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E_1935_Zeitung_Nr.065

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Zieh (mt Von Heinrich

Zieh (mt Von Heinrich Lämmlm. Zieh fort — zieh fort — du armer Tor, Dich ruft die Welt — die Welt ist weit — Zieh fort, im Wandern liegt Vergessen. Was war — was ist? Nichts ist gewesen! Vergiss, naäh was die Seele schreit; Zieh fort — zieh fort — verschliess. dein Ohr. Da sitzt — du wühlst in deinem Leid, Du Narr! — Was nützt des Herzens Glut Kannst du nicht selbst darin verbrennen? — Nütz deine Kraft, Narr, lern dich kennen Und flieh vor der Ideen Brut, Den Hütern deiner Einsamkeit. Du bleibst — du bleibst — du armer Tor, Wühlst dich stets tiefer in dein Leid — So wirst du wohl niemals genesen. Was kommt, o Narr, das was gewesen. Zerreisst dein Herz in Einsamkeit — Singst dir verblutend Lieder vor. Nachdruck verboten. (Sie in den schwersten Rennen mit sicheren Aussichten an den Start gehen, sonst sind die enormen Unkosten gar nicht herauszuwirtschaften. Die Scuderia hatte von Anfang an ihre Kanonen. Bei ihr starteten die Asse der italienischen Hennfahrer, und der Name Tazio Nuvolari war allein schon ein paar hunderttausend Lire wert. Da hatte es die « juristische Abteilung » dieses Vereins nicht schwer, nette kleine Verträge auszuschreiben — Verträge mit vielen Leuten: mit den Clubs, mit den Fabrikanten von Reifen, Kerzen, Oel und Brennstoff, Stossdämpfern, Zündapparaten — es ist unheimlich, wie viel Zubehör es an einem Automobil gibt. Die Rennfahrer erhalten bei der Scuderia eine Mönatsgarantie. Die Prämien, Startgelder und Preise aber werden in eine grosse gemeinsame Kasse getan und am Ende des Jahres, nachdem eine ordentliche Betriebsreserve auf die Seite gelegt wurde, je nach den Erfolgen umschichtig verteilt. Wir waren in diesem Winter 1932/33 wieder in Arosa. Wie die meisten Rennfahrer halte ich es auch mit dem weissen Sport: Skifahren hält die Muskeln hübsch locker und ist eine grossartige Entspannung nach den Aufregungen des Sommers. So vergehen die Tage mählich und geruhsam, man hat Zeit für sich selber, sitzt abends am Radio oder versucht dem Dackel « Moritz >, wie in jedem Winter, die Anfangsgründe des Gehorsams beizubringen. Las ist eine durchaus ernsthafte Beschäftigung, wenn auch völlig vergeblich, denn Dackel, bleibt Dackel... In diesem Winter war Louis Chiron in Arosa, der auch noch nicht wusste, mit welchem Fahrzeug er im nächsten Jahr losgehen sollte, und nach langen und gründlichen Ueberlegungen gründeten •wir die « Scuderia CG > — Caracciola-Chiron. Zwei Alfas und ein Transportwagen wurden gekauft, meine Frau spielte den Manager, und in Monte Carlo wollten wir zum erstenmal unsere Künste zeigen. Aber das Schicksal schlug knüppeldick dazwischen. Training in Monte. Wieder diese Hetzjagd durch die Stadt, über die Promenade, vorbei am Kasino, und trotzdem eines der grössten und wichtigsten Rennen in Europa: in Monte Carlo fährt man nur auf Einladung, und eingeladen wird nur, wer wirklich zu den besten zählt. Wir drehen unsere Runden. Chiron muss erst mit dem Alfa Romeo bekannt werden, fährt immer hinter mir her, und ich führe ihm das gute rftück vor. Zuerst fahren wir ganz zahm, um uns an die weiche Luft und den lieblichen blauen Himmel zu gewöhnen; aber mit jeder Runde werden wir schneller und schliesslieh kommen schon ziemlich « echte > Rennzeiten dabei heraus. Zwanzig Runden. Fünfundzwanzig ... Schluss für heute... Also eine letzte Runde noch. Der Wagen schiesst mit 130 auf eine Kurve zu, eine Linkskurve, die knapp 95 verträgt... bremsen — pfui Teufel, das rechte Vorderrad blockiert... schalten, schalten, in den zweiten Gang runter — vergeblich... noch einmal bremsen, b-r-e-m-s-e-n... mit einem blockierten