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E_1935_Zeitung_Nr.067

E_1935_Zeitung_Nr.067

BERN, Dienstag, 20. August 1935 Mit Grand Prix-Sonderbeüage Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N« «7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlieh Fr. 16.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) Yierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Tt. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Antler-Feierabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich': Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Und bei uns? ii.' Im Rahmen der modernen Fremdenverkehrswerbung: spielt der Ausbau des österneben erfreuen sich namentlich jene Frem- Grossglockner recht lobend äusserten. Dareichischen Strassennetzes eine besonders denplätze besonders der Gunst des englischen Reisepublikums, in denen noch boden- beachtenswerte Rolle. Frühzeitig haben unsere östlichen Nachbarn die Bedeutung des ständiges, urchiges Landleben vorherrscht, internationalen Autotourismus für ihre gesamte Volkswirtschaft erkannt. Die mit der len Anstrich dar schweizerischen Kurorte was besonders gegenüber dem internationa- deutschen Grenzsperre in Zusammenhang vorteilhaft absticht. Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben, wie schlanke Girls stehende Drosselung des für das heutige Oesterreich lebensnotwendigen Fremdenstromes ist durch eine intensive Auslandspropabrannten Tirolerburschen in Lederhosen im vom Themsestrand sich mit den sonnenverganda, vor allem in Frankreich, Grossbritannien und in den Niederlanden weitgehend Gebärden sich zu verständigen versuchen ! Tanze drehen und mit den unmöglichsten ausgeglichen worden. An Stelle der sogenannten deutschen Rucksackwanderer tritt ternationale Verflachung fernzuhalten und Wenn es den Oesterreichern gelingt, die in- immer mehr und mehr der ausländische die besonderen Eigenarten ihrer verschiedenen Volksteile zu wahren, dann dürfte dar- Automobilist, und zwar in einem Umfang, der auch von den grössten Optimisten noch aus dem schweizerischen Fremdenverkehr letztes Jahr nicht erwartet wurde. .In vielen eine recht gefährliche Konkurrenz erwachsen; allerdings liegen heute schon Anzeichen österreichischen Fremdenverkehrszentren erklärt man, mit dem Auslandsbesuch recht vor, die auf eine ähnliche Internationalisierung hinweisen, wie sie in unserem Lande zufrieden zu sein, und wir selbst konstatierten, welch grossartigen Aufschwung der leider festzustellen ist. internationale Autotourismus Versuchen wir die Ursachen des rapid ansteigenden Autotourismus in Oesterreich im in Oesterreich im Verlaufe der letzten, drei Jahre genommen hat! Auf einem zentral gelegenen...Innsbrucker Parkplatz z. B. waren schweizerischen Ziffern.zurergründen.**-wo- Vergleich zu den nicht gerade erfreulichen von 29 parkierenden Automobilen deren 22 bei nicht zu vergessen ist, dass die Statistik ausländischer Herkunft, während auf der des schweizerischen ' Autotourismus seht Fahrt vom Arlberg zur Schweizergrenze von stark von jenen Wagen beeinflusst wird, die, 37 kreuzenden Motorfahrzeugen nicht weniger als 26 .ausländische Nummern trugen und unser Land als Transitgebiet benützen, so aus westeuropäischen Ländern kommend, stets gut besetzt waren, wogegen sich manche inländische Wagen als reine Geschäfts- Bundesministerium für Handel und Verkehr dürfte vor allem die vom österreichischen automobile erkennen Hessen. Auffallend sind im die zahlreichen in Oesterreich zirkulierenden Ausland geleistete