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E_1935_Zeitung_Nr.064

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BERN, Freitag, 9. August 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 64 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISEs Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Autler-Fcierabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste«' REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51; Telephon 39.743 INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Aus der Mappe des Technikers Einiges über « Beschleunigung ». Die Maximalgeschwindigkeit eines Wagens lässt sich nur selten und kurz vorübergehend ausnützen. Immer und immer wieder lässt sich jedoch das Beschleunigungsvermögen zur Geltung bringen. Je mehr sich der Verkehr verdichtet und je mehr die Verkehrsregelung mechanisiert wird, um so grösser wird der Wert einer raschen Beschleunigung. Um hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten zu ermöglichen muss ein Wagen vor allem imstande sein, nach den unvermeidlichen Halten und Verzögerungen jeweils wieder in möglichst kurzer Zeit auf Tempo zu kommen. Da die Hindernisse auf der Strasse eher im Zunehmen als Abnehmen begriffen sind, hängt die Gesamt'reisedauer hauptsächlich von der Gesamtzeit ab, ,,während welcher der Wagen stillsteht oder < langsam fährt. Die drei Hauptfaktoren, die das Beschleunigungsvermögen eines Autos bestimmen, sind die «Motorgrösse», das Wagengewicht und das Antriebsübersetzungsverhältnis. Die Motorgrösse wurde deshalb in Anführungszeichen gesetzt, weil sie nur einen ungefähren Anhalt für die Motorleistung und das Motordrehmoment ergibt. Das Antriebsübersetzungsverhältnis hängt nicht nur von den Uebersetzungen im Getriebe und der Hinterachse, sondern auch vom Durchmesser der Triebräder ab. Letzten Endes ist es das Verhältnis der vom Motor im betreffenden Moment abgegebenen Leistung zum Wagengewicht, das die Beschleunigung bestimmt. Da aber der Begriff der « Leistung > den meisten Laien mehr oder weniger unverständlich ist, sei er hier vorläufig aus dem Spiel gelassen. Statt dessen wollen wir uns vorerst an die £«Kraft» des Motors halten, an jene direkt fühlbare Erscheinung also, die in Automobilistenkreisen auch noch als « Durchzugsvermögen *• eines Motors bezeichnet wird und die der Fachmann «Drehmoment» nennt. Die Bedeutung des « Drehmomentes ». Man stelle sich vor, es gälte einen Wagen nicht durch den Motor, sondern mit einer Handkurbel in Bewegung zu setzen. Auf dem Dach des Wagens sei beispielsweise eine Art Winde aufgebaut, deren Welle einerseits eine Kurbel trägt, während das andere Wellenende durch ein Kettenrad und eine Kette mit dem einen Wagenhinterrad verbunden ist. Um den Wagen in Bewegung zu setzen ist eine gewisser Druck auf die Kurbel der F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (16. Fortsetzung.) ' Winde erforderlich. Dieser Druck, die Kraft, muss einmal um so grösser sein, je mehr der Wagen wiegt, weiter um so grösser, Je rascher die Beschleunigung sein soll, und* drittens um so grösser, je weniger die Winde gegenüber dem Wagenrad übersetzt ist. Viertens ist der Durchmesser des Rades in Berücksichtigung zu ziehen. Ist das Rad gross, so erfordert die Betätigung der Winde bei sonst gleichen Bedingungen mehr Kraft als wenn das Rad nur sehr klein ist, weil sich der Wagen ja im ersten Fall rascher fortbewegen muss als im zweiten. Bei noch niedrigen Fahrgeschwindigkeiten wird es dem Mann auf dem Dach leicht möglich sein, immer die gleiche Kraft auf die Kurbel auszuüben. Die Fahrt wird deshalb unter gleichmässiger Beschleunigung vor sich gehen. Schliesslich aber kommt der Moment, wo die Kurbel schon recht rasch läuft. Auch ohne dass er ermüdet ist, wird dann der Mann nicht mehr ganz nachkommen. Obschon er die Kurbel immer noch antreibt, ist seine auf die Kurbel ausgeübte Kraft kleiner geworden. Entsprechend lässt auch die Beschleunigung etwas nach, obschon sie immer noch vorhanden ist. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse auch beim wirklichen Automobil. Auch hier ist die Kraft, das « Drehmoment» des Motors gewöhnlich am Anfang am grössten, um dann nach und nach abzunehmen. Die Wirkung des Wechselgetriebes. Will man auch in einem höheren Geschwindigkeitsbereich wieder eine bessere Beschleunigung erreichen, so muss man dafür sorgen, dass der Mann der Kurbeldrehung besser zu folgen vermag. Der Antrieb ist dazu auf ein kleineres Uebersetzungsverhältnis umzuschalten. Bei geringerer Kurbelwellendrehzahl kann nun der Mann wieder seine ganze Kraft aufwenden. Trotzdem wird die Beschleunigung nicht mehr den anfänglichen hohen Wert erreichen, weil ja nun, in- 'folge des kleineren Uebersetzungsverhältnisses, die auf das Hinterrad ausgeübte Kraft immer kleiner sein wird als im ersten Fall. Schliesslich kommt der Zustand, wo auch mit dem ausgetüfteltsten Uebersetzungsverhältnis keine Beschleunigung mehr zu erreichen ist, und wo die ganze Arbeit des Mannes nur noch ausreicht, um den Wagen den Fahrtwiderständen zum Trotz in gleicher Geschwindigkeit zu erhalten. Dem Techniker sagt dieses absichtlich einfach angenommene Beispiel natürlich nichts neues. Dem Laien aber dürfte es manches erklären, was ihm bisher unverständlich war. Leicht wird er aus ihm z.B. auch den Unterschied zwischen der «Kraft», also dem Die oberste der kleinen Laden zog er auf: «Hier hat sie, wie ich glaube, ihre Papiere stets verwahrt —». Zugleich auch griff er schon ein kleines graues Heftchen vor, das da zwischen anderem lag: ihr Bankbuch. Seine Hände mühten sich um Ruhe, wie er die letzten Eintragungen suchte. Neben ihm stand der Stämmige — den Blick des Herrn Schwieger fühlte er verwirrend über seine Schultern niederstreichen — und hörte dann, während er auf diese Rubriken, Zahlen, Stempel, Unterschriften starrte, die ihm vor seinen Augen ineinander flimmerten und flössen, die von rückwärts kommende, behaglich und zufrieden feststellende Stimme: «Nun — ist ja alles mögliche! Zweimal ist in den letzten acht Tagen abgehoben worden, zuletzt am Tage vor dem — vor dem Ende —. Und übertrieben zaghaft ist er ja in seinen Forderungen nicht gewesen —» Joos Utenhovens Kehle würgte. Kein Wort brachte er vor. Nach aussen schien er ruhig und gehalten. So Hess er es mit einem zustimmenden Nicken auch geschehen, dass ihm Herr Köpke das graue Heftchen aus den Händen nahm, dass er sich in sein dickes, schmieriges Notizbuch abschrieb, was er vielleicht für seine Akten brauchte. Mechanisch nahm er dann das Heft zurück und Hess es wieder in die Lade gleiten: Geld? — Was war Geld?! Als ob es nur darum gegangen wäre. Wenn sie ihn nur mit einem Worte gebeten hätte — er hätte schliesslich ihr zuliebe diesem Kerl noch einmal geholfen. Nein — nicht um das — um die paar Tausend, die sie ihm da hingegeben hatte, ging es hier. Ging um die Heimlichkeit, die ihren Grund in anderem hatte. Die beiden Briefe —! Die Schreibplatte des Tischchens hob