Vorderrad... da dreht der Wagen plötzlich hart ab. Knallt gegen ein Geländer. Ein furchtbarer Schlag an die Seite. Blech zerreisst... Stille. Betäubt sitze ich im Wagen; will aussteigen ... und sacke zusammen. Sechseinhalb Monate lang liegt das gebrochene und gesplitterte Bein im Gipsverband. Ein halbes Jahr in der Klinik in Bologna. Die Tage schleichen träge dahin, Frühling und Sommer, eine Rennsaison gebaut, dass die alten Träume wahr werden. Eines Tages ist es so weit: im Dezember 1933 bin ich in Stuttgart, bin ich bei Freund Neubauer draussen im Werk Untertürkheim. Wir wandern durch die Gassen und Strassen zwischen den Hallen und kommen schliesslieh zu einem kleinen Bau, abseits der grossen Werkstätten, zur Versuchsabteilung. Da steht der neue Rennwagen. Er ist noch nicht fertig 1 , wird eben erst montiert; aber ich sehe den Aufbau, den gewaltigen Motor, sehe die neuen und kühnen Ideen und weiss: hier entsteht der schnellste Strassenrennwagen der Welt. Neubauer lächelt .. ein Lächeln, das in die Zukunft weist. Ich schlage ein. Noch am selben Abend wird der Vertrag unterschrieben: ich fahre wieder Mercedes-Benz! Einfach wird es nicht werden. Seit einem Jahr, bin ich .nicht mehr am Steuer gesessen. Ich muss ja zuerst wieder laufen lernen, bevor ans fahren zu denken war. Aber bis zu den ersten Rennen ist noch viel Zeit, fünf Monate, und inzwischen ziehen wir eben wieder in unser altes Winterquartier, nach Arosa, um die letzten Monate vor dem Krampf in Ruhe und Entspannung zu verbringen. '', AUTOMOBIL-REVUi 1935 - N» 65 Weshalb macht Alkohol foscfiwipst? Beschwipst oder betrunken, das richtet sich ganz nach der Menge des genossenen Alkohols, schreibt die «Koralle >, nach der Füllung unseres Magens mit Speisen und nach der Empfindlichkeit des einzelnen. Alkohol wird von unserm Körper unmittelbar aufgenommen. Er vermag die Wände des Magens und des Darms sehr rasch zu durchdringen, also besonders schnell in die Blutbahn des menschlichen Körpers zu gelangen. Die Aufnahme des Alkohols erfolgt so rasch, dass er schon vom Magen aus fast restlos ins Blut wandert und nur zu einem geringen Teil in den Darm des Menschen gelangt. Der Blutstrom trägt ihn dann durch den Körper. Während unsere Nervenzellen die Fähigkeit besitzen, andere schädliche Substanzen von ihrem Innern fernzuhalten, vermag der Alkohol die Wände der Nervenzellen rasch zu durchdringen und die Zellen zu betäuben. Merkwürdigerweise wird er gerade von den Zellen am schnellsten aufgenommen, die die allerhöchsten und feinsten Arbeiten zu leisten haben und deshalb am feinsten und kompliziertesten aufgebaut sind: von den Nervenzellen unseres Gehirns. Und dort wiederum am bereitwilligsten von den Zellen der Hirn-Oberfläche: dem Sitz der Kritik und der Hemmungen. Die betäubten Gehirnzellen aber sind nicht mehr imstande, ihre Aufgabe ganz und richtig zu erfüllen. Die betäubten Hemmungsfasern lassen eine beschleunigte und gesteigerte Gehirntätigkeit zu. Der Beschwipste oder Angetrunkene wird «regsamer», entwickelt einen stärkeren Betätigungsdrang. Und gerade darin liegt die Gefahr: denn da gleichzeitig mit den Hemmuhgsfasern auch die Kritikfasem des Gehirns betäubt sind, werden Denken und Tun «hemmungslos». De*r Betrunkene äussert Gedanken, begeht Handlungen, deren er bei ordnungsgemässem Arbeiten seiner Kritik- und Hemmungsfasern einfach nicht fähig wäre. Dass im Wein die Wahrheit liege, dass der Betrunkene sein wahres Wesen offenbare, stimmt also nur sehr bedingt, denn nicht nur die Triebe, sondern auch die Hemmungen bestimmen den Charakter und die Handlungen eines Menschen. Da der Alkohol in das Blut des Menschen .