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E_1935_Zeitung_Nr.069

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12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — N* 691 TRAININGSBETRIEB AUF DER RUNDSTRECKE Fortsetzung von Seite 9. ten Ausrufen des Staunens und der Begeisterung. Die Strecke entlang stehen schon Besucher und warten — trotz drückender Hitze — bis die ersten Wagen über die Bahn schiessen; auf der Absperrung gegenüber dem Zeitmesserhaus drängen sie in dunklen Trauben und ihre Erregung macht sich in lauten Debatten Luft. Und schon brüllen die ersten Motoren auf, Wagen schiessen in die Piste. Zurück bleibt eine Wolke blauen Benzindampfes. Bleistifte werden gezückt, Zeiten gestoppt; Zurufe flattern auf und versinken im Lärmen der Maschinen. Alles ist in begeisterter Erregung, der sich keines zu entziehen vermag. Vor und hinter den Boxen herrscht in den Zeiten des Unterbruchs reger Betrieb. Was auf den internationalen Rennplätzen Namen und Bedeutung besitzt, hat sich eingefunden. Hände werden geschüttelt, Meinungen ausgetauscht, Bekanntschaften erneuert. Schon sind einzelne der grossen Rennfahrer anwesend. Manfred von Brauchitsch lehnt gelangweilt an seinem Wagen, Frau Stuck steht in der Boxe der Mercedes-Benz, während die schlanke, jugendliche Gestalt Stucks bald hier, bald dort auftaucht. Einmal steigt er in den Wagen des Prinzen Leiningen, dann erteilt er Ratschläge. Die an ihrem roten Trainingsgewand leicht erkenntliche Mrs. Stewart sitzt, eich unterhaltend, mit gekreuzten Beinen auf dem Laden der Boxe, über der ihr Name prangt. Prinz Bira unterhält sich da und dort, während Varzi, die unvermeidliche Zigarette im Munde, seinen Wagen kontrolliert. Währenddessen prüfen die Mechaniker, von denen die grossen Firmen ein ganzes Heer mitgebracht haben, mit der liebevollen Sorgfalt von Müttern noch einmal — nein zehnmal — jede Schraube der ihnen anvertrauten Lieblinge. Dazwischen ein Heer von Herren der Komitees, Pressevertretern und Photographen. — Da wird gelacht, gescherzt, geknipst und ernsthaft gearbeitet. Auch die Tribüne ist schon gut besetzt, und wenn die niedern Renner mit unfasslicher Geschwindigkeit über die Piste flitzen, wenn sich der Donner der Motoren unter dem weit ausholenden Dache bricht, dann recken sich die Gestalten auf, die Augen glänzen heiler und die Begeisterung färbt die Gesichter rot. Zerfetzte begeisterte Ausrufe ertrinken hoffnungslos im Kampfgesang der Renher, der erzählt vom Siegeszug der Technik, von der Beherrschung aller Kräfte der Erde durch den Menschen. Nach Schluss des Trainings bekommt Bern einen Vorgeschmack von dem am Samstag und Sonntag zu erwartenden Betrieb. Die Strassenbahnen und Omnibusse zur Stadt sind überfüllt; an der Kreuzung beim Inselspital stockt der Verkehr nur einige Augenblicke; und schon stehen Dutzende Wagen hintereinander. Leider ereignete sich am zweiten Trainingstag auch ein Unfall. Bei der grossen Tribüne geriet der Trainingswagen der Mercedes-Benz plötzlich ins Schleudern, fuhr gegen eine der Ersatzboxen, überschlug sich und zerbrach in zwei Teile. Der Fahrer musste verletzt von der Piste getragen werden. Der Zuschauer bemächtigte sich grosse Erregung, und erst später erfuhr man den Namen des Fahrers. Es war der junge Geyer, Ersatzfahrer der Mercedes- Benz. Bald darauf konnte das Training fortgesetzt werden. Inzwischen trifft man in der Stadt selbst Vorkehrungen, um die zu erwartenden Gäste unterbringen zu können. Fieberhaft wird noch gearbeitet, denn der Grosse Preis der Schweiz ist nicht nur ein sportliches Ereignis von internationaler Bedeutung, sondern wird für viele Geschäfte, Gasthäuser und Hotels auch zu einem geschäftlichen Ereignis werden. So hofft alles darauf, dass auch der Wettergott ein Einsehen hat und am Sonntag die Sonne über dem Bremgartenwald lacht wie in den beiden ersten Trainingstagen. La. In Reih und Glied! Die drei mit geschlossenen Fabrikmannschaften vertretenen Rennorganisationen haben für die Betreuung ihrer Maschinen ein Massenaufgebot an Ingenieuren, Monteuren und weiteren Hilfskräften mitgebracht. Sie alle arbeiten nach einem einheitlichen Willen und einem wohldurchdachten System, das auf Erfahrungen von vielen Jahren Rennpraxis beruht. Es ist eine Freude, die Arbeiten an den einzelnen Boxen zu verfolgen, für welche die Anweisungen des Rennleiters und der feste Wille aller Beteiligten, der eigenen Marke zum Sieg zu verhelfen, grundlegend und oberstes Gebot sind. Das Bild zeiart die Vorbereitungsarbeiten am Mercedes-Stand zu einer Traininwfahrt. Auch die Maschinen der Scuderia Ferrari sind für den nächsten Probegalopp gerüstet. Die schnittigen Alfas sind wie die beiden deutschen Marken ein besonderer Anziehungspunkt für alle Sachkenner Die Wagen der Auto-Union stehen hier gerüstet, und alles wartet auf die Meldung, die Strecke, sei i : frei, das Training könne beginnen. J und Schlachtenbummler. •••»••»•••»»••••»»•»»•»

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