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E_1935_Zeitung_Nr.069

E_1935_Zeitung_Nr.069

einen Vorsprung von 27

einen Vorsprung von 27 Sekunden verschafft Varzi, der immer dicht hinter Caracciola erscheint, liegt von seinem Boxen-Aufenthalt her eine Runde zurück. Stuck kommt in der zwölften Runde erst wieder als Siebenter vorbei, in grösserem Abstand hinter Lang. Es beginnt zu regnen. Ohne dass man es zuerst recht gewahr wird, setzt feiner Sprühregen ein. Wie sich die Strasse dunkel färbt, geht auch das Tempo zurück. Caracciola, jetzt 34 Sek. voraus, winkt zu seiner Box hinüber. Rosemeyer hat sich vor Fagioli gesetzt. Brauchitsch geht zur Box, zieht Regenwetterpneus auf und ist nach einer Minute wieder unterwegs. Auch Stuck hält wieder an. Drei Min. wird beraten, dann setzt Pietsch für ihn das Rennen fort. In ihrer 14. Runde lassen Rosemeyer und Fagioli, gleich darauf auch der junge Lang die Räder wechseln. 40, bzw. 50 Sek. braucht man dazu, aber trotzdem genügt es, um Nuvolari auf den vierten Platz zu bringen. In der 15. Runde nimmt ebenfalls Caracciola den Pneuwechsel in 45 Sek. vor. Nuvolari lässt sich nur eine neue Brille geben, kaum abgestoppt, ist er wieder weg. Stand des Rennens nach der 15. Runde; 1. Caraooiola (Mercedes-Benz) 42:43,0 2. Rosemeyer (Auto-Union) 44:02,5 3. Fagioli (Mercedes-Benz) 44:32,1 4. Nuvolari (Alfa Romeo.) 44:37,9 5. Varzi (Auto-Union) 46:13,8 Schliesslich kommt auch noch Brauchitsch angetrudelt. Sein Wagen wird hinter die Boxen geschoben. Erledigt, aus unbekannten Gründen. Stand des Rennens nach der 20. Runde: 1. Caracciola (Mercedes-Benz) 59:28,9 2. Rosemeyer (Auto-Union) 1:00:13,6 3. Fagioli (Mercedes-Benz) | 1:01:08,0 4. Nuvolari (Alfa Romeo) 1:01:59,1 5. Varzi (Auto-Union) 1:02:57,5 Von hier an bis zur 33, Runde bleibt sich in der Rangfolge der sieben Ersten alles gleich. Caracciola vergrössert seinen Vorsprung von 23 Sek. nach und nach bis 80 Sek. An zweiter Stelle liegt ständig Rosemeyer, auf dem dritten Platz mit rund 1^ Min. Abstand, der aber in der 33. Runde plötzlich auf 25 Sek. zusammenschmilzt, folgt Fagioli, während Nuvolari als Vierter immer mehr distanziert, dafür aber von Varzi, der sich gewaltig vorgearbeitet hat, immer mehr bedrängt wird. Die 34. Runde sieht Varzi schon vor dem Mantuaner. Ein weiterer Wechsel entsteht dadurch, dass Rosemeyer in der 35. Runde einen Tankhalt macht. Obschon er das Geschäft in 40 Sek. erledigt, muss er seinen Platz an Fagioli abtreten. Caracciola tankt ebenfalls und ist nach 50 Sek. wieder unterwegs, hat immer noch einen gehörigen Vorsprung. Auch dem vierten Rang von Varzi kann der Tankhalt nicht gefährlich werden, da vor ihm bereits Nuvolari zur Brennstoffübernahme an den Boxen war. In der 37. Runde tanken schliesslich noch Fagioli und Lang. Damit ist die erste spannendste Phase des Rennens vorbei. Eine grössere Umstellung erbrachte das Tankgeschäft ausser zwischen Rosemeyer und Fagioli nur für Farina, der es auffallend gemütlich nahm und das Benzin nur langsam kannenweise einfüllen konnte, so dass er denn auch prompt vom siebenten auf den neunten Platz zurückfiel. Wenn er auch später, in der 44. Runde, Sommer wieder hinter sich bringen konnte, so hätte ihm doch ziemlich sicher bei rascherem Vorgehen und besserer Vorbereitung der siebente Platz gehört. Stand des Rennens nach der 30. Runde: 1. Caracciola (Mercedes-Benz) 1:31:02,8 2. Rosemeyer (Auto-Union) 1:32:02,8 3. Fagioli (Mercedes-Benz) 1:32:46,0 4. Nuvolari (Alfa Romeo) 1:35:30,1 5. Lang (Mercedes-Benz) 1:36:10,9 F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (21. Fortsetzung.) Joos Utenhoven aber, dem in seinem Warten auf den Sinn der Vorladung dieses abwegig flackernde Gerede auf die Nerven ging — dem mitten darin irgendwie ablenkend, peinlich auch das Gespräch mit dem Simon Marane in der Russenbude eingefallen war, und der sich immer noch gleichwie im Kampfe gegen eine lästig anschwirrende Fliege mit seinem Suchen nach der unfindbaren Aehnlichkeit herumschlug, sagte sachlich und kurz mit einem kaum verhaltenen Unterton von Ungeduld: «Jawohl — und im Jahre 1673 ist er von einer englischen Kanonenkugel tödlich getroffen worden —.» Und er dachte: Seltsamer alter Knabe. Lässt er mich dazu kommen? Sind das die «Auskünfte», die er.von mir zu haben wünscht? Oder wird er sich jetzt doch entschliessen —?! Aber da streifte der bleigraue Blick unter den lastenden Lidern vor über ihn hin, und etwas wie der Schatten eines verblasenen Lächelns verkroch sich in den welken Zügen. Und leise, aufdämmernd, so, als ob ihm das beinahe ganz entfallen wäre und jetzt durch die mahnenden Gedanken des anderen doch ir.» 24 Der Grosse Preis der Schweiz in graphischer Darstellung. Die Position der einzelnen Fahrer, die mit den Startnummern bezeichnet sind, ist durch die in verschiedenen Schraffuren gehaltenen 'Linien von 5 zu 5 Runden gekennzeichnet Die Pieile nach unten stellen den Ausfall in der entsprechenden Runde dar. No. 10, Caracciola weist eine schnurgerade Linie auf: er behielt die Führung des Rennens von Anfang bis zu Ende inne. Die Startnummern bedeuten: No. 10 Caracciola, No. 6 Varzi, No. 4 Stuck, No. 12 Fagioli, No. 2 Rosemeyer, No. 32 Nuvolari. No. 42 Lang, No. 30 Dreyfus, No. 8 v. Brauchitsch, No. 28 Chiron, No. 22 Farina, No. 40 Hartmann, No. 16 Sommer, No. 24 Barbieri, No. 20 Lewis Brian, No. 18 Earl Howe, 'No. 26 Balestrero. No. 34 Etancelin. Stand des Rennens nach der 40. Runde: 1. Caracciola (Mercedes-Benz) 2:03:19,0 2. Fagioli (Mercedes-Benz) 2:04:51,8 3. Rosemeyer (AutOrUnion) 2:04:52,9 4. Varzi (Auto-Union) 2:07:58,4 5. Nuvolari (Alfa Romeo) 2:08:47,0 Nachträglich erfährt man, dass Cbiron in der 20. Runde gestürzt ist und ins Inselspital transportiert wurde, jedoch nur geringfügige Verletzungen davontrug, eine Meldung, die das Publikum mit Applaus begrüsst. So leise wie er kam, hat nun der Regen wieder aufgehört. In unveränderter Reihenfolge nimmt das Rennen bis zum Schluss seinen Fortgang. Dass die Spannung trotzdem nicht nachlässt, dafür sorgt der ununterbrochene hartnäckige Kampf zwischen den einzelnen Konkurrenten. Lange Zeit macht es den Anschein, als ob Rosemeyer dem Zweifplazierten, Fagioli, wieder gefährlich werden vermöchte. Nur wenige Wagenlängen ist er bis zur 45. Runde hinter ihm. Dann vergrössert sich auch dieser Zwischenraum sekundenweise, während sich in gleichem Massstab Fagioli näher an Caracciola heranschiebt. Varzi als Vierter rast einmal ums andere in mörderischem Tempo vor den Tribünen vorbei, aber er liegt zwei volle Runden zurück, so wie auch Nuvolari, dessen Aussichten auf einen der ersten Plätze immer mehr dahinschwinden. Etwas tragikomisch wirkt das unentwegte Weiterfahren von Pietsch auf Stucks Wagen Nr. 4, der alle paar Runden, manchmal mehrere Runden hintereinander, wieder zu den Boxen muss, weil offenbar etwas an den Stossdämpfern oder der Hinterachsfederung nicht klappt. Eine entschieden ungünstige Figur macht Balestrero. Man fragt sich, ob es diesem Schlussmann noch ernst ist oder überhaupt