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E_1935_Zeitung_Nr.077

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Hoch dem QeuiUte* Von

Hoch dem QeuiUte* Von Jakob Harinqer Heber den Bergen rollt noch ein Donnern, Leis wie ein Dieb kommt der Regen und singt. 'Sieh wie am Ufer ein purpurner Sommer 'In deinem magdlichen Lächeln verklingt, Wie von den Blättern die Wasser abtropfen 'Rinnt auch das Leid dir vom bangenden Herz, Bald hörst du Aepfel zur Erde klopfen, Silbern erinnert dich wieder ein März. 'Blau grünt im Garten ein Regenbogen, 'Goldene Schwalben umflattern den Kahn, Leis wie ein Glück kommt die Mondfrau gezogen, Und ich bin traurig voll Kummer und Gram. 'Matt hingelehnt an Oktoberterrassen Harr ich des ersten Sterns und am Haus Flattert ein Vorhang... und ich bin verlassen, Und die Liebe weint sich die Augen aus. Und ich denk an ein seidenes Zimmer, Spangen verstreut in Märzkissen und Haar. Ach, es wird wieder Frühling und nimmer Singst du das Lied, das Erinnerung mir war. wirt können Sie fragen, der half mir mein Leid brüderlich tragen. Mit der Arbeit war es fertig. Kaum rührte ich eine Feile an, da dachte ich auch schon an meine Alte. Dann suchte ich im Sternen Trost. Ach, es war ja so traurig. Es wollte auch gar nicht besser werden und eines Tages...» Mit einem roten Kopf unterbrach sich der Sepp und schloss dann, um seine Verlegenheit zu verbergen, mit einem Stossseufzer: « Ach Gott, es geht ja so sonderbar zu im Leben! » Maria, die wusste, an was der Sepp sich vorbeidrücken wollte, biss sich auf die Lippen und verbarg ihr Lachen hinter der vorgehaltenen Hand, dann stimmte sie ihm ernsthaft bei: « Ja, Sie haben schon recht, es geht im Leben oft sonderbar zu! » Der Sepp war froh, dass er an dieser Klippe vorbeikam, ohne dass sie seine Verlegenheit bemerkte, und fuhr fort: « Es war wie eine Krankheit. Selbst der Stadtarzt meinte' damals: Das kommt von dem vielen Alleinsein! Jetzt ist das alles überstanden: ich bin wieder der alte Sepp, der immer noch Mark in den Knochen hat. Von dieser Trokkenkammer werde ich mich verabschieden und wieder eine Schlosserei anfangen. Aber eine Frau muss ich haben, eine junge Frau, die zu mir passt! » — Er blinzelte, während er dies sagte, dem Mädchen schalkhaft zu und fuhr dann fort: «Ueberlegen Sie nicht lange, werden Sie meine Frau! Meine Selige hat es nicht, bereut, dass sie meine Frau wurde, und auch Sie...» Das Mädchen wartete nicht ab, bis er mit seiner Rede fertig war. Sie rannte lachend den Gang hinab und verschwand in der Küche. Bald darauf hörte der verblüffte Sepp sie singen: « Du bist verrückt mein Kind...», aber unzurechnungsfähig wie alle Verliebten, bezog er das Lied nicht auf sich, sondern dachte, das Mädchen sei verrückt aus Liebe zu ihm. Dieses Ereignis, das er bei sich selbst Verlobung nannte, musste gefeiert werden. Wie ein Dieb schlich er sich aus dem Hause und eilte zum Sternenwirt. Am Abend, als er wieder zurückkehrte, ging es nicht mehr so geräuschlos ab. Ein Rüffel vom Verwalter war die Folge. In den nächsten Tagen gelang es ihm nicht, Maria allein zu sprechen. Ueberall tappte ihm der Florian in den Weg... Kam das Mädchen am Morgen mit einem Eimer oder Korb aus der Küche, so stürzte vom einen Ende des Ganges der Sepp, vom andern der Florian her, und beide stritten sich darum, ihr die Last abnehmen zu dürfen. Dabei kam es oft zu Szenen, über die das Mädchen herzlich achte, während die beiden Alten immer grobsere Feinde wurden. Zum offenen Ausbruch der Feindseligkeiten kam es aber erst, als der Florian Maria einen