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E_1935_Zeitung_Nr.060

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I.-Rh. ein Motorfahrzeug

I.-Rh. ein Motorfahrzeug erst auf 137 Bewohner und auch in Unterwaiden, Uri, Graubünden, Wallis und Schwyz ist die Quote vom Landesmittel weit entfernt. In den grösseren Städten konzentriert sich Auto nicht nur der Motorfahrzeugverkehr, sondern auch der Motorfahrzeugbesitz*). Dabei steht hinsichtlich der Dichte die Völkerbundsstadt an der Spitze und Lausanne an zweiter Stelle. Die Dichtigkeitszahlen von Zürich, Basel, Die Autobahnen nur vorläufig gebührenfrei. Bern und Luzern weichen nicht viel voneinander ab. Dagegen sind in St. Gallen, Winter- der deutschen Reichsautobahnen werden vor- Auf den bisher eröffneten zwei Teilstrecken thur, Biel, La Chaux-de-Fonds relativ weniger läufig keine Gebühren erhoben. Nach Erklärungen von Dr. Todt, dem Chef des deut- Motorfahrzeuge domiziliert, was insofern begreiflich ist, als es sich dabei um ausgesprochene Industrieorte handelt, die zudem unter Reich vor, die mit rund einem Drittel der bisschen Strassenwesens, behält sich aber das der Wirtschaftskrise besonders empfindlich herigen Ausgaben errechneten Ersparnisse leiden. an Betriebskosten von den Benutzern der *) Vergleiche untenstehende Tabelle. Autostrassen wenigstens teilweise in irgendeiner Form Prageistrasse. einzuziehen. Schweizerische Rundschau Der Kampf gegen die Zollerhöhungen. Nachdem vornehmlich die politischen Parteien der Westschweiz gegen die jüngste Massnahme des Bundesrates betreffend Erhöhung der Zölle, auf Benzin und Zucker Protest erhoben haben, hat nun auch die konservative Partei offiziell die bundesrätliche Zollpolitik verurteilt. Der leitende Ausschuss dieser grossen Volkspartei hat mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, dass die konservativen Mitglieder der ständerätlichen Zolltarifkommission in Uebereinstlmmung mit dem Beschluss des konservativen Zentralkomitees vom 27. Juni gegen die Zollerhöhungen auf Zucker und Benzin Stellung nahmen. Der Ausschuss richtete an die Mitglieder der nationalrätlichen Zolltarifkommission die Aufforderung, den nämlichen Standpunkt zu vertreten, in der Meinung, dass neue Belastungen so lange nicht einzuführen seien, bis nicht ein finanzielles Gesamtprogramm, das in erster Linie Sparmassnahmen vorsieht, in Kraft gesetzt ist, und dass in der Zwischenzeit die bereits erfolgten Zollmassnahmen ausser Kraft gesetzt werden. Die Geschäftsleitung der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz hat sich unlängst mit der Frage befasst, ob wegen der Erhöhung gewisser Zölle vor der September-Session die Einberufung einer ausserordentlichen Session der eidgenössischen Räte zu verlangen sei. Eine auf nächsten Samstag nach Ölten einberufene Versammlung der sozialdemokratischen Fraktion der eidgenössischen Räte wird endgültig zur Frage Stellung nehmen. Zu den aus politischen Lagern vernehmenden Protesten macht sich die aus am motori- Verkehrsteilung in Frankreich. Das unlängst veröffentlichte Verwaltungsreglement mit Bestimmungen über die Verkehrsteilung zwischen Schiene und Strasse geht von dem Grundsatze aus, dass dem Publikum höchste Dienstleistung zu möglichst niedrigen Kosten für die Gesamtheit zur Verfügung zu stellen sei, wobei jedem Verkehrsmittel derjenige Verkehr zugewiesen werden müsse, für dessen Bewältigung dasselbe mit Rücksicht auf die Transportstrecke oder die Art der beförderten Ware am besten geeignet sei. Auf dieser Grundlage werden sich Bahn und Automobil verständigen. Für die Transportbenützer bringt das Reglement neue Garantien, da die Transportanstalten verpflichtet werden, eine Versicherung abzuschliessen, das Transportmaterial