ernst war. Mit hinreissender Präzision drehen dafür die Spitzenfahrer Runde um Runde. Ihre Rundenzeiten differieren immer nur um Sekunden. Selbst als Rennmanager Neubauer vom Mercedeslager in Funktion tritt und Runde um Runde Caracciola durch barhäuptiges Kopfnicken Zeichen der Zustimmung für die zur Wahrung seines Vorsprunges gibt, erfährt das Tempo keine sichtliche Veränderung mehr. Fagioli rückt dem Leader zwar Sekunde um Sekunde näher. Da er aber in der 50. Runde noch 50 Sekunden Rückstand hat, ist Caracciola der Sieg bereits sicher. Zwischen Fagioli und Rosemeyer pendelt der Zeitabstand von der 50. Runde an zwischen 20 und 27 Sekunden herum. noch rechtzeitig in Erinnerung käme, sagte der Herr von Adriani: «— ja — unser Fall — Sie haben völlig recht — das ist ja doch der Zweck der Uebung!» Dabei streckte er seufzend den Arm, die Hand und langte von dem gefächerten Aufbau seines Schreibtisches ein Aktenstück herunter, schob es geschlossen vor sich hin, stützte die Elllenbogen beiderseits auf das verbrauchte grüne Tuch, Hess die gespreizten Fingerkuppen seiner Hände sich berühren und gleichwie zum aufsteigenden Gebet über dem grünen Heft erstarren. Und sagte dann noch einmal mit verwischter Stimme: .«— unser Fall —» Joos Utenhoven blickte auf das über fingerstark gewordene Faszikel. «Fred Rave» stand mit schnörkeliger Rundschrift als Rubrum auf der aushängenden Aktenzunge. Fred Rave — Heftig schlug sein Herz. Er räusperte sich leis — schloss dann die trockenen Lippen wieder fest zusammen. Jetzt wies der alte Herr mit hingesenkten müden Augen auf das Heft. Und wieder seufzend, so als wäre alles das ihm eine schwere Last, redete er sanft und flüsternd vor sich hin: «Sehen Sie diese Akten — das rote Klebeband quer über den Deckel —. Ich weiss nicht, ob Sie die Bedeutung dieses roten Streifens kennen? Nein? Ach — woher auch sollten Sie —! Das ist eine Art Signum unseres Betriebes: er sagt, dass .der Fall Rave' AUTOMOBIL-RrIVUE 1935 — 6» Stand des Rennens nach der 60. Runde: 1. Caracciola (Mercedes-Benz) 3:02:05,3 2. Fagioli (Mercedes-Benz) 3:02:51,2 3. Rosemeyer (Auto-Union) 3:03:21,3 4. Varzi (Auto-Union) 3:07:07,8 5. Nuvolari (Alfa Romeo) 3:09:36,2 Punkt 5 Uhr geht Caracciola durchs Ziel. Sogleich werden darauf auch die übrigen Fahrer abgewunken. Schlitternd und jaulend stoppen die Maschinen vor den Boxen. Während die Menge begeistert applaudiert und ein rasch errichteter Zaun die Wagen und Fahrer nur knapp vor der hereinbrechenden Menschenlawine zu schützen vermag, steigt am Siegesmast zu den Klängen des Deutschlandliedes die Hakenkreuzfahne empor. Rundweg prachtvoll war das Rennen, das sich hier Mercedes-Benz und die Auto-Union einmal mehr geliefert haben und dessen Führung sie von Anfang an übernommen hatten. Für Mercedes ist es der achte grosse Sieg dieses Jahres! Doch nicht weniger als die Maschinen, ihre Ingenieure und Mechaniker und das ganze dahinterstehende Werk verdienen die Fahrer Bewunderung. Dreieinhalb Stunden des Dahinrasens in diesem Höllentempo verlangen Nervenkraft, physische Ausdauer und fahrerisches Können, von dem sich der gewöhnliche Autler kaum einen Begriff macht Ganz einzigartig war das Ereignis, die ganze Elite der Rennfahrer miteinander im Kampfe zu sehen. Neben den alten Kämpen Caracciola, Fagioli, Varzi und Nuvolari brillierte vor allem auch wieder Rosemeyer, der schon über eine erstaunlich abgeklärte Fahrtechnik verfügt. Dass im übrigen der bewährte Nuvolari beim besten Willen nicht siegen konnte, war ebenfalls