie jetzt wiederum erlebte, so deutlich stand die Szene vor ihm: die kleine Frau mit einem Gesichtlein, das dem Weinen nahe war, und in dem jetzt doch etwas wie Dankbarkeit dafür, dass er diese Auseinandersetzung mit ihm unterbrochen hatte, aufleuchten wollte — er, reichlich unsicher und eifervoll bemüht, den kleinen Zwist als harmlos abzutun: er hätte es ihr doch schon so oft erklärt, dass er, wenn er vor dem Spieltische sitze, dieses beobachtende Herstarren nicht vertragen könne — das mache ihn zerstreut — da müsse er ja doch verlieren. Aber so seien die Frauen—. Und er hätte ihr zu allem vorher noch gesagt, sie solle sich inzwischen doch da irgendwo rinz still in eine Ecke setzen. ELma nannte er sie — und sie war seine Frau. — Minuten später hatten sie als seine Gäste mit Herrenried und Haustein und noch einem Halbdutzend plötzlich aufgetauchter und angeschlossener Gestalten um einen Tisch gesessen. ' Die Stunden dann —: Er hatte auf die anderen und auf den lauten Umtrieb ringsum kaum geachtet — er hatte neben ihr gesessen, hatte, wie noch nie vorher in seinem reif gewordenen Leben eine beinahe andächtige Hinneigung zu dieser jungen Frau gefühlt, von der er gar nichts wusste, die er jetzt — erst vor Stunden — hier in diesem abenteuerlichen Talmiglanz zum erstenmal gesehen hatte — Fragen? Ganz vorsichtig nur hatten seine Worte sich an sie herangewagt, und was er zunächst von ihr gehört hatte, war nicht viel, und war scheu und zage über die weichen, süss geschwungenen Lippen gekommen — tastend, als wüsste sie noch kaum, ob sie ihm auch vertrauen dürfe: Zwei Jahre bald waren sie schon verheiratet — Fred und sie. Und er war ja als Musiker gewiss ein grosser Künstler — das sagten alle. Und dass er diesen unglückseligen Hang zum Spieltisch hatte, das hatte sie gewusst. Aber so schlimm hatte sie sich das nicht gedacht und doch gehofft, dass er, wenn sie erst seine Frau sei, zur Ruhe kommen und sich ganz davon befreien werde. Und das hätte er ihr ja auch versprochen — ihr und den Eltern — und er sei ja im Grunde wirklich gut — nur dass das eben stärker sei als er —. Vielleicht auch war das dumme Kokain und all das andere Zeug, zu dem sie ihn verführt hatten, mit schuld daran, dass er dem immer wieder unterlag — «Elma —!» Da war sie aufgeschreckt — Fred Rave hatte ein Sektglas angehoben. Sie nippte nur, setzte ihr Glas wiederum hin. «Elma?» — Nein, nein: sie hiess Elke-Maria — nur er, Fred, hatte ihren Namen so zusammengezogen, rief sie so. Aber zu Hause, in Westfalen hatten sie adle bei ihrem vollen Namen genannt. «Und darf ich Sie auch so nennen, Frau Elke-Maria?» Da war dieses Gesichtlein in dem Halbkranz des blonden Haares, das sie voll, unverschnitten trug, hell aufgeblüht — da hatte er diese geliebte Frau zum erstenmal so gesehen, wie er sie später immer sehen wollte. Das war damals ihr erstes Zusammensein gewesen. Zwei kalte Schnitte legten sich um Utenhovens Mund: geendet hatte diese Nacht in dem Palais des Prinzen Wied damit, dass Rave ihn in einem von den anderen nicht beobachteten Augenblick sehr gründlich angepumpt hatte: Malheur im Spiel — er hätte das ja selbst gesehen — vorübergehende Verlegenheit, Und dann, gewissermassen als Postskriptum: natürlich nur ganz im Vertrauen. Sie - wie doch Frauen, die von derlei nichts verstünden, sind! — mache sich sonst nur unnütze Gedanken — Gewiss. Also man war in Ordnung. Und dann war alles andere rasch und ohne Anstoss wie im Ablauf einer Schicksalslinie von selbst gekommen. Man war viel beieinander gewesen, hatte sich beinahe täglich gesehen. Und er hatte dabei den Mann ertragen — um ihretwillen — um ihr nah zu sein — Joos Utenhoven rührte sich auf seinem Sessel. Ein spitzes Licht in seinen Augen, sass et jetzt mit schief gelegtem Kopf, horchte gierig nach einem Wort, das sich da aus Versunkenheiten lösen wollte. Was war das doch, was der ihm vorhin aus der Not seiner Eingeengtheit und Umstelltheit vor den zwei Kommissaren zugerufen hatte. «Wir waren doch — wir waren doch —» Was waren wir —? «Freunde—?!» Hatte der «Freunde» sagen wollen? Ein dumpfer Laut, der ein in Hohn gepresstes Lachen war, stiess sprengend vor aus Utenhovens Brust: Nein! — niemals und nicht einen Augenblick lang war er dem ein Freund gewesen! — nie —! Hatte von Anfang an — vielleicht erst kaum bewusst —die Gegnerschaft gespürt, die jeden treffen musste, der ihr — der dieser Frau vertraulich nahe war — jeden, um den ihre Gedanken gingen, um den sie sich zersorgte.