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E_1935_Zeitung_Nr.063

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10 AUTOMOBIL-REVUE

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Bern, Dienstag, 6. August 1935 II. Blatt der „Automobil-Revue" No.63 JCawMutne Von Kilian Kerst. Netz mich mitTropfen,dass ich nicht verwelke. Du brachst mich jäh vom grünen Ackerrain. Gesell mich nicht dem stolzen Duft der Nelke. Lass mich im engen Vasenhals allein. Die Nüchternheit, die aus der Felderkrume ich sog in meinen ungezierten Schaft, ist zarter als das Rot vom Rosenruhme am Dornenhölze seiner Gartenkraft. Beklagen will ich, was ich still entbehre: die Nachbarschaft von Wicke und von Mohn und vor des Ackers mittäglicher Leere das steile Kreuz vom müden Gottessohn. *ßvi a&Qeu&sem JCnopl Nachdruck verboten. Fritz, der Altgeselle, trat unter das Tor und hielt Ausschau nach Wind und Wetter, den Schwalben und all den Dingen, nach denen ein Geselle zu schauen pflegt, wenn ihn das Fernweh packt und die Wanderlust im Blute pocht. Drei-, viermal am Tage trat er so unter die Tür, hin und wieder stieg er gar die Treppe empor, stellte sich mitten in die Strasse, schnupperte in den Wind und hielt Ausschau nach allen Seiten. Seine Unruhe steckte auch uns Junge an. Es kribbelte uns im Blute, und unsere Augen begannen wie im Fieber zu glänzen. Zog dann noch ein fremder Geselle vorbei und rief uns einen Gruss zu, dann drängten wir alle zur Tür und schauten ihm nach, bis er um die nächste Ecke verschwand. • Unser Meister sah wohl, wie es uns zu Mute war, aber er sagte lange nichts, ja er lachte still vor sich hin und dachte Wohl an seine eigenen Wanderjahre. Doch- eines Abends, als es der Fritz tagsüber besonders stark getrieben hatte, sagte er nach dem Essen zu ihm : , « Na, Fritz, dich hat es aber mächtig gepackt ! » « Ja, Meister !», gab der Altgeselle zur Antwort, «es ist schon so. Eines Tages werde ich Euch davonlaufen, so leid es mir ist!» «Ich kenne das, Fritz ! », nickte der Meister. « Hab' es selbst mitgemacht, hab' aber ein Heilmittel gefunden gegen das Fernweh. Will euch erzählen, wie das zuging; denn ein wenig sonderbar war es schon. — Im Frühling war es. Es ging mir nicht besser als euch. Ich war noch jung, und die Ferne lockte. Aber da war auch des Meisters Tochter, die kugelrunde Augen machen konnte, so dass es einem heiss durch die Adern strömte. Doch ich war noch ein Junggeselle, hatte nichts zu bieten als ein heisses Herz, das obendrein noch die absonderlichsten Sprünge machte. Jakob, dachte ich da, wählst dir von den. beiden Uebeln das kleinere, und ehe du dir einen Korb holst und dich vom Meister noch obendrein auslachen lässt, packst du dein Bündel und ziehst weiter. Aber das war nun leichter gedacht als getan. So arg das Wanderfieber an mir zerrte, ich kam nicht los, bis mir ein Zufall zu Hilfe kam. Stand ich da eines Morgens am Schraubstock, als ein Handwerksbursche den Kopf zum Fenster hereinsteckte und mir zurief: « He Geselle, willst du versauern hier ? » «Hast gut reden, du», gab ich unwirsch zur Antwort. Doch bei mir dachte ich : recht hat er ja, ein Leben ist das schon lange nicht mehr, und eines Tages jagt mich der Meister doch zum Teufel. Da raffte ich mich auf und sagte: «Mach langsam, du, ich komme nach ! » — Mit dem Meister war ich bald im reinen. Die Meisterin meinte zwar, es sei schade, denn ich sei ein netter Bursch gewesen. Gepackt war rasch, und dann ging es los. Wie ich zum Tor hinaus will, kommt die Gretel. «Willst fortgehen; Jakob ?» fragte sie und schaute