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E_1935_Zeitung_Nr.069

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wie im Reglement

wie im Reglement vorgesehen, an beiden Tagen zum Training erschienen waren. Immerhin lässt auch noch die bereinigte Startaufstellung eine Lücke offen. Es fehlt Nummer 28, Kautz, der wegen Maschinendefekt nicht starten kann. 4 Uhr 10: Rennleiter Huber besammelt die Fahrer zu einer letzten Orientierung. Fast auf die Minute genau fällt gleich darauf die Startflagge, und die Meute stiebt davon. Noch ist zu erkennen, wie sich Nr. 54, Christen auf Maserati, bravourös auf den ersten Platz vorschiebt, hart bedrängt von Hug auf Bugatti, während Aichele die Nachhut spielt. Dann heften sich aller Augen auf den Sekundenzeiger der Rundentafel, der mit den Fahrern das Rennen begonnen hat. 3 Min. 26,2 Sek. svar die beste Rundenzeit am Training. Welche Fahrzeit wird die nasse Piste erlauben? Die erste Runde. Nach 3K Minuten hört man es im Osten heranbrausen, und nach weiteren 10 Sekunden ist der Erste vorübergeprescht, immer noch Nr. 54, Christen auf Maserati, diesmal aber mit Walther auf Bugatti dicht auf den Fersen. Erst auf 300 Meter Abstand folgt Hug, folgen auf diesen wieder Rampinelli auf Alfa Romeo, Godeffroy auf Bugatti, Avondet auf Bugatti, Fischer auf Alfa Romeo und Uboldi auf Maserati. Becker auf M. G., Dreier auf Alfa Romeo, Hahn auf Bugatti liegen schon beträchtlich zurück. In 3 Min. 40 Sek. hat Christen seine erste Runde gedreht, eine Zeit, die unter den obwaltenden Verhältnissen erstaunlich gut ist. Die Piste dürfte bestimmt fast durchwegs noch durchnässt sein, nur auf dem gepflasterten Streckenteil vom Forsthaus zu den Tribünen wird sie nach und nach trocken. Von Hirschy, der schon in der ersten Runde vermisst wird, meldet der Lautsprecher eine Motorpanne zwischen den Posten 6 und 7. Auch in der zweiten Runde sind Christen und Walther dicht hintereinander her. Ihr Vorsprung vor Hug ist grösser geworden, und auch der Abstand zwischen Hug und Rampinelli hat zugenommen. Godeffroy, der als Vierter erscheint, hat Fischer im Nacken, während sich weiter hinten Avondet und Uboldi um den sechsten Platz streiten. Bekker, Hahn und Dreier imponieren vorläufig mehr nur durch die relative Geräuschlosigkeit ihrer Motoren. Was noch weiter hinten nachfolgt, macht dem Publikum keinen Eindruck mehr. Die dritte Runde bringt die erste Sensation. Statt Christen taucht Martin auf Bugatti als Erster auf, 10 Sekunden liegen zwischen den beiden. Hug hat jetzt 20 Sekunden Rückstand. Er ist aber der deutliche Führer des Gros, gebildet durch Rampinelli, Godeffroy, Fischer, Avondet und Uboldi. Die beiden letztgenannten Fahrer scheinen sich ineinander verbissen zu haben. In der vierten Runde ist Martin schon knapp hinter dem Letzten her. Sein Vorsprung ist um weitere zwei Sekunden angewachsen. Godeffroy wird von Fischer bedrängt; Hahn scheint den Anschluss endgültig zu verlieren. Was zu erwarten war, wird in der fünften Runde Wirklichkeit: Die Spitzenreiter beginnen sich in die Nachzügler der vorhergehenden Runde hineinzuschieben und nun setzt es Ueberholung auf Ueberholung ab. Gleichzeitig revidiert man seine Hefte und bedenkt, dass die blosse Reihenfolge der Vorbeifahrt kein richtiges Bild ergibt, liegen doch vier verschiedene Wagenklassen im Kampf. Wenn auch das Hauptinteresse auf gleichartige Konkurrenten, wie sie die Spitzenreiter Walther, Christen und Hug sind, konzentriert bleibt, so beginnt man doch auch im Publikum nach und nach immer mehr nach den Rangersten der vier Klassen auszuscheiden. Die nachfolgende Rangreihenfolge nach der fünften Runde ist deshalb nur mit dieser Einschränkung «richtig». Stand des Rennens nach der 5. Runde: Walther (Bugatti) 17:35,7 Christen (Maserati) 17:50,5 Hug (Bugatti) ' 18:20,2 Rampinelli (Alfa Romeo) 18:53,1 Fischer (Alfa Romeo) 19:11,4 Der weitere Verlauf des Rennens sei nun mit Unterscheidung der einzelnen Klassen wiedergegeben. In der Sportwagenklasse bis 1500 ccm bleibt Becker auf seinem grünen M. Gf. unentwegt an der Spitze, er gewinnt sogar zusehends an Terrain. Selbst als er in der, elften Runde mit luftleerem linken Vorderpneu daherkommt und beim Auswechseln des Rades an der Boxe zwei Minuten Zeit