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E_1935_Zeitung_Nr.071

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1935 — No 71 Das «Gesicht» des neuen «Trossi»-Wagens, der mit einem 16zylindrigen Flug-motor ausgerüstet ist und nur 600 kg -wiegen soll. Er wird zur Zeit piobege fahren und ist für den Grossen Preis von Italien gemeldet, Neues Alpenstrassenprojekt. Vor kurzem sind im Zusammenhang mit den Ausbaubestrebungen des Lukmaniers drei verschiedene Varianten des Tödidurchstichs zur Diskussion gestellt worden. Nun unterbreitet die glar-nerische Baudirektion dem Regierungsrat ein generelles Projekt für den Ausbau einer Panixerstrasse, dem ein Kostenvoranschlag von rund 14 Mill. Fr. zugrunde gelegt ist. Auch diese Nordsüdverbindung, die von Elm bis Panix 16 km beträgt, sieht einen Basistunnel vor, dessen Länge 5660 betragen soll. Eine Panixerstrasse würde die Verbindung Zürich-Disentis um 59 km verkürzen. Die Strassenführung ist so projektiert, dass die Route während des ganzen Jahres befahrbar ist. Demgegenüber ist hervorzuheben, dass die glarnerische Regierung nach wie vor den Ausbau der Kerenzerbergstrasse und den Bau der Prageistrasse in den Vordergrund stellt. Sommeralpenposten. In der 10. Betriebswoche wurden auf den 33 Kursliriien der eidgenössischen Postverwaltung 30,725 (30,095) Personen transportiert. Die Gesamtfrequenz erhöht sich aber vom 19.—25. August auf 36,670 Passagiere, da auf den erstmals geführten Kursen Reichenbach-Griesalp, Meiringen-Schwarzwaldalp und Urnäsch-Schwär- zusammen noch 5945 Personen befördert wor- Strassenunterfiihrungen für das Vieh! Der Le-alser traut seinen Augen kaum, ist. aber verbürgte den sind, wobei die Säntislinie mit einer Frequenz Wahrheit: Die neuerbaute Strasse nach der Schwägalp (Talstation der Säntisschwebebahn) hat nicht ziffer aller Kurse aufzuweisen hat. Mit von 4112 Passagieren die grösste Beförderungs- Ausnahme weniger als drei Unterführungen, welche nur für das Vieh bestimmt sind. Die Tiere benutzen auch eigene Alpwege bei der Alpfahrt. Die Automobilisten werden also auch oben auf der Alp vom weidenden Vieh nicht belästigt, was wir an dieser Stelle gerne verdanken und anerkennen wollen, um so mehr als WIDMAHW S€i»«ass«en diese Unterführungen stellenweise sogar in. den Felsen gehauen werden mussten. Dieses Beispiel zeigt, wie man bei gutem Willen und gegenseitigem Verständnis eine allseitig befriedigende Lösung finden kann nach dem Prinzip: Dem Motorfahrzeug eine gute glatte Strasse, für die Pferde an starken Steigungen ein rauher, griffiger Bodenbelag, dAn Radfahrer ein besonderer Fahrstreifeh, dem Fussgänger ein schattiger, staubfreier Weg, und, wie es hier gemacht wurde: dem Vieh ein Weg, wo es den Verkehr nicht behindert. N. Aku4«»l*U H*S^ der Strecke Nesslau-Buchs mit + 773 bewegen sich die Frequenzbelebungen in bescheidenem Rahmen. Grössere Eminissen haben zu verzeichnen die Strecken: Grimsel (—469), Chur-Lenzerheide-Julier-St. Moritz (— 283), Furka (—199). Schuls- Val Sinestra (—121), Melchtal (—113), Der «Trossis-Wagen, benannt nach seinem geistigen Vater und Finanzmann, dem Grafen Tiossi, einem bekannten italienischen, Herrenfahrer, in der Draufsicht. Es handelt sich um eine schine mit Vorderradantrieb. Der neue 3,8-Liler-Achtzylmder Alfa Romeo im Training auf der Monzabahn. T. Nuvolari sitzt am Steuer einer der beiden Maschinen, welche nächsten Sonntag in den Kampf eingesetzt werden sollen. Die zweite wird Chiron anvertraut, der bereits gestern seine erste Probefahrt damit unternommen hat. Offizielle Distributoren für die ganze Schweiz von ist nationaler Triebstoff! für Lastwagen, Omnibusse, Traktoren oder stationäre Betriebe verbessert wesentlich Ihr Betriebsergebnis bei absoluter Betriebssicherheit! 45 PS. Wagen. Nutzlast 2,51 ohne Annan- I ger, Fahrstrecke km Tag 120, Fahrtage 300 pro Jahr! Ersatzteilen Grosses Lager in. Ersatzteilen für alle amerik. und franz. Automobile und für Opel. ZÜRICH Tel. 26.828 zu General-Motors-Konditionen ACAR A..G. BERN Toi. 26.085 ••^„•-^••-i',;.;:- LAUSANNE Tel. 32.567 •:r