mich an, dass mich mein Entschluss schon wieder reute. « Ja, Gretel», sagte ich kleinlaut, « einmal muss es ja doch sein ». Wie ich ihr die Hand reichte, meinte sie: « Es fehlt ein Knopf an deiner Jacke. Ich Will ihn annähen, warte nur hier, bis ich mit Nadel und Faden komme.» Da hab' ich gewartet, und als der Knopf angenäht war, reichten wir uns noch einmal die Hände. Wir wussten beide, dass noch etwas zu sagen wäre, doch das richtige Wort hat keines gefunden. Einige Tage bin ich mit dem Gesellen über Land gezogen, aber die richtige Lust hatte ich nicht, und je länger es ging, um so mehr zog es mich zurück. Es ging nicht lange, da hielt ich es nicht mehr aus. « Hör », sagte ich zu meinem Kameraden, «ich hab' etwas vergessen und muss zurück. » — Na, er hat mich ausgelacht, doch das störte mich nicht. Wie ich hier durch das Hoftor trat, kam gerade die Gretel die Treppe herab. « Bist wieder da, Jakob ?» lachte sie und machte ganz frohe Augen. «Ja, Gretel», sagte ich nun doch verlegen — es fehlt halt wieder ein Knopf an der Jacke ! » — Das Mädel bekam einen roten Kopf, holte Nadel und Faden und wollte mir den Knopf festnähen. Aber an meiner Jacke waren alle Knöpfe, und wie die Gretel mich erstaunt anschaut, nehme ich sie beim Kopf und gebe ihr einen Kuss, Dem reizenden Buch von Caracciola-Weller « Rennen — Sieg — Rekorde », das in der Rubrik «Büchertisch» eingehender gewürdigt wird, entnehmen wir die nachstehende interessante «Lektion » : Ich bin oft gefragt worden, ob sich mein Stil, meine persönliche Fahrtechnik lehren und lernen lasse. Es ist schwer, darauf eine ehrliche Antwort zu- geben. Gewiss, die Grundbegriffe, das « Handwerkliche », kann man andern beibringen, aber damit hört es schon auf. Es gibt keine Regeln, keine ein für allemal feststehende Fahrkunst. Wie man in einem Rennen fährt, das ist von hundert Dingen abhängig, zunächst einmal von der Strecke und von der Art des Rennens. Jedes Rennen ist anders. Am Kesselberg, der eine schöne Makadatnstrasse hat, muss ich anders fahren als am Klausen. Der Klausen ist eine Hochgebirgsstrasse, die fünf Monate im Jahr unter Schnee liegt, die vom Klima angefressen und in den oberen Höhenlagen so mit lockerem Kies bedeckt ist, dass der Wagen oft genug durch die Kurven einfach durchschleudert — und nicht einmal ohne Absicht! In einem Strassenrennen kommt es darauf an, mit welchem Tempo man durch die einzelnen Kurven durchfegen kann; dies mussman im Training schon sehr genau feststellen, und dann, wie man von Kurve zu Kurve am schnellsten durchkommt. Manchmal ist es vorteilhaft, möglichst schnell durchzuschalten, den Wagen auf Höchstgeschwindigkeit zu bringen und dann scharf abzubremsen, vor der nächsten Kurve aber ist es gescheiter, man geht nur bis zum dritten Gang und fängt den Wagen leise ab. Wie gesagt: feste Regeln gibt es nicht, und es ist oft genug vorgekommen, dass eine Taktik und Technik, die wir im Training erprobten und exerzierten, im Rennen ganz vergessen wurde, weil das Tempo durch unerwartet höhere Leistungen der Gegner viel schärfer wurde als wir angenommen hatten. Es ist natürlich sehr schön und erfreulich, wenn man in einem Rennen dem Gegner das Tempo diktieren und dabei noch eine kleine Reserve für sich behalten kann, um im entscheidenden Moment mit einem wilden Spurt auf und davon zu gehen. Aber durch einen gleichwertigen oder gar überlegenen Gegner sich aus der Ruhe bringen lassen, ist das Verkehrteste, was man tun kann. Den Anschluss behalten, nicht mehr aus dem Wagen herausholen, als er mit Sicherheit hergeben kann — und