verliert, vermag ihn sein Markenkollege Aichele noch nicht einzuholen. Eine Verschiebung entsteht in dieser Klasse nur mehr dadurch, dass sich Aichele in der siebenten Runde vor Pilloud schiebt. Da aber Frick seinerseits in der elften Runde aufgibt, landet Aichele auf dem zweiten Platz und Pilloud hinter ihm als Dritter. In der Sportwagenklasse über 1500 ccm bleibt sich die Lage bis zur elften Runde gleich. Dann geht Fischer auf Alfa Romeo, der ursprünglich an dritter. Stelle lag, auf den ersten Platz vor, den er dem bisherigen Leader Rampinelli abknöpft. Das Schlussklassement sieht ihn auch als Sieger, Fischer, ebenfalls auf Alfa Romeo, als Zweiten und Godeffroy auf Bugatti als Dritten, während sich Hahn und Dreier mit den beiden übrigen Rängen begnügen müssen. In der Rennwagenklasse bis 1500 ccm hat sich Avondet nach dem gemeldeten Ausscheiden Hirschys in der ersten Runde bis zur achten Runde nur gegen Uboldi zu verteidigen, der ein zäher Gegner ist. Da aber auch Uboldi in der neunten Runde durch Motorstörungen ausfällt, geht er schliesslich in einer ausgezeichneten Zeit als Sieger durchs Ziel. In der *]• Rennwagenklasse über 1500 ccm ist der Verlauf schon dramatischer. Nachdem sich Walther von der dritten bis zur sechsten Runde mit einem gleichmässigen Vorsprung von 10—12 Sekunden an der Spitze gehalten hat, taucht plötzlich in der siebenten Runde wieder Christen auf Maserati an erster Stelle auf und ist bereits 100 Meter voraus. Noch in der achten Runde macht es den Anschein, als ob Martin wieder die Spitze gewinnen könnte, dann fährt er mit Anzeichen von Fehlzündungen zur Boxe, lässt seinen Motor zwei Minutenlang untersuchen und — kommt nicht mehr weg, da trotz minutenlangen Kurbeins die Maschine nicht mehr zum Leben zu erwecken ist. Hug rückt deshalb an die zweite Stelle vor und beendet das Rennen mit wenig mehr als 6 Sekunden Zeitrückstand Sowie Christen, Hug, Fischer, Rampinelli, Avondet und Godeffroy durchs Ziel waren, wurde allen übrigen Fahrern abgewunken. Das hinderte aber Christen nicht, noch eine weitere Runde in vollem Tempo weiter zu drehen und dieser « Ehrenrunde » daraufhin sogar noc)i eine wirkliche Programm-Ehrenrunde anzuschliessen. Den Hauptapplaus ernteten so die übrigen Klassensieger, vor allem Avondet auf Bugatti und Fischer auf Alfa Romeo, dessen grauer Sportwagen vom Publikum mit förmlicher Begeisterung verfolgt worden war. Mit Genugtuung vielerlei Art können die Veranstalter auf den so guten Verlauf dieses Rennens zurückblicken. Einmal war wohl schon der Publikumszustrom grösser, als es unter den obwaltenden Witterungszuständen erhofft worden war. Weiter hat sich auch das Wetter recht anständig gehalten. Hauptsächlich, aber darf .man„sich.„freuen,, da&s^gleich AUTOMOBIL-REVUE 1935 Die Freuden der strasse . . . . . der erste Versuch, ein Rundrennen mit meist für diese Rennart noch ungeübten Fahrern durchzuführen, so reibungslos abgelaufen ist. Wohl fehlte es nicht an Stimmen, die diesen Versuch als Wagnis bezeichneten. In Tat und Wahrheit liessen aber die Disziplin und die gegenseitige Rücksichtnahme der Fahrer nicht im geringsten zu wünschen übrig, wie anderseits auch die Organisation musterhaft klappte. Wenn auch das Publikum noch nicht allzu grosse Sensationen vorgesetzt bekam, so verfolgte es dennoch den Verlauf des Rennens mit grosser Spannung. Und schon heute kann man mit aller Sicherheit darauf zählen, dass das erste Rennen um den Grossen Preis von Bremgarten nicht das letzte sein wird. Freitag, den 23. August 1935. Heute war Grossaufmarsch. Für schweizerische Nachwuchs-Fahrer sollte nach dem zweiten Training die Entscheidung über deren Teilnahme am ersten nationalen Rundstreckenrennen fallen, da gemäss Reglement nur 16 Konkurrenten starten können. Das weitere bedeutsame Ereignis war die Beteiligung der Scuderiä Ferrari sowie von Etancelin als Vertreter der Scuderia Subalpina an den Probeläufen. Während Chiron und Dreyfus schon seit einigen Tagen in Bern weilten, dem ersten Training allerdings noch fernblieben, vermisste man immer noch Nuvolari, auf dessen Start jedoch alle Sportfreunde grösstes Gewicht legten. Die Gerüchte wollten nicht verstummen, dass der Mantuaner von seiner Rennorganisation in Mailand zurückbehalten werde, um den