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E_1935_Zeitung_Nr.079

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BERN, Dienstag, 1. Oktober 1935 Nummer 20 Rp. 31.Jährgang - N° 79 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Das automobilistische Steuer-Einmaleins 2X2 = ? «Bei einer sehr erheblichen TJeberschreitung äer Tragfähigkeit kann der steuerliche Ertrag sehr bedeutend zurückgehen, obwohl der Steuersatz vielfach auf das Mehrfache erhöht worden ist.» Diese Tatsache bezeichnet man als das Steuer-Einmaleins des geistvollen Engländers Jonathan Swift (1728), der schon im 18. Jahrhundert die Behauptung aufstellte, dass in Steuerangelegenheiten 2 mal 2, wenn einmal das fiskalische Optimum überschritten, nicht 4, sondern nur 1, manchmal sogar null ergebe. Wie bereits in der letzten Nummer, im Artikel «Immer- mehr Steuern», hervorgehoben wurde, dürfte die fiskalische Belastung des schweizerischen Motorfahrzeugverkehrs auch ohne die jüngste Benzinzollerhöhung bereits dasjenige Niveau erreicht haben, bei welchem die Ersetzung des historischen durch das automobilistische Steuer-Einmaleins in vollem Umfange zur Tatsache werden muss. Es sei an Hand einiger ausländischer Beispiele nachgewiesen, dass die von unseren Behörden immer noch vertretene Auffassung, wonach sich auch heute noch eine weitere Belastung des Motorfahrzeugverkehrs rechtfertige, 'phne mit einem Rückgang der Erträgnisse rechnen,zu,müssen, als irrig zu bezeichnen ist. * rIn den Vereinigten Staaten von Amerika, dem am weitaus stärksten motorisierten Lande der Erde, haben sich Automobilbestand und -Produktion in den letzten Jahren folgendermassen entwickelt: Bestand an Per- Produktion von Personen-u. Lastwagen sonen- u. Lastwagen (in 1000 Stück) 1928 23127 4359 1929 24 493 53ö8 1930 26 657 3356 1931 23 993 2390 1932 24 341 1371 1933 23 849 1920 1934 • 24 751 2778 1935 25 000 3400 (geschätzt) Bei relativ massigen Benzinabgaben von durchschnittlich 2—3 Cents pro Gallone (4,54 Liter) verzeichnete die Union den höchsten Motorfahrzeugbestand in den Jahren 1930 und 1931; der Staat vereinnahmte damals 400, resp. 500 Mill. Dollar, exkl. der 500 Mill. Dollar, die ihm aus andern Motorfahrzeugabgaben zuflössen. Mit zunehmender Versteifung der wirtschaftlichen Lage und im Hinblick auf den teilweise hierdurch bedingten Rückgang des Motorfahrzeugbestandes wie der Benzinabgaben glaubte der Staat, das Die Versuchung des Joos Utenhoven. Von Karl Rosner. (31. Fortsetzung.) Worte, die er am Abend vorher erst gesprochen hatte, wollten mahnend und hemmend an ihn heran: wozu? — für wen? — hat alles das für dich noch Sinn und Zweck? Er hieb sie von sich fort: Und wenn ich's tue in Erinnerung an sie ? Weil sie die Arbeit liebte — weil sie immer wieder nach ihr fragte — bis damals in die letzten Stunden noch! Er peitschte sich hinein in die Idee: Und war es nicht wahrhaftig etwas anderes, ob er sich da in der Bellevuestrasse bemühte, dem oder jenem einen alten Meister, eine Paduaner Bronze mit Gewinn zu verhökern — oder ob er hier aus dem Schutt, aus dem Purpurdunkel einer versunkenen Kultur das iBild, das Werk eines in seiner Art gewaltigen Kerls klar herauszuholen suchte ? Eines rücksichtslos ringenden Kämpfers, der seine Schaffenskraft so hoch anschlug, dass er für sich und für den grössten Meister seiner Zeit, den flammend heiss gehassten Michelagnolo, nicht Raum genug auf dieser Erde sah —?! Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Autler-Felerabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue,.Bern Gesehirtsstelle Zürich: LowenstraSse 51, Telephon 39.743 entstandene Manko durch Steuererhöhungen ausgleichen zu können. Die in der Folge getroffenen Massnahmen gefährdeten die weitere Entwicklung der motorisierten Verkehrswirtschaft aber aufs schwerste. Am 1. Juli 1932 wurde die neue Steuer auf Motorfahrzeuge eingeführt. Im nämlichen Monat sank die Produktion der amerikanischen Automobilindustrie um 38 %, um in den folgenden Berichtsabschnitten derart zurückzugehen, dass 1932 mit einem Rekordtiefstand der Produktion abschloss. Diese Entwicklung hatte übrigens recht ungeahnte Auswirkungen auf die gesamte industrielle Tätigkeit des Landes zur Folge, verbrauchte doch die amerikanische Automobilindustrie im gleichen Jahre folgende Quoten der