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E_1935_Zeitung_Nr.061

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BERN, Dienstag, 30. Juli 1935 Mit Bundesfeier-Beilage Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 61 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: < Erscheint Jeden Diensteg und Freitag * I7VT C17 n TT n Are nnürc. Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährDeh Fr. 1«,- Wöchentliche Beilage „Autler-Felerabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" insmuiuas-rniiis. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert " ' REDAKTION U. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern DIe «e&tfcespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. $?*&?, (I? J tt T BeW * Unfal ! v . ersien -) 3} e rt e !jf£3iä 2-Z-f* - Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Grossere Inserate nach Spezialtarif. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) Tierteljährlleh l«r. 7.50 Geschäftsstelle Zürfeh: Mwenstrale 51; Telephon 39.743 Inseratenschluss 4 Ta„e vor Erscheinen der Nummern Wie berechnet man die Wirtschaftlichkeit eines Automobils? Jeder, der sich heute vor die Frage gestellt sieht, ein Auto zu erwerben, wird der Frage der Wirtschaftlichkeit neben der der Leistungsfähigkeit erhöhte Bedeutung schenken, denn das Auto ist heute für die meisten ein Gebrauchsgegenstand, der im Dienste einer dringenden oder wenigstens als notwendig empfundenen Bedürfnisbefriedigung steht! Jedenfalls ist heute die Auffassung, dass die Fahrtkosten das wesentliche Moment der Motorfahrzeughaltung darstellen, Gemeingut geworden. Der Gebrauchswert des Motorfahrzeuges wird somit immer ausschlaggebender. Begrifflich ist die Wirtschaftlichkeit eines Motorfahrzeuges etwa so zu umreissen: Was habe ich für eine bestimmte Leistung an Kosten aufzuwenden, und stehen diese Kosten in dem richtigen Verhältnis zu dem erstrebten Verwendungszweck. Die Vergleichsstellimg von Fahrkosten und Leistung ergibt den Nutzwert, der wiederum, auf einen bestimmten Verwendungszweck, abgestellt, den Gebrauchswert abschätzeil lässt. Der Nutzwert,' der auf einer Vergleächssitellung von Leistung und Fahrkosten beruht, wobei unter Fahrkosten sowohl die Haltungskosten (Amortisation, Zinslast usw.) wie auch die reinen Betriebskosten enthalten sind, stellt also den Wirtschaftlichkeitsgrad eines Fahrzeuges dar. Dieser Wirtschaftlichkeitsgrad ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Gebrauchswert eines Fahrzeuges. Diesen auf eine einheitliche Formel zu bringen ist sehr schwierig. Will man der Erkenntnis der Wirtschaftlichkeit eines Fahrzeuges wirklich Raum schaffen, so ist eine Korrektur der Nutzwertziffer nach oben dann unbedingt notwendig, wenn einem Fahrzeug das Prädikat erteilt werden kann, dass es für Fahrten auf langen Strecken auch bei voller Auslastung geeignet ist. Die Betriebskosten sind abhängig von der Nutzungszeit. Sie vermindern sich pro Fahrtkilometer mit der Höhe der Jahresleistung. Ein Hauptposten der Kostenrechnung stellt Wertverlust und Abnutzung dar. Beide können schlecht voneinander getrennt werden, weil sie sich sowohl der Zeit nach wie auch unter Berücksichtigung von Motorenstärke, Aufbau und Preis des Fahrzeuges überschneiden und auslaufen in den nach Ablauf der Nutzungszeit noch vorhandenen WertDer F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. {13. Fortsetzung.) Joos Utenhoven sah mit starren Augen, über denen seine Lider schlugen, vor sich hin: schon einmal hatte der Kommissar vorhin angedeutet, dass er so etwas wie Erpressung für möglich halte. Er schüttelte