neuen Alfa Romeo- Wagen auf der Monzabahn für den bevorstehenden Grossen Preis Italiens einzufahren. Die Abwesenheit von Nuvolari wäre um so mehr empfunden worden, als seine erneute Begegnung mit den deutschen Spitzenfahrern nach seinem jüngsten Sieg auf dem Nürburgring mit grösster Spannung erwartet wird und sich die Organisatoren in Bern doppelt freuten, als feststand, dass dieses Rencon_ tre dem kommenden Rennen vom Sonntag vorbehalten bleiben würde. Die Meldung von seiner Ankunft machte daher wie ein Lauffeuer die Runde und wenn schon ein Austrag zwischen den beiden deutschen Marken allein zu einem -Sportereignis grossen Kalibers geworden wäre, so wird nun dessen Bedeutung durch die hochiiualifizierte Beteiligung der Ferrari-Mannschaft noch wesentlich gesteigert. Das letzte Training für den « Preis von Bremgarten » das wiederum 21 nationale Fahrer am Start sah, erbrachte nun die der Rennleitung notwendigen Unterlagen, um die Bereinigung der endgültigen Startliste vornehmen zu können. Ganz allgemein wurde, wie dies nach der ersten, recht gut verlaufenen Köntaktnahme mit der Strecke nicht anders zu erwarten war, schneller und sicherer gefahren, und schon zeigte es sich, dass einzelne Maschinen zufolge ihres verhältnismässig doch ehrwürdigen Alters den Strapazen eines Rundrennens kaum gewachsen, sein würden. Diese Wagen schieden denn Land- Der vollkommenste Wagen auf dem Gebiete der Automobil- Konstruktion Ihn fahren.. welch Vergnügen! Der zweite Trainingstag Innenlenker 5 Plätze 13 PS Fr. 9 500* mit PANHARD! Katalog auf Verlangen 13 PS 15 PS 21 PS 24 PS Generalagentur: GARAGE MONTCHOISY A.-G. Rue Montchoisy 68-70 GENF Telephon 54.714 -s. auch erfreulicherweise von selbst aus, indem ihre Fahrer • die im Reglement vorgemerkten Bedingungen nicht erfüllt hatten. Während eine einzige der Maschinen wegen ihres technischen Ungenügend von der Liste gestrichen wurde, kamen die übrigen, und mit ihnen allerdings auch einige recht interessante Fahrzeuge, in Wegfall, weil die Fahrer entweder nur ein Training anstatt deren zwei bestritten, oder dann nicht die verlangten zehn Proberunden absolviert hatten. Wiederum wurde die gestrige beste Rundenzeit von 3'26,3" (127,038 km/St.) erreicht, welche diesmal nicht für den Berner Walther, sondern für den Zürcher Christen gemeldet wurde. Die schnellsten Zeiten in den übrigen Klassen blieben nur wenig hinter dieser Bestleistung zurück-, so dass mit einem recht lebhaften Verlauf und einem sportlich sehr beachtlichen Resultat für das morgige Rennen gerechnet werden darf. Auf Grund der Trainingsergebnisse wurde von der N. S. K. in Verbindung mit der Rennleitung folgende Startliste bekanntgegeben: Sportwagen. Bis 1500 ccm: Aichele (M.G.), Becker (M. G.), Frick (Alfa Romeo), Pilloud (Fiat). Ueber 1500 ccm: Dreier (Alfa Romeo), Fischer (Alfa Romeo), Godeffroy (Bugatti), Hahn (Bugatti), Kautz (Alfa Romeo), Rampinelli (Alfa Romeo). Rennwagen. Bis 1500 ccm: Dr. Avondet (Bugatti), Hirschy (DKW), Uboldi (Maserati-Uboldi). Ueber 1500 ccm: Christen (Maserati), Hug (Bugatti), Walther (Bugatti). Das Training zum Grossen Preis der Schweiz wurde, um es gleich vorwegzunehmen, durch einen sehr bedauerlichen und schweren Unfall überschattet. Der Ersatzfahrer Geier von der Mercedes- Benz-Fabrikmannschaft fuhr offenbar mit übersetzten Tempo die verhältnismässig flach verlaufende Kurve im Beginn der Tribünengeraden an, wobei sein Wagen, der mit gegen 200 Stundenkilometern über die Piste flitzte, ins Schleudern kam. Obwohl Geier alle Anstrengungen machte, um die Maschine abzufangen, wurde er doch aus der Bahn hinausgetragen und kollidierte wie eim Geschoss mit einem der Alleebäume, wobei der Wagen vollständig demoliert wurde und die einzelnen Stücke mit grösster Wucht auf weitere Distanz fortgeschleudert wurden. Der Fahrer wurde beim Anprall glücklicherweise aus dem Sitz heraus geworfen und fiel etwa 20 m weiter in die Wiese. Die sofort eingreifende Streckensanität barg den Verletzten und transportierte ihn ins InselspitaL Der ärztliche Befund lautete doch günstiger, als zuerst erwartet werden durfte. Zwar hat Geier einen Schädelbruch und schwerere Kiefer- sowie Fussverletzungen erlitten, doch scheinen die inneren Organe weiter keinen Schaden genommen zu