dann, wenn es darauf ankommt, angreifen! Das ist eine Methode, wenn man es Methode nennen will, die schon, in fast verzweifelten Fällen zum Sieg verholfen hat. Wenn ich auch kein Rezept dafür angeben kann, wie man ein guter und erfolgreicher Rennfahrer wird, so gibt es doch gewisse Regeln und Gewohnheiten, die aus einem mittelmässigen einen recht guten Fahrer machen können. Drei Eigenschaften muss sich der, der ein guter Fahrer werden will, anerziehen: Ruhe « Bist schon ein arger Reissteufel und es wird am besten sein, du bleibst hier, damit ich gleich zur Hand bin », — hat die Gretel gesagt, und da bin ich geblieben. Sogar der Meister hat lachen müssen, als er die Geschichte erfuhr. So bin ich später Meister und die Gretel ist meine Meisterin geworden. » Behaglich schmunzelnd legte Meister Jakob die Hand auf die Schulter seiner Frau. Der Fritz aber fasste sich hinter die Ohren und meinte «Ihr habt gut reden, aber so ein Glück, wie Ihr, hat nicht jeder ! » Da drohte ihm die Meisterin lachend mit dem Finger : «Ich will nichts verraten, aber was ich gesehen habe am Sonntag — na ja. Ihr Männer wollt immer fort, wenn es schon zu Spät ist!» Der Fritz bekam einen roten Kopf und ging brumment hinaus. Die Meisterin hat aber doch recht gehabt. Nach Jahren traf ich ihn als glücklich verheirateten Ehemann, und lachend meinte er: «Es hat halt doch ein Knopf gefehlt! » JUeUte 'Jahtschide Qw, led&tmatm — Beobachtungsgabe — kurze Reaktionszeiten. Ruhe — das heisst beileibe nicht Dickfelligkeit. Aber ein wirklich guter Fahrer muss immer über der Situation stehen, er darf nicht, wie das Karnickel von der bösen Schlange, hypnotisiert werden, wenn aus einer .Ecke unvermutet ein anderer Wagen auftaucht und nun dessen Kühler eine magnetische Anziehungskraft auf das eigene Automobil auszuüben scheint, bis es «bumst»! ." '* Jede knifflige Verkehrssituation löst ! sich überraschend schnell auf, wenn man die Ruhe nicht verliert — und wenn man das Tempo seines Wagens so in der Hand hat, dass man eben jeder schwierigen Lage gewachsen ist. Das heisst nicht, dass man im Schneckentempo durch die Landschaft schleichen soll, im Gegenteil: Ruhe und Schnellfahren vertragen sich gut miteinander — für manche Leute ist das sogar die beste Erholung nach anstrengender geistiger Arbeit. . Damit kommen wir schon zur zweiten notwendigen Eigenschaft: der Beobachtungsgabe. Alte Fahrer haben oft das, was .der Fachmann einen «Riecher» nennt. Sie spüren die Entwicklung der Verkehrslage, ahnen sie um einige Sekunden voraus; sie wissen genau, dass nun aus jener Seitenstrasse ein.Lieferwagen kommen wird und dass die Taxe da vorn gleich rechts einbiegt, und zwar noch vor dem Strassenbahnwagen, hinter dem sie eben hervorgekommen ist. Ein sechster Sinn? O nein... Ein Verkehrsbild setzt sich aus sehr vielen kleinen Einzelbildern zusammen, die sich von Sekunde zu Sekunde verändern. Der routinierte Fahrer nimmt dauernd solche Einzelbilder auf, nach einziger Erziehung ganz unbewusst, er kombiniert sie mit-; einander und weiss dann schon ziemlich genau, was er in den nächsten Sekunden zu erwarten hat. Er sieht, eine Fünftelssekunde lang, in das grosse Schaufenster an der Strassenecke, erblickt darin die Silhouette eines Lieferwagens, sieht den Fahrer, wie er eben die Tür am Führersitz zuknallt, eine Frau, die über die Strasse gehen wollte, bleibt plötzlich am Bürgersteig stehen... all das verdichtet sich schliesslich zu dem Warnungsbild: «Achtung — hier kommt etwas!» Oder die Taxe, die eben den Strassenbahnwagen überholte: der Fahrer beugt