in gutem Zustand zu erhalten und im Betrieb die 8-stündige Arbeitszeit durchzuführen. Automobilsteuer nach Gewicht. Durch Verordnung des ungarischen Handelsministers wurde der bisherige Modus der Motorfahrzeugbesteuerung abgeschafft und durch ein System ersetzt, das ausschliesslich auf dem Wagengewicht basiert. Es werden künftig jährlich 3 Pengö Steuer pro 100 Kilogramm Wagengewicht berechnet. sierten Strassenverkehr direkt interessierten Verbänden immer stärker geltend, wie dies aus nachstehenden Mitteilungen hervorgeht: Anlässlich der am 24. Juli abgehaltenen Sitzung des Direktionsausschusses der «ASPA» wurde nach eingehender Prüfung der Lage beschlossen, gegen die Erhöhung, der Brennstoffzölle zunächst ein sofortiges scharfes Protestschreiben an den Bundesrat Motorfahrzeugbestand in den Städten mit über 30,000 Einwohnern Ende September 1934. Einwohner Gewerb- Motorfahr- pro Städte Personen- Auto- Last- liehe Motor- zeuge Motor- Motorwagen busse wagen z ) Traktoren räder Total wagen fahrzeug Zürioh 7 764 100 2516 52 2351 12 783 30 25 Basel 3 536 22 1339 62 1263 6 222 32 26 Genere 6 544 40 1123 10 1650 9 367 16 13 Bern 2 992 74 692 17 939 4 714 32 26 Lausanne 2 641 30 611 7 609 • 3 898 26 22 St. Gallen, . . . . . . 1217 11 314 13 399 1954 41 33 Winterthur 802 20 290 14 400 1526 49 36 Luzern 1 186 45 421 14 227 1893 31 28 Biel 782 10 187 11 232 1222 39 32 L» Chaux-de-Fonds . . 596 2 131 4 223 956 43 33 Total 28 060 354 7624 204 8293 44 535 29 24 *) Inbegriffen Lieferungs- und Spezialwagen. wieder von jenem fort und auf das weisse Tuch vor sich gleiten Hess, musste er denken: Hier — hier in diesem Zimmer und an diesem Tisch ist das gewesen, und ich habe noch ihrer Stimme nachgehorcht, die sich harmlos und unbefangen hatte geben wollen, und durch die doch der Bruch der Unwahrhaftigkeit gegangen war. Der drüben redete inzwischen weiter: «Nun sagen Sie mir, Fräulein Lotte, wie war das wohl? — ist das denn öfter vorgekommen, dass Sie so früh schon zu Besorgungen — und so verhältnismässig weit weg geschickt worden sind?» Das Mädchen zögerte, schien nachzusinnen. «Nein», sagte sie dann langsam, «und ich habe mich ja auch gewundert, weil doch die gnädige Frau sonst immer hier ganz nah bat putzen lassen —» Herr Köpke hatte seine kurze Pranke auf das offene Buch gelegt: «So — so. Sie haben sich gewundert. Haben Sie sich etwas Besonderes dabei gedacht? Nun ja — man denkt sich doch manchmal etwas dabei, wenn man sich wundert. Etwa: warum Sie so früh schon gehen sollten — oder warum gerade bis zum Halleschen Tor?» Sie fingerte über die Rückenlehne eines Stuhles hin, der vor ihr stand, sann sichtlich nach — schüttelte dann den Kopf. Herr Köpke lächelte. Er meinte abtuend: «— nun, macht nichts, Kind —!» Und er dachte: Besonders aufgeweckt ist sie ja nicht. Auf den Stuhl wies er mit einem Vorrecken des Kinns: «Wollen Sie sich nicht setzen?» Nein — sie wollte nicht. Er sagte: «Also, Fräulein Lotte, Sie wissen« was heute, während Sie da in dieser Putzanstalt und auf dem Markt gewesen sind, geschehen ist —? Frau Utenhoven —» Ihr hübsches junges Gesicht verschwamm in aufsteigenden Tränen. Wiederum klopfte Herr Köpke ihr väterlich den Arm: «Na — na! Und jetzt passen Sie mal recht gut auf, damit tun Sie Ihrer armen Dame den besten Dienst —» Da wischte sie mit dem Handrücken über ihre Augen hin. «— also, es ist hier in der Wohnung bei der Toten ein Herr getroffen worden: so Mitte dreissig — schlank — dunkel — sieht beinahe wie ein Ausländer aus. Das Mädchen rührte sich «Sie nicken — wissen Sie denn, wen ich meine?» Sie sagte zögernd: «vielleicht, dass das der Herr war, der in dieser Zeit schon zweimal hier gewesen ist —?» «Soo —», sagte Herr Köpke, «— schon zweimal