übergeht, lässt sich der Genuss von Alkohol aus dem Alkoholgehalt des Blutes nachweisen. Das Blut normaler Menschen ist völlig alkoholfrei. Steigt der Alkoholgehalt des Blutes auf 2 Promille, so ist bereits auf eine erhebliche Alkoholzufuhr und -beeinflussung zu schliessen. Bei 3 Promille äussert der Betreffende meist Zeichen von Trunkenheit, Wir wissen, dass auch Zucker vom menschlichen Körper unmittelbar aufgenommen und ins Blut übergeführt wird. Der Kohlenstoff des Zuckers wird vom Körper zu Kohlensäure «verbrannt». Alkohol ist — chemisch gesehen — ein Mittelding zwischen Zucker und Kohlensäure. Man müsste demnach annehmen, dass auch er und vielleicht gerade er einen besonderen Nährwert besitzt. Alkohol besitzt in der Tat einen gewissen theoretischen Nährwert. Dieser Nährwert bleibt aber hinter seinem schädigenden Einfluss weit zurück. Dadurch, dass der Körper den Alkohol im Stoffwechsel verbrennt, verschwindet er wieder aus dem Körper. Ist unser Magen bei der Aufnahme von Alkohol leer, z. B. am frühen Morgen, so vermag der Alkohol sehr schnell zu den Nervenzellen vorzudringen. Ist der Magen gefüllt, so vermengt sich der Alkohol mit den übrigen Speisen. Er bleibt an sie zunächst gebunden und ist so zu einem längeren Auftenhalt im Magen gezwungen. Die Aufnahme des Alkohols in den Körper geht also viel langsamer vor sich. Das aber ist für das- Entstehen eines Rausches von erheblicher Bedeutung, denn nun hat der Körper Zeit, inzwischen schon immer einen Teil des aufgenommenen Alkohols zu «verbrennen», es kommt nicht zu der so grossen und gefährlichen Ansammlung von Alkohol im Gehirn: der Rausch ist nicht so gross. Und deshalb macht uns eine bestimmte Menge Alkohol auf nüchternen Magen genossen, unter Umständen schon betrunken, während die gleiche Menge nach einer Mahlzeit vielleicht nur einen kleinen Schwips erzeugt. Albanische Sprichworter. Die Glocke läutet, um gehört zu werden. Mancher hat weisse schwarze Seele. Zähne und eine Viele Worte paaren sich mit wenig Taten. IM MCrBTlviecM Spieltage: Nachm, 14.00 Uhr: 4„ 18-, 25. Aug. Abds. 20.15 Uhr: 1., 3., 14.. 17., 24. Aug. Textbuch Fr. 1.—, durch Vfrkenrsvarein Meirlngen Sitzplätze Fr. 3.—, •Vorausbestellung Tel. Nr. 209 •^KIRCHHOFE« i7i iBiPH II1FOSTR t 10er Packung Fr. 4.50, 4er Packung Fi. 2.-. Erhältlich in allen Apotheken. Prospektversand gratis und diskret durch die Generalvertretung für die Schweiz: EROVAQ A.-Q., Zürich, Bachtobelstr. 59, Tel. 72.527 Gd. ST-BERNARD Hotel du Grand St-Bernard 2472 M über Meer Gegenüber d. Hospiz. Restauran. u. Tea-Room. Garage, Oel, Benzin. Tel. 29.3. Lonfat &. Qentinetta, Bes. 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Wtxt und Jbieis den, QesdÜgJkeit Wenn man gegenwärtig die Menschen zur Geselligkeit zu animieren versucht, bekommt man die Antwort: Unsere Mittel gestatten uns nicht, gesellig zu sein. Hier liegt natürlich ein Irrtum vor. Es ist nämlich nicht zu verstehen, warum Menschen nicht aneinander Freude finden können, ohne dabei Geld auszugeben. Wir sehen es ja an den Kindern, denen ein leeres Zimmer und ein Butterbrot genügen, wenn man ihnen nur erlaubt, zusammen zu sein. Nie habe ich ein Zauberfest erlebt, bei dem nicht der Eine oder der Andere enttäuscht oder verstimmt nach Hause gegangen wäre. Wo war es doch, wo sich die Leute am besten unterhielten? Zwei Fälle steigen besonders hell aus meiner Erinnerung auf. Es war S Uhr morgens, als ich über die Piazza Goldoni in Venedig ging. Da stand ein junges Mädchen und plättete gestärkte Unterröcke. Um sie herum ein Kreis von Freundinnen, älteren Nachba.n und jungen Anbetern. Wie ein Strom floss die Rede, von glücklichem Lachen begleitet. Als ich um sechs Uhr abends den gleichen Weg nahm, sprach sie noch immer lustig drauf los, nur das Publikum hatte gewechselt. Nun könnte man sagen, hier hätte die italienische Sonne das Beste dazu getan. Aber ich