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E_1935_Zeitung_Nr.079

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — N« 79 Diskusslonsecke Vergleichsmessungen an Standard- und Stromlinienwageri. Unter diesem Titel berichtete Oberingenieur P. Jaray in No. 56 und 58 der «A. R.» über eine Anzahl von Messungen die z. T. bisher nicht veröffentlicht wurden. Die Ueberlegenheit der Stromlinienkarosserie für hohe Geschwindigkeit bedarf keines weiteren Beweises, die angeführten Massergebnisse erscheinen jedoch z.T. ungeeignet, die ebenso hohe Ueberlegenheit der Stromlinienkarosserie auch bei geringerer Geschwindigkeit zu beweisen, worauf der Verfasser besonderen Wert zu legen scheint. Wenn man es auch hinnehmen muss, dass manche Versuche mit ungleichen Wagengewichten, ungleichen Motorleistungen, ungleichen Vergasereinstellungen, ungleichen Uebersetzungen und über verschiedene Wegstrekken durchgeführt wurden und somit die exakten Vergleichsmöglichkeiten fehlen, kann doch die Bewertung der Messergebnisse etwas vorsichtiger und kritischer erfolgen. Einige Betrachtungen zu den obigen Messungen werden zeigen, dass eine Kritik berechtigt ist Die 'Aaslaufversuche Ley werden auf einer Berg- und Talbahn ausgeführt. Der geringste Unterschied des Laufwiderstandes von 2 Wagen würde z.B. theoretisch ausreichen, dass der eine vor der ersten Bodenwelle zum Stillstand kommt, während der andere immer wieder Schwung holend bis ans Ende der Welt läuft. Nun ziehe man Vergleiche! Ganz ungewöhnlich ist ferner das Verfahren in der Messtechnik, das Minimum einer Messreihe mit dem Maximum einer anderen Reihe zu vergleichen. Auf diese Weise werden 60% Mehrleistung des Jaraywagens errechnet, während auf Grund der mittleren Geschwindigkeit ca. 24% Verbesserung durch die Stromlinienkarosserie erzielt wurden, woferne man überhaupt diesen Versuch anerkennen will. Aus der grossen Streuung ist schon ersichtlich, dass nur eine Vielzahl von Versuchen zu einigermassen brauchbaren Zahlenergebnissen führen. Wenn ferner diese Art der Vergleichsmessung — Beschleunigung im Gefälle — ausgeführt wird, sollte die Messung auf einem möglichst gleichbleibenden Gefälle erfolgen, also hier etwa z. B. auf den ersten 300 m Wegstrecke zum Abschluss kommen, durch Zeit oder Geschwindigkeitsmessung an der Endmarke der Messtrecke. Auslaufversuche Brüderlin. Die relativ geringsten Fehler bei Auslaufversuchen werden stets bei hoher Geschwindigkeit entstehen. Wird der Auslaufweg des Standardwagens mit S= 1022 m bei V = 93 km/St., dem Auslaufweg des Jaraywagens S = 1325 gegenübergestellt (wobei der Wert für V = 93 km/St, durch Extrapolieren ermittelt wurde) dann ergibt dieser ein Plus 29,6%. Es ist selbstverständlich, dass bei Auslaufen aus geringerer Geschwindigkeit der relative Unterschied der Auslaufwege kleiner werden muss, da ja schliesslich nur der bei beiden Wagen gleich grosse Rollenwiderstand als verzögernde Kraft übrig bleibt. Dennoch ist die Ueberlegenheit des Jaraywagens bei V = 11 Kilometer 32,8%, bei 20 km Sogar 36,2%, bei welcher Geschwindigkeit der Luftwiderstand praktisch bedeutungslos ist. Diese Messfehler sind offenbar durch Unebenheiten der Fahrbahn, die der Verfasser mit Wi % selbst erwähnt, hervorgerufen worden, Diese Fehlerquellen müssen bei derartigen Versuchen und ihrer Auswertung aber wohl beachtet werden, wie obiges Beispiel zeigt. Bei V=ll km/St, sind die Auslaufwege mit S = 48,6 m (Standard) und S = 64,5 m (Jaray) gemessen worden, was einer mittleren Verzögerungskraft von P = ll,7 kg bzw. P' = 8,83 kg entspricht. Ein zusätzliches Gefälle von nur 0,2% würde bereits genügen, um diese Messdifferenz zu erklären, die hier fälschlicherweise der Ueberlegenheit der Stromlinienkarosserie zugute gebracht wird. Genaue Auslauiversuche sind immer recht schwierig, weil eben keine Strasse ganz eben ist und auch die Rollverhältnisse wechseln. Die erhaltenen Messwerte streuen sehr stark wie z.B. auch die Messpunkte zeigen, die mit einem Chryslerwagen Abb. 15 erhalten wurde. Allerdings wurde diese Streuung durch einen graphischen Ausgleich beseitigt, die beiden Kurven stellen aber eine Verfälschung der Messwerte bzw. ihres möglichen Verlaufes dar. Die Vergrösserung des Auslaufweges mit der Stromlinienkarosserie beträgt bei V = 80 km/St, etwa 30% und müsste bei niedrigerer Geschwindigkeit abnehmen. Die Kurven zeigen jedoch bei 40 km zirka 37%, bei 20 km zirka 40%, bei 10 km