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E_1935_Zeitung_Nr.073

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1935 — N° 37 Dei Gvosse •»»eis von Itfalaen W$Mlil$$£mB^&* t *^* Der Start des Rennens. Zuvorderst Caracciola, der schon die Führung übernommen hat. Dichtauf , folgt Stuck, in der nächsten Reihe links Fagioli, in der Mitte „Taruffi und rechts Nuvolari. " v , Glücklich gesiegt! Strahlend nimmt der russ- und gummistaubbedeckte Stuck die Glückwünsche seiner Frau (links) und einer dichten ihn umringenden Menge entgegen. Der Aufmarsch zum Start. Hier die Auto-Ünion bei ihrem feierlichen Aufmarsch zum Startfeld. 3; Beim zweiten Wagen marschieren gemeinsam Varzi und Stück. Nüvolari passiert auf dem neuen Alfa Romeo eine der fünf Schikanen. Er beeiriflusste, das Rennen in ; hohem Masse und konnte — allerdings unter Einsatz von zwei Maschinen ->- in die wuchtige ' * deutsche Front einbrechen, ohne diese allerdings entscheidend zu schlagen. Tankgeschäft bei Ferrari. Eben wird noch der letzte Hammerschlag beim Radverschluss gegeben, der Tank,ist schon gefüllt und sobald noch das Oel eingeschüttet ist, gehts wieder weiter. Nuvoläri hat hier Dreylus schon abgelöst und wartet auf den Bescheid: Pronto- Fahrerwechsel bei der Auto-Union.— Pietsch komm!t angerollt und verlässt die Maschine, während sich rechts Rosemeyer -.zur Weiterfahrt bereitstellt Ganz rechts (halb -durch den italienischen Kom« missar verdeckt) Oberin». Walb, der Rennleiter. Rosemeyer Im Hindernisgarten. Er durchfährt, bereits am Steuer der von Pietsch übernommenen Jtuchiae eine der Schikanen, welche das Rennen so weitgehend erschwerten und beeinflussten.

Bern, Dienstag, 10. Sept. 1935 IL Blatt der „Automobil-Revue" No. 73 JSeltatySQedanken Das reife Korn auf den Feldern ist der Sense des Menschen zum Opfer gefallen. Das Jahr rüstet sich zum Gehen. Wo vor kurzen Monaten noch Blüten an den Bäumen prangten runden sich jetzt reife Früchte. In den Trauben kocht der Wein. Reich hat die Natur uns beschenkt; Scheune und Keller beginnen sich zu füllen. Als besonderes Geschenk legt uns der Herbst noch seine Schönheit in die übervollen Schalen. Und heute, am eidgenössischen Bettag, kommt uns vor diesem Reichtum die eigene Armut zum Bewusstsein und wir fühlen die stumme Frage der Natur: «Wo, Mensch, sind deine Geschenke ? — Blicke um dich: Der ausgestreute Samen ist aufgeblüht und gewachsen, er hat Früchte getragen und schon wieder streut der Wind neuen Samen über dem leergeraubten Felde aus. Stehe stille, Mensch, und sieh; denke nach und sage mir: Wo sind. deine Geschenke ? — Wohl, ich sehe deine Werke, die den Himmel stürmen. Doch die Welt ist dadurch nicht glücklicher geworden; sie haben der Menschheit das Letzte und Beste noch geraubt: die Verbindung mit dem All! Gewiss hast du Systeme erdacht und ausgebaut zur Wissenschaft, um durch sie eine gerechte Verteilung des Ueberflusses deines Fleisses zu erzielen. Aber diese Wissenschaft ist kalt und nüchtern, sie vermag den Menschen nicht in seiner Totalität ty erfassen. Sie trägt nur seinem Magen und seinem Lustbedürfnis Rechnung. Es sind zwei Dinge, die zum Leben gehören, aber noch lange nicht das Leben selbst ausmachen. Dumpf fühlst du das selbst, klarer ausgesprochen findet man es höchstens hier und dort in den Werken deiner Künstler. Hast du jedoch Zeit, zu hören was sie dir zu sagen haben, zu sehen, wie sie deine Sehnsucht nach Vollendung.gestalten? — Kannst du dich losreissen aus dem drängenden Alltag — und sei es auch nur für Stunden—so gehe hin, sieh und