hier —?» Und dabei blickte er hinüber auf Joos Utenhoven. Der sass, den Kopf gierig nach vorn gereckt, erschreckend bleich, mit würgender Kehle — «— und können Sie mir sagen, Fräulein Lotte, wann dieser Herr, von dem Sie da sprechen, zum ersten Male hier gewesen ist?» Sie dachte nach, sie meinte tastend: «— den Tag kann ich nicht genau sagen — aber die vorige Woche ist's gewesen. Dann war er gestern vormittag auch wieder hier — und da —» Sie wurde unsicher und schwieg. Der Kommissar hielt sie mit seinem Blick: «und da —? ja bitte, sprechen Sie nur weiter. Das alles ist von grosser Wichtigkeit —» Sie nickte: «— da — ich wollte nur noch sagen — ich habe ja doch nicht gehorcht — AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N» 60 istischer Fürsorgekasse für Rennfahrer. Der Italienische Automobil-Club hat auf Vorschlag des Syndikats der italienischen Rennfahrer die Gründung einer Fürsorgekasse für Rennfahrer beschlossen. Der Hilfsfonds wird zu je einem Drittel von dem Automobil- Club, den Rennfahrern und den Organisatoren gespeist. Der Regierungsrat des Kantons Schwyz hat beschlossen, zusammen mit der glarnerischen Regierung das Projekt des Ausbaues der Prageistrasse mit allen Kräften zu unterstützen. Deutschlands Treibstoffverbrauch. Nachdem die Erleichterungen der Motorfahrzeugbesteuerung bereits für das Jahr 1934 eine Zunahme des Leichttreibstoffverbrauchs um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr auslösten, hat auch das erste Semester 1935 eine weitere Erhöhung des Benzinkonsums um 9,4 Prozent mit sich gebracht. Der Absatz, der in der deutschen Treibstoffkonvention zusammengeschlossenen Mitglieder, die rund 88 Prozent des Gesamtabsatzes umfassen, ist in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres von 690,000 auf 755,000 t gestiegen. Neben dem Mehrverbrauch in der Autowirtschaft ist aber auch ein solcher für die Luftfahrt und,für technische Zwecke festzustellen. Montblanc-Durchstich. Zwecks Meinungsaustausches mit einigen Walliser Persönlichkeiten haben sich die italienischen Mitglieder der französisch - italienischen Montblancdurchstichkommission nach Martigny begeben, wo am 23. Juli eine Aussprache stattgefunden hat. aber man hat es ja gehört bis in das Schlafzimmer der gnädigen Frau hinüber, wo ich gerade das Bett zurechtgemacht habe: er hat ganz laut und aufgeregt geredet — und Hinund Herlaufen hat man gehört —» «So? Aber was gesprochen worden ist, wissen Sie nicht?» «Nein —» «Auch nicht einzelne Worte, die Sie vielleicht verstanden haben?» Sie schüttelte den Kopf — sie sagte: «Aber dann, wie es still war und ich vorne durchgekommen bin, da hat die gnädige Frau ganz rot geweinte Augen gehabt und hat weggesehen, damit ich es nicht bemerken soll —» Herr Köpke meinte ein wenig belehrend: «Nun — das ist Ihr Eindruck, dass die Frau Utenhoven mit Absicht weggesehen hat —» Und sie, beengt und so, als müsste sie da einen Vorwurf von sich weisen: «Gott — so was merkt man doch — und vielleicht war's der gnädigen Frau überhaupt nicht angenehm, dass ich den Herrn gesehen habe, denn sie hat mir doch auch, wie er gegangen ist, nicht geläutet und hat ihn selbst hinausgebracht. Und früher, in der anderen Stellung, wo ich vorher war, da hat doch meine Dame —» Der Kommissar unterbrach: «Noch etwas: Sie haben dem Herrn, als er kam, geöffnet? Das erstemal und gestern auch?» «Ja.» «Er hat nicht etwa selbst geöffnet?» «Nein.» Ganz plötzlich rückte sie ein wenig auf und sagte: «Seit gestern fehlt der Drücker von der Vordertür — ich habe es gleich gestern abend, wie ich es bemerkt habe, auch noch gesagt — aber der Herr hat gerade in die Zeitung gesehen, und die gnädige Frau hat es gehört und hat gesagt, es zu richten. Ausserdem soll so