habe ein ähnliches Erlebnis im Norden zu verzeichnen gehabt, an einem kalten Winterabend in Stockholm. Da waren wir Gäste in der winzigen Dachwohnung zweier schwedischer Studenten, die sich eine Menge Freunde eingeladen hatten, weil ihnen eine Kiste von zu. Hause zugekommen war, die zehn Pfund Pfefferkuchen, Aepfel und Nüsse enthielt. Auf dieser festlichen materiellen Grundlage entwickelten sich glücklich - regsame Gespräche über Strindberg, über Anders Zorn und^über das Gotenburger* System, nur 'unterbrochen durch Volkstänze und den Gesang schöner alter Volkslieder. Diese beiden Fälle von geselligem Zusammensein gingen sicher nicht sehr ins Geld. Warum sollen wir es nicht ebensogut haben, da uns doch die Hauptsache, die Mittellosigkeit, zu Gebote steht? Die neue Geselligkeit ist schon deshalb unterwegs, weil unsere Einsicht einige alte Begriffe ausgeschieden hat. Es gibt keine Zweckgeselligkeit mehr, denn es hat gar keinen Zweck, jemand zu feiern, der einem nichts nützen kann. Es gibt keine Revanchegeselligkeit — denn, wenn die einen nichts bieten, brauchen die anderen sie glücklicherweise nicht zu überbieten. Auch ist der Markt der Eitelkeiten ein bisschen verödet: zu viele Menschen haben Dinge erlebt, die der Eitelkeit einen Schaft gehört nicht viel mehr als vier Wände, etwas Mut und viel guter Wille. Also die Geschichte fängt so an: Wir haben nur sehr wenig Geld, folglich brauchen wir gar niemanden einzuladen. Da laden wir einfach nur solche Leute ein, die wir schon gern haben oder von denen wir hoffen, die Liebe könne noch kommen. Da man nicht allzu viele lieben kann, entstehen keine Massenversammlungen. Das ist wunderbar. Nicht nur, dass die Menschen im kleinen Kreise klüger sind als in grossen Versammlungen, sie sind auch glücklicher. Jeder Mensch wünscht Beachtung. Mit je mehr anderen er zusammen ist, desto weniger kommt auf den Einzelnen. An die wenigen, die man haben will, ergeht nun der Ruf. Wenn ein Mensch so eine Einladung erhält, denkt er nicht: «Oje, was wollen diese grässlichen Leute von mir» — sondern: «Schau mal her, die haben mich so gern, dass sie mit mir zusammen sein wollen». Hat er trotzdem aus irgendwelchen Gründen keine Lust, in Gesellschaft zu gehen; so telegraphiert er: «Bin verhindert, morgen zu euch zu kommen, lügenhafte Ausrede folgt brieflich». Entschliesst er sich aber hinzugehen, so ist er festlich gestimmt und fest entschlossen, sein Bestes zu tun. Vor allen Dingen nimmt er sich vor, sorgfältig und interessiert zuzuhören, um aus den anderen das Beste hervorzuholen. Er wünscht nämlich, sich selbst ins hellste Licht zu rücken. Das aber kann man am besten, indem man Schweigsame beredt, Schüchterne - -kühn, Schwarzseher heiter macht,"" kurz, indem nra*ö die anderen erhellt, nicht verdunkelt. Ein bedeutender Gast, der bescheiden auftritt, genügt, das Niveau einer ganzen Gesellschaft zu heben. Aber auch geistig anspruchlose Gäste sind höchst angenehm, wenn sie nur die nötige Menge Wohlwollen mitbringen. Wer für drei Stunden in Gesellschaft geht, der muss drei Stunden für andere leben. Kann er das, so hat er drei Stunden eigenen Lebens gewonnen. Natürlich nicht ohne Mühe. Nichts ist umsonst. Soll aus einer fremden Menschengruppe innerhalb weniger Stunden eine Gemeinschaft werden, und zwar möglichst ohne Aufwendung äusserer Mittel, so muss schon jeder einzelne nach seinem ÄÜTT7MÖT5IL-EEVTJE 15 Vermögen an Gefühl und Verstand beisteuern. Die Kleiderfrage ist bald gelöst. Bei geringen Mitteln und gutem Geschmack werden wir uns daran gewöhnen müssen und können, die Menschen oft im gleichen Kleide zu begrüssen. Den Männern ist das von vorneherein recht. Die Frauen, deren Naturell so nahe der Kunst verwandt ist und die infolgedessen den Wunsch haben, proteusartig