haben und wenn sich keinerlei Komplikationen einstellen, so darf gehofft werden, dass der Verunfallte die Krise übersteht Zum guten Glück ereiznetfi sich dar Unfall auf der inneren Seite der Piste, die für die Zuschauer gesperrt ist, so dass niemand von den zahlreichen Besuchern gefährdet wurde, und der am nächsten der Unfallstelle postierte Photograph konnte sich mit einem kühnen Sprung noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. So gut der Ordnungsdienst funktioniert hat, so muss anderseits das überaus unvorsichtige Verhalten verschiedener Zuschauer getadelt werden, die aus reiner Neugierde in die Piste einbrachen und damit höchstens sich und die nachfolgenden Fahrer gefährdeten. Wenige hundert Meter hinter Geier lagen nämlich mehrere Konkurrenten im Training, von denen bis auf Chiron alle noch vor der Unfallstelle anzuhalten vermochten. Chiron war aber so dichtauf gefolgt, dass er trotz schärfstem Bremsen es nicht mehr vermeiden konnte, mitten in die mächtige Staubwolke hineinzugeraten, welche der Aufprall von Geiers Wagen verursacht hatte, wobei sich der Franzose einen Weg durch die links und rechts liegenden Wagentrümmer bahnen musste. Chiron hat uns nachher selbst erzählt, dass er in seiner Rennlaufbahn kaum je eine so kritische Minute durchgemacht habe wie hier, als er mit noch beträchtlichem Tempo ins Ungewisse hineinfuhr und so ohne jegliche Sicht war, dass er nur mehr automatisch seinen Wagen steuerte, ohne sich nachher darüber Rechenschaft geben zu können, wie er dieser Wirrnis entkam. Der bedauerliche Unglücksfall, an welchem alle Anwesenden den grössten Anteil nahmen, dämpfte natürlich das Tempo in den noch folgenden Trainingsrunden ganz beträchtlich, und es dauerte recht lange, bis sich die Stimmung längs der Strecke wiederum etwas hob, als man die erleichternde Nachricht vom leidlichen Befinden des Patienten erfuhr. Vor diesem Zwischenfall, den wir nur deshalb etwas ausführlicher schilderten, als merkwürdigerweise kurz nachher bereits die wildesten Gerüchte, die von geplatzten Pneus und weiteren Märchen wissen wollten, zirkulierten, war der Trainingsbetrieb ausserordentlich lebhaft und aufschlussreich. Die gestrige schnellste Rundenzeit von Stuck wurde zwar bis auf sieben Zehntelsekunden nicht erreicht, aber die Durchschnitte der gewiegtesten Fahrer glichen sich sehr stark aus, wobei die fünf Konkurrenten mit den kürzesten Zeiten je nur eine Sekunde auseinander blieben. Die nachstehende Uebersicht zeigt, dass Mercedes-Benz und Auto- Union das Feld mit ihren Spitzenfahrern durchaus beherrschen, wobei es den Anschein hat, als zögen die beiden Rivalen mit sehr ausgeglichenen Waffen und Chancen in den Wettkampf. Caracciola fuhr übrigens meistens einen Trainingswagen besonderer Art, bei welchem es sich nämlich um ein weiter verbessertes Modell handelt, dessen Möglichkeiten hier in Bern erstmals richtig ausprobiert werden. Natürlich bewahrt man im Mercedes-Lager grösstes Stillschweigen, doch will die Fama wissen, dass bei diesem Versuchswagen hauptsächlich Aenderungen am Chassis vorgenommen wurden, die eine noch weiter verbesserte Bodenhaltung und günstigere Schwerpunktlage zur Folge hätten. Der Motor sei der nämliche wie bei den übrigen für das Rennen eingesetzten Maschinen. Die äussere Verkleidung ist noch windschnittiger und fliessender geworden. Ob dieses Fahrzeug doch noch ins Rennen geht, steht zur Zeit noch nicht fest. Die Alfa-Romeo-Leute blieben in ihren Rundenzeiten nur sehr wenig auseinander, doch erwies sich Nuvolari stets als der schnellste des Trios, obwohl auch er um volle acht Sekunden hinter dem besten Tagesergebnis, das Varzi auf Auto-Union erzielte, zurückblieb. Nicht unbeträchtlich fallen alle Maseratifahrer zurück, von denen keiner unter die drei Minuten kam. Es ist wirklich höchste Zeit, wenn das neue Achtzylindermodell endlich rennreif wird, denn mit den jetzigen Maschinen sind auch die besten Piloten, wie Etancelin, Farina