den Kopf — er sprühte das von sich. Qual rang in ihm, flatterte um die hageren Wangen, als er mühsam sagte: «Ich habe nichts berührt, was ihr gehört — sie liegt noch nebenan —» Da wurde auch der Kommissar beklommen still. Geräuschvoll räusperte er sich nach einer Weile, blickte verstohlen und. sondierend zu dem anderen^ hinüber, meinte: «Ja — da will ich auch sehen, dass ich Ihnen die Freigabe recht bald verschaffen kann. Liegt ja doch alles klar, und ich hätte von unserer Seite keine Bedenken. Wir warten nur noch den schriftlichen Bericht des Doktor Witkop ab — wenn möglich schicke ich Ihnen noch heute die Erlaubnis.», Vom Tage Wertverlust ist wesentlich abhängig von den jeweiligen Konjunktur- und Marktverhältnissen. Er ist zur Zeit noch erheblich grösser bei den schweren als bei den Kleinwagen, Die Abnutzung ist dagegen bei den starkmotorigen und mit gediegenem Aufbau versehenen Wagen verhältnismässig gering. Sie geht dagegen bei. kleineren Fahrzeugen bis zu 80 und mehr Prozent des Anschaffungspreises in der vorgesehenen Nutzungszdt. Daraus ergibt sich für beide auf Wertminderung gerichtete Tendenzen ein gewisser Ausgleich. Der höheren Wertminderung in den ersten Jahren steht eine wesentlich geringere Abnutzung gegenüber. Als feststehende Grossen der Betriebskostenrechnung haben wir weiter den Zinsverlust, den man mit 5 Prozent der Anlagesumme - als den heutigen Geldmarktverhältnissen angepasst ansetzen darf, weiter die Garagenmiete, die man mit durchschnittlich 300 Fr. pro Jahr, einsc'hliesslich kleinerer Instandhaltungsarbeiten, in Rechnung setzen muss. Als feststehender Kostehanteil ist die Versicherung bekanntlich auf die Motorenstärke des Fahrzeuges abgestellt. Einen wesentlichen Bestandteil der Kostenrechnung stellen auch die Reparaturen dar, die gewissermassen Ergänzungsposten zu Wertverlust und Abnutzung sind. Ihre Errechnung kann nicht unabhängig von dem Vorgenannten gesch'eheiu ; Der Kostenanteil der Reparaturen ist sehr schwankend. Er setzt sich zusammen aus den Preisen für Ersatzteile und dem Stundenlohn. Der erste Teil wird wesentlich bedingt durch die Grosse des Wagens. Er wächst also ziemlich gleichmässig mit Wagen und Motorenstärke, dagegen werden die Montagekosten hierdurch viel weniger beeinflusst. Wenn man ausserdem berücksichtigt, dass der hochtourige Kleinwagen normalerweise einen höheren Verschleiss hat als der niedrigtourige und geringer beanspruchte starke Motor, so werden die Reparaturkosten mit steigender Grössenklasse relativ geringer. Neben den durch Konstruktion und Material bedingten Differenzen ergeben sich aber auch noch grosse Abweichungen in den Reparaturkosten bei Wagen gleicher Grössenklasse auf Grund des organisatorisch und preislich verschiedenen Kundendienstes. Daraus ergibt sich, dass man die Reparaturkosten nicht schematisch in Rechnung setzen kann, sondern von Fall zu Fall nach genauer Prüfung einsetzen muss. Oelver- Das gleiche gilt für Brennstoff-, brauch und Bereifung. Er wuchtete sich hoch, versorgte sein Notizbuch in der Tasche. Vertrat sich, ein wenig verlegen, wie er sich jetzt einen Abgang verschaffen sollte, seine stämmig kurzen Beine. Stand neben Utenhoven, fühlte eine Regung von gutmütigem Mitgefühl. Sah auf den Mann, der sich aus seinem harten Suchen, Grübeln, Zerren um sein Erlebnis nicht befreien konnte, und war sich nicht im klaren, ob er ihm jetzt nicht zum Trost die Hand hinstrecken müsse. Er tat es doch nicht — sagte nur wie sonst in solchen Fällen aufmunternd und forsch: «Na — immer Köpf hoch —! Wird schon wieder werden —» Aber wie er dann vor dem anderen durch den Salon schritt