zirka 50% Plus des Jaraywagens. R. Eberan-Eberharst, Versuchsingenieur. Oberlng. P. Jaray erwidert darauf folgendes: i. Von einer « ebenso hohen Ueberlegenheit» des Stromlinienwagens bei geringen Geschwindigkeiten ist in meinem Bericht nirgendwo die Rede. Der Bericht stellt lediglich fest, was die verschiedenen Experten bei verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten ermittelt haben. Da es sich um anerkannte Fachleute handelt, braucht ihre Glaubwürdigkeit nicht bewiesen zu werden. Dass die Stromlinienkarosserie der Kastenkarosserie, auch bei geringen Geschwindigkeiten überlegen ist; haben die Versuche eindeutig bewiesen. Von einer «ebenso hohen Ueberlegenheit» wie bei hohen Geschwindigkeiten ist im ganzen Bericht kein Wort gesagt. 2. Man muss es keineswegs < hinnehmen », dass ungleiche Wagengewichte, ungleiche Motorleistungen usw. verwendet wurden, denn wo solche Ungleichheiten bestanden, sind sie in den Berichten ausdrücklich hervorgehoben. Ueberdies war bei diesen Ungleichheiten stets der Stromlinienwagen der leidende Teil, denn es wurde streng darauf gesehen, den Stromlinienwagen niemals zu begünstigen. « Verschiedene Wegstrecken », von denen der Verfasser spricht, sind niemals verwendet worden, vielmehr sind die jeweiligen Versuche stets auf den gleichen Wegstrecken ausgeführt worden. Dass der Stromlinienwagen bei den von Conrad überwachten Ley-Versuchen längere Wegstrecken zurückgebet hat, kann man ihm ja schliesslich nicht als Fehler anrechnen. Jedenfalls muss auch hier gesagt werden, dass alle Versuche von den betreffenden Experten so sorgfältig wie möglich vorbereitet und ausgeführt worden sind und dass ihre Berichte wörtlich wiedergegeben wurden. 3. Die Ley-Auslaufstrecke ist keine Berg- und Talbahn, wie der Kritiker schreibt. Abgesehen von einer etwa 200 m langen horizontalen Strecke besteht vom Start in 432,5 m Höhe bis zum tiefsten Funkt in 411 m Höhe die ganze Fahrbahn aus Gefälle; der daran anschliessende bergaufgehende Teil ist von keinem der normalkarossierten Vergleichswagen erreicht worden. Dass diese Vergleichswagen gerade auf der 0,8% geneigten Strecke zum Stillstand kamen, beweist, dass hier eine Beschleunigung durch das Gefälle allein gar nicht mehr möglich war. Eine kleine Rechnung gibt den ziffernmässigen Beleg dafür: in dem Zustand, in dem sich die Strasse laut dem Bericht Conrads befand, verursachte sie einen Rollwiderstand von wenigstens 15 kg/t Daraus ergibt'sich bei einem Gesamtgewicht — alle Wagen wurden für diese Versuche auf genau gleiches Gewicht gebracht! — von 1350 kg ein Rollwiderstand von 20 kg. Das Gefälle von 0,8% verursachte dagegen eine Zugkraft von nur 11 kg. Bleiben also immer noch 9 kg als Bremswiderstand übrig, der ohne einen vor dem Gefälle noch vorhandenen Schwung gar nicht überwunden werden konnte. Dass die Versuchsergebnisse sich nicht auf Zufall oder Ungleichheiten zurückführen lassen, zeigen die dicht nebeneinander befindlichen Endpunkte der Fahrtstrecke einerseits der Stromlinienwagen, anderseits der Standardwagen. Was der Kritiker in dieser Hinsicht schreibt, ist also vollständig aus der Luft gegriffen. 4. Bei den betreffenden Versuchen ist keineswegs das Minimum der einen Messreihe mit dem Maximum der andern verglichen worden. Ehe der Kritiker eine derartige Beschuldigung aussprach, hätte er sich an der Hand des Originalberichts, der ja leicht zugänglich ist, über die Einzelheiten vergewissern müssen. Es ist im Text lediglich erwähnt, wie gross der Unterschied zwischen Minimum und Maximum ist. Die von Conrad errechnete Mehr-t leigtung bezieht sich keineswegs auf die Unterschiede in der Fahrtstrecke allein, sondern er bestimmt aus der Steigleistung der Stromlinienwagen die Strecke, die sich ergeben würde, wenn sie horizontal verliefe. Die hierauf bezügliche Ableitung, die sich in der Zeitschrift « Der Motorwagen », Heft 23/24 vom August 1923, befindet, blieb in der vorliegenden zusammenfassenden Darstellung weg. Da die Quelle angegeben wurde, kann jeder Interessent leicht auf das Original zurückgreifen. 