Rosenstfauss überreichte. Leis wie eine Katze schlich er sich eines Morgens aus dem Zimmer und eilte hinab in den Garten. Dort plünderte er alle Rosenstöcke und kehrte mit einem Strauss tiefroter Rosen in das Haus zurück. Im Speisesaal stellte er ihn auf den Tisch und schrieb auf eine Visitenkarte, ein Ueberbleibsel aus seiner guten Zeit, eine Widmung. Dann schlich er sich wieder in das Schlafzimmer, legte sich ins Bett und begann zu schnarchen. Bald wachte der Huggel auf, schrie dem Sepp seinen Morgengruss zu und kleidete sich an. Im Speisesaal war natürlich des Florians Strauss das erste, was er sah. Als er noch gar die Karte erblickte, Hess es ihm keine Ruhe, bis er seinen Senf dazu gegeben hatte. Die Widmung sah jetzt allerdings anders aus als zuvor. Bald erschienen auch der Sepp, der Florian und Maria. Ganz Kavalier überreichte der Florian dem Mädchen den Strauss mit einer tiefen Verbeugung, was sie mit Erröten, der Huggel mit einem Grunzen und der Sepp mit einem Fluch quittierte. Maria fand die Karte und las die Widmung: «Ich alter Kater erlaube mir, Ihrer Schönheit diese Blumen zu opfern! Florian Burian.» Sie ahnte, wer die ersten drei Worte dazu geschrieben hatte, Hess vor Lachen den Strauss und die Karte fallen und rannte zum Zimmer hinaus. Entgeistert schaute ihr der Florian nach, während der Sepp den Strauss durch einen Fusstritt in die nächste Ecke beförderte. Da traf ihn die Hand des Florian mitten ins Gesicht. Auch der Sepp schrieb keine schlechte Handschrift, und bald balgten sich die zwei wie Kater in einer Februarnacht. « Was, du willst die Blumen verderben? » Qjie, Vecsuefainq. des Jaos llteuhöveii (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) «Dreimal wird es dich treffen, ehe du fällst. — Wenn eine zu dir spricht, die nicht mehr sprechen kann —. Wenn alles, was dir letzter Sinn im Leben war, sich verkehrt —. Wenn der da — wenn du den zum dritten Male siehst.» Joos Utenhovens Augen bohrten sich ins Nichts. Ein dunkles, qualvoll heisses Rauschen krampfte ihm das Herz. Und zugleich war es ihm, als hörte er das Klatschen ihrer nackten braunen Sohlen, wie sie — diese Zigeunerin — damals gehetzt, gejagt über das sonnenheisse Pflaster durch das auf zittern de Geflirr der weissen Glut von ihm gelaufen war — Ueber die feuchte Stirn strich er sich tastend hin — musste dabei gleichwie im Zwange eines wüsten Traumes denken: — zweimal — ja zweimal habe ich ihn jetzt gesehen. Damals in seiner kahlen Arbeitsstube, in der die Aengste von unzähligen Umstelten und Vernommenen geronnen und gebannt an diesen räudigen Wänden klebten und aus den alten Möbeltrümmern klagten — und heute hier — Und wenn ich ihn zum dritten Male.sehen werde —? Versponnen in ein dunkles Grauen, stand er so unbewegt — hob dann die Hand zu. einer ausfahrenden Geste hoch, als ob er sich aus einem unsichtbaren Netzwerk •lösen wollte —:. verstrickte sich in seinem 5inn£nr Suchen in ein anderes, das sich da jetzt" vor, ihm erhob —: Wie war das doch —.wie war das doch gewesen ? Vor Wochen erst, an jenem Tage, da' sie die Tote draussen auf 'dem Friedhof eingebettet hatten — da er dann in der Flucht vor seiner Einsamkeit mit dem kleinen verwachsenen Doktor zusammengesessen war ~. Im «Medwjed» — bei dem Russen — IANGENTHAI Kendex'vous der Automobilisten • Grosser Parkplatz schrie der Florian, und der Sepp darauf: « Sie ist meine Braut, du Lump! » Der Huggel aber lachte, dass sein frisch angemästetes Armenhausbäuchlein im Galopp auf und nieder tanzte. Das dauerte so lange, bis der Verwalter die Ruhe wieder herstellte. Zwei