Werbearbeit, französischen, englischen und niederländischen Motorfahrzeuge. Dass vor allem die grossen Erfolge massgebend sein. Aus vie- unterstützt durch politische Faktoren, für die 'Ostschweizer sich den billigeren Benzinpreis len Aeusserungen ausländischer Automobilisten geht aber auch hervor, dass neben der in Oesterreich mit 63 Groschen pro Liter nicht entgehen lassen, dürfte verständlich Entdeckung von Neuland auch die zum Teil sein, doch bemerkt man unter den zahlreichen Schweizer Autos auffallend viele Genziehungskraft erster Ordnung darstellen; sehr gut ausgebauten Bergstrassen eine Anferwagen. Was den Ausländer für das heutige Oesterreich besonders einnimmt, sind und Erholungsreisen wird der Automobilist, denn bei der Auswahl von Vergnügungs- einerseits die bekannte, immer noch recht unter sonst gleichen Vorbedingungen, zweifellos immer mehr dasjenige Land aufsuchen, schwierige Wirtschaftslage dieses nicht leben noch sterben könnenden Staatengebildes, anderseits aber auch das grosse Entge- stellt, besonders hinsichtlich eigentlicher das ihm die besten Strassen zur Verfügung genkommen und die bekannte österreichische Liebenswürdigkeit, worüber sich beiher eine der wesentlichsten Voraussetzungen Bergrouten. Ein gutes Strassennetz ist daspielsweise auch unsere Rennfahrer am für die Entwicklung des Fremdenverkehrs, Vergl; den Artikel: «Wir stellen fest> in A.-R. Vergleiche Artikel; «Eine Fehlspekulation> in NT. 66 der «A.-R.», dessen Abwanderung von der Schiene zur Strasse sich, immer intensiver gestaltet. Obschon viele österreichische Strassenzüge, und zwar sowohl internationale Durchgangswie vor allem Nebenstrassen sich in einem recht erbarmungswürdigen Zustand befinden, wobei allerdings festgestellt werden muss, dass auch diese Strecken sich im raschen Ausbau' befinden (Arbeitsbeschaffungsprogramm der österreichischen Bundesregierung), so hat dennoch Oesterreich in den letzten vier Jahren auf dem Gebiete des Strassenbauwesens eine Arbeit geleistet, der wir gerade hinsichtlich Alpenstrassen nichts Gleichwertiges zur Seite zu stellen haben. Zugegeben, von dem 15,800 km umfassenden schweizerischen Strassennetz sind rund 5000 km mit neuzeitlichen Belägen versehen, in Oesterreich von 3900 km Bundesstrassen und 14,000 km autonomen Strecken aber erst 850 km den neuzeitlichen Anforderungen angepasst, doch weitaus wichtiger erscheint uns mit Rücksicht auf den internationalen Fremdenverkehr, dass sich die Oesterreicher vor allem dem Alpenstrassenaus- und -neubau besonders liebevoll angenommen haben, während wir bei uns, trotz Alpenstrasseninitiative, noch nicht einmal ein endgültiges Alpenstrassenausbauprogramm kennen. Der Grundgedanke, der. dem österreichischen Strassenbau zugrund? liegt, lässt sich ht,den Satz zusammenfassen: «Wir bauen tStrassen, um unser tägliches Brot zu verdienen. » Keine einzige der' ausgeführten Bauten wurde auf Kosten der übrigen Wirtschaft erstellt; das Bestreben der österreichischen Strassenbautechniker tendiert auf einen organisch gutdurchdächten und soliden Ausbau des bestehenden Strassennetzes, wobei der Neubau der 59 km langen Grossglocknerstrasse eine Sonderstellung im Rahmen des österreichischen Strassenbauwesens einnimmt. Im ausgesprochenen Gegensatz zu unserer kantonalen Strassenbaupolitik haben es unsere östlichen Nachbarn verstanden, eine Strasse, schon rein begrifflich, nicht als lokale Angelegenheit zu behandeln, sondern dieselbe, losgelöst vom lokalen Interessenstandpunkt, vom grosszügigeren