sich ein klein wenig vor, schielt hastig um die Ecke... wieder die Warnung... Gas weg, und schon ist der andere eingebogen. Wer sich diese Art des Fahren« angewöhnt hat, kann überall fahren, und zwar schnell fahren, ohne die Bremse zu strapazieren und ohne den Hupenknopf zu bemühen — für ihn gibt es kaum noch Ueberraschungen. Kommt aber einmal eine unerwartete Situation, dann nützen Ruhe und interessierte Beobachtung auch nichts mehr — dann heisst es handeln, und zwar blitzschnell! Die Zeit von der Wahrnehmung bis zur entsprechenden Handlung ist die Reaktionszeit, Madonna del Sasso, die berühmte Wallfahrtskirch« über dem Lago Maggiore. die «Schrecksekunde»,.die kurze oder lange Leitung eines Fahrers. Beim Durchschnittsmenschen beträgt sie knapp unter einer Sekunde. Durch Erfährung und Training lässt sich dieser Zeitwert auf etwa 0,75 bis 0,8 Sekunden verringern; was unter 0,7 Sekunden liegt, ist schon besonders gut. Erst das Zusammenklingen von allen drei Eigenschaften ergibt den guten Fahrer, dessen Fahrgäste niemals Aengste ausstehen werden, der auch aus bösen Situationen noch mit heiler Haut herauskommt, auch wenn ein Kotflügel oder gar deren zwei dabei draufgehen sollten. Denn auch das unterscheidet den guten Fahrer vom Tolpatsch, dass er sich nicht aus «Sorge um etwas Lack und l Blech in-eine Lage hineinmanöveriert, die schlimmer ist, als wenn er in aller Ruhe das Fahrzeug an einen bereitstehenden Baum gelehnt hätte. Was hier gesagt wurde, sind eigentlich Binsenweisheiten. Jeder alte Fahrer hat das im Gefühl. Und doch gibt es noch etwas, was man erlernen kann, obwohl es mancher alte Hase nicht kann und nicht weiss... Das grosse Geheimnis heisst: «weich» fahren! Giovannini, der verstorbene Rennleiter von Alfa Romeo, hat das einmal sehr hübsch gesagt — ich glaube es war im Training zu den grossen Rennen in Irland: «Sehen Sie, Nuvolari — er fährt schnell, sehr schnell... 9 Mintuen 30 Sekunden für den Kurs...aber so — so —!» Dabei zuckten seine ausdrucksvollen Hände wild wie ein Blitz. «Caracoiola braucht vielleicht 9 Minuten 32... aber sooo...» und formte mit beiden Händen eine runde, sanfte Geste; es war drollig und rührend, aber gut beobachtet. Es, gibt in Europa höchstens ein Dutzend Fahrer, die diese modernen, überschnellen Wagen unter allen Umständen beherrschen und sie wirklich ausfahren können. Unter diesen Männern gibt es wohl keinen «besten Fahrer der Welt», sie sind in ihren Erfolgen einander sehr nahe — aber es gibt Unterschiede des Temperaments und der Technik, die man am besten erkennen kann, wenn es regnet. Fahrer, die wie ein Teufel das Tempo angeben, fallen um zwei, drei Plätze zurück. Das war die heilsame Lehre aus meinem ersten, verregneten Avusrennen im Jahre 1922, als ich durch Regen auf einmal meinen guten Platz verlor und mich nur noch mühsam auf einen fünften Platz durchkämpfen konnte:; ein guter Fahrer muss bei jedem Wetter schnell fahren können! Der «harte» Fahrer, der brüsk schaltet, kuppelt, bremst, muss im Rennen langsamer werden, weil jede dieser Tätigkeit, oder vielmehr die Art, wiesie ausgeübt wird, eine Schleuderbewegung des Wagens auf der glatten Bahn einleitet, die sofort wieder pariert werden muss. Der «weiche» Fahrer dagegen hat das untrügliche Gefühl für eine «runde» Fahrweise; er spürt genau das Haften der Räder auf der Strasse — er wird im Regen seinen Wettbewerbern immer überlegen sein und Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit fliess. Wasser o. Bad u.Tel. Zimmer v. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Leimgruber, Bes.