1935 ÄUTOMOBIU-REVU!, länger je mehr dazu verdammt, die Rolle der Schlussdekoration zu übernehmen. Bis zu Geiers Unfall steigerten sich die Rundenzeiten von Mal zu Mal, denn die heute chronometrierten Tempi werden zur Bestimmung der Startreihenfolge mit herangezogen, so dass natürlich jeder Fahrer sein Bestes drangab, um sich möglichst eine gute Startposition zu erringen. Dieser gegenseitige Ansporn ist auch als die indirekte Ursache zu dem bedauerlichen Zwischenfall zu betrachten, und doch scheint uns, als ob dieser Methode zur Festlegung der Startgruppierung der Vorzug gehöre, zeitigt doch das Los vielmals die merkwürdigsten Situationen. Rundenbestzeiten Varzi (Auto-Union) 2:41.8 Caracciola (Mercedes-Benz) 2:42.8 Stuck (Auto-Union) 2:43.6 Fagioli (Mercedes-Benz) 2:44.2 Rosemeyer (Auto-Union) 2:45.3 Geier (Mercedes-Benz) 2:48,2 Nuvolari (Alfa Romeo) 2:49.1 Dreyfus (Alfa Romeo) 2:50.2 v. Brauchitsch (Mercedes-Benz) 2:50,8 Chiron (Alfa Romeo) 2:51.8 Dott. Farina (Maserati) 3:06.0 Earl Howe (Bugatti) 3:07,0 Etancelin (Maserati) 3:07.1 Hartmann (Maserati) 3:25.6 Brian Lewis (Maserati) 3:28.8 Balestrero (Maserati) 3:37.3 Von den Einzelfahrern fehlten einzig Barbieri, äer seinen Startverzicht bekannt gegeben hat, und der Schweizer Ruesch, der immer noch in Mailand weilt, wo seine im Rennen von Nizza angebrannte Maschine nach einer gründlichen Ueberholung neu eingefahren wird. Ob es noch rechtzeitig zum Training am Samstag reicht, ist sehr in Frage gestellt. Die Abwesenheit von Ruesch wäre besonders wegen seines auch im Preis von Bern vorgesehenen Startes bedauerlich. Mit seiner recht schnellen 1,5-Liter- Maserati erwies sich Ruesch am Eifelrennen als der einzige Konkurrent, der mit Erfolg gegen die Uebermacht der ERA-Maschinen anzukämpfen vermochte. Die Proberunden zum **& >• Preis von Bern, dem internationalen Kleinwagen-Rennen, zeitigten durchaus das nämliche Bild, wie bei der grossen Klasse: Gesteigerte Tätigkeit und beträchtlich erhöhte Tempi. Mays, der überzeugendste Fahrer der ERA-Mannschaft, schoss hier den Vogel neuerdings ab, indem er seine gestrige Trainingsbestzeit um ganze 8 Sekunden unterbot und den erstaunlichen Durchschnitt von 139,256 km/St, erreichte, also beinahe an das Mittel der grossen Wagen im letztjährigen Grossen Preis herankam. Der prinzliche Fahrer aus Siam folgte ihm neuerdings dicht auf dem Fuss und konnte sogar das Resultat von Mays egalisieren. Diese beiden ERA-Piloten hielten das übrige Feld in respektvoller Distanz, doch dürfen sich auch die Zeiten der folgenden Fahrer, wie Seaman, Prinz Leiningen, dem heute eingetroffenen Franzosen Veyron, des vorläufig einzigen schweizerischen Konkurrenten Kessler usw., sehr gut sehen lassen. Nach wie vor enttäuschte dagegen die Spezialkonstruktion von Mrs. Stewart, der offenbar das Zementrund spezieller Rennbahnen wesentlich besser liegt, als die Strassenpiste mit all ihren Besonderheiten und Tücken. Es bestätigte sich heute leider, dass Graf Lurani, einer der bestqualifizierten italienischen Kleinwagenfahrer, nicht zum Rennen kommen wird, indem seine beiden Mechaniker trotz allen Bemühungen an höchster Stelle zufolge der besonderen Verhältnisse in Italien die Ausreiseerlaubnis nicht erhielten. So färben die Ereignisse in Abessinien also sogar auf den Grossen Preis in Bern ab! Rundenbestzeiten: ' Mays Raymond (E.R.A.) 3:08.2 — 139,256 kin/St.) «Bira» (E.R.A.) 3:08.2 Seaman (E.R.A.) 3:18.8 Earl Howe (DelageT 3:21.4 Prinz Leiningen (E.R.A.) 3:23,9 Veyron (Bugatti) 3:25.8 Kessler (Maserati) 3:27.3 Kohlrausch (Magic-Midget) 3:39.6 Evans Kenneth (M.G.) 3:42,8 Tongue (M.G.) ' 3:58.7 Mrs. Stewart {Derby) 4:09.9 Sojko (Bugatti) 4:11.7 Herkuleyns (M.G.) 4:20.4 Steinweg (Bugatti-Spezial) 5:50.2 Nach diesem temporeichen zweiten Trainingstage, der wohl den Höhepunkt der Probeläufe brachte, ist das Rätselraten um die Sieger nur noch gestiegen. Die Erfolgsaussichten kristallisieren sich für den Preis von Bern schon recht deutlich heraus, aber beim Grossen Preis tappt man wirklich vollständig im Ungewissen. Gäbe es Wetten abzuschliessen, so ständen die Odds zwischen Mercedes und Auto-Union so kurz, dass weder für Buchmacher noch Wettende viel dabei herausschauen würde. Ob aber auch hier Alfa Romeo und vorab Nuvolari wiederum die grosse Unbekannte bleibt, die ganz unerwartet und entscheidend in das Duell der beiden deutschen Marken eingreift, ist ebenso ungewiss wie vor dem deutschen Grossen Preise. Vielleicht spielt sie hier doch nicht die nämliche Rolle, weil einmal die deutschen Maschinen seither neuerdings