aufzutreten, haben es schwerer. Glücklicherweise weckt unsere gegenwärtige, rückständige, sinnlose, ältermachende Miedermode, die höchstens einer bezaubernden jungen Schauspielerin auf der Bühne gut steht, nicht allzuheisse Wünsche nach neuen Kleidern-Wünsche, die ja auch angesichts ihrer der Not unserer Zeit spottenden Kostspieligkeit unerfüllbar wären. Aber die Frauen werden sich zu helfen wissen. Sie werden eben ihre schönen Glieder noch besser trainieren, als bisher, auf die An - und bemüht sein, den Freunden durch selnden Gesichtsausdruck die notwendige Abwechslung zu bieten. Aber nicht nur dem Gast, auch den Gastgebern ist ihre Aufgabe durch Mangel an eher Mensch eine komische Figur ist? Noch hat sich's nicht herumgesprochen. Schlimm ist es, dass wir wie gegen den Krebs bisher auch noch kein Mittel gegen Menschenfurcht haben, gegen die törichte, Schicksale zerstörende Frage: Was wird man von dir sagen? Geselligkeittötend ist auch die noch immer nicht ausgerottete üble Nachrede. Wie Gasgift wirkt sie und ist überdies auch noch urlangweilig. Auch der ödeste Gesell ist interessant, wenn man sich darauf verlegt, seine wenigen Vorzüge herauszufinden, denn das ist schwer. Aber Fehler liegen am Tage. Auch hat man eigene genug. Der Stoff zum Medisieren ist übrigens allmählich auch etwas knapp geworden. Die früher so beliebte Frage, wovon die Leute leben, hat sich ja heute dahin erledigt, dass alle von nichts zu leben verstehn. Eine Gesundung der Geselligkeit kann nur kommen, wenn es uns gelingt, aus unserer Not eine Tugend zu machen. Man darf zwar nicht hoffen, dass wir jemals die liebenswürdig-geistreiche Gesprächigkeit Athens erlangen werden, deren Höhepunkt Sokrates war. Auch die Wiederkehr der Pariser Salons des achtzehnten Jahrhunderts, um die der Abbe Galiani so bitter klagt, als er nach Italien verbannt ist, werden wir kaum wiederherstellen können. Aber die intensive Geistigkeit der Berliner Gesellschaft zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts bei Tee und dünngestrichenen Brötchen ist ein Rahmen, den wir uns auch noch heute leisten können. Und am Inhalt fehlt's auch nicht. Er ist bunter denn je. Es ist also möglich, eine Gesellschaft zu schaffen, die, lebendig, improvisiert und absichtslos, dazu dient, eine Oase in der Wüste Geld sehr erleichtert. Während man dem Gast noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts drei Soupers hintereinander bot, die immer wieder mit der Suppe begannen, sind wir uns darüber klar geworden, dass so etwas eine verkleidete Art von Mordversuch darstellt. Jetzt, da man weiss, dass man keinen Menschen tothungern, wohl aber einen totfüttern kann, hat sich die Lebensdauer bedeutend gehoben. Bald wird sie noch länger werden, wenn wir uns mit Verstand, Kenntnis und wissenschaftlicher Sorgfalt neuzeitlich zu kochen bemühen. Speisen aus der des gegenwärtigen Lebens zu werden. Aber das kann nur geschehen, wenn wir unseren Mangel an materiellen Mitteln produktiv machen, indem wir käufliche Werte durch unschätzbare ersetzen. Zeit des Wiener Makart-Buketts sind abzulehnen. Diese Art von Bewirtung wird auch noch den Dank der Frauen gewinnen, die bei überlegter Gastfreundschaft die so schwer erworbene Linie behalten. Wenn die Leute aber nichts Kopiöses zu essen bekommen, dann brauchen wir ihnen auch keinen Alkohol zu geben. — O Gott, was habe ich da gesagt! Ich weiss, dass ich damit ein Nationalheiligtum lästere. Ich ziehe mich also zurück und sage: weniger Alkohol. Oder nur eine Sorte. Aber soviel Mut will ich doch aufbringen, zu sagen, dass mir ein Geist aus chinesichem Tee geboren angenehmer ist als einer, der aus Alkohol aufsteigt. Das hat einen guten Grund. Im Wein liegt nämlich .Warheit., Diese Wahrheit möchte ich aber