5. Auch die Auslaufversuche von Brüderlin sind so sorgfältig wie möglich gemacht worden. Es besteht gar kein Grund, an den gegebenen Zahlen zu zweifeln, zumal ja diese Ergebnisse durch die andern Versuche immer wieder bestätigt werden. Es ist auch nicht < selbstverständlich, dass beim Auslaufen aus geringerer Geschwindigkeit der relative Unterschied des Auslaufweges kleiner werden muss ». Wenigstens nicht, was die Geschwindigkeiten bis herunter zu etwa 20 km/St, betrifft, denn der Luftwiderstand ist bei einer Geschwindigkeit von 20 km/St, keineswegs < praktisch bedeutungslos >, wie der Kritiker meint. Dass Messfehler immer vorhanden sind, ist selbstverständlich. Sie sind bei normal karossierten Wagen genau so gut vorhanden wie bei Stromlinienwagen; sie liegen aber nicht in der Grosse der hier nachgewiesenen Unterschiede. Um sie auszumerzen, macht man Versuchsreihen. Dass diese Reihen bei Landstrassenversuchen, wie sie hier vorliegen, nicht Hunderte von Fahrten umfassen können, ist selbstverständlich. Im übrigen streuen die Ergebnisse der Brüderlinschen Messungen keineswegs stärker als es bei ähnlichen Versuchen stets der Fall ist Die Auslaufkurven, Abb. 7, Seite 11, der « Automobil-Revue », Nr. 56, vom 12. Juli 1935, zeigen dies sehr deutlich, denn die Gleichmässigkeit der Kurven, die sämtliche Messpunkte bis auf zwei verbinden, lässt kaum etwas zu wünschen übrig. Dass in den unteren Bereichen schon kleine Ungenauigkeiten grosse prozentuale Unterschiede ergeben, ist jedem bekannt, der etwas von Mathematik versteht. Im übrigen muss zu diesem Kurvenblatt noch gesagt werden, dass der Experte die Kurve des Standardwagens mit Absicht niedriger legte, um den Stromlinienwagen nicht zu begünstigen. Wäre die Kurve des Standardwagens so gelegt worden, wie es die Messpunkte verlangen, so wären die prozentualen Unterschiede im gesamten grösser und auch im Verlauf gegen den Nullpunkt. Dass die Werte bei 10 km/St. Geschwindigkeit ausserordentlich nah beisammenliegen, ist selbstverständlich; sie können also überhaupt nicht in der vom Kritiker angegebenen Weise ausgewertet werden. Sie sind in meiner Arbeit angeführt, weil der Expertenbericht diese Zahlen auch enthält und weil alle Zahlenwerte so wiedergegeben wurden, wie die Experten sie in ihren Berichten festlegten. Werturteile wurden von mir in keinem Falle gefällt. Zweck des Artikels war lediglich, der Fachwelt die Unterlagen zu geben, die< für eine sachgemässe Beurteilung des Stomlinienproblems nötig sind. Oberine. P. Jaray. Veranstaltungen. 1. schweizerische Verkehrs-Ausstellung «Luva», Luzern. Vom 21. September bis 5. Oktober 1935 beherbergen die Bäume des Luzerner Kursaals eine! sowohl in historischer Hinsicht, wie auch vom tou-; ristischen, technischen und vor allem vom verkehrspolitischen Standpunkt aus interessante Schau schweizerischer Verkehrsdokumente, welche die Entwicklung des Eisenbahn-, Strassen- und Luftverkehrs bis zur Gegenwart verkörpern. Im Parterre kann man sich am Stand der eidg. Postverwaltung die Unterschiede des Reisens mit dem achtplätzigen Coupe-Landauer. Baujahr 1889, und einem modernen Sechsrad-Alpenwagen vor Augen führen lassen. Eine Reihe alter Stiche geben Kenntnis von der beschwerlichen Art 'der Postreisen über die Schweizer Alpenpässe vor dem Bau der Schienenwege durch unsere Alpen. Zahlreiche Photographien vom heutigen motorisierten Alpenstrassen-Postverkehr dokumentieren vor allem die Wiederbelebung des nach dem Anbruch des Eisenbahnzeitalters immer mehr dem Dornröschenschlaf anheimfallenden Alpenstrassenverkehrs. Eine blumenbestickte Reisetasche, wie sie hat sich dem Städteverband zur Verfügung gestellt, um solche zweckmässig durchzuführen und zu Grossvaters Zeiten auf der Hochzeitsreise diente, lässt deutlich den Wandel in der Auffassung über den Umfang des Reisekomforts in Er- bereits besteht bei der Verkehrskommission des Völkerbundes die Absicht, durch ein besonderes scheinung treten. Früher reichte eine kleine Tasche aus, um für Wochen, ja sogar Monate, den Verkehrssignal Städte mit Hupverbot zu kennzeichnen. Die Verkehrsregelung in der Schweiz Besitzer als treuen Reisegefährten restlos zu befriedigen, während heute sogar nur für wenige wird auch international sehr beachtet und all musterhaft anerkannt. Kürzlich hat der Verbandssekretär an der Session der Verkehrskom- Tage ein Berg von Koffern mitgeschleppt wird, auch ein Zeichen des Ueberganges zum materialistischen Zeitalter! Der Publizitätsdienst der mission beim Völkerbund als Vertreter des internationalen Städteverbandes die internationale Beachtung des schweizerischen Verkehrswesen» S.B.B, z'eigt das von einem Berner Mechaniker erstellte Modell einer schweizerischen Bergbahnstrecke, und zwar handelt es sich um die eisen- feststellen können. Es steht