Gesamtproduktion nachstehender Rohstoff- oder Halbfabrikatproduzenten: Brennstoff: 85 % (85 % im Jahre 1934), Gummi 81 (80) %, Oel und Fett 53 (53) %, Spiegelglas 60 (70) %, Stahl 22 (27) %, Blei 35,8 (39) %, Aluminium 25 (23) %, Nickel 28 (24) %, Kupfer 11 (19) % und Hartholz 17 (14) %. Als die schädigenden Auswirkungen der neuen Steuern alsbald erkannt wurden, und dabei müssen, an den schweizerischen Verhältnis-, sen gemessen, nicht die amerikanischen, sondern die unsrigen Belastungen als «amerikanisch » bezeichnet werden, beträgt doch die Abgabe eines 1320 kg schweren Vierzylinders in der Union nur 100 bis 130 Fr. und diejenigen eines 1067 kg wiegenden Sechszylinders 150—160 Fr., ist man zu einer Reduktion der Steuersätze geschritten, die sich sofort in einer Bestandeszunahme, namentlich aber in einer kräftigen Produktionserhöhung auswirkte. , Aehnlich wie bei uns glaubten auch einige Bundesstaaten, einerseits durch Steuererhöhung sich vermehrte Einnahmen verschaffen zu können. So steigerte z. B. Pennsylvania die Betriebsstoffsteuer um einen Drittel, mit dem Ergebnis, dass nach Verlauf eines Jahres eine Einnahme von 2681000 Dollar zu verbuchen war. Daraufhin wurde wiederum der alte Ansatz eingeführt, und nach einem weiteren Iahr, trotz zunehmender Verschärfung der Wirtschaftslage, konnte eine Gesamteinnahme von 3 880000 Dollar ausgewiesen werden. Obschon die amerikanischen Belastungen des Motorfahrzeugverkehrs, verglichen mit den europäischen, als recht bescheiden gelten Ein Untertauchen war das in ein© völlig andere Welt — Als eine Flamme, die emporbrach, fühlte er in sich den Trieb zum Schaffen. Am liebsten hätte er sich gleich an seinen Schreibtisch hingesetzt, das Material zur Arbeit vorgeholt — Aber da war ein anderes, das vorher und den ganzen Morgen schon in ihm gewesen war, und forderte Erfüllung: auf den Friedhof hatte er fahren wollen. Jetzt sollte dieser Weg zu ihr vor seinem Arbeitsanfang stehen. So machte er sich los, fuhr wieder den Weg, den er in diesen Wochen beinahe Tag für Tag gefahren war — Wie er da jede Strasse und wie er in dem grossen stillen Qarten schon jede Biegung der Alleen, jeden Grabstein kannte! Dann stand er draussen in der hellen Frühsommersonne, in einem Schwall von Duft, der Blühen und Verwelken in einem war, in einem leisen Ineinander von Vogelzwitschern und Insektensummen vor ihrem Grab und suchte sie —. Suchte ihr Bilfl und ihre Stimme, wo so oft nun schon — so oft — und fühlte sich doch fern von ihr und ohne ihre Nähe, wie er auch wusste, dass sie hier — hier unten vor ihm in der Tiefe lag, und dass es ihre roten Rosen waren, die da dufteten und glühten. Elke-Maria — dachte er —, warum nur können, hat doch die Unzufriedenheit bezüglich der als "zu stark erachteten Ueberspannung der Triebstoffbelastung und vor allem über die zweckfremde Verwendung von Motorfahrzeugeinnahmen in den Programmen der politischen Parteien der Einzelstaaten erstmals während der letztjährigen Herbstwahlen ihren Niederschlag gefunden. Demokraten wie Republikaner sprachen sich grundsätzlich gegen jede weitere Erhöhung der Steuersätze aus und hatten für jene Staaten, in denen die Steuer als unangemessen hoch erachtet wurde, eine unverzügliche Reduktion gefordert. Mit aller Entschiedenheit wurde der Kampf, namentlich gegen die artfremde Verwendung der vom amerikanischen Strassenverkehr aufgebrachten Erträgnisse, geführt. In Amerika sind eben, im Gegensatz zu manchen europäischen Staaten, vor allem zur schweizerischen Eidgenossenschaft (ständerätliche Benzinzolldebatte), Fragen des Motorfahrzeugverkehrs zu einer Angelegenheit des Volksganzen geworden, ein Beispiel, das auch auf dem alten Kontinent nachgeahmt zu werden verdient. Zieht man die Zahl der am Strassenverkehr interessierten Personen in Betracht, so muss man sich wundern, wie wenig Aufmerksamkeit dieser Frage im allgemeinen geschenkt wird. Wohl bilden die motorisierten Strassenbenützer schon längst eine grosse Gemeinschaft, doch solange sich diese damit abfindet, zu immer einschneidenderen Steuerbelastungen herangezogen zu werden, solange müssten die Regierungen Dummköpfe sein, Wenn sie. aus dieser Indifferenz keinen Nutzen zögen. Gerade in unseren eidgenössischen Räten würde sicherlich mancher Ratsherr sich einer etwas gewählteren Ausdrucksweise