Gesichter wurden immer länger, als er erzählte, dass Maria schon lange verlobt sei und nur bis zu ihrer Hochzeit hier bleiben sollte. Am gleichen Tage«reiste Maria ab. Der Florian und der Sepp schlichen noch einige Tage wie begossene Pudel umher, doch bald verging auch das, und im Armenhaus hielt die alte Langeweile wieder ihren Einzug. — und wie er da den Kellner, der den Wodka brachte — wie er den Fürsten noch gefragt hatte, ob er an derlei glaube — Den grossen, wie erstorben hingleitenden Mann mit den slawisch-breiten und seltsam unbewegten Zügen sah er vor sich stehen, hörte die tiefe, fremdartige Stimme, die leise und geheimnisvoll, beinahe flüsternd aus einer verdeckten Ferne kam und ohne Ziel wieder ins Weite, Wesenlose rann: «— man darf dabei nicht an den Worten kleben — der Sinn ist alles, Herr —- der Sinn —» Ein dünnes Frösteln lief Joos Utenhoven an den Schultern nieder. Und immer noch versponnen in sein Suchen, bückte er sich nach dem Tuche und breitete es zwischen seinen Armen, deckte es, ohne hinzusehen, über das Bild des Inquisitors hin. Zum Schranke schritt er dann und griff nach seinem Hut, den Handschuhen, dem Stock. Noch einmal musste er vorbei an der Jetzt wiederum verhangenen Staffelei. Er stand davor — er hob die Hand, strich an dem Umrisse des Rahmens nieder. Zur Ruhe zwang er sich und dachte hart: Nervös bin ich — zermürbt durch all die Qual — und das ist alles — Aber bei all dem war es ihm in einer Tiefe, die sich nicht betäuben Hess, noch immer so, als wäre er hier nicht allein — als wäre da noch einer um ihn her — Den Lichtschalter drehte er ab, und ein wenig zu hastig drückte er die Tür hinter sich ins Schloss. Tastete sich dann wie erleichtert durch den in Schwarz und Schweigen eingehüllten Saal. Nur hier und da an der Vergoldung eines Rahmens gleisste ein dünner Glanz, und drüben dort, wie aus sich selber strahlend, schimmerte leis ein weisser Marmor auf: der Torso der Madonna des Qhiberti, der auf dem Grab Elke-Marias stehen sollte — Durch die zum Hausflur hinleitende zweite Tür verHess Joos Utenhoven den Raum. Die beiden Schlösser schloss er ab, stand dann erschöpft in einem müden Horchen — riss sich mit aufgerafftem Willen los und Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners CH Tourlng, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. Routa Ibergeregg und Mythen Gut bürgerlich geführt, schöne GescUschaltsräume, Zimmer zu mäss. Preisen. Höflich empfiehlt Tel. 276 Karl Kappeier. Die berühmte klassische Stätte der Urschweiz Ruder« und Angelsport. Strandbad, Bergtouren Schöne Spazierwege und Ausflöge bevorzugter Aufenthalt für Erholungsbedürftige AUTOMOBIL-REVUE 1935 - 77 Vierwaldsf ätf er- See und Umgebung Schwyz Gasthof Hirschen QBER.BERG Kurhaus Holdener £ g : 1; KÜSSNACHT ELiaa. RIGrl 1135 m ü. Mi, an der Route Einsiedeln—Ibergeregg—Sehwyz, Das Lieblingsziel des Weekend- und Tourenfahrers. Aus Küohe und Keller nur das Beate. Pensionspr. v. Fr. 7.- an, Weekend v. Fr. 12.- an. Telephon 9. Garage. Fam. Holdenor-Quldin. 