zu erwarten, dasg die schweizerischen Ortstafeln, die den Beginn des bahntechnisch recht interessante Darstellung der Städteregimes (Vortritt des von rechts kommen^ Entwicklung der Bahnanlagen bei Bergün. Die in den Fahrzeuges) anzeigt, international empfohlen naturgetreuem Modell dargestellte Strecke an der Albula-Linie hat an der diesjährigen Pariser Messe die besondere Aufmerksamkeit der Besucher-auf «ich gelenkt und sicherlich dazu beigetragen, das ausländische Interesse an unserem alpinen Eisenbahnbau zu wecken. Aber auch in Luzern ist-dieser Stand mit den vielen Kehren, Ueberführungen, Weichen und Tunnels stets umlagert. Das Modell der Nord-Ostbahn- Lokomotive «Aare», welche am 7. August 1847 erstmals auf der Strecke Zürich—Baden verkehrte, begegnete verkehrsgeschichtlichem Interesse, wie auch die Bilder von Bahnreisen aus alter und neuer Zeit. An Hand eines Zugsmodells einer elektrischen SBB-Maschine 2 Co 1 und demjenigen des Schnelltriebwagens (roter Pfeil) lässt sich die neuzeitliche Entwicklung des Lokomotivbaus klar verfolgen, vor allem auch im Zusammenhang mit dem Modell einer Dampfschnellzugsmaschine von Mundwyler (Luzern). Die Lötschbergbahn ist mit ihrer 4500-PS-Lokomotive vertreten. Modelle, von Bergbahnen (Pilatus, Vitznau-Rigi, Schwyz-Stoos, Fürigen, Luftseilbahn Gerschnialp-Trübsee) bieten auch einen Einblick in die in unserem Land besonders ausgebaute Technik des Bergbahnenbaus. Die Dampfschiff-Gesellschaft des Vierwaldstättersees ist mit 2 Modellen vertreten, und zwar mit dem Motorboot «Mythen» und der Drillings-Gleichstrom- Dampfmaschine des 1400-PS-Salon-Dampfers «Stadt Luzern». Die obern Räume des Kursaals sind vornehmlich dem Alpinismus, der Strasse und dem Flugwesen gewidmet. Instruktive Stände des T.C.S. und A.C.S. vermitteln einen Einblick in die gewaltige Arbeit, die diese beiden Organisationen, namentlich auf strassenverkehrspolitisohem Gebiet, leisten. Der T.C.S. stellt ein Fahrzeug seines motorisierten Strassenhilfsdienstes aus, der bekanntlich allen Strassenbenützern unentgeltlich zur Verfügung steht. CH-Touring, CH-Schweiz und der Alpenführer der Hallwag werben in diesem Stande, namentlich für den autotouristischen Gedanken. Der A.C.S. orientiert an natürlichen Modellen über die Einrichtung des SOS-Telephondienstes, wie auch über den Wasser- Hilfsdienst Der Schweiz. Autostrassenverein wirbt für den Gedanken des Autostrassenbaus in der Schweiz, und zwar mit einer Reihe interessanter Karten-Studien. Besonderem Interesse begegnet die projektierte Fernverkehrsstrasse Basel-Olten-Luzern mit den verschiedenen Varianten, dann das Schema des schweizerischen Fernverkehrsstrassennetzes und die instruktiven Bilder über den Ausbau der Südrampe der Gotthardstrasse. Ein Uebersichtsplan im Maßstab 1:1000 (Ins. Erni, Luzern) orientiert über die projektierte Linienführung der linksufrigen Vierwaldstättersee T strasse. Weitere Bilder orientieren über die schweizerische Verkehrswerbung im Ausland, dann über die Entwicklung des Flugverkehrs, mit reichhaltigem statistischem Zahlenmaterial (Aero-Club). Verschiedene Modelle moderner Verkehrsflugzeuge der Swissair und der Alpar und ein Original-Segelflugzeug W. F. 8, wie auch das Relief des projektierten Flugplatzes Luzern werben für die Aviatik. Das Modell eines Vermessungsflugzeuges der eidgen. Landestopographie bietet Einblick in ein allgemein wenig bekanntes, aber äussSrst interessantes Tätigkeitsgebiet. Unter dem Motto «Das neue Antlitz der Schweiz» ist die Schweizerische Verkehrszentrale mit 30 das typische schweizerische Landschaftsbild Verkörpernden Aufnahmen vertreten. Die Ausstellung vermittelt, im grossen und ganzen genommen, einen klaren Einblick über die Entwicklung des schweizerischen Verkehrswesens und verdient nicht nur von den direkt am Verkehrswesen interessierten Kreisen besucht, sondern namentlich auch von den Behörden berücksichtigt zu werden, weist sie doch Wege, die besonders für den Automobilismus von gebieterischer Notwendigkeit sind, will die Schweiz nicht noch mehr ins Hintertreffen geraten. Wy. Schweizerischer Städteverband. Am 28. Sept. sind in der Hauptstadt des Kt Wallis die Vertreter von 59 Schweizer Städten zusammengekommen. In Anwesenheit von rund 120 Delegierten wurde die 1. offizielle Sitzung durch den Sittener Städtpräsidenten eröffnet. Im Mittelpunkt des ersten Tages stand das glanzvolle Referat von Verbandssekretär Dr. G. von