und an der Wand wieder das Bild des Fliegerhauptmanns mit dem blauen Tatzenkreuz des Pour le merite am Halse sah, hatte er da und auf dem Flur und noch auf der Treppe das unbehagliche Gefühl, als ob es so in diesem Fall vielleicht doch nicht das Richtige gewesen wäre. Jetzt war Joos Utenhoven wiederum allein. Im Flur stand er noch immer, starrte auf den ausgespannten blauen Velour zu seinen Füssen nieder, auf dem noch unverwischt die Spuren fremder schwerer Schritte sich wirr und unruhevoll verschnitten, schreckte dann lauf und strich sich ausgreifend über die Kassationsbeschwerde bei Verkehrsdelikten. 'Aus dem Bandesgericht. Das eldg. Automobilgesetz (MFG) stellt für die Führer von Motorfahrzeugen eine Reihe von Verkehrsregeln auf und enthält im vierten Titel Strafbestimmungen, wozu Art. 65 Absatz 4 MFG bemerkt: «Erfüllt eine der in diesem Titel genannten Handlungen einen Tatbestand, für den die eidgenössische oder kantonale Gesetzgebung eine schwerere Strafe vorsieht, so wird diese angewendet.» Die Verletzung der eidgenössischen Vorschriften des MFG kann somit gleichfalls einen Tatbestand des kantonalen Strafrechtes bilden und dann wird das kantonale Strafrecht angewendet, wenn dieses eine strengere Strafe vorsieht. Dies trifft namentlich zu, wenn eine Verletzung von Verkehrsvorschriften des MFG zur Tötung oder Verletzung von Personen führt, also den Tatbestand der fahrlässigen Tötung oder Körperverletzung erfüllt. Wird ein Motorfahrzeugführer von einem kantonalen Gerichte wegen Widerhandlüngen gegen das MFG verurteilt, kann er wegen Verletzung eidgenössischer Rechtsvorschriften eine Kassationsbeschwerde ans Bundesgericht richten. Ist dem Verurteilten dieses Rechtsmittel auch dann gegeben, wenn das kantonale Gericht zwar eine Verletzung des MFG annimmt, dies aber zu einer Verurteilung auf Grund kantonalen Strafrechtes (wegen fahrlässiger Tötung oder Körperverletzung) geführt hat? Ein Entscheid vom 15.. Juli gibt die .Antwort auf diese für das Verkehrswesen wichtige Frage. ' Ein Motorradfahrer fuhr in Zürich mit 25 km von der Seebacherstrasse in die Schaffhauserstrasse ein und sties mit einem auf der Schaffhauserstrasse fahrenden. Auto zusammen, wobei sein Mitfahrer auf dem Sozius-' sitz verletzt wurde. Die Zürcher Gerichte bezeichneten das Tempo in* der Kurve als übersetzt und; verurteilten ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung im Sinne des.Zürcher Strafgesetzes bedingt zu 80 Fr. Busse. Der Motorradfahrer reichte beim Bundesgericht Kassationsbeschwerde ein; der Zürcher Staatsanwalt beantragte Nicheintreten, weil nicht eidgenössisches sondern kantonales Strafrecht angewendet worden sei und das Bundesgericht nur die Verletzung eidgenössicher Rechtsvorschriften aufheben könne. Der bundesgerichtliche Kassationshof ist auf die Beschwerde eingetreten. Steht das Verhalten eines Motorfahrzeugführers im Einklang mit den Verkehrsregeln des MFG, kann es nicht fahrlässig sein und nicht zu einer Verurteilung nach kantonalem Strafrecht führen, denn der kantonale Gesetzgeber Wir berichten heute aber: Die Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz. Der Grosse Preis von Deutschland. Stabilisierung des Wagenaufbaues. Der Dieselmotor im Luftverkehr. Büder: Seite 4. kann nicht bestrafen, was der eidgenössische erlaubt. Hängt bei der Anwendung kantonalen Strafrechtes die Frage der Fahrlässigkeit davon ab, ob die eidgenössischen Verkehrsregeln des MFG verletzt wurden, so muss der bundesgerichtliche Kassationshof diese nach eidgenössischem Rechte zu beurteilende Vorfrage überprüfen können,* sonst wäre eine einheitliche