offensichtlich. Die mehr oder weniger kampflose Aufgabe Stucks, des vielfachen Favoriten hat dagegen weitherutu enttäuscht, während wenigstens der ihn ablösende Pietsch aus seiner Statistenrolle das Beste herauszuholen versuchte. Wie am Samstagnachmittag und Sonntagmorgen klappte die Organisation vollendet* Selbst der Abfluss der ungeheuren Fussgänger- und Wagenmassen — es mögen 40000 Personen und 4000 Automobile gewesen sein — ging dank der vorsorglichen Routeneinteilung und der verständnisvollen Arbeit der, Polizei relativ reibungslos vor sich. -s. Das Slgnimm der Mercedes-Mannschaft. 1. Linie: Manfred von Brauchitsch; 2. Linie: Oberingenieur Neubauer, der kompetente Rennleiter, Hermann Lang; 3. Reihe: Hans Geier, dem wir alle aufrichtig baldige gute Besserung wünschen und Rudolf Caracciola, der überragende Sieger des Rennens; 4. Reihe: Luigi Fagioli, der den Mercedes-Doppelsieg durch den zweiten Platz bekräftigte. von den Herren Kriminalkommissaren geklärt — erledigt ist —.» Bleischwer hob sich sein Blick: «— verstehen Sie? — Herr Köpke und Herr Schwieger, in deren Händen die Voruntersuchung lag, wissen es ganz genau: der stellenlose Musiker Fred — recte: Alfred — Rave ist überführt, er hat seine frühere, geschiedene Frau — die spätere Frau Utenhoven umgebracht. Die Sache ist demnach nach Ansicht dieser Herren reif zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft —.» Geradeaus ins Weite sahen jetzt die farblos toten Augen: «— das alles geht also in Ordnung — ja —» Joos Utenhoven rückte auf dem Stuhle. Das helle Knarren des unfest gewordenen Möbels war ihm irgendwie peinlich — schien ihm seine Aufmerksamkeit über Bedarf zu betonen. «— nun gibt es aber da noch eine Zwischenstelle — in diesem Falle mich —: Vernehmungsrichter. Nach Ansicht der unfehlbaren Herren Kommissare die Ueberflüssigkeit zu Ross — Papierhengst — lebensfremder Wichtigtuer ohne praktische Erfahrung — steriler Besserwisser —. Funktion: soll die von den Herren Kommissaren geschlossenen Akten überprüfen, danach, gewissermassen aus einer höheren Uebersicht, zu einem selbständigen Bild des Falles kommen —» Er löste seine immer noch wie zum Gebet geschlossenen Finger und fügte unterbrechend: oder langweilt Sie das?» *Gewiss nicht — nein.« IK 101*1 «Ach Gott — sehr amüsant ist es nicht. Wo war ich? — ja —: also natürlich kann er auch weitere Zeugen hören — das Material ergänzen — unter Umständen zu neuen Schlüssen kommen. Wenn aber alles stimmt, dann soll er am Ende sein Signum auf das Faszikel setzen — der Akt geht weiter, und die Klage kann erhoben werden. In der Hauptsache also geistige Kontrolle des von den Kommissaren sachlich aufgenommenen Befundes —: Im Bilde — ja ?» Wieder knarrte Joos Utenhovens Stuhl. Und diesmal fing der alte Herr das leise Rühren auf. «Alt ist das alles —», sagte er in einem weinerlichen Ton, als bäte er um Nachsicht, und hatte dabei wieder ein mageres, schattenhaftes Lächeln um die langenlederigen Wangen — «auch ich — — ja ist nicht immer leicht», meinte er dann und strich sich über das vorspringende Geäder der Schläfe hin, schien wieder abzuirren von den sachlichen Erörterungen: «— nun — dauert nicht mehr lang. Zwei — drei von diesen Akten mit den roten Zetteln noch — und dann ist Schluss. Ehrgeiz — ach nein —. Ich stehe vor der Altersgrenze und werde .glücklich sein, wenn's vorüber ist. Glücklich? — auch übertrieben — wer ist glücklich? —> sagen wir: ich werde mich etwas freier fühlen. Man hat sich alles das früher einmal auch anders gedacht — man denkt sich vorher eigentlich immer alles recht anders, als es schliesslich kommt — ist es nicht so?» Fontsetzung im «Autler-Feierabend» Seite 21