Schulthess (Zürich), über «Die Schweizer Städte in der Wirtschaftskrise. Der blaue Walliser Himmel hat viele Delegierte am Sonntag zu Exkursionen eingeladen, so dass die Verhandlungen an diesem Tage vor etwas gelichteten Reihen stattfinden mussten. Zur Diskussion stand das Thema «Marktorganisation in den Städten». Der dem Städtetag vorgelegte Geschäftsbericht, umfassend den Zeitraum vom 1. Juli 1934 bis 30. Juni 1935 enthält wiederum eine Reihe den motorisierten Strassenverkehr interessierende Fragen. Vorerst konstatiert der Bericht, dass auf dem Gebiet des Strassenverkehrs im Berichtsjahr eine erfreuliche Zusammenarbeit mit dem eidg. Justizund Polizeidepartement ausgebaut werden konnte. Mit Genugtuung stellt der Vorstand fest, dass er in der Polizeikommission des Städteverbandes ein Instrument besitze, dessen Erfahrungen immer wieder von den massgebenden Bundesstellen herangezogen werden. Soeben hat diese eine Musterverordnung für den städtischen Strassej#erkehr fertiggestellt und dem Departement mit der Bitte eingereicht, dazu Stellung zu nehmen, bevor sie den Städten zur Einführung überlassen wird, hat sich doch der Bundesrat bekanntlich im Bedarfsfall den Erlass von einheitlichen Vorschriften über den Lokalverkehr laut M. F. G. Artikel 69 vorbehalten. Der Bericht äussert sich weiter über die vom Städteverband seit Jahren eingeleiteten Massnahmen gegen die Lärmbekämpfung. Diese ist als das beste Mittel zur Erziehung sorgfältiger Fahrer und dadurch zur Vermeidung von Unfällen erkannt worden. Sogenannte Lärmbekämpf ungs- und Verkehrswochen in verschiedenen Städten hatten vorzügliche Erfolge zu verzeichnen. Der T. C. S. Wird. Neu Signaltafeln sollen das Verbot des Ueberholens und Kreuzens dort regeln, wo es behördlicherseits angeordnet wird, auch wenn Ueberholen und Kreuzen möglich wären. Schwierigkeiten geben bei der Förderung der automatischen Signale an Strassenkreuzungen,, weil hier immer noch technische Verbesserungen zu erwarten sind. Die Regelung dieser Frage ist leider bis heute von der Verkehrskommis'sion des Völkerbundes noch nicht durchgeführt worden. Deren Empfehlung an die Regierungen, das ein- oder dreifarbige Signal zu wählen, wurde bis jetzt nicht nachgelebt, weil noch immer nach technischen Verbesserungen und Vereinfachungen gesucht wird und weil namentlich die Fussgänger in irgendeiner Weise mit einbezogen werden sollten. Die ausserordentlich verschiedenen Verhältnisse an den einzelnen Standorten der Apparate lassen es fraglich erscheinen, ob deren weitgehendste Vereinheitlichung überhaupt möglich ist. Die weitern, mit dem eidg. Justiz- und Polizeidepartement behandelten Fragen betreffen: Breite der Strassenreinigungsmaschinen, Hinweistafeln auf Parkplätze, Vorfahr- und Kreuzungsverbote, Bezeichnung der Hauptverkehrsstrassen. Mit Bedauern hat der Vorstand davon Kenntnis genommen, dass die letzte Konferenz kantonaler Polzeidirektoren den Wegfall der Geschwindigkeitsmaxima imAutogesete seit dessen Einführung für die Y erme h" rung der Verkehrsunfälle verantwortlich macht Die städtischen Verkehrsunfallstatistiken beweisen das Gegenteil und tun dar, dass die grosse Mehrzahl der Unfälle auf die Nichtbeachtung bestehender Vorschriften zurückzuführen ist Die E i n - führug einer neuen Geschwindijkeitsmaxima würde bestimmmt keine Reduktion der Unfälle herbeifü'hren, weil feststeht, dass ihre Beachtung durch die Polizei nicht erzwungen werden kann und Radfahrer und Fussgänger in sehr erheblichem Masse an den Unfällen beteiligt sind. a Occasions- und Automobilmarkt vom 27.—29. September. Freitag, 9 Uhr, wurde in Zürich die Ausstellung eröffnet. In den Militär-Reithallen an der Gessner-Allee sind die benzinverdauenden Brüder der Hafermotoren eingekehrt und präsentieren sich glanzstrahlend den Augen der Besucher. Kein Mensch würde glauben, dass es sich hier um Automobile handelt, die als «Occasionen» zum Verkauf angeboten sind. In* der Tat sind auch die gebrauchten Wagen stark in der Minderzahl, fast alles sind vollwertige neue Typen, die noch nie Dienst getan haben und nur infolge Ueberholung durch die Mode im Preise herabgesetzt wurden. Dem Liebhaber bietet diese Ausstellung des Interessanten ebensoviel wie einer der jährlichen grossen Automobil-Salons. In den beiden Ausstellungshallen haben insgesamt ca. 84 Wagen Platz gefunden. Mit welcher Strenge das Komitee seines Amtes gewaltet hat, ist darauf zu ersehen, dass mehrere Wagen infolge gewisser Mängel von der Schaustellung zurückgewiesen wurden. Die namhaftesten in der Schweiz bekannten Marken sind vertreten und die Objekte zogen bereits in den frühen Vormittagsstunden zahlreiche Liebhaber an. Es zeigt seih, dass der Automobil-Händler-Verband mit dieser Ausstellung einem wesentlichen Bedürfnis entsprochen hat, die vom jährlichen Kalender der Veranstaltungen nicht mehr verschwinden darf. Viel Beachtung findet der von den Schaulustigen umlagerte Tombolatisch mit fast 250 Preisen im Totalwerte von über Fr. 3000.