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E_1935_Zeitung_Nr.071

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12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — 71 Die Zufahrts6tras3en «us der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners OH Touring, Führer für Automobilfahrcr, offizlall« Ausgabe des T. C. S. Platz hatte. Die freundlichen Dankesworte freuten Lieserl sehr, sie kam sich ganz wichtig vor in dem Bewusstsein, « ich werde den Grossen schon zeigen, dass es auch noch nette junge Menschen gibt — heutzutage ! > Bis — ja — bis gestern war es gewesen ! Neben Lieserl sass ein hübsches junges Fräulein, allerdings fand Lieserl ihre Lippen ein bisschen stark rot und die Wangen so schön gefärbt, wie die ihrer grossen Puppe. Auch das blonde Haar erinnerte sie an ihre Manzi daheim, so zerrupft und zerzaust sah es aus — aber trotzdem — Lieserl fand sie sehr hübsch. Und sicher auch der alte Herr, der jetzt eingestiegen war und die Augen nicht von dem Fräulein Hess. Und weil Lieserl doch ein nettes Kind war, stand sie geschäftig auf und sagte zu dem alten Herrn, der heftig seinen Schnurrbart drehte und die Augen rollte, weil er wohl nicht gerne stand: « Bitte, setzen Sie sich nur, alter Herr, Sie sind gewiss recht müde ! > Aber anstatt der erhofften Dankesworte brummte der unwirsch; t Dummer Fratz — bleib sitzen —• so alt, dass man mir Platz machen muss, bin ich noch lange nicht! > — Armes Lieserl, ganz verdutzt war sie ! Was ahnte sie davon, wie hart es ist, wenn man ein junges Ding mit feurigen Blicken bezaubern will und dabei zum alten Herrn gestempelt wird, dem man schonungslos Platz macht! Ja, ja — seitdem weiss das Lieserl immer nicht: soll sie nun nett sein gegen die Grossen oder lieber nicht? doch nicht! Recht macht man's ihnen ja Ida Bock. LENZERHEIDE Hotel Schweizerhof A.C.S.T.C.S. Fein bürgerliches Haus. Zentral in eigenem grosiem Park. Grosse Gesellschaftsräume. Orchester. Tennis. Weekend-Arrangements. Ganzjihrig geöffnet. Garage. 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Tankstelle I nftkiirnrt Beuron Hntel n Puntinn KEosterhof Inserieren Sie auch? Von de* JCanst, JCase au Jessen Eine Frau, eine einfache normannische Hausfrau, Marie Harel, hat den göttlichen Es ist noch gar nicht so lange her, als ein Camembert erfunden, und dafür hat ihr das Präsident der Französischen Republik in Marseille das Schiff bestieg, um eine der Kolo- ein Denkmal gesetzt. Nur ein Mann teilt mit dankbare Volk in Vimoutiers, ihrer Heimat, nien des Landes zu besuchen. Die Maschinen ihr, den Ruhm, dass man ihm für die Erfindung eines Käse ein Denkmal gesetzt hat: liefen bereits, das Abfahrtssignal war gegeben, als der Küchenchef bemerkte, dass kein Antoine Roussel aus la Queuille, der «Autor« Roquefort-Käse an Bord sei. Der Kapitän, des ausserhalb Frankreichs kaum bekannten der die Schwäche des Präsidenten für seinen Auvergne-Käses. Frau von Montespan, Fa- des Sonnenkönigs, verstand es, dem Lieblingskäse kannte, Hess sofort die Ma-voritischinen stoppen, eine Kiste mit Roquefort grossen König mit Hilfe der verschiedenen wurde herbeigeschafft — und das Schiff des Käse-Crus hundert Saucearten zu bereiten, Präsidenten konnte in See gehen. während Frau von Sable, der «feinste der Die Anekdote ist nicht nur gut erfunden, sondern auch wahr. Sie zeigt besser als Worte, wie sämtliche Käsespezialitäten der französischen feinen Schnäbel», mit seltener Spürfindigkeit sehr man in Frankreich, den Käse schätzt. Provinzen ausfindig machte. Brillat-Savarin hat den berühmt gewordenen Satz geschrieben: «Ein Dessert ohne Käse — Es gab schon immer Frauen, die den Käse das ist wie eine Schöne, die nur ein Auge nicht um seiner selbst willen liebten, sondern hat». Da es glücklicherweise Schöne mit nur eines höheren Zweckes wegen: als Verschönerungsmittel. Die schöne Ninon de Lenclos einem Auge kaum gibt, so wird man logischerweise auch Desserts ohne Käse kaum verstand sich vortrefflich in der Kunst, die finden. Selbst in den Palasthotels, in denen Käsesorten mit passenden Weinlagen