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E_1935_Zeitung_Nr.073

E_1935_Zeitung_Nr.073

BERN, Dienstag, 10. Sept. 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 73 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, (jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7i50 Automobilistische Tagesfragen Schuster, bleib' bei deinen Leisten! Nachdem wir kürzlich unter dem Titel: «Festigkeit tut not» den ersten Teil der sonderbaren Argumentationen der «Litra»-Eingabe an die eidgenössischen Räte etwas näher «würdigten», haben wir als Kampforgan für die Interessen der Automobilisten uns nunmehr auch noch mit den weitern Behauptungen auseinanderzusetzen, obschon die erste Kostprobe bereits eindeutige Empfindungen ausgelöst haben dürfte. Im 4. Kapitel: :«Auswirkungen des Motorfahrzeugverkehrs auf die Auslagen der Gemeinden und Kantone für das Strassenwesen » sind Zahlenbeispiele abgeführt, deren Richtigkeit den Automobilisten in weiten Kreisen unseres Landes in Misskredit bringen müsste. 'Trotzdem selbst in Fachkreisen über die durch das Motorfahrzeug bedingten Strassenaufwendungen verschiedene Meinungen vertreten' werden, wie denn auch die Ansichten über die Grosse des von der Automobilwirtschaft aufgebrachten Strassenkostenanteils recht verschiedenartig lauten, behaupten die Rechenkünstler der «Litra», dass von den 950 Mill. Fr. betragenden Strassenausgaben der Gemeinden und Kantone für die Jahre 1926/33 nicht weniger als 798 Mill. Fr. einzig und allein dem Motorfahrzeugverkehr zugeschrieben werden müssen. Ueberblicken wir die Entwicklung der kantonalen StrassenaufWendungen von 1910 bis 1933, so haben von 1910 bis 1928 die Totalausgaben jährlich im Durchschnitt um rund 2 Mill. Fr. zugenommen; 1929 setzte eine starke Steigerung um 14 Mill. Fr. ein, um aber schon 1930 wieder abzunehmen und 1933 bei dem gegenüber dem Vorjahre nur um 1.1 Mill. Fr. höhern Betrag von 94,56 Mill. 'Franken anzulangen. Eine derartige, die ganze Schweiz umfassende Darstellung kann aber keinen Einblick in die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen Strassenaufwendungen und Motorfahrzeugeinnahmen vermitteln, haben wir doch in der Entwicklung der Strassenausgaben zwischen zwei ausgeprägten Typen von Kantonen zu unterscheiden, und zwar zwischen dem Typus der allgemein industriereichen und infolgedessen verkehrsreichem Stände (wir «ä-hlen deren 10) und den verkehrsarmem, hauptsächlich landwirtschaftlichen Kantonen. Die grossen Unterschiede zwischen den 25 voneinander unabhängigen Verwaltungen (Glarus verausgabte im Jahre 1930 41 Fr. pro Kopf der Bevölkerung, marschiert damit an der Spitze: Luzern F E U I L L E T O N Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (25. Fortsetzung.) 10.- Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage ,Autler-Feierabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" BEDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 mit nur 12 Fr. steht zu hinterst), sind auf die gehöre! ungleiche Bevölkerungsdichte, auf die verschiedene Länge der kantonalen Strassenzinzollerhöhung vom 25. Juni a. c. haben wir Schon anlässlich der bundesrätlichen Bennetze und nicht zuletzt auch auf die kantonale Strassengesetzgebung zurückzuführen. zinpreise mit denjenigen in den vier Nach- auf die unhaltbaren Vergleiche unserer Ben- Aber recht bescheiden nehmen sich diese barstaaten hingewiesen, denn es heisst dem Aufwendungen aus, sobald denselben der Volk nur einen Teil der Wahrheit sagen, Schuldeniberg der S. B. B., ohne den beinahe wenn absichtlich verschwiegen wird, dass gleichgrossen der Privatbahnen, gegenübergestellt wird. Wie herrlich weit wir es in un- ganze Motorfahrzeugbesteuerung (Frankreich, vielfach in den ausländischen Ansätzen die serem Lande mit der' isolierten, auf die ge-Oesterreich) oder aber der grösste Teil samte Volkswirtschaft keine Rücksicht nehmenden Finanzpolitik gebracht haben, illustriert täglich dieser grösste Staatsbetrieb. Bei der Beurteilung der Frage, ob das Motorfahrzeug die Strassenkosten ganz oder nur teilweise zu decken habe, spielt vor allem die Bedeutung des Motorfahrzeugverkehrs für unser Land eine entscheidende Rolle. Es gibt in der Schweiz wohl kaum noch einen Menschen, welchem mittelbar oder unmittelbar aus dem Aufkommen des motorisierten Strassenverkehrs oder aus der dadurch notwendig gewordenen Verbesserung des Strassennetzes kein Vorteil erwachsen wäre» So gut man täglich bei der Finanzmisere unserer Bahnen verlangt, den volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt, d. h. das gesamte Landesinteresse, nicht zu vergessen, ebensogut ist die Automobilwirtschaft berechtigt, die gleichen Gründe ins Feld zu führen. In der «Litra»-Eingabe wird weiterhin behauptet, dass von den gesamten Auslagen der Kantone und 'Gemeinden von 1926—1933 für das Strassenwesen 696 Mill. Fr. oder von dem durch den Motorfahrzeugverkehr verursachten 84prozentigen Anteil 584 Mill. Fr. ungedeckt bleiben. Es erscheint uns zwecklos, sich mit solchen Finanzakrobaten auseinanderzusetzen, wurde doch unlängst in einer wissenschaftlichen, von Verbands- und Automobilinteressen unbeeinflussten Arbeit *) festgestellt, dass der von den Motorfahrzeugen verursachte Anteil an.den Strassenkosten auf ca. 72 bis 76% zu stehen komme, dass gleichzeitig aber die Motorfahrzeugbesitzer tatsächlich 71% der gesamten Strassenaufwendungen bestreiten, ganz abgesehen von den Millionen-Einnahmen des Bundes aus dem Benzinzoll, abgesehen auch von den nicht bescheidenen Zolleinnahmen auf Automobile und -Bestandteile usw. Die polemischen Behauptungen der «Litra »-Leute muten noch weltfremder an, wenn wir die gewaltigen Aufwendungen unserer vier Nachbarstaaten für ihr Strassennetz be- *) Strassenkosten und Motorfahrzeug in der Schweiz, von Dr. Jaquemet. Zürich, 1934. Herr Schwieger nickte milde: — es war schon so. Drei Kreuze würde man hinter dem Alten schlagen, wenn er endlich zur Ruhe ginge. Und wenn der Herr Utenhoven ihn näher kennen würde — da müsste er wohl auch der gleichen Meinung sein — Joos Utenhoven sah auf seine Nägel — ein Satz klang in ihm nach: — wenn er ihn näher kennen würde —. Er öffnete die Hände, hob sie vor zu einer Geste, die alle Möglichkeiten offenliess —. Er wusste jetzt, der hinterhältige alte Herr, der voll von Heimlichkeiten und von Winkelzügen war, hatte den beiden hier nichts davon mitgeteilt, dass jene Vorladung und Rücksprache bereits erfolgt war — und konnte sich auf Grund dieses Verschweigens doch nicht erklären. So fragte er, um endlich klarzusehen: «Was also — was für Einwände hat der Vernehmungsrichter?» Herr Köpke hatte den Kopf zur Seite hingeneigt und bohrte mit den Fingern angestrengt zwischen Hals und Kragen. Er sagte dabei: «Tja — so völlig klug wird man doch nicht so leicht aus ihm, und worauf er am Ende noch hinaus will, das ist schwer zu sagen. Aber er hat da ein paar Sachen, auf denen reitet er herum —: Löcher in der Beweisführung, wie er sagt —. Also vor allem diese Sache mit dem Geld —» Gleich einem Hammer, der mit schweren, heissen Schlägen pochte, fühlte Joos Utenhoven sein Herz: das also war es, was da kam — Die Welle jetzt erst niederkämpfen, dachte er. Hart und geschlossen war sein Mund, unbewegt fragend blieben seine Augen. Doch als der andere noch immer schwieg, sagte er dann beherrscht und unbeteiligt: «verzeihen Sie, ich weiss nicht, was Sie meinen — mit welchem Geld?» Sichtlich erleichtert kam Herr Köpke jetzt in Fluss: «— ist ja auch wahr — und wir haben's ja auch nicht für so wichtig genommen. Aber wenn er nun einmal darein einhakt ? ! Also, wir haben doch das Bankbuch von der Toten nachgesehen, und ich habe mir meine Notizen daraus gemacht, danach hat sie zweimal in der kritischen Zeit grössere Summen abgehoben —* rücksichtigen. Nur Hirtenknaben im wahrsten Sinne des Wortes können die Augen vor der realen Wirklichkeit verschliessen, in der Hoffnung, dass auch die Zukunft den Eisenbahnen (Deutschland, Italien) enthalten ist. Nach den bisherigen Musterehen wundert es uns deshalb keineswegs, wenn in der « Litra »-Eingabe die gleiche Taktik zur Anwendung gelangt. Was einem eben nicht gerade in den Kram passt, wird wohlweislich verschwiegen. Wie ein Hintertreppenwitz mutet in diesem Zusammenhang der Hinweis auf Italien an, «das gleichfalls eine blühende Automobilindustrie besitzt und vom Fremdenverkehr in nicht geringerem Masse abhängig ist als unser Land und den Benzinpreis von 53 Rp. für tragbar hält». Das geistige Niveau unserer eidgenössischen Parlamentarier muss von den hinter der «Litra» stehenden «Verkehrsfachleuten» nicht gerade hoch eingeschätzt, sonst würden etwas stichhaltigere Vergleiche gewählt werden. Unsere südlichen Nachbarn verwenden nämlich den Ertrag aus dem Benzinzo'll restlos zum Ausbau ihres Strassennetzes, während von den 294 Mill Fr. Benzinzolleinnahmen des Bundes von 1920—1933 nur 65,7 Mill. Fr. an die Kantone abgeführt und 12,19 Mill. Fr. als Beiträge an den Alpenstrassenausbau verausgabt wurden, so dass die Einnahmen aus dem Benzinzoll zugunsten des allgemeinen Bundeshaushaltes nicht weniger als 216 Mill. Fr. betragen oder YK Milliarde in den letzten 15 Jahren. Im letzten Abschnitt «Drohungen der Automobilverbände gegenüber dem Bundesrat» kommt die «Litra »-Eingabe auf die seitens des A.C.S. und T.C.S. in Vorschlag gebrachten Abwehrmassnahmen gegenüber dem jüngsten Benzinpreisaufschlag zu sprechen. Dass sich die Automobilistenverbände zur Wehr setzen, genügt also schon, um diesen die Qualifikation gut < vaterländisch» abzusprechen. Diese gewerkschaftlichen Wasserträger würden sicherlich viel besser tun, das vaterländische Verhalten der Eisenbahner etwas näher zu studieren, das bekanntlich darin besteht, zu Lasten des ganzen Schweizervolkes eine Stellung zu behaupten, die Joos Utenhoven rührte zustimmend den Kopf: Gewiss — gewiss — das alles hatte man ja festgestellt — er hatte doch die Herren selbst geführt — das war doch damals schon wahrhaftig durchgesprochen worden bis zum Ueberdruss — Und als er fühlte, dass jetzt seine Hände wieder ruhig und ohne Nachzittern der aufgerührten Pulse waren, griff er in seine Tasche, holte das Etui hervor und hielt es offen, anbietend, erst Herrn Köpke, dann Herrn Schwieger hin. Als sie beklommen ablehnten, zündete er sich selbst eine Zigarette an. Der Kommissar redete währenddessen weiter: «— ja — und der Rave leugnet eben, dass er mehr als einmal Geld von der Toten bekommen hätte.—» «— leugnet —» ein wenig spöttisch abtuend, wiederholte Joos Utenhoven das Wort. Und der Herr Schwieger hob die grossen weichen Hände und Hess sie wieder sinken: Gewiss — man war sich ja doch völlig klar über den Mann — aber was nützte das, wenn der Doktor von Adriani hier vor Torschluss seine Späne machte — Herr Köpke spann an seinem Faden weiter: «— nun gibt er aber zu, dass die Frau ihm nach, der erregten Aussprache vom Tage INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss i Tage vor Erscheinen der Nummern von allen Steuerzahlern, darunter auch den Motorfahrzeugbesitzern, berappt werden muss. Der Satz