Überlandstandpunkt aus zu betrachten. Verkehrspolitisch hat heute Oesterreich in Europa eine ähnliche Funktion wie die Schweiz zu erfüllen, und schon aus diesem Grunde haben wir das grösste Interesse, seine Massnahmen auf strassenbautechnischem Gebiete im speziellen und auf fremdenverkehrspolitischem im besondern zu verfolgen. Vielfach haben österreichische Strassenbautechniker ihre Lehren aus dem Wir berichten heute über: Heraus mit der Wahrheit! Der Grosse Preis von Nizza. Coppa Acerbo. Weltrekordflieger Wiley Post f. Begegnung mit einem Betrunkenen. Bilder: Seite 6. Grand-Prix-Beilage: Seite 13 bis 24. schweizerischen Alpenstrassenbau gezogen, galt doch dieser bis zum Zeitalter des moto-s risierten Strassenverkehrs als vorbildlich. Heute aber müssen wir unsere Vorbilder bei unsern Nachbarn suchen. Interessieren dürfte, dass des öftern unsere Techniker als Begutachter beigezogen werden, wie dies z. B. beim Kampf um die Scheitelprojekte der Grossglocknerstrasse der Fall war. : Was das heutige Gebirgsstrassennetz Oesterreichs anbetrifft, so ist festzustellen, dass für viele moderne Strassen teilweise alte, von den Römern stammende Yerkehrswege benützt wurden, Hessen diese doch nichts Mnversucht, um den Alpenwall wegsam, zu nia-; chen; wir kennen dies zur Genüge auch ÄÜS der schweizerischen Geschichte. Vergleichen' wir die damaligen, unter dem Gesichtswinkel militärischer Erfordernisse gebauten Kunststrassen mit den zur Zeitvorherrschenden Strassenbautendenzen, so können wir in grossen Zügen eine beinahe voll} kommene Uebereinstimmung von Altertum und Gegenwart feststellen. Die in den Jahren 46—47 n. Chr. gebaute Via Claudia führte vom Etschtal über die Reschenscheideck;und den Fernpass nach Augsburg. Eine irn 3. Jahrhundert rr. Chr. gebaute Nordsüdverbindung bezwang den Brenner, um alsdann über den Seefeldersattel in deutsche Lande hinauszugelangen, lag doch der römischen Militärpolitik der Gedanke zugrunde, ihre Legionen aus dem Gebirge in die Ebene hinauszuführen. Neben verschiedenen anderen, zur; Römerzeit gebauten Uebergängen hat ein beim Grossglockner-Scheitelstückbau, fcemachter Fund bewiesen, dass selbst diese modernste Anlage schon zur Römerzeit einen Vorläufer besass. Meisterwerke des österreichischen Gebirgs« strassenbaus verkörpern auch die heute von F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (19. Fortsetzung.) So-brachte ihm der Morgen und sein erstes Licht Befreiung von dem Alp, der ihn bedrückt, zerrüttet hatte. Unter dem kalen Strahl der hart niederpeitschenden Brause versuchte er, sich von der Mattigkeit, die ihm noch in den Gliedern lag, zu befreien: ein neuer Tag —er brauchte seine Kräfte! Aber als er sich später vor dem Spiegel sah, erschrak er selbst über die hagere, trockene Härte seiner Züge, über die grauen Schatten, die ihm um die Augen, um die Wangen lagen. Dazu dann noch das düstere Schwarz der Kleidung — Mit Unbehagen dachte er jetzt an dieses Zusammensein mit dem Simon Marane zurück, war unzufrieden mit sich selbst, dass er seinem Impuls, den Doktor auf dem Friedhof anzusprechen, nicht widerstanden, dass er dann mit dem trüben, schwerblütigen Genossen so lange zusammengesessen hatte. Seine sich wieder aufreckende Kraft wandte sich in Abwehr und Widerstand gegen die Erinnerung an das Hintreiben in weichlicher. verhangener Stimmung, das da gestern auch ihn ergriffen hatte. Was ging es irgendeinen anderen an, wie schwer er seinen Schmerz um seine Tote trug? Nein — ihm gehörte dieses Leid allein — wie alles, was um