er wieder an, drehte den Schlüssel. Als er auf Herrn Köpke traf, fragte er: «— sonst: noch etwas?» Und der: «Nein — sehen Sie, das mussten wir nur wissen. Und dass die Frau das viele Geld für anderes gebraucht hätte, das ist doch ausgeschlossen?» «Ganz ausgeschlossen —» sagte Utenhoven. Herr Schwieger seufzte, seine blauen Knopfaugen lächelten in Leid: «Dass alles das für Sie nicht leicht ist, fühlen wir doch auch — aber es ist doch unsere Pflicht —» Drehmoment eines Motors und seiner « Leistung » erkennen. Denkt man sich nämlich einen Mann auf dem Wagendach, der zwar nicht kräftiger ist als der erste, jedoch auch noch bei höheren Drehzahlen der Kurbel die gleiche Kraft auszuüben vermag, so wird man diesen Mann als «leistungsfähiger» bezeichnen können. Der Mann leistet wirklich mehr, und genau so hat auch der Motor eine höhere Leistung, der dasselbe Drehmoment noch bei höheren Tourenzahlen abzugeben vermag. Die praktische Nutzanwendung dieser Erkenntnisse besteht für den Konstrukteur darin, die Uebersetzungsverhältnisse geeignet abzustufen, und für den Fahrer, von diesen Uebersetzungsverhältnissen den richtigen Gebrauch zu machen. Will man rasch beschleunigen, so ist vorerst durch Einschalten einer hohen Uebersetzung, also eines kleinen Getriebeganges, die an den Hinterrädern wirksame Kraft möglichst gross zu machen. Stufe um Stufe ist dann das Uebersetzungsverhältnis so zu ändern, dass der Motor immer weder zu rasch, noch zu langsam läuft. Liefe er (in einem zu hohen Getriebegang) zu langsam, so begäbe man sich des Vorteils der Drehmoment-Multiplikation im Getriebe, liefe er zu rasch, so könnte der Motor kein richtiges Drehmoment mehr entwickeln. Die meisten Fahrer schalten beim Anfahren eher zu früh als zu spät, was eine schlechte Ausnutzung der durch das Getriebe gebotenen Möglichkeiten darstellt. Wenn: sie so auf das optimal mögliche Beschleunigungsvermögen verzichten, so gewinnen sie allerdings andererseits den Vorteil, dass die Schaltung leichter vor sich geht und der Motor mehr geschont wird. Zum Sohluss kann man sich fragen, durch welche der möglichen Massnahmen (Erhöhung der (Motorleistung, Aenderungen im Gesaimtübersetzungsverhältnis, Verringerung des Wagengewichtes) wohl die Autotechnik der Zukunft die Beschleunigung am stärksten zu fördern streben wird. Das Motordrehmoment wird kaum mehr eine wesentliche Zunahme erfahren, da eine wesentliche Steigerung des Kompressionsverhältnisses oder die Anwendung von Kompressoren nicht sehr wahrscheinlich ist, dagegen aber eine Neigung zu kleineren Motoren besteht. Auch mit einer Verminderung des Wagengewichtes ist — wenigstens in der nächsten Zukunft — nicht zu rechnen, da die Anforderungen an Geräumigkeit der Karosserien und anderem Komfort immer noch steigen. Ziemlich viel Spielraum steht aber immer noch in der Erhöhung der Antriebsübersetzung, offen. Es bedingt Ein Nicken nur: — ich weiss — ich kann das ja verstehen. Er war wieder allein. — Jetzt wollte sich auch diese herbe Pein zu Ende neigen: Elke-Maria war da draussen auf dem Wilmersdorfer Friedhof, der in dem Farbenspiel und Duft von Flieder, Rosen und Jasmin ein weiter stiller Frühlingsgarten schien, zur letzten Ruhe eingebettet. Joos Utenhoven stand am Rande des noch offenen Grabes, den Hut in Händen. Hager und wie erstarrt die Züge des in diesen Tagen zu einem fahlen Gelb geblassten Gesichtes. Fremd ging sein Blick über den dichten Kreis von Menschen hin, die da rings um das Grab und um den