rasch wie möglich eine begonnene Umfrage über den Verbrauch von Brennstoffen sämtlicher eine grössere Anzahl Nutzkraftfahrzeuge besitzender Firmen und Organisationen abgeschlossen werden, was die Grundlage zu einer Denkschrift zu Händen der Mitglieder des Parlamentes bilden wird. Es handelt sich hier um erste Schritte in einer ganzen Reihe von Massnahmen, die in dieser Angelegenheit in Aussicht genommen wurden. Der Automobil-Club der Schweiz hat an sämtliche Mitglieder des National* und Ständerates ein Schreiben gerichtet, irl dem an Hand von Berechnungen, auf die wir in. nächster Nummer zurückkommen, die finanziellen Rückwirkungen auf die Motorfahrzeugbesitzer, die durch die Benzinzollerhöhung hervorgerufen wurden, dargelegt werden. Der Club gibt dabei dem Wunsche Ausdruck, dass die Mitglieder der Bundesversammlung dem Bundesratsbeschluss über die Benzinzollerhöhung ihre Genehmigung nicht erteilen werden. . . Auf Initiative der Sektion Waadt des A.C.S. hat sich in Lausanne" ein' waadtländisches Komitee zur Bekämpfung der Erhöhung des Benzinzolls gebildet, das sich aus den Vertretern verschiedener am Verkehr interessierter Vereinigungen zusammensetzt. Neben der Sektion beider Basel des T.C.S., die auf letzten Mittwoch ihre Mitglieder und weitere Gäste zu einer grossen öffentlichen Protestversammlung gegen die neue Benzinzollerhöhung einberufen hatte, sind auch die westschweizerischen Automobilsektionen des T.C.S. (Genf, Fribourg, Berner Jura, Neuenburger Jura, Neuenburg, Wallis und Waadt) gegen die Zollpolitik des Bundesrates aufgestanden. Die Präsidenten der erwähnten Verbände haben in einer in Saignelegier abgehaltenen Tagung beschlossen, an die eidgenössischen Räte einen energischen Protest gegen die unvermittelte Erhöhung des Einfuhrzolles auf Benzin zu richten. Nach Ansicht der Versammlung schädigen diese Zollmassnahmen die Interessen des Verkehrs, des Handels und der Industrie. Auf ein Gesuch des Schweiz. Automobil- Clubs an den Schweiz. Bauernverband, dessen wenig automobilfreundliche Einstellung allerdings nicht unbekannt war, sich der Protestbewegung gegen die Benzinzollerhöhung anzuschliessen, hat dessen Direktor, Prof. Laur, eine ablehnende Antwort erteilt. Prof. Laur erklärt, dass angesichts der Finanzlage des Bundes es eine vaterländische Pflicht aller Bürger sei, mitzuhelfen, dass die Finanzen des Bundes gestärkt werden. Die Bauernschaft könne es nicht verstehen, dass gerade die Kreise, die Automobile besitzen und die doch heute noch zu den besser situierten Teilen unserer Bevölkerung gehören, gegen diese dringend notwendigen Einnahmen des Bundes Protest erheben können. Es ist vollkommen zwecklos, sich mit dem « Weisen von Brugg » über die Berechtigung der neuen Zollmassnahmen des Bundes auseinandersetzen zu wollen, denn im Bauernsekretariat wird nur diejenige Ansicht als einzig richtig anerkannt, die heisst: «Wir Bauern müssen immer nach höheren Subventionen streben, mag deswegen auch die übrige Volkswirtschaft zum Teufel gehen.» Wenn der hohe Herr aus dem Prophetenstädtchen erklärt, dass alle Bürger mithelfen sollen, die Finanzen des Bundes zu stärken, so gehen wir mit ihm vollkommen einig, erlauben uns aber die bescheidene Frage zu stellen, wer von den beiden Erwerbszweigen Landwirtschaft oder Automobilwirtschaft wohl die grösseren Steuern, Abgaben und Zollbeträge aufbringt und den « ethischen Prinzipien > des Bauernsekretariates besser nachlebt, der Bauer oder der Automobilist? In Brugg scheint man auch zu vergessen, dass nicht alle Landwirte in der bevorzugten Lage sind, einen laut Art. 5 der V. V. zum M. F. G. steuerbefreiten Traktor anzuschaffen, der für manchen subventionierten Grossbauer entbehrlicher ist, als das Motorfahrzeug für