—. Für 30 Cts. kann der glückliche Gewinner eine Akkumulatorenbatterie, eine Autoheizung, ein Paar Scintilla-Scheinwerfer oder einen sonstigen wertvollen Gegenstand nach Hause tragen. Um 10 Uhr fand im Restaurationszelt der offizielle Empfang der Presse und der Behörden durch Dir. Häfliger, Präsident des Automobil-Händler- Verbandes, statt. Der Sekretär, Dr. Frei-Zamboni, orientierte in einer kurzen Rede die Anwesenden über Zweck und Ziel der Ausstellung. Dieselbe hat nicht nur Tein geschäftlichen Hintergrund, sondern besitzt auch eine nicht zu unterschätzende volkswirtschaftliche Bedeutung. Tausende von Gewerbe^ treibenden und Geschäftsleuten vermissen in ihrem Betriebe die wertvolle Hilfe eines Automobils, teilweise aus übertriebener Vorstellung von Anschaffungs- und Betriebskosten eines derartigen Hilfsmittels. Tausende von Wagen finden auf diese Art keinen Käufer, Millionen Franken des schweizerischen Volksvermögens liegen brach, Staat und Kantonen entgehen ungeheure Summen an Verbrauchsr abgaben, Hunderten von Arbeitern des Autogewerbes könnte durch Inbetriebsetzung eines Teiles dieser stillstehenden Wagen Brot gegeben werden. Die Reichhaltigkeit und Schönheit der hier gezeigten Automobile, zusammen mit ihren niedrigen Preisen, werden hoffentlich manchen bisher noch Zurückhaltenden ermutigen, den Schritt zum praktischen Automobilisten zu wagen.

BERN, DIENSTAG, 1. OKTOBER 1935 III. BLATT DER „AUTOMOBIL-REVUE" No79 3)ankQpt&t> un 3Ce*&s Von Alfred Huqgenberger Die Bachen am Rande des Hölzliackers haben gemach ihr buntes Herbstkleid angezogen. Eichhörnchen machen sich aufs offene Feld heraus: dem Lettenbirnbaum neben dem Grenzsteine gilt ihr zögernd gewagtes Werben. Sie zernagen und vergeuden frech die herrlichen Birnen, es ist ihnen ja nur um die braunen Kerne zu tun. Ei sieh — was trottet dort für eine kleine Karawane mit Karst und Karren daher? Macht euch heim in euer Reich, ihr kleinen Schlemmer und Erzschelme! Jetzt wollen die ernten, die gesät haben! Ja, da sind sie, Bauer und Bäuerin, Kind und Kegel! Da sind wir, die rechtmässigen Eigentümer des Hölzliackers. Oder will sich so ein Eichhorn am Ende gar mucksen und auf sein Recht pochen? Augenblicks ginge ich heim, den Kaufbrief holen, um gutes Geld vom Notar mit Schnörkeln und Siegel gältig gemacht. Es ist alles in der obersten Truhe der Kommode, ich wäre bald wieder da. So — da kannst da lesen, wenn da lesen kannst! Alles schwarz auf weiss! Im Jahr soundso. Von da an hat auf dem Grenzacker niemand einen Stein mit Recht umkehren dürfen. Mein Vater kann aus ihm eine Wiese machen, eine Weizenmauer, ein Haferfeld, einfach, was ihm beliebt. Und es mag einer zehnmal im Vorbeigehen die Nase rümpfen und sagen: «Was liegt an so einer abseitigen Hungerzeig, wo sich Füchse und Hasen Gutnacht wünschen?-» Er beweist damit nur, dass mit ihm nicht viel los ist. Mein Vater hat gesagt: «Es kommt nicht darauf an, wo oder wie ein Acker ist, es kommt darauf an, ob er einem andern gehört oder mir.» " Was wahr ist, muss man wohl gelten lassen: Der Herbst hat unserm Hölzliacker recht unfreundlich zugesetzt, er hat allen Sommerhochmut von sich tun müssen. Die Kartoffelstauden sind gelb und lebensmüde geworden; viele sind sogar schon ganz eingetrocknet. Arme Herrlichkeit, was ist aus dir geworden? Was ist als Lohn für unsere saure Arbeit übriggeblieben? Wart nur erst, bis die blanken Kärste ihr Werk tun! Jeder Streich, der die scheinbar brache Erde aufbricht, bringt ein Wunder zutage: aus jeder Samenknolle sind zehn und mehr geworden, aus klein gross, aus ver~ schrumpft glatt und neu. Wie sie herauskugeln, so recht kartoffelmässig eigensinnig in Form und Grosse! Die eine Staude schenkt erstaunlichen Ueberfluss, die andere hat sich scheinbar weniger Mühe gegeben. Aha — eine ausgenagte Schäle: da ist ein Mäuslein zu Gast gewesen! Auch allerlei wunderliche Gebilde