zu geniessen, um ihre Schönheit noch verführeri- alles was riecht, verdammt ist, wird stets zum Dejeuner eine Käseplatte vor der Süssspeise gereicht; allerdings gilt es als «nicht scher zu machen. Die berühmte Ninon hat dabei — nach instinktiver Frauenart — eines fein», Käse auch zum Diner anzubieten, es der Geheimnisse der Kunst, Käse zu essen, sei denn in Form einer Double- oder Tripleins Rollen gebracht: Alle grossen Feinschmecker sind sich slarüber einig, dass zum Creme, einer Bouchee ä la reine oder eines Souffle au fromage . . . vollen Genüsse eines guten Käse ein passender Wein gehört Wussten Sie übrigens, dass diese «Bouchee nach Königin-Art» wirklich von einer Welche Sünde wider den guten Geschmack, Königin auf dem Throne Frankreichs erfunden ist? Der Polin Marie Leczlnska, Gattin begiessen, anstatt mit herbem Medoc oder etwa einen Roquefort mit süssem Qraves zu Ludwigs XV., gebührt der Ruhm, diese geniale Pastete erdacht zu haben. Wenn man nischen Weichkäse, gehört natürlich norman- Burgunder! Zum Pont-1'Evgque, dem norman- behauptet, dass Frauen niemals Meister der nischer Cidre, und zum Gruyere, dem Schweizer Käse, soll man weissen Jurawein oder hohen Kochkunst sein könnten — wofür allerhand Begründungen in's Feld geführt werden — so scheint diese Theorie durch den ist es nicht ganz leicht, sich unter den eini- weissen Burgunder trinken. Für den Laien Käse Lügen gestraft zu werden. gen hundert Käsesorten auszukennen. !BCusea, die man fragen uwtd In Modekreisen ist man sich durchaus klar darüber, dass das Jackenkleid auch weiterhin modern bleiben und dass im Zusammenhange damit auch die modische Bedeutung der Bluse keine Einbusse erleiden werde. Man plant sogar eine noch viel phantasievollere Ausarbeitung und macht mit den eigenartigen «gezogenen Partien» den Anfang, die einem als Besuchsaufmachung gedachten Blusenmodell den Stempel des Neumodischen aufdrücken Einfachere Entwürfe werden mit Rüschen oder Falten versehen, die nicht nur die Aufschläge, sondern auch die halblangen Aermel und das Schössel «rahmen». Natürlich sind die herbstlichen Blusen in den neuesten Schattierungen gehalten, wobei dar Automobilisten • Grosser Parkplatz 73-Afül M«i.. KU..4J irc rr« Grün, Braun, Weinrot usf., kurzum die Farbtöne der herbstlichen Natur, immer wieder hervortreten. RikhviÜsch jd&vühtaa Dauerheilung der Zuckerkrankheit. Von Frau Dr. E. Kiilz. Preis 1.80 RM. Bruno Wilkens Verlag in Hannover-Buchholz. Als Leiterin eines bekannten Sanatoriums für Zuckerkranke hat Verfasserin sicher viel Gelegenheit gehabt, wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse zu sammeln, die in diesem leichtverständlichen Ratgeber ihre Verwertung zum Besten der Zuckerkranken gefunden haben. Der Diabetiker kann 6ich durch diese Broschüre eingehend über sein Leiden orientieren, auch darüber, wie Besserung und Heilung erzielt werden können. Die am Schluss angegebenen Rezepte für erlaubte «Diii>etikerspeisen und Getränke» werden vielen Zuckerkranken willkommen sein. Ueberwlndung der Wechseljahre bei Frau und Mann. Unter Berücksichtigung von Arterienverkalkung, Krebs und Sexualleiden. Von Dr. med. Hope. 16.—20. Auflage. Preis 1.80 RM. Bruno Wilkene Verlag in Hannover-Buchholz. In den Jahren zwischen 45—65, den sogenannten Wechseljahren, stellt sich der menschliche Körper von der Jugend zum Alter um. Hierdurch werden oft körperliche und seelische Veränderungen hervorgerufen, die äusserst schmerzhafte Beschwerden und gefährliche Erkrankungen zur Folge haben können, besonders dann, wenn die Umstellung zu plötzlich und zu krass erfolgt. Schon nach Kenntnisnahme weniger Seiten fühlt man, dass der Verfasser durch eingehendes Studium auf diesem Gebiete und auf Grund seiner reichen Erfahrunien während der Praxis über ein grosses Wissen auf diesem Gebiete verfügt, welches hier zum NuUen für die Patienten veröffentlicht wird. Der Löier findet in diesem verständlichen Ratgeber erprobte Mittel und Wege, wie die gefürchteten Wechseljahre am besten überwunden werden können, um ein beschwerdefreies Alter zu erreichen.