überholt worden sind und weil die Streckenverhältnisse in Bern für die Maschinen der Italiener doch etwas weniger günstig liegen, als dies für den Nürtrargring der Fall war. Die Entscheidung Iässt nun ja nicht mehr lange auf sich warten! Das letzte Training Der Regen und die stark durchnässte Strasse zwangen die Fahrer zu vermehrter Zurückhaltung. (Möglicherweise mag auch der gestrige Unfall noch das seine dazu beigetragen haben. Auf alle Fälle blieben die Rundenzeiten durchwegs hinter den gestrigen Resultaten zurück. Bei der unsicheren Witterung war es aber für die Piloten nur von Gutem, dass sie sich mit der Strecke auch unter ungünstigeren Bedingungen vertraut machen konnten. Dass dies im Interesse eines unfallfreien Rennverlaufes sehr notwendig war, mag mancher Fahrer erfahren haben, der im Verlaufe seiner heutigen Training-sarbeit mit seiner Maschine unvermittelt eine halbe oder gar ganze Drehung um die eigene Achse vollführte, wobei es nur dank der hohen Fahrkunst aller Konkurrenten jeweilen möglich war, den Wagen wiederum und ohne Zwischenfall aufzufangen, aus der kritischen. Situation herauszumanövrieren. Mit Ausnahme der beiden Engländer Howe und Brian Lewis, sowie vpn Balestrero war das Feld der Fahrer für den Grossen Preis vollzählig vertreten und nützte die kurze zur Verfügung stehende Zeit zur Freude des recht zahlreich erschienenen Tribünenpublikums eifrig aus. Diesmal war Caracciola der schnellste, der für seine Probefahrten stets den Versuchswagen führte, von dem wir bereits im gestrigen Trainingsbericht sprachen. Den heutigen Ergebnissen nach zu urteilen hat diese Maschine das Stadium der Versuche offenbar durchaus hinter sich und es könnte nicht überraschen, wenn dieses Modell morgen zum Rennen selbst eingesetzt würde. Nuvolari, der die zweitschnellste Runde des Tages drehte, ist trotz seines abgekürzten Trainings auf unserer Strecke schon wieder gut ßu Hause und seine heutigen Läufe mögen zu vermehrtem Rätselraten um den morgigen Sieger Anlass geben. Allerdings scheint man sich heute im Lager der Auto-Union durchaus nicht ausgegeben zu haben, sondern sich vielmehr auf die gestrigen Resultate zu stützen. Der Ausgang des Kampfes ist daher heute Ungewisser denn je eine Tatsache, welche den sportlichen Reiz des Grossen Preises nur noch erhöht. Nachstehend noch die vom Zeitmesserdienst gemeldeten Rundenbestzeiten: Caracciola (Mercedes-Benz) 3:04,7 Nuvolari (Alfa Romeo) 3:09.0 Chiron (Alfa Romeo) 3:10.4 Dreyfus (Alfa Romeo) 3:11.8 Stuck (Auto-Union) 3:17.5 Varzi (Auto-Union) 3:18,1 v. Brauchitsch (Mercedes-Benz) 3:18.8 Rosemeyer (Auto-Union) 3:21.8 Lang (Mercedes-Benz) 3:26.1 Farina (Maserati) 3:28.4 Fagioli (Mercedes-Benz) 3:28.8 Sommer (Alfa Romeo) 3:31.8 Etancelin (Maserati) 3:35.5 Hartmann (Maserati) 3:44,2 Barbieri (Alfa Romeo) 3:45.5 Im Verlaufe des Tages traf übrigens der Schweizer Ruesch aus Italien ein, nachdem er eine Parforcereise mit Rennwagen und Hilfspersonal hinter sich hatte. Wie seinerzeit gemeldet, fing sein 1,5-Liter-Rennwagen im Grossen Preis von Nizza Feuer und um seine Startverpflichtung in Bern einhalten zu können, mussten die Mechaniker alles dransetzen, damit der, Wagen wieder rechtzeitig instand gestellt war. Um ganz sicher zu gehen, benützte Ruesch seinen Aufenthalt in Mailand und Hess den Wagen noch einige Stunden auf der Monzabahn probefahren. Erst als er die Ueberzeugung hatte, wiederum vollwertig gerüstet zu sein, packte er in aller Eile auf und kam nach Bern. Dagegen meldete er seinen Entschluss, dem Grossen Preis fern zu bleiben, da er ursprünglich damit gerechnet hatte, diesen mit einem neuen 8-Zylinder-Maserati bestreiten zu können. Nachdem aber dieses Modell einfach nicht fertig werden will und Ruesch bei aller Anstrengung mit dem ihm zur Verfügung stehenden 6-Zylinder niemals, ernstlich mit den bedeutend stärkeren und schnelleren deutschen Wagen oder den Alfas in Konkurrenz treten könnte, zog er es verständlicherweise vor, sich auf das Rennen in der kleinen Klasse zu konzentrieren. Das Training für den Preis Von Bern zeitigte einige nicht unwesentlich verschobene Kräfteverhältnisse. Diesmal zog Seaman,' dessen Maschine in den Vortagen immer wieder Störungen aufwies, tüchtig vom Leder und fuhr die schnellste Runde des