sie und um ihr Scheiden ging, nur ihm allein gehörte. Brauchte ihm keiner mehr ins Herz sehen — und auch Marane nicht. — Scheinbar gefasst und mit gehaltener Ruhe ging er durch den Tag. Am Frühstückstische, in der Morgenzeitung, fand er eine Notiz über die Beisetzung. Sie sprach von dem allgemeinen tiefen Anteil an dem Schicksal der jungen Frau, die, wie die inzwischen weit fortgeschrittenen Feststellungen der Polizei ergeben hätten, das unglückliche Opfer eines Erpressers geworden sei. Der Täter sei in Haft und so gut wie überführt. So würde das Verbrechen seine gerechte Sühne finden. Joos Utenhoven las diesen Bericht mit hart blickenden Augen. Er faltete das Blatt und schob es in din Brusttasche seines Rockes. Und dann rann ihm der Tag dahin in irgendwelchem Tun, das sich über die Einsamkeit und Leere wölbte, die fressend in ihm war. Auf den Wilmersdorfer Friedhof fuhr er hinaus. Es regnete dünn, fröstelnd durch den grauen Vormittag. Verändert schien ihm alles gegen gestern. Zwischen den Qräberreihen irrte er, verlief sich, musste einen Gärtner fragen, der dann neben ihm her zu dem Grabe schritt. Ein dürftiger Hügel war da aufgewölbt und mit welkenden Kränzen überdeckt. Schlaff und verwaschen hingen'die weissen Schleifen. Und neben diesem Grab zwei eben" solche Hügel, und weiter Arbeiter in einer offenen Grube. Von roten Rosen sprach er, die der Gärtner setzen sollte, tiefdunkle Remontanrosen — Prince Camille de Rohan —, und er dachte daran, wie sehr sie diese sammetweichen Blüten mit ihrem süssen Duft liebte — Und er hörte wie etwas Fernes, das kaum Sinn hatte, die Einwände des Mannes an seiner Seite: das ginge jetzt noch nicht — die Erde müsse sich erst setzen — müsse erst zur Ruhe kommen — Dann solle er Töpfrosen, dicht, ganz dicht, vorläufig auf den Hügel stellen — In die Bellevuestrasse fuhr Utenhoven. Da sass Simon Marane, matt, zerdrückt und eingesunken, dass nur sein Kopf über den Wust von vor ihm aufgehäuften Briefschaften, Büchern und Photos ragte, im abgeschabten Purpur seines grossen Florentiner Poltrones. Als er sich aufarbeiten wollte, winkte ihm Utenhoven ab: nein — bleiben Sie. Und stand bei ihm, Hess die glatte flache Hand durch die seine gleiten. Kein Wort von diesen Stunden des Beisammenseins — kein Rühren an die Nähe, die da hatte werden wollen. Kühl, fern, verschlossen seine Stimrft'e als er auf ein paar Fragen des Betriebes zu sprechen kam: '" ' Ja — das wäre ihm eingefallen: ob man für die in Antwerpen geplante Flamenausstellung nicht auch ein paar Beiträge melden wolle — vielleicht den blauen Frederik van Valkenborch und den kleinen de Cocq mit dem Christophorus —? Simon Marane nickte still: Gewiss — das konnte man. , . Blumen fand Utenhoven auf dem Schreibtisch seines Arbeitszimmers. Sicher das gute kleine Ding — das Fräulein Erler. Danken wollte er ihr. Den Pack von Beileidsbriefen, die in diesen Tagen gekommen waren, sah er wieder vor sich. Auch das wollte erledigt sein. Er griff ihn näher an sich heran und begann die Briefe nochmals durchzusehen und in zwei Teile zu sondern. Da waren solche, die mit irgendeiner persönlichen Zeile beantwortet werden mussten, und andere, denen.mit einer gedruckten Dankkarte Genüge geschah. . Mechanisch las er Namen, Namen, Worte—• Als er dann fertig war und als das Fräulein Erler auf sein Klingelzeichen kam, da hätte er den Dank für ihre Blumen beinahe vergessen, bot ihr dann erst die Hand hinüber, als ihr Blick fragend, zaghaft zu der Vase streifte. ... -• «Diktieren möchte ich —»