69 — 1935 AUTOMOBIL-REVUE Schlussklassement: 1. CaraccJola (Mercedes-Benz) 3:31:12,2 = 144,772 km/St., neuer Rekord, 70 Runden. 2. Fagioli (Mercedes-Benz) 3:31:48,1 = 144,361 km/St., 70 Runden. 3. Rosemeyer (Auto-Union) 3:32:20,0 70 R. 4. Varzi (Auto-Union) 3:33:48,5 69 R. 5. Nuvolari (Alfa Romeo) 3:33:21,7 68 R. 6. Lang (Mercedes-Benz) 3:32:29,9 67 R. De» Das Internationale Kleinwagen- Sport. — Der letztjährige Sieger Die E. R. A.-Fahrer dominieren «Bira» die beiden ersten Sohon das Kleinwagenrennen vermochte eine Unzahl Zuschauer herbeizulocken, stand doch ein interessanter Zweikampf Maserati- E.R.A. in Aussicht, der dann allerdings etwas zu einseitig verlief. Das Primat der 1500 ccm Vierzylinder-Maserati-Maschinen scheint gebrochen zu sein, denn das noch junge Erzeugnis der E.R.A. ist heute schon soweit entwickelt, dass seine Stellung als führend bezeichnet werden muss. Man erinnere sich nur an das Eifel - Rennen und an die Coppa Acerbo. Schon dort wurde die Ueberlegenheit dieser englischen Marke erkennnbar. Bis kurz vor zehn Uhr ging ein feiner Regen nieder, der genügte, um die Piste vollständig zu durchnässen. Aber dann verzogen sich die- grauen Wolken, und Hessen sogar schwache Sonnenstrahlen durchdringen. Das Teilstück vor der Tribüne war bald trocken und als die 18 Fahrzeuge einige Minuten vor zehn Uhr auf ihre Startplätze geschoben wurden, war auch die übrige Piste, die einen Teerbelag aufweist, wiederum in bester Verfassung, so dass mit einem äusserst schnellen Rennen zu rechnen war. Die Aufstellung für den Start erfolgte nach den Ergebnissen aus den Trainingsfahrten und wurde wie folgt vorgenommen: Ghersi (Maserati) Earl Howe (Delage) Kessler (Maserati) Evans (M. G.) Cholmondeley (Bugatti) Sojka Bira (E. R. A.) VeyroB (Bugatti) „Pve^s Mays (E.R.A.) Seaman (E. R. A.) Prinz Leitungen (E. R. A.) Kohlrausch (M. G.) ROesch Tongue (Maserati) (M. G.) Steinweg (Bugatti) (Bugatti-Spezial) Herkuleyns (M. G.) Mrs. Stewart (Derby) Tuffanelli (Maserati) Nach einem eindrucksvollen und gutgelungenen Start, bei welchem allerdings einige Fahrer schlecht wegkamen, braust das Feld unter ohrenbetäubendem Lärm davon. Auf fünf, sechs und noch mehr Tausend Touren werden die kleinen Motoren gejagt; ein jeder drängt nach vorn, denn eine günstige Anfangsposition kann von entscheidender Bedeutung sein. Mit phantastischer Beschleunigung schiebt sich Mays auf E.R.A. nach vorn, dicht gefolgt von Earl Howe, Bira und Seaman. Bereits ist der Hauptharst unsern Blicken entschwunden, als noch zwei Maschinen vor der Tribüne vorbeirollen. Es sind Mrs. Stewart und Evans; ersterer gelingt es, nach etwelcher Bemühung ihre Maschine endlich in Schuss zu bringen, doch Evans schleicht im 20-km-Tempo davon. Das Geräusch der Motoren ist entschwunden. Unter den Zuschauern wird lebhaft diskutiert und geraten: Wer wird wohl als Erster wieder über die Gerade vor der Tribüne flitzen? Hie und da dringt Motorengeheul durch denBremgartenwald; bald müssen sie da sein und... schon jagt der Spitzenfahrer aus der Forsthauskurve heran: es ist Seaman auf E.R.A. Mit einigen Sekunden Rückstand passieren Mays, Bira, Earl Howe, Ghersi. Der Schweizer Kessler folgt an achter Stelle, während Ruesch noch drei Plätze weiter zurück liegt. In der zweiten Runde hat Seaman seinen Vorsprung noch vergrössert. Mays und Bira setzen dfem Ausreisser