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E_1935_Zeitung_Nr.072

E_1935_Zeitung_Nr.072

BERN, Freitag, 6. Sept. 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N" 72 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (init gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Aus unserem Leserkreis Landschaftsbild und Reklame. Von einem Freunde der Natur und eifrigen Autotouristen erhalten wir die nachstehenden beachtenswerten Ausführungen: Die wirtschaftliche Entwicklung mit ihrem Kampf um Absatz einer gesteigerten Produktion führte automatisch zur Intensivierung der Warenanpreisung, zur Reklame. Eine Form derselben ist das Plakat, die Reklametafel. Früher auf Orte grösserer Menschenansammlung, d. h. auf Städte und Märkte beschränkt, breiten sie sich nun mit der Motorisierung und Mobilisierung der Menschen und damit der zu gewinnenden Kunden den Landstrassen entlang über das ganze Land aus. Noch stehen wir sicherlich in den Anfängen dieser Entwicklung, und doch gibt es in unserem Lande schon Gebiete, wo diese Tafeln und Plakate zu einer Verunstaltung von Ortschaften und zu einer ernsthaften Beeinträchtigung des Landschaftsbildes geführt haben. Wer offenen Sinnes für die Schönheiten einer Landschaft durch unsere Gaue fährt, der stellt mit Beklemmung fest, wie allüberall längs der Strassen die bunten Plakattafeln sich mehren und wie dadurch so manches idyllische Landschaftsbild, so mancher freie Ausblick in die Weite verunstaltet, so manche malerische Dorfpartie verschandelt wird. Und doch ist unsere Heimat ein zu kostbares Erbe, das wir von unseren Vorfahren übernommen, als dass es um des wirklichen oder vermeintlichen Gewinnes einiger weniger willen in dieser Weise vergeudet und vertan werden sollte. Auch dürfen wir schliesslich hier daran erinnern, dass um der landschaftlichen Schönheit unseres Landes willen jährlich Hunderttausende aus aller Herren Länder zu uns kommen und uns damit Arbeit und Verdienst geben. Es kann uns nicht gleichgültig sein, ob so und so viele dieser ausländischen Touristen, verärgert ob einer aufdringlichen Reklamesucht, sich andern Ländern zuwenden, wo sie sich ungetrübtem Naturgenuss hingeben können. In verdienstvoller Weise hat'die Automobil- Revue vor einigen Wochen auf die Anstrengungen des Schweizerischen Vereins für Heimatschutz hingewiesen und nach Abhilfe gerufen. Dieser Verein hofft, dass durch behördliches Eingreifen etwas erreicht werden und Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. Notizen vom Tage Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Autler-Feierabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 dass möglicherweise das .Automobilgesetz mit seinem Verbot verkehrsgefährdender Plakate und Affichen als Grundlage für ein Vorgehen dienen könnte. Allzuviel wird man sich bei der ungenügenden gesetzlichen Handhabe und bei unserer bekannten Abneigung vor polizeilichen Massnahmen nicht versprechen dürfen, und es wird gut sein, wenn diese doch sehr komplexe Frage auch von andern Seiten in Angriff genommen wird. Ich wundere mich immer wieder, mit welcher Gleichgültigkeit so viele Bauern für ein paar Fränkli ihre hablichen Scheunen und malerischen Speicher durch Plakate und Blechtafeln verhängen und wie sie auf ihren Feldern und Wiesen grellbemalte Bretterwände aufstellen lassen. In der Schule lehrt man unsere Buben und Mädchen, was für ein prächtiges Land wir Schweizer hätten, und in Dutzenden von Liedern besingen wir- die stille Schönheit unserer Fluren, Wälder und Berge. Wie wär's, wenn unsere Lehrer immer wieder bei dieser Gelegenheit ihre Schüler darauf aufmerksam machen würden, wie hässlich in diesem Gottesgarten all die Blechund Brettertafeln seien und unser Geschlecht auch in dieser Beziehung wieder mehr Ehrfurcht vor der Schöpfung lehren würden? Ich bin überzeugt, es würde manchem Bauer durch solche Hinwelse der Kinder einleuchten, dass der Schulmeister damit wohl nicht so unrecht habe und eine verklebte und verklexte Scheunenwand recht schlecht zu seinem sonntäglich geputzten Hofe passe. Und der Jungbauer, der den Hof übernimmt, würde es in seinem gesunden Bauern- und Schweizerstolz nicht mehr dulden, dass in eines fremden Herrn Dienst und um einer fremden und meist sogar ausländischen Sache willen Reklametafeln und Affichen auf seinem Grund und Boden Kunden werben. Hier ist ein Stück Volkserziehungsarbeit zu leisten, der sich Lehrer, Bauernführer, Heimaischützler und Naturfreunde freudig annehmen sollten und die sicherlich in wenigen Jahren zu einer Eindämmung der heutigen Reklameseuche führen könnte. Dass ich aber diese Frage in einer Autozeitung zur Diskussion stelle, hat seinen Grund darin, dass auch wir Automobilisten und Motorfahrer wesentlich an einer Gesundung dieser Verhältnisse mithelfen können. Gerade um unsertwillen, wie wir doch auch (24. Fortsetzung.) Und dann, dann sprach Joos Utenhoven auch davon, dass er, wenn er erst den Termin für die Verhandlung wisse, wohl reisen iWürde —: nein — doch nicht nach Sizilien •— und auch nicht an den Corner See —. Wohin ? — er hob die Hände, und das war, als tastete er suchend auch ins Leere — aber das würde sich ja finden und ergeben — Plötzlich inmitten solcher Reden nickte er dann dem Doktor zu und löste sich von ihm, ging wieder fort. Vor einem Marmor, der vor altem Florentiner Samt auf einem Sockel im Ausstellungssaale ruhte, stand er oft: ein Torso nur — aber das Edelste, was er besass — : eine Madonna, die dem Lorenzo Qhiberti zugehörte. Nur bis zum hoch unter der Brust gezogenen Gürtel war das Werk erhalten. Der untere Teil, das Kind, das schlafend ihr im Schoss geruht haben mochte, fehlte. Er dachte: Bode hat sie immer haben wollen — und ich habe mich niemals von ihr trennen können —. Und sie — sie hat das edle Werk geliebt wie kaum ein' anderes — hat so oft hier bei mir davorgestanden — Jetzt soll es bei ihr sein und ihr allein gehören. Auf ihrem Grabe soll diese Madonna stehen und soll mit ihrem lieb- und leidverschlossenen Mund auf ihre roten Rosen niedersehen — und auf sie —. Lorenzo Ghiberti —. Wo — wo gab es eine Frau, der nach gekränkter Liebe solches Denkmal wurde. Ein Ausweg aus aller Qual des tatenlosen Wartens war ihm der Gedanke. Heisshungrig, fiebernd warf er sich in die Erfüllung — In seinem Schreibzimmer sass er und hatte Papier vor sich, Reisschiene, Zirkel. Das leise Anschlagen der Schreibmaschine hörte er von nebenan, hörte den Hall des Lärmes von' der Strasse draussen. Und war mit allen Sinnen nur bei seinem Plan, Umriss suchend und prüfend die Form, in der er sich das Denkmal für seine Tote dachte: Im Schütze eines Tabernackels sollte die Heilige von breiter, weisser Marmorsäule niederschauen, und nur der Name sollte auf der Säule, um die Rosen ranken mochten, stehen: Elke- Maria — Auf den Friedhof trieb' es ihn — ihm war, er müsse es ihr sagen, was er plante — und so, als brächte er ihr damit jetzt schon eine Gabe. Kaum erwarten konnte er jetzt in seinem Drang und Eifer den Augenblick, da er an ihrem Grabe stehen und sich das ausmalen würde, wie es werden sollte. Aber als er dann wirklich draussen vor dem Hügel stand, war alles anders und gewandelt. Fremde Menschen bewegten sich gerne einmal in Müsse durchs Land fahren und seine Schönheit gemessen wollen, « schreien » diese Tafeln und Fetzen an allen Ecken und Enden ihre Anpreisungen in die Welt hinaus. Wir sollen als Kunden, als Abnehmer der angebotenen Wären gewonnen werden. Gerade die Aussicht, unsere Aufmerksamkeit durch möglichste Aufdringlichkeit, durch ewige Wiederholung zu erregen, verführt zu immer schreienderen Farben, zu immer grösseren Tafeln. Wie aber, wenn wir diesem Drängen ein « Nun erst recht nicht» entgegensetzen, wenn wir nicht den Pneu, das Oel kauften, das am häufigsten und aufdringlichsten angepriesen wird? Wenn wir die Garage mieden, die durch ein wahres Farbengeklexs eine ganze Strasse verunstaltet, oder den Gasthof links liegen Hessen, der uns während einer langen Fahrt immer wieder in hässlichster Aufmachung seinen Namen zugerufen? Je aufdringlicher ein Plakat ist, je rücksichtsloser eine Reklametafel ein Landschaftsbild verunstaltet, um so entschiedener und auch vernehmlicher sei unser Protest! Ob nicht manche Reklametafe'l verschwinden wird, wenn der Aussteller hört, dass gerade um jener Tafel willen dieser und jener Kunde bei ihm vorbeigefahren ist, wenn unsere Touristik- und Sportverbände ihre Mitglieder zu einem Boykott aller derer aufrufen, die durch aufdringliche Plakate und Tafeln die landschaftlichen Schönheiten unserer Heimat verunstalten? .„ - Ich bin mir wohlbewusst, dass wir das Rad der Zeit nicht zurückdrehen können und dass bei der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung ein völliger Verzicht auf öffentliche Reklame unmöglich ist. Was wir aber im Namen eines wohlverstandenen Heimatschutzes erreichen müssen und können, das ist die Ausmerzung all der bekannten Auswüchse des Reklamewesens, wie sie sich zeigen in der Verklexung unserer Bauernhöfe und Dörfer und der Verschandelung der freien Landschaft durch die hässlichen, grossen Tafeln. Hier mitzuhelfen ist Aufgabe eines jeden einzelnen, der sich dem Ganzen verantwortlich fühlt, ist vor allem Aufgabe unserer touristischen und sportlichen Verbände. Mithelfen an der Sanierung dieser Verhältnisse können auch Plakatgesellschaften, indem sie beim Anbringen ihrer Plakate Rücksicht nehmen auf den baulichen und landschaftlichen Charakter der Umgebung, mithelfen auch Behörden, die oft ein wahlloses Bekleben öffentlicher Gebäude gestatten und auch Plakate temporären Charakters (wie Wahlplakate, Ankündigungen von Versammlungen, Zirkusvorstellungen usw.) mo- da um eines der frischen Gräber nebenan, redeten leise mit banalen Worten über die Schicksale eines beschlossenen Lebens, sahen dazwischen neugierig zu ihm herüber und redeten, wisperten wieder — Nein, zu der Zwiesprache mit seiner Toten kam er nicht. Es trieb ihn weiter. — Einen Bildhauer suchte er auf, zeigte ihm den Entwurf, besprach mit ihm die Masse, forderte Skizzen ein —. War dann in einem Majmorwerke, prüfte die Stücke des vorhandenen Materials. Aber für keine von den Marmorproben konnte er sich entscheiden — zu kalkigweiss, zu kalt erschien die eine, zu grobkörnig oder zu glitzernd die andere. Wärme und Leben mussten in dem Steine ruhen, und völlig musste er zu dem des alten Meisters stimmen. Und wenn der Block, so wie er ihn erträumte, hier nicht zu finden war, dann wollte er ihn selber in Italien suchen und von dort holen — ja — vielleicht in wenigen Wochen schon — Auch an sein Manuskript, die Untersuchung über das Leben und das Werk des Baccio Bandinelli, dachte er iii diesen Tagen, wenn diese Leere, die doch nur ohnmächtiges Warten und Erwarten war, ihn überfiel. Vielleicht, dass ihn ein Untertauchen in das angehäufte Material von seiner Unrast löste — ? Bei ihr war er jetzt wieder — sah die geliebte Frau so, wieer sie an jenem Abend in INSERTIONS -PREIS: Die achtgespalten« 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute über: Verteuertes Benzin und seine wirtschaftlichen Folgen. Grosser Preis von Italien. Campbell fährt neuen Weltrekord. Automobilteile aus Elektro- u. Spritzguss. Regeln zur Reifenpflege. Schweiz. Motorfahrzeugstatistik Bilder: Seite 6. nate- und jahrelang hängen lassen als hässliche Reminiszenzen an Dinge, die längst vergangen und vergessen sind. Ich bin überzeugt, dass auf den angegebenen Wegen sich Wesentliches in der Einschränkung der sog. « Plakatpest» erreichen lässt, ohne berechtigte Interessen einzelner sehr zu verletzen. Schliesslich steht über dem Interesse des einzelnen das Wohl des Ganzen, steht die Erhaltung unserer schönen Heimat! Dr. E. L. Sdiweizeristhe Runlschau Politik — Benzinzoll — Alpenstrasseninitiative. Nach dem Beschluss der ständerätlichen Zolltarifkommission soll bekanntlich die parlamentarische Behandlung der Benzinzollfrage so lange hinausgeschoben werden, bis seitens des Bundesrates ein finanzielles Ueberbrückungprogramm vorgelegt werden könne. Die Automobilisten hätten also bis zu diesem Zeitpunkt den erhöh- 1 ten Benzinzoll von Fr. 28/100 kg dem Bundesfiskus abzuliefern, ohne dass ihnen irgend welche Rechtsmittel zur Verfügung ständen, sich gegen diesen neuen Beutezug zur Wehr zu setzen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das verlangte Überbrückungsprogramm in der bevorstehenden Septembersession aber kaum zur Behandlung kommen, sondern zusammen mit der Budgetvorlage erst in der Dezemberzusammenkunft der Bundesversammlung. Wenn also in der demnächst beginnenden Session unserer Parlamentarier keine Interpellation betreffend Benzin- und Zuckerzoll eingereicht wird, dürfte von sich aus der Bundesrat, speziell der Vorsteher des Finanzdepartementes, zu diesen Fragen kaum Stellung nehmen, ob- ihrer hellen Schönheit vor ihrem Waschtisch gesehen hatte —. Untilgbar, weil für ihn unfassbar, jedes Wort, das sie- gesprochen hatte: «Arbeitest du denn gar nicht mehr an deinem Werk? Wie lange schon hast du nicht mehr diktiert — !» Und da er, kaum verstehend, fragt: «An meinem Buch? Was liegt mrr jetzt daran?!» — da hat sie dieses Lächeln nur — und sonst kein Wort — Fortgeschickt? Abgelehnt — ?! Aber dabei doch unstimmig zu diesem ihm entgleitenden Augen, die beinahe bittend und voll Liebe auf ihm liegen — ein weich erschlossener Mund, der sich ihm bieten will — Nein — er verstand es nicht — und er würde es nie verstehen —. Arbeit? — Arbeitest du denn gar nicht mehr an deinem Werk?» Das Manuskript holte er aus der Lade vor und wusste doch zugleich, während er diesen Stapel von Papier vor'sich hinlegte, das war nicht Ernst, das war ein leeres Spiel. Durch seine Hände Hess er die weissen Bögen laufen, und seine Finger blätterten in den Seiten der Maschinenschrift, die da und dort durchsetzt war mit handschriftlichen Nachträgen und Aenderungen. Zu den Mappen mit dem Bildermaterial, die in einem der Bücherborde ruhten, blickte er hinüber, auf die Hefte mit Exzerpten und Notizen und auf das Diktaphon —