Feldes. Ihm ging es um eine gute Startposition, denn wie bereits gemeldet, wird die Start» Ein Blick.. . unter die Hauben aller Automobile, die aus der ganzen Schweiz zum GRAND PRIX nach Bern gefahren sind und jetzt in Ihrer Nähe parkieren, würde Sie davon überzeugen, dass bei uns, wie in der ganzen Welt ist die Zündkerze der Champions und aller vorsorglichen Automobilisten. reihenfolge auf Grund der schnellsten Runden vom Freitag und gestern festgelegt. Wenn bis jetzt die ERA-Leute stets in den vordersten Plätzen dominierten, so zeigte sich heute, dass ihnen im Franzosen Veyron und dem Italiener Ghersi ganz gewiegte Gegner erstanden sind, mit denen sie nicht so leicht fertig werden würden. Auch Kessler ist recht rührig und fiel mit seinen Rundenzeiten nur um weniges von den Spitzenresultafen ab. Ru-esch fuhr offenbar zur Schonung der Maschine noch etwas verhalten, doch zeigte er schon am Eifelrennen, dass er das Zeug in sich hat, um einen Keil zwischen die Fahrer der ERA-Gemeinschaft hineinzutreiben. Entschieden mehr hat man von Mrs Stewart erwartet, der nun ihr Ruf als schnellste Frau der Welt etwas zum Verhängnis wird. Man war von ihr und ihrem Derby Spezial auf Wunderdinge gefasst und nun muss sie es sich ständig gefallen lassen, von ihren Mitkonkurrenten und anderen weit weniger modernen Maschinen überholt zu werden. Qualitativ vereingt der Preis von Bern ein Feld, wie man es an den wenigen Rennen für Maschinen bis zu 1,5 Liter Zylinderinhalt ganz selten zu sehen bekommt. Der Austrag von morgen verdient weitestgehende Beachtung und ist in seiner Art dem Grossen Preis durchaus ebenbürtig. Unsere beiden Fah-< rer Kessler und Ruesch, welche allein die schweizerischen Farben einer auserlesenen und sehr internationalen Konkurrenz gegenüber zu verteidigen haben, gehen mit sehr guten Aussichten ins Rennen. Sie werden beide den ersten Platz wohl einem der E.R.A.-Wagen, welche über weit stärkere Motoren verfügen, überlassen müssen, aber zu einem ehrenvollen Platz, der noch in «die Kränze» hineingeht, dürfte es gewiss reichen. Unsere besten Wünsche begleiten sie. Nicht dass wir uns deswegen eines übertriebenen Nationalismus schuldig machen würden, denn der Wunsch zum guten Gelingen geht auch an die fremden Gäste. Bei uns im Lande gilt glücklicherweise noch die Maxime, dass dem Sieger die Ehre gebührt. Der Tüchtigste möge den Preis erringen! Nachstehend noch die schnellsten Runden der einzelnen Fahrer: Seaman (E.R.A.)' 3:21.2 Veyron (Bugatti) 3:27.0 Ghersi (Maserati) 3:31.6 Mays (E.R.A.) 3:34.8 «Bira» (E.R.A.) 3:38.2 Evans Kenneth (M.G.) 3:40.0 Kessler (Maserati) 3:40.3 Tongue (M.G.) 3:40.6 Ruesch (Maserati) 3:41.2 Kohlrausch (Magic-Midget) 3:43.4 Gholmondeley-Tapper (Bugatti) 3:43.9 Steinweg (Bugatti-Äpezial) 3:54.7 Sojka (Bugatti) 4:01.9 Tuffanelli (Maserati)' 4:04.6 Prinz Leiningen (E.R.A.)' 4:09.8 Herkuleyns (M.G.) 4:19.4 Mrs. Stewart (Derby) 4:49,6 Trainingsbetrieb auf der Rundstrecke Hundstago in Bern. Die Hitze lastet auf allen, die Gespräche plätschern nur müde hin. Ferien und Baden, das sind die Themas, die erörtert werden. Selbst die hohe Politik vermag die Gemüter nicht mehr in Wal- lung zu bringen. Es wird öde und langweilig in der in Dornröschenschlaf versinkenden Stadt. Da leuchten eines Morgens die Plakate mit den roten Rennwagen von den Anschlagsäulen und Plakattafeln. « Zweiter Grosser Preis der Schweiz für Automobile! » — Jetzt zeigt es sich, dass in der Bruthitze des August noch nicht alles Interesse erlahmt ist. Die Passanten bleiben stehen, betrachten die Plakate und kommen ins Diskutieren. Erinnerungen an das Rennen des Vorjahres erwachen und werden ausgetauscht. Namen von Rennfahrern werden genannt und man merkt rasch, dass es sich hier um eine grosse Sache, um das wichtigste Ereignis des Jahres handelt. Nach und nach erfasst das Rennfieber die ganze Stadt. Im Omnibus, in der Strassenbahn, beim Coiffeur, in allen Cafes und Wirtschaften spricht man nur noch vom «Grossen Preis». Jeder und jedes weiss darüber zu berichten; an allen Strassenecken werden die Rennprogramme feilgeboten und verkauft. Selbst die Kinder —ja gerade sie — stehen unter dem Eindruck des bevorstehenden Ereignisses und sehen jetzt schon jedes vorbeifahrende Automobil auf «eine