N° 71 — 1985 AUTOMOBIL-REVUE 13 F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Ihm zog es traumhaft durch den Kopf: soweit ich denken kann, steht dieser schwarze Kahn schon hier — und kann man diesen Walfisch sehen —. Und wie ich noch ein Junge war, habe ich oft gedacht, dass ich ihn sehen möchte — und habe mir weiss Gott was Schönes dabei vorgestellt —. Dann ist es aber nie dazu gekommen — Seltsam, wie manches Wollen seinen Sinn verliert — Er hob den Kopf, sah längs des Wasserlaufes und des Kupfergrabens nach den im prallen Sonnenglanz weiss, blendend widerstrahlenden Neubauten der Museen aus. Ob ich — ? Den neuerworbenen Altar des Quinten Massys wollte ich doch schon immer sehen —. Mit ihr — mit ihr noch wollte ich ihn sehen — drei Wochen ist das doch erst her, dass ich mit ihr davon gesprochen habe — Drei Wochen erst —! Er schüttelte den Kopf: nein —nein. Von dem Geländer löste er die Hände, wandte sich ab, der Strasse zu. Ein Auto kam langsam heran. Nach einer Fuhre schien der Fahrer auszuspähen. Da winkte er, Hess halten und stieg ein. Aber der Wagen fuhr nicht — stand — und das vom altem Froste blau gefleckte, breitflächige Gesicht des Fahrers blieb schief geneigt, fragend und horchend ihm zugewandt. Da wachte er aus seinem Suchen auf: — wohin? — wohin? Den Friedhof draussen sah er und das Beet mit Rosen — da war er heut noch nicht gewesen. Und er sah den Ausstellungssaal in der Bellevuestrasse, die hingereihten Bilder und Skulpturen, den kleinen Doktor, der wie in sich selbst verkrochen auf dem roten Samt des grossen Florentiner Sessels hockte — Simon Marane —? Ob er den jetzt aufsuchte und sprach ? Er zögerte. Den schmucklos kahl gewordenen Schreibtisch im Arbeitszimmer seiner Wohnung sah er, und der Umschlag mit Fred Raves schäbigen Bettelbriefen und mit dem Eingeständnis seiner Wechselfälschung fiel ihm ein. Das alles lag da immer noch so, wie er ers vor ein paar Nächten für Herrn Köpke zurechtgelegt hatte, verschlossen in der Lade. Jetzt war es reif — jetzt galt der neue Hieb — Der Dokor Adriani glaubte nicht an Raves Schuld? Schön — mochte sich der superkluge Herr das Bild, das er sich von dem Manne zurechtgefingert hatte, durch die Lektüre dieser Dokumente .ein wenig ergänzen! Er hob den Kopf: «Ja — fahren Sie in die Regentenstrasse —», sagte er. Die Stimme stiess mit einem Male wieder hart und klar aus seiner Kehle. Als Utenhoven eine halbe Stunde später vor seinem Schreibtisch sass und in die offene Mittellade niederblickte, vermisste er den Umschlag mit den Dokumenten an der Stelle, an die er ihn gelegt hatte. Vielleicht, dass er beim raschen Zuschieben der Lade über das Manuskript des «Bandlnelli» weg nach rückwärts in die Tiefe abgeglitten war — Er griff mit flach tastender Hand nach hinten in den Raum: ah, da — ! Aber zugleich fühlte er da noch etwas — andere Papiere — Er zog sie vor: ein Päckchen Geldscheine — gleichwie in Hast unordentlich zusammengefaltet und zerknüllt — Ein jäher Schreck kam über ihn, er Hess das Päckchen aus den Fingern gleiten, sein Atem flog: Das war ja doch — Niemals in all der Zeit hatte er an das Qeld, das jetzt neben dem weissen Briefumschlage vor ihm auf der Schreibtischplatte lag, gedacht. Wie