den Gewerbler, Handwerker oder Industriellen, die ebensogut ein Recht auf leben und lebenlassen haben, wie die vom Brugger Sekretariat nicht immer so ziel- und massvoll geführten Bauern. Auch wir können uns einverstanden erklären, wenn jene und oft zahlreich vorkommenden « Marktfahrten » unserer begüterten Landwirte in hochpferdigen Limousinen etwas mehr an die Ebbe in der eidg. Staatskasse erinnert werden, als jene bescheidenen Kleinbauern und Gemüsehändler, denen ein Automobil so notwendig ist, wie dem Bauernsekretär die reine Schweizerluft zum Atmen. wäre gut — er läge wohl in ihrem Zimmer — und ich könnte gehen —» Wieder glitt der Blick des Kommissars ztt Utenhoven hin. Das hiess: nur Ruhe — alles klärt sich nach und nach. Er sagte zu dem Mädchen: «Ja — und sonst — ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen in den letzten Tagen?» Sie fingerte jetzt wieder an der Stuhllehne entlang: «Nur, dass die gnädige Frau nervös gewesen ist und immer selbst gleich zu dem Apparat gelaufen ist, wenn jemand angerufen hat — wo ich doch Auftrag gehabt habe, immer erst zu fragen, wer es ist —» Herr Köpke nickte: — natürlich — ja das stimmte alles zu dem Bild der Vorgänge, wie er sie sah. «Ich danke —» f sagte er und sah dem Mädchen schweigend nach, bis sie die Tür wieder hinter sich geschlossen hatte. Und dann nach einem neuen Blick in sein Buch; und nachdem er da mit dem kurzen Stummelbleistift allerlei Vermerke eingezeichnet hatte, hob er wieder den Kopf zu Utenhoven hin und fragte jäh: «Noch eines: fehlt etwas?» «Wie meinen Sie?» Ein jäh erwachtes Hör« chen, Lauschen war da in der Stimme. •Ob etwas fehlt — Geld — Wertsachen, vielleicht auch Schmuck —? Joos Utenhoven fragte aufgestöbert und mit geengtem Atem: «Ja, glauben Sie denn, dass er etwas genommen haben könnte?» Herr Köpke schob die stämmig breiten Schultern hoch: «— soll einer wissen?! Irgendeinen praktischen Zweck wird der Her! schon gehabt haben bei seinen Besuchen, Genommen — bekommen — erpresst — das sieht manchmal verflucht ähnlich aus. Jedenfalls müsste man das feststellen.» (Fortsetzunz folgt)

N° 60 - AUTOMOBIL-REVUE Am Sonntag: Grosser Preis von Deutschland Nachdem die letzten Rennen durch das Ausbleiben von Auto-Union und durch die regelmässigen Siege von Mercedes-Benz etwas eintönig verlaufen sind, folgt nun kommenden Sonntag auf der 22,8 km langen Nordschleife des Nürburgringes der Grosse Preis von Deutschland, der, wie man aus seiner Nennliste entnehmen kann, hochinteressante und spannende Kämpfe in Aussicht stellt. 22 Konkurrenten, 19 Equipen- und 3 Einzelfahrer, mit gutklingenden Namen werden sich gegenüberstehen. Alle heute bestehenden grossen Ställe entsenden ihre besten Kämpen und ihr schnellstes Wagentnaterial, das für diese Veranstaltung noch mit besonderer Sorgfalt vorbereitet wurde, denn die Anforderungen, die der Nürburgring an die Maschinen, hauptsächlich an die Getriebe und die Bremsen stellt, sind ganz gewaltig. Weit über lOOOmal tnuss das Getriebe hinunter- und ebensoviel mal hinaufgeschaltet werden; Kurven, starke Steigungen bis 27 Prozent und Gefälle bis 11 Prozent lösen sich abwechselnd ab und lassen dem Piloten kaum Zeit, seine Hand vom Schalthebel zu entfernen. Hundertfünfzig Kurven zählt eine Runde, und man kann daraus leicht verstehen, wenn der Durchschnitt über die ganze Strecke von 570 km (25 Runden) nur knapp über 120 km/St, liegt und auch in diesem Jahr kaum erheblich überboten werden kann. Die Anlage der ganzen Piste bedingt eine maximale mittlere Geschwindigkeit, die durch die Reibungskräfte zwischen Reifen und Bodenbelag nach oben begrenzt ist. Was nützt da der stärkste Motor, wenn er die Räder einfach leer durchreisst? Gar nichts! Er führt höchstens