mit Bezug auf die Automobilisten 'befleissen, speziell im Zeichen der Wahlen, wenn in unserer schweizerischen Verkehrspolitik weniger Personenkultus getrieben, die teilweise engstirnige Verbandspolitik verlassen und nach amerikanischem Vorbild aufmarschiert werden könnte. Eine Reihe instruktiver Beispiele sowohl überlebter als neuzeitlicher Steuerpolitik für Motorfahrzeuge bietet insbesondere auch Europa, in erster Linie Deutschland, das vor und nach dem Kriege eine sehr bescheidene Motorisierung aufwies. Den Höhepunkt erreichte die Motorfahrzeugwirtschaft hier im Jahre 1929, resp. 1930. Während beim damaligen deutschen Bestand auf 10 000 Einwohner hur 67 Personenwagen entfielen, stellte sich das entsprechende Verhältnis in Frankreich auf 233 und in Grossbritannien auf 240 Wagen. Als im Verlaufe der Wirtschaftskrise dann die ausländischen Kredite sehe ich dich nicht? Und dachte weiter, inbrünstig und drängend, als ob er zu ihr spräche: Nach meiner Arbeit hast du mich gefragt, und ich habe die Frage nicht verstanden. — Jetzt steht sie wieder vor mir, und zeigt mir vielleicht den Weg, der mich aus dieser Wirrnis in die Stille führt —. Es war elf Uhr vorüber, als er wieder in seiner Wohnung war, vor seinem Schreibtisch stand. Dann lag das Manuskript vor ihm, die Mappen mit den Bildern waren nah gerückt, der Zettelkasten mit seinen aus der Fülle des gesichteten Materials zusammengetragenen Auszügen, Daten und Notizen. Er las, was da zuletzt nach seinen Niederschriften und Diktaten von Fräulein Erler übertragen worden war : mitten im Fluss des gussfertigen Stoffes hatte er die Arbeit damals abgebrochen — in dem Kapitel, das dem Ringen der beiden um den riesigen Marmorblock gelten sollte, den Soderini schon im Jahre 1507 für Michelagnolos geplantes Gegenstück zu seinem < David» in Carrara hatte brechen lassen, und den « die Bestie Bandinelli» über ein halbes Menschenälter später unter dem Zehnten Leo für seinen «Herkules» an sich riss — Und plötzlich fühlte sich Joos Utenhoven wieder umströmt und hingerissen von dem Stoffe. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezlaltarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute über: Masaryk-Rennen. Rundrennen von Lucca. Rennfahrer-Rangliste. Die Verjährung im MFG. Nationale Segelfliegenn eis terschaften in Bern. 90 Mill. Flugkilometer pro Jahr. Geräumigere, leichtere Wagen. Vergleichsmessungen an Standard- und Stromlinienwagen. -111111 i/y Entwicklung den Motor-. (L '. fahrzeugbestände / / (BW. u. L-W.J—|— -J- 4- — 1 1 1 Ltf~T f Grossbrittnnien __^ 7TT" : J—[\ • ( / Fran reich / I / / Deutschland ±i/±rqzii W9 1920 B2G 1927 1928 19?9 1930 1931 1932 1933 1934 I93S in immer stärkerem Masse zurückgezogen wurden, folgte 1931 ein beispielloser Zusammenbruch und 1932 ein hoffnungsloser Tief-* stand der gesamten Wirtschaft. Dieser Abstieg widerspiegelte sich deutlich in der Motorisierung, begann sich doch das Tempo der Motorfahrzeugbestandzunahme von 1930 auf 1931 stark zu verringern, um von 1931 bis 1932, erstmals in der Nachkriegsperiode, in Als ob nicht viele, viele Wochen vergangen wären, seit er all das aus seinen Gedanken und aus den Händen sinken Hess — als ob er nur den fortgelegten Faden aufnehmen, die Feder ansetzen oder die Lippen zum Diktat zu öffnen brauchte, damit das alles so wie vorher — nein besser ! — wie unter dem Druck angestauter Kräfte weiterfliessen konnte — Bilder standen vor ihm, pulsten und flirrten in buntem Leben, drängten danach, dass es sie jetzt in Worte gösse : Florenz — und Sommer — ein glühend heisser Julitag —. Nach Dunst von Wasser riecht es süsslich faul — nach überreifen Früchten —. Am rechten Arnoufer unweit der Ponte Vecchio ist die schwarze Barke vertäut. Menschen umher — Kopf neben Kopf, als ob die ganze Stadt erregt und auf den Beinen wäre und das Ereignis miterleben müsste: den grossen Augenblick,, in dem der vielumstrittene Riesenblock jetzt seinen Einzug halten würde in Florenz. Geschrei, Zuruf, Gedränge, Streit und Lachen. Ein paar Witzbolde können sich gar nicht genugtun in ihren heiteren Glossen. Und auf der Barke, bei den Hebezeugeri, zwischen den Schiffsknechten,' den Steinmetzen und Gesellen einer in rotem Wams, der aufgeregt und gierig einherfegt. der noch lauter schreit als alle anderen, und der mit wilden