Anwendung des MFG durch die kantonalen Gerichte nicht gewährleistet und die Rechtseinheit iii diesem Gebiete stünde nur auf dem Papier. Beurteilt der Kassationshof dann diese Vorfrage anders als das kantonale Urteil, ist die Angelegenheit zurückzuweisen. Die materielle Beurteilung drehte sich um das Vortrittsrecht, denn der Motorradfahrer berief sich darauf, dass er, weil von rechts aus der Seebacherstrasse kommend, das Vortrittsrecht hatte. Nach Art. 27 Abs. 1 MFG hat der Fahrer einem gleichzeitig von rechts kommenden Fahrzeug bei Kreuzungen den Vortritt zu lassen, sofern er nicht auf einer als Hauptstrasse gekennzeichneten Strasse fährt, was hier nicht zutraf. Doch berechtigt das Vortrittsrecht nicht zu unvorsichtigem Einfahren in die Kurve, weil bei regem Strassenverkehr und unübersichtlichen Kreuzungen der auf der andern Strasse Fahrende erst dann einen Einblick in die von rechts kommende Strasse hat, wenn er ziemlich weit in die Kreifzung eingefahren ist; der Vortrittsberechtigte darf sich -nicht einfach darauf verlassen, dass die auf der andern Strasse Verkehrenden sich "bei den Kreuzungen vor» sehen müssen. Die. Annahme "einer Fahrlässigkeit durch das Obergericht bedeutete daher keine Verletzung- der • eidgenössischen Verkehrsvorschrift "von" Art. '27 Abs. 1 MFG. — Dies führte zur Abweisung der Kassationsbeschwerde. Wp. Stirn, das Haar. Das war, als wischte er damit den Rest all dieses Nebensächlichen, was ihn. seit einer Stunde fest umsponnen hatte, fort: das billige Verhör des Mädchens — die ganze abgegriffene Weisheit und Routine des kurzen Mannes mit dem Feldwebelgesicht. Ein Wort, ein Satz aus diesem primitiven Katechismus des Kommissars sprang vor ihm auf: «Erpressung» — und «irgendeinen praktischen Zweck wird der Herr —» Ein harter Laut stiess vor aus seiner Kehle: Gut — mochte doch der Herr Köpke darin den Sinn von Raves Kommen sehen — mochte es für die Untersuchung ruhig dabei bleiben. Ersparte ihm die bittere Schani, vor all den mitleidig-neugierigen Blicken als der Betrogene zu paradieren! Was wirklich da gewesen war — er — er wusste es besser! In sein Arbeitszimmer ging er mit festem Schritt, drückte den Taster des Läutwerkes, stand vor dem Fenster unbewegt und wartend still. Sagte, als er dann hinter sich das Mädchen in der Tür hörte, starr, ohne umzusehen: «Ich bin für niemand zu sprechen — für niemand—» Dann, als sie wieder fort war, wandte er sich um, war an der Tür und drehte den Riegel: so — Ein Vorhaben, das ihn seit Stundea umtrieb, und, das auch während der qualvollen Unterredung, mit dem Kommissar in keinem Augenblick hatte zum Schweigen kommen wollen, musste Erfüllung finden: noch einmal wollte er die beiden Zettel lesen, die Finger in die eigene Wunde legen. In seinen Arbeitssessel Hess er sich sinken — war gleich wie überflutet von dem peitschenden Erkennen: Betrogen haben sie mich beide! Er höhnte sich: Was bin ich denn, wenn es mir nicht gelungen ist, den da — den leeren, weichlichen und willenlosen Lumpen! — in ihrem Herzen auszurotten?! Wer bin ich denn, wenn dieser schäbige Jämmerling nach Jahren nur wiederum aufzutauchen und sich zu melden brauchte, damit hier alles, was ich mir geschaffen, was ich zu haben und als mein — als mein! — zu halten glaubte, zusammenbrach —?! Und er bäumte sich auf, zerfleischte sich in ohnmächtigem Zorn: Bin ich denn nicht hundertmal mehr Mann als dieser Schwächling? Er "schloss die Augen, und er dachte: Aus meinem Herzen müsste ich die Liebe zu ihr reissen können! Müsste sie hassen können so wie ihn — — und weiss es doch — trotz aller Schmach, dass da drüben in ihrem hellen