eine frühzeitige Pneuabnützung herbei und bringt den betreffenden Fahrer durch mehrfaches Auswechseln der Reifen ins Hintertreffen. Hier darf nicht frischfröhlich drauflos gefahren werden, hier heisst es Reifen, Bremsen und Getriebe möglichst rationell auszunützen. Ein Forcieren, das vielfach zu Beginn einige Sekunden Gewinn einbringen kann, wird sich bald bitter rächen und den Fahrer hoffnungslos Hintertreffen bringen. ins Seine Geschichte. Der Grosse Preis von Deutschland ist relativ lioch jung, ist aber bis heute, wo er seine achte Auflage erfährt, doch, schon zu einer der wichtigsten' internationalen motorsportlichen Veranstaltungen herangewachsen. Es war im Jahre 1926, als Deutschland in die A.I.A.C.R. aufgenommen wurde und bald darauf den ersten Grossen Preis ausschrieb, der auf der Avus zur Durchführung gelangte. Sieger wurde damals Caracciola (Mercedes- Benz) mit einem Mittel von 135,1 km/St. Mit der Erbauung des Nürburgringes, auf dem der zweite Lauf vorgesehen war, hatte man bereits im Jahre 1925 begonnen und im Jahre 1927 konnte der Grosse Preis von Deutschland dorthin verlegt werden. Er ging über 18 Runden der grossen Schleife (509,4 km), und sah abermals Mercedes- Benz mit Merz als Sieger, der die Strecke mit einer mittleren Geschwindigkeit von 102 km/St, erledigte. Die Marke von Untertürkheim war unschlagbar und belegte im folgenden Jahr sogar die drei ersten Plätze mit Caracciola, Merz und Walb, dem jetzigen Bennleiter der Auto-Union. Im Jahre 1929 wurde das Rennen als Grasser Preis der Nationen ausgetragen und diesmal landete Bugatti einen grandiosen Doppelerfolg mit Chiron und Baron Rothschild, wobei ersterer einen Stundendurchschnitt von 106,9 km/St, herausfuhr. Der 5. Grosse Preis von Deutschland erfolgte 1931 nach einem Jahr Unterbruch und wurde nun zum drittenmal von Caracciola (Mercedes-Benz) gewonnen, der den Rekord von Chiron auf 108,3 km/St, hinaufschraubte. Als Piste hatte man erstmals die 22,8 km lange Nordschleife gewählt, die 25mal zu befahren war (570 km). Derselbe Pilot siegte auch ein Jahr später auf Alfa Rotneo (Mittel 119,3 km/St.) vor Nuvolari (Alfa Romeo) und Borzacchini (Alfa Romeo). Im Jahre 1933 fiel der Grosse Preis von Deutschland wiederum aus, um dann 1934 zu einem überzeugenden Erfolg des inzwischen neu erschienenen Rennwagens, Auto- Union, zu werden, der unter der meisterhaften Führung von Stuck für die 570 km 4:38:19,1 (Mittel 123,0 km/St.) benötigte und damit einen Durchschnitt zeitigte, den Caracciola (Mercedes-Benz) selbst im heurigen Eifel-Rennen, das am 16. Juni zum Austrat kam und nur über 273,72 km gin?, bei weitem nicht erreichte. Die Sieger der frühern Grossen Preise von Deutschland: Jahr Piste Fahrer u. Marke Mittel 1926 Avus Caracciola 135,1 km/St. (Mercedes-Benz) 1927 Nürburgring Merz 102 km/St. (Mercedes-Benz) 1928 Nürburgring Caracciola 103,9 km/St. (Mercedes-Benz) 1929 Nürburgring Chiron 106,9 km/St. (Bugatti) 1931 Nürburgring Caracciola 108,8 km/St. (Mercedes-Benz) 1932 Nürburering Caracciola 119,3 km/St (Alfa Romeo) 1934 Nürburgring Stuck 123,0 km/St. (Auto-Union) Als erfolgreichster Fahrer des Grossen Preises geht also bis dahin Caracciola hervor, der von sieben Rennen nicht weniger wie vier gewonnen hat. Auch die Marke Mercedes-Benz hat vier Siege zu verzeichnen. Die Maschinen: Sechs Maserati, fünf Mercedes-Benz, vier Alfa Romeo, vier Auto-Union, zwei E.R.A. und ein Bugatti werden sich heuer im Grossen Preis von Deutschland gegenüberstehen, also total 22 Fahrzeuge, welche die schnellsten heute bestehenden Rennmaschinen innerhalb der Grand-Prix-Formel darstellen. Die Leistung ihrer Motoren schwankt zwischen rund 250 und 500 PS und die entsprechenden Zylinderinhalte zwischen 2,9 und 5,6 