Bern, Dienstag, 3. September 193$ II. Blatt der „Automobil-Revue" Nr. 71 2)o%t am A&eud Von Hermann Hesse. Im späten schrägen Goldlicht steht Das Volk der Häuser still durchglüht, in kostbar tiefen Farben blüht Sein Feierabend wie Gebet. Eins lehnt dem andern innig an, Verschmstert wachsen sie am Hang, Einfach und alt wie ein Gesang, Den keiner lernt und jeder kann, Gemäuer, Tünche, Dächer schief,, Armut und Stolz, Verfall und Glück, Sie strahlen zärtlich, sanft und tief Dem Abend seine Glut zurück. JUofaalwim Als die neue Motorspritze ankam, war das ganze Dorf auf den Beinen. Das war ein grösserer Rummel als bei der Kirchweih, und das wollte schon etwas heissen. Männer, Frauen und Kinder drängten sich am Dorfeingang, Blumengewinde waren über die Strasse gespannt und ein grosses Schild prangte in grellen Farben über dem Eingang zur Hauptstrasse. « Herzlich willkommen ! » — hatte der Dorfmaler in dreitägiger Arbeit daraufgemalt. Eigentlich hatte das Schild dem Empfange des Landespräsidenten dienen sollen, der aber noch im letzten Augenblick abgesagt hatte. Nun fand es heute wieder — oder besser — doch Verwendung, Von den Dorfbewohnern hätte keiner sagen können, auf wen der Willkommensgruss gemünzt war, auf die Kommission, die die Spritze in der Stadt abgeholt hatte, oder auf die Spritze selbst — Hauptsache, der Gruss hatte zur allgemeinen Freudeuder Bergdorf» bewohner Verwendung gefunden. Eine Stunde Weges vom Dorf entfernt hatte der Monteur, der zur ersten Vorführung von der Stadt mitgekommen war, seine liebe Not mit den Bauern, die in alle möglichen Ritzen und Löcher Blumen stecken wollten. Saugrob musste er werden, sonst hätten sie ihm noch alle Düsen verstopft «Steckt doch das Qrünfutter in eure Nasenlöcher oder fresst es selbst auf! > — brüllte er endlich empört, als alles Reden nicht fruchten wollte. Da Hessen die kranz- , windenden Feuerwehrleute die Spritze in Ruh. Der Hauptmann aber klopfte ihm begütigend auf die Schulter und sagte: « Nicht böse werden, Mann, es ist bloss wegen dem Affekt.» « Was da », sagte der Monteur — «ob ihr es wegen dem Effekt tut oder im Affekt — eine Motorspritze ist kein Pfingstochse; sie braucht Benzin und kein Qrünfutter ! > Die Feuerwehrleute knurrten über diese Zurechtweisung, aber als dann der Empfang trotz der nur wenig geschmückten Spritze herzlich ausfiel, wurden sie mit dem Monteur doch wieder gut Freund. Beim Festessen, das der Hauptmann aus seiner Tasche bezahlte, tranken sie alle Brüderschaft mit ihm. Nur der Häuptling selbst blieb nachdenklich. < Was ist denn los mit Euch, Hauptmann ?» — fragte ihn der Spritzenmann. « Ja», — meinte der wackere Feuerwehr — ich muss halt immer denken, dass wir jetzt eine Spritze haben, aber auch, dass es jetzt sicher nirgends brennen will! » «Ist das Euer., ganzer Kummer ?> — lachte der andere — «da kann Euch geholfen werden. Da lasst Ihr einmal Alarm blasen und habt darin die beste Gelegenheit, die Spritze zu verwenden.» — Der Häuptling holte tief Atem, dann lachte er los: «Mann, Ihr habt recht, dass ich darauf nicht selbst kam.» — — " • „ Bis in die späte Nacht sassen die Feuerwehrleute beisammen, und keiner stand mehr ganz fest auf den Beinen, al,s, sie endlich nach Hause gingen. Die Spritze aber stellten sie in die Gemeindescheuer, da das Spritzenhaus noch nicht ganz fertig war. Der Ortsdiener, der ganz"sicher sein wollte, 1 dass der Spritze auch nichts geschehen konnte, tat noch ein übriges und stellte ein altes Fahrgestell davor. Am andern Morgen um 4 Uhr erwachte der Häuptling. Nach der Kneiperei am vorhergehenden Abend schmerzte ihn jetzt der Kopf, und er dachte, dass ein wenig frische Luft wohl nichts schaden könne. Da er auch an die neue Motorspritze dachte, meinte er, das Luftschnappen Hesse sich ganz gut mit einem Nachtalarm verbinden, freute sich such etwas auf die verschlafenen Gesichter seiner Kollegen, zog sich rasch an und ging fort, um den Trompeter zu wecken. « Blase Alarm, draussen im Tobel ist der Teufel los » — sagte er zu ihm, nachdem es ihm mit vieler Mühe gelungen war, den Mann zu wecken. Dann marschierte er in aller- Gemütsruhe hinaus zum Brandplatz, während der Trompeter mit seiner Trompete das ganze Dorf in Aufruhr brachte! Lange . musste- der Häuptling warten, bis endlich jemand erschien, und dann war es die Dorfjugend. Die Feuerwehr kam erst, später an. Schon von weitem hörte der Hauptmann das Läuten der Glocke, die am Leiternwagen angebracht war, dann tauchten die Pferde aus der Dämmerung hervor. Gestalten sprangen ab, der Häuptling wollte schon loswettern, weil es so lange ging, bis der erste Zug eintraf, da sah er etwas* was ihm die Stimme verschlug.« Zwischen den grossen bunten Seglern, die in Arbe vor Anker lagen, schaukelte auch Matos frischgestrichene, weisse Barke auf der leicht bewegten Adria. Mato war gerade im Begriff, sein Segel zu raffen, als er uns an der Hafenmole bemerkte. « Guter Wind heute ! » lachte er, mit blitzenden Zähnen im braunen Gesicht. «Kommen Sie mit ? Ich lege Balanka aus.» Damit deutete er auf sein Fischgerät: zwei Kürbisse, zwei Steine, alles durch eine lange Schnur miteinanderverbunden, WKL eine Menge kleiner -spitzer Angelhaken, aufgereiht an dieser Schnur.