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E_1935_Zeitung_Nr.069

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6 AUTOMOBIL-REVUE

6 AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N° 69 det Aichele auf dem zweiten Platz und Pilloud hinter ihm als Dritter. In der Sportwagenklasse über 1500 ccm bleibt sich die Lage bis zur elften Runde gleich. Dann geht Fischer auf Alfa Romeo, der ursprünglich an dritter Stelle lag, auf den ersten Platz vor, den er dem bisherigen Leader Rampinelli abknöpft. Das Schlüsse klassement sieht ihn auch als Sieger, Fischer, ebenfalls auf Alfa Romeo, als Zweiten und Godeffroy auf Bugatti als Dritten, während sich Hahn und Dreier mit den beiden übrigen Rängen begnügen müssen. In der Rennwagenklasse bis 1500 ccm hat sich Avondet nach dem gemeldeten Ausscheiden Hirschys in der ersten Runde bis zur achten Runde nur gegen Uboldi zu verteidigen, der ein zäher Gegner ist. Da aber auch Uboldi in der neunten Runde durch Motorstörungen ausfällt, geht er schliesslich in einer ausgezeichneten Zeit als Sieger durchs ZieL In der * Rennwagenklasse über 1500 ccm ist der Verlauf schon dramatischer. Nachdem sich Walther von der dritten bis zur sechsten Runde mit einem gleichmässigen Vorsprung von 10—12 Sekunden an der Spitze gehalten hat, taucht plötzlich in der siebenten Runde wieder Christen auf Maserati an erster Stelle auf und ist bereits 100 Meter voraus. Noch in der achten Runde macht es den Anschein, als ob S£«rSsR wieder die Spitze gewinnen könnte, dann fährt er mit Anzeichen von Fehlzündungen zur Boxe, lässt seinen Motor zwei Minutenlang untersuchen und — kommt nicht mehr weg, da trotz minutenlangen Kurbeins die Maschine nicht mehr zum Leben zu erwecken ist. Hug rückt deshalb an die zweite Stelle vor und beendet das Rennen mit wenig mehr als 6 Sekunden Zeitrückstand. Sowie Christen, Hug, Fischer, Rampinelli, Avondet und Godeffroy durchs Ziel waren, wurde allen übrigen Fahrern abgewunken. Das hinderte aber Christen nicht, noch eine weitere Runde in vollem Tempo weiter zu drehen und dieser «Ehrenrunde» daraufhin sogar noch eine wirkliche Programm-Ehrenrunde anzuschliessen. Den Hauptapplaus ernteten so die übrigen Klassensieger, vor allem Avondet auf Bugatti und Fischer auf Alfa Romeo, dessen grauer Sportwagen vom Pu^ blikum mit förmlicher Begeisterung verfolgt worden war. Mit Genugtuung vielerlei Art können die Veranstalter auf den so guten Verlauf dieses Rennens zurückblicken. Einmal war wohl schon der Publikumszustrom grösser, als es unter den obwaltenden Witterungszuständen erhofft worden war. Weiter hat sich auch das Wetter recht anständig gehalten. Hauptsächlich aber darf man sich freuen, dass gleich der erste Versuch, ein Rundrennen mit meist für diese Rennart noch ungeübten Fahrern durchzuführen, so reibungslos abgelaufen ist. Wohl fehlte es nicht an Stimmen, die diesen Versuch als Wagnis bezeichneten. In Tat und Wahrheit Hessen aber die Disziplin und die gegenseitige Rücksichtnahme der Fahrer nicht im geringsten zu wünschen übrig, wie anderseits auch die Organisation musterhaft klappte. Wenn auch das Publikum noch nicht allzu grosse Sensationen vorgesetzt bekam, so verfolgte es dennoch den Verlauf des Rennens mit grosser Spannung. Und schon heute kann man mit aller Sicherheit darauf zählen, dass das erste Rennen um den Grossen Preis von Bremgarten nicht das letzte sein wird. -s. Das Schlussklassement Sportwagen bis 1500 ccm: 1. Becker (M.G.) 52:54,9 12 Rd. 2. Aichele (M.G.) 53:18,1 12 Rd. 3. Pilloud (Fiat) 53:57,4 12 Rd. 4. Frick (Alfa Romeo) 49:04,5 11 Rd. Sportwagen üb er 1500ccm: 1. Fischer (Alfa Romeo) 51:49,8 14 Rd. 2. Rampinelli (Alfa Romeo) 52:01.6 14 Rd. 3. Godeffroy (Busatti) 53:04,2 14 Rd. 4. Hahn (Bugatti) 53:03,5 13 Rd. 5. Dreier (Alfa Romeo) 56:34,1 13 Rd. Rennwagen bis 1500 ccm: 1. Avondet (Bugatti) 52:33,7 14 Rd. Rennwagtn über 1500 ccm: 1. Christen (Maserati) 50:28,7 14 Rd. 2. Hug (Bugatti) 50:34,9 14 Rd. \ui den V

N° 69 —1935 AUTOMOBIL-REVUE einbrachen und damit höchstens sich und die nachfolgenden Fahrer gefährdeten. Wenige hundert Meter hinter Geier lagen nämlich mehrere Konkurrenten im Training, von denen bis auf Ghiron alle noch vor der Unfallstelle anzuhalten vermochten. Chiron war aber so dichtauf gefolgt, dass er trotz schärfstem Bremsen es nicht mehr vermeiden konnte, mitten in die mächtige Staubwolke hineinzugeraten, welche der Aufprall von Geiers Wagen verursacht hatte, wobei sich der Franzose einen Weg durch die links und rechts liegenden Wagentrümmer bahnen musste. Chiron hat uns nachher selbst erzählt, dass er in seiner Rennlaufbahn kaum je eine so kritische Minute durchgemacht habe wie hier, als er mit noch beträchtlichem Tempo ins Ungewisse hineinfuhr und so ohne jegliche Sicht war, dass er nur mehr automatisch seinen Wagen steuerte, ohne sich nachher darüber Rechenschaft geben zu können, wie er dieser Wirrnis entkam. Der bedauerliche Unglücksfall, an welchem alle Anwesenden den grössten Anteil nahmen, dämpfte natürlich das Tempo in den noch folgenden Trainingsrunden ganz beträchtlich, und es dauerte recht lange, bis sich die Stimmung längs der Strecke wiederum etwas hob, als man die erleichternde Nachricht vom leidlichen Befinden des Patienten erfuhr. Vor diesem Zwischenfall, den wir nur deshalb etwas ausführlicher schilderten, als merkwürdigerweise kurz nachher bereits die wildesten Gerüchte, die von geplatzten Pneus und weiteren Märchen wissen wollten, zirkulierten, war der Trainingsbetrieb ausserordentlich lebhaft und aufschlussreich. Die gestrige schnellste Rundenzeit von Stuck wurde zwar bis auf sieben Zehntelsekunden nicht erreicht, aber die Durchschnitte der gewiegtesten Fahrer glichen sich sehr stark aus, wobei die fünf Konkurrenten mit den kürzesten Zeiten je nur eine Sekunde auseinander blieben. Die nachstehende Debersicht zeigt, dass Mercedes-Benz und Auto- LTnion das Feld mit ihren Spitzenfahrern durchaus beherrschen, wobei es den Anschein hat, als zögen äie beiden Rivalen mit sehr ausgeglichenen Waffen und Chancen in den Wettkampf. Caracciola fuhr übrigens meistens einen Trainingswagen besonderer Art, bei welchem es sich nämlich um ein weiter verbessertes Modell handelt, dessen Möglichkeiten liier in Bern erstmals richtig ausprobiert werden. Natürlich bewahrt man im Mercedes-Lager grösstes Stillschweigen, doch will die Fama wissen, dass bei diesem Versuchswagen hauptsächlich Aenderungen am Chassis vorgenommen wurden, die eine noch weiter verbesserte Bodenhaltung und günstigere Schwerpunktlage zur Folge hätten. Der Motor sei der nämliche" wie bei den übrigen für das Rennen eingesetzten Maschinen. Die äussere Verkleidung ist noch windschnittiger und fliessender geworden. Ob dieses Fahrzeug doch noch ins Rennen geht, steht zur Zeit noch nicht fest. Die Alfa-Romeo-Leute blieben in ihren Rundenzeiten nur sehr wenig auseinander, doch erwies sich Nuvolari stets als der schnellste des Trios, obwohl auch er um volle acht Sekunden hinter dem besten Tagesergebnis, das Varzi auf Auto-Union erzielte, zurückblieb. Nicht unbeträchtlich fallen alle Maseratifahrer zurück, von denen keiner unter die drei Minuten kam. Es ist wirklich höchste Zeit, wenn das neue Achtzylindermodell endlich rennreif wird, denn mit den jetzigen Maschinen sind auch äie besten Piloten, wie Etancelin, Farina usw., je länger je mehr dazu verdammt, die Rolle der Schlussdekoration zu übernehmen. v- • ' Durch die Kiesgrube. Dieses Teilstück der Strecke zählt zu den interessantesten Punkten der Rennanlage. Hier hat von Brauchitsch (Mercedes-Benz) eben den Anstieg mit Schuss hinter sich gebracht und wird gleich in der anschliessenden Kurve dem Auge entschwinden. Bis zu Geiers Unfall steigerten sich die Rundenzeiten von Mal zu Mal, denn die heute chronometrierten Tempi werden zur Bestimmung der Startreihenfolge mit herangezogen, so dass natürlich jeder Fahrer sein Bestes drangab, um sich möglichst eine gute Startposition zu erringen. Dieser gegenseitige Ansporn ist auch als die indirekte Ursache zu dem bedauerlichen Zwischenfall zu betrachten, und doch scheint uns, als ob dieser Methode zur Festlegung der Startgruppierung der Vorzug gehöre, zeitigt doch das Los die merkwürdigsten Situationen. Von den Einzelfahrern fehlten einzig Barbieri, der seinen Startverzicht bekannt gegeben hat, und der Schweizer Ruesch, der immer noch in'Mailand weilt, wo seine im Rennen von Nizza angebrannte Maschine nach einer gründlichen Ueberholung neu eingefahren wird. Ob es noch rechtzeitig zum Training am Samstag reicht, ist sehr in Frage gestellt. Die Abwesenheit von Ruesch wäre besonders wegen seines auch im Preis von Bern vorgesehenen Startes bedauerlich. Mit seiner recht schnellen 1,5-Liter- i" Maserati erwies sich Ruesch am Eifelrennen als der Einzige, der mit Erfolg gegen die Uebermacht der ERA-Maschinen anzukämpfen vermochte. Rundenbestzeiten Varzi (Auto-Union) 2:41.8 Caracciola (Mercedes-Benz) 2:42.8 Stuck (Auto-Union) 2:43.6 Fagioli (Mercedes-Benz) 2:44.2 Rosemeyer (Auto-Union) 2:45.3 Geier (Mercedes-Benz) 2:48,2 Nuvolari (Alfa Romeo) 2:49.1 Dreyfus (Alfa Romeo) 2:50.2 v. Brauchitsch (Mercedes-Benz) 2:50.8 Chiron (Alfa Romeo) 2:51.8 Dott. Farina (Maserati) 3:06.0 Earl Howe (Bugatti) 3:07.0 Etancelin (Maserati) 3:07.1 Hartmann (Maserati) 3:25.6 Brian Lewis (Maserati) 3:28.8 Balestrero (Maserati) 3:37.3 Die Proberunden zum Preis von Bern, dem internationalen Kleinwagen-Rennen, zeitigten durchaus das nämliche Bild, wie bei der grossen Klasse: Gesteigerte Tätigkeit und beträchtlich erhöhte Tempi. Mays, der überzeugendste Fahrer der ERA-Mannschaft, schoss hier den Vogel neuerdings ab, indem er -seine gestrige Trainingsbestzeit um ganze 8 Sekunden unterbot und den erstaunlichen Durchschnitt von 139,256 km/St, erreichte, also beinahe an das Mittel der grossen Wagen im letztjährigen Grossen Preis herankam. Der prinzliche Fahrer aus Siam folgte ihm neuerdings dicht auf dem Fuss und konnte sogar das Resultat von Mays egalisieren. Diese beiden ERA-Piloten hielten das übrige Feld in respektvoller Distanz, doch dürfen sich auch die Zeiten der folgenden Fahrer, wie Seaman, Prinz Leiningen, dem heute eingetroffenen Franzosen Veyron, des vorläufig einzigen schweizerischen Konkurrenten Kessler usw., sehr gut sehen lassen. Nach wie vor enttäuschte dagegen die Spezialkonstruktion von Mrs. Stewart, der offenbar das Zementrund spezieller Rennbahnen wesentlich besser liegt, als die Strassenpiste mit all ihren Besonderheiten und Tücken. Es bestätigte sich heute leider, dass Graf Lurani, einer der bestqualifizierten italienischen Kleinwagenfahrer, nicht zum Rennen kommen wird, indem seine beiden Mechaniker trotz allen Bemühungen an höchster Stelle zufolge der besonderen Verhältnisse in Italien die Ausreiseerlaubnis nicht erhielten. So färben die Ereignisse in Abessinien aiso sogar auf den Grossen Preis in Bern abl Rundenbestzeiten: Mays Raymond (E.R.A.) 3:08.2 = 139,256 km/St.) «Bira» (E.R.A.) 3:08.2 Seaman (E.R.A.) 3:18.8 Earl Howe (Delage)" 3:21.4 Prinz Leiningen (EJR.A.) 3:23.9 Veyron (Bugatti) 3:25.8 Kessler (Maserati) 3:27.3 Kohlrausch (Magic-Midget) 3:39.6 Evans Kenneth (M.G.) 3:42.8 Tongue (M.G.) 3:58.7 Mrs. Stewart (Derby) 4:09.9 Sojko (Bugatti) 4:11.7 Herkuleyns (M.G.) 4:20.4 Steinweg (Bugatti-Spezial) 5:50.2 Nach diesem temporeichen zweiten Trainingstage, der wohl den Höhepunkt der Probeläufe brachte, ist das Rätselraten um die Sieger nur noch gestiegen. Die Erfolgsaussichten kristallisieren sich für den Preis von Bern schon recht deutlich heraus, aber beim Grossen Preis tappt man wirklich vollständig im Ungewissen. Gäbe es Wetten abzuschliessen, so ständen die Odds zwischen Mercedes und Auto-Union so kurz, dass weder für Buchmacher noch Wettende viel dabei herausschauen würde. Ob aber auch hier Alfa Romeo und vorab Nuvolari wiederum die grosse Unbekannte bleibt, die ganz unerwartet und entscheidend in das Duell der beiden deutschen Marken eingreift, ist ebenso ungewiss wie vor dem deutschen Grossen Preise. Vielleicht spielt sie hier doch nicht die nämliche Rolle, weil einmal die deutschen Maschinen seither neuerdings überholt worden sind und weil die Ein sicheres Zeichen richtiger Arbeitsweise ist das tägliche Eintreffen reparaturbedürftiger Automobile aus allen Teilen der Schweiz. Auch Sie werden zufrieden sein. PALLAS Akt.-Ges. R. & E. HUBER, Pfäffikon (Zeh.) ry«i:ni;Mi;FA»ti Dir. E. H Thommen, Ing. Vertrauensgarage des schweizerischen Aerztesyndikates Vertretungen: Wanderer - Horch - Pontiac - Peugeot Tel. 28.111