mächtig nach, aber, trotzdem sie über die selben Maschinen verfügen, können sie das Tempo des Spitzenfahrers nicht halten. Earl Howe musste seinen vierten Platz Ghersi überlassen, während Prinz zu Leiningen bereits wegen Kerzendefektes an den Boxen anhält. Nach kurzem Aufenthalt kann er die Fahrt wieder aufnehmen, doch ist er nun so stark ins Hintertreffen geraten, dass an ein Aufholen kaum mehr zu denken ist. Zudem setzt der Motor seiner Maschine ständig aus und kann so natürlich nicht seine volle Leistung hergeben. Seaman vergrössert seinen Vorsprunz regelmässig und hat gegenüber dem Zweiten bereits 20 Sekunden herausgewirtschaftet. Nun fährt auch noch Mays zum Ersatzteillager, so dass die Chancen der offiziellen E.R.A.-Vertretung zu schwinden beginnen; denn auch ihr zweiter Mann verliert dadurch -wertvolle Zeit, die er nachträglich nicht mehr einzuholen vermag. Ausgezeichnet hält sich der französische Bugatti- Fahrer Veyron, dessen Maschine keineswegs zu den neuesten Erzeugnissen gerechnet werden kann. Er liest in fünfter Position hinter Earl Howe, den er 7. Dreyfus (Alfa Romeo) 3:32:04,9 66 R. 8. Farina (Maserati) 3:32:23,7 64 R. 9. Sommer (Alfa Romeo) 3:33:47,0 63 R. 10. Earl Howe (Bugatti) 3:33:12,4 60 R. 11. Stuck Pietsch (Auto-Un.) 3:33:31,3 57 R. 12. Balestrero (Maserati) 3:32:37,4 53 R. Schnellste Runde: Caracciola (Mercedes-Benz) in 2'44,4" (159,416 km St.), neuer Rekord. VOM» Born** Rennen zeltigte hervorragenden wiederholt seine Glanzleistung. und belegen mit Seaman und Plätze. Neue Bestzelten. aber trotz gröasten Anstrengungen nicht erreichen kann. In der 4. Runde erleidet Kessler einen Defekt in der B'remsleitung, so dass die Bremsen überhaupt nicht mehr zu gebrauchen sind. Trotzdem hat der Schweizer die Fahrt fortgesetzt und konnte sich sogar als Neunter placieren. Diese Leistung muss besonders hervorgehoben werden, denn es ist alles andero als eine Kleinigkeit, ein Rennen zu fahren, bei dem als einzige Bremsmöglichkeit der Gangwechsel zur Verfügung 1 steht Klassement nach der 5. Runde: 1. Seaman (E.R.A.) 16:18.1 ! 2. Bira (E.R.A.) 16:56.1 3. Ghersi (Maserati) 16:58.0 4. Earl Howe (Delage) 17:08.8 6. Veyron (Bugatti) 17:45,3 In blendendem Stil zieht Seaman weiter unhaltbar davon. Die übrigen Fahrer sind diesem Höllentempo nicht gewachsen und bleiben gegenüber der Spitze immer weiter zurück. Sojka hat einen Kühlerschaden, der ihn zum ständigen Wassernachfüllen zwingt; er fällt dadurch hoffnungslos zurück und gibt noch vor der Hälfte des Rennens auf. Auch Mays landet wieder bei den Boxen; er verliert Oel, setzt aber die Fahrt nach kurzem Halt wieder fort. Indessen hat sich zwischen Bira und Ghersi ein verbissenes Duell um den zweijten Platz entwickelt. Der Italiener kann den siamesischen Prinzen hinter sich bringen, doch nur für kurze Zeit: denn Bira dreht wieder auf und behält, nachdem er an dem Italiener vorbeizog, den zweiten Platz bis zum Ende des Rennens. Ruesch arbeitet sich langsam nach vorn und bringt sogar Tuffanelli hinter sich. Bekanntlich ist seine Maschine eine Woche früher im Grossen Preis von Nizza in Flammen aufgegangen und konnte erst in letzter Stunde wieder in Ordnung gestellt werden. Die Zeit war zu knapp, um den revidierten Wagen noch einer eingehenden Probefahrt zu unterziehen. Dadurch entstand die Gefahr, dass das Gefährt des Schweizers vorzeitig aus dem Rennen scheiden könnte. Ruesch durfte daher seine gute Position nicht unnötigerweise aufs Spiel setzen und musste scharfe Zweikämpfe wenn haben sich den Weltmarkt erobert. 