kommen zum Vorschein. Hier ein Mann mit drei Köpfen, aber ohne Beine; da eine Wurst, auf der einen Seite hat sie ein richtiges Menschengesicht mit Augen, Nase und Mund, auf der andern ein zierliches Sauschwänzlein. Dann wieder kommt eine Glücksknolle heraus, oder es sind gleich drei ganze Persönlichkeiten als Drillinge miteinander verwachsen. Wir Kinder legen eine kleine Sammlung an, die uns viel Kurzweil macht. Jeder neue Fund wird von seinem Entdecker als Eigentum angesprochen. Wie lustig, wenn man so ganz im vollen Ernst sagen kann: Morgen verschmause ich eine kartoffeine Wurst — morgen werde ich ein Menschenfresser! Langsam aber sicher wächst die Zahl der gefüllten Säcke. Sie stehen schön in Reih und Glied, der Stolz und die Freude des milden Septembertages, der Stolz und die Freude des braven Ackers. Der graue Grenzstein vergisst nicht, sich auf den Segen seiner Feldbreite auch etwas zugute zu tun. Wenn er zählen könnte, so dürfte er mit gleicher Genugtuung wir wir feststellen, dass unser Nachbar Stoller, der mit seinem Völklein auf dem Langacker drüben schafft, immer um vier Säcke hinter uns zurückbleibt. Und nun kommt der Höhepunkt des Tages: wir dürfen die dürren und welken Stauden zusammentragen, der alte Brauch des Herbstfeuers soll nicht abgehen. Unter Jubel und Hallo werden °im nahen Holz Falläste und dürres Reisig gesammelt, ein ganzer Stoss. Stollers dünne Rauchsäule soll sich neben der unsern nicht melden, bei uns müssen ganze Wellen emporsteigen. Und eine richtige Dauerglut muss entstehen: gibt es auf Erden etwas Feineres als die ersten Bratkartoffeln Wie eine Schnecke schiebt bereits die Zeit Den grössten Teil des Tags ins Haus der * Nacht Des Morgens blasse, grüne Helligkeit Trägt seltsam überleg'ne kühle Pracht. Alpabfahrt von der Froh matt bei Zweisimmen. Doch rascher neigen schon die Stunden sich. Der frühe Abend steht am Horizont. Die Nebel streichen abenteuerlich Und geisterhaft erscheint der schmale Mond. Oktober... Sanfte Wehmut ist erwacht, Noch lächelt sie in scheuer Heiterkeit. Oktober... Mitten in der Sternennacht Pocht jäh das Denken an verlor'ne Zeit. aus dem Ackerfeuer? Und gehört es nicht zum seine Schuldigkeit getan, es soll ihm nichts Herbsttag wie die ziehenden Vögel, dass von abgehn an. Ehren, wenn er auch vor heimlicher-Wonne fast nicht weiss, was er für ein jeder Zeig die Wolke eines Dankopfers aufsteigt? Auch der Hölzliacker hat wahrhaftig Gesicht machen soll. Am ersten sonnighellen Augustsonntag war ich, wie jedes Jahr zur Ferienzeit, auf die Suche nach Bergkristallen gegangen, die sich im Saanenlande, meiner Heimat, noch zahl- Oktofa* Von Josef Robert Harrer Zu Mittag leuchten Weit die Farben auf. Die Blätter glühen rot; es steht im Blau Des blanken Himmels grell der Kirchturmknauf. Man träumt vom Sommer wie von einer Fraü..i £ia Alpfest Im SaaneaCand Von Hermann Aellen reich an Felsblöcken vorfinden. Ich schritt gemach, über sattgrüne Alpweiden bergan. Da, wie ich mich einer Alphütte näherte, vernahm ich plötzlich die dumpfen, regelmässigen Töne eines Brummbasses. Und ich wusste sogleich : Hier oben wurde das alljährliche Alpfest gefeiert. Näher gekommen sah ich sie, die sich im Takte der Flöten und Geigen auf dem aus rohgezimmerten Brettern zusammengesetzten und auf dem Läger (fetter, ebener Weideplatz neben der Sennhütte) aufgeschlagenen Tanzboden drehender Paare. Im Käsekeller zu ebener Erde becherten die bejahrten Sennen mit einigen über den. Berg gestiegenen welschen Nachbarn. Hinzugetreten, wurde ich von einem als langjähriger Feriengast und Landsmann erkannt und daher auch treuherzig mit einem Glase Waadtländer bewillkommt. Auf dem Tanzplatze, neben dem das weisse Kreuz im roten Felde lustig flatterte, begannen inzwischen die Geiger zu einem neuen Tanze aufzuspielen* Ich musste das flotte Zusammenspiel der vier bewundern; denn ich wusste, dass diese Spieler, die den Sommer über von Alp zu Alp wandern um ihre Kunst an den Alpfesten auszuüben, und heute, wie immer, den Geigenbogen gewandt über die Saiten führten, als ob sie mit der Sense hantierten, keinerlei Notenkenntnis besassen und sich einfach auf ihr ausgebildetes musikalisches Gehör verliessen. Während nun die Jungmannschaft ihre Schönen zum ungelenken Tanze führte, sass das ältere Sennenvolk an improvisierten Tischen um denlangsam einsetzenden Regen flohen endlich länderberge ein Gewitter Herauf. Vor dem Tanzplatz; sie