aus seinem Gedächnis fortgewischt war das gewesen — Wohin damit? — nach seiner Brust schnellte die Hand, wollte die Brieftasche vorziehen — und blieb gehemmt auf halbem Wege, sank wieder nieder, bebte leise im Puls seiner Erregung. Der Widerwillen, diese Scheine anzufassen, schob sich zwischen ihn und das angeknitterte Papier. Den Augenblick erlebte er noch einmal, in dem er damals dieses Päckchen Scheine hastend, besinnungslos beinah, im Aufruhr seiner Nerven — im Hass — im Hass gegen den tückischen Zerstörer seines Glückes hier hineingeworfen hatte. Damals; in jener Nacht — in jener letzten Nacht — Er schloss sekundenlang die Augen vor der aufbrandenden Erinnerung: vorbei — Aber auch dann, als die Erregung niederebbte, als sich ihm Gegenwart und Umwelt wiederum erschlossen — sein Arbeitszimmer hier, der Schreibtisch, diese Briefe und der Pack zusammengeknäulter Scheine — blieb immer noch das Zögern in ihm, zuzugreifen. Er ging dagegen an — er dachte: gehört denn das nicht etwa mir ? — ist es denn nicht mein Eigentum —? ! — und nur jetzt keine Unvorsichtigkeit und kein Versagen — ! Und irrte, wie er auf die Scheine niederstarrte, jäh ab aus dieser Kette von Gedanken — sah vor sich gross, erschreckend eine andere Frage: — wenn man es aber sucht? — und danach forscht — ? Er — er muss es doch haben — er — Fred Rave — Als ob er nicht allein im Zimmer wäre, so war ihm mit einem Male — Hinüber zu dem Ledersessel vor dem Bärenfelle ging sein Blick: dort hatte er damals gesessen — Und plötzlich hielt er diesen Pack von Scheinen wieder in den Händen, stand vor dem Sessel, schob den Knäuel zwischen dem Sitze und der Lehne in die Tiefe — Stand wieder an dem Schreibtisch, dachte, während er das Empfinden hatte, als ob die Kälte dieses Leders ihm noch an seinen Fingern klebte und ihn ein fader Trangeruch umflösse: — fort — so, jetzt ist es fort — und wenn man es da findet, dann schliesst es den Ring, der um ihn liegt, nur fester noch —! Feig — ? — hinterhältig — ? Wer war feig und hinterhältig in sein Leben eingebrochen ? Nein — jetzt stand man im Kampf, und jedes Mittel galt — auch dieses hier — ! Trotz und Befreiung stiegen in ihm auf, gaben ihm seine harte Ruhe wieder, trieben seinen unerschütterten Willen zum neuen Stosse. Auf dem Umschlage mit den Briefen Raves lag wiederum sein Blick. Jetzt war der rechte Augenblick, wo auch sie wirken sollten. Er sass an seinem Schreibtisch, er schrieb noch einmal den Begleitbrief, den er in jener Nacht, in der er diese Schriftstücke zusammengesucht hatte, schon geschrieben und dann im ersten Morgenlichte doch wieder vernichtet hatte: Der Kommissar Köpke habe bei einer der Besprechungen diese Papiere zu den Akten eingefordert — hier seien sie —. Und mit fester Hand setzte er auf den Umschlag die Adresse: «An den Vernehmungsrichter Dr. von Adriani, Polizeipräsidium, Zimmer 217.» Selbst trug er dann den Brief zur Post und fühlte sich gestärkt, erleichtert, spürte die Kraft des Anstosses und Handelns wieder auf seiner Seite, • als der Beamte ihm das Schreiben abgenommen und die Einschreibebestätigung zugeschoben hatte. ' Würde man Ja jetzt sehen, wie das auf den Herrn von Adriani wirkte! Aber es kamen und gingen wieder