kleinen Hügel aus gehäufte Blumenkränzen standen. Gesichter sah er, die er kannte — ud andere, die er ahnte und nicht einzuordnen wusste: Da waren Hertwigs -- sie, Frau Cläre mit verweinten Augen — und dort Ministerialrat Negendau mit seiner Frau — Und dort, vor dem Direktor des Kaiser- Friedrich-Museums, die kleine allzu blonde Frau, das war die Schneiderin, die ihr die Kleidchen abgeändert hatte — und ein paar Kameraden aus dem Felde waren da — und eine Anzahl Herren aus dem Kunsthandel. Dort der geschäftige Doktor Goldschmidt aus der Viktoriastrasse, der heimlich auf das Wir berichten heute über: Querschnitt. Die IV. Targa Abruzzo. Die Coppa Acerbo. Ein paar Hundstage-Erleichte* rungen. Die Probleme des regelmässigen Alpenfluges. Bilder: Seite 6. das zwar, wül man nicht auf die gegenwärtigen Höchstgeschwindigkeiten verzichten, dass auch die Motoren noch hochtouriger gebaut werden. Da aber die Motoren durch die Erhöhung der Drehzahl wiederum noch leistungsfähiger würden, wird man den Lokkungen dieses Vorgehens kaum widerstehen können. -th. Sf »**!»£••• Ein neuer Lebensnerv für den österreichischen Fremdenverkehr. Letzten Samstag, den 3. August a. c, konnten unsere östlichen Nachbarn die Glocknerstrasse dem durchgehenden Automobilverkehr übergeben. Diese gigantische Tat moderner Strassenbautechnik stellt dem verarmten Oesterreich ein Zeugnis kühnsten Unterneh-' mungsgeistes aus. Von der richtigen Ueber- Iegung ausgehend, dass "jene Gebiete, die es unterlassen, ihre Einrichtungen und Darbietungen dem Wandel der Bedürfnisse anzupassen, mit der Zeit ihrer wirtschaftlichen Grundlagen verlustig gehen, ist in 25 Monaten oder 2 Mill. geleisteten Arbeitsstunden hier eine neue völkerverbindende Nord-Südtransversale errichtet worden. Die naturgegebene Lage Oesterreichs im Herzen des europäischen Kontinentes macht dieses aber, gleich unserer Schweiz, nicht nur zum Bindeglied in nord-südlicher Richtung, sondern auch in ost-westlicher. Mit der Glocknerstrasse ist denn auch eine Querverbindung über die Alpen geschaffen worden, die das bisher grösste überfahrtlose Kammgebiet im gesamten Alpenwall, d. h. die Strecke zwischen Brenner und Katschberg von 156 km Ausdehnung, dem neuzeitlichen Strassenverkehr erschliesst. Wenn allerdings dem nun eröffneten Strassenzug im Kräftespiel der Fräulein Erler einzureden suchte — de Boer — und Doktor Grete Ring von Paul Cassirer — Jetzt winkte ihm ein hagerer schwarzer Herr, der da mit einer Art von schlecht bezahlter Leidensmiene unweit vor ihm gestanden hatte — Er schreckte auf: — ja — nun auch das — Ueber die hohl wippenden Holzlatten schritt er — stand über ihr — spürte den Dunst und Duft von hinwelkenden Kränzen. Griff in den dargebotenen Kübel und Hess dreimal die Handvoll Erde auf sie in die Tiefe niederrinnen — Elke-Maria! dachte er; die Zähne lagen ihm wie Klammern aufeinander. Und hinter ihm, wie er dann weiterschritt, wieder das Wippen dieser Bretter und fremde Schritte und der raschelnde oder dumpf aufkollernde Klang, mit dem die Brocken feuchter Erde über die Kränze niederrieselten und auf das Holz des Sarges trafen — Er wandte sich herum: den alten Sanitätsrat Fränkel sah er, der Schmerz in seinen guten, müden Judenaugen trug, als wäre ihm ein Teil genommen — sah den Portier mit seiner Frau — sah seinen Rahmenmacher — Menschen, die er irgendwoher kannte, und die verändert aussahen in ihren Larven von zur Schau getragenem Mitgefühl — und Fremde, Fremde, die er nie gesehen hatte