Leistungsfähigkeit hin an. Und nun hat das Training begonnen tmd damit' auch das Rennfieber in der Bundesstadt seinen Höhepunkt erreicht. Wer es irgend möglich machen kann, eilt zur Rundstrecke, um am Abenä Freunden und Bekannten das «Neueste» berichten, zu können. Vor den Zugängen zur Rennstrecke drängt sich die Neugierde Kopf an Kopf. Viel gibt es zu sehen, zu bewundern und kommentieren. Vor allem die Jugend ikann sich genug tun und begrüsst jeden der anfahrenden schlanken Renner mit lauten Ausrufen des Staunens und der Begeisterung. Die Strecke entlang stehen schon Besucher und warten — trotz drückender Hitze — bis die ersten Wagen über die Bahn schiessen; auf der Absperrung gegenüber dem Zeitmesserhaus drängen sie an dunklen Trauben und ihre Erregung macht sich in lauten Debatten Luft. Und schon brüjlen die ersten Motoren auf, Wagen schiessen in die Piste. Zurück bleibt eine Wolke blauen Benzindampfes. Bleistifte werden gezückt, Zeiten gestoppt; Zurufe flattern auf und versinken im Lärmen der Maschinen. Alles ist in begeisterter Erregung, der sich keines zu entziehen vermag. Vor und hinter den Boxen herrscht in den Zeiten des Unterbruchs reger Betrieb. Was auf den internationalen Rennplätzen Namen und Bedeutung besitzt, hat sich eingefunden. Hände werden geschüttelt, Meinungen ausgetauscht, Bekanntschaften erneuert. Schon sind einzelnerer jrrossen Rennfahrer anwesend. Manfred von Brauchitsch lehnt gelangweüt an seinem Wagen^ Frau Stuck steht in der Boxe der Mercedes-Benz, während die schlanke, jugendliche Gestalt Stucks bald hier, bald dort auftaucht. Einmal steigt er in den Wagen des Prinzen Leiningen, dann erteilt er Ratschläge. Die an ihrem roten Trainingsgewandi leicht erkenntliche Mrs. Stewart sitzt, eich unterhaltend, mit gekreuzten Beinen auf dem Laden' der Boxe, über der ihr Name prangt. Prinz Bira unterhält sich da und dort, während Varzi, die 2/ /3 aller Motorfahrzeuge mit CHAMPION Zündkerzen ausgerüstet sind. CHAMPIO Der Alfa-Romeo-iFahrer Louis Chiron. unvermeidliche Zigarette im Munde, seinen, Wagen kontrolliert. Währenddessen prüfen die Mechaniker, von denen die grossen Firmen ein ganzes Heer mitgebracht haben, mit der liebevollen Sorgfalt von Müttern noch einmal — nein zehnmal —- jede Schraube der ihnen anvertrauten Lieblinge. Dazwischen ein Heer von Herren der Komitees, Pressevertretern und Photographen. — Da wird gelacht, gescherzt, geknipst und ernsthaft gearbeitet. Auch' die Tribüne ist schon gut besetzt unä w'enn die niedern 'Renner mit unfasslicher Geschwindigkeit über die Piste flitzen, wenn sich der Donner der Motoren unter dem weit ausholenden' Dache bricht, dann recken sich die Gestalten auf, die Augen glänzen heller und die Begeisterung 1 färbt die Gesichter rot. Zerfetite begeisterte Ausrufe ertrinken 1 hoffnungslos im Kampfgesang der Renner, der erzählt vom Siegeszug der Technik, von der Beherrschung aller Kräfte der Erde durch den Menschen. Nach iSchluss des Trainings bekommt Bern einen! Vorgeschmack von dem am Samstag und Sonntag zu erwartenden Betrieb. Die Strassenbahnen und Omnibusse zur Stadt sind überfüllt; an der Kreuzung beim Inselspital stockt der Verkehr nur einige Augenblicke, und schon stehen Dutzende Wagen hintereinander. Leider ereignete sich am zweiten Trainmjerstag" auch ein Unfall. Bei der groesen Tribüne eeriet der Trajningswagen der Mercedes-Benz plötzlich ins Schleudern, fuhr gegen eine der Ersatzboxen, überschlug sich und zerbrach in zwei Teile. Der Fahrer > müsste verletzt von der Piste getragen werden. Der Zuschauer bemächtigte sich grosse Erregung, und erst später erfuhr man den Namen des Fahrers. Es war der junge Geyer, Ersatzfahrer der Mercedes- Benz. Bald darauf konnte das Training fortgesetzt werden. Inzwischen trifft man in der Stadt selbst Vorkehrungen, um die zu erwartenden Gäste unterbringen zu können. Fieberhaft wird noch gearbeitet, denn der Grosse Preis der Schweiz ist nicht nur ein sportliches Ereignis von internationaler Bedeutung, sondern iwird für viele Geschäfte, Gasthäuser und Hotels auch zu einem geschäftlichen Ereignig werden 1 . So hofft alles darauf, dass auch der Wettergott ein Einsehen hat und am Sonntag die Sonne über dem Bremgartenwald lacht wie in den beiden ersten Trainingstagen. * La.