Tage, und Herr von Adriani Hess nicht das geringste von sich hören. Still war es drüben — keine neue Vorladung und keine Stellungnahme zu dem Material dieser Briefe, nicht einmal eine Bestätigung des Einlaufs traf ein. Mit Ungeduld durchblätterte Joos Utenhoven bei jedem Posteingange die Skripturen zuerst nach einer Nachricht aus dem Präsidium — nichts — wieder nichts! Und ansteigend mit dieser Ungeduld des Wartens, wuchs auch die Unrast, die ihn umtrieb. Ihm war, als ob er erst zu Ruhe kommen und Entspannung finden könnte, wenn er die sichere Gewissheit hatte, dass dieser alte knickbeinige Stänker seine albernen Zweifel an der Täterschaft des Rave fallen gelassen habe — dass dieser heiss Gehasste dem Gericht nicht entgehen konnte. Zugleich auch spürte er in einer dunklen Tiefe, dass damit dann auch diese andere Spannung ihr Ende finden musste, die irgendwie aus der seltsamen Unterredung zwischen ihm und dem unsichtigen alten Herrn zurückgeblieben war — In sein Büro in der Bellevuestrasse ging er nicht anders, als um auch dort nachzusehen und zu hören, ob nicht ein Brief, ein Anruf für ihn eingelaufen wäre. Durchflog die Eingänge, blätterte in den neu angekommenen Journalen, Katalogen — und war im Grund mit den Gedanken weit von allem dem —, schob schliesslich, was da war, dem kleinen Doktor zu. Stand dann wohl eine Weile an dem Arbeitstisch des Simon Marane, Hess sich, ohne recht hinzuhören, Bericht ük$r den Lauf der Dinge geben — kam dann, ein wenig überstürzt, auf seinen Fall zu sprechen, erzählte, während der Verwachsene aus dunklen, schweren Augen an ihm vorbei still in die Ferne blickte, dass alles seinen glatten Weg ginge in dem Ablauf des vorgerichtlichen Verfahrens, dass jetzt das Material bei dem Vernehmungsrichter läge, der ganz der gleichen Meinung sei wie die zwei Kommis« sare, und dass mit einer Weitergabe der Akten an die Staatsanwaltschaft schon für ganz nahe Zeit zu rechnen sei — Antwort? Nein — nichts —. Der kleine Doktor schwieg — Hess den beladenen Blick da draussen oder Hess ihn wieder auf seine Bücher und auf die Papiere sinken — nickte wohl auch, während sich Gram um seine Mundwinkel verkroch, und während sein Atem als ein müdes Seufzen dem zerdrückten Brustkasten entwich. fFortsetzung folgt.) Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T, C. S. BREENZ - ROTHORN - BAHN Hotel Rothorn Kulm 2351 m ü. M. Retourtaxe Fr. 10.— Familienbillet Fr. 8.— Sonntagablllet Fr. 7.50 Interlaken Hotel Simpion T.C.S. Am Eingang von Interlaken an der Hauptstrasse von Bern. Freistehendes Haus mit grossem, schattigem Garten und eigener Garage. Zimmer mit fliess.Wasser v. Fr. 4.—an. Tel. 760. Th. Häckl. Bes. SPIEZ (Thunersee) Hotel des Alpes an der Hauptstrasse zum See. Gut bürgert. Haus mit allem Komi. Grosse Restaurationsterrasse mit wnnderb. Aussicht auf See u. Berge. Prima Küche. Stets leb. Forellen. Zimmer m. fliess. Wasser v. Fr. 3.50. Pens. v. Fr.9.-. Garage-Boxen, F. Zölch, gl. Bes.Edenhotel Kurh. Kandersteg Hotel Alpenrose T.C.S. Das gutbürgerhehe Haus mit seiner anerkannten Küche. Foreilen. Schattiger Restaurationsgarten. Garage, Park. Telephon 9. Pensionspreis von Fr. 8.50 an. R. 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