62°/ 0 aller in Amerika verkauften Zündkerzen sind A-C. - Der Verkauf von A-C Kerzen allein ist somit grösser als derjenige aller andern Marken zusammen. - Die bekanntesten Automobile, wie Cadillac, Chevrolet, Chrysler, Dodge, Nash, Packard, Plymouth etc. haben als Original- Ausrüstung A-C Zündkerzen. In der Schweiz ist die amerikanische Ausführung der A-C Zündkerze im Handel, die sich dank ihrer fünf technischen Vorteile den ersten Platz in der Welt gesichert hat. Es gibt eine passende A-C Kerze für jeden Motor, europäischen oder überseeischen Fabrikates. - Verlangen Sie nur diese Marke bei Ihrem Garagisten. G eneral Vertretung der A-C Zündkerzen, A-C Oelfilter und A-C Benzinpumpen für die deutsche Schweiz und den Tessin: WEWERKA Spezialhaus für Auto-Ersatzteile ZÜRICH - Seehofdtrasse 3 - Telefon 41.626 BASEL • St einen torstrasse 11 - Telefon 47.977 BERN - Effingerstrasse 33 - Telefon 26.126 möglich umgehen. Jedenfalls hat er ein taktisch erstklassiges Rennen geliefert und hat aus seiner Maschine gerade das herausgeholt, was noch zulässig war. Ein scharfes Tempo setet auch Kohlrausch mit seinem 750-ccm-M.G. vor, der doppelt so starke Maschinen wie die seine hinter sich bringt und für kurze Zeit sogar auf den fünften Platz zu liegen kommt. Doch zeigten sich dann bald die Folgen dieser forcierten Fahrt; Kohlrausch kam nicht mehr mit und schied später wegen Kompressordefekts aus. Klassement nach der 10. Runde: 1. Seaman (E.R.A.) 32:32,9 I 2. Bira (E.R.A.) 33:24,8 3. Ghersi (Maserati) 33:33,8 4. Earl Howe (Delage) 34:01,0 5. Ruesch (Maserati) 34:41,8 Seaman liegt nun mit knapp einer Minute Vorsprung weit voraus, derweil Bira und Ghersi immer noch auf dem zweiten, bzw. dritten Platz folgen. Earl Howe waT in den letzten Runden äusserst schnell geworden und setzte Ghersi mächtig nach. In der zwölften Runde hat Ruesch auf den Spitzenfahrer nur noch einen Rückstand von 1 Min. 20 Sek. Tuffanelli liegt dicht hinter ihm und im Verlaufe der folgenden Runden geraten die beiden hart aneinander. Der Italiener lässt nicht nach, bis er Ruesch passieren kann und diesen auf den sechsten Platz verweist Damit ist der Ausgang des Treffens ziemlich geklärt Einzig um den dritten und vierten Rang gibt es noch eine heftige Auseinandersetzung zwischen Ghersi und Earl Howe, die zu den spannendsten Momenten des ganzen Rennens zählte. Bira und Ghersi, die immer noch mit wenigen Sekunden hintereinander liegen, vermögen nun gegenüber dem Erstplacierten etwas aufzuholen, doch können sie den Sieg des führenden Engländers nicht mehr gefährden. Veyron und Steinweg haben stark an Geschwindigkeit eingebüsst und mussten sich bereits von Seaman überrunden lassen. Gleich hinter ihnen trifft Kessler ein, der aus schon erwähnten Gründen verhalten fahren muss und sich nicht in Positionskämpfe einlassen dar*. Klassement nach der 15. Runde; T. Seaman (E.R.A.) 48:54,5 2. Bira (E.R.A.) 50:02,0 3. Ghersi (Maserati) 50:06,5 4. Eari Howe (Delage). , 50:44,1 5. Tuffanelli (Maserati) 51:05,2 Während der Sieger bereits mehr oder -weniger feststeht, so sind noch etwelche Verschiebungen in den nachfolgenden Plätzen nicht ausgeschlossen. Die Abstände der einzelnen Fahrer sind hier nicht sehr bedeutend. Bira und Ghersi sind kaum fünf Sekunden auseinander und somit stand zwischen den beiden ein spannendes Gefecht in Aussicht Allerdings spuckt der Maserati des Italieners hie und da, aber er bleibt trotzdem immer dicht auf den Fersen des Siamesen. Aber jetzt unternimmt Earl Howe