höre! — Jeder deiner Künstler, jeder, der sich schon mit Kunst — sei es auch nur rein kritisch — befasst hat weiss, dass der schöpferische Mensch nur in dem Grade lebendiges Leben zu gestalten vermag, als er es selbst besitzt, dass jedes Kunstwerk, ja jedes Werk des Menschen, immer nur ein Abbild seines Schöpfers ist. Der weiss aber auch, dass nur der Künstler ein geschlossenes Kunstwerk zu schaffen vermag, der sich als Mensch in seiner Totalität bewusst einzuordnen versteht in den Kreislauf des Lebens. Das lebendige Leben aber wird erschlagen durch deine ausgeklügelten Systeme, die deinen Magen als Zahl einordnen in die Wirtschaftsberichte, deine Lustbedürfnisse als Punkt vermerken in den Kurven ihrer Statistiken und alles andere, was dich sonst bewegt, als irreal ignorieren. Du aber, Narr, baust dein ganzes Leben darauf auf, ja, nicht genug damit, machst du diese Wissenschaft zur Grundlage deiner Politik. Wunderst du dich da noch, dass deine Werke nur Verwirrung zeitigen, dass deine ganze Politik sich am Ende immer als ein grosser Irrtum erweist ? — Und doch sollte gerade sie die grösste von allen Künsten sein, die du übst; ist doch die Materie, mit der sie ringt, der lebendige Mensch selbst. Ihre Aufgabe wäre es die Harmonie der Einzelwesen untereinander herzustellen, sie mässte den Menschen in seiner Totalität erfassen, ihn bewusst einordnen in den ewigen Kreislauf des Geschehens, um ihn so dem Absoluten, der Vollendung näher Zu bringen. — - Aber kann sie das tun so lange sie aufgetaut auf dem nüchternen Verstand, so lange ihr Werkzeug, die kalte Wissenschaft, zum Selbstzweck wird, und sie so über dem Wege das Ziel vergisst ? — Denke nach Mensch und du wirst nicht mehr staunen darüber, dass deine himmelstürmenden Werke nur Verwirrung zu schaffen vermögen. Was deinen Geschenken fehlt, das ist jene alles umfassende Liebe, die nicht kalt abwägend verteilt, sondern sich immer wieder hingibt im Bewusstsein ihrer Unerschöpflichkeit. Stehe stille, Mensch, und lerne vom Herbst, der zu allem Ueberfluss noch . seine Schönheit in die übervollen Schalen legt. Lerne, dass Schenken gleich ist.dem Säen? Ewige Neuschöpfung!» La. K* -• Wenn des Jahres Erntesegen Rings im Land die Scheunen füllt, Wenn der Reife nun entgegen Auch die Frucht am Baume schwillt; Wenn im Rebberg glüht die Traube, Froh umspielt vom Laubgerank, Alsdann mahnt ein schöner Glaube Uns auch an desHßrzens Dessen, was als Kind wir lernten, Seien heut' wir. eingedenk: Alles, was die Menschen ernten, Ist auch himmlisches Geschenk; Was geweckt der Sonne Gluten Mit dem. gpld'nen Himmelsstrahl, Was genährt der Wolken Fluten, Das erwuchs auf Berg und Tal. Nun, so lasst uns einig treten Vor des Himmels Angesicht, Lasst uns wie die Väter beten t Schlicht und doch voll Zuversicht; Mit der Bettagsglocketf Klingen, Brausend voll in eh'rnem Chor,. Soll des Schweizers Danksich schwingen Heut' zum Himmel hoch empor. Zu meinen Kinderzeiten wurde in unserer Gegend noch das meiste Getreide mit der Sichel abgeschnitten. Das war, besonders bei grosser Hitze, eine;ziemlich mühsame Arbeit. Aber man gewöhnt sich auch an das Bücken; und die Gewissheit, mit dem heiligen Korn das tägliche i Brot für ein ganzes Jahr zu gewinnen, weckt ein .schönes. Dank- und Friedensgefühl im Herzen. Unser-kleiner, engverbündeter SchnitterhaTst rückte damals gewiss nie gedrückt und unfroh aus; Vom Beispiel und Zuspruch der unermüdlichen Mutter angesteckt, von ihrem Lob und Tadel angefeuert oder beschämt, trieben wir in schnekkenlangsamem, aber auch schneckennachdrücklichem