alle schlürften bedächtig am Waadtländer, sprachen vom Vieh und vom Heuet, klopften dann die Wassersackpfeife an der Tischkante aus, um sie sogleich neu i zu füllen. Das waren die Bedächtigeren unter ihnen, die, welche das Alpfest nun seit ihrer Jugendzeit Jahr für Jahr mitgemacht und mitgetanzt, bis sie ihre Liebste gefunden und heimgeführt hatten. Von da an waren sie nur mehr die Zuschauer. In den langen Tanzpausen vergnügte sich das männliche Jungvolk mit Kegeln auf holperigem Rasen — eine ganz besondere Kunst, die der an eine glatte Kegelbahn Gewöhnte nicht so leicht gleichtut — während sich die Bergschönen an die Ausschmückung der Meisterkuh machten. Das Auftreten der Meisterkuh im Ring des Aelplervölkleins, das 'bildet natürlich den Höhepunkt des Festes. •Männiglich war denn auch gespannt auf den Festakt, und ein Fragen ging über die Tische nach dem Besitzer der Meisterkuh. Endlich, in später Nachmittagsstunde, kam sie, wurde auf den Tanzplatz geführt, und unverzüglich begann der Tanz um das festlich herausgeputzte Prachtsstück. Auf dem Kopfe des gravitätisch und selbstbewusst daherschreitenden Hornviehs prangte ein herrlicher Alpenrosenstrauss, um den Leib war ihm ein buntfarbiger Alpenblumenkranz gewunden. Da,o Missgeschick ! Unter der Last des schweren St&dende Astexn Von Edouard Heinrich Steenken Sterbende Astern, • ihr verdunkelt den Himmel. Fahl wird die Welt ohn euer Faröengewimmel. Ihr kleinen Sonnen, ihr letzten Sterne, verblüht nicht so bald! Solang ihr noch grüsst aus der Ferne, taucht mancher noch gern in Dunkel und Wald, Ihr bunten Funken über den traurigen Hängen. Ihr entrückt mich. Versunken lausch ich verschollenen Sängen des Sommers. Ihr kleinen verblassenden Sonnen, in euch verhaucht sich das grosse Jahr mit seinen Himmeln, Höllen und Wonnen. Ihr schmerzlichen Mahner: Wie schön es doch wart Vierfüsslers brach mitten im Tanze der Bretterboden ein. Die tanzenden Paare stoben auseinander, die Musik brach ab, und die das Sprichwort « Hochmut kommt vor dem Fall» nicht beherzigte, musste mühsam heraufgeschafft werden. Jetzt aber war die Meisterkuh gewitztigt: Angestrengten Bemühungen gelang es nicht, nachdem der Schaden rasch ausgebessert worden war, die Vielbewunderte nochmals zum Betreten des Tanzbodens zu bewegen. So musste denn der letzte Akt ohne die Hauptperson abgewickelt werden. Auf dem Platze waren die mit dem schmucken, rotverbrämten, kurzärmeligen Samtmelkrock bekleideten Jungburschen, untersetzte, sonngebräunte Kraftgestalten, zusammengetreten. Ihr Sprecher trat vor die Gruppe und brachte ein dreifaches Hoch auf den Besitzer der Meisterkuh aus, den er mit Namen nannte; dann stimmte er das alte, sogenannte < Lebehochlied» an, worauf der Chor der Burschen kraftvoll einfiel : Sie leben's alle wohl Unsere Freunde! Zuschanden sollen geh'n Unsere Feinde! N. N.*) lebe hoch Und mit ihm das ganze Geschlecht. Ja, sie lebens wohl, ja, sie lebens wohl. Ja, sie lebens tausend Jahr'. Und die Alten sei'n so frisch und gesund, so frisch und gesund, Als in ihren jungen Jahr*. Dem schlichten Volksliede Hessen die sangesfrohen Bergler einen Jodler nach dem andern folgen. Und die Saaner können es noch. Beim Abendwerden zog über die Waadt- die letzten Tänzer, um das Fest bis zum Morgengrauen — im Stalle fortzusetzen. Das nun ist das einzige, das redenlose Fest der Aelpler, wie es regelmässig auf allen grösseren Alpen im Lande abgehalten wird. Ursprünglich war es der Tag, an dem die Viehbesitzer, die ihre Lebendware dem Alpbesitzer und Sennen zur Alpung anvertraut hatten; an dem Tage bewirtete der seine Gäste freigebig bei ^ Nidel» und Hartkäse, führte sie in die Ställe zur* Inaugenscheinnahme ihrer Sorgenkinder, wie man sich über das fortschreitende Wachstum seiner Pflegebefohlenen versichert. Später wuchs sich dann der Tag zum allgemeinen Volksund Familienfest aus. Das Alpfest des Saanenlandes entsprang sicher, unbewusst zwar, dem Gedanken einer Huldigung der stolzen Viehhabe, die das kostbarste Gut des Bergbauern ist und im Mittelpunkt seines Erwerbslebens steht. Dieser Sinn liegt im Tanze um die festlich geschmückte Meisterkuh, als der ersten Vertreterin ihres dem Menschen so nutzbaren Tiergeschlechtes. So muss es wahrhaftig des Heimatfreundes Hoffnung sein, die alles nivellierenden Zeiteinflüsse möchten noch recht lange spurlos an diesem charaktervollen, echten Volksfeste vorübergehen. *) Der Besitzer der Meisterkuh.