einen Vorstoss und ist Ghersi in der 18. Runde bereits bedenklich nahe gerückt. Wird er ihn noch erreichen? Mit Spannung erwartet man die nächste Durchfahrt dieser beiden Fahrer, die viel zur Belebung des sonst nicht sehr abwechslungsreichen Laufes beigetragen haben. Schon ist Seaman in die letzte Runde gegangen. Drüben an den Boxen steht Veyrons Bugatti; er hat die Waffen kurz vor Torschluss wegen Benzinleitungsbruches strecken müssen. Nun flitzt Bira heran, dann Kessler und Steinweg, die beide eine Runde zurück liegen. Da geht plötzlich eine Welle der Aufregung durch die Menge; die Zuschauer brechen in helle Begeisterung aus. Drei Maschinen fegen dicht beisammen über die Strecke: Ghersi, Earl Howe und der einige Runden zurückliegende Her- Graphische Darstellung des Preises von Bern. Die links angegebenen! Zahlen bedeuten die Startnummern der einzelnen Fahrer: 68 Seaman. 72 Mays, 90 Bira, 66 Earl Howe, &4 Ghersi, 74 Prinz eu Leiningen, 58 Veyron, 86 Kessler, 54 Kohlrausch, 56 Steinweg, 88 Ruesch, 62 Cholmondeley, 82 Tuffanelli, 70 Tongue, 92 Sojka, 84 Herkuleyns, 60 Mrs. Stewart, 64 Evans. Gleich wie im Grossen Preis der Schweiz hat auch hier der Sieger von Anfang an das Rennen unbestritten angeführt, was durch die , • • oberste fettgedruckte Gerade zum Ausdruck kommt. kuleyns. Der englische Herren-Fahrer schnappt beide in einem Zuge und geht mit knappem Vorsprung vor" dem Italiener an der Tribüne vorbei. Damit ist Ghersi auf den vierten Platz zurück gefallen und es gelingt ihm im Verlaufe der zwanzigsten und letzten Runde nicht mehr den überraschenden Angriff seitens des Engländers wieder wett zu machen. Seine Maschine hat einen Magnet- Defekt erlitten und muss sich auch noch von Tuffanelli abhängen lassen. Etwa zwei Minuten später trifft der Sieger Seaman ein; er kann es sich sogar leisten in gemächlichem Tempo über die Ziellinie zu fahren und gleich rechts, Richtung Boxen abzuschwenken. Allerdings hatte er dadurch einige Sekunden eingebüsst, aber dennoch ein Mittel von 133,664 km/St, geschaffen und somit seinen -letztjährigen Durchschnitt (120,559 km/St.) trotz verlängerter Distanz ganz gewaltig verbessert An zweiter Stelle kam Bira ein, vor Earl Howe, Tuffanelli, Ghersi, Ruesch und Mays. Das ganze übrige Feld ist von dieser Spitzengruppe teilweise sogar mehreremals überrundet worden. Die Fahrer wurden unter lautem Applaus und Zurufen der Begeisterung gefeiert, und kaum war die letzte Maschine aus dem Rennen genommen worden, so stürzten sich hunderte von Zuschauern auf die Piste um den Helden des Preises von Bern noch aus unmittelbarer Nähe ihre besonderen Sympathien kund zu tun. Trotz regendrohenden Wolken, die dauernd am Himmel dahinzogen, konnte die vormittägliche Veranstaltung trocken unter Dach gebracht werden, eine der verschiedenen günstigen Voraussetzungen für die von Seaman geschaffene Rekordzeit Endklassement: 1. Seaman (E. R. A.) 1:05:21,0 (Mittel 133,664 km St.) 2. Bira (E.R.A.) 1:06:15,7 3. Earl Howe (Delage) 1:07:16,2 4. Tuffanelli (Maserati) 1:07:31,8 5. Ghersi (Maserati) 1:07:35,0 6. Ruesch (Maserati) 1:07:47,6 7. Mays (E.R.A.) 1:08:17,5 8. Steinweg (Bugatti-Spez.) 1:06:40,5 19 R. 9. Kessler (Maserati) 1:06:43,9 10. Cholmondeley (Bugatti) 1:07:43,8 19 R. 11. Evans (M.G.) 1:05:36,2 18 R. 12. Prinz Leiningen (E.R.A.) 1:08:41,3 18 R. 13. Veyron (Bugatti) 59:59,2 17 R. 14. Herkuleyns (M.G.) 1:08:01,2 16 R. 15. Mrs. Stewart (Derby) 1:05:46,7 15 R. Schnellste Runde: Seaman auf E.R. A. in 3:10,7 = 137,431 km/St. Neuer Rekord.