Liter. Unter den Rennställen ist Mercedes-Benz mit fünf Wagen am stärksten vertreten. Als Fahrer wurden Caracciola, Fagioli, Brauchitsch, Geier und Lang auserkoren, und man darf heute die Untertürkheimer Marke leicht favorisieren. Sie hat jn dieser Saison alle von ihr bestrittenen Rennen einwandfrei gewonnen und wird alles daran setzen, das grösste Rennen in. Deutschland auch für sich zu entscheiden. Ob dieses Vorhaben Mercedes-Benz gelingen, wird, hängt in erster Linie von Auto- Union ab, die nach fünfwöchigen Rennferien erst- GENEVE 3, rue Louis-Duchosal ZÜRICH * Walchestrasse 32 schicken, um in aller Ruhe die Mängel an ihren Maschinen beheben zu können. Ob dies gelungen ist, wird der kommende Sonntag ergeben. Jedenfalls bildet die Auto-Union mit Stuck, Varzi, Rosemeyer und Pietsch eine starke Gefahr für Mercedes- Benz, die vom Standpunkt der Motorleistung aus etwas handicapiert sind, denn die Differenz der Hubvolumen der beiden einheimischen Rivalen macht rund 1,5 Liter aus. Doch spielen Bremsen, Getriebe und Dauerleistung eine beinahe noch wichtigere Rolle. Auch die Scuderia Ferrari entsendet ihre erste Garnitur mit Nuvolari, Chiron und Dreyfus. Ihre Fahrzeuge sind bedeutend (Schwächer als die mals wieder aktiv in ein Rennen eingreift. Bekanntlich war diese Marke zu Beginn dieser Saison arg vom Pech verfolgt, so dass sich die Renn^ leitung nach dem Grossen Preis von Frankreich entschloss, vorläufig keine Rennen mehr zu beder beiden deutschen Ställe, was aber auf einer Rundstrecke wie der Nürburgring gar nicht allzuviel bedeuten will. Die verbesserten Alfa Romo, Typ Monoposto, sind durchaus fähig, über die 570 km ein Mittel von 120 km/St, zu erreichen. So hat Chiron 1934 auf demselben Erzeugnis 119,4 km/St, erzielt und war somit schneller wie Caracciola (Mercedes-Benz) im letzten Eifelrennen, wo dieser auf 117,1 km/St, kam, trotz knapp derhal- AMBASSADOR... Pneu de Luxe qui rehausse l'elegance de la voiture par sa presentation impeccable. Son profil d6rive des fameux pneus de course ENGLEBERT, en fait le pneu parfait pour voitures lourdes et rapides. Die Auto-UnJon-Rennwagen wieder ant Start. Die Tatsache, dass die Auto-Union- Rennwagen bei den internationalen Rennveranstaltungen der letzten Wochen in Barcelona, an der Marne, beim Grossen Preis von Belgien, dem Start ferngeblieben, hat in der Oeffentlichkeit überall Aufsehen erregt. Der Auto-Union sind von allen Seiten Anfragen zugegangen, woher es käme, dass bei den Wagen, die durch ihre Rekordfahrten und Rennsiege im Jahre 1934 nicht nur ihre grosse Schnelligkeit, sondern auch ihr Stehvermögen bewiesen haben, in diesem Jahre anscheinend unerwartete technische Schwierigkeiten aufgetreten seien. In Beantwortung dieser vielfachen Anfragen auf die Gründe für den Startverzicht in den letzten Wochen teilt uns die Auto-Union folgendes mit: Die von Dr. Porsche konstruierten Auto-Union- Rennwagen sind, wie ja überall bekannt ist, vielfach nach, völlig neuen Konstruktionsprinzipien gebaut. Obwohl die Auto-Union über keinerlei Rennerfahrung aus frühern Jahren verfügte, konnten die Wagen doch schon im ersten Jahre ihres Auftretens bei einer ganzen Reihe grosser internationaler Rennen eindrucksvolle Siege erringen. Da damit gerechnet werden musste, dass im Jahre 1935 auch das Ausland mit neuen Konstruktionen erscheinen würde, wurden die Auto-Union-Rennwagen auf Grund der Erfahrungen des Vorjahres vor Beginn der diesjährigen Saison weiter, entwickelt, ins-, besondere die Motorleistung wesentlich geben Distanz. Die Aussichten von Alfa Romeo im Grossen Preis von Deutschland sind somit nicht schlecht und man darf sich auf eine kleinere oder grössere Ueberraschung gefasst machen. Ziemlich bestimmt wird Alfa unter den ersten vier placierten Wagen zu finden sein. Für die Scuderia Subalpina starten Etancelin, Zehender und Siena. Ersterer wird den neuen 4,25-Liter-Achtzylinder-Maserati ins Treffen führen, der in seiner äusseren Form dem Mercedes- Benz verblüffend ähnlich sieht. Es ist noch zu früh, um von dieser Neukonstruktion überdurchschnittliche Leistungen erwarten zu können; damit all die Kinderkrankheiten mal überwunden sind, braucht es schon mehrere Rennen, in denen all die Bestandteile, wie Motor, Getriebe, Lenkung, Chassis usw. mal so richtig hergenommen werden; erst dann kommen die Schwächen zum Vorschein und können behoben werden. Zehender und Siena werden noch die alten Maschinen steuern, dasselbe Modell, mit dem Nuvolari im vergangenen Jahr Vierter wurde und ein Stundenmittel von rund 115 km/St, erzielte, eine Leistung, die sich sehen lassen darf und die dio Hoffnung auf einen der vorderen Plätze durchaus berechtigt. Die «Gruppo San Giorgio» delegiert Balestrerd mit einem Alfa Romeo, der schon älteren Datums ist und daher kaum viel zu bestellen haben wird. Mit grosser Spannung erwartet man das Abschneiden der neuen Zweiliter-E. R. A.-Maschinen, die Mays und Delius anvertraut werden. Gewiss sind diese Wagen durch ihren verhältnismäßig kleinen Zylinderinhalt gegenüber den andern stark benachteiligt, aber die 1,5-Litermodelle derselben Marke haben im Eifel-Rennen so vorzügliche Durchschnitte gefahren, dass man von dem Grand-Prix-Modell allerhand erwarten darf. Bugatti beschickt das Rennen mit nur einem Gefährt, das Taruffi übergeben wird. Bedauerlich bleibt, dass nicht auch noch Wimille genannt wurde, der vergangenen Sonntag im Grossen Preis von Dieppe gegen Chiron und Dreyfus eine bestechende Leistung geboten hatte. Das Feld der Einzelfahrer ist nicht sehr gross • und bringt nur drei Maschinen auf den Plan: Ruesch, Hartmann und Soffietti, alle drei auf Maserati. Ihr Stand gegen drei und sogar fünfköpfige Equipen ist recht schwierig. Und wie steht es mit den Siegeschancen? Der Grosse Preis von Deutschland vereinigt so viele erstklassige Maschinen und Fahrer, dass eine Voraussage des voraussichtlichen Siegers eine Unmöglichkeit ist. Ein gutes halbes Dutzend Piloten vereinigen alle Voraussetzungen auf sich, um den schweren Lauf für sich entscheiden zu können; Glück und Zufall werden auch hier wieder eine grosse Rolle spielen und sogar von entscheidender Bedeutung sein. Wenn man Mercedes-Benz favorisiert, dann weil die Marke schon so viele Rennen in dieser Saison gewonnen hat. Aber Auto-Union wird diesmal auch ein gewichtiges Wort mitzureden haben und im Falle ihre Maschinen wirklich durchhalten, ist sogar der , ununterbrochene Siegeszug von Mercedes-Benz stark gefährdet. So dürfte es hauptsächlich zu einem Zweikampf der beiden inländischen Erzeugnisse kommen, wobei aber Alfa Romeo nicht unterschätzt werden soll. Auf dem Nürburgring finden sich die Monoposti der Scuderia Ferrari trotz ihres nur 3,2-Liter-Motors verblüffend gut zurecht und erreichen Durchschnitte, die nur. wenig hinter denen der deutschen Wagen zurückstehen. Jedenfalls ist der Ausgang des Rennens ziemlich ungewiss, und das ist gerade das, was man von einer solchen Veranstaltung wünschen muss, wenn sie abwechslungsreich und spannend sein soll. Die Nennungen: Caracciola (Merc.-Benz) Dreyfus (Alfa Romeo) Brauchitsch (Merc.-Benz) Etancelin (Maserati) Fagioli (Mercedes-Benz) Zehender (Maserati) Geier (Mercedes-Benz) Siena (Maserati) Lang (Mercedes-Benz) Taruffi (Bugatti) Stuck (Auto-Union) Balestrero (Alfa Romeo) Varzi (Auto-Union) Mays (E.R.A.) Rosemeyer (Auto-Union) Delius (E.R.A.) Pietsch (Auto-Union) Ruesch (Maserati) Nuvolari (Alfa Romeo) Hartmann (Maserati) Chiron (Alfa Romeo) Soffietti (Maserati)