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Nein — Am Brandenburger Tor "war er und zögerte entschlusslos in dem ausstrahlenden Stern der Wege — stand dann hinter dem Reichstagsbau am Spreeufer lange verloren still und starrte da über das Wasser weg hinüber in das tausendfache bunte Lichtgeflimmer der Leuchtreklamen am Schiffbauerdamm und bis zur Friedrichstrasse. Krank bin ich, dachte er, krank und nervös — zerrüttet, wie ich es vorher noch nie gewesen bin — Nerven ? — er sah hinunter in die Splegelflut der dunklen Wasser, auf der düstere Spreekähne an ihrem Tauwerk träumend lagen, über die hin in Flimmerbändern der Widerschein der Strassenlampen und der Lichter von hingleitenden Automobilen huschte. — Wann jemals habe den derlei gekannt? Nie — nie —. Nicht vor dem Kriege — nicht im Kriege — und nicht später — Kaputt muss etwas in mir sein —> Ein lächerlicher Zufall tritt mir In den Weg — nichts weiter — nein, nichts sonst: nur die fatale Aehnlichkeit eines mir peinlichen Genossen mit einem anderen, der seit gut dreihundert Jahren modert — und wirft mich beinah um —. Ein billiges Zusammentreffen, das kaum mehr ist als der Trick aus einer Jahrmarksbude, lasse ich mir als Spuk verkaufen — ! Scham über seine eigene Schwäche würgte ihn, warf den Impuls in ihm empor: Am besten wäre es, ich ginge jetzt zurück und schlösse auf — ginge ganz fest und sichei durch den Saal und machte Licht und holte mir den Qreco vor — nicht eine Spur von Aehnlichkeit würde da sein! Aber das sank wieder zurück — Er riss sich los aus seinem Schauen in das flirrende Lichterspiel, er wandte sich, schriti längs des Wasserlaufes hin. Still war es hier, und alles Leben wie ein Echo nur, das fernher kam, von jenseits, wo der Lehrter Bahnhof lag, das alte Moabit — Von links her, aus den Zelten, kam Musil — zerflatterte in einem leisen Wehen. Eit Dunst und Duft von abendlichen Bäumet strich aus dem Tiergarten herüber — Nichts weiss er — nichts —! dachte Joos Utenhoven — hat sich da allerlei ausspintisiert und glaubt, ich falle ihm darauf hinein — Am Park Bellevue bog er in den Tiergarten ein. So tief und dunkel war er in sein Sinnet eingesponnen, dass er am Grossen Steri beinahe in ein ankommendes Auto geratei wäre. Erst da der Wagen schon im Ansprunj nach ihm war, die grellen Lichter ihn gleicl zwei riesigen Augen blendend und gierij übergössen und an sich reissen wollten sprang er zur Seite — hörte Schimpf um Zorn hinter sich drein — (Fortsetzung folgt.) Wer kommt mit zu Höhenluft, Sonne und glitzernden Bergseen l Melchsee-Frutt, 1920 m ü. M. 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N« 77 — 1935 Stande Von Vreni Wasmuth Die Seele des Menschen schafft sich in der Gebärde Ausdruck. Gebärde ist das Zusammenspiel von Bewegung und Ruhe der Glieder, die Bewegung und Ruhe der Seele wiedergeben. Am ausdruckvollsten gräbt sich die Seele in die Hand, sie ist die Hauptträgerin der Gebärde; und da die Seele in verschiedenen Menschen auf eine immer andere Weise dichtet und formt, verschiedene Tönung, andersartige Rhythmen hat, darum ist auch das Wesen der Gebärde und besonders der Hände eines jeden Menschen verschieden. Es ist keine Frage, die Hand ist das lebendigste, ausdrucksvollste Glied des Menschenleibes. Ein Gesicht kann man verstecken und verstellen; für die Hand gibt es keine Maske. Die Hand darf mit grösstem Recht für sich in Anspruch nehmen, Glied des menschlichen Körpers genannt zu werden, denn sie ist am meisten ge« glied »ert von allen. Bei ihr ist selbst bei einem jungen Körper die Haut nicht so glatt, gerade und straff gespannt wie am übrigen Körper; sie verweilt in Grübchen und Vertiefungen, die das Spiel der Knochen und Äderchen ihr bietet, und bildet so durch innere und äussere Bewegung die unzähligen Fältchen und Runzeln, die in ihrem reichen Linienspiel eine jede Hand so charakteristisch und lebendig machen, fast wie ein Einzelwesen, das, lebendig geworden wie ein kleines Tier, sein Da- und Sosein hat wie alles Lebende. Es war nicht das Dümmste, dass man versuchte, aus den Linien der Hand das Schicksal eines Menschen zu deuten; Schicksal ist bedingt durch die Wesensart, die sich Ausdruck formt in den Linien der Hand. Die oft treffenden Prophezeiungen einer Zigeunerin würden uns nicht so sehr verblüffen, wenn wir einander mehr auf die Hände schauten. Charakter und Erlittenes graben sich darin ein wie Wind und Wetter in den Felsen. Die Hände haben die Aufgabe, das innere Leben eines Menschen zu einem äusserlich wahrnehmbaren zu machen. Sie haben den Gedanken in die Tat umzusetzen, das heisst, wenn ihnen der innere Trieb gegeben ist, zu «handeln >. Schaffen und Formen ward in unsere Hand gegeben, und etwas in der Hand haben, das heisst, seiner mächtig zu sein. Es ist ein Zeichen für das Eigenleben der Hand und dennoch für den klaren Spiegel des Menschen, dem sie gehört: dass ihr nicht nur das real zu Tuende, das sichtbare « Handeln » vertraut wird, sondern auch alle Regungen des Empfindens. Der Händedruck ist schönster Qruss und tiefstes Abschiednehmen, Handschlag und Eid versichern Treue und Standhaftigkeit, die Hand liebkost oder wehrt ab. Die formenden, segnenden Hände sind selten in der Welt der Menschenhände, so selten wie schöpferische Menschen. Kämpfende, verkrampfte oder flehende Hände sind so viele zu finden, wie Hass die Welt erfüllt. Es geschieht oft, dass das Bild einer Hand sich mit dem Augenblick wandelt, dass aus einer katrtpfgeballten eine sehnsüchtig flehende wird oder aus einer schlaffen, müden eine spürende, packende Hand. In der Hand AUTOMOBIL-REVUE sind ja die tausend Möglichkeiten der Wandlung ebenso vorhanden wie in der Seele. Aber ein bestimmtes Gepräge behält doch jede Hand durch Ruhe und Bewegung hindurch. Sie wird so zum Sinnbild für jede Art des Gefühls und des Handelns. Es gibt Hände, die„nach den Sternen greifen, und solche, die tief im Schmutz der Erde wühlen. Es gibt kühle, lindernde Hände, die sich auf zuckende, brennende Fieberhände legen. Es gibt zitternde Greisenhände und kleine unbeholfene Kinderhändchen, die vertrauensvoll in Mutterhänden liegen, um gefühlt, gefasst, gehalten zu werden. Kinderhänden ist alles so greifbar nah; sie greifen nach der Sonne am Himmel und den Wolken, die vorüberziehen. Deshalb muss man sie führen, etwa wie ein Dirigent, der Musik in seinen Händen gestaltet und führt durch ein Meer von Melodie und Rhythmus. Es gibt plumpe Hände, die keinen Kampf kennen, weil sie gewohnt sind, über Samt und Seide zu streichen und Perlen durch ihre Finger gleiten zu lassen, und es gibt solche, die Kampf nicht mehr kennen, weil sie ausgekämpft haben und zu einem strömenden Reichtum gelangt sind. Totenhände können auch so sein. Arbeit formt die Hand und das Gefühl. Sicher und tastend ist die Hand des Arztes, die im kranken Körper die Ursache sucht. Ihnen allen sind drei Grundzüge eigen: Greifen, Fassen, Halten. Greifen in der ungewjssen Gebärde des Suchens, Fassen in der aufatmenden Bewegung des Gefundenhabens, und Halten in der sichern Regung des nimmer wieder Verlierens. Das, was man liebt, wonach man sich sehnt, möchte man greifen, fassen und halten. Um das unklar Verschwommene zu gestalten in klaren Begriff, gilt's zu fassen, zu greifen, zu halten. Wenn sie aber nach' Unerreichbarem sich sehnt, nach dem, was im Himmel oben und auf Erden unten ihr nicht vergönnt ist, dann bleibt die Gebärde und ihr Wille unvollendet und unvollkommen, die sehnend sieh gebreiteten, zum Fassen gerundeten Hände finden sich zusammen und werden betende, demütige Wesen. Oder die Faust zerreist zornig die Gebärde. Solchen sollte man « an die Hand » gehen. dCandschuPunode im den (kalmenden