Vorrücken einen «Jaa» nach dem andern in. den dichten Halmenwald vor, bis der Acker sich endlich vor der unablässigen Mühewerbung ergeben musste. Von Geringächtung des eigenen Vollbringens keine Spur. Noch war des Schnitters treues Werken sowie dessen wertgehaltenes Symbol, die Sichel, von einem goldenen Schein umflossen. Zwar brachte der* Siegeszug der Sense diesen schönen Schein gemach zum Verblassen, und das neue Wesen machte auch an den Grenzen unseres Bannes keineswegs halt; doch mein Vater -hielt auf dem bedrohten Posten unerschüttert stand. Wir fanden das auch selbstverständlich und recht, keines dachte vorläufig noch daran, dass es in absehbarer Zeit eine Aenderung geben könnte. Es war einer der schönsten, klarsten Erntetage angebrochen, als für uns der stattliche Kornacker auf dem Rebenbuck an die Reihe kam. Die Sohne hatte sich noch nicht sehr hoch über« den! Morgenw^Id erhoben, und doch. standen wir dem sauern Tagewerk bereits Aug. in, Aug gegenüber. Auf dem Aehrenmeer machte ein leiser Wind kleine, zierliche Wellen. Die Mutter wetzte die letzte Sichel und sagte wie gewohnt ihren Spruch her: I Gottsname ag'fange, yfbll- Gott,, dass mer gern hörid. *) Ich hatte! den Sinn dieses Arbeitssegens lange Zeit nicht richtig auszudeuten gewusstv denn dass jemand beim Schaffen ungern aufhören könnte,-das war für mich nicht verständlich. Icjj begriff erst, wie es gemeint war, als einmal im Nachbardorf ein Mann beim Heuladen rücklings vom Wagen fiel und das Genick brach. Dass wir Kinder bei der Arbeit nicht griesgrämig und sauertöpfisch werden, konnten, das brachte die Mutter ohne grosse Mühe fertig. Von Jugend auf mit jeder Bauernarbeit vertraut, vermochte sie auch, jedem Tagwerk eine helle Seite abzugewinnen. Mit ihrem Schatz von gereimten und ungereimten Lebensweisheiten, Wetterregeln und alten Merkwörtern geizte sie nicht; sie wusste, dass ein Quintchen Freude und ein Bröcklein Kurzweil das Bittere erträglich und das Erträgliche süss machen können. t;: .,.? ;.....' fi......' -i Bei Adelboden. Wildstrubel, Zum eidgenössischen ö&ütaq, ®as Von Emil Hügli.. fieiCiqe "Ohot , Ernteskizze von Alfred Huggenberger. , ..;• 'Photo Gyger. Adelboden. Ein Süpplein ohne Salz, Ein Müslein ohne Schmalz, Eine Rebfrau mit saurem G'sicht,. Bei denen dreien stimmt was nicht Nein, meine Mutter war keine von den Seufzerseelen, die immer mit dem Herrgott verzürnt sind. Sie wusste mit ihm umzugehn und anerkannte alles, was er nach ihrem Dar fürhalten recht gemacht hatte. Ihr Und unser Gesundsein galt ihr als Beweis dafür, dass Gott unsere Ureltern rein nur aus Gutmeinen aus dem Paradies hinausbugsiert habe, weil sie dort beim Nichtstun liederlich oder krank geworden wären. '' Im Getreideschneiden hatte- sie eine so unglaubliche Fertigkeit, dass wir ihr oft staunend zusehen mussten. Das ging wie gehext. Auch meinen zwei altern Schwerstern lief die *) Wolle Gott, dass wir gexa aufhören.. Arbeit -schon ziemlich gut aus der Hand, während mein Bruder und ich uns noch mehr' in der Rolle des Lehrbuben bewegten. ;Wirtnussten je und je einmal den Rückön grad, machen oder einen aus Ungeschicklichkeit ! mit der Sichel verletzten Finger verbinden. Beim Zwischen-Imbiss unter freiem Himmel stellte dann freilich jeder seinen Mann. Das war auch eines von den Gottesgeschenken} für die sich die Mutter zu Lob und Dank verpflichtet fühlte: unsere immerwährende Be-f reitschaft, uns mit essbaren Dingen zu beschäftigen, wo und wann sie uns in greifbare Nähe rückten^ Es gibt Höhepunkte im Leben.. Für mich wie auch für den übrigen Familiennachwuchs waren diese Höhepunkte um jene Zeit nicht zu dünn gesät, denn wir rechneten dazu einstimmig auch die auf freier Flur sich abspielende Vertilgung der Zwischenmahlzeiten, die während den strengen Werkwochen von Heuet und Ernte ihren besonderen Reiz dadurch erhielten, dass zum hausgebackenen Brot jedes von uns als leckere Zugabe ein Scheibchen Magerkäse oder gar eine halbe Rosswurst bekam. Der im Baümschatten wartende Henkelkorb, mit einem Leinentüchlein verheissungsvoll zugedeckt, war jeweilen schon lange vor dem grossen Augenblick der Brennpunkt unserer Gedanken, der unweigerlich näherrückende Wunderstern, von dem' sogar die Arbeit einen dünnen Strahl abbekam. Heute war es der Mutter gelungen, unsere Erwartungsfreude mit ein paar vielsagenden und doch nichts verratenden Worten noch höher zu spannen. Ganz im heimlichen hatte sie am frühen Morgen die ersten Apfelküchlein dieses Sommers gebacken. In der grossen braunen Schüssel wohlverwahrt, entstiegen sie noch warm der Tiefe des Korbes. Ja, nun wussten wir, warum sie in den letzten Tagen immer bemüht gewesen war, von den gefallenen Kornäpfeln die schönsten vor unsern Fressmäulern in Sicherheit zu bringen. «Ich habe mir gedacht, wir dürfen uns zur Abwechslung auch einmal etwas Herrenmassiges erlauben,» sagte sie. «Besonders weil doch die letztjährige Frucht bis nach dem Emdet reicht. Es ist immer gut, wenn man den Garbenstock nicht zu früh anzehren und dazu das Mehl gleich von der Mühle, weg, verbacken muss. Mühlewarm und ofenwarm Macht die reichsten Bauern arm.» Wir durften also mit gutem Gewissen ein bisschen schlemmen. Und wir taten es auch, bewusst und mit der Fähigkeit des Geniessens aufs freundlichste begabt. Einträchtig waren wir der Meinung, dass die Küchlein da; im Sommerland draussen noch «gäbiger» zu verschmausen seien als daheim am Tisch. Nachdem das Mahl seiner besonderen Eignung gemäss etwas vorzeitig beendet war, gönnten wir uns noch ein kurzes Nachgenussweilchen auf unserem anmutig im Gelände gelegenen Flursitz. Die Gutwetteraus-» sichten wurden kennerisch besprochen. Eine; Hummel, die, über und über mit Milben be-' haftet, nicht mehr aus dem Gras aufzufliegen vermochte, ward gemäss mehrheitlichem, Beschluss durch schnellen Erlösungstod von! ihrem Elend befreit. Im weitern wollte die Mutter dann wissen, was jedes von uns zuerst machen würde, wenn aus der Hälfte der heut abgeschnittenen Aehren in unserer Abwesenheit Goldstücke geworden wären. Unwillkürlich wandten wir uns alle um, ob das Wunder am Ende bereits geschehen sei. Nein, es war alles im alten. — Mein Bruder, war zuerst mit Raten fertig. Er wollte eine^ grosse Sichel kaufen, mit der sich alles noch^ stehende Korn auf einmal abschneiden Hesse; dann brauchten wir nicht mehr zu -buckeln, sondern könnten den ganzen Tag hier im Schatten sitzen. Mein Wunsch war schon; auf möglichere Dinge gerichtet; mir musstej eine grosse neue Scheune her mit bequemer. Heueinfahrt; dazu zwei dicke braune Pferde, damit ich beim Ackern auch gemächlich ne-, ben dem Pfluge herstapfen könne wie der Kaspar Strehlmann in Hannisgrüt. Von meinen Schwestern wollte die eine zur Eröffnung der, Glückszeit ein Sofa in unsere Stube gestellt wissen, wie sie es im Kirchdorfer Pfarrhaus gesehen; und die andere kaufte für die Mutter ein Seidenkleid, für sich selber ein neues Kirchengesangbuch mit einem